Roma-Gedenkstein in Stegersbach

September 21st, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen

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20.9.2021 | (on demand)

Segnungsfeier in Stegersbach (Foto: Landesmedienservice Burgenland/Fenz)In unserer heutigen Sendung berich­ten wir von der Segnung des Gedenk­steines in Stegersbach (Süd­burgen­land) für die depor­tierten und ermordeten Romnja und Roma während des Zweiten Welt­krieges. Das an der Kreu­zung Berg­gas­se/Hinter­forst auf­gestell­te Denkmal soll an sie und ihr Schicksal er­innern.

Zahlreicheiche Menschen fanden sich am 10. Septem­ber in der Berg­gas­se/Hin­ter­forst ein, um an die Opfer dieser grau­samen Zeit zu gedenken. An jenem Ort, wo bis in die 1960er Jahre die größte Stegers­ba­cher Roma-Sied­lung stand – im so ge­nann­ten „Zigeunergraben“. In einer öku­meni­schen Feier nahmen Pfarrer Gerhard Harkam, der neue Pfarrer der Markt­gemein­de Stegers­bach Thorsten Craich sowie der Roma-Seel­sorger Matthias Platzer die Segnung des Gedenk­steines vor. Die Errich­tung des Gedenksteines geht auf eine An­regung der Roma-Pastoral der Diö­zese Eisenstadt und des Vereins Roma-Service zu­rück. An­ge­fertigt wurde das Denk­mal vom Stegers­ba­cher Stein­metz Alexander Fikisz.

Für ein besseres Miteinander

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma, Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath, zitiert aus dem Buch „Amari Historija“ (hrsg. vom Verein Roma-Ser­vice) den Bocksdorfer Zeit­zeugen Franz Schmaldienst. Manuela Horvath, Leiterin der Roma­pastoral der Diö­zese Eisen­stadt, unter­streicht die Wichtig­keit der Auf­arbeitung der Geschichte für ein bes­seres Mit­einander der Volks­gruppe und der Mehr­heits­bevöl­kerung. Landes­rat Leonhard Schneemann be­tont, dass im Burgenland noch meh­rere Gedenk­stätten für die Opfer des NS-Re­gimes folgen sollen, denn dort, wo es nötig ist, soll man sich der Geschichte stellen.

Etwa 200 Romnja und Roma lebten vor der Vernichtung durch die Natio­nal­sozialis­ten in Stegersbach. Nur wenige Roma kehr­ten zurück. Einer, der darüber berich­ten kann, ist der heute 62-jähri­ge Nach­komme Adolf Sarközi, der im so­genannten „Zigeuner­graben“ in Stegers­bach aufwuchs und dessen Eltern, Über­lebende des Porajmos. waren. Er erinnert sich noch sehr gut daran, als seine An­gehörigen von dieser schreck­li­chen Zeit erzählten. Auch nach dem Ende des NS-Regimes mussten die Roma Dis­krimi­nie­rung über sich er­gehen lassen und weiter­hin am Rande der Gesell­schaft ver­weilen.

Roma-Bewegung brachte Verbesserung für die Roma

Die Roma-Bewegung in den späten 1980er Jahren und die damit verbun­dene Gründung des ers­ten Roma-Vereins brachte eine Verbes­serung für die Volks­gruppen­an­ge­höri­gen im Burgen­land. „Bis zu dieser Zeit bekam man die Dis­kriminie­rung und Aus­grenzung sehr deut­lich zu spüren“, so der Stegers­ba­cher Rom Adolf Sarközi. Nun bleibt nur zu hoffen, dass durch viel Auf­klärungs­arbeit auch die An­gehörigen der Volks­gruppe der Roma als Men­schen – wie du und ich – an­gesehen werden.

(Text: Adolf Gussak/volksgruppen.orf.at)

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