#otd1945: Kinderverse aus Buchenwald

Februar 26th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken

Buchenwald - Seitenauszug aus dem Gedichtbuch von Johann (Mongo) Stojka, 1945 (Foto: Kazerne Dossin in Mechelen/buchenwald.de)) „Wir kommen doch noch einmal raus“

#otd1945 – Heute im Jahr 1945: Die Stif­tung Gedenk­stät­ten Buchenwald und Mit­­tel­­bau-Dora be­rich­tet im heu­ti­gen Bei­trag in ihrem On­line­pro­jekt #otd1945 („on this day 1945“) von den KZ-Ge­­dich­ten und -Skiz­zen des ge­rade mal 15-jäh­­ri­gen Jo­hann (Mongo) Stojka.

In einem behelfsmäßigen Büchlein hielt ein Junge durch Verse und Zeich­nun­gen seine Erfah­run­gen fest. Es ist ein kind­li­cher Blick auf eine inhumane Welt. „Warst du im Lager Buchen­wald, da oben ist es gar so kalt“, so der An­fang des Gedichts vom 26. Febru­ar 1945. Ver­fasser war Johann Stojka, ein 15-jäh­riger öster­rei­chi­scher Rom.

Nach der Auflösung des „Zigeuner-Familienlagers“ in Ausch­witz-Bir­kenau kam er mit seinem jün­geren Bruder Karl im August 1944 nach Buchen­wald. Dort hatte die SS für die jüngs­ten und schwächs­ten Sinti und Roma keine Ver­wen­dung und stellte einen Rück­transport zur Ermordung zu­sammen. Johann und Karl blieben zurück, da ver­meint­lich krank und somit „nicht tran­sport­fähig“. Diese Einstufung rettete beiden das Leben. Hoff­nungs­voll endet das Gedicht mit den Worten: „Wir kom­men doch noch einmal raus“. Die Brüder ge­hörten zu den weni­gen ihrer Großfamilie, die den Genozid an den Sinti und Roma, den Porajmos, überlebten.

(Text: Stefan Lochner auf liberation.buchenwald.de)

Literatur:
Mongo Stojka, Papierene Kinder. Glück, Zerstörung und Neubeginn einer Roma-Familie in Österreich, Wien 2000.
Karl Stojka u. Reinhard Pohanka, Auf der ganzen Welt zu Hause, Wien 1994.

Anm. der dROMa-Red.:
Johann (Mongo) Stojka, der als Musiker und Autor Bekanntheit er­lang­te, ent­stamm­te einer bedeu­ten­den öster­reichi­schen Lovara-Fa­milie und war eine der pro­minen­tes­ten und einfluss­reichs­ten Roma-Per­sön­lich­keiten Öster­reichs. Der Musiker und Autor Karl Stojka (gest. 2003) und die Zeit­zeugin, Roma-Ak­ti­vis­tin und Uni­versal­künstle­rin Ceija Stojka (gest. 2013) waren seine jün­geren Ge­schwister; der Jazz­musiker Harri Stojka ist sein Sohn.
Mongo Stojka ver­starb 2014 in Wien.

Comments are closed.