Facts & Figures (393)

September 24th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Medien & Presse, Romani

Als erstes eigenständiges Roma-Me­di­um gilt das 1910 in Edir­ne (heu­te: Türkei) in arab. Schrift heraus­ge­ge­be­ne Wo­chen­blatt Laço (Tür­kisch/Ro­ma­ni).

(Quelle)

„Was wir fordern!“ – Ausstellung in Innsbruck

September 22nd, 2021  |  Published in Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellungssujet (Foto: Initiative Minderheiten)„Was wir fordern! Minderheiten­be­we­gun­gen in Ös­ter­reich“

Eröffnung am 23.9.2021, 19 Uhr, Stadt­bi­blio­thek

Ausstellung: 24.9. bis 16.12.2021 in der Stadtbibliothek Inns­bruck, Am­ra­ser Stra­ße 2 [→zum Rah­men­pro­gramm]

Im Mittelpunkt der Wanderausstellung „Was wir fordern! Min­der­heiten­bewe­gun­gen in Österreich“ ste­hen Ge­schichte und zentrale Forde­rungen unter­schied­licher Minder­heiten in Öster­reich. Autor*innen aus den ver­schie­denen mino­ritären Gruppen – zu­meist Akti­vist*in­nen – werfen einen fokus­sierten Blick auf ihre Geschichte und prä­sen­tieren ihre wesent­lichen minder­hei­ten­politi­schen Forderungen in Ver­gangen­heit, Gegenwart und Zukunft. Unter­schied­liche aktivisti­sche wie auch juristische oder par­lamenta­rische Formen des Protests er­weisen sich als un­trennbar mit der Geschichte minder­heiten­politi­scher For­derungen ver­bunden. Die Aus­stellung macht sicht­bar, welche An­strengun­gen, wel­che Ausdauer und wel­che Allianzen not­wendig waren, um gegen Diskri­minie­rung und für gleiche Rechte ein­zu­treten.

Die historischen Kämpfe für zweisprachige Ortstafeln und Schulen in Kärnten und im Burgenland, die An­erken­nung von Roma und Sinti als öster­reichi­sche Volksgruppe sind eben­so Bei­spiele für Stra­te­gien und politische Kämpfe wie die Abschaffung des § 209 StGB (der Homosexualität kri­mina­li­sierte) oder die Ver­abschie­dung der UN-Be­hinder­ten­rechts­kon­ven­tion.

Die Initiative Minderheiten initiiert diese Ausstellung, um die Vielfalt mino­ritärer Bewegun­gen und die gesamt­gesell­schaftliche Be­deutung ihrer Forderun­gen sicht­bar zu machen.

Die Ausstellung ist von 24. September – 16. Dezember 2021 zu den Öff­nungs­zeiten der Stadt­bibliothek im Raum für Stadt­ent­wicklung im 1. Stock zu sehen. Infor­mationen zur Aus­stellung und dem Rahmen­programm sind auf der Web­seite der Initia­tive Minder­heiten zu finden. Read the rest of this entry »

Roma-Gedenkstein in Stegersbach

September 21st, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
20.9.2021 | (on demand)

Segnungsfeier in Stegersbach (Foto: Landesmedienservice Burgenland/Fenz)In unserer heutigen Sendung berich­ten wir von der Segnung des Gedenk­steines in Stegersbach (Süd­burgen­land) für die depor­tierten und ermordeten Romnja und Roma während des Zweiten Welt­krieges. Das an der Kreu­zung Berg­gas­se/Hinter­forst auf­gestell­te Denkmal soll an sie und ihr Schicksal er­innern.

Zahlreicheiche Menschen fanden sich am 10. Septem­ber in der Berg­gas­se/Hin­ter­forst ein, um an die Opfer dieser grau­samen Zeit zu gedenken. An jenem Ort, wo bis in die 1960er Jahre die größte Stegers­ba­cher Roma-Sied­lung stand – im so ge­nann­ten „Zigeunergraben“. In einer öku­meni­schen Feier nahmen Pfarrer Gerhard Harkam, der neue Pfarrer der Markt­gemein­de Stegers­bach Thorsten Craich sowie der Roma-Seel­sorger Matthias Platzer die Segnung des Gedenk­steines vor. Die Errich­tung des Gedenksteines geht auf eine An­regung der Roma-Pastoral der Diö­zese Eisenstadt und des Vereins Roma-Service zu­rück. An­ge­fertigt wurde das Denk­mal vom Stegers­ba­cher Stein­metz Alexander Fikisz.

Für ein besseres Miteinander

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma, Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath, zitiert aus dem Buch „Amari Historija“ (hrsg. vom Verein Roma-Ser­vice) den Bocksdorfer Zeit­zeugen Franz Schmaldienst. Manuela Horvath, Leiterin der Roma­pastoral der Diö­zese Eisen­stadt, unter­streicht die Wichtig­keit der Auf­arbeitung der Geschichte für ein bes­seres Mit­einander der Volks­gruppe und der Mehr­heits­bevöl­kerung. Landes­rat Leonhard Schneemann be­tont, dass im Burgenland noch meh­rere Gedenk­stätten für die Opfer des NS-Re­gimes folgen sollen, denn dort, wo es nötig ist, soll man sich der Geschichte stellen.

Etwa 200 Romnja und Roma lebten vor der Vernichtung durch die Natio­nal­sozialis­ten in Stegersbach. Nur wenige Roma kehr­ten zurück. Read the rest of this entry »

Luník IX: Kedveschno dad andar i Slovakija

September 19th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion

Slowakei: Papst Franziskus in der Roma-Siedlung "Lunik 9" (Foto: vatican.va)O kedveschno dad Fran­zis­kus ando triti di les­ke­ra Slo­va­ki­ja-roa­satar, ke­de­nake palo­pla­ne jek Ro­men­geri-sid­lung an­do fo­ro Košice kher ro­dija.

O termin tipischi la Franziskusake­ra agen­dake hi – jek talali­nipe manu­schenca, save avrak i kheta­ni­pes­keri rik dschin. Kaj o schero la kato­lischi khan­ge­ri­jatar akan aja Romen­ge­ri-sid­lung kher rodija, te but poli­ti­ker­tschen le tha­nestar daratscha. Ada te jek cajchn la slova­ki­tika birov­tscha­gos­kera khan­geri­jake hi, phen­tscha o aguno pa­rlamentos­kero pre­siden­to taj simbo­lakeri figura la kato­lischi Slo­vaki­jatar, František Mikloško.

Anglo ladipe ande Luník IX, kamla o Franziskus ande Prešov use jek mischa use te ol. Oja palo bicanti­nischi ritus tel liker­di te ol, upre savo pumen but katoli­schi osti­tike khan­gertscha likeren. O Fran­ziskus pre mischi mindig ando römi­schi ritus mula­tintel. Kira­tiske meg jek talali­nipe ter­nenca ando lob­dakero khelipes­kero schta­dijon le faraj­nistar FC VSS Košice del. Terne manu­schen o 84 berschen­gero phuro argen­ti­ni­jakero mindig ande pre moli­niptscha ande phandel.

Andi lakere igen bibastale dschivipeskere situacijendar prin­dschardi sele­tos­keri bauni­ni­pes­keri sidlung Luník IX masch­kar 5.000 taj 6.000 manu­scha la Romen­ge­ra-flo­gos­kera grupnatar dschin.

(Josef M. Schmidt, volksgruppen.orf.at)

25. September: Fest der Roma in Oberwart

September 18th, 2021  |  Published in Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Leon Berger BandMulantintschago le Romendar


Sa., 25. Sept. 2021, ab 19.00 Uhr

Offenes Haus Oberwart (OHO)
Lisztgasse 12, Oberwart

Im Rahmen der „Kultur & Kunst-Werk­statt – HANGO ROMA“ fin­det un­ter dem Motto „Ama­ri kul­tu­ra taj tra­di­cija – Un­se­re Kultur & Tra­dition“ das Fest der Roma – Mu­lan­tintscha­go le Ro­men­dar mit dem Schwer­punkt Ro­ma-Mu­sik­stile aus dem Bur­gen­land statt.

Die kulturelle Vielfalt der Roma wird mit dieser Ver­anstal­tung den Be­suchern näher­gebracht. Den Ver­anstal­tern ist es wichtig, dass Tra­dition und Kultur ge­pflegt, er­halten sowie in der Öffent­lich­keit erleb­bar ge­macht werden.

„Romano Rath“ Die Oberwarter Roma-Band „Romano Rath“ („Roma-Blut“) schöpft aus der vollen Band­breite der Roma-Musik, die von viel­fälti­gen Einflüssen und Musik­traditio­nen ge­prägt ist. Neben tra­ditio­nellen Liedern in Roman finden sich auch deutsch­spra­chige und kroatische Lieder im Re­per­toire der Gruppe.
„Bela Horvath Ensemble“ —
Das ungarische Roma-Ensemble spielt noch den alten, tradi­tionel­len Ro­ma-Mu­sik-Stil mit der tra­ditio­nellen Instru­mental­musik in der Be­setzung mit Geige, Bratsche, Klarinette, Zymbal und Kontrabass, den es früher im Burgen­land ge­geben hat. Die musika­lische Aus­richtung orien­tiert sich vor allem an der „ungari­schen Roma-Musik“.
„Leon Berger Band“
30 Jahre Roma-Bewegung führte wieder zu einer Aufbruchs­stimmung bei den Burgen­land-Roma. Die vier Roma Leon Berger (Klari­netvte/Band­leader), Josef Schmidt (Schlag­zeug/Ge­sang), Markus Sarközi (Key­board/Ge­sang) und Martin Horvath (Bass/Ge­sang) grün­deten daher im Jahr 2019 die „LEON BERGER BAND“. Read the rest of this entry »

Grußadresse von Papst Franziskus an die Roma

September 17th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Slowakei: Papst Franzskus in der Roma-Siedlung "Lunik 9" (Foto: vatican.va)Apostolische Reise von Papst Franziskus in die Slo­wa­kei: Be­geg­nung mit der Roma-Ge­mein­schaft in Luník IX (Košice), 14. Sep­tem­ber 2021 (mehr hier)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Ich danke euch für den herzlichen Empfang und für eure lieben Worte. Ján hat daran er­innert, was der heilige Papst Paul VI. ein­mal zu euch gesagt hat: »Ihr steht in der Kirche nicht am Rand … Ihr seid im Herzen der Kirche« (Homilie, 26. Sep­tem­ber 1965). Nie­mand darf sich in der Kirche fehl am Platz oder bei­seite­gescho­ben fühlen. Das ist nicht nur eine Redens­art, son­dern ein Merkmal von Kir­che-Sein. Denn Kirche-Sein be­deutet als von Gott Zu­sammen­geru­fene zu leben, sich als Stamm­spieler im Leben zu fühlen und zur glei­chen Mann­schaft zu ge­hören. Ja, denn Gott möchte uns so haben, jeder ver­schie­den, aber alle um ihn vereint. Der Herr sieht uns im Mit­einander. Alle.

Und er sieht uns als Söhne und Töchter: er hat den Blick eines Vaters, den Blick der Vor­liebe für jedes seiner Kinder. Wenn ich diesen Blick auf mir an­nehme, lerne ich auch die an­deren richtig zu sehen: ich ent­decke, dass neben mir weitere Kinder Gottes stehen, die ich als Geschwister an­erken­nen kann. Das ist die Kirche, eine Familie von Brüdern und Schwestern mit dem glei­chen Vater, der uns Jesus als Bruder gegeben hat, damit wir ver­stehen, wie sehr er die Ge­schwis­ter­lich­keit liebt. Und er möchte, dass die ganze Mensch­heit eine weltweite Familie wird. Ihr hegt eine große Liebe für die Familie, und ihr schaut von dieser Er­fahrung her auf die Kirche. Ja, die Kirche ist ein Haus, sie ist euer Haus. Read the rest of this entry »

Welthaus: Papstbesuch weckt Hoffnung für Roma

September 16th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion  |  1 Comment

Papst Franziskus zu Gast in der Roma-Siedlung Luník IX (Foto: vatican.va)Papst Franziskus hat bei seiner Slo­wa­kei-Reise eine Ro­ma-Sied­lung be­sucht und die Dis­kri­mi­nie­rung der Min­der­heit ver­ur­teilt. Das Welt­haus der Diö­ze­se Graz-Seckau, das die Roma vor Ort un­ter­stützt, sieht da­rin ein Zei­chen der Hoff­nung.

Papst Franziskus hat am 14. September am Stadtrand von Košice eine der größ­ten Roma-Sied­lun­gen in Europa be­sucht (mehr hier). Am Platz vor dem Sa­le­sianer­zentrum in der Platten­bau­siedlung Luník IX war die Stim­mung den ganzen Nach­mittag über fröh­lich und be­geis­ternd. Mit einem bunten Pro­gramm aus Liedern, Gebeten und Ge­sprä­chen mit Roma und Nicht-Roma wurde der Papst herz­lichst empfan­gen. „Ihr seid nicht am Rande, ihr ge­hört zur Kirche, zum Team“, war einer der ein­leiten­den Ge­danken von Franziskus. Bei seiner An­sprache war zu spüren, dass der Papst die Proble­me der Armut aus nächs­ter Nähe kennt: „Men­schen in Ghettos ab­zu­schieben, löst keine Probleme. Ab­ge­schlos­sen­heit führt zur Wut – der Weg führt über Dialog und Integration.“ Im Alltag führ­ten Beistand, Unter­stützung und konkretes Tun zur Ver­änderung – „nicht schnell, aber mit der Zeit“. Integra­tion ist für Fran­ziskus „ein vitaler Prozess“. Seine wich­tigste Botschaft, an die ganze Gesell­schaft ge­richtet, lautete: „Ihr seid allzu oft mit Vor­urteilen und un­barm­herzi­gen Ver­urteilun­gen kon­frontiert, mit Diskri­mi­nierung und beleidi­genden Worten und Gesten. Da­durch sind wir alle ärmer ge­worden. Ärmer in Mensch­lich­keit.“

Der Besuch des Papstes in Lunik IX sei mehr als symbolisch, meint Agnes Truger vom Welthaus der Diöze­se Graz-Seckau: „Massen­arbeits­losig­keit, Müll, Auto­wracks und zer­bro­che­ne Scheiben, verkohlte Haus­wände: Dieser Ort steht stell­ver­tretend für alle Orte der Aus­gren­zung, der bitteren Armut und des Versagens der Sozialpolitik eines Landes.“ Roma-Sied­lungen wie diese gäbe es in Europa viele. Der Papst­besuch käme zum rich­ti­gen Zeitpunkt, ist Truger über­zeugt: Read the rest of this entry »

Facts & Figures (392)

September 15th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

1951 wurde mit Un­ter­stüt­zung der Be­hör­den in Wałbrzych in Schle­sien die ers­te Ro­ma-Or­ga­ni­sa­tion Polens (Komitet Cygański) ge­grün­det.

(Quelle)

Recensijona: Bar oni anav

September 13th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

How I Became a Partisan: Die slowakische Regisseurin Vera Lacková auf Spurensuche im Wald, wo die Familie ihrers Urgroßvaters von deutschen Soldaten ermordet wurde (Foto: Media Voice)  La Vera Lackovákero jomakero rodipe „Sar me par­ti­san­kija ujom“


Ande lakero erschti dugo film i slova­kitiki Romni Vera Lacková jeka kora flatscka­ke ando nacijo­nali histo­ri­ja­kero kipo use pe iri­nel: uso vi­der­schtaund le Romen­dar ando dujto themes­kero haburi.

Ando kisetinipe le augustistar 1944 slovakitike partisantscha gejng o NS-be­schasch­tscha taj o faschis­tischi mari­jo­ne­ten­gero reschim pumen terdschar­de. O slova­kitiko nacijo­nakero upre terdscho­­jipe paloda uso keripes­kero mitos le khetani­pestar palo hauburi ulo – o falato, savo te Roma khelnahi, ham pedar desch­ber­­schen­gere na phukade: Le vider­schtaun­dis­kere dsche­nenge andar o tschu­lipe ando nacijonali histori­jakero kipo nana than. Kolektivi palgon­dolipe butschol mindig te jek selek­tivi pobiste­ripe. Mindig te na akarde del, saven­gero gondolipe asaj dur andar o pradipe ari dschumim ol, dschimeg o lejcti palgon­dolipe tschak pal use tscha­pinde vudara, andi briga lengere famili­jendar, bajder dschil.

O papuskero dad
Adale historischi koripeha na kamla pe i slovakitiki filmiskeri kerasch­kija Vera Lacková tel te lakel taj pro­balinel, i his­torija le Romen­ge­re-par­tisa­nendar, sar oj le phenel: „pal ando khe­tanipe“ te hulinel. Ande lakero doku­men­taci­jakero film „Sar me partisankija ujom“/„Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) phukal oj pedar o terdschi­jipe lakere ajgeni papus­kere dadestar, Ján Lacko, savo pe 1944 ojs Rom le upre terdscho­ji­peske aun phandla taj pra cila familija use jek hosini­pes­keri akcijona le nimtschke bescha­schen­dar na­schatscha. Read the rest of this entry »

Fake News, Hoaxes, Manipulationen

September 11th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Re-ACTAntiziganismus und Antisemitismus online – For­schungs­er­geb­nis­se des Pro­jekts Re-ACT (Re­mem­ber and Act!)

Hass, Gewalt und Ausgrenzung: Beide Gruppen, jüdische Menschen und Roma, wer­den als eine „Bedro­hung“ in und für die Gesell­schaft wahr­ge­nom­men. Seit dem Mittelalter bis heute sind Roma und Juden tra­ditio­nel­le Sündenböcke. Diese und an­dere Er­kennt­nisse prä­sen­tieren die analy­tischen und ver­glei­chen­den Studien, die im Rahmen des inter­natio­na­len Pro­jekts Remember and ACT! (Re-ACT) er­stellt wur­den, welches sich auf die Ervforschung „alter“ Hass­kon­zepte in ihren modernen Formen kon­zentriert.

Das Projekt wird von der Organisation ROMEA zusammen mit dem Inter­natio­na­len Netz­werk gegen Cyber-Hass (INACH), der fran­zösi­schen NGO LICRA und dem öster­reichi­schen Forschungs­unter­neh­men SYNYO durch­ge­führt.

Die von INACH für Kontinentaleuropa erstellte Analyse von hass­erfüll­ten On­line-Posts hat gezeigt, dass starke Ver­bindungen zwi­schen aktuel­len Hassreden im Internet und den Prakti­ken, welche üb­lich für Nazi-Pro­pa­ganda waren, be­stehen. Ziel der im Rah­men des Re-ACT-Projekts er­stellten Studien ist es, die Mechanis­men zu be­leuchten, mit denen alte Stereo­typen, Halb­wahrheiten und Mythen über Juden und Roma wieder­ver­wertet werden. Die Studien zielen darauf ab, die Prinzi­pien zu erläu­tern, die dem Wieder­aufleben dieser tief ver­wurzel­ten anti­jüdischen oder An­ti-Ro­ma-Ein­stel­lungen zu­grunde liegen, und zu zeigen, wie diese neuen Formen der­selben sich wieder­holen­den fremden­feind­lichen Ideen online in mo­dernen Formen existie­ren, ins­beson­dere in den sozialen Medien.

Antiziganismus

Nach den Erkenntnissen der im Projekt tätigen Analysten ist es offensichtlich, dass Anti­ziganis­mus online auf dem Vor­marsch ist. „Der Trend ist eine kon­tinuier­liche Normalisie­rung von Hassreden gegen Roma. Solche Reden werden heute nicht nur von Mit­glie­dern ultra-rech­ter Gruppen ver­breitet, sondern auch von ‘norma­len’ Men­schen oder Main­stream-Par­teien“, sagen Selma Muhič Dizdarevič und Jitka Votavová, die Autorin­nen der Studie über Anti­ziganismus.

„Fake News, Hoaxes und Manipulationen werden als Instrumente zur Verbreitung von Hass ein­gesetzt. Auch der Trend zu so­genann­tem humor­vollem Rassismus nimmt zu und schafft einen Cocktail aus Ironie, Spott und Erniedri­gung, der vor allem für junge Men­schen attraktiv ist“, so die Autoren. Read the rest of this entry »

Unterwegs zum Genozid, 5.9.1938

September 9th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken

Im September vor 83 Jahren: „Burgenland bekämpft Zigeunerplage“. De­huma­ni­sie­rung, Zwangsarbeit, Berufs- und Schulverbot. Von dieser rassistischen Hetze war es nur mehr ein kleiner Schritt zum Völkermord. [Via Christian Cargnelli]

Aus: Neueste Zeitung. Das Innsbrucker Abendblatt, 5.9.1938, Nr. 200, S. 4. [ANNO]

Neueste Zeitung (Innsbruck), 5.9.1938

Siehe auch:
Unterwegs zum Genozid: Gestern vor 82 Jahren, 21.7.2021
Illustrierte Wochenpost, 3. März 1939, 11.3.2019

Facts & Figures (391)

September 8th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Eine Erhebung in Ma­ze­do­ni­en er­gab, dass 775 von 13.770 be­frag­ten Ro­ma nie ins Ge­bur­ten­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wur­den. (UNHCR 2011)

(Quelle/pdf)

Rezension: Stein ohne Namen

September 6th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

How I Became a Partisan: Die slowakische Regisseurin Vera Lacková auf Spurensuche im Wald, wo die Familie ihrers Urgroßvaters von deutschen Soldaten ermordet wurde (Foto: Media Voice)  Vera Lackovás Spurensuche „Wie ich Partisanin wurde“


In ihrem Langfilmdebüt wendet sich die slo­wa­ki­sche Rom­ni Vera Lacková einem blin­den Fleck im na­tio­na­len Ge­schichts­bild zu: dem Wi­der­stand der Ro­ma im Zwei­ten Welt­krieg.

Ende August 1944 erhoben sich slowa­kische Par­ti­sanen gegen die NS-Be­satzer und das faschis­tische Mario­net­ten­re­gime. Der Slowa­ki­sche National­aufstand wurde später zum Gründungs­mythos der Nach­kriegs­gesell­schaft – den Anteil, den auch Roma dabei spiel­ten, hat man jedoch über Jahr­zehnte tot­ge­schwie­gen: Für Widerstands­helden aus der Min­der­­heit war im nationa­len Geschichts­bild kein Platz. Kollekti­ves Erinnern bedeu­tet schließ­lich immer auch selekti­ves Ver­gessen. Denn immer gibt es auch Ver­schwie­gene, deren An­denken so lange aus der Öffent­lich­keit gedrängt wird, bis die letzte Erinnerung an sie nur noch hinter ver­schlos­senen Türen, in der Trauer ihrer Familien, wei­ter­lebt.

Urgroßvater
Mit diesen historischen Blindstellen will sich die slowakische Filmemacherin Vera Lacková nicht ab­finden und versucht, die Ge­schichte der Roma-Par­ti­sanen, wie sie es for­muliert: „zurück in die Gesell­schaft“ zu holen. In ihrem Doku­mentar­­film „Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) erzählt sie in erster Linie vom Schicksal ihres eige­nen Urgroß­vaters, Ján Lacko, der sich 1944 als Rom dem bewaff­neten Aufstand an­schloss und seine gesam­te Familie bei einer Vergeltungs­aktion der deutschen Besatzer verlor. Read the rest of this entry »

How I Became a Partisan (Trailer)

September 4th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken  |  2 Comments

How I Became a Partisan / Ako som sa stala partizánkou
Dokumentarfilm von Vera Lacková, SK/CZ 2020, 85 Min.

Eine ausführliche Besprechung des sehenswer­ten Films (und was er mit ak­tuel­len Ent­wick­lun­gen in­ner­halb der inter­na­tio­na­len Bür­ger­rechts­bewe­gung der Roma zu tun hat) fin­den Sie in der neuen Aus­gabe unse­res Ma­ga­zins dROMa.

Facts & Figures (390)

September 3rd, 2021  |  Published in Facts & Figures, Radio, Podcast & TV

Telenovelas über Ro­ma bil­den in Mexiko ein seit Jahr­zehn­ten be­lieb­tes Sub­genre (Yesenia, 1970/1987; Amor gitano, 1999; Gi­ta­nas, 2004).

(Quelle)

Hluché dni / Silent Days (Trailer)

September 2nd, 2021  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Hluché dni / Silent Days
Ein Film von Pavol Pekarčík. SK/CZ 2019, 81 Min.; Slo­wa­kisch/Romanes

Demnächst beim trinationalen Neiße-Film­fes­ti­val 2021 (17./19.9.2021)

Sandra liebt Fußball und und verehrt Ronaldinho, Marian spielt Film­szenen von Jean-Claude Van Damme nach und will Zug­begleiter wer­den. Alena und René hoffen, dass ihr Baby gesund ge­boren wird und die Geschwis­ter Roman, Kristián und Karmen träumen von einer richtigen Toilette mit Spülung. Die jungen Protagonist*innen des Films leben mit ihren Träumen und Hoff­nun­gen in Roma-Siedlungen am Rande der Gesell­schaft, und sie haben eine weitere Ge­mein­sam­keit: Sie sind gehörlos. Der warm­herzige Film kom­biniert dokumenta­ri­sche und insze­nierte Szenen aus ihrem Alltag, in denen un­schul­dige Kinder­spiele einen scharfen Kontrast zu einer trost­losen Um­gebung bilden.
(Neiße Filmfestival)

»Pavol Pekarčík has made what is so far the warmest Slovak docu-fiction drama about the Roma po­pu­lation, one of the staples of the country’s mo­dern cinema.«
(Vladan Petković in Cineuropa)

Pavol Pekarčík in einem Interview mit Cineuropa, 2019:
Cineuropa:
Your protagonists come from a margina­lised group of an already mar­gi­na­lised group. Why did you decide to por­tray them, spe­ci­fi­cally? Read the rest of this entry »

„Zuhause – Chez moi“ von Marielle Rossignol

September 1st, 2021  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

"La Vista" (Foto: M. Rossignol via Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma))Theaterworkshop, Podiumsdiskussion und Fotoausstellung in Heidelberg

Ausstellung: ganztägig, 7.9. bis 10.10.2021
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Bre­meneck­gas­se 2, Heidelberg

Ähnlichkeiten, Unterschiede und Erfahrungen der Ausgrenzung. Wie blicken Sintizze aus Montpellier und Heidelberg auf den Begriff „Zuhause“?

Dieser Frage möchten Linda Alaume, Soraya Chikhaoui, Ornella Dussol, Linda Ferret, Béatrice Piquemal, Ilona Lagrene und Lore Georg, Sin­tizze aus Montpellier und Hei­del­berg, nach­gehen. Sie wer­den ver­suchen, im Rahmen von Ge­sprächen und eines Theater­work­shops hierauf Ant­worten zu finden. Der the­ater­päda­go­gische Workshop findet in Heidel­berg statt und wird von der Theater­kom­panie La Chouette Blanche aus Mont­pellier ge­leitet. Nach einer Vor­stellung der Er­geb­nisse des Workshops im Rah­men einer Podiums­dis­kussion wird die dazu­ge­hörige Foto­aus­stel­lung von Marielle Rossignol vom 7. Sep­tember bis 10. Oktober 2021 im Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma zu sehen sein.

Read the rest of this entry »

Facts & Figures (389)

August 31st, 2021  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Nach falschen Ge­rüch­ten über ein Ver­bre­chen nah­men mas­kier­te Po­li­zis­ten in Belarus am 16.5.2019 bei Raz­zi­en ca. 100 un­schul­di­ge Ro­ma fest.

(Quelle)

„Die Pandemie ist ein Brandbeschleuniger“

August 30th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

DOSTA: Dokumentation 2019-2020Berlin: Amaro Foro veröffentlicht die Do­ku­men­ta­tion anti­zi­ga­nis­ti­scher Vor­fälle 2019 und 2020

→Zur Publikation (pdf)

2019 machte ein antiziganistischer Vorfall in Hameln bundes­weit Schlag­zeilen: Eine Frau, die sich bei einem Woh­nungs­unter­nehmen mehr­mals um eine Wohnung be­worben hatte, bekam ein Schreiben zu­ge­schickt, in dem stand: »Leich­ter Zigeuner-Ein­schlag. Bes­ser nichts an­bieten.« Das Schreiben war offen­bar für den inter­nen Ge­brauch be­stimmt und nur ver­sehent­lich ver­schickt worden. Damit war der Betrof­fenen auch klar, warum ihre Bewer­bungen seit Jahren erfolg­los waren – eine ein­deuti­ge anti­ziganis­tische Dis­kriminie­rung. Nach den Erkennt­nissen der Doku­men­ta­tions­stelle Anti­ziganis­mus (DOSTA) ist dieser Vorfall durchaus re­präsen­tativ für die Erfahrungen, die Men­schen mit tatsächlichem oder zu­geschrie­benem Roma-Hin­ter­grund auch heute noch in Deutschland ma­chen. DOSTA erfasst seit 2014 sys­tema­tisch anti­ziganis­ti­sche und dis­kriminie­rende Vorfälle, die sich in Berlin er­eignen. Über die Jahre wurden Hun­derte Vorfälle doku­men­tiert, es ist aber von einer deut­lich höhe­ren Dunkelziffer aus­zu­gehen.

„Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebe­nem Roma-Hin­ter­grund sind in Deutsch­land von viel­fältigen Aus­schlüssen und Stig­mati­sierun­gen be­troffen, auf struk­tureller und indi­vidueller Ebene. Auf diese ohnehin äußerst prekäre Situa­tion hat die Corona-Pan­de­mie wie ein Brand­be­schleu­niger ge­wirkt und zu öffent­lichen Diffamie­rungen ebenso wie existenz­be­droh­li­chen Lebens­lagen ge­führt“, er­klärt Georgi Ivanov, Vor­stands­mitglied von Amaro Foro.

In den Jahren 2019 und 2020 waren einige Themen beson­ders do­minant: In deutschen Behörden, be­sonders in Jobcentern, sind Men­schen mit selbst- oder fremd­zu­geschrie­be­nem Roma-Hin­tergrund einer syste­matischen und struk­turellen Krimi­nalisierung aus­gesetzt, die häufig zur rechts­widri­gen Ver­weige­rung von Leistungen führt. Read the rest of this entry »

Westbalkan: Zentralrat fordert Abschiebestopp

August 29th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Sichere Herkunftsstaaten, Asyl und Abschiebungen (Foto: MiG)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Un­mensch­lich­keit be­en­den – kei­ne Ab­schie­bung von ge­flüch­te­ten Roma in ihre Her­kunfts­staa­ten!

„Um Exem­pel zu sta­tu­ie­ren, wer­den Men­schen­leben ris­kiert bzw. so­gar der Ver­lust von Men­schen­leben in Kauf ge­nom­men.“

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte den Innen­minister Niedersachsens, Boris Pistorius, in einem Brief dazu auf, ein in Celle ge­borenes, schwer­behindertes sechs­jähri­ges Kind, das im Juli 2021 mit seiner allein­ste­henden Mutter nach Serbien ab­gescho­ben worden ist, nach Deutschland zu­rück­zu­holen. In Serbien wird das Kind kaum die be­nötigte Betreu­ung und Be­handlung er­halten können. Gene­rell fordert der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma einen Ab­schiebe­stopp für Roma aus den Westbalkan­staaten. Gleich­zeitig muss es ein ver­stärktes Engage­ment Deutsch­lands bei der Be­kämpfung des Anti­ziga­nis­mus in den Staaten des West­balkans geben.

Das 2015 in Celle geborene Mädchen leidet unter einer schweren Hör­minderung mit ver­bun­dener Sprach­erwerbs­störung, einer Mikro­zephalie und einer Hüft­dysplasie. Das Landes­sozial­amt hatte des­wegen bei ihm einen Grad der Behin­de­rung von 90 Pro­zent fest­gestellt. Darüber hinaus war das Celler Jugendamt für das Mädchen seit meh­re­ren Jahren zur Unter­stützung der Mutter als Er­gän­zungs­pfle­gerin für den Bereich der Ge­sund­heits­fürsorge ein­gesetzt.  Die Mutter war in psychiatri­scher Behand­lung und ist Analphabetin und war daher auf Unter­stützung an­ge­wiesen. Nach ihrer Ab­schiebung nach Serbien ist es mehr als un­wahr­scheinlich, dass das Kind in Serbien die be­nötigte Betreu­ung und Behandlung er­halten wird, die es in Deutschland be­kom­men hat.

Read the rest of this entry »