Fake News, Hoaxes, Manipulationen

September 11th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Re-ACTAntiziganismus und Antisemitismus online – For­schungs­er­geb­nis­se des Pro­jekts Re-ACT (Re­mem­ber and Act!)

Hass, Gewalt und Ausgrenzung: Beide Gruppen, jüdische Menschen und Roma, wer­den als eine „Bedro­hung“ in und für die Gesell­schaft wahr­ge­nom­men. Seit dem Mittelalter bis heute sind Roma und Juden tra­ditio­nel­le Sündenböcke. Diese und an­dere Er­kennt­nisse prä­sen­tieren die analy­tischen und ver­glei­chen­den Studien, die im Rahmen des inter­natio­na­len Pro­jekts Remember and ACT! (Re-ACT) er­stellt wur­den, welches sich auf die Ervforschung „alter“ Hass­kon­zepte in ihren modernen Formen kon­zentriert.

Das Projekt wird von der Organisation ROMEA zusammen mit dem Inter­natio­na­len Netz­werk gegen Cyber-Hass (INACH), der fran­zösi­schen NGO LICRA und dem öster­reichi­schen Forschungs­unter­neh­men SYNYO durch­ge­führt.

Die von INACH für Kontinentaleuropa erstellte Analyse von hass­erfüll­ten On­line-Posts hat gezeigt, dass starke Ver­bindungen zwi­schen aktuel­len Hassreden im Internet und den Prakti­ken, welche üb­lich für Nazi-Pro­pa­ganda waren, be­stehen. Ziel der im Rah­men des Re-ACT-Projekts er­stellten Studien ist es, die Mechanis­men zu be­leuchten, mit denen alte Stereo­typen, Halb­wahrheiten und Mythen über Juden und Roma wieder­ver­wertet werden. Die Studien zielen darauf ab, die Prinzi­pien zu erläu­tern, die dem Wieder­aufleben dieser tief ver­wurzel­ten anti­jüdischen oder An­ti-Ro­ma-Ein­stel­lungen zu­grunde liegen, und zu zeigen, wie diese neuen Formen der­selben sich wieder­holen­den fremden­feind­lichen Ideen online in mo­dernen Formen existie­ren, ins­beson­dere in den sozialen Medien.

Antiziganismus

Nach den Erkenntnissen der im Projekt tätigen Analysten ist es offensichtlich, dass Anti­ziganis­mus online auf dem Vor­marsch ist. „Der Trend ist eine kon­tinuier­liche Normalisie­rung von Hassreden gegen Roma. Solche Reden werden heute nicht nur von Mit­glie­dern ultra-rech­ter Gruppen ver­breitet, sondern auch von ‘norma­len’ Men­schen oder Main­stream-Par­teien“, sagen Selma Muhič Dizdarevič und Jitka Votavová, die Autorin­nen der Studie über Anti­ziganismus.

„Fake News, Hoaxes und Manipulationen werden als Instrumente zur Verbreitung von Hass ein­gesetzt. Auch der Trend zu so­genann­tem humor­vollem Rassismus nimmt zu und schafft einen Cocktail aus Ironie, Spott und Erniedri­gung, der vor allem für junge Men­schen attraktiv ist“, so die Autoren. Auch der Trend, historische Fakten im Zu­sammen­hang mit dem Völkermord an den Roma während des Zweiten Weltkriegs ent­weder zu relativie­ren oder ganz zu leugnen, setzt sich fort.

„Es tauchen recht häufig Behauptungen auf, dass es eine besondere Art von ‚Roma-Kri­minalität‘ gibt oder dass Roma im Vergleich zu anderen Ein­wohnern Vorteile erhalten“, be­richten die analyti­schen Studien und nennen als Beispiel die Falsch­meldung über kosten­lose Medikamente oder höhe­re Sozial­leistungen für Roma. Diese Anti-Roma-Ein­stel­lungen schaf­fen eine „gemein­same Main­stream-Iden­tität“ und dienen als „Blitzableiter“ für ande­re sozia­le Probleme.

Antisemitismus

Es steht außer Frage, dass der Antisemitismus heutzutage wieder zunimmt. Der globale Kontext multi­dimen­sio­na­ler Krisen trägt dazu bei, die Situa­tion noch weiter zu ver­schärfen. So zeigt sich das Wieder­auf­leben des Anti­semitismus im Internet und im Alltag, auch in den europäi­schen Ländern im westli­chen, mittleren und östlichen Teil des Kon­tinents. Zum Beispiel werden im Zu­sammen­hang mit der COVID-19-Pan­demie über soziale Netzwerke viele Ver­schwörungs­theorien darüber ver­breitet, dass vor allem jüdische Men­schen für die Ver­breitung des Virus verantwortlich seien. Dieses Thema ist recht populär geworden, es ist daher wichtig, sich auf die antisemiti­schen Äußerun­gen zu kon­zentrieren, die online ge­teilt werden.

Antisemitische Hassreden im Internet sind das Spiegelbild von jahr­hun­derte­lang­en Stereotypen, Stig­matisierung, Dis­kriminierung und Gewalt. Es ist schwierig, die Menge an anti­semitischen Inhalten ab­zu­schätzen, aber soziale Medien, Blogs und andere Online-Platt­formen haben in hohem Maße zur Ver­breitung und Förde­rung von gewalt­tätigen, gefähr­lichen anti­semiti­schen Mythen, Ver­schwörungs­theorien und Reden bei­ie­tragen. Fast alle wichtigen Ereignisse können po­ten­ziell zu anti­semitivschen Inhalten im Internet führen.

Aus diesen Gründen ist es von entscheidender Bedeutung Antisemitismus durch eine gemein­same Strategie zu be­kämpfen, die auf Aufklärung und auf länder­über­greifenden Regeln und Definitionen basiert. Die Zivil­gesell­schaft steht an vor­derster Front, wenn es darum geht, antisemitivsche Online-Inhalte in Zu­sammen­arbeit mit Main­stream-Platt­formen sowie mit na­tionalen und euro­päi­schen Behörden zu melden und zu bekämpfen.

Projekt Re-ACT

Das Ziel des Projekts Re-ACT ist es, auf der Grundlage der Analyse von Hassreden und On­line-Prak­tiken das Bewusst­sein für die Ursprünge dieser Reden und die Motiva­tionen derer, die sie betreiben, zu schärfen und auf­zu­zeigen, wie man sich effekvtiv da­gegen wehren kann.

Ein wesentlicher Bestandteil der Projektarbeit ist die Bereitschaft von Experten, ihr Wissen und ihre Erfah­rungen zu teilen. An­ge­sichts der Tatsache, dass direkte Augen­zeugen der Schrecken des Holocausts im­mer weniger werden und die Zahl derer, die die Aus­wirkun­gen der NS-Ideo­logie an­zweifeln, wächst, werden solche Aktivi­täten immer not­wendiger.

Als Teil des Projekts Re-ACT wird auch eine On­line-„Prä­ven­ti­ons-Hub“ ge­schaffen, ein Zentrum für den Aus­tausch von pädago­gischen und metho­dischen Materia­lien, in dem interes­sier­te Fachleute (Lehrer, die­jenigen, die mit Jugendvlichen arbeiten, Ver­treter der Zivilgesell­schaft, Politiker) sowie die breitere Öffent­lich­keit aktuelle, ge­prüfte Informa­tionen im Bereich der Online-Prävention von Hass gegen jüdische Menschen, Roma und andere mar­ginali­sierte Gruppen sowie damit ver­bunde­ne Initiativen und neueste Ent­wick­lungen finden können.

Für weitere Informationen zu diesem Projekt besuchen Sie die Website React.inach.net.

Das Projekt Re-ACT wird durch das Programm der Euro­päi­schen Union „The Rights, Equality and Citizen­ship Pro­gramme (2014–2020)“ fi­nanziert.

Dokumente, Factsheets & Berichte (Download):

(Text: Re-ACT/Synyo-OTS)

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