Archive for März, 2021

Antiziganismus: IHRA-Definition für Deutschland

März 31st, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland nimmt Antiziganismus-Definition an (Foto: via IHRA)Deutschland hat als erstes Land die Arbeits­defi­ni­tion von Anti­ziganis­mus der „Inter­natio­nalen Allianz zum Holo­caust-Ge­denken“ (Inter­natio­nal Holocaust Re­membrance Alliance, IHRA) an­ge­nom­men. Anti­ziganis­mus be­zeich­net den Rassismus ge­gen­über Sinti und Roma. Deutsch­land macht nun die Defi­ni­tion der IHRA zur Grund­lage für politi­sches und Ver­waltungs­handeln. Außen­minister Maas sagte in Berlin, der Völker­mord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Ver­gessen­heit ge­raten. Die Dis­kri­minie­rung von Sinti und Roma halte sich „hart­näckig in unseren Gesell­schaf­ten“. Nach der IHRA-De­fini­tion handelt es sich etwa um Anti­ziganismus, wenn Sinti und Roma ver­zerrt dar­gestellt oder ihre Verfolgung durch die National­sozialis­ten ge­leugnet werden. Der Begriff „Zigeuner“ wird als anti­ziganis­tisch be­wertet, wenn er als Beleidigung ver­wendet wird.

→Working Definition of Antigypsyism/Anti-Roma Discrimination

(Text: www.deutschlandfunkkultur.de, 31.3.2021)

Siehe auch:
Foreign Minister Maas on the IHRA working definition of anti­gyp­sy­ism/an­ti‑Roma discri­mi­nation
, 31.3.2021

Deutschland nimmt Definition für Antiziganismus an, 31.3.2021

Romanes: Informationen zu Impfungen

März 30th, 2021  |  Published in Allgemeines, Romani

Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten Berlin be­müht sich, mit einer Auf­klärungs­kam­pagne für die Corona­impfungen auch die Com­mu­nities von Ge­flüchteten und Migranten zu er­rei­chen. Der Reinicken­dorfer Amtsarzt Patrick Larscheid in­formiert in dem Video über die Impfungen gegen Covid-19. Diese In­for­ma­tionen in 14 Sprachen „sind für Ge­flüchtete und alle an­deren ge­dacht, die noch nicht so gut Deutsch sprechen“.

Facts & Figures (357)

März 29th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Politik

1978 prangerte ein Be­richt der Dis­si­den­ten der­ Charta 77 (Do­ku­ment 23) die an Romnja vor­­ge­nom­me­nen Zwangs­ste­ri­li­sa­tionen in der ČSSR an.

(Quelle)

„Meinen Zorn bereue ich nicht“

März 28th, 2021  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Pfarrer Wolfgang Pucher (Foto: VinziWerke)Als der Gra­zer Vinzi-Pfar­rer 1.000 Euro Prä­mie für den „Bett­ler-Mer­ce­des“ aus­lobte: Armen­pfarrer Wolfgang Pucher – ganz per­sönlich

Graz – Laut gedacht: In der neuen Folge der Pod­cast-Rei­he spricht der Grazer Pfarrer mit „Kleine Zei­tung“-Re­dak­teur Bernd He­cke und räumt dabei ein­mal mehr mit dem Mär­chen von der Bett­ler-Mafia auf.

→Anhören (63 min.)

Kaum ein Obdachloser in Graz, den er nicht beim Namen kennt, um den er sich nicht schon per­sönlich ge­küm­mert hat. Seit Jahr­zehn­ten setzt sich Pfarrer Wolfgang Pucher für die Ärms­ten ein. Kom­promiss­los, enga­giert und wenn nötig – das haben auch schon zahl­reiche Politiker zu spüren be­kommen – mit einer ge­hö­ri­gen Portion Zorn. Seine streit­bare Stimme hat den gesell­schafts­poli­ti­schen Diskurs nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Österreich mit­ge­prägt: Vom Umgang mit den Flücht­lingen des Jugo­slawien­kriegs Anfang der 1990er-Jah­re, über die Dis­kus­sion um das Bettelverbot bis hin zu ganz ak­tuellen und bren­nenden Themen. Kurz vor seinem 82. Geburts­tag lässt er sein Leben und sein Wirken als Geistlicher und als Mensch mit Schwä­chen und Fehlern in einem sehr per­sönli­chen Ge­spräch mit Graz-Res­sort­chef Bernd Hecke Revue pas­sieren. [...]

Der Gottesmann erzählt auch davon, wie er 1.000 Euro Prämie aus­gelobt hat, für den, der ihm den Beweis für berüch­tigten Bett­ler-Mercedes bringt, als in der poli­tischen De­batte die Gerüchte von den Roma-Pa­ten der Bettler-Mafia kur­sier­ten. Und Pucher weiß um große Roma-Fa­milien, die sich das Erbettelte auf­teilen, aber eine Mafia, einen der in Graz abends ab­kassiert, habe er nie be­obachtet.

(Text: Podcast Graz Laut gedacht/Kl. Zeitung)

Facts & Figures (356)

März 24th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Während des Zweiten Welt­kriegs wur­de die ge­sam­te Ro­ma-Be­völ­ke­rung Estlands er­mor­det.

(Quelle)

„Ich liebe Farbe!“ – Kunststreit in Mallorca

März 23rd, 2021  |  Published in Kunst & Fotografie

jose-luis-mesas-mallorcaAls Kind war die Kunst sein Zu­fluchts­ort, ein Weg in eine bun­te­re Welt. Heute bangt der Gita­no-Künst­ler José Luis Mesas Sánchez um die Zu­kunft sei­nes Wand­ge­mäl­des auf Mallorca.

MZ/Brigitte Rohm, 22.03.2021

„Es war einmal ein Kind, das gerne malte. Es malte so gerne, dass es das überall und zu jeder Zeit tat, und das brach­te ihm Proble­me mit der Schule ein. Es bemalte sein Schreib­pult, die Wände und sogar die Bücher – und im­mer wurde es damit be­straft, dass es sich in die Ecke stellen musste, um über sein Ver­halten nach­zu­denken.“ Dieses Kind war der heute 47-jäh­rige Künstler José Luis Mesas Sánchez. Er wur­de als eines von sieben Ge­schwis­tern einer aus Andalusien nach Mallorca emigrier­ten Fa­milie von Gitanos, wie die Roma in Spanien ge­nannt werden, in Palma ge­boren. Die Passage stammt aus dem Kinder­buch „Mi mundo“ („Meine Welt“), das er zu­sam­men mit der Autorin Patricia Chinchilla ge­staltet hat und das er­zählt, wie Mesas einst zur Kunst fand.

Für den damals Siebenjährigen, der wie drei seiner Geschwister in ein Kinder­heim ge­geben wurde, nahm die Ge­schichte eine positi­ve Wen­dung: Eine neue Kunst­lehrerin ent­deckte sein großes Talent, för­derte ihn und brachte ihn dazu, in ein Skizzen­buch zu malen, an­statt seine Um­gebung zu ver­schönern. Sein Stil ent­wickelte sich im Lauf der Jahre von Pop-Art und Surrealis­mus hin zu einer eigenen, farben­frohen künst­le­ri­schen Sprache, die er „Mesismo“ nennt. Seine Marken­zeichen: Marien­käfer, Fische und Libellen. Heute ist Mesas ein inter­natio­nal täti­ger Künstler, der laut eige­ner Aus­sage in 29 Museen ver­treten ist. Doch die Ironie des Schick­sals will, dass er nach all den Jahren wie­der Ärger be­kommt, weil er eine Wand bemalt hat: die Fassade des Hotels Armadams in Palma de Mallorca (sie­he hier).

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“Bob Dylan meets some Gypsy fans”

März 21st, 2021  |  Published in Film & Theater, Fundstücke, Musik

Dieses charmante Filmdokument einer Zufalls­begeg­nung wäh­rend Bob Dylans England­tour 1965 ist als Extra auf der DVD von „Dont Look Back“ von D. A. Pennebaker (1967) ent­hal­ten, als Blu-ray und DVD er­schie­nen in der Criterion Collection.

Wenn man den vielen User-Kom­men­taren von an­geb­lich Be­teilig­ten und ihren Ver­wandten und Nach­fahren Glauben schenkt, hat die Fa­milie dieses Fund­stück im Internet ent­deckt – und sich scharen­weise auf der You­tube-Sei­te ein­ge­fun­den. Dass die­ser denk­würdige kleine Moment mit Bob Dylan und Joan Baez als be­son­dere Anek­dote in die Familien­geschich­te ein­ge­gan­gen ist, wol­len wir jeden­falls ger­ne glau­ben.

Siehe auch:
So long, Leonard! Leonard Cohen und die Gitanos
, 13.11.2016

Facts & Figures (355)

März 18th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Ab 1912/13 mussten „No­ma­den“ in Frank­reich an­thro­po­met­ri­sche Aus­wei­se mit Kör­per-/Ge­sichts­ma­ßen (auch Oh­ren- u. Fin­ger­län­gen) bei sich tra­gen.

(Quelle)

Minderheiten: Wann braucht es Allianzen?

März 17th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dr. Michael Blume (Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg)Minderheiten zwischen Allianz und Konkurrenz – das Ver­spre­chen einer plu­ra­len De­mo­kratie?

Online-Vortrag und -Diskussion am 25.03.2021, 18:00 bis 19:30 Uhr | →zur Anmeldung

Ankündigung: Die deutsche Bundesregierung wirbt für den Rechts­staat und das Ver­spre­chen einer pluralen Demo­kratie. Doch vor allem dort, wo selbst­be­wusste Minder­heiten ihr Recht auf Gleich­heit und Frei­heit ein­fordern, kom­men diese Ver­sprechen an ihre Grenzen. Debat­ten um die Rechts­sicher­heit, gleich­berech­tigte Teilhabe und Zu­gehörig­keit von Men­schen, die von Diskrimi­nierung betrof­fen sind, sowie Forde­run­gen nach dem Abbau struktu­reller und symbo­lischer Ungleichheiten sind zentrale Heraus­for­derun­gen unse­rer post­migrantisch ge­präg­ten Bundes­republik.

Wie können gesellschaftliche Minderheiten­posi­tio­nen erfolg­reich Ein­fluss auf demo­krati­sche Prozesse neh­men? Inwie­weit können ab­grenzende Identitäts­politiken ein Erfolgs­modell sein? Wann braucht es Allian­zen, um Ungleichheit und Diskri­minie­rung ab­zu­bauen?

Nach einem Impulsvortrag des Antisemitismusbeauftragten des Lan­des Ba­den-Württem­berg, Dr. Michael Blume, wer­den Ver­tre­ter*innen der drei bundes­weiten Kompetenz­netz­werke Antiziganismus, anti­muslimi­scher Rassismus und Anti­semitis­mus über diese Fragen sprechen, den Ist­zu­stand kritisch re­flektieren, ak­tuelle Heraus­forderun­gen diskutieren und ge­meinsam mit dem Pub­likum Zukunfts­perspek­tiven ent­wickeln.

Die Veranstaltung findet online über Zoom statt. Der Link zur Teil­nahme wird davor per Mail ver­schickt. An­mel­dung ab dem 15. März 2021 un­ter: →www.teilseiend.de

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Facts & Figures (354)

März 16th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Medien & Presse

Von Nov. 1934 bis April 1941 er­schien Glasul Romilor (Ro­ma-Stim­me), die ers­te pe­rio­di­sche Ro­ma-Zei­tung Ru­mä­ni­ens. Es gab 15 Aus­ga­ben.

(Quelle)

EDUromnja: Frauenmuseum ist online

März 15th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Veranstaltungen & Ausstellungen

EDUromnjaDas virtuelle Dokumentationszentrum zur Geschichte und Ge­gen­wart von Ro­ma-Frau­en in Euro­pa ist online. Ein Pro­jekt der Ini­tia­ti­ve Ro­ma­ne Romnja

Die EDUromnja ist ein virtuelles Dokumentations­zentrum, ein Online-Museum zur Ge­schichte und gegen­wär­ti­gen Situa­tion von Roma- und Sinti-Frauen in Euro­pa. Der Name setzt sich aus den Worten EDU (für Bildung und Unter­hal­tung) und Romnja (weibliche Form von Roma) zu­sammen, um zu ver­deut­lichen, dass so­wohl Aspekte der Infor­mations­ver­sor­gung als auch der Unter­haltung berück­sich­tigt werden. Ge­boten wird eine Sammlung selbst­bestimm­ter sozial-, kultur- und alltags­geschicht­li­cher Zeug­nisse, illustriert durch Objekte, Fotos, Plakate, Schrift­stücke sowie Film- und Ton­dokumente, die online zur Ver­fü­gung stehen.

EDUromnja ist ein virtuelles Konstrukt, das ausschließ­lich im Netz exis­tiert und Ob­jekte zeigt, die in der Realität kein Teil regulärer Museums­program­me oder ande­rer Aus­stellungen sind. Dass sie dies NICHT sind, zeigt die Not­wendig­keit von EDUromja, denn bisher erhielt die Geschichte und Situa­tion der Sinti- und Ro­ma-Frauen wenig Auf­merksam­keit in der wissen­schaftli­chen Doku­mentation und in den regulä­ren Program­men von Museen und Archiven.

EDUromnja ist ein Projekt der Initiative Romane Romnja – einer Initia­tive, die 2010 von Sinti- und Roma-Frauen ge­grün­det wurde. Sie ver­folgt das Ziel, das histori­sche Erbe der Romnja zu be­wahren und gleich­zeitig neue, authen­ti­schere Bilder zu schaffen. Die Initia­tive Romane Romnja mit ihrem Pro­jekt EDUromnja sieht sich auch als Kom­petenz­zentrum zur Geschichte und Situation der Roma-Frauen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (353)

März 13th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Romani

Das Online-Formular für die be­vor­ste­hen­de Volks­zäh­lung in Tsche­chi­en kann u.a. auch in einer Ro­ma­nes-Fas­sung ab­ge­ru­fen wer­den.

(Quelle)

Robert Schweizer ando vakeripe

März 11th, 2021  |  Published in Brauchtum & Tradition, Film & Theater, Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Robert Schweizer im Gespräch

Heute macht sich das „TV Erba“-Team wieder einmal auf den Weg, um einen Beitrag über das Leben von Volks­gruppen­an­ge­hö­ri­gen zu ge­stalten. Halt war dies­mal in Oberwart beim „Nostalgiekasperl“. Das Puppen­spiel ist eine Kunst­form, die von den Schau­stellern in der Fa­milie von Ge­nera­tion zu Ge­ne­ration weiter­ge­geben wurde. Unser Redak­teur Adolf Gussak sprach mit der Person hin­ter den Puppen. Wir hoffen auf bal­dige Bes­serung der ak­tuel­len Situation, so­dass Herr Schweizer sein fahren­des Puppen­theater bald wieder be­treiben kann und sich noch viele Kinder an dieser tra­ditio­nel­len Unter­hal­tungs­form be­geis­tern können.

Adi o dschene andar TV Erba papal upro drom pumen keren, jek film pedar o dschivipe flo­goskere grupna­ke­re dsche­nendar te kerel. Khero­dim ulo o “nostal­gi­ja­kero pojaceri” Erbate. O babu­ka­kero khelipe jek kunsta­keri forma hi, savi le famili­jakere dsche­nendar, usar jek generacija usi kija genera­cija, prik dim ol. Amaro re­porteri Adolf Gussak le dsche­noha palo babuki, va­kertscha. Read the rest of this entry »

Hate Speech und Antiziganismus in den Medien

März 11th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

ERIAC Hate Spreech and AntigypsyismInternationale Konferenz von Europarat, Zentralrat, Aus­wär­ti­gem Amt und dem European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) vom 10.–11. März 2021

→Zum Programm | → Zum Livestream

Hassrede ist ein globales Phänomen, von dem Sinti und Roma in Europa und weltweit un­ver­hältnis­mäßig stark be­troffen sind. Sowohl in den tra­ditio­nel­len Medien als auch online, ins­beson­dere in den sozialen Medien, sind Sinti und Roma Opfer von dis­krimi­nie­renden und hass­erfüllten Diskur­sen, Fehl­infor­matio­nen, Falsch­dar­stellungen und Fake News, die allesamt als Er­schei­nungs­formen von Anti­ziganis­mus gelten.

Die internationale Konferenz „Hate speech and Antigypsyism in the Media“, die vom Euro­pean Roma Insti­tute for Arts and Culture (ERIAC) in Zu­sam­men­arbeit mit dem Council of Europe Roma and Travellers Team und dem Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma aus­ge­rich­tet wird, hat zum Ziel, das Phä­nomen der Hassrede gegen Sinti- und Roma- Com­mu­nities und Einzel­per­sonen zu unter­suchen. Read the rest of this entry »

Kind in Handschellen: zweite Strafanzeige

März 10th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Streifenwagen (Bild von Cornell Frühauf/Coernl auf Pixabay)Vor einem Monat erhob der Landesverband Deut­scher Sinti und Roma in Ba­den-Württem­berg Vor­würfe gegen die Po­lizei­ wegen eines Über­­griffs auf ein elf­jäh­ri­ges Kind in Singen (wir be­rich­te­ten). Nach einem an­fäng­li­chen De­menti be­stä­tigte die Polizei, dass es einen sol­chen Vor­fall gab; die Kri­minal­poli­zei hat in­terne Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men. Nun be­richtet der Landes­ver­band, dass eine wei­te­re Strafanzeige er­stat­tet wurde:

Am 8. März 2021 fand in Singen (Ba­den-Württem­berg) die Ver­neh­mung des elf­jähri­gen Kindes, das am 6. Febru­ar 2021 in Hand­schellen von meh­reren Polizisten ab­geführt wurde, und weite­ren Zeugen und Zeu­gin­nen statt. Gegen vier Polizisten und Poli­zistin­nen laufen ak­tuell Ermitt­lungen wegen Frei­heits­berau­bung auf­grund einer am 9. Februar 2021 ge­stellten Straf­anzeige. Der Zeugen­bei­stand Engin Sanli hat nach der richter­lichen Ver­nehmung gegen einen der betei­lig­ten Polizisten eine weite­re Straf­anzeige wegen Beleidi­gung und Frei­heits­berau­bung gestellt.

In einem Hochhaus in Singen hatten zwei Kinder auf einem Balkon im Treppen­haus ge­spielt. Während der Be­fragung hatte ein Beamter eines der Kinder, nach­dem es seinen Nach­namen genannt hatte, ge­fragt, ob es von der „Zigeuner­familie“ sei. Vor dem Haus hatten bereits zwei weite­re Beamte zwei Kinder nach deren Per­sona­lien befragt. Als die Be­amten das Gebäude mit den Kindern ver­ließen, nahmen sie die Perso­na­lien der Kinder auf, die unten vor dem Haus spiel­ten. Hierbei wur­de eines der Kinder sinn­gemäß mit den Worten „Einer von den Zigeunern, die kennen wir ja“, „Du kommst eine Nacht hinter Gitter“ und „Der Tod kommt dich holen“ be­droht. Ohne er­sicht­li­chen Anlass führ­ten die Beamten darauf­hin einen elf­jährigen Jungen in Hand­schellen ab.

Rechtsanwalt Engin Sanli: „Im Zuge der richterlichen Ver­nehmung von zwei Zeugen ist be­kannt geworden, dass ein Polizei­beamter gegen­über einem weiteren Kind gesagt habe, ob es von der ‚Zigeuner­familie‘ wäre. Ihm wurde außer­dem verwehrt, an das Handy zu gehen, als sein Vater ihn anrief. Die Befra­gung fand auf einem Balkon im 15. Stock statt. Read the rest of this entry »

„Nadie nos para“ (Keiner hält uns auf)

März 9th, 2021  |  Published in Frauenrechte, Musik

Ein musikalischer Nachtrag zum Internationalen Frauentag: „Nadie nos para“ (Kei­ner hält uns auf) von La Negra de Graná aus Granada und La Prima aus Valencia, zwei jun­gen Frauen aus der Min­der­heit der Gitanos (Roma), die da über furcht­lose Frauen sin­gen und dabei ganz an­stän­dig auf den Tisch hauen.

Opre Romnja!

Facts & Figures (352)

März 8th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Film & Theater, Frauenrechte

Für ihre filmwissenschaftliche Stu­die über „Ro­ma­ni Wo­men’s Ci­ne­ma“ (2020) er­fasste Émelie Her­bert-Pon­ton­nier 23 Roma-Re­gis­seurin­nen.

(Quelle)

Facts & Figures (351)

März 7th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Religion

Unter dem Patronat der Gat­tin des fin­ni­schen Staats­präs. Paasikivi fand 1955 in Hel­sin­ki die 1. In­ter­nat. Kon­fe­renz der Zi­geu­ner­mis­sio­na­re statt.

(Quelle/pdf)

Marcel Courthiade (1953–2021)

März 6th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Romani

Marcel Courthiade (Foto: Fundación Secretariado Gitano)Auf Social Media erreicht uns die traurige Nach­richt vom Tod des be­deu­ten­den Roma­ni-Sprach­wis­sen­schaft­lers und Roma-Ak­ti­vis­ten Marcel Courthiade. Der 1953 geborene und lange in Frank­reich le­bende For­scher und För­de­rer der Spra­che der Roma, der sich seit Jahr­zehn­ten für die Stan­dar­di­sie­rung des Romani ein­setzte, ver­starb am 4. März.

Vor seiner akademischen Karriere als Romani-Linguist ar­beitete er meh­rere Jahre als politi­scher Analyst und Über­setzer für die fran­zö­sische Bot­schaft in Tirana. Anschließend lehrte er an der École pratique des hautes études (EPHE) in Paris. Seit 1997 wirkte Couthiade als ao. Pro­fessor am Institut national des langues et civili­sations orien­tales (INALCO) an der an der Uni­ver­sité Sorbonne Paris Cité. An diesem Institut, an der er selbst seinen PhD er­worben hatte, baute er nun den Studien­gang „Roma­ni-Sprache und -Kultur“ auf und machte die Sor­bonne so zu einer der ganz wenigen Uni­versi­tä­ten welt­weit, an der die Sprache studiert werden kann. Vor einigen Jahren kon­zipierte er in diesem Zu­sammen­hang eine internet­basierte inter­aktive Studien­platt­form zum Er­lernen von Ro­mani: http://www.red-rrom.com/

Marcel Courthiade war insbesondere eine treibende Kraft hinter den Be­mühungen, einen inter­natio­nal an­er­kannten Romani-Stan­dard zu etablie­ren. So prä­sentierte er 1990 auf dem IV. Kon­gress der IRU im pol­nischen Serock ein Modell für die orthogra­fische Ver­ein­heit­li­chung der in viele Dialekte zer­fallenden Sprache. Dieses standar­disierte Roma­ni-Alphabet (in seiner Schrei­bung: Rromani), hat sich je­doch nicht als all­gemein an­erkannte Norm durch­setzen können und ist heute vor allem in Frank­reich, Rumä­nien und im Ko­sovo im Ge­brauch.

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Trauer um Imrich Tomáš

März 4th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Kunst & Fotografie

Imrich Tomáš (Foto: Nihad Nino Pušija/Dokuzentrum)Der deutsche Maler Imrich Tomáš ver­starb am 12. Febru­ar 2021 im Alter von 72 Jahren

Wer Imrich Tomáš kannte, der weiß, dass er mit seiner starken Hal­tung, seiner Ehrlich­keit und Offen­heit seine Identität als zeit­genös­si­scher Künstler und An­ge­höri­gen unserer Minder­heit geprägt hat. Er machte es keinem leicht, der ver­suchte, ihn als „Roma-Künst­ler“ in eine Schub­lade zu stecken. Nein, er be­tonte immer wieder und un­ermüd­lich, dass er ein zeit­genös­si­scher deutscher Künstler sei, was auch seine Kunst­werke deut­lich machen. Er kämpfte dafür, dass sich Sinti und Roma in der euro­päischen Kunst­szene als zeit­genös­sische Künstler verstehen und als solche ver­standen werden. Dennoch leugnete er nie­mals, dass er An­gehö­riger unse­rer Minder­heit war.

Imrich Tomáš wurde in der Slowakei geboren. 1969, einige Monaten nach der gewalt­samen Nieder­schla­gung des Prager Frühlings, reiste er als 21-Jähriger in die Bundes­republik, wo er fünf Jahre später an der Hoch­schule der Künste in Berlin bei Pro­fes­sor Horst Hirsig sein Studium als Maler begann.

Wenn man mit Tomáš über Kunst und Gesellschaft sprach, konnte man immer die beson­dere und erfri­schen­de Freiheit der Berliner Kunst­szene spüren. Seine Kunst­werke aus Hanf­fasern, Pigment und Kunstharz wir­ken inspi­rie­rend, machen neu­gierig und rufen seine immer su­chenden sowie neu­gierigen Augen in Erinnerung. Read the rest of this entry »