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„Zur Endlösung der Täterfrage“

Februar 21st, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Das neue Stück des Historikerlabors ist der dritte Teil einer Trilogie zum Nationalsozialismus (Foto: Gorki)Berlin: Dokumentartheater zur NS-Geschichte

Historiker und Jugendliche bringen die Ver­fol­gung von Sinti und Roma durch die Nazis auf die Bühne. Origi­nal­texte doku­men­tie­ren den Irrsinn der pseudo­wis­sen­schaft­li­chen Rassen­ideologie.

Tobias Krone/taz: Die Wissenschaftler haben gespro­chen, nun haben ihre Opfer das Wort. Die Jugend­lichen treten vor (…) und begin­nen die schier end­lose Rede der Zeugen, alle­samt Sinti und Roma, die den National­sozia­lis­mus über­lebten. Sie berich­ten: der Sinto Josef Müller, der aus dem Klassen­zimmer zur Zwangs­sterili­sa­tion geführt wird, oder der 15-jäh­rige KZ-Inhaf­tierte Mongo Stojka, der vom Todes­marsch aus Flossen­bürg er­zählt. (…) Aus der Reihe der Erwach­se­nen tritt Beate Niemann: „Einer der Organi­sa­to­ren der Todes­märsche war Bruno Sattler.“ Die kleine, weiß­haarige Frau (…) spricht es sach­lich, und doch ist ihr Blick voll Bewe­gung. Bruno Sattler, Chef der Gestapo in Serbien, ver­ant­wort­lich für die Liqui­die­rung Tau­sen­der Zivi­lis­ten, war ihr Vater.

„Zur Endlösung der Zigeunerfrage“ heißt das neue Theater­projekt des Ber­li­ner Kollek­tivs Historikerlabor. Die Gruppe aus Wis­sen­schaftlerIn­nen und Berliner Ju­gend­lichen hat Quellentexte des Völkermords an den Sinti und Roma er­forscht und bringt diese nun auf die Büh­ne des Max-Planck-Ins­ti­tuts für Wis­sen­schafts­ge­schich­te in Dahlem. Das Pro­jekt ist nicht nur die Auf­ar­bei­tung eines lange igno­rier­ten Ka­pi­tels der NS-Ge­schichte; an die­sem Abend hinter­fragt die Wissen­schaft auch ihre ei­ge­ne Ge­schichte. (…) Auf spie­le­ri­sche Gesten verzich­tet der Ber­li­ner Regisseur Christian Tietz nahe­zu völ­lig. Die Texte sind grau­sam genug, um ein ver­stö­ren­des Theater im Kopf der Zu­schau­erIn­nen zu er­zeu­gen. Und der streng wissen­schaft­liche Zugang der Gruppe ver­stärkt noch das Ent­setzen: Das alles war ganz real. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur auszugs­weise wieder­gege­be­nen Ar­ti­kel von Tobias Krone in vol­ler Län­ge auf taz.de.

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