Archive for Februar, 2015

Facts & Figures (110)

Februar 28th, 2015  |  Published in Facts & Figures

2014 wur­den 13.483 Ro­ma in Frank­reich durch po­li­zei­li­che Zwangs­räu­mun­gen aus ih­ren Be­helfs­un­ter­künf­ten ver­trie­ben.

(Quelle)

Schvedija: Atentato ande Malmö

Februar 28th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Brandanschlag auf Vereinslokal: zerstörte Fenster in Malmö (Foto: TheLocal)Atentato upro Romengero farajniskero lokal ande Malmö

Na prindscharde tetertscha ando schve­di­ja­kero foro Malmö jek jaga­kero aten­tato upre jek Romen­gero kultu­ra­kero centro kerde. Sar o haren­gere phenen, duj jagen­gere stakli duach o boklo tschi­dim ule. Jek mursch savo odoj sina, schaj i „tikni jag“ ar kertscha taj le haren­ge­ren akar­tscha. Jek vake­ra­schi le haren­dar phentscha, ada aten­ta­to, sar o avre aten­tatscha upro moscheen, schaj „rasis­tischi moti­virti“ kerip­tscha hi. Ando lejcti ma­sek­tscha butvar asaj angle­pe­riptsch upro Roma, save ande Malmö an ker­de on. Odo­la Roma na kamen buter ande odola khera pal te dschal mint bari dar len hi. Ando masch­ka­rutno jeneri i UN phen­tscha, hot o rasis­ti­schi use lipe upro tschu­lip­tscha andi Schve­dija min­dig bu­teder ol.

(dROMa, Übersetzung: Josef Schmidt)

Rupuni medva le Romane vestleriske „Aferim!“

Februar 27th, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Regiepreis für Aferim in Berlin (Foto: Silviu Ghetie)„Kaj le te hajoas, so le Romenca andi Rumenija kerdo ol, iste pal dikes.“ (Radu Jude)

Ostistiki Europa, 1835. Duj prastartscha ande bareskero than, masch­karut­non andi Valachaj. O haren­gero Costandin taj leskero tschau. Khetan on roden jeke „Zigeuner­sklaven“, savo pre boja­renis­tar naschi gelo taj muguli leskera dschuv­lahi pe te kam­tschahi. Kada o Costandin saki situa­cija godschar vake­ripeha komen­ti­rinel, dikel o tschau palgon­do­lipeha upro vilago. Dro­meske on minden­feli­tike nacijo­na­lite­ten­gere taj min­den­feli­tike patschni­peske manu­schen resen: Turkitike taj rustitike, christen taj dschi­dovtschen, rumenitike taj ungrike. Upre sake riktscha tel dikiptscha del, on gene­racija fi gene­ra­ciji bajder dim on. Taj kada o „Sklave“ Carfin laklo ulo, te akor meg i dromes­keri roas na ar sina.

Jek upre historischi dokumentscha taj dschila paschli parabel pedar o rajipe ande Europa, bar­va­lipe taj hirachija, o söbst- taj o nap­rin­dschardo kipo le flogen­dar, o keripe le tschu­lipenca taj o konflik­tscha , save andar bartschon. Jek balka­nis­kero vestleri ande kalo / parno kipo, savo i kaka­fonija la cajtatar dschiv­don kerel taj i tema­tischi karika dschi andi adive­ses­keri cajt tschalal.

O film, khetan la polnitika produktcijo­naha „Body“, la rupuna medvaha la lek feder reschi­jake pat­jardo ulo.

(Berlinale 2015)

Spartacus & Cassandra (Trailer)

Februar 24th, 2015  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Dokumentarfilm von Ioanis Nuguet (mehr hier)
Frankreich 2014, 81 min. (franz., rumän.)

Einige Kritiken finden Sie hier: EuronewsHollywood ReporterCine Vue

Spartacus & Cassandra

Februar 24th, 2015  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Spartacus & Cassandra (Filmplakat, Nourfilms)Dokumentarfilm von Ioanis Nuguet
Frankreich 2014, 81 min. (franz., rumän.)

Etwas sollte klar sein im Leben: dass ein Kind sich auf seine Eltern ver­lassen und be­hütet groß wer­den kann. Dass es ein Zuhause hat. Der 13-jäh­rige Spartacus und seine 10-jäh­rige Schwes­ter Cassandra ha­ben noch nicht ein­mal ein Dach über dem Kopf, als die Unter­kunft der rumäni­schen Roma-Familie im fran­zö­si­schen Saint-Denis abbrennt. Wäh­rend sie mit staat­li­cher Unter­stüt­zung Zu­flucht bei der jungen Trapez­künst­lerin Camille fin­den, geht die Spira­le für ihre Eltern wei­ter ab­wärts. Die eine Seite bietet Sicherheit, Bildung und eine Kindheit jen­seits der Straße. Auf der ande­ren wartet ein Teufelskreis aus Armut, Alkohol, Selbst­mitleid und Handlungs­unfähig­keit. Sparta­cus und Cas­sandra müssen sich entscheiden. Es ist mehr als die alte Frage, ob man sich aus schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen be­frei­en kann. Wie kann sich ein Kind von sei­nen Eltern lösen?

In flirrenden, traumverlorenen Bildern und einer impres­sio­nis­ti­schen Montage lässt Ioanis Nuguet die Kinder schwe­ben zwi­schen einer Her­kunft, die sie nicht ab­schüt­teln kön­nen, und ei­ner Zu­kunft, die ihnen nicht ohne Wei­te­res offen­steht. Ein kaukasi­scher Kreide­kreis, an des­sen Ende – wie bei Brecht – so etwas wie Hoffnung steht. Aber auch ein bit­terer Rap von Spar­ta­cus, der klar macht, dass die­ses Problem kein pri­va­tes ist.

(Text: Grit Lemke, Katalogtext DOK Leipzig)

Roma in Rom – Interview mit Roberto Sejdic

Februar 22nd, 2015  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Dreyecksland„Antiziganismus in Rom nach dem Mafia­skan­dal: Die Köp­fe wech­seln, die so­zia­le Ex­klu­si­on bleibt“

RDL sprach mit dem italienischen Roma-Akti­vis­ten Roberto Sejdic über die aktuel­len Lage der Roma in Rom

>>Anhören/Download (mp3)

Focus Europa/Morgenradio, 20. Feb. 2015, 7,05 min

Im November und Dezember 2014 häuften sich in Rom Proteste und teils gewalt­same Angriffe gegen Flüchtlings­unter­künfte und Roma-Camps. Offe­ner Rassismus, die all­ge­mei­ne soziale Benach­tei­li­gung der Bewoh­ner/innen der Peri­phe­rie und der Ein­fluss der römi­schen Mafia auf die Ver­wal­tung der Unter­künfte bil­de­ten eine explo­sive Mi­schung, wie RDL im Dezem­ber berich­tete. Gut zwei Mona­te nach der Auf­deckung der „Mafia Capitale“ und dem Höhe­punkt der rassis­ti­schen Aus­brüche woll­ten wir wissen, wie sich die Situa­tion für Roma in der italie­ni­schen Haupt­stadt ent­wickelt hat. Wir spra­chen darü­ber mit Roberto Sejdic aus Rom, der selbst Rom ist und auch von seiner Arbeit ge­gen die sozia­le Aus­gren­zung in meh­re­ren Roma-Orga­ni­sa­tio­nen be­richtet.

(Text & Interview: www.rdl.de)

„Zur Endlösung der Täterfrage“

Februar 21st, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Das neue Stück des Historikerlabors ist der dritte Teil einer Trilogie zum Nationalsozialismus (Foto: Gorki)Berlin: Dokumentartheater zur NS-Geschichte

Historiker und Jugendliche bringen die Ver­fol­gung von Sinti und Roma durch die Nazis auf die Bühne. Origi­nal­texte doku­men­tie­ren den Irrsinn der pseudo­wis­sen­schaft­li­chen Rassen­ideologie.

Tobias Krone/taz: Die Wissenschaftler haben gespro­chen, nun haben ihre Opfer das Wort. Die Jugend­lichen treten vor (…) und begin­nen die schier end­lose Rede der Zeugen, alle­samt Sinti und Roma, die den National­sozia­lis­mus über­lebten. Sie berich­ten: der Sinto Josef Müller, der aus dem Klassen­zimmer zur Zwangs­sterili­sa­tion geführt wird, oder der 15-jäh­rige KZ-Inhaf­tierte Mongo Stojka, der vom Todes­marsch aus Flossen­bürg er­zählt. (…) Aus der Reihe der Erwach­se­nen tritt Beate Niemann: „Einer der Organi­sa­to­ren der Todes­märsche war Bruno Sattler.“ Die kleine, weiß­haarige Frau (…) spricht es sach­lich, und doch ist ihr Blick voll Bewe­gung. Bruno Sattler, Chef der Gestapo in Serbien, ver­ant­wort­lich für die Liqui­die­rung Tau­sen­der Zivi­lis­ten, war ihr Vater.

„Zur Endlösung der Zigeunerfrage“ heißt das neue Theater­projekt des Ber­li­ner Kollek­tivs Historikerlabor. Die Gruppe aus Wis­sen­schaftlerIn­nen und Berliner Ju­gend­lichen hat Quellentexte des Völkermords an den Sinti und Roma er­forscht und bringt diese nun auf die Büh­ne des Max-Planck-Ins­ti­tuts für Wis­sen­schafts­ge­schich­te in Dahlem. Das Pro­jekt ist nicht nur die Auf­ar­bei­tung eines lange igno­rier­ten Ka­pi­tels der NS-Ge­schichte; an die­sem Abend hinter­fragt die Wissen­schaft auch ihre ei­ge­ne Ge­schichte. (…) Auf spie­le­ri­sche Gesten verzich­tet der Ber­li­ner Regisseur Christian Tietz nahe­zu völ­lig. Die Texte sind grau­sam genug, um ein ver­stö­ren­des Theater im Kopf der Zu­schau­erIn­nen zu er­zeu­gen. Und der streng wissen­schaft­liche Zugang der Gruppe ver­stärkt noch das Ent­setzen: Das alles war ganz real. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur auszugs­weise wieder­gege­be­nen Ar­ti­kel von Tobias Krone in vol­ler Län­ge auf taz.de.

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Ungarn: Kinderarmut dramatisch verschärft

Februar 20th, 2015  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Grafik (Budapester Zeitung, Quelle: Eurostat)Am 1. März wird die Sozialhilfe in Ungarn halbiert (mehr hier). Dabei zeigte der Eurostat-Ar­mutsreport zu Ungarn erst kürzlich einen er­schrecken­den Anstieg der Armut, von dem beson­ders Kin­der betrof­fen sind. Im Fol­gen­den ein Aus­zug aus der Budapester Zeitung:

In Ungarn ist die Armut sukzessive im Steigen begrif­fen. Selbst gegen­über den drei ande­ren Visegrád-Staa­ten (Polen, Tschechien und Slo­wakei) be­fin­det sich Ungarn in Sa­chen Armut auf dem ab­stei­gen­den Ast. Zu diesem Schluss kamen die Mit­ar­bei­ter des Instituts für Soziologie an der Unga­ri­schen Akademie der Wissen­schaften (MTA). Sie stell­ten Ende Novem­ber 2014 eine ein­schlä­gige Studie von Eurostat vor.

Die Mit­arbei­terin des Instituts (…), Vera Messing, machte darauf auf­merk­sam, dass der Anteil jener Menschen an der unga­ri­schen Gesamt­bevöl­ke­rung, die unter schweren Entbeh­run­gen leben müssen, im Zeitraum 2009 bis 2013 von 20,3 auf 26,8 Pro­zent gestie­gen sei. (…) Der Anteil jener Menschen, die dem Risiko aus­ge­setzt sind, in Armut und damit einher­ge­hend in sozia­ler Aus­gren­zung zu leben, lag in Ungarn 2013 bei 33,5 Prozent (2009: 29,6 Prozent). (…) Das Fazit (…): Ungarn ist nicht nur im Begriff zu verarmen, sondern auch inner­halb der Region den Anschluss zu ver­lieren. (…) Aus den Erhe­bun­gen von Eurostat geht über­dies hervor, dass in Ungarn vor allem Kinder ein Dasein in Armut fris­ten müs­sen. Je jünger jemand ist, desto größer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass er in einer armen Familie lebt. (…) Was die Kinder­armut an­betrifft, ist Ungarn gemein­sam mit Rumä­nien und Bul­ga­rien nega­tive Spitze. Im Kreis der Jüngsten in Ungarn, sprich der Unter-sieben-Jäh­ri­gen, leben 42,2 Pro­zent der Kin­der in Armut. Wie die MTA-Mit­arbei­te­rin Messing er­klärte, hat sich die Kinder­armut in Ungarn in den ver­gan­ge­nen Jahren drama­tisch ver­schärft. Bis auf Ungarn ist es jedem EU-Land gelun­gen, die Kinder­armut zu stop­pen oder um­zu­kehren. (…)

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Anschlag auf Roma-Vereinslokal in Malmö

Februar 19th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Brandanschlag auf Vereinslokal: zerstörte Fenster in Malmö (Foto: TheLocal)Unbekannte Täter haben in der süd­schwe­di­schen Stadt Malmö einen Brandanschlag auf ein Roma-Kulturzentrum ver­übt. Sie war­fen in der Nacht zum 6. Februar zwei Brandflaschen durch Fenster. Ein Mann, der sich gera­de in den Räum­lich­kei­ten auf­hielt, konn­te das Feuer selbst löschen udn alarmierte die Polizei. Ein Spre­cher der Polizei er­klär­te, die­ses Attentat sei, ebenso wie voran­ge­gan­gene Brand­an­schläge auf Moscheen, „vermut­lich rassistisch motiviert“. In den letzten Mona­ten waren auch Behelfs­unter­künf­te zu­gewan­der­ter Roma in Malmö wieder­holt Ziel von Angriffen, so­dass sich ma­nche Roma aus Angst nicht mehr dort­hin zurück­wag­ten. Erst Mitte Jänner hatte ein Bericht der UN eine besorg­nis­erre­gende Zunah­me von Übergriffen auf Min­der­hei­ten in Schweden konsta­tiert.

(dROMa)

Ungarn: Hungern als Lifestyle

Februar 18th, 2015  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Suppenküche im nordungarischen Ózd, das neuerdings von einem Bürgermeister der neonazistischen Jobbik regiert wird (Foto: Pester Lloyd)Orbán halbiert Sozialhilfe für bedürftige Familien. Das trifft auch viele Roma-Familien.

Pester Lloyd:  Bisher erhielten Familien mit einem Monats­einkommen unter 25.650 Forint (82 EUR) eine Hilfs­zahlung von maxi­mal 45.568 Forint (146 EUR). (…) Das war, z.B., für eine vier- oder fünf­köpfige Familie schon wenig genug. Doch für Orbáns Ambi­tionen ist das immer noch zu viel.

Ab 1. März treten eine Reihe von Änderungen bei der Sozial- und Familienbeihilfe für sozial Schwache in Kraft. (…) Rund 50.000 gänzlich von Sozialhilfe abhän­gige Fami­lien müs­sen zum 1. März einen Neu­antrag stel­len. (…) Hinzu kommt die Mög­lich­keit, jährlich einen „Kindererziehungszuschuss“ in Höhe von um­gerech­net rund 850 EUR zu beziehen – unab­hän­gig von der Zahl der Kinder.
 Die maxi­mal bezieh­bare Leis­tung für eine fünfköpfige Familie (2 Erw., 3 Kinder) erreicht damit rund 53.000 Forint im Monat (170 EUR). Das sind unge­fähr 110 EUR weniger als das von der Regie­rung defi­nierte „Existenz­minimum“. (…) Der jähr­liche Kinder­zuschuss wird nur aus­gezahlt, wenn keines der Kinder eine Insti­tu­tion be­sucht, in der ihm eine kosten­lose warme Mahl­zeit ser­viert wird. (…) Auch genügt es, dass z.B. eines von drei Kin­dern ein Schulessen be­kommt, damit alle anderen leer aus­gehen. Read the rest of this entry »

„Aferim!“ (Trailer)

Februar 16th, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Spielfilm, RO / BG / CZ, 2015, 108 min.
Regie: Radu Jude

Mehr hier.

Silberner Bär für Roma-Western „Aferim!“

Februar 16th, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Regiepreis für Aferim in Berlin (Foto: Silviu Ghetie)„Um zu verstehen, was mit den Roma in Rumänien geschieht, muss man zurückschauen.“ (Radu Jude)

Osteuropa, 1835. Zwei Reiter in steiniger Land­schaft, mit­ten in der Walachei. Es sind der Gendarm Costan­din und sein Sohn. Gemein­sam su­chen sie ei­nen „Zigeuner­sklaven“, der sei­nem Bojaren ent­laufen ist und sogar eine Affäre mit des­sen Frau gehabt haben soll. Wäh­rend der unerschüt­ter­liche Costan­din noch jede Situa­tion mit mun­te­ren Weis­hei­ten kommen­tiert, blickt der Junge eher nach­denk­lich auf die Welt. Auf ihrer Odyssee begeg­nen sie Men­schen unter­schied­licher Natio­na­li­tät und ver­schie­de­nen Glaubens: Türken und Russen, Christen und Juden, Rumänen und Ungarn. Auf allen Seiten gibt es Vor­ur­teile gegen­über den ande­ren, sie wer­den von Gene­ra­tion zu Gene­ra­tion weiter­gege­ben. Auch als der „Sklave“ Carfin gefun­den wird, ist das Aben­teu­er noch längst nicht zu Ende …

Eine auf historischen Dokumen­ten und Liedern beru­hen­de Parabel über das spät­feudale Europa, seine Macht­ver­hält­nisse und Hierarchien, das Selbst- und Fremdbild der Völker, den Umgang mit Minder­heiten und die Konflik­te, die daraus erwach­sen. Ein Balkan­western in Schwarz-Weiß, der die Kako­pho­nie der Zeit leben­dig werden lässt und den thema­ti­schen Bogen bis in un­se­re Gegen­wart schlägt.

(Text: Berlinale 2015)

Spielfilm, ROM / BG / CZ, 2015, 108 min
Regie: Radu Jude

Der Film wurde, gemeinsam mit der polnischen Pro­duk­tion „Body“, mit dem Silbernen Bären für die beste Regie aus­ge­zeich­net. Einige Kriti­ken fin­den Sie hier: Tagesspiegel, rbbWelt, Perlentaucher, Deutschlandradio, The European, FestivalblogReuters, Le Monde

Stimme 93 – Begleitheft zu Romane Thana

Februar 14th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Veranstaltungen & Ausstellungen

Stimme 93STIMME Nr. 93/Winter 2014: Das Begleitheft zur Ausstellung: Romane Thana – Orte der Roma und Sinti

Editorial #93:

Mit dieser Stimme-Ausgabe begleiten wir die von der Initiative Minderheiten ge­mein­sam mit dem Romano Centro, dem Wien Museum und dem Burgen­län­di­schen Landesmuseum rea­li­sier­te Ausstellung „Romane Thana – Orte der Roma und Sinti“.

In einem Gasteditorial setzt sich Cornelia Kogoj, Mitkura­torin von „Roma­ne Thana“, mit den gän­gi­gen Reprä­sen­ta­tions­formen der Minder­heiten im musea­len Kontext auseinan­der. Andrea Härle, Ideen­gebe­rin der Aus­stellung und eben­falls Mit­kura­torin, schil­dert die Ent­stehung der Aus­stel­lung und des Erzähl­konzepts: konkrete Orte als Anker, um die Geschichte und Gegen­wart der Roma und Romnja in Österreich zu er­zählen.

Erika Thurner diskutiert die positiven Entwicklungen in Öster­reichs Roma-Politik seit den frü­hen 1980er Jahren, die haupt­säch­lich den Roma-Selbst­organi­sa­tio­nen zu ver­dan­ken sind. In einem zwei­ten Text beschäf­tigt sich Thur­ner mit der national­sozia­lis­ti­schen „Zigeuner“-Ver­fol­gung am Beispiel von Sidonie Adlersburg, ermor­det mit zehn Jahren im KZ Auschwitz.

Entsprechend dem Themenschwerpunkt geht Vida Bakondy in ihrer Kolum­ne ei­nem Telegramm des Außenamtes an die öster­rei­chi­schen diploma­ti­schen Vertretungs­behör­den in Jugoslawien aus dem Jahr 1965 nach: „Erteilet keine SV an Angehörige jugosl. Zigeunergruppen“.

Wie schon bei „Gastarbajteri – 40 Jahre Arbeitsmigration“ im Wien Museum (2004) haben auch dies­mal Personen aus der Community einen Teil der Aus­stel­lungs­beiträge gestal­tet, sind also Autoren und Au­torin­nen ihrer Erzählstationen. Read the rest of this entry »

Gedenksteine in Graz beschädigt

Februar 13th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Stolperstein-TweetAm Mittwoch haben wir via Twitter das Foto eines anschei­nend durch eine Flüs­sig­keit unkennt­lich gemach­ten, stark ver­färb­ten Gedenksteins in Graz publik ge­macht. Die nicht mehr zu ent­zif­fern­de Inschrift erin­nert – direkt vor seinem ehe­ma­ligen Wohn­haus in der Oever­see­gasse im Stadt­teil Gries – an Arnold Körner, der 1939 vor dem NS-Regime flüch­ten musste. Es han­delt sich um einen von bislang 51 Stolpersteinen in der Stadt.

Wenige Stunden nach unse­rem Tweet wurde der Messing­stein von der Polizei, die inzwi­schen über den Vorfall infor­miert worden war, behelfs­mäßig gerei­nigt. An Spuren­sicherung oder Ermitt­lun­gen dachte sie nicht. Read the rest of this entry »

Spontaner Besuch des Papstes bei Roma

Februar 9th, 2015  |  Published in Religion

Papst Franziskus (Foto:Auf dem Weg zu einem Besuch einer Gemeinde im Nordosten Roms hat Papst Franziskus gestern Sonntag überraschend ein Roma-Lager besucht. Laut Bericht von katholisch.de ließ er dort seinen Wagen an­halten, stieg aus und sprach einige Minu­ten mit den Be­woh­nern. Nach einem Segen für die Men­schen des Camps begab sich Franzis­kus in die nahe­gele­gene Gemeinde San Michele Arcangelo im Stadtviertel Pietralata.

Zahl­reiche Roma leben in Rom und anderen italie­ni­schen Städten in provi­so­ri­schen Wohn­lagern. Erst kürzlich hat die EU-Kommission Italien ein Vertragsverletzungsverfahren we­gen der (über Jahre auf Grund­lage des soge­nann­ten „Noma­den-Plans“ be­trie­be­nen) Politik der Segregation der Roma-Be­völ­ke­rung an­ge­droht.

(dROMa)

Siehe auch:
Weltkongress der Roma-Seelsorger (8.6.2014)
Papst plant Begegnung mit Roma (28.11.2014)

„Opre Roma Film Festival“ in Wien

Februar 8th, 2015  |  Published in Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen

Opre Roma Film Festival17. Februar – 12. Mai 2015

5 Filmabende im Stadtkino und Film­haus Kino am Spittelberg (Programm)

Von 2005 bis 2015 haben sich die Premierminister der meisten euro­päi­schen Län­der ver­pflich­tet, im Zuge der Roma-Dekade deren Lebens­be­dingun­gen zu ver­bes­sern und zu ver­su­chen, die Kluft zwi­schen Roma und Nicht-Roma zu über­winden. Trotz der guten Vor­sätze hat sich die Situa­tion bis heute durch das An­wach­sen von Nationalis­men in den euro­päi­schen Ländern ver­schlech­tert. Es gibt aber auch eine Welle von jungen eman­zi­pier­ten Roma, die für ihre Rechte kämpfen, ihre eige­nen Filme machen und ihre eige­nen Geschich­ten er­zäh­len.

Das Opre Roma Film Festival wird Sie durch diese Dekade füh­ren, und die Ereig­nis­se dieser Zeit, aus unter­schied­li­chen Stand­punkten und subjek­ti­ven Perspek­ti­ven zeigen. Das Festi­val hat das Ziel, dem Publi­kum die Men­schen näher­zu­brin­gen, den Blick für soziale Un-Rechts­verhält­nis­se zu schär­fen und sen­si­bi­li­sieren.

(Text: Saša Barbul, Kurator)

Wien Museum: Romane Thana (ab 12.2.)

Februar 7th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Plakat Romane ThanaRomane Thana. Orte der Roma und Sinti
12. Februar 2015 bis 17. Mai 2015
1040 Wien, Karlsplatz 8

Eine Ausstellung in Kooperation mit Romano Centro, der Initia­tive Minder­heiten sowie dem Burgen­län­di­schen Lan­des­museum

Im Fokus der Ausstellung stehen „Lebensorte“ der Roma und Sinti in Wien und Bur­gen­land. Dazu zählen die seit dem 18. Jahr­hundert beste­hen­den Sied­lungen der Burgenland-Roma, tra­ditio­nelle Plätze in Wien, aber auch die Orte, die über die lange Ver­fol­gungs­geschichte und den NS-Völkermord erzäh­len, wie Lackenbach, Auschwitz oder Łódź.

Die Aus­stel­lung will über gän­gige Klischees (Nicht­sess­haftig­keit, Bettelei …) und über die lange Geschichte der Ver­fol­gung auf­klären. In den Jahren der national­sozia­lis­ti­schen Herr­schaft wurden unter star­ker Beteiligung lokaler Behör­den geschätzte 90% der öster­rei­chi­schen Roma und Sinti in den Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lagern ermor­det. Die wenigen Über­leben­den stan­den bei ihrer Rückkehr nicht nur vor dem Nichts, der Aus­löschung ihrer Sied­lungen, son­dern waren neuer­lich rassis­ti­schen Vor­urtei­len aus­gesetzt. So erhiel­ten viele erst sehr spät den ihnen zuste­hen­den Opfer­schutz, nicht zuletzt, weil sie durch Gesetze und Behörden syste­ma­tisch benach­teiligt wurden. Dieser Teil der Geschichte der Roma und Sinti ist „gut“ doku­men­tiert, aber haupt­säch­lich in dem Sinn, als sie Objekte der Beobachtung seitens Politik und Behör­den waren. Gesetzes­texte, Polizei- und Gestapo­fotografien, anthropo­metri­sche Ver­mes­sun­gen durch die NS-Rassen­hygiene oder zyni­sche Ableh­nungen von Opfer­für­sorge­ansuchen sind beredte Zeug­nisse.

Das andere starke Motiv der Auseinandersetzung mit Roma und Sinti lässt sich auf den Exotismus des 19. Jahr­hundert zurück­führen, wo eben­falls stark stereo­typisiert, ihr angeb­lich freies Leben, ihre Erotik und Musika­lität in diver­sen Bild­medien und -genres inten­siv dar­gestellt wurde.

Ab­seits dieser star­ken Zuschreibungen, der offen feind­li­chen und der exoti­sie­ren­den, ist es das Ziel der Aus­stel­lung, gerade über Eigen­zeug­nisse von Roma und Sinti die Fra­ge von „Normalität“ zu disku­tie­ren, auch Geschich­ten geglück­ter Integra­tion und gesell­schaft­li­cher Anerken­nung auf­zu­spüren und dar­zu­stellen. 
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20 Jahre Attentat in Oberwart (4.2.1995)

Februar 4th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken

Zur Erinnerung an Oberwart, Marika Schmiedt

Grafik von Marika Schmiedt

„Was bleibt“ – Ausstellung im DÖW (ab 12.2.)

Februar 2nd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Amalia Horvath, die Großmutter von Marika Schmiedt, wurde am 8. Juni 1942 im Alter von 33 Jahren ermordet.Was bleibt. Fragmente einer fortwährenden Vergangenheit

Marika Schmiedt – Eröffnung der Son­der­aus­stel­lung im DÖW am 12. Februar 2015

Begrüßung: Dr. Gerhard Baumgartner, Wissen­schaft­li­cher Leiter des DÖW | Karl Ferdinand Kratzl inter­pre­tiert Texte der Künst­le­rin und liest aus dem gleich­na­mi­gen Katalog.

Vor 1938 lebten rund 11.000 bis 12.000 Roma und Sinti in Öster­reich. Ihre Ver­fol­gung begann un­mittel­bar nach der Macht­über­nahme durch die Nationalsozialisten. Bis 1945 wurden annä­hernd 90 Prozent der öster­rei­chi­schen Roma und Sinti, 9500 Männer, Frauen und Kinder, in den Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lagern er­mordet.

Marika Schmiedt, 1966 im oberösterreichi­schen Traun gebo­ren, ist bildende Künstlerin, Aktivistin und Filmemacherin in Wien. Seit vielen Jahren be­schäf­tigt sie sich mit der Situa­tion der Roma vor und nach 1945 auch in ihrer künstle­ri­schen Arbeit. Viele Ver­wandte von Schmiedt wur­den ermor­det, ihre Mutter über­lebte in Pflege­fami­lien und Heimen.

Marika Schmiedt recherchierte jahrelang in Gedenkstätten, Archiven und Ämtern in ganz Öster­reich und Deutsch­land. Sie durch­fors­tete Trans­port­listen, Häftlings­listen, Todes­anzeigen, Karteien aller Art, Polizei­protokolle, Geburts- und Sterbe­matriken­einträge, Opfer­für­sorge­akten. Stück für Stück rekonstru­ierte sie die Geschichte ihrer Familie. In den Akten fand sie die ein­zi­gen Fotos, die sie bis heute von ihrer Großmutter Amalia Horvath besitzt: auf­genom­men von den Mördern im KZ Ravensbrück. Es ent­stand eine Ausstellung, in der auch die Aus­wir­kun­gen der Ver­fol­gung auf die nach­fol­gen­den Generationen sicht­bar werden.

Eintritt frei!

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