November 5th, 2021 |
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Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus, ein gesamtgesellschaftliches Problem
Podcast Transfer Together, Folge 35 (24:45 min, 59,4 MB)
→Anhören/Download (mp3)
Sinti und Roma werden seit Jahrhunderten diskriminiert, benachteiligt und als Minderheit verfolgt. Wie akut dieses Problem auch in Deutschland ist, unterstrich im Juli 2021 der Abschlussbericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus. Der Bericht zeigte: Die Diskriminierung von Sinti und Roma geht auch von staatlichen Institutionen aus, wie etwa Schulen. Es mangelt vor allem an Aufklärung und Sensibilisierung. Nadine Küßner hat im Rahmen von TRANSFER TOGETHER ein Weiterbildungsangebot entworfen, das genau das leisten soll. Im Projekt-Podcast spricht sie mit Max Wetterauer über das Format und über ihre Arbeit in der antiziganismuskritischen Bildungsarbeit.
Arbeitsstelle Antiziganismusprävention der PH Heidelberg: Homepage, Twitter, Facebook
(Sendung und Text: Transfer Together)
November 4th, 2021 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
86% der 15- bis 30-Jährigen in Tschechien betrachten das Zusammenleben von Roma u. Mehrheit als „problematisch“. 2014 waren es 91%.
(Quelle)
November 2nd, 2021 |
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Interview, Rassismus & Menschenrechte
RDL.de: →Anhören (9.16 min)
Das deutsche Radio Radio Dreyeckland sprach mit Chana Dischereit, der Wissenschaftlichen Referentin für Politik und Öffentlichkeitsarbeit beim Verband Deutscher Sinti & Roma Landesverband Baden-Württemberg e.V., über den Fall in Singen (wir berichteten hier, hier und hier).
(Sendung von RDL.de, 26.10.2021)
Siehe auch:
Update: Neue Entwicklung im Fall in Singen, 23.10.2021
Kind in Handschellen: zweite Strafanzeige, 10.3.2021
Deutschland: Kind in Handschellen, 10.2.2021
Oktober 29th, 2021 |
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Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Dumm gefragt: „Neigen Sinti und Roma zur Kriminalität?!“
WDR/1LIVE, Podcastfolge vom 4.3.2021, 54:02 Min.
Verfügbar bis 4.3.2022
Sinti und Roma werden oft als „fahrendes Volk“ bezeichnet, und darin steckt schon das erste Vorurteil gegen sie. Den Sinti und Roma wird nachgesagt, sie seien faul, kriminell, würden in Wohnwagen und Zelten leben und viel zu viele Kinder bekommen. Diese Klischees existieren schon seit Jahrhunderten, weshalb Sinti und Roma immer wieder verfolgt und diskriminiert wurden.
Fritz Schaefer klärt mit Taisiya und Sejnur, was dran ist und wie Menschen der Sinti und Roma heute mit Vorurteilen umgehen.
(Text: WDR/1Live)
Oktober 23rd, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutschland: „Kind in Handschellen abgeführt“ – Arbeit des Landesverbands der Sinti und Roma (VDSR-BW) zeigt Wirkung
Die Staatsanwaltschaft Konstanz soll diese Woche Strafbefehl gegen zwei der vier Beamten ausgestellt haben, die am 6. Februar 2021 ein elfjähriges Kind in Singen (Baden-Württemberg) in Handschellen abgeführt und auf die Polizeiwache gebracht hatten (wir berichteten hier und hier). Gegen zwei weitere tatverdächtige Beamten soll das Verfahren gegen Auflagen eingestellt worden sein. Die Vorwürfe gegen das Kind haben sich als vollkommen haltlos erwiesen.
Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender des VDSR-BW: „Alle vier Beamten haben demnach rechtswidrig gehandelt. Der Landesverband begrüßt, dass die Staatsanwaltschaft dies festgestellt hat. Der Vorfall hat großes öffentliches Interesse und Empörung ausgelöst. Wir wünschen uns und erwarten auch, dass es zu einer öffentlichen Verhandlung kommt.“
Die zwei Beamten, die einen Strafbefehl erhalten haben sollen, haben der Staatsanwaltschaft zufolge Einspruch eingelegt. Eine öffentliche Hauptverhandlung ist daher nicht ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft soll bisher nicht von einer rassistischen bzw. antiziganistischen Motivation ausgehen. Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender: „Die mehrfache Verwendung des antiziganistischen ‚Z.‘-Begriffs ist belegt. Die Tatmotivation muss beim Namen genannt werden.“
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Oktober 18th, 2021 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Antiziganismus erkennen – benennen – entgegenwirken! Anticiganismus esbe te lel – te akarel – gejng pe te terdscharel! Dream Road – Fortbildung zu pädagogischen Methoden gegen Antiziganismus
Die Roma-Volkshochschule Burgenland bietet Ihnen eine Workshopreihe bzw. Ausbildung für Trainer/innen an, in der Sie bestens darauf vorbereitet werden, in Schulen und Erwachsenenbildung zum Thema „Theorie und Praxis gegen Diskriminierung und Antiziganismus“ zu arbeiten.
Sa., 23.10.2021, 09:30 – 15:30 Uhr
Ort: VHS Erlaa, Putzendoplerg. 4, 1230 Wien
Kursleitung: Melinda Tamás MA
Teilnehmer/innen: 6 bis 15 (kostenlos)
→Zur Anmeldung (Kurs-Nr.: 21DROM02)
Zielgruppe: Workshop für Trainierende, Pädagoginnen und Pädagogen, Jugendleiterinnen und Jugendleiter, Multiplikator/innen und andere Interessierte
Methodik: Wissensvermittlung, Theorie Input, Kleingruppen- und Großgruppenübungen, soziometrische (Aufstellungs-)Übungen, im Falle von Präsenzunterricht: Rollenspiele
Das Training zielt auf die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Ausprägungen des Antiziganismus ab und stellt Methoden für die schulische und außerschulische Sensibilisierungs- und Bildungsarbeit vor. Neben Informationen zum historischen und aktuellen Antiziganismus in Europa, insbesondere in Österreich, sowie zur Struktur und Funktionsweise antiziganistischer Vorurteilsstrukturen, werden pädagogische Konzepte und Methoden vorgestellt und erprobt. Schwerpunkt des Trainings ist das praktische Erproben und Erfahren der Übungen. Read the rest of this entry »
Oktober 17th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Europarat fordert Tschechien zur Bekämpfung von Stereotypen auf
Tschechien muss bei der Bekämpfung von Stereotypen, Vorurteilen und feindseligen Äußerungen gegenüber Minderheiten seine Anstrengungen verstärken. Dies steht in dem Bericht des Beratungsausschusses zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Die Regierung in Prag wird zudem aufgefordert, Frauen der Roma-Minderheit zu entschädigen, die in den Jahren zwischen 1966 und 2012 Opfer von Zwangssterilisierungen wurden.
Der Beratungsausschuss würdigte gleichzeitig Fortschritte bei der Bekämpfung der Diskriminierung in Tschechien, vor allem im Bildungs- und Medienbereich. Der bereits fünfte Bericht dieser Art erwähnt außerdem positiv den Abriss des Schweinezuchtbetriebes auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers für Sinti und Roma in Lety.
In Tschechien käme es dennoch immer wieder zu Anfeindungen von Roma, muslimischen Einwanderern oder auch Deutschen, und dies vor allem in den sozialen Netzwerken, heißt es im Bericht weiter. Read the rest of this entry »
Oktober 15th, 2021 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Obwohl Rom*nja und Sinti*ze bereits seit dem 15. Jahrhundert in Österreich leben, wird ihre Geschichte noch immer nicht als Teil der österreichischen Geschichte betrachtet. Damit verhärten sich die Vorurteile und Rassismen, die sich über die Jahrhunderte in der Mehrheitsgesellschaft eingenistet haben. Während die ältere Generation der Rom*nja und Sinti*ze ihre kulturelle Herkunft oft geheim gehalten hat, um sich vor Anfeindungen, Diskriminierungen und Gewalt zu schützen, tritt die junge Generation selbstsicher auf.
Wir als Community müssen unsere Ressourcen darauf konzentrieren, Menschen zu empowern. Jung bis alt müssen emporwert werden. Wir haben lange genug darum gebeten, einen Platz am Tisch der Dominanzgesellschaft zu bekommen. Wir müssen anfangen, unseren eigenen Tisch zu bauen.
Roxanna-Lorraine Witt
In diesem Feature lassen wir sieben Rom*nja und Sinti*ze aus Österreich und Deutschland über ihren Aktivismus und neue Narrative sprechen. Dazu gehören die beiden Gründerinnen des Opre Heroes Collectives und Menschenrechtstrainerinnen, Ioana und Irina Spataru, die burgenländische Journalistin und Autorin Katharina Graf Janoska, Aktivistin und Gründerin des Romblogs Gilda Horvarth, Sinti-Aktivistin und Executive Director von Save Space Roxanna-Lorraine Witt und die beiden Gründer des Rymecast-Podcasts Sejnur Memisi und Nino Novakovic. Read the rest of this entry »
Oktober 10th, 2021 |
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Film & Theater, Interview, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte
Dokumentarfilm von Jakub Jurásek
CZ 2019 | 20:32 Min. | artycok.tv/CC
Porträt der aus der Slowakei stammenden Prager Künstlerin, Kuratorin und Aktivistin mit Roma-Hintergrund Ladislava Gažiová.
Oktober 8th, 2021 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Die österreichische Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW, Infos und Kontakt →hier) wendet sich mit folgender Aussendung an Roma-Organisationen und bittet um Mithilfe und Verbreitung:
Antiziganismus bekämpfen, Diskriminierung melden!
Personen mit Rom:nja-Hintergrund in verschiedensten Situationen mit Rassismus und Antiziganismus konfrontiert. Dies ist ein tiefwurzelndes gesamtgesellschaftliches Problem. In der Beratung berichten uns Betroffene, dass sie aus Geschäften weggeschickt werden sowie von rassistischen Beschimpfungen im Rahmen ihres Arbeitsalltags. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft bietet hier Unterstützung!
- Wir erklären Betroffenen, was sie tun können.
- Wir informieren sie über ihre Rechte und helfen ihnen, diese durchzusetzen.
- Wir dokumentieren Diskriminierung und berichten an den Nationalrat.
Nur wenige Betroffene wenden sich mit Diskriminierungsproblemen jedoch an die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Einerseits fehlt das Vertrauen, andererseits das Wissen über bestehende Rechtschutzmöglichkeiten.
Wir möchten diese Barrieren überwinden und ersuchen Sie dabei um Ihre Unterstützung.
September 29th, 2021 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
RTVS.sk: In der Romasiedlung Luník IX im ostslowakisschen Košice wurde am Wochenende das Projekt „Budujeme nádej“ (Bauen wir Hoffnung) offiziell gestartet. Dieses beinhaltet den Bau gemeinschaftlicher Einrichtungen und Wohnhäuser im Selbsthilfeverfahren. Als Erstes wird in Zusammenarbeit mit dem städtischen Sozialbetrieb ein Gemeinschaftshaus geschaffen, das allen am Projekt teilhabenden Familien dienen soll, später folgen Wohnhäuser für Familien. Der Bau erfolgt auf Basis eines Spar- und Mikrokreditprogramms, das die NGO ETP – Zentrum für nachhaltige Entwicklung (ETP Slovensko – Centrum pre udržateľný rozvoj) koordiniert. Durch die Errichtung der Gebäude in Selbsthilfe sollen die Bewohner auch Fertigkeiten erhalten, die ihnen später auf dem Arbeitsmarkt zugutekommen können. Über den Projektstart erfreut zeigte sich auch der Bürgermeister von Luník IX, Marcel Šaňa: „Bald beginnt der Bau eines Musterhauses, das den Bewohnern auch zeigen soll, dass das Projekt real ist, denn wir haben lange davon gesprochen. Der Weg war ziemlich steinig, weil wir bei null begonnen haben – am Anfang gab es nicht einmal Grundstücke dafür. Dann kam noch der lange Prozess einer urbanistischen Studie, weshalb viele unserer Bewohner bereits den Glauben ans Projekt verloren haben und kein großes Interesse vorhanden war.“
Errichtet in den 1970er Jahren, war Luník IX ursprünglich als Wohngebiet für Angehörige der Armee, der Polizei sowie der Roma-Bevölkerung vorgesehen. Nach 1989 und dem Wegzug vieler Einwohner wurde der Stadtteil zunehmend zu einem ethnischen Ghetto. Ursprünglich für etwa 2.000 Einwohner konzipiert, leben heute in Luník IX mehr als 6.000 Roma in teils verfallenen Plattenbauten. Read the rest of this entry »
September 28th, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Imke Rath und Riem Spielhaus:
Schulbücher und Antiziganismus
Zur Darstellung von Sinti und Roma in aktuellen deutschen Lehrplänen und Schulbüchern (=Eckert. Dossiers, vol. 3/2021), hrsg. vom Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, [Braunschweig] 2021. [CC BY 3.0]
→zur Download-Seite | →zur Projektseite
Das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung hat im Auftrag der Unabhängigen Kommission Antiziganismus eine Expertise über die Darstellung von Sinti und Roma in deutschen Schulbüchern erstellt. Diese ist ab sofort online verfügbar.
Imke Rath und Riem Spielhaus analysieren in der Expertise Schulbücher aus den Fächern Geschichte, Politische Bildung und Erdkunde, die 2019 in weiterführendeb Schulen der 16 deutschen Bundesländer Teil der Lehrpläne waren. Die Wissenschaftlerinnen untersuchten die in den Lehrplänen vorgeschlagenen Themen sowie den Kontext, in dem Schulbücher Sinti*zze und Rom*nja erwähnen. Ein besonderes Augenmerk der qualitativen Schulbuchanalyse liegt auf dem Verhältnis zwischen passiven und aktiven Darstellungen von Sinti und Roma. Aber auch auf dominanten Mustern ihrer Darstellung, wie der Repräsentation als Gruppe von Außenseitern oder als passive Opfer ohne die Fähigkeit zu handeln oder sich gegen Verfolgung zu wehren. Untersucht wurde auch der Umgang mit abwertenden Begriffen in Schulbüchern, einschließlich solcher, die abwertende Bezeichnungen explizit thematisieren und als Ausdruck von Herrschafts- und Ausgrenzungspraktiken einordnen.
Die Expertise dokumentiert markante Darstellungen von Sinti und Roma in den Schulbüchern, um auf Potenziale zur diskriminierungssensiblen bzw. rassismuskritischen Repräsentation zu verweisen. Die Bestandsaufnahme diente der Unabhängigen Kommission Antiziganismus als Grundlage für Empfehlungen für die weitere Entwicklung von Lehrplänen und Schulbüchern, die im Juni 2021 dem Deutschen Bundestag in einem Bericht vorgelegt wurden. Read the rest of this entry »
September 19th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte, Religion
O kedveschno dad Franziskus ando triti di leskera Slovakija-roasatar, kedenake paloplane jek Romengeri-sidlung ando foro Košice kher rodija.
O termin tipischi la Franziskusakera agendake hi – jek talalinipe manuschenca, save avrak i khetanipeskeri rik dschin. Kaj o schero la katolischi khangerijatar akan aja Romengeri-sidlung kher rodija, te but politikertschen le thanestar daratscha. Ada te jek cajchn la slovakitika birovtschagoskera khangerijake hi, phentscha o aguno parlamentoskero presidento taj simbolakeri figura la katolischi Slovakijatar, František Mikloško.
Anglo ladipe ande Luník IX, kamla o Franziskus ande Prešov use jek mischa use te ol. Oja palo bicantinischi ritus tel likerdi te ol, upre savo pumen but katolischi ostitike khangertscha likeren. O Franziskus pre mischi mindig ando römischi ritus mulatintel. Kiratiske meg jek talalinipe ternenca ando lobdakero khelipeskero schtadijon le farajnistar FC VSS Košice del. Terne manuschen o 84 berschengero phuro argentinijakero mindig ande pre moliniptscha ande phandel.
Andi lakere igen bibastale dschivipeskere situacijendar prindschardi seletoskeri bauninipeskeri sidlung Luník IX maschkar 5.000 taj 6.000 manuscha la Romengera-flogoskera grupnatar dschin.
(Josef M. Schmidt, volksgruppen.orf.at)
September 17th, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Apostolische Reise von Papst Franziskus in die Slowakei: Begegnung mit der Roma-Gemeinschaft in Luník IX (Košice), 14. September 2021 (mehr hier)
Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
Ich danke euch für den herzlichen Empfang und für eure lieben Worte. Ján hat daran erinnert, was der heilige Papst Paul VI. einmal zu euch gesagt hat: »Ihr steht in der Kirche nicht am Rand … Ihr seid im Herzen der Kirche« (Homilie, 26. September 1965). Niemand darf sich in der Kirche fehl am Platz oder beiseitegeschoben fühlen. Das ist nicht nur eine Redensart, sondern ein Merkmal von Kirche-Sein. Denn Kirche-Sein bedeutet als von Gott Zusammengerufene zu leben, sich als Stammspieler im Leben zu fühlen und zur gleichen Mannschaft zu gehören. Ja, denn Gott möchte uns so haben, jeder verschieden, aber alle um ihn vereint. Der Herr sieht uns im Miteinander. Alle.
Und er sieht uns als Söhne und Töchter: er hat den Blick eines Vaters, den Blick der Vorliebe für jedes seiner Kinder. Wenn ich diesen Blick auf mir annehme, lerne ich auch die anderen richtig zu sehen: ich entdecke, dass neben mir weitere Kinder Gottes stehen, die ich als Geschwister anerkennen kann. Das ist die Kirche, eine Familie von Brüdern und Schwestern mit dem gleichen Vater, der uns Jesus als Bruder gegeben hat, damit wir verstehen, wie sehr er die Geschwisterlichkeit liebt. Und er möchte, dass die ganze Menschheit eine weltweite Familie wird. Ihr hegt eine große Liebe für die Familie, und ihr schaut von dieser Erfahrung her auf die Kirche. Ja, die Kirche ist ein Haus, sie ist euer Haus. Read the rest of this entry »
September 16th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte, Religion
Papst Franziskus hat bei seiner Slowakei-Reise eine Roma-Siedlung besucht und die Diskriminierung der Minderheit verurteilt. Das Welthaus der Diözese Graz-Seckau, das die Roma vor Ort unterstützt, sieht darin ein Zeichen der Hoffnung.
Papst Franziskus hat am 14. September am Stadtrand von Košice eine der größten Roma-Siedlungen in Europa besucht (mehr hier). Am Platz vor dem Salesianerzentrum in der Plattenbausiedlung Luník IX war die Stimmung den ganzen Nachmittag über fröhlich und begeisternd. Mit einem bunten Programm aus Liedern, Gebeten und Gesprächen mit Roma und Nicht-Roma wurde der Papst herzlichst empfangen. „Ihr seid nicht am Rande, ihr gehört zur Kirche, zum Team“, war einer der einleitenden Gedanken von Franziskus. Bei seiner Ansprache war zu spüren, dass der Papst die Probleme der Armut aus nächster Nähe kennt: „Menschen in Ghettos abzuschieben, löst keine Probleme. Abgeschlossenheit führt zur Wut – der Weg führt über Dialog und Integration.“ Im Alltag führten Beistand, Unterstützung und konkretes Tun zur Veränderung – „nicht schnell, aber mit der Zeit“. Integration ist für Franziskus „ein vitaler Prozess“. Seine wichtigste Botschaft, an die ganze Gesellschaft gerichtet, lautete: „Ihr seid allzu oft mit Vorurteilen und unbarmherzigen Verurteilungen konfrontiert, mit Diskriminierung und beleidigenden Worten und Gesten. Dadurch sind wir alle ärmer geworden. Ärmer in Menschlichkeit.“
Der Besuch des Papstes in Lunik IX sei mehr als symbolisch, meint Agnes Truger vom Welthaus der Diözese Graz-Seckau: „Massenarbeitslosigkeit, Müll, Autowracks und zerbrochene Scheiben, verkohlte Hauswände: Dieser Ort steht stellvertretend für alle Orte der Ausgrenzung, der bitteren Armut und des Versagens der Sozialpolitik eines Landes.“ Roma-Siedlungen wie diese gäbe es in Europa viele. Der Papstbesuch käme zum richtigen Zeitpunkt, ist Truger überzeugt: Read the rest of this entry »
September 13th, 2021 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
La Vera Lackovákero jomakero rodipe „Sar me partisankija ujom“
Ande lakero erschti dugo film i slovakitiki Romni Vera Lacková jeka kora flatsckake ando nacijonali historijakero kipo use pe irinel: uso viderschtaund le Romendar ando dujto themeskero haburi.
Ando kisetinipe le augustistar 1944 slovakitike partisantscha gejng o NS-beschaschtscha taj o faschistischi marijonetengero reschim pumen terdscharde. O slovakitiko nacijonakero upre terdschojipe paloda uso keripeskero mitos le khetanipestar palo hauburi ulo – o falato, savo te Roma khelnahi, ham pedar deschberschengere na phukade: Le viderschtaundiskere dschenenge andar o tschulipe ando nacijonali historijakero kipo nana than. Kolektivi palgondolipe butschol mindig te jek selektivi pobisteripe. Mindig te na akarde del, savengero gondolipe asaj dur andar o pradipe ari dschumim ol, dschimeg o lejcti palgondolipe tschak pal use tschapinde vudara, andi briga lengere familijendar, bajder dschil.
O papuskero dad
Adale historischi koripeha na kamla pe i slovakitiki filmiskeri keraschkija Vera Lacková tel te lakel taj probalinel, i historija le Romengere-partisanendar, sar oj le phenel: „pal ando khetanipe“ te hulinel. Ande lakero dokumentacijakero film „Sar me partisankija ujom“/„Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) phukal oj pedar o terdschijipe lakere ajgeni papuskere dadestar, Ján Lacko, savo pe 1944 ojs Rom le upre terdschojipeske aun phandla taj pra cila familija use jek hosinipeskeri akcijona le nimtschke beschaschendar naschatscha. Read the rest of this entry »
September 11th, 2021 |
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Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Antiziganismus und Antisemitismus online – Forschungsergebnisse des Projekts Re-ACT (Remember and Act!)
Hass, Gewalt und Ausgrenzung: Beide Gruppen, jüdische Menschen und Roma, werden als eine „Bedrohung“ in und für die Gesellschaft wahrgenommen. Seit dem Mittelalter bis heute sind Roma und Juden traditionelle Sündenböcke. Diese und andere Erkenntnisse präsentieren die analytischen und vergleichenden Studien, die im Rahmen des internationalen Projekts Remember and ACT! (Re-ACT) erstellt wurden, welches sich auf die Ervforschung „alter“ Hasskonzepte in ihren modernen Formen konzentriert.
Das Projekt wird von der Organisation ROMEA zusammen mit dem Internationalen Netzwerk gegen Cyber-Hass (INACH), der französischen NGO LICRA und dem österreichischen Forschungsunternehmen SYNYO durchgeführt.
Die von INACH für Kontinentaleuropa erstellte Analyse von hasserfüllten Online-Posts hat gezeigt, dass starke Verbindungen zwischen aktuellen Hassreden im Internet und den Praktiken, welche üblich für Nazi-Propaganda waren, bestehen. Ziel der im Rahmen des Re-ACT-Projekts erstellten Studien ist es, die Mechanismen zu beleuchten, mit denen alte Stereotypen, Halbwahrheiten und Mythen über Juden und Roma wiederverwertet werden. Die Studien zielen darauf ab, die Prinzipien zu erläutern, die dem Wiederaufleben dieser tief verwurzelten antijüdischen oder Anti-Roma-Einstellungen zugrunde liegen, und zu zeigen, wie diese neuen Formen derselben sich wiederholenden fremdenfeindlichen Ideen online in modernen Formen existieren, insbesondere in den sozialen Medien.
Antiziganismus
Nach den Erkenntnissen der im Projekt tätigen Analysten ist es offensichtlich, dass Antiziganismus online auf dem Vormarsch ist. „Der Trend ist eine kontinuierliche Normalisierung von Hassreden gegen Roma. Solche Reden werden heute nicht nur von Mitgliedern ultra-rechter Gruppen verbreitet, sondern auch von ‘normalen’ Menschen oder Mainstream-Parteien“, sagen Selma Muhič Dizdarevič und Jitka Votavová, die Autorinnen der Studie über Antiziganismus.
„Fake News, Hoaxes und Manipulationen werden als Instrumente zur Verbreitung von Hass eingesetzt. Auch der Trend zu sogenanntem humorvollem Rassismus nimmt zu und schafft einen Cocktail aus Ironie, Spott und Erniedrigung, der vor allem für junge Menschen attraktiv ist“, so die Autoren. Read the rest of this entry »
September 6th, 2021 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
Vera Lackovás Spurensuche „Wie ich Partisanin wurde“
In ihrem Langfilmdebüt wendet sich die slowakische Romni Vera Lacková einem blinden Fleck im nationalen Geschichtsbild zu: dem Widerstand der Roma im Zweiten Weltkrieg.
Ende August 1944 erhoben sich slowakische Partisanen gegen die NS-Besatzer und das faschistische Marionettenregime. Der Slowakische Nationalaufstand wurde später zum Gründungsmythos der Nachkriegsgesellschaft – den Anteil, den auch Roma dabei spielten, hat man jedoch über Jahrzehnte totgeschwiegen: Für Widerstandshelden aus der Minderheit war im nationalen Geschichtsbild kein Platz. Kollektives Erinnern bedeutet schließlich immer auch selektives Vergessen. Denn immer gibt es auch Verschwiegene, deren Andenken so lange aus der Öffentlichkeit gedrängt wird, bis die letzte Erinnerung an sie nur noch hinter verschlossenen Türen, in der Trauer ihrer Familien, weiterlebt.
Urgroßvater
Mit diesen historischen Blindstellen will sich die slowakische Filmemacherin Vera Lacková nicht abfinden und versucht, die Geschichte der Roma-Partisanen, wie sie es formuliert: „zurück in die Gesellschaft“ zu holen. In ihrem Dokumentarfilm „Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) erzählt sie in erster Linie vom Schicksal ihres eigenen Urgroßvaters, Ján Lacko, der sich 1944 als Rom dem bewaffneten Aufstand anschloss und seine gesamte Familie bei einer Vergeltungsaktion der deutschen Besatzer verlor. Read the rest of this entry »
August 31st, 2021 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Nach falschen Gerüchten über ein Verbrechen nahmen maskierte Polizisten in Belarus am 16.5.2019 bei Razzien ca. 100 unschuldige Roma fest.
(Quelle)
August 30th, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Berlin: Amaro Foro veröffentlicht die Dokumentation antiziganistischer Vorfälle 2019 und 2020
→Zur Publikation (pdf)
2019 machte ein antiziganistischer Vorfall in Hameln bundesweit Schlagzeilen: Eine Frau, die sich bei einem Wohnungsunternehmen mehrmals um eine Wohnung beworben hatte, bekam ein Schreiben zugeschickt, in dem stand: »Leichter Zigeuner-Einschlag. Besser nichts anbieten.« Das Schreiben war offenbar für den internen Gebrauch bestimmt und nur versehentlich verschickt worden. Damit war der Betroffenen auch klar, warum ihre Bewerbungen seit Jahren erfolglos waren – eine eindeutige antiziganistische Diskriminierung. Nach den Erkenntnissen der Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA) ist dieser Vorfall durchaus repräsentativ für die Erfahrungen, die Menschen mit tatsächlichem oder zugeschriebenem Roma-Hintergrund auch heute noch in Deutschland machen. DOSTA erfasst seit 2014 systematisch antiziganistische und diskriminierende Vorfälle, die sich in Berlin ereignen. Über die Jahre wurden Hunderte Vorfälle dokumentiert, es ist aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen.
„Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebenem Roma-Hintergrund sind in Deutschland von vielfältigen Ausschlüssen und Stigmatisierungen betroffen, auf struktureller und individueller Ebene. Auf diese ohnehin äußerst prekäre Situation hat die Corona-Pandemie wie ein Brandbeschleuniger gewirkt und zu öffentlichen Diffamierungen ebenso wie existenzbedrohlichen Lebenslagen geführt“, erklärt Georgi Ivanov, Vorstandsmitglied von Amaro Foro.
In den Jahren 2019 und 2020 waren einige Themen besonders dominant: In deutschen Behörden, besonders in Jobcentern, sind Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebenem Roma-Hintergrund einer systematischen und strukturellen Kriminalisierung ausgesetzt, die häufig zur rechtswidrigen Verweigerung von Leistungen führt. Read the rest of this entry »