Gedenksteine in Graz beschädigt
Februar 13th, 2015 | Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Am Mittwoch haben wir via Twitter das Foto eines anscheinend durch eine Flüssigkeit unkenntlich gemachten, stark verfärbten Gedenksteins in Graz publik gemacht. Die nicht mehr zu entziffernde Inschrift erinnert – direkt vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Oeverseegasse im Stadtteil Gries – an Arnold Körner, der 1939 vor dem NS-Regime flüchten musste. Es handelt sich um einen von bislang 51 Stolpersteinen in der Stadt.
Wenige Stunden nach unserem Tweet wurde der Messingstein von der Polizei, die inzwischen über den Vorfall informiert worden war, behelfsmäßig gereinigt. An Spurensicherung oder Ermittlungen dachte sie nicht. Sie tat die plötzliche Verfärbung, die bisher bei keinem anderen Stein zu beobachten war, als zufällige Oxidation ab und vermutete, dass diese durch Streusalz hervorgerufen worden sei. Dabei ist Streusalz in Graz eigentlich verboten. Der Hersteller der Steine, der Berliner Metallhandwerker und Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer, schließt gegenüber dem Standard und Daniela Grabe vom Grazer Verein für Gedenkkultur eine Oxidation durch Salz-Einwirkung aus und spricht von Säure oder Lauge: „Das hat dann so mit dem kupferhaltigen Messing reagiert.“
Sowohl Standard als auch Kleine Zeitung haben das Thema dankenswerterweise aufgegriffen, die beiden Artikel finden Sie hier und hier.
(dROMa)
Aktualisierung, 13.2.2015, 19.30:
Jetzt sind auch mehrere Stolpersteine in der Schröttergasse (siehe hier) betroffen: hier der Artikel in der Kleinen Zeitung. Wir danken Gerald Winter-Pölsler für den Hinweis!
Aktualisierung, 14.2.2015, 9.45:
Die Kleine Zeitung meldet einen weiteren Fall in der Afritschgasse. „Ich habe fast 50.000 solcher Stolpersteine hergestellt, die in 17 Ländern in ganz Europa liegen – aber dass sich ein Stein blau verfärbt, höre ich zum ersten Mal“, zitiert das Blatt den Hersteller der Metallsteine, Michael Friedrichs-Friedländer.
Inzwischen berichtet auch ORF.at von den beschädigten Gedenksteinen. Die Polizei hat nun doch Ermittlungen eingeleitet und in der Oeverseegasse chemische Proben entnommen. „Wodurch die Verfärbung verursacht wurde, ist noch Gegenstand der kriminaltechnischen Untersuchungen“, hieß es gestern in einer Polizeiaussendung.