Slowakei: Neue Wohnungen durch Selbsthilfe

September 29th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Bauprogramm in Rankovce (Foto: ETP)RTVS.sk: In der Romasiedlung Luník IX im ost­slowaki­sschen Košice wurde am Wochen­ende das Pro­jekt „Budujeme nádej“ (Bauen wir Hoffnung) of­fiziell ge­startet. Dieses be­inhal­tet den Bau gemein­schaft­li­cher Ein­richtun­gen und Wohnhäuser im Selbst­hilfe­verfahren. Als Erstes wird in Zu­sam­men­arbeit mit dem städtischen Sozial­betrieb ein Gemein­schafts­haus ge­schaffen, das allen am Projekt teil­habenden Familien dienen soll, später folgen Wohn­häuser für Familien. Der Bau erfolgt auf Basis eines Spar- und Mikro­kredit­programms, das die NGO ETP – Zentrum für nach­haltige Ent­wicklung (ETP Slovensko – Centrum pre udržateľný rozvoj) ko­ordi­niert. Durch die Errich­tung der Gebäude in Selbsthilfe sollen die Be­wohner auch Fertig­keiten erhalten, die ihnen später auf dem Arbeits­markt zugute­kommen können. Über den Projekt­start erfreut zeigte sich auch der Bürger­meister von Luník IX, Marcel Šaňa:Bald beginnt der Bau eines Muster­hauses, das den Bewoh­nern auch zeigen soll, dass das Projekt real ist, denn wir haben lange davon ge­sprochen. Der Weg war ziem­lich steinig, weil wir bei null be­gonnen haben – am Anfang gab es nicht einmal Grund­stücke dafür. Dann kam noch der lange Prozess einer urbanis­ti­schen Studie, wes­halb viele unserer Bewohner bereits den Glauben ans Projekt verloren haben und kein großes Interesse vor­handen war.“

Errichtet in den 1970er Jahren, war Luník IX ursprünglich als Wohn­gebiet für An­ge­hörige der Armee, der Polizei sowie der Roma-Be­völ­kerung vor­gesehen. Nach 1989 und dem Wegzug vieler Ein­wohner wurde der Stadt­teil zu­nehmend zu einem ethnischen Ghetto. Ur­sprüng­lich für etwa 2.000 Ein­wohner konzipiert, leben heute in Luník IX mehr als 6.000 Roma in teils ver­fallenen Plattenbauten. Hygienische und soziale Miss­stände wie Arbeits­losig­keit ließen die Siedlung zu einem Lehr­beispiel für ver­fehlte Sozial­politik während und nach der kom­munistischen Ära werden. Marcel Šaňa ist seit 2014 Bürger­meister von Luník IX und bemüht sich seither um eine Ver­besserung der Lebens­qualität in der Siedlung. Überdies ver­wirklichte er bereits mehrere soziale Projekte mit Kindern und Jugend­lichen und ver­handelt laufend mit der Stadt Košice um nötige infra­strukturelle Ver­besserun­gen. Er ist außer­dem der erste Rom mit Hochschul­bildung, der zum Bürger­meister des Stadtteils ge­wählt wurde. Mit dem nun ge­star­te­ten Wohnbau­projekt ver­bindet Šaňa die große Hoffnung, weiteren Familien aus Luník IX ein würdi­geres Leben zu ermöglichen: „Nun hat sich auch eine Familie gefunden, die die Kriterien er­füllt. Wenn diese Familie mit dem Bau ihres Hauses beginnt, bin ich über­zeugt, dass sie auch weitere dazu be­wegen wird, sich am Projekt zu beteiligen. Denn es stellt eine un­heimliche Motivation für die Men­schen hier dar, einmal eine eigene Wohnung haben zu können.“

(Text: RTVS.sk)

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