Tschechien: Roma-Netzwerk gegen Hass im Netz

Mai 28th, 2022  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Gemeinsam gegen Hass im Netz  (CC-BY-SA-2.0: SPÖ Presse u. Kommunikation, 2015)Von der Stiftung EVZ geförder­tes Projekt in der Tsche­chi­schen Republik geht ge­gen Anti­ziga­nis­mus im Netz vor

Proaktiv gegen Hassrede im Netz: Zwanzig junge Rom:nja in der Tschechi­schen Republik gehen das mit Unter­stützung der Stiftung EVZ an. Die Gruppe aus Stu­dieren­den und Frei­willigen meldet und überwacht dis­kriminie­rende Äuße­rungen im Internet, ent­wickelt Inhalte, liefert Gegen­argu­mente und schafft eine Beweis­grundlage für rechtliche Schritte. Die Gruppe ist Teil eines gemein­samen Projekts des European Roma Rights Centre (ERRC), des Forums für Menschenrechte und der tschechischen NGO ROMEA. Es zielt darauf ab, Hassreden im Internet zu be­kämpfen und rechtliche Klagen gegen Inhalts­anbieter ein­zu­reichen. Das Projekt wird von der Stiftung Erin­nerung, Ver­ant­wortung und Zukunft (EVZ) un­terstützt.

„Es besteht oft ein direkter Zusammenhang zwischen Hassreden im Internet und realen Hass­verbrechen gegen Rom:nja“, sagte ERRC-Prä­si­dent Đorđe Jovanović. „Hass­kommen­tare im Internet sind nicht nur ein Abbild des Anti­ziganismus im Netz, in vielen Fällen stiften sie sogar zu weiteren Verbrechen gegen Rom:nja an – vor allem, wenn sie von Per­sönlich­keiten des öffent­lichen Lebens stammen, die den Anti-Ro­ma-Hass für poli­tische Zwecke nutzen. Unsere Roma-Ak­ti­vist:in­nen sind die Antwort darauf: Sie werden aktiv gegen die­jenigen, die den Hass fördern, und gegen die­jenigen, deren Aufgabe es sein sollte, ihn zu be­seitigen.“

Am Tag des Roma-Widerstands [am 16. Mai] betonen die jungen Roma-Ak­tivis­t:innen, wie wichtig es ist, angesichts von Hassreden aktiv zu werden. Der Genozid an den Rom:nja ist eine Erin­nerung daran, was letzt­lich passieren kann, wenn man zulässt, dass solcher Hass un­gehindert gedeiht. Das ERRC hat zahl­reiche Fälle doku­mentiert, in denen On­line-Hass­reden zu sehr realen Kon­sequen­zen für das Leben von Rom:nja ge­führt haben.

„Jeden Tag sehe ich auf Facebook Hassreden gegen Rom:nja. Diese Leute denken, wenn sie sich hinter dem Computer ver­stecken, müssen sie nicht mit den Kon­sequenzen rechnen. Ich glaube, dass es in Zukunft effekti­vere Mög­lich­keiten geben wird, diese Leute zur Ver­ant­wortung zu ziehen. Das ist der Grund, warum ich mich an diesem Projekt als Frei­williger bei ROMEA beteilige. Wir müssen uns auf die Hassrede kon­zentrieren und versuchen, sie auf jede er­denk­liche Weise zu be­kämpfen“, sagte František Német, einer der Frei­willigen und Student der Künstli­chen Intelli­genz an der Tschechi­schen Tech­nischen Uni­versität in Prag.

„Ich denke, dass dieses Projekt wirklich wichtig ist, weil es zeigt, wie gefährlich das Internet sein kann. Ich bin wirk­lich über­rascht, dass es so viele Hassreden gegen Rom:nja gibt, be­son­ders jetzt, wo Roma-Flücht­linge aus der Ukraine in die Tsche­chische Republik kommen. Manch­mal habe ich das Gefühl, dass die Grau­samkeit der Men­schen, die Hass­reden auf Facebook posten, aus der Frustration ihres eige­nen Lebens kommt. Es muss mehr darüber berich­tet werden, und es muss auf diesen sozialen Web­sites mehr kontrol­liert werden. Ich denke, dass es mehr Pro­jekte wie dieses geben muss“, sagte Veronika Banová, eine Frei­willige und Jura­stu­dentin an der West­böhmi­schen Universität.

Dieses Projekt baut auf der von Freiwilligen geleiteten Arbeit des ERRC zur Bekämpfung des digitalen Antiziganismus in Albanien, Serbien, der Türkei und der Ukraine auf. Es zielt darauf ab, eine digitale Gemein­schaft von Akti­vist:innen gegen Hass­reden auf­zu­bauen, die zusammen­arbeiten, um ge­fähr­licher Rhetorik ent­gegen­zu­wirken, die ihre Gemein­schaften bedroht.

„Uns hat der grenzüberschreitende, partizipative und strategische Ansatz des Projektes überzeugt. Hate­speech im Netz endet nicht an Länder­grenzen, Gegen­rede sollte es auch nicht. Die Frei­willigen schreiben gegen dis­kriminie­rende Posts an und schaffen damit: Be­wusstsein für Aus­grenzung von Rom:nja und Handlungs­optionen gegen Anti­ziganismus – online wie offline“, so Dr. Andrea Despot, Vor­stands­vor­sitzende der Stiftung EVZ.

(www.stiftung-evz.de)

Siehe dazu auch:
„Hass im Netz“ / „Hosinipe ando nec“, 13.4.2022
Fake News, Hoaxes, Manipulationen, 11.9.2021
Hate Speech und Antiziganismus in den Medien, 11.3.2021
Tagung „Antiziganismus im Netz“, 2.6.2019
Report: Antiziganismus online, 13.12.2018
„Gegen Hass im Internet“, 6.8.2018
#GegenHassimNetz stellt sich vor, 20.4.2018

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