Rassismus & Menschenrechte

Tschechien: Roma-Netzwerk gegen Hass im Netz

Mai 28th, 2022  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Gemeinsam gegen Hass im Netz  (CC-BY-SA-2.0: SPÖ Presse u. Kommunikation, 2015)Von der Stiftung EVZ geförder­tes Projekt in der Tsche­chi­schen Republik geht ge­gen Anti­ziga­nis­mus im Netz vor

Proaktiv gegen Hassrede im Netz: Zwanzig junge Rom:nja in der Tschechi­schen Republik gehen das mit Unter­stützung der Stiftung EVZ an. Die Gruppe aus Stu­dieren­den und Frei­willigen meldet und überwacht dis­kriminie­rende Äuße­rungen im Internet, ent­wickelt Inhalte, liefert Gegen­argu­mente und schafft eine Beweis­grundlage für rechtliche Schritte. Die Gruppe ist Teil eines gemein­samen Projekts des European Roma Rights Centre (ERRC), des Forums für Menschenrechte und der tschechischen NGO ROMEA. Es zielt darauf ab, Hassreden im Internet zu be­kämpfen und rechtliche Klagen gegen Inhalts­anbieter ein­zu­reichen. Das Projekt wird von der Stiftung Erin­nerung, Ver­ant­wortung und Zukunft (EVZ) un­terstützt.

„Es besteht oft ein direkter Zusammenhang zwischen Hassreden im Internet und realen Hass­verbrechen gegen Rom:nja“, sagte ERRC-Prä­si­dent Đorđe Jovanović. „Hass­kommen­tare im Internet sind nicht nur ein Abbild des Anti­ziganismus im Netz, in vielen Fällen stiften sie sogar zu weiteren Verbrechen gegen Rom:nja an – vor allem, wenn sie von Per­sönlich­keiten des öffent­lichen Lebens stammen, die den Anti-Ro­ma-Hass für poli­tische Zwecke nutzen. Unsere Roma-Ak­ti­vist:in­nen sind die Antwort darauf: Sie werden aktiv gegen die­jenigen, die den Hass fördern, und gegen die­jenigen, deren Aufgabe es sein sollte, ihn zu be­seitigen.“

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Salzburger Bettelverbot wieder vor dem VfGH

Mai 18th, 2022  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

"Betteln ist ein Menschenrecht" (Foto: Plattform Menschenrechte)Der Verfassungsgerichtshof muss neuer­lich über das sek­torale Bettel­verbot in Salz­burg ent­schei­den. Be­reits 2017 hat der VfGH die Salz­burger Re­ge­lung als men­schen­rechts­widrig auf­ge­hoben.

Das so genannte sektorale Bettelverbot in der Stadt Salzburg wird neuer­lich den öster­reichi­schen Ver­fassungs­gerichts­hof (VfGH) be­schäf­tigen. Schon mit einem Ent­scheid aus dem Jahr 2017 hat der VfGH eine Verbots­zone in Salzburg als verfassungs­widrig auf­gehoben, die der Gemeinde­rat beschlos­sen hatte. Wäh­rend dieses Ver­fahren lief, erließ der Gemeinde­rat aber eine leicht ge­änderte Ver­ordnung für die Verbotszonen in der Altstadt, welche die erste ersetzte. Spä­testens nach dem Spruch des VfGH hätte die Stadt­regierung von sich aus re­agieren und auch die zweite Verbots­zonen­ver­ord­nung auf­heben müssen, kriti­sierte die Plattform für Menschen­rechte mehr­mals in den letzten Jahren. Das ist aber nicht ge­schehen. Nun muss das Höchst­gericht in einem eige­nen Fall auch über die zweite Verbotszone ent­scheiden.

Plattform Menschenrechte richtet wieder Rechts­hilfe­fonds ein

Betroffen ist eine Frau aus Rumänien, die im Dezember 2020 in der Schanzl­gasse still am Boden sitzend ge­bettelt hatte. Sie erhielt dafür eine Geldstrafe in Höhe von € 100 und legte da­gegen einen Einspruch ein, der von der Polizei ab­gewiesen wurde. Vor kurzem lehnte auch das Landes­ver­waltungs­gericht Salzburg eine Beschwerde gegen die Strafe ab. Mit Unter­stützung der Plattform für Men­schen­rechte Salzburg geht der Fall nun zum VfGH. Um die Kosten für das Verfahren auf­zu­bringen, hat die Platt­form wieder einen Rechts­hilfe­fonds eingerichtet, der mit Spenden ge­speist wird.

„Das Urteil des Landesverwaltungsgerichtes ist in keiner Weise nach­voll­ziehbar“, erklärt Alina Kugler von der Plattform für Men­schen­rechte. „Der Verfassungs­gerichts­hof hat schon ein­mal klar ent­schieden, dass das absolute Bettelverbot in den definierten Zonen menschen­rechts­widrig ist. Read the rest of this entry »

Vorarlberg: Die Roma-Entführer, die es nie gab

Mai 17th, 2022  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

KastenwagenDas uralte rassistische Mär­chen von „kin­der­steh­len­den Zigeunern“ spukt noch im­mer durch viele rassis­ti­sche Ge­hirne – und so­gar noch durch so man­ches Medium. Jüngs­tes haar­sträu­ben­des Bei­spiel aus Öster­reich: das Vor­arl­ber­ger On­line-Me­dium VOL.AT (Vor­arl­berg on­line).

Mutter schockiert: Fremde versuchte Bub weg­zu­ziehen“, heißt es da in fetten Let­tern in der Über­schrift zu einer heute ver­öffent­lich­ten Mel­dung. Und (man be­achte den Indikativ): „In Hohenems pack­te eine un­bekannte Frau ein Kind an der Hand. Der Bub war mit seinem Opa in einem Lebens­mittel­ge­schäft un­ter­wegs.“

Indikativ trotz besserem Wissen: Artikelintro zu einer Entführung, die es nie gab (Screenshot der Website VOl.at) VOL.at präsentiert den ver­eitelten Ent­führungs­versuch in Titel und Vor­spann also laut­stark als Fakt – und er­wähnt erst viel weiter un­ten im Text, was die Polizei fest­stellte: dass die an­geb­liche „ver­suchte Kindes­entführung“, um die der Artikel so viel Auf­hebens macht, in Wirk­lich­keit nie statt­gefunden hat. Die War­nung des Po­­lizei­sprechers, Ge­rüchte im Internet nicht leicht­fertig zu ver­breiten, hat die Re­dakteu­rin über­haupt am un­ters­ten Ende des Artikel ver­steckt – dort, wo wohl nur die we­nigsten sich flott durchs On­line-An­gebot klicken­den User je­mals hin­­ge­­langen.

Die Journalistin hat sich nicht einmal die Mühe ge­macht, even­tu­elle Zeugen des Vorfalls zu suchen und zu kon­tak­tieren. Nicht einmal mit dem an­gebli­chen Haupt­zeugen (den Groß­vater, der mit dem Kind unter­wegs war) hat sie offenbar ge­sprochen. Statt den Großvater zitiert das Medium aus­schließ­lich, und dafür umso aus­führ­licher, blo­ßes Hörensagen aus zwei­ter Hand: nämlich die Mutter, ob­wohl diese gar nicht dabei war. Wenn man ein Lehrbuchbeispiel dafür sucht, wie jour­nalisti­sche Bericht­erstat­tung nicht geht – hier ist es.

Und das Beste: Spätestens bei der Erwähnung des „weißen Kasten­wagens“, in den böse Roma kleine Kinder zerren würden, hätte es bei nur fünf Minu­ten Re­cherche klingeln müssen:

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Zeltstadt in Prag für Roma aus der Ukraine

Mai 12th, 2022  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Tschechien: Roma-Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine übernachten im Hauptbahnhof in Prag (Foto: Romea.cz/Lukáš Cirok)Im Prager Stadtteil Troja soll am Donner­tag eine Zeltstadt für ge­flüch­tete Roma aus der Ukraine ent­stehen. Diese sei für bis zu 150 Men­schen kon­zipiert, werde mit Lebens­mitteln ver­sorgt und biete Sanitär­berei­che, wie Innen­minister Vít Rakušan (STAN) an­kün­digte.

Über geflüchtete Roma aus der Ukraine wird in Tschechien seit eini­gen Tagen dis­kutiert. Ein Teil von ihnen be­sitzt auch die ungarische Staats­bürger­schaft und hat daher keinen An­spruch auf Flücht­lings­hilfe sowie ent­sprechen­de Unter­künfte. Diese Roma schlafen des­wegen unter an­derem im Prager Haupt­bahnhof. Hilfs­organi­sa­tio­nen warnen aber vor einer dro­henden humani­tä­ren Katastrophe dort, weil sie nicht ge­nügend Lebensmittel für diese Men­schen bereits­tellen können.

(Text: Radio Prag)

Siehe auch:
Tschechien: Roma-NGOs helfen Geflüchteten, 3.5.2022

Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma, 31.3.2022
Ukraine-Flüchtlinge: Glei­che Hilfe für alle!, 6.3.2022

Berichte über die Lage von Roma-Kriegsflüchtlingen in Tschechien (Romea.cz):
Czech accommodation facilities discriminatorily, groundlessly expel Romani refugees from Ukraine, 6.3.2022 Read the rest of this entry »

Sinti-Kind abgeführt: Prozess abgesagt

Mai 5th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Streifenwagen (Bild von Cornell Frühauf/Coernl auf Pixabay)Prozess in Singen (Baden-Württem­berg) ab­ge­sagt: Polizei­be­am­te zie­hen Ein­spruch ge­gen Straf­be­fehl zurück

Kurz vor dem Beginn des Gerichtsprozesses gegen zwei der vier Singener Be­amten, die am 6. Febru­ar 2021 ein elf­jähri­ges Kind in Hand­schellen auf die Polizei­wache ge­bracht hat­ten (wir be­rich­te­ten hier, hier, hier, hier und hier), zogen diese ihren Ein­spruch gegen die bereits er­folgten Straf­befehle zurück.

Engin Şanlı, Rechtsanwalt:
„Es wäre gut gewesen, die Tat nochmal auf­zu­arbeiten und An­gehö­ri­gen der Minder­heit der Sinti und Roma deut­lich zu sig­nali­sieren, dass das Fehl­verhalten ein­ge­standen wird. Die kurz­fristige Ein­spruchs­rück­nahme zeigt uns, dass hier nicht ver­standen worden ist, dass es nicht aus­reicht, die Strafe zu ak­zep­tieren. Bis heute wurde der Familie von dem in Hand­schellen ab­geführten Kind keine Moti­vation ge­nannt, warum es zu einem solchen Vor­gehen ge­kommen ist. Die Familie möchte Gewiss­heit haben, dass solche Vorfälle in der Zukunft nicht mehr pas­sieren. Wir schätzen schluss­endlich die erfolgte Be­strafung der Beamten seitens der Justiz. Damit steht fest: Ein minder­jähriges Kind wurde ins­beson­dere auch wegen seiner Zu­gehörig­keit zur Gruppe der Sinti und Roma durch Polizei­beamte gegen seinen Willen und ohne Rechts­grundlage der Freiheit be­raubt und schließ­lich dazu ge­nötigt, in ein Polizeiauto ein­zu­steigen. Es wurde aufs Revier gebracht, und die Er­zie­hungs­berech­tigten wurden darüber nicht ein­mal informiert. Die Aufgabe der Sicher­heits­behör­den und Politik ist, sol­chem Verhalten vor­zu­beugen.“

Daniel Strauß, Vorsitzender des VDSR-BW:
„Ein öffentlicher Prozess hätte den Antiziganismus – die mut­maß­liche Motiva­tion der Tat – auf­ge­arbeitet. Dieser Aspekt fehlt voll­kommen in der Ver­urteilung der Konstanzer Staats­anwalt­schaft. Read the rest of this entry »

Elfjähriger in Handschellen: Prozess startet

Mai 4th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Streifenwagen (Bild von Cornell Frühauf/Coernl auf Pixabay)Prozess gegen Singener Polizei­be­am­te star­tet: Wei­ter­ent­wick­lung im Fall „Kind in Hand­schel­len ab­ge­führt“

Am 5. Mai beginnt vor dem Amtsgericht Singen (Ba­den-Württem­berg) der Prozess gegen zwei der vier Sin­gener Be­am­ten, die am 6. Febru­ar 2021 ein elf­jähriges Kind in Hand­schellen auf die Polizei­wache ge­bracht hatten. Die Beamten werden der Freiheits­berau­bung und Nötigung be­schuldigt. Bereits im Okto­ber letzten Jahres hatte die Staats­anwalt­schaft Konstanz gegen zwei Beamte Strafbefehle aus­gestellt. Gegen die Straf­befehle wurde Berufung ein­gelegt. Gegen zwei weitere tat­ver­dächtige Beamte ist das Ver­fahren gegen Auflagen ein­gestellt worden.

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg (VDSR-BW) unter­stützt die be­troffene Familie. Sie wird in der Neben­klage durch den Rechts­anwalt Engin Şanlı ver­treten. Die nächste Ver­hand­lung ist am 12. Mai an­gesetzt.

Engin Şanlı, Rechtsanwalt:
„Kinder dürfen von polizeilicher Gewalt nicht be­rührt werden. Der Prozess spielt eine wich­tige Rolle in der Auf­arbeitung von polizei­licher Be­handlung von Kindern – ins­beson­dere von Kindern, die einer Minder­heit an­gehören. Es ist zu be­dauern, dass bis heute keine Ent­schuldi­gung be­züglich der Tat er­folgt ist. Read the rest of this entry »

Tschechien: Roma-NGOs helfen Geflüchteten

Mai 3rd, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Tschechien: Roma-Kriegsflüchtlinge campieren vor dem Bahnhof von Brünn/Brno (Foto via Romea.cz)Radio Prag: Tschechische Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen wol­len bei Auf­nah­me von Flücht­lin­gen aus der Ukraine helfen

Organisationen tschechischer Roma werden in beson­ders be­an­spruch­ten Zentren für die Ankunft ukrai­nis­cher Flüchtlinge helfen. Dies gab In­nen­minis­ter Vít Rakušan (Stan) ver­gan­gene Woche nach Ge­sprä­chen mit Ver­tretern der Roma-Or­ga­ni­satio­nen be­kannt. Dabei sollen sich die Frei­willigen vor allem um Roma unter den Flücht­lingen aus der Ukraine küm­mern. Rakušan nannte als ein Problem, dass diese häu­fig kein Ukrainisch, aber Romanes sprä­chen.

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Vorwürfe gegen Polizei in Dresden

April 30th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Hauptbahnhof Dresden (Foto: David McKelvey via Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)RAN: Polizei lässt flüchten­de Ro­ma aus der Ukrai­ne in Dres­den nicht aus dem Zug

Am 8. April haben sich viele Roma-Selbst­organi­sa­tio­nen und Ini­tia­ti­ven in Hamburg ge­troffen, um am Welt-Ro­ma-Tag zu de­monstrie­ren. Als die Gruppe gegen Anti­romais­mus Dresden ge­rade nach Ham­burg fahren wollte, er­lebte sie auf dem heimat­lichen Bahnhof, wie eine Gruppe flüch­tende Romnja mit ihren Kindern von der Polizei nicht aus dem Zug ge­lassen wurde.

Die „Gruppe gegen Antiromaismus“ steht mit Ehrenamt­li­chen in Prag in Kontakt. Ak­tuell haben sie dort keine Mög­lich­keiten, Roma-Fa­milien unter­zu­bringen. Des­halb ver­suchen sie hände­ringend, die Fa­milien nach Deutschland wei­ter­zu­ver­mitteln in der Hoff­nung, dass die Situa­tion hier besser ist. Wenn sie nach Dresden wollen, holt die „Gruppe ge­gen Anti­romais­mus“ sie ab und be­gleitet sie für die weite­ren Schritte.

Am 8. April sollten nun vier Frauen und 13 Kinder in Dresden an­kommen. Mit einer Romni aus der Prager Gruppe haben die Dresd­ner:in­nen ab­ge­spro­chen, dass die flüchten­den Romnja mit dem EC aus Prag um 10.55 Uhr in Dresden Haupt­bahnhof an­kommen werden. Da die Dresd­ner:in­nen gerade auf einem anderen Bahnhof waren, um nach Ham­burg zu fahren, haben sie die Bahn­hofs­mission be­nach­richtigt und ge­beten, die Familie in Empfang zu nehmen.

Kurz nach 11 Uhr erfuhren sie von der Prager Unterstützerin, dass die Polizei die Frauen und die Kinder nicht habe aus dem Zug aus­steigen lassen. Die Be­amt:in­nen hätten den Frauen ge­sagt, sie soll­ten „nach Berlin fahren“. Das woll­ten die Frauen nicht. Read the rest of this entry »

„Hass im Netz“ / „Hosinipe ando nec“

April 13th, 2022  |  Published in Internet & Blogothek, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 11.4.2022 | 5:44 min

Tagung zum Internationalen Tag der Rom_nija 2022 / Talalinipe uso Inter­na­ci­jo­na­li Ro­men­ge­ro Di, Of­fen­es Haus Oberwart, 9.4.2022

Die Tagung zum Internationalen Romatag der Roma Volks­hoch­schule Burgenland, die im Rah­men des inter­natio­na­len Pro­jektes „DREAM ROAD“ statt­findet, be­fasste sich mit der För­derung der gesell­schaftlichen Teil­habe der Rom*nija und Sin­ti*zze. Dieses Mal unter dem Ge­sichts­punkt von „Hass im Netz“. Rom­nija und Roma sind häufig Ziel solcher Hass­botschaften. Durch die schein­bare Anonymität, die das Inter­net bietet, fühlen sich manche sicher ge­nug, um ihrem Hass und Rassismus freien Lauf zu las­sen. Die Zahl der Über­griffe im Netz, auf diversen Platt­formen, Internet­seiten und auch in Foren, nimmt dabei jährlich zu.

Das Kon­zert mit moderner Romamusik gab es im An­schluss mit der Leon Berger Band.

(Beitrag: Erba TV)

ICE nach Berlin: Roma-Flüchtlinge „aussortiert“

April 9th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ein ICE im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe (Foto: CC, Clic/Wikimedia Commons)Pressemitteilung der Bundesvereinigung der Sinti und Roma und RomnoKher: Ukrai­ni­sche Roma am Welt-Ro­ma-Tag aus dem ICE nach Berlin „aus­sor­tiert“. MEP Romeo Franz: „Mich er­rei­chen fast täg­lich Berichte, über Prob­leme beim Grenz­über­gang, die Ver­wei­ge­rung des Zu­gangs zu Hilfs­an­ge­boten und die Be­hand­lung als Ge­flüch­tete zwei­ter Klasse.“

Gestern, am Internationalen Roma-Tag, den 8. April 2022, wurden ca. 34 ukrai­nische Ge­flüch­tete mit romanes­spra­chi­gem Hinter­grund durch Beamte der Polizei und Mit­arbeiter der DB-Si­cher­heit aus einem ICE in Kassel-Wil­helms­höhe ge­holt. Einer der Polizei­beamten führte einen Schäfer­hund mit.

Laut Aussagen der Zeugin Sevda A. fuhr der ICE 370 Richtung Berlin-Ost­bahn­hof als in Hessen meh­rere geflüch­tete Er­wach­sene und Kinder mit Gepäck in großen Tüten ein­stiegen. Etwa eine halbe Stunde später, gegen 14 Uhr, lief, wäh­rend der Zug fuhr, die Durch­sage: „Auf­grund von ge­ge­be­nem Anlass möchten wir Sie darum bitten, Ihre Wert­sachen bei sich am Körper zu tragen.“ Eine Zug­begleiterin unter­stellte mut­maßlich, dass es sich bei den Men­schen nicht um ukrai­nische Ge­flüchtete handele und rief die Polizei. Die Deutsche Bahn bietet ukrai­nischen Geflüch­teten kosten­lose Zugfahrten an. Als der Zug in Kassel-Wil­helms­höhe hielt, stiegen mehrere Polizei­beamte ein. Einer der Beamten soll mehr­fach ge­äußert haben, dass sie jetzt hier durch­gehen und „aus­sortieren“.

Die BVSR und RomnoKher verlangen eine schnellst­mög­liche Auf­klärung der Vor­gänge gestern Nach­mittag im ICE nach Berlin. Wir haben uns bereits mit der Bundes­polizei in Ver­bindung gesetzt und werden auch die Bahn kon­taktieren.

Romeo Franz, Generalsekretär der Bundesvereinigung der Sinti und Roma e.V. kom­men­tiert:

„Ich bin schockiert von diesem Zeugenbericht und dem mut­maß­lichen Vor­gehen der Polizei­beamten und Mit­arbeitern der DB. Dass die Zahl anti­ziganis­tischer Vorfälle in Deutsch­land steigt, ist leider zu er­warten. Die Fälle, in denen ukraini­schen Roma unter­stellt wird, keine ‚echten‘ Kriegs­flüchtlinge zu sein, häufen sich. Ihnen wird unter­stellt sich Leis­tungen er­schleichen zu wollen – ein uraltes, zutiefst rassisti­sches Ressentiment. Unter den Men­schen, die aus der Ukraine in die europäi­schen Nach­bar­staaten fliehen, be­finden sich viele ukrainische Roma. Sie ge­hören zu den beson­ders vulnerablen Gruppen in diesem Konflikt, da sie teil­weise vor dem Krieg bereits in prekären Ver­hältnis­sen lebten und im Rahmen der Flucht rassis­tischer Dis­krimi­nierung aus­gesetzt sind. Read the rest of this entry »

»Es heißt, sie würden sich nur bereichern wollen«

April 6th, 2022  |  Published in Interview, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Ukrainische Roma am Mannheimer Bahnhof (Foto: Bahnhofshelfer Mannheim/Facebook)Aus der Ukraine flüchtenden Roma und Sinti wird vieler­orts mit anti­ziga­nis­ti­schen Res­sen­timents be­ge­gnet. Auch in Deutsch­land. Die Tages­zeitung junge Welt hat mit un­se­rer Kol­le­gin (und dROMa-Autorin) vom Lan­des­ver­band Baden-Württem­berg Chana Dischereit ge­sprochen.

Chana Dischereit ist Wissenschaftliche Re­fe­ren­tin für Poli­tik und Re­fe­ren­tin für Pres­se- und Öf­fent­lich­keits­arbeit beim Ver­band Deut­scher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg. Inter­view: jW/Fa­bi­an Lin­der.

Neben anderen sind auch viele Menschen mit Roma­ni-Hin­ter­grund auf der Flucht aus der Ukraine. Bei deren An­kunft in Deutschland er­lebten diese Un­gleich­behand­lung, kriti­sieren Sie und ver­weisen auf einen Fall aus Mannheim (wir berichteten). Was ist dort passiert?
Am 23. März sind flüchtende Menschen mit Roma­­ni-Hin­ter­grund am Mann­heimer Bahnhof an­ge­kommen. Ehren­amtli­che Helfer empfingen und be­gleite­ten die in der Nacht An­gereisten zu Räum­lich­keiten der Deutschen Bahn, die für Ge­flüchtete bereit­stehen. Beschäf­tigte der DB-Si­cher­heit äußer­ten dort, »solche Men­schen« kämen hier nicht rein. Ver­wiesen wurde auf Dieb­stähle und Ver­schmutzun­gen. Durch diese »Klientel« sei schon mehr­fach die »Hütte« leer­geräumt worden. So gaben Zeugen die Aus­sagen der Sicher­heits­leute wieder. Dann kam die Bundes­polizei dazu. Es waren immer mehr Sicher­heits­leute an­wesend, darunter auch eine Beamtin, die einen Dober­mann-Hund privat mit­führte. Das Ganze ent­sprach einer für die Schutz­suchen­den ver­stören­den Droh­kulisse. Beim Ge­spräch mit der Bahn einen Tag später wur­den diese Fehler ein­ge­standen.

Das alles war äußerst traumatisierend, auch für die Helfer. Infolge dieser chaoti­schen Situa­tion kam es nicht einmal zur Erst­hilfe mit Lebens­mitteln. Ande­re ukrainische Geflüch­tete wiederum hatten zeit­gleich keine Proble­me dabei, in die Unter­kunft zu kommen.

Wie erklären Sie sich dieses Vorgehen?
Wir sehen vor allem in Stresssituationen an Bahnhöfen, Län­der­grenzen oder in den Not­unter­künf­ten, dass Men­schen auf anti­ziga­nisti­sche Stereo­type zurück­greifen. Read the rest of this entry »

Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma

März 31st, 2022  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Ukrainische Roma am Mannheimer Bahnhof (Foto: Bahnhofshelfer Mannheim/Facebook)Ukraine-Krieg: Gemein­same Stellung­nahme des Bun­des-Ro­ma-Ver­bands, des Roma-Cen­ters/RAN, Romani Phen und wei­te­rer Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen in Deutschland

Nicht alle Roma verlassen die Ukraine und nicht alle werden Opfer diskrimi­nie­render Behandlun­gen. Doch die Berichte über Dis­krimi­nie­rung von Romnja* an den Grenzen nehmen zu. Sie werden nicht in Autos mit­genom­men, Bus­unter­nehmen weisen sie ab. In den An­kunfts­­orten werden sie aus un­erfind­lichen Gründen von den „weißen“ Uk­rai­ner:innen separiert. Auch in den An­­kunfts­orten in Deutsch­land gibt es Schwie­rig­keiten.

Es braucht große Räume
Überwiegend Frauen und Kinder sind auf der Flucht, mit Jugend­lichen und man­chmal pflege­bedürfti­gen Angehö­rigen. Sie mussten sich von ihren Männern im „wehr­fähigen Alter“ trennen und wollen sich nicht weiter aufteilen. Neben den Kriegs­traumata, die sie erlitten, berichten sie von massiven Dis­kriminie­rungen und Beleidi­gungen entlang der Flucht­routen Richtung Westen. Ukrai­nische Roma sind Nach­kommen von Über­lebenden und Opfern der Verfolgung und Ver­nichtung wäh­rend des National­sozialismus. Wir möchten, dass gerade Deutsch­land jetzt Mittel bereit­stellt und Schutz bietet.

Viele Romnja sprechen Romanes, Ukrainisch oder Russisch, jedoch nicht die Sprachen der Länder, in die sie fliehen. Manche können nicht lesen, und wenn, dann beherr­schen sie nur kyrillische Schrift­zeichen. Die ganze Situa­tion ist extrem ver­un­sichernd und be­drohlich. Angehörige einer Familie und Freund:innen, die sich gegen­seitig unter­stützen, wollen sich in dieser Situation nicht trennen und gern zusam­men bleiben, auch zusam­men unter­kommen. Deshalb braucht es gro­zügige Unter­bringungs­möglich­keiten, wo Men­schen gemein­sam unter­gebracht werden können.

Rassismus trifft Roma auch jetzt
Zur leider auch schon vor dem Krieg existie­renden strukturellen Dis­kriminie­rung gehört, dass viele Roma in der Ukraine undoku­men­tiert sind und keine Pässe haben. Read the rest of this entry »

Roma-Kriegsflüchtlinge in Mannheim abgewiesen

März 27th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ukrainische Roma am Mannheimer Bahnhof (Foto: Bahnhofshelfer Mannheim/Facebook)Deutschland: Ungleichbehandlung von ukrai­ni­schen Ge­flüch­te­ten mit Roma-Hin­ter­grund am Mann­hei­mer Bahnhof

Stellungnahme des Verbands deutscher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg e.V. (VDSR-BW):

Als Bahnhofshelfer in der Nacht vom 23.03. auf den 24.03.2022 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in die dafür vor­gese­henen Räum­lich­keiten der DB brachten, re­agierten mut­maßlich Beamte der DB-Si­cherheit ab­weisend auf die Familien und fingen eine Diskus­sion mit den Bahn­hofs­helfern an, in der Zeugen zu­folge anti­ziganis­tische Vorurteile wieder­gegeben wurden als Be­gründung, warum diesen Menschen der Zugang zu den DB-Räumen für Flücht­linge verwehrt werden solle. Auch auf Kompromiss­vor­schläge der Bahnhofs­helfer wurde mut­maßlich ab­weisend reagiert.

Die geflüchtete Gruppe befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Räumen der DB für ukrainische Ge­flüchtete. Die Bundespolizei kam zu der Situa­tion hinzu, sowie weiteres Personal der DB-Sicherheit, sowie eine Beamtin mit einem Dober­mann-Hund. Der Hund ist laut Aus­sagen der DB-Sicherheit am 24.03.2022 wäh­rend des Dienstes privat mit­geführt worden.

Als Begründung, warum die Familien weggeschickt werden sollten, wurde angeb­lich ge­äußert, dass sich keine Männer in den Räum­lich­keiten auf­halten dürften. In den Räumen waren bereits andere Männer. In einem Klärungs­gespräch am 24.03.2022 u.a. mit Andrea Kadenbach, der Bahn­hofs­leiterin von Mannheim, wurde deutlich, dass sich auch Männer in diesem Raum au­fhalten dürfen. Sowohl die Helfer als auch die Familien waren ein­ge­schüch­tert von dem massiven Auf­treten des Sicher­heits­personals. Als andere ukrai­ni­sche Geflüchtete den Raum betraten, wur­den sie von den Sicherheits­beamten nicht beachtet.

Es ist für den VDSR-BW nicht ersichtlich, warum das DB-Personal sich gegen­über den Neu­ankömm­lin­gen mu­maßlich ab­weisend ver­hielt. Der Landes­verband erwar­tet eine Stellung­nahme der DB (und DB-Siche­heit) Mann­heim und der Bundespolizei Mannheim. Wir erwarten eine schnellst­mög­liche Aufklärung. Read the rest of this entry »

Ukraine: Roma am Pranger

März 26th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Bilder von Misshandlungen in der Ukraine (Fotos via RAN\Von mehreren Seiten wurden wir auf Bilder aus ukraini­schen Städten hin­ge­wiesen, die miss­han­delte Plün­de­rer zeigen sollen, darun­ter ins­beson­dere auch Romnja. Aus der Distanz ist es uns der­zeit kaum mög­lich, diese Vor­würfe bzw. den Kontext des Bild­mate­rials zu veri­fi­zieren, und die Gefahr, sich damit selbst un­beab­sich­tigt mitten hinein in den Propa­gan­da­krieg der Bilder zu be­geben, ist groß. Das inter­natio­nal bes­tens ver­netzte und immer gut in­for­mierte Roma Anti­discri­mi­nation Network (RAN) jeden­falls hält die Bilder für authen­tisch. Wir geben im Fol­gen­den den Be­richt des RAN wieder:

In den letzten Tagen gingen Fotos durch die soziale Medien, auf denen Romnja zu sehen waren, die mit gelbem Klebe­band an Pfosten ge­bunden waren. Ihre G­esichter wurden grün oder blau angemalt. Schnell machten sich Äußerun­gen breit, dies sei „Putin-Propaganda“ und Fake News. Tat­sächlich werden die Bilder in russischen Medien ver­breitet. Jedoch werden sie genauso von ukraini­schen Rechts­extremen verbreitet – mit rassisti­schen Äußerun­gen gegen Roma. In west­lichen Medien hin­gegen werden sie ver­schwiegen.

Nach unseren Informationen handelt es sich um eine an­schei­nend aktuell gän­gige Metho­de der Selbstjustiz in der Ukraine, mit denen vermeintliche „Diebe“ be­straft werden. Beweise für die Dieb­stähle gibt es keine. Die Fotos der Selbst­justiz jedoch sind echt.

Menschen, die des Diebstahls verdächtigt werden, werden an Pfosten ge­bunden, angemalt, teil­weise werden sie ent­kleidet, ge­schlagen, und es gibt auch Nach­rich­ten über Ver­gewaltigungen. Das Ganze erinnert an mittel­alterliche Pranger. Selbst Kinder werden nicht ver­schont. Dass es gerade Romnja waren, deren Bilder viral gingen, führt in Kom­bination mit dem anti­ziganis­tischen Motiv der unter­stell­ten Diebstähle reflexartig zu Hate Speech gegen Roma. In der Ukraine ist der Rassismus gegen Roma noch er­heblich offener und all­äglicher als in West­europa. Hinzu kommt der aggres­sive Rassismus durch rechtsextreme „Bürgerwehren“ wie das Azov-Regiment und C14, die immer wieder gewalt­tätige Übergriffe auf Roma und ihre Camps ver­übten. Die Unter­stellun­gen, Roma würde jetzt auch noch Flüch­tende beklauen, werden den Rassis­mus noch ver­stärken. In diesem Motiv kommt nicht vor, dass Romnja selbst Flüch­tende sind.

Die Flucht von Romnja aus der Ukraine wird stark be­hindert. Täglich erfahren wir von fliehen­den Romnja, wie sie dis­krimi­niert wurden und werden. Sowohl in der Ukraine als auch in den an­gren­zenden Ländern. In den Län­dern, in die sie fliehen, geht die Diskriminierung weiter (mehr hier) Read the rest of this entry »

Facts & Figures (421)

März 23rd, 2022  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

2006 ließen die Behör­den ein seit 50 Jah­ren be­ste­hen­des Roma­dorf bei Ka­li­nin­grad nie­der­bren­nen. 2016 wur­de Russland da­für vom EGMR ver­ur­teilt.

(Quelle)

Zuflucht für ukrainische Roma in Ungarn

März 19th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

DWDeutsche Welle: Ein ungarischer Camping­platz als Zu­fluchts­ort für Ro­ma aus der Ukraine

Roma, die wegen des Krieges die Ukraine verlas­sen, erfah­ren Dis­krimi­nie­rung sogar auf der Flucht (mehr hier). Bei Teca Orgován in Tiszabecs, Ungarn, müs­sen sie das nicht be­fürchten. Sie [Anm. d. Red.: selbst Romni] betreibt einen Cam­ping­platz in der Nähe der ukrai­ni­schen Grenze, der nor­maler­weise von Touristen ge­nutzt wird. Jetzt wohnen hier Ge­flüchtete aus der Ukraine, die über­wie­gend zur Roma-Com­mu­nity ge­hören.

→Zum Videobeitrag von Olivér Tóth (mit Untertiteln)
Eine längere, rein ungarische Fassung des Beitrags finden Sie hier.

(Text und Video: www.dw.com)

Ukraine-Flüchtlinge: Glei­che Hilfe für alle!

März 6th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ukrainische Flüchtlinge werden beim polnischen Grenzbahnhof Przemyśl Główny versorgt (Foto: Pakkin Leung/Rice Post, CC-BY-4.0)Roma-Organisationen in Deutschland ver­öf­fent­li­chen fol­gen­den ge­mein­sa­men Of­fe­nen Brief:

Stoppt die Segregation der Flüch­ten­den aus der Ukrai­ne! Glei­che Rech­te und Hilfe für alle!

Die Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Flüchten­den aus der Ukraine und die flexible Bereit­stellung von not­wen­digen Ressour­cen ist bei­spiel­los. So soll es sein – und zwar für alle! Doch Rassis­mus als struk­turelle Gewalt wirkt in jeder Situa­tion. In Zeiten der Flucht hat diese Gewalt existe­zielle Folgen. So wie in Staaten wird auch an Grenzen mit Men­schen unter­schied­lich um­ge­gan­gen. An der Grenze zwi­schen Belarus und Polen wurden im letzten Winter Men­schen derart blockiert, dass einige erfroren. Diese Flüch­tenden sind in Europa nicht will­kommen. Auch in den ver­gan­genen Tagen mehren sich Berichte, nach denen Schwarze und Men­schen of Colour aus rassistischen Gründen an der Weiter­reise gehindert werden und keine Unter­künfte be­kommen.

Eine Romni, mit der wir in Kontakt standen, hat es mit ihren Kindern nach Leipzig ge­schafft. Sie kam über die Slowakei. Über die Lage dort be­richtet Romea, die Unter­stützung für die Ge­flüchte­ten sei groß. „Jedoch wenn eine ukrai­nische Roma-Familie ankommt und um Hilfe bittet, wird sie zurück­ge­wiesen.“ Viele kommen nicht einmal aus der Ukraine raus. In sozialen Medien mehren sich die Berichte darüber. Zum Bei­spiel berichtet eine Romni aus Lviv, dass aktuell dort 100 Roma fest­sitzen und nie­mand ihnen hilft, weiter­zu­kommen.

Insbesondere Romnja und Roma aus Ex-Jugoslawien können sich an die Kriege und die Ver­treibun­gen erin­nern, bei denen Roma Ge­flüchtete zweiter Klasse wur­den. Schon auf der Flucht mit Rassismus kon­frontiert, ging dieser in Deutsch­land weiter. Bei Übersetzungen der Asyl­anträge, in Beratungs­stellen oder auch in Unter­künften wurden und wer­den Roma und Romnja von An­gehöri­gen der hiesigen, aber auch von An­gehöri­gen der Exil-Mehr­heits­gesell­schaften dis­krimi­niert.

Aus der Ukraine flüchten aktuell auch Romnja und Roma und wir befürch­ten, dass ihnen die gleichen Be­dingun­gen wie den Geflüch­teten aus Ex-Jugo­slawien be­vor­stehen. Denn auch die Situa­tion der Roma und Romnja aus der Ukraine ist historisch durch Verfolgung, einen Genozid und gegen­wärtig durch massi­ven Rassismus und zum Teil Pre­karisie­rung über Gene­rationen geprägt.

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Ukraine: Rose warnt vor humanitärer Katastrophe

März 2nd, 2022  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Das Monument der Sowjetarmee in Sofia wurde 2014 in den ukrainischen Nationalfarben bemalt (Foto: Vassia Atanassova - Spiritia,CC/Wikimedia)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ver­ur­teilt scharf den An­griff auf die Ukraine

Große Bestürzung hat die Nachricht vom russischen Angriff auf die Ukraine beim Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma aus­gelöst. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit ver­schie­denen Partnern in der Ukraine eng zu­sammen. Wir sind zutiefst um das Leben der Menschen in der Ukraine und ins­beson­dere um das Wohl­ergehen unserer Freunde und Partner be­sorgt“, erklärt Romani Rose, Vor­sitzender des Zentral­rats. „Dieser Angriff ist durch nichts gerecht­fertigt, er ver­stößt gegen das Völkerrecht. Die Men­schen, die vor dem Krieg fliehen, müssen auch in Deutschland Schutz finden. Wir appel­lieren an die Kriegs­parteien, die Kampf­handlungen ein­zu­stellen und Ver­handlun­gen zu be­ginnen“, so Rose weiter.

„Roma kämpfen als ukrainische Patrioten an der Seite ihrer Landsleute gegen die russi­schen Invasoren. Dies zeigt, dass Roma sich gemein­sam mit den demokra­tischen Kräften in der Ukraine kämpfend gegen die russische Aggres­sion stellen“, sagte Rose, und weiter: „gleich­zeitig sind Roma­familien, meist Frauen und Kinder auf der Flucht aus dem östlichen Landes­teilen.“ „Es gibt viele Roma, die gegen die Okkupan­ten kämpfen, weil wir in der Ukraine geboren wurden und weil wir unsere Heimat verteidigen“, erklärte Viktor Chovka, der direkt aus Uzhhorod, Ukraine, berichtet. Andere ukrainische Medien berichten, dass Roma einen russischen Panzer erbeutet haben. In den Sozialen Medien finden sich Berichte von Roma, die als Soldaten der ukrainischen Armee an der Front kämpfen.

Eine Roma-Aktivistin der ukrainischen Jugendorganisation ARCA (Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture) berich­tet von ihrer Flucht aus dem Osten ihrer Heimat. Nach einer 23-stün­digen Fahrt sei sie am Don­ners­tag endlich im Westen des Landes an­ge­kommen. Read the rest of this entry »

Deutschland beschließt Anti­ziga­nis­mus-Strategie

Februar 23rd, 2022  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

(Bild: Tabble/Pixabay)Deutsche Bundesregierung beschließt nationale Stra­te­gie „Anti­ziga­nis­mus be­kämpfen, Teil­habe si­chern!“. Maß­nah­men set­zen die „EU-Ro­ma-Stra­te­gie 2030“ in Deutsch­land um.

Die Bundesregierung hat heute die von der Bun­des­ministerin des Innern und für Heimat vor­gelegte natio­nale Stra­tegie „Antiziganismus be­kämpfen, Teilhabe sichern!“ be­schlos­sen. Damit soll die Integra­tion und Teil­habe von Sinti und Roma in Deutsch­land ge­fördert und Anti­ziganismus be­kämpft werden. Unter ande­rem soll eine Nationale Roma-Kon­takt­stelle auf­gebaut werden, um den Dialog mit der Commu­nity institu­tio­na­li­siert zu fördern. Zudem soll eine zivil­gesell­schaft­liche Moni­toring­stelle zur Erfassung anti­ziganis­ti­scher Über­griffe ein­ge­rich­tet werden.

Bundesministerin des Innern und für Heimat, Nancy Faeser: „An­statt über Politik für Sinti und Roma zu sprechen, werden wir gemein­sam mit Sinti und Roma Wege der politi­schen Teilhabe ge­stalten. Hierzu werden wir durch den Aufbau der Nationa­len Roma-Kon­takt­stelle den Dialog mit der Com­mu­nity fördern und institu­tio­na­li­sieren. Wir treten Rassismus, Aus­grenzung und Dis­krimi­nie­rung gegen­über Sinti und Roma ent­schieden ent­gegen.“

Diese Nationale Strategie wird mit zielgerichte­ten Maß­nahmen auf Ebene des Bundes, der Länder und der Kom­munen die all­gemeine In­tegra­tions­politik Deutsch­lands er­gänzen. Für den gesell­schaft­lichen Zusammenhalt ist ein klares Ein­schreiten gegen Aus­gren­zung und Diskrimi­nierung wichtig. Der künf­tige Anti­ziganismus­be­auf­tragte, dessen Ein­richtung die Bundes­regierung be­reits be­schlos­sen hat, wird dabei zum politi­schen Sprachrohr.

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Bettler in Graz mit Messer attackiert

Februar 20th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeieinsatz in Graz-Eggenberg (Symbolbild, Foto: Pixabay)In Graz-Eggenberg attackierte ein 25-Jäh­ri­ger am Sams­tag­nach­mit­tag zwei Bet­tler (50 und 54 Jah­re alt) vor einem Su­per­markt. Der Mann wur­de fest­ge­nommen.

Im Folgenden die Pressemitteilung der LPD Steiermark vom 19.2.2022:

25-Jähriger schlug zwei Männer und stach mit Messer zu


Gegen 13.30 Uhr verständigte eine Zeugin via Notruf die Polizei über einen Rauf­handel vor einem Super­markt in der Gaswerk­straße. Beim Ein­treffen der Poli­zisten be­richte­ten zwei Bettler, die vor dem Super­markt Musik ab­gespielt hatten, dass sie von einem vorerst un­bekann­ten Mann attackiert wor­den seien. Der Mann hatte sich bereits beim Be­treten des Super­marktes abfällig über die Musik ge­äußert und schließ­lich beim Heraus­kommen dem 54-Jäh­rigen aus dem Bezirk Weiz einen Faustschlag ver­setzt.

Anschließend versuchte der Mann, auf den am Boden sitzen­den 50-jäh­ri­gen ungarischen Freund einzutreten. Dieser wehrte sich und ver­setzte dem Angreifer einen Faust­schlag in die Bauch­gegend. Darauf­hin zog der Ver­dächtige ein Messer und stach damit in Rich­tung des 50-Jäh­rigen. Dieser wehrte sich aber­mals, worauf­hin der Ver­dächtige in eine Straßen­bahn flüchtete.

Polizisten stellten den 25-Jährigen aus Graz kurze Zeit später in der Straßen­bahn und nahmen ihn fest. Read the rest of this entry »