Deutschland hat als erstes Land die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der „Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken“ (International Holocaust Remembrance Alliance,IHRA) angenommen. Antiziganismus bezeichnet den Rassismus gegenüber Sinti und Roma. Deutschland macht nun die Definition der IHRA zur Grundlage für politisches und Verwaltungshandeln. Außenminister Maas sagte in Berlin, der Völkermord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Vergessenheit geraten. Die Diskriminierung von Sinti und Roma halte sich „hartnäckig in unseren Gesellschaften“. Nach der IHRA-Definition handelt es sich etwa um Antiziganismus, wenn Sinti und Roma verzerrt dargestellt oder ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten geleugnet werden. Der Begriff „Zigeuner“ wird als antiziganistisch bewertet, wenn er als Beleidigung verwendet wird.
Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten Berlin bemüht sich, mit einer Aufklärungskampagne für die Coronaimpfungen auch die Communities von Geflüchteten und Migranten zu erreichen. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid informiert in dem Video über die Impfungen gegen Covid-19. Diese Informationen in 14 Sprachen „sind für Geflüchtete und alle anderen gedacht, die noch nicht so gut Deutsch sprechen“.
1978 prangerte ein Bericht der Dissidenten der Charta 77 (Dokument 23) die an Romnja vorgenommenen Zwangssterilisationen in der ČSSR an.
Als der Grazer Vinzi-Pfarrer 1.000 Euro Prämie für den „Bettler-Mercedes“ auslobte: Armenpfarrer Wolfgang Pucher – ganz persönlich
Graz – Laut gedacht: In der neuen Folge der Podcast-Reihe spricht der Grazer Pfarrer mit „Kleine Zeitung“-Redakteur Bernd Hecke und räumt dabei einmal mehr mit dem Märchen von der Bettler-Mafia auf.
Kaum ein Obdachloser in Graz, den er nicht beim Namen kennt, um den er sich nicht schon persönlich gekümmert hat. Seit Jahrzehnten setzt sich Pfarrer Wolfgang Pucher für die Ärmsten ein. Kompromisslos, engagiert und wenn nötig – das haben auch schon zahlreiche Politiker zu spüren bekommen – mit einer gehörigen Portion Zorn. Seine streitbare Stimme hat den gesellschaftspolitischen Diskurs nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Österreich mitgeprägt: Vom Umgang mit den Flüchtlingen des Jugoslawienkriegs Anfang der 1990er-Jahre, über die Diskussion um das Bettelverbot bis hin zu ganz aktuellen und brennenden Themen. Kurz vor seinem 82. Geburtstag lässt er sein Leben und sein Wirken als Geistlicher und als Mensch mit Schwächen und Fehlern in einem sehr persönlichen Gespräch mit Graz-Ressortchef Bernd Hecke Revue passieren. [...]
Der Gottesmann erzählt auch davon, wie er 1.000 Euro Prämie ausgelobt hat, für den, der ihm den Beweis für berüchtigten Bettler-Mercedes bringt, als in der politischen Debatte die Gerüchte von den Roma-Paten der Bettler-Mafia kursierten. Und Pucher weiß um große Roma-Familien, die sich das Erbettelte aufteilen, aber eine Mafia, einen der in Graz abends abkassiert, habe er nie beobachtet.
Als Kind war die Kunst sein Zufluchtsort, ein Weg in eine buntere Welt. Heute bangt der Gitano-Künstler José Luis Mesas Sánchez um die Zukunft seines Wandgemäldes auf Mallorca.
„Es war einmal ein Kind, das gerne malte. Es malte so gerne, dass es das überall und zu jeder Zeit tat, und das brachte ihm Probleme mit der Schule ein. Es bemalte sein Schreibpult, die Wände und sogar die Bücher – und immer wurde es damit bestraft, dass es sich in die Ecke stellen musste, um über sein Verhalten nachzudenken.“ Dieses Kind war der heute 47-jährige Künstler José Luis Mesas Sánchez. Er wurde als eines von sieben Geschwistern einer aus Andalusien nach Mallorca emigrierten Familie von Gitanos, wie die Roma in Spanien genannt werden, in Palma geboren. Die Passage stammt aus dem Kinderbuch „Mi mundo“ („Meine Welt“), das er zusammen mit der Autorin Patricia Chinchilla gestaltet hat und das erzählt, wie Mesas einst zur Kunst fand.
Für den damals Siebenjährigen, der wie drei seiner Geschwister in ein Kinderheim gegeben wurde, nahm die Geschichte eine positive Wendung: Eine neue Kunstlehrerin entdeckte sein großes Talent, förderte ihn und brachte ihn dazu, in ein Skizzenbuch zu malen, anstatt seine Umgebung zu verschönern. Sein Stil entwickelte sich im Lauf der Jahre von Pop-Art und Surrealismus hin zu einer eigenen, farbenfrohen künstlerischen Sprache, die er „Mesismo“ nennt. Seine Markenzeichen: Marienkäfer, Fische und Libellen. Heute ist Mesas ein international tätiger Künstler, der laut eigener Aussage in 29 Museen vertreten ist. Doch die Ironie des Schicksals will, dass er nach all den Jahren wieder Ärger bekommt, weil er eine Wand bemalt hat: die Fassade des Hotels Armadams in Palma de Mallorca (siehe hier).
Dieses charmante Filmdokument einer Zufallsbegegnung während Bob Dylans Englandtour 1965 ist als Extra auf der DVD von „Dont Look Back“ von D. A. Pennebaker (1967) enthalten, als Blu-ray und DVD erschienen in der Criterion Collection.
Wenn man den vielen User-Kommentaren von angeblich Beteiligten und ihren Verwandten und Nachfahren Glauben schenkt, hat die Familie dieses Fundstück im Internet entdeckt – und sich scharenweise auf der Youtube-Seite eingefunden. Dass dieser denkwürdige kleine Moment mit Bob Dylan und Joan Baez als besondere Anekdote in die Familiengeschichte eingegangen ist, wollen wir jedenfalls gerne glauben.
Ab 1912/13 mussten „Nomaden“ in Frankreich anthropometrische Ausweise mit Körper-/Gesichtsmaßen (auch Ohren- u. Fingerlängen) bei sich tragen.
Minderheiten zwischen Allianz und Konkurrenz – das Versprechen einer pluralen Demokratie?
Online-Vortrag und -Diskussion am 25.03.2021, 18:00 bis 19:30 Uhr | →zur Anmeldung
Ankündigung: Die deutsche Bundesregierung wirbt für den Rechtsstaat und das Versprechen einer pluralen Demokratie. Doch vor allem dort, wo selbstbewusste Minderheiten ihr Recht auf Gleichheit und Freiheit einfordern, kommen diese Versprechen an ihre Grenzen. Debatten um die Rechtssicherheit, gleichberechtigte Teilhabe und Zugehörigkeit von Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, sowie Forderungen nach dem Abbau struktureller und symbolischer Ungleichheiten sind zentrale Herausforderungen unserer postmigrantisch geprägten Bundesrepublik.
Wie können gesellschaftliche Minderheitenpositionen erfolgreich Einfluss auf demokratische Prozesse nehmen? Inwieweit können abgrenzende Identitätspolitiken ein Erfolgsmodell sein? Wann braucht es Allianzen, um Ungleichheit und Diskriminierung abzubauen?
Nach einem Impulsvortrag des Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, werden Vertreter*innen der drei bundesweiten Kompetenznetzwerke Antiziganismus, antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus über diese Fragen sprechen, den Istzustand kritisch reflektieren, aktuelle Herausforderungen diskutieren und gemeinsam mit dem Publikum Zukunftsperspektiven entwickeln.
Die Veranstaltung findet online über Zoom statt. Der Link zur Teilnahme wird davor per Mail verschickt. Anmeldung ab dem 15. März 2021 unter: →www.teilseiend.de
Das virtuelle Dokumentationszentrum zur Geschichte und Gegenwart von Roma-Frauen in Europa ist online. Ein Projekt der Initiative Romane Romnja
Die EDUromnja ist ein virtuelles Dokumentationszentrum, ein Online-Museum zur Geschichte und gegenwärtigen Situation von Roma- und Sinti-Frauen in Europa. Der Name setzt sich aus den Worten EDU (für Bildung und Unterhaltung) und Romnja (weibliche Form von Roma) zusammen, um zu verdeutlichen, dass sowohl Aspekte der Informationsversorgung als auch der Unterhaltung berücksichtigt werden. Geboten wird eine Sammlung selbstbestimmter sozial-, kultur- und alltagsgeschichtlicher Zeugnisse, illustriert durch Objekte, Fotos, Plakate, Schriftstücke sowie Film- und Tondokumente, die online zur Verfügung stehen.
EDUromnja ist ein virtuelles Konstrukt, das ausschließlich im Netz existiert und Objekte zeigt, die in der Realität kein Teil regulärer Museumsprogramme oder anderer Ausstellungen sind. Dass sie dies NICHT sind, zeigt die Notwendigkeit von EDUromja, denn bisher erhielt die Geschichte und Situation der Sinti- und Roma-Frauen wenig Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Dokumentation und in den regulären Programmen von Museen und Archiven.
EDUromnja ist ein Projekt der Initiative Romane Romnja – einer Initiative, die 2010 von Sinti- und Roma-Frauen gegründet wurde. Sie verfolgt das Ziel, das historische Erbe der Romnja zu bewahren und gleichzeitig neue, authentischere Bilder zu schaffen. Die Initiative Romane Romnja mit ihrem Projekt EDUromnja sieht sich auch als Kompetenzzentrum zur Geschichte und Situation der Roma-Frauen. Read the rest of this entry »
Heute macht sich das „TV Erba“-Team wieder einmal auf den Weg, um einen Beitrag über das Leben von Volksgruppenangehörigen zu gestalten. Halt war diesmal in Oberwart beim „Nostalgiekasperl“. Das Puppenspiel ist eine Kunstform, die von den Schaustellern in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Unser Redakteur Adolf Gussak sprach mit der Person hinter den Puppen. Wir hoffen auf baldige Besserung der aktuellen Situation, sodass Herr Schweizer sein fahrendes Puppentheater bald wieder betreiben kann und sich noch viele Kinder an dieser traditionellen Unterhaltungsform begeistern können.
Adi o dschene andar TV Erba papal upro drom pumen keren, jek film pedar o dschivipe flogoskere grupnakere dschenendar te kerel. Kherodim ulo o “nostalgijakero pojaceri” Erbate. O babukakero khelipe jek kunstakeri forma hi, savi le familijakere dschenendar, usar jek generacija usi kija generacija, prik dim ol. Amaro reporteri Adolf Gussak le dschenoha palo babuki, vakertscha. Read the rest of this entry »
Internationale Konferenz von Europarat, Zentralrat, Auswärtigem Amt und dem European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) vom 10.–11. März 2021
Hassrede ist ein globales Phänomen, von dem Sinti und Roma in Europa und weltweit unverhältnismäßig stark betroffen sind. Sowohl in den traditionellen Medien als auch online, insbesondere in den sozialen Medien, sind Sinti und Roma Opfer von diskriminierenden und hasserfüllten Diskursen, Fehlinformationen, Falschdarstellungen und Fake News, die allesamt als Erscheinungsformen von Antiziganismus gelten.
Die internationale Konferenz „Hate speech and Antigypsyism in the Media“, die vom European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) in Zusammenarbeit mit dem Council of Europe Roma and Travellers Team und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ausgerichtet wird, hat zum Ziel, das Phänomen der Hassrede gegen Sinti- und Roma- Communities und Einzelpersonen zu untersuchen. Read the rest of this entry »
Vor einem Monat erhob der Landesverband Deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg Vorwürfe gegen die Polizei wegen eines Übergriffs auf ein elfjähriges Kind in Singen (wir berichteten). Nach einem anfänglichen Dementi bestätigte die Polizei, dass es einen solchen Vorfall gab; die Kriminalpolizei hat interne Ermittlungen aufgenommen. Nun berichtet der Landesverband, dass eine weitere Strafanzeige erstattet wurde:
Am 8. März 2021 fand in Singen (Baden-Württemberg) die Vernehmung des elfjährigen Kindes, das am 6. Februar 2021 in Handschellen von mehreren Polizisten abgeführt wurde, und weiteren Zeugen und Zeuginnen statt. Gegen vier Polizisten und Polizistinnen laufen aktuell Ermittlungen wegen Freiheitsberaubung aufgrund einer am 9. Februar 2021 gestellten Strafanzeige. Der Zeugenbeistand Engin Sanli hat nach der richterlichen Vernehmung gegen einen der beteiligten Polizisten eine weitere Strafanzeige wegen Beleidigung und Freiheitsberaubung gestellt.
In einem Hochhaus in Singen hatten zwei Kinder auf einem Balkon im Treppenhaus gespielt. Während der Befragung hatte ein Beamter eines der Kinder, nachdem es seinen Nachnamen genannt hatte, gefragt, ob es von der „Zigeunerfamilie“ sei. Vor dem Haus hatten bereits zwei weitere Beamte zwei Kinder nach deren Personalien befragt. Als die Beamten das Gebäude mit den Kindern verließen, nahmen sie die Personalien der Kinder auf, die unten vor dem Haus spielten. Hierbei wurde eines der Kinder sinngemäß mit den Worten „Einer von den Zigeunern, die kennen wir ja“, „Du kommst eine Nacht hinter Gitter“ und „Der Tod kommt dich holen“ bedroht. Ohne ersichtlichen Anlass führten die Beamten daraufhin einen elfjährigen Jungen in Handschellen ab.
Rechtsanwalt Engin Sanli: „Im Zuge der richterlichen Vernehmung von zwei Zeugen ist bekannt geworden, dass ein Polizeibeamter gegenüber einem weiteren Kind gesagt habe, ob es von der ‚Zigeunerfamilie‘ wäre. Ihm wurde außerdem verwehrt, an das Handy zu gehen, als sein Vater ihn anrief. Die Befragung fand auf einem Balkon im 15. Stock statt. Read the rest of this entry »
Ein musikalischer Nachtrag zum Internationalen Frauentag: „Nadie nos para“ (Keiner hält uns auf) von La Negra de Graná aus Granada und La Prima aus Valencia, zwei jungen Frauen aus der Minderheit der Gitanos (Roma), die da über furchtlose Frauen singen und dabei ganz anständig auf den Tisch hauen.
Unter dem Patronat der Gattin des finnischen Staatspräs. Paasikivi fand 1955 in Helsinki die 1. Internat. Konferenz der Zigeunermissionare statt.
Auf Social Media erreicht uns die traurige Nachricht vom Tod des bedeutenden Romani-Sprachwissenschaftlers und Roma-Aktivisten Marcel Courthiade. Der 1953 geborene und lange in Frankreich lebende Forscher und Förderer der Sprache der Roma, der sich seit Jahrzehnten für die Standardisierung des Romani einsetzte, verstarb am 4. März.
Vor seiner akademischen Karriere als Romani-Linguist arbeitete er mehrere Jahre als politischer Analyst und Übersetzer für die französische Botschaft in Tirana. Anschließend lehrte er an der École pratique des hautes études (EPHE) in Paris. Seit 1997 wirkte Couthiade als ao. Professor am Institut national des langues et civilisations orientales (INALCO) an der an der Université Sorbonne Paris Cité. An diesem Institut, an der er selbst seinen PhD erworben hatte, baute er nun den Studiengang „Romani-Sprache und -Kultur“ auf und machte die Sorbonne so zu einer der ganz wenigen Universitäten weltweit, an der die Sprache studiert werden kann. Vor einigen Jahren konzipierte er in diesem Zusammenhang eine internetbasierte interaktive Studienplattform zum Erlernen von Romani: http://www.red-rrom.com/
Marcel Courthiade war insbesondere eine treibende Kraft hinter den Bemühungen, einen international anerkannten Romani-Standard zu etablieren. So präsentierte er 1990 auf dem IV. Kongress der IRU im polnischen Serock ein Modell für die orthografische Vereinheitlichung der in viele Dialekte zerfallenden Sprache. Dieses standardisierte Romani-Alphabet (in seiner Schreibung: Rromani), hat sich jedoch nicht als allgemein anerkannte Norm durchsetzen können und ist heute vor allem in Frankreich, Rumänien und im Kosovo im Gebrauch.
Der deutsche Maler Imrich Tomáš verstarb am 12. Februar 2021 im Alter von 72 Jahren
Wer Imrich Tomáš kannte, der weiß, dass er mit seiner starken Haltung, seiner Ehrlichkeit und Offenheit seine Identität als zeitgenössischer Künstler und Angehörigen unserer Minderheit geprägt hat. Er machte es keinem leicht, der versuchte, ihn als „Roma-Künstler“ in eine Schublade zu stecken. Nein, er betonte immer wieder und unermüdlich, dass er ein zeitgenössischer deutscher Künstler sei, was auch seine Kunstwerke deutlich machen. Er kämpfte dafür, dass sich Sinti und Roma in der europäischen Kunstszene als zeitgenössische Künstler verstehen und als solche verstanden werden. Dennoch leugnete er niemals, dass er Angehöriger unserer Minderheit war.
Imrich Tomáš wurde in der Slowakei geboren. 1969, einige Monaten nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings, reiste er als 21-Jähriger in die Bundesrepublik, wo er fünf Jahre später an der Hochschule der Künste in Berlin bei Professor Horst Hirsig sein Studium als Maler begann.
Wenn man mit Tomáš über Kunst und Gesellschaft sprach, konnte man immer die besondere und erfrischende Freiheit der Berliner Kunstszene spüren. Seine Kunstwerke aus Hanffasern, Pigment und Kunstharz wirken inspirierend, machen neugierig und rufen seine immer suchenden sowie neugierigen Augen in Erinnerung. Read the rest of this entry »