Welthaus: Papstbesuch weckt Hoffnung für Roma

September 16th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion  |  1 Comment

Papst Franziskus zu Gast in der Roma-Siedlung Luník IX (Foto: vatican.va)Papst Franziskus hat bei seiner Slo­wa­kei-Reise eine Ro­ma-Sied­lung be­sucht und die Dis­kri­mi­nie­rung der Min­der­heit ver­ur­teilt. Das Welt­haus der Diö­ze­se Graz-Seckau, das die Roma vor Ort un­ter­stützt, sieht da­rin ein Zei­chen der Hoff­nung.

Papst Franziskus hat am 14. September am Stadtrand von Košice eine der größ­ten Roma-Sied­lun­gen in Europa be­sucht (mehr hier). Am Platz vor dem Sa­le­sianer­zentrum in der Platten­bau­siedlung Luník IX war die Stim­mung den ganzen Nach­mittag über fröh­lich und be­geis­ternd. Mit einem bunten Pro­gramm aus Liedern, Gebeten und Ge­sprä­chen mit Roma und Nicht-Roma wurde der Papst herz­lichst empfan­gen. „Ihr seid nicht am Rande, ihr ge­hört zur Kirche, zum Team“, war einer der ein­leiten­den Ge­danken von Franziskus. Bei seiner An­sprache war zu spüren, dass der Papst die Proble­me der Armut aus nächs­ter Nähe kennt: „Men­schen in Ghettos ab­zu­schieben, löst keine Probleme. Ab­ge­schlos­sen­heit führt zur Wut – der Weg führt über Dialog und Integration.“ Im Alltag führ­ten Beistand, Unter­stützung und konkretes Tun zur Ver­änderung – „nicht schnell, aber mit der Zeit“. Integra­tion ist für Fran­ziskus „ein vitaler Prozess“. Seine wich­tigste Botschaft, an die ganze Gesell­schaft ge­richtet, lautete: „Ihr seid allzu oft mit Vor­urteilen und un­barm­herzi­gen Ver­urteilun­gen kon­frontiert, mit Diskri­mi­nierung und beleidi­genden Worten und Gesten. Da­durch sind wir alle ärmer ge­worden. Ärmer in Mensch­lich­keit.“

Der Besuch des Papstes in Lunik IX sei mehr als symbolisch, meint Agnes Truger vom Welthaus der Diöze­se Graz-Seckau: „Massen­arbeits­losig­keit, Müll, Auto­wracks und zer­bro­che­ne Scheiben, verkohlte Haus­wände: Dieser Ort steht stell­ver­tretend für alle Orte der Aus­gren­zung, der bitteren Armut und des Versagens der Sozialpolitik eines Landes.“ Roma-Sied­lungen wie diese gäbe es in Europa viele. Der Papst­besuch käme zum rich­ti­gen Zeitpunkt, ist Truger über­zeugt: „Während der Pandemie, als alle mit eigenen Proble­men be­schäftigt waren, sind die Roma gänz­lich aus dem Blickfeld der Öf­fent­lich­keit ver­schwunden. Franziskus holt diese Men­schen am Rande der Gesell­schaft wieder in den Mittel­punkt. Es ist zu hoffen ist, dass die Botschaft des Papstes ver­stan­den wird.“

Welthaus unterstützt seit 20 Jahren Roma in der Slowakei bei der Verbes­se­rung ihrer Lebens­bedin­gun­gen. Ein zentra­les Ziel ist die Stär­kung von Roma bei der politi­schen und gesell­schaftli­chen Teilhabe. In Schulungen wer­den Romnija ge­stärkt, für ihre An­liegen ein­zu­tre­ten. In Kindergarten­gruppen be­reiten sie die Kinder für den Schul­eintritt vor. Zum größ­ten Erfolg gehört, dass heuer kein Kind mehr in die Sonder­schule gehen musste. Das Roma-Zentrum in Lipany konnte durch die Unter­stützung von Welt­haus seine Bildungs­an­ge­bote, die Bera­tung bei der Arbeits­suche und Freizeit­an­ge­bote für Kinder und Jugend­liche aus­bauen.

→Weitere Infos zu den Roma-Projekten des Welthauses

(Text: Welthaus Graz)

Siehe auch:
Potemkinsche Roma-Siedlung für Papstbesuch
, 31.7.2021

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Grußadresse von Papst Franziskus an die Roma says:

    September 16th, 2021 at 10:35 (#)

    [...] auch: Welthaus: Papstbesuch weckt Hoffnung für Roma, 16.9.2021 Potemkinsche Roma-Siedlung für Papstbesuch, 31.7.2021 Zentralrat für Umbenennung der [...]