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Wien Museum: Romane Thana (ab 12.2.)

Februar 7th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Plakat Romane ThanaRomane Thana. Orte der Roma und Sinti
12. Februar 2015 bis 17. Mai 2015
1040 Wien, Karlsplatz 8

Eine Ausstellung in Kooperation mit Romano Centro, der Initia­tive Minder­heiten sowie dem Burgen­län­di­schen Lan­des­museum

Im Fokus der Ausstellung stehen „Lebensorte“ der Roma und Sinti in Wien und Bur­gen­land. Dazu zählen die seit dem 18. Jahr­hundert beste­hen­den Sied­lungen der Burgenland-Roma, tra­ditio­nelle Plätze in Wien, aber auch die Orte, die über die lange Ver­fol­gungs­geschichte und den NS-Völkermord erzäh­len, wie Lackenbach, Auschwitz oder Łódź.

Die Aus­stel­lung will über gän­gige Klischees (Nicht­sess­haftig­keit, Bettelei …) und über die lange Geschichte der Ver­fol­gung auf­klären. In den Jahren der national­sozia­lis­ti­schen Herr­schaft wurden unter star­ker Beteiligung lokaler Behör­den geschätzte 90% der öster­rei­chi­schen Roma und Sinti in den Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lagern ermor­det. Die wenigen Über­leben­den stan­den bei ihrer Rückkehr nicht nur vor dem Nichts, der Aus­löschung ihrer Sied­lungen, son­dern waren neuer­lich rassis­ti­schen Vor­urtei­len aus­gesetzt. So erhiel­ten viele erst sehr spät den ihnen zuste­hen­den Opfer­schutz, nicht zuletzt, weil sie durch Gesetze und Behörden syste­ma­tisch benach­teiligt wurden. Dieser Teil der Geschichte der Roma und Sinti ist „gut“ doku­men­tiert, aber haupt­säch­lich in dem Sinn, als sie Objekte der Beobachtung seitens Politik und Behör­den waren. Gesetzes­texte, Polizei- und Gestapo­fotografien, anthropo­metri­sche Ver­mes­sun­gen durch die NS-Rassen­hygiene oder zyni­sche Ableh­nungen von Opfer­für­sorge­ansuchen sind beredte Zeug­nisse.

Das andere starke Motiv der Auseinandersetzung mit Roma und Sinti lässt sich auf den Exotismus des 19. Jahr­hundert zurück­führen, wo eben­falls stark stereo­typisiert, ihr angeb­lich freies Leben, ihre Erotik und Musika­lität in diver­sen Bild­medien und -genres inten­siv dar­gestellt wurde.

Ab­seits dieser star­ken Zuschreibungen, der offen feind­li­chen und der exoti­sie­ren­den, ist es das Ziel der Aus­stel­lung, gerade über Eigen­zeug­nisse von Roma und Sinti die Fra­ge von „Normalität“ zu disku­tie­ren, auch Geschich­ten geglück­ter Integra­tion und gesell­schaft­li­cher Anerken­nung auf­zu­spüren und dar­zu­stellen. 
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