Stimme 93 – Begleitheft zu Romane Thana
Februar 14th, 2015 | Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Veranstaltungen & Ausstellungen
STIMME Nr. 93/Winter 2014: Das Begleitheft zur Ausstellung: Romane Thana – Orte der Roma und Sinti
Mit dieser Stimme-Ausgabe begleiten wir die von der Initiative Minderheiten gemeinsam mit dem Romano Centro, dem Wien Museum und dem Burgenländischen Landesmuseum realisierte Ausstellung „Romane Thana – Orte der Roma und Sinti“.
In einem Gasteditorial setzt sich Cornelia Kogoj, Mitkuratorin von „Romane Thana“, mit den gängigen Repräsentationsformen der Minderheiten im musealen Kontext auseinander. Andrea Härle, Ideengeberin der Ausstellung und ebenfalls Mitkuratorin, schildert die Entstehung der Ausstellung und des Erzählkonzepts: konkrete Orte als Anker, um die Geschichte und Gegenwart der Roma und Romnja in Österreich zu erzählen.
Erika Thurner diskutiert die positiven Entwicklungen in Österreichs Roma-Politik seit den frühen 1980er Jahren, die hauptsächlich den Roma-Selbstorganisationen zu verdanken sind. In einem zweiten Text beschäftigt sich Thurner mit der nationalsozialistischen „Zigeuner“-Verfolgung am Beispiel von Sidonie Adlersburg, ermordet mit zehn Jahren im KZ Auschwitz.
Entsprechend dem Themenschwerpunkt geht Vida Bakondy in ihrer Kolumne einem Telegramm des Außenamtes an die österreichischen diplomatischen Vertretungsbehörden in Jugoslawien aus dem Jahr 1965 nach: „Erteilet keine SV an Angehörige jugosl. Zigeunergruppen“.
Wie schon bei „Gastarbajteri – 40 Jahre Arbeitsmigration“ im Wien Museum (2004) haben auch diesmal Personen aus der Community einen Teil der Ausstellungsbeiträge gestaltet, sind also Autoren und Autorinnen ihrer Erzählstationen. Die Stimme hat sie gebeten, ihre visuellen Beiträge über die Geschichte und Gegenwart von Roma und Sinti in Österreich zu verschriftlichen: Ihren persönlichen Bezug zum jeweiligen Thema und, das, was die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen eventuell nicht zu sehen bekommen.
Zum Zeitpunkt des Bombenattentats in Oberwart im Jahr 1995, bei dem vier Roma ermordet wurden, war Manuela Horvath zehn Jahre alt. Unter den Toten waren auch zwei ihrer Cousins. Oberwart 1995 ist für sie ein „Romano than“, ein Ort der Roma. Sie erzählt in ihrem Text, wie sie den Abend des Attentats erlebt hat und wie sie bis heute damit lebt.
Für Tamara Marlena Weinrich ist die Musik ein allen Sinti gemeinsamer Ort. Sie veranschaulicht dies anhand eines Liedes, das von ihrem Vater, dem Musiker Robert Weinrich, geschrieben wurde und um die Welt ging: Gawa Diwis.
Die größte Roma-Gruppe in Österreich bilden Roma und Romnja, die mit dem Beginn der 1960er Jahre vom Balkan als „Gastarbeiter“ nach Österreich kamen. Usnija Buligovic fragt im Interview die Romni und „Gastarbeiterin“ Amalia Buligovits nach ihrer Migrationsgeschichte und ihren Roma-Orten in Wien. Und schließlich befasst sich Gilda-Nancy Horvath mit Roma Digital Identities, mit dem Internet als Ort gesellschaftlicher Partizipation und politischer Vernetzung einer jungen Roma-Generation.
Leider hatten wir keinen Platz für die anderen Orte und die dazugehörigen Erzählungen, die in der Ausstellung vorkommen. Etwa Floridsdorf (Willi Horvath), die Wiener Krankenhäuser und die Hausmeisterwohnungen (Rabie Peric und Žaklina Radosavljevic), den Rock der Mutter als Sternenzelt (Lilly Habelsberger) oder die Haut des Vaters (Robert Gabris).
Aber gehen Sie hin und sehen Sie selbst: Ab dem 12. Februar 2015 ist auch das Wien Museum ein „Romano than“, ein Ort der Roma und Sinti.
Eine anregende Lektüre (…) wünscht
Gamze Ongan | Chefredakteurin
(Text: minderheiten.at)