Tschechien: Roma-Netzwerk gegen Hass im Netz
Mai 28th, 2022 | Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Von der Stiftung EVZ gefördertes Projekt in der Tschechischen Republik geht gegen Antiziganismus im Netz vor
Proaktiv gegen Hassrede im Netz: Zwanzig junge Rom:nja in der Tschechischen Republik gehen das mit Unterstützung der Stiftung EVZ an. Die Gruppe aus Studierenden und Freiwilligen meldet und überwacht diskriminierende Äußerungen im Internet, entwickelt Inhalte, liefert Gegenargumente und schafft eine Beweisgrundlage für rechtliche Schritte. Die Gruppe ist Teil eines gemeinsamen Projekts des European Roma Rights Centre (ERRC), des Forums für Menschenrechte und der tschechischen NGO ROMEA. Es zielt darauf ab, Hassreden im Internet zu bekämpfen und rechtliche Klagen gegen Inhaltsanbieter einzureichen. Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) unterstützt.
„Es besteht oft ein direkter Zusammenhang zwischen Hassreden im Internet und realen Hassverbrechen gegen Rom:nja“, sagte ERRC-Präsident Đorđe Jovanović. „Hasskommentare im Internet sind nicht nur ein Abbild des Antiziganismus im Netz, in vielen Fällen stiften sie sogar zu weiteren Verbrechen gegen Rom:nja an – vor allem, wenn sie von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens stammen, die den Anti-Roma-Hass für politische Zwecke nutzen. Unsere Roma-Aktivist:innen sind die Antwort darauf: Sie werden aktiv gegen diejenigen, die den Hass fördern, und gegen diejenigen, deren Aufgabe es sein sollte, ihn zu beseitigen.“
Am Tag des Roma-Widerstands [am 16. Mai] betonen die jungen Roma-Aktivist:innen, wie wichtig es ist, angesichts von Hassreden aktiv zu werden. Der Genozid an den Rom:nja ist eine Erinnerung daran, was letztlich passieren kann, wenn man zulässt, dass solcher Hass ungehindert gedeiht. Das ERRC hat zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Online-Hassreden zu sehr realen Konsequenzen für das Leben von Rom:nja geführt haben.
„Jeden Tag sehe ich auf Facebook Hassreden gegen Rom:nja. Diese Leute denken, wenn sie sich hinter dem Computer verstecken, müssen sie nicht mit den Konsequenzen rechnen. Ich glaube, dass es in Zukunft effektivere Möglichkeiten geben wird, diese Leute zur Verantwortung zu ziehen. Das ist der Grund, warum ich mich an diesem Projekt als Freiwilliger bei ROMEA beteilige. Wir müssen uns auf die Hassrede konzentrieren und versuchen, sie auf jede erdenkliche Weise zu bekämpfen“, sagte František Német, einer der Freiwilligen und Student der Künstlichen Intelligenz an der Tschechischen Technischen Universität in Prag.
„Ich denke, dass dieses Projekt wirklich wichtig ist, weil es zeigt, wie gefährlich das Internet sein kann. Ich bin wirklich überrascht, dass es so viele Hassreden gegen Rom:nja gibt, besonders jetzt, wo Roma-Flüchtlinge aus der Ukraine in die Tschechische Republik kommen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Grausamkeit der Menschen, die Hassreden auf Facebook posten, aus der Frustration ihres eigenen Lebens kommt. Es muss mehr darüber berichtet werden, und es muss auf diesen sozialen Websites mehr kontrolliert werden. Ich denke, dass es mehr Projekte wie dieses geben muss“, sagte Veronika Banová, eine Freiwillige und Jurastudentin an der Westböhmischen Universität.
Dieses Projekt baut auf der von Freiwilligen geleiteten Arbeit des ERRC zur Bekämpfung des digitalen Antiziganismus in Albanien, Serbien, der Türkei und der Ukraine auf. Es zielt darauf ab, eine digitale Gemeinschaft von Aktivist:innen gegen Hassreden aufzubauen, die zusammenarbeiten, um gefährlicher Rhetorik entgegenzuwirken, die ihre Gemeinschaften bedroht.
„Uns hat der grenzüberschreitende, partizipative und strategische Ansatz des Projektes überzeugt. Hatespeech im Netz endet nicht an Ländergrenzen, Gegenrede sollte es auch nicht. Die Freiwilligen schreiben gegen diskriminierende Posts an und schaffen damit: Bewusstsein für Ausgrenzung von Rom:nja und Handlungsoptionen gegen Antiziganismus – online wie offline“, so Dr. Andrea Despot, Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ.
Siehe dazu auch:
„Hass im Netz“ / „Hosinipe ando nec“, 13.4.2022
Fake News, Hoaxes, Manipulationen, 11.9.2021
Hate Speech und Antiziganismus in den Medien, 11.3.2021
Tagung „Antiziganismus im Netz“, 2.6.2019
Report: Antiziganismus online, 13.12.2018
„Gegen Hass im Internet“, 6.8.2018
#GegenHassimNetz stellt sich vor, 20.4.2018