Archive for Februar, 2021

Gertrude Gussak im Gespräch

Februar 27th, 2021  |  Published in Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Gertrude Gussak ando vakeri­pe le Em­me­rich Gärt­ner-Hor­vathiha

Im heutigen Beitrag zeigt TV Erba die prekären Um­stände der 61-jäh­ri­gen Romni Gertrude Gussak. Seit ihrer Kind­heit lebt die heute schwer­kranke Frau im Stegers­bacher Roma-Gra­ben. Sie leidet unter COPD, einer schwe­ren Lungen­krank­heit, und hat einen Herz­fehler. Als Risiko­patientin er­zählt sie über ihre Angst, sich mit dem Covid-Virus zu in­fi­zie­ren und über ihre Einsam­keit, beson­ders seit dem Beginn des ers­ten Lockdowns. Ihr Haus ist sehr reno­vie­rungs­bedürf­tig. In solch be­son­deren Härte­fällen kommt dann Emme­rich Gärtner-Hor­vath (Verein Roma-Ser­vice) mit seinem „RomBus“ ins Spiel, um den Volks­gruppen­an­ge­höri­gen zu helfen.

Ando adiveseskero ardipe sikal TV Erba i bibas­tali situa­cija la 61-ber­schen­gera Rom­ni­jatar Gertrude Gussak. Sajt lake­ri tscha­ven­geri caj­tatar, dschil i nasvali Romni ando Romen­gero jarko Schtegate. Oj tiri­nel telal COPD, jek pharo parne buken­gero nas­valipe, taj telal jek du­kipe upro vodschi. Oj phukal pe­dar lakeri dar, pe le Covid-vi­ru­siha te in­fici­rinel taj pedar lakero kor­kores­kero dschi­vipe, sajt o erschti Lockdown hi. Read the rest of this entry »

#otd1945: Kinderverse aus Buchenwald

Februar 26th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken

Buchenwald - Seitenauszug aus dem Gedichtbuch von Johann (Mongo) Stojka, 1945 (Foto: Kazerne Dossin in Mechelen/buchenwald.de)) „Wir kommen doch noch einmal raus“

#otd1945 – Heute im Jahr 1945: Die Stif­tung Gedenk­stät­ten Buchenwald und Mit­­tel­­bau-Dora be­rich­tet im heu­ti­gen Bei­trag in ihrem On­line­pro­jekt #otd1945 („on this day 1945“) von den KZ-Ge­­dich­ten und -Skiz­zen des ge­rade mal 15-jäh­­ri­gen Jo­hann (Mongo) Stojka.

In einem behelfsmäßigen Büchlein hielt ein Junge durch Verse und Zeich­nun­gen seine Erfah­run­gen fest. Es ist ein kind­li­cher Blick auf eine inhumane Welt. „Warst du im Lager Buchen­wald, da oben ist es gar so kalt“, so der An­fang des Gedichts vom 26. Febru­ar 1945. Ver­fasser war Johann Stojka, ein 15-jäh­riger öster­rei­chi­scher Rom.

Nach der Auflösung des „Zigeuner-Familienlagers“ in Ausch­witz-Bir­kenau kam er mit seinem jün­geren Bruder Karl im August 1944 nach Buchen­wald. Dort hatte die SS für die jüngs­ten und schwächs­ten Sinti und Roma keine Ver­wen­dung und stellte einen Rück­transport zur Ermordung zu­sammen. Johann und Karl blieben zurück, da ver­meint­lich krank und somit „nicht tran­sport­fähig“. Diese Einstufung rettete beiden das Leben. Hoff­nungs­voll endet das Gedicht mit den Worten: „Wir kom­men doch noch einmal raus“. Die Brüder ge­hörten zu den weni­gen ihrer Großfamilie, die den Genozid an den Sinti und Roma, den Porajmos, überlebten.

(Text: Stefan Lochner auf liberation.buchenwald.de)

Literatur:
Mongo Stojka, Papierene Kinder. Glück, Zerstörung und Neubeginn einer Roma-Familie in Österreich, Wien 2000.
Karl Stojka u. Reinhard Pohanka, Auf der ganzen Welt zu Hause, Wien 1994.

Anm. der dROMa-Red.:
Johann (Mongo) Stojka, der als Musiker und Autor Bekanntheit er­lang­te, ent­stamm­te einer bedeu­ten­den öster­reichi­schen Lovara-Fa­milie und war eine der pro­minen­tes­ten und einfluss­reichs­ten Roma-Per­sön­lich­keiten Öster­reichs. Read the rest of this entry »

Buchenwald: Countdown zur Befreiung

Februar 26th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek

76 Jahre Befreiung von Buchenwald - ein Onlineprojekt in DeutschlandDie Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mit­tel­bau-Dora be­leuch­tet in ih­rem neu­en Onlineprojekt #otd1945 („on this day 1945“) die letz­ten Mo­nate der KZ Buchen­wald und Mit­tel­bau-Dora.

Bis zum 11. April, dem historischen Datum der Be­freiung der bei­den Lager, wird das Online­por­tal ein facet­ten­rei­ches Angebot ent­falten, das von histo­ri­schen Hinter­gründen bis zu aktu­el­len Programm­punkten reicht und auch die virtu­elle Teil­nahme an den zentra­len Feier­lich­keiten zum 76. Jahres­tag im April 2021 ermög­lichen wird. Bis zum 11. April beschreibt der Blog ein­zelne Gescheh­nisse von vor 76 Jahren aus den Kon­zentra­tions­lagern oder ihrem Umfeld. Schlaglicht­artig wird so nach­ge­zeich­net, was 1945 Tag für Tag bis zur Befreiung und darüber hinaus ge­schah. Diese letz­ten Kriegs­monate waren von einer weite­ren Eska­la­tion des Terrors und der von Deutschen aus­gehen­den Gewalt ge­kenn­zeichnet, obwohl die Nieder­la­ge Deutschlands spä­testens Anfang 1945 an allen Fronten ab­zu­lesen war. Viele Häftlinge in den Kon­zentra­tions­lagern hoff­ten seitdem auf ihre baldige Befrei­ung, doch das Morden in den Lagern und auf den Schau­plätzen der Zwangs­arbeit brach nicht ab. Erst die An­kunft der alliierten Trup­pen stopp­te die Verbrechen.

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Facts & Figures (349)

Februar 22nd, 2021  |  Published in Facts & Figures

Nach seinem Ver­bot in Frank­reich ver­leg­te der Ro­ma-Welt­ver­band Com­munau­té Mon­dia­le Gi­tane sei­nen Sitz 1965 vo­rü­ber­ge­hend nach Wien.

(Quelle)

PEN solidarisiert sich mit Romanes

Februar 21st, 2021  |  Published in Einrichtungen, Literatur & Bücher, Romani

PEN-Zentrum DeutschlandDer deutsche PEN nimmt den Inter­na­tio­na­len Tag der Mutter­sprache am 21. Febru­ar zum An­lass, um auf die Sprache und Kultur der Sinti und Roma auf­merk­sam zu machen und für ein fried­li­ches Mit­einan­der ver­schie­de­ner Kul­tu­ren in un­se­rem Land zu wer­ben.

„Zur Kultur in Deutschland gehört, dass wir in diesem mitten in Europa ge­lege­nen Land reich­halti­ge Kultu­ren – im Plural – haben. Dazu zählen meh­rere vom Aus­sterben be­drohte Sprachen, die nur von klei­nen Minder­heiten ge­spro­chen werden, aber doch die Fülle des Mensch­seins re­präsen­tie­ren, wie das Sorbische, Friesisch oder eben auch Romanes“, so PEN-Prä­si­den­tin Regula Venske. „An­statt auf einem an­geb­lichen Grund­recht, ein Schnitzel be­nennen zu wollen, zu be­harren, sollten wir lieber an­deren menschlichen Bedürfnissen Raum geben: Neugier und Lust auf Aus­tausch mit unseren Mit­menschen, ge­mein­sames Trauern, gemein­sames Feiern, gemein­sames Leben. Ich bin sicher, es warten auf Roma­nes noch große literari­sche Schätze darauf, ge­hört und gelesen zu werden.“

Der UNESCO-Atlas der bedrohten Sprachen der Welt schätzt Ro­manes als be­droht ein. Von der größ­ten Minder­heit Europas leben in Deutschland – erst seit 1998 per Gesetz als natio­nale Minder­heit an­erkannt – 70 000 bis 150 000 Sinti und Roma. Read the rest of this entry »

Das Leben und andere Baustellen

Februar 20th, 2021  |  Published in Film & Theater

La vita e altri cantieri (Filmclub)La vita e altri cantieri (2007)
Das Leben und andere Baustellen

Dokumentarfilm von Giuseppe Schettino (Regie) und Jona Zara Klein. Italien. mit dt. UT, 37 Min.
→ Online verfügbar bis 24.2.21 (Seitenende)

Eine Bozner Sinti-Familie lebt haupt­säch­lich von der Musik, aber seit Laki, der einzige Geiger, zu einer christlichen Sekte über­getre­ten ist, kann die Band nicht mehr auf­treten. Fa­milien­oberhaupt Radames ver­sucht die Gruppe wieder zu­sam­men­zu­führen und sieht sich dabei mit großen Ver­änderu­vgen der eige­nen Traditio­nen kon­fron­tiert. Der Doku­mentar­film „Das Leben und andere Bau­stellen“ erzählt von Ge­ne­ra­tio­nen-Kon­flikten in der Kultur eines be­drohten Volkes.

Der Filmclub in Südtirol zeigt zusammen mit der Film­schule ZeLIG und dem Film­festi­val Bozen kos­ten­los ein On­line-Film­paket: Im Wochen­rhythmus wer­den Filme von Ab­sol­vent/in­nen der Film­schule ZeLIG ge­zeigt, dazu je­weils ein Hinter­grund­gespräch (Anm.: das Ge­spräch mit Giu­seppe Schettino wur­de auf Italie­nisch ge­führt).

(Text: Filmclub)

Der Anschlag von Hanau und seine Folgen

Februar 19th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Say their names: die Opfer von HanauDer rechtsterroristische Mordanschlag am 19. Februar 2020 forderte auch Opfer aus der Minderheit der Sinti und Roma. Für Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov und Vili-Viorel Păun war Hanau mehr als nur eine Stadt vor den Toren der Metro­pole Frankfurt. Hanau war ihre Heimat – ihr Zu­hause, ge­nau­so wie für rund 96.000 ande­re Ha­nauerin­nen und Ha­nauer.

Mercedes lebte dort mit ihrer drei­jährigen Toch­ter und ihrem 17 Jahre alten Sohn. Als sie für sich und die Kinder Pizza holen wollte, wurde sie er­mordet. Mercedes wurde 35 Jahre alt. Der 33-jäh­rige Kaloyan kam vor zwei Jahren aus Bulgarien nach Hanau. Er war Vater eines sieben­jäh­rigen Sohnes und unter­stützte mit seiner Arbeit seine Familie in Bul­garien. In der Bar, in der er ge­legent­lich aushalf, wurde er er­schossen. Vili-Viorel kam im Alter von 16 Jah­ren aus Rumänien nach Deutsch­land, weil seine Mutter schwer er­krankt war und sich in Deutschland be­han­deln lassen wollte. Der junge Mann arbeitete bei einer Kurier­firma. In­zwi­schen gilt es als erwiesen, dass er den Täter auf­halten wollte, nachdem dieser am ersten Tatort um sich schoss. Vili-Viorel ver­folgte ihn daher mit seinem Auto wäh­rend er erfolg­los ver­suchte, die Polizei zu alar­mieren. Am zwei­ten Tatort in Hanau-Kes­sel­stadt wurde er vom Täter mit drei Kugeln ge­troffen, als er starb war er ge­rade ein­mal 22 Jahre alt.

Mercedes, Kaloyan und Vili-Viorel waren Hanauer – und sie waren An­gehö­rige der Minder­heit der Sinti und Roma. Sie waren drei von ins­gesamt neun Todes­opfern, die am 19. Februar 2020 in Hanau einem rechts­terroris­ti­schen Mord­anschlag zum Opfer fielen. Die Trauer um die Toten schmerzt und lässt auch Sinti und Roma in Angst um ihre Sicher­heit zurück.

Der Anschlag war nach dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle und dem Mord am Kasseler Regie­rungs­prä­si­denten Walter Lübcke der dritte rechts­ter­roris­tische Anschlag mit Todes­opfern innerhalb von zwölf Monaten. Er er­schütterte die Zivil­gesell­schaft vor Ort und weit darüber hinaus. Read the rest of this entry »

WDR: Rassismus in letzter Instanz?

Februar 18th, 2021  |  Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

"Rassismus in Letzter Instanz?" (WDR)Monitor studioM/WDR
17.2.2021 | 01:08:30 Std. | Von Georg Restle
→Video verfügbar bis 18.02.22 |
→Audio (mp3)

Ist Rassismus gegen Sinti und Roma ein struk­tu­rel­les Problem? Wel­che rassisti­schen Klischees prä­gen die Bericht­erstattung in den Medien?

Die WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ hat eine Welle der Em­pörung gegen den WDR und eine Debatte aus­ge­löst über Rassismus ge­gen Sinti und Roma in den Medien und in der Ge­sell­schaft (mehr zum Bei­spiel hier, hier, hier, hier oder hier). Aus ak­tuel­lem Anlass spricht Monitor-Re­dak­tions­leiter Georg Restle daher über Rassismus gegen Sinti und Roma, Rassismus in den Medien und in der Gesell­schaft. Seine Gäste sind der Roma-Ak­tivist Gianni Jovanovic, die Sängerin und Femi­nis­tin Tayo Awosusi-Onutor so­wie Dr. Markus End, Po­litolo­ge und Anti­ziganis­mus­forscher an der Tech­ni­schen Uni­ver­sität Berlin.

(Text und Sendung: WDR)

100. Geburtstag von Schnuckenack Reinhardt

Februar 17th, 2021  |  Published in Musik

Ein Wahrzeichen der Sinti-Kultur: Sein virtuoses Geigenspiel prägt Folklore und Swing bis heute. Dass nach dem Zweiten Welt­krieg die Kultur der Sinti hier­zu­lande wieder be­kannt wurde, liegt mit an Schnucke­nack Rein­hardt. Am 17. Februar 1921 wurde er ge­boren. →Weiterlesen auf Deutschlandfunk Kultur

Facts & Figures (348)

Februar 17th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Von März bis Mai 1935 er­schien in Bel­grad die ers­te Ro­ma-Zei­tung Ju­go­sla­wi­ens: Romano lil/Ci­gans­ke no­vi­ne. Es gab drei Aus­ga­ben.

(Quelle)

Polizeihund gegen Roma: Warten auf Anklage

Februar 16th, 2021  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

DreyecklandRDL: Polizeihund-Angriff ge­gen Ro­ma­fa­mi­lie in Deutschland – Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft er­war­tet

Radio Dreyeckland, 16.2.2021

Fast zehn Monate, nachdem Polizist/in­nen in Umkirch (Ba­den-Württem­berg) einen Polizei­hund auf einen An­ge­hö­ri­gen der Minder­heit der Roma gehetzt haben, erwartet der Betrof­fene eine bal­dige Ent­scheidung der Staats­anwalt­schaft, ob Anklage er­hoben wird. Das sagte sein Anwalt Mehmet Daimagüler ge­gen­über Radio Dreyeck­land.

Ende April 2020 war in Umkirch bei Freiburg ein 48-jähri­ger Mann von einem Polizei­hund, laut des­sen Bericht auf Befehl des Hunde­führers, an­ge­fallen und schwer verletzt worden (RDL berichtete). Voraus­gegan­gen war eine Diskus­sion um eine Lap­palie, ein ohne Nummern­schild an der Straße ste­hendes Auto. Der Hund fügte dem Mann so tiefe Bisse zu, dass ihm im Kranken­haus ge­sagt wurde, er sei nur knapp an einer lebens­bedro­hen­den Ver­letzung vorbei­ge­kommen. Auch an­gesichts des brutalen Ein­satzes drängt sich der Verdacht antiziganistischer Be­weg­gründe auf. So zeigte sich u. a. auch der Vor­sit­zen­de des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma be­sorgt.

Die Polizei hatte im Anschluss die übliche reflexhafte Anzeige wegen Wider­stands er­stattet, doch auch die Familie ers­tattete eine voll­umfäng­liche Straf­anzeige. Nun haben, so Anwalt Daimagüler, alle Familien­ange­höri­gen als Zeug/in­nen aus­gesagt. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (347)

Februar 14th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Für den NS-Genozid an den Roma ha­ben sich in­ter­na­tio­nal auch zwei Be­zeich­nun­gen auf Ro­ma­ni eta­bliert: Porrajmos und Samudaripen.

(Quelle)

UNESCO-Menschenrechtszentrum in Graz

Februar 12th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Unesco-Menschenrechtszentrum Graz (Bild: Unesco)In Graz entsteht ein UNESCO-Zentrum zur För­de­rung der Men­schen­rech­te in Ge­mein­den und Re­gi­o­nen

Die Errichtung des UNESCO-Men­schen­rechts­zen­trums in Graz wurde im Juli 2020 im Nationalrat be­schlos­sen. Das Euro­päische Trai­nings- und For­schungs­zentrum für Men­schen­rechte und De­mo­kra­tie (ETC-Graz) wird zu einem Ka­te­go­rie-II-Zentrum zur För­derung von Menschen­rechten auf loka­ler und regio­naler Ebene. Als Kate­go­rie-II-Zentrum steht das Men­schen­rechts­zentrum unter der Schirm­herr­schaft der UNESCO und wird Teil des globalen Netz­werks an exzellenten For­schungs­ein­richtun­gen zur Um­setzung der strate­gischen Ziele und globalen Ent­wicklungs­agenden der UNESCO. Das Grazer Zentrum wird, neben jenem in Buenos Aires, das zweite der­artige Zentrum welt­weit, das sich mit Men­schen­rechten befasst.

Dieses Menschenrechtszentrum unterstützt eine integrative und gerechte Politik­gestal­tung durch inter­dis­zipli­näre Forschung, Kapa­zitäts­aufbau und inter­natio­nale Zu­sammen­arbeit und treibt die inter­natio­nale Menschen­rechts­agenda auf lokaler und regiona­ler Ebene voran. Ein Fokus wird auf die Förderung des inter­kulturel­len Dialogs und die nach­hal­tige Ent­wicklung von Städten und Gemeinden ge­legt. Da­durch trägt das Zentrum zur Im­ple­men­tie­rung der Neuen Urbanen Agenda sowie zu den Zielen für nach­haltige Ent­wicklung (SDGs) bei.

Für die ersten Jahre wurden drei Schwerpunkte gesetzt: Recht auf Bildung für Romakinder in Südost­europa, Men­schen­rechts­trainings für Städte in Afrika und ein „Tool­kit for Inclu­sive Cities in the Arab World“, das be­reits im Rahmen des letzten „World Urban Forum“ vor­gestellt wurde. Read the rest of this entry »

Deutschland: Kind in Handschellen

Februar 10th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Streifenwagen (Bild von Cornell Frühauf/Coernl auf Pixabay)Der Landesverband Deut­scher Sinti und Roma in Ba­den-Württem­berg be­rich­tet von Polizei­über­griff gegen elf­jäh­ri­ges Kind in Singen:

Am 6. Februar 2021 wurde um ca. 16:30 Uhr ein elfjähriges Kind nach einer anlass­losen Per­so­nen­kontrol­le in Hand­schellen abgeführt und auf das Polizei­revier in Singen ge­bracht. Der Ver­band Deutscher Sinti und Roma – Landes­ver­band Baden-Württemberg (VDSR-BW) ver­tritt die Inter­essen der betrof­fe­nen Familie. Sie hat ges­tern Abend Strafanzeige ge­stellt und wird anwalt­lich von Dr. Mehmet Daimagüler ver­treten, der als Neben­klage­ver­treter in zahl­reichen Pro­zes­sen, wie z.B. im „NSU-Ver­fahren“, Opfer poli­tisch moti­vier­ter Gewalt ver­treten hat.

Zum Hintergrund:
Mehrere Kinder spielten vor dem Wohnort ihrer Großmutter. Zwei Polizei­beamte führten bei ihnen eine Per­sonen­kontrolle durch. Das elfjährige Kind, das später in Hand­schellen auf das Polizei­revier ge­bracht wurde, gab den Beamten der Singener Polizei sein Alter an. Die Beamten zogen darauf hin ab. Kurze Zeit später erschie­nen zwei weitere Polizei­beamte und führten erneut eine Per­sonen­kontrolle durch. Einer der zwei Beamten sprach das Kind in ge­bro­che­nem Romanes an. Bereits aus die­sem Umstand wird deutlich, dass die Beamten das Kind der Minderheit der Sinti und Roma zuordneten. Hierbei wurde das Kind sinngemäß mit den Worten:„Einer von den Zigeunern, die ken­nen wir ja“, „Du kommst eine Nacht hinter Gitter“ und „Der Tod kommt dich holen“ bedroht. Die Polizei­beamten durch­suchten das elf­jährige Kind und fanden ein kleines Klapp­messer. Das Kind er­klärte, dass es dieses bei sich trüge für Ar­beiten im Garten.

Die Mutter und der Vater der anderen Kinder hatten bereits versucht die Kinder telefonisch zu er­reichen, um sie zum Essen nach Hause zu holen. Die Beamten ver­boten den Kindern, an ihre Handys zu gehen. Sie legten nun dem Kind, das sie durch­sucht hatten, Handschellen hinter dem Rücken an. Das Kind flehte die Beamten an, seine Mutter be­nach­richti­gen zu dürfen, die sich nicht weit entfernt in der Wohnung auf­hielt. Es wies die Beamten auch darauf hin, dass es wegen eines kurz zuvor erlittenen Unfalls drei an­gebro­chene Rippen hätte und an Asthma leide. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (346)

Februar 8th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures

Die 1999 in Kalifornien ge­grün­de­te Or­ga­ni­sa­ti­on „Voice of Roma“ ist heu­te die ein­zi­ge na­tio­na­le NGO zur Ver­tre­tung von „Ro­ma­ni Ame­ri­cans“.

(Quelle/pdf)

Roma-Kultur-Abend in Wien

Februar 6th, 2021  |  Published in Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Lesung im Literaturhaus Wien (Foto: Literaturhaus via Kurier.atZum Gedenken an das Bomben­atten­tat von Oberwart

Zwei Online-Lesungen aus dem Wiener Lite­ra­tur­haus: Gedichte von Mircea Lacatus, ge­le­sen von einer der Über­set­zerin­nen, Ioana Spataru, und Kurz­ge­schich­ten von Samuel Mago.

Heinz Wagner/Kurier: 26 Jahre nach dem Rohr­bom­ben-At­tentat bei der Ro­ma-Sied­lung in Oberwart [...] stand eine Online-Le­sung im Wiener Lite­ratur­haus im Zeichen von Roma-Kultur, in dem Fall schrei­ben­der Kunst. Zwei Neu­er­schei­nun­gen in der Edition Exil, die sich seit Jahrzehnten dem Schreiben zwi­schen Kultu­ren wid­met, wur­den – von Jessica Beer mo­deriert – vor­gestellt.

Ioana Spataru liest Mircea Lacatus:
Aus dem Lyrik-Band „Die geheime Geometrie der Seele/geo­metria secretă a sufle­tului“ von Mircea Lacatus las eine der beiden Über­setzerin­nen, was bei Ge­dichten immer auch mehr, näm­lich Nach-Dich­tung bedeutet, Ioana Spataru. Gemein­sam mit ihrer Schwes­ter Irina hatte sie die Gedichte ihres Vaters ins Deutsche über­tragen. [...] Lacatus er­hielt bereits 2007 den Lyrikpreis der „exil-lite­ratur­preise“, 2009 er­schien sein Lyrik­debüt „rund um meine eltern eine burg“.

Samuel Mago:
[...] In lebendigen Wort- und Sprachbildern erzählt Samuel Mago in seinem zwei­spra­chigen Prosaband (Deutsch / Romanes; Über­set­zun­gen: der Autor selbst mit Unter­stüt­zung von Mozes Heinschink) Ge­schichten aus der Welt der Roma. [...]

→Lesen Sie bitte den hier nur in kurzen Auszügen wieder­gege­benen Text  von Heinz Wagner in voller Länge auf Kurier.at.

Wir danken dem Autor für die freund­li­che Ge­neh­mi­gung!
Vier Wochen lang kann ein Zusammenschnitt des Abends auf der Home­page des Lite­ratur­hau­ses nach­ge­hört und -ge­se­hen werden.

Facts & Figures (345)

Februar 3rd, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

In den 1930ern exis­tier­ten zwei ru­mä­ni­sche Ro­ma-Ver­bän­de: Asociaţia Generală a Ţiganilor und Uniunea Generală a Romilor din România.

(Quelle)

WDR: Mit Rassismus Quote machen

Februar 2nd, 2021  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Fernsehrassismus im WDR (Screenshot: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ zeigt, wie tief Anti­ziganis­mus in der Gesell­schaft ver­wur­zelt ist

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kriti­siert scharf die von Steffen Hallaschka mo­de­rier­te Sen­dung „Die letz­te Instanz“, die vom WDR am 29. Ja­nu­ar 2021 aus­ge­strahlt wur­de. In der Sen­dung wurde unter an­de­rem die Frage zu Dis­kus­sion ge­stellt „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein not­wen­di­ger Schritt?

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats, sagte:

Mit Fassungslosigkeit habe ich registriert, dass zwei Tage nach dem In­ter­natio­na­len Holocaust-Ge­denk­tag, an dem der 500.000 in Europa er­mor­deten Sinti und Roma gedacht wurde, es sich vier Men­schen aus der Mehr­heits­gesell­schaft an­maßen, darüber zu ur­teilen, ob eine von der Minder­heit als beleidi­gend ab­gelehn­te Fremd­bezeich­nung im deutschen Sprach­gebrauch ihre Berech­tigung habe oder nicht. Die „letzte Instanz“ bei dieser Frage sind die Betrof­fenen, deren Meinung in der Sendung je­doch nicht ge­hört wurde. Diese Sendung er­weckt den Eindruck, sie wolle mit Anti­ziganis­mus und dümm­li­chen Auf­tritten Quote machen.
Dass der Westdeutsche Rundfunk sich nach öffent­li­chem Druck für die dreiste und po­pulis­ti­sche Machart der Sendung ent­schul­digte, ändert nichts an der Tat­sache, dass in großen Teilen der Medien­land­schaft keiner­lei Bewusst­sein für den in der Gesell­schaft weit­ver­breite­ten und gewalt­bereiten Antiziganismus vor­han­den ist. Gleich­zeitig stellen wir fest, dass in den sozialen Medien die Kritik an dieser Sendung, zumal von jungen Men­schen, sehr deutlich ge­äußert wird – eine po­sitive Ent­wicklung, die auch gegen die zuneh­men­den Hass-Kom­men­tare im Internet steht.“

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma empfin­det es als un­ver­schämt und belei­digend, wenn in der Sendung bil­lige Witze auf Kosten einer Minder­heit ge­macht werden, ohne dass die Mode­ra­tion in irgend­einer Form ein­greift. Viel­mehr hat der Moderator Hallaschka Dis­ku­tanten durch die Art der Zwi­schen­fragen dazu ge­drängt, ihre Aus­sagen auf Kosten von Minder­heiten noch zu ver­schärfen. Dies ist im öf­fent­lich-recht­li­chen Rundfunk ab­solut in­akzep­ta­bel. Hinzu kommt, dass bereits der Ein­spieler zur Sendung genau die anti­ziganis­ti­schen Aussagen auf­ge­nommen hat, die von den Disku­tanten später wie­der­holt wurden und die Sendung ge­zielt auf diese aus­gerichtet wurde. Read the rest of this entry »