Wissenschaft

„Das Bild der Zigeunerin“ (2017)

April 19th, 2019  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazStrahinja Dobrivojević (2017): Das Bild der Zigeunerin in aus­ge­wähl­ten Wer­ken von Adal­bert Stifter, Karl Emil Franzos und Her­mann Hesse

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­­si­tät Graz (Ins­ti­tut für Germanistik), 66 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

Die Einstellung verschiedener Bevölkerungen der Welt ge­gen­über dem Fremden ist seit lan­gem ein wich­tiger For­schungs­punkt, so­wohl in der Politik und Ge­schichte als auch in der Sprache und der Literatur­wissen­schaft. Die Bilder des Fremden rei­hen sich an­einan­der und sind ein un­er­läss­li­cher Bestand­teil der An­erken­nung jeder Minder­heits­gruppe ge­wor­den. In eini­gen Fäl­len sind diese Bilder eine positive An­nah­me des Frem­den, aber im größ­ten Teil um­fassen sie an brei­tes Spektrum an Ur­tei­len, Vor­über­zeu­gun­gen und Ver­achtung.

Diese Arbeit, Das Bild der Zigeunerin in ausgewählten Werken von Stifter, Franzos und Hesse, hat das An­liegen, die eher nega­tiven Bilder des Frem­den auf­grund konkre­ter literari­scher Bei­spiele aus den vor­han­de­nen Werken dar­zu­stel­len. Darun­ter be­fin­den sich zwei Wer­ke von Adalbert Stifter (Katzensilber und Der Waldbrunnen), ein Werk von Karl Emil Franzos (Die Hexe) und ein Werk von Hermann Hesse (Narziß und Goldmund). Al­le Wer­ke außer Die Hexe stel­len ein Bild des Frem­den dar, das ob­wohl es ne­gativ am An­fang per­zi­piert wer­den könn­te, am Ende eher affirma­tiv ist. Die Hexe hin­ge­gen ist eine Erzählung, an deren Bei­spiel sich das nega­tive Bild des Fremden am bes­ten ver­stehen lässt. Die Arbeit ist so ein­ge­glie­dert, dass jeder Teil eine aus­führ­liche Dar­stellung der wich­tigs­ten Motive und Topoi um­fasst. Read the rest of this entry »

Radio: Musik von Minderheiten (2010)

April 17th, 2019  |  Published in Interview, Musik, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft

Aus dem Radioarchiv (Sendung vom 12. Mai 2010)


ECO Promi Time – Ursula Hemetek: Musik von Minderheiten
Radio FREEQUENNS, Liezen
101.72 MB, 74:04 min

Ursula Hemetek ist Institutsleiterin des Instituts für Volksmusik­for­schung und Ethno­musiko­lo­gie an der Uni­ver­si­tät für Musik und dar­stel­lende Kunst in Wien, wo sie die Musik von Min­der­heiten in Österreich, ins­beson­dere der Roma, der Bur­gen­län­di­schen Kroaten und der Bosnier in Wien er­forscht, die viel­leicht die Grund­lage von Austropop sein könn­ten … Marlene Kindler be­fragt sie auf ECO Promi Time.

(Text: cba.fro.at)

Siehe auch:
Radio: Das „Fremde“ vor der Haustür, 8.1.2018
Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek, 20.6.2018
Forschung zur Musik von Minderheiten, 25.1.2016

„… eine Figur der Ausgrenzung“ (2018)

März 20th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazAnna-Kathrin Bartl (2018): Die politischen Dimensionen von Anti­ziga­nis­mus: eine kultur­analy­ti­sche Per­spek­tive auf Figurie­rungs­pro­zesse und Aus­schlie­ßungs­me­cha­nis­men

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­sität Graz (Institut für Kultur­anthropo­logie und Euro­päi­sche Ethno­logie), 117 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Zusammenfassung (Link):

Menschliches Zusammenleben trägt politi­sche Dimen­sio­nen in sich. Unter­teilun­gen in „Wir und Sie“, „Minder­heit und Mehr­heits­bevöl­ke­rung“, „Eigenes und Fremdes“ ent­hal­ten Hege­monie und Macht. Um das Eigene ab­zu­grenzen, wird ein konstru­ier­tes „Anderes“ be­nötigt. Anti­ziganis­mus ist ein soziales Phä­nomen, durch das Men­schen als Zigeu­ner stig­mati­siert wer­den; der Begriff Zigeuner ist eine dis­krimi­nie­ren­de Fremd­zu­schrei­bung, die historisch ge­sehen als Rassen­nomen­kla­tur und polizeili­cher Ordnungs­begriff zur Ver­folgung ge­nutzt wurde. Men­schen wer­den durch die Zuschrei­bung als Zi­geu­ner zum „An­deren“ und „Frem­den“ ge­macht.

Die Annahme dieser Arbeit ist, dass mit der Zigeu­ner-Kon­struk­tion eine Figur der Aus­grenzung ge­schaf­fen wur­de. Fi­guren dienen den Men­schen als Orien­tierungs­hilfe im poli­tischen und gesell­schaft­li­chen Wandel. Einer kultur­analyti­schen Per­spektive ent­spre­chend bietet das Figurativ als her­meneu­ti­scher For­schungs­begriff die Mög­lich­keit, Be­deu­tun­gen von Figuren für eine Gesell­schaft zu be­obach­ten und sie in ihrer Wechsel­wirkung zu be­trach­ten. Figuren sind dabei als dis­kursive Pro­dukte zu ver­stehen, die keiner realen Person ent­spre­chen. Die ent­haltene Sinn­struktur der Figur des Zigeu­ners legiti­miert Aus­grenzung und Ver­folgung je­nen Men­schen gegen­über, auf die jene Figurie­rung über­tragen wird. Wäh­rend die Zigeu­ner-Fi­gur Be­stand­teil eines kollekti­ven Ge­dächt­nis­ses ist, ist es die dem Zigeu­ner-Be­griff in­hären­te Dis­krimi­nie­rung kaum oder gar nicht. Read the rest of this entry »

„Wir sind keine Zootiere“ – Roma in Freiburg

März 19th, 2019  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Dreyeckland Radio Dreyeckland, 19.3.2019 (6:26 min)
→Anhören (mp3)

Tomas Wald (Foto: privat/Badische Zeitung)Präsentation der Studie „Dis­kri­mi­nie­rung von Sinti und Roma in und um Frei­burg 2018“

„Ein Jahr lang haben wir – eine Gruppe von Sinti und Roma – Vor­fälle und Er­fah­run­gen von Dis­kri­mi­nie­rung und Rassismus ge­sam­melt, be­spro­chen und ver­sucht zu ver­arbei­ten. Abstrak­te körper­lose und weiße Begriffs­akro­batik in­teres­siert uns al­ler­dings nicht, für uns ist das Ent­schei­dende: wie wir trotz erheb­li­chen Drucks den eigenen Weg fin­den und gehen kön­nen. Auf dieser Ver­anstaltung (Anm.: im Rah­men der Inter­natio­na­len Wochen ge­gen Ras­sis­mus 2019 in Freiburg, hier der Pro­gramm­flyer/pdf) stel­len wir un­sere ers­te Studie dazu vor.“ (aus der An­kün­di­gung)

Tomas Wald vom Roma-Büro in Freiburg spricht zu­erst über die be­reits ge­nann­te „Begriffs­akro­batik“, um die es heu­te Abend (19.3.2019, 19 Uhr im Roma-Büro, En­sis­hei­mer Str. 20) eben nicht ge­hen soll …

(Text: rdl.de/freie-radios.net)

„Ich nenne es banken“ (2017)

März 4th, 2019  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

FH Campus WienAstrid Hanisch (2017): „Ich nenne es banken“. Betteln und Schnor­ren im Kon­text ras­sis­ti­scher und natio­na­lis­ti­scher Kon­struk­tio­nen. Eine kri­ti­sche Diskurs­analyse

Masterarbeit an der Fachhochschule FH Campus Wien (Mas­ter­stu­di­en­gang: Sozial­raum­orien­tierte und Kli­ni­sche So­ziale Ar­beit), 116 S.

→Download der FH Campus Wien (pdf)

Abstract (S. II):

Im vorherrschenden Diskurs um das Straßen­betteln in Österreich hat die räum­li­che Her­kunft und Staats­bür­ger_in­nen­schaft der betteln­den Men­schen eine maß­geb­li­che Be­deu­tung. In der Unter­schei­dung zwi­schen den „eige­nen“ (öster­rei­chi­schen) und den „frem­den Bett­ler_in­nen“ (vor al­lem de­nen, aus dem ost- und süd­ost­europäi­schen EU-Aus­land) wer­den Sub­jekt- und Objekt-Kon­struk­tio­nen voll­zogen. Die „frem­den Ande­ren“ werden ent­indi­vi­duali­siert und als kol­lek­tive, massen­hafte Bedro­hung für den Sozial­staat und die öffent­li­che Sicher­heit be­han­delt. Gleich­zeitig wer­den bettelnde Men­schen im­mer wie­der als „Roma“ iden­ti­fiziert, wobei diese Ethnisierung als Pro­jek­tions­leis­tung der Mehr­heits­gesell­schaft zu ver­stehen ist, die Betrof­fenen selbst wer­den meist nicht be­fragt. Der Unter­suchungs­zeit­raum der vor­liegen­den Masterarbeit beginnt 2012, also unmittelbar vor oder nach dem Verfassungsgerichtsurteil, das das allgemeine Bettelverbot aufgehoben hatte. Es wur­den acht Broschüren aus den Bereic­hen Sozia­le Arbeit, Men­schen­rechts­orga­ni­sa­tio­nen, Polizei und Ge­meinden auf ihre Ver­hand­lung der Thema­tik hin unter­sucht. Dabei wurde so­wohl die Ver­wendung von Text als auch von Bildern berück­sich­tigt. Als Analyse­werk­zeug wur­de die Rahmen­analyse nach Erving Goffman an­ge­wen­det. So sollte es mög­lich werden, die sprach­liche und soziale Be­deutung von räum­licher Herkunft und Staats­bür­ger_in­nen­schaft und die daraus ab­gelei­tete Ethni­sie­rung mit­tels einer Kriti­schen Diskurs­analyse auf­zu­zeigen. Als we­sent­li­ches Er­geb­nis gilt, dass sich die Soziale Arbeit ihrer anti­rassistischen Ver­antwortung im Span­nungs­feld zwi­schen Polizei, den Gemein­den, dem politi­schen Willen und der medialen Bericht­erstat­tung be­wusst sein muss.

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„Betteln als Performance“ (2018)

Februar 26th, 2019  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazJohanna Raphaela Blamberger (2018): „Alle sitzen wie Pilze neben­einan­der und ma­chen: Bitte, Madame, bitte, Herr!“ – Betteln als Per­for­mance und Humor als Strategie: kultur­anthro­po­logi­sche RomNija-Be­geg­nungen auf den Straßen von Graz

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­sität Graz (Institut für Kultur­anthropo­logie und Euro­päi­sche Ethno­logie), 120 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

Die Arbeit beschäftigt sich mit Begegnungen mit jenen RomNija, die als Bett­lerInnen oder Zeitungs­ver­käu­ferIn­nen auf den Stra­ßen von Graz an­zu­tref­fen sind. RomNija er­scheinen durch stereo­type Zu­schrei­bun­gen und Ver­urteilun­gen hin­sicht­lich ihrer Identität im Zu­sam­men­spiel mit Narra­tiven, die in Bezug auf BettlerIn­nen exis­tieren, als eine homo­gene Per­sonen­gruppe mit spe­zi­fischen Eigen­schaften wie Dis­ziplin­losigkeit oder Arbeits­scheue. Die kultur­anthropo­logi­sche Forschungs­arbeit will eben­dieses Bild auf­brechen: Eine dif­feren­zierte, kon­textua­li­sierte Betrach­tung von Rom­Nija als Indivi­duen mit spezi­fischen Lebens­geschichten, Inten­tionen und Ge­danken sowie von der Tätig­keit des Bettelns und die Rolle der Mehr­heits­gesell­schaft werden hier­bei thema­ti­siert. Den theore­tischen Hinter­grund bildet dabei das Kon­zept des Antiziganismus, wel­ches die Ent­stehung und Re­produk­tion rassisti­scher Struk­turen in unserer Gesell­schaft ana­ly­siert. Kultur­wissen­schaftlich wird die Ansicht ver­folgt, dass Kultur als Ord­nungs­prin­zip in unse­rer Gesell­schaft an hoher Be­deu­tung ge­wonnen hat und dabei soziale, öko­nomi­sche und politi­sche Aspek­te, die zur Er­klärung von Lebens­situa­tio­nen dienen, in den Hinter­grund ge­drängt oder aber als kulturell be­dingt dar­gestellt wer­den. Interviews und Be­geg­nun­gen mit RomNija, Reflexio­nen über Begeg­nun­gen, histori­sche Be­trachtun­gen sowie die Ein­beziehung von künst­leri­schen Aus­einander­set­zungen er­öffnen einen Raum für ein differen­ziertes Ver­ständ­nis: Read the rest of this entry »

„Gewalt gegen Minderheiten“

Februar 7th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wissen schafft DemokratieNeues Buch des Instituts für Demokratie und Zivil­ge­sell­schaft be­leuch­tet Hass­kri­mi­na­li­tät aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven

Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – Thürin­ger Doku­men­ta­tions- und Forschungs­stelle gegen Men­schen­feind­lich­keit (Hrsg): Wissen schafft De­mokratie. Gewalt gegen Min­der­heiten (=Schrif­ten­reihe des Insti­tut für Demokratie und Zivil­gesell­schaft, Bd. 4), Amadeu Antonio Stif­tung: Berlin 2018

→Download (pdf) | →zum Inhaltsverzeichnis

Wie kann vorurteilsgeleitete Gewalt erkannt und ver­hindert wer­den? Was berich­ten Betrof­fene? Welche inter­natio­nalen Befunde zu Hass­kriminalität gibt es? Wie können gesell­schaft­lich stig­mati­sierte und dadurch beson­ders gefähr­dete Grup­pen ge­stärkt werden? Dis­kutiert wur­den diese und weite­re Fragen im Sep­tem­ber 2018 in Jena im Rahmen der Fach­kon­ferenz „Gewalt gegen Minder­heiten: Inter­natio­nale Per­spektiven und Strate­gien zum Um­gang mit Hass­krimina­lität“. Um die Inhalte einem brei­teren Pub­likum zur Ver­fügung zu stel­len, sind im vor­liegenden Konferenz­band die Vor­träge und Dis­kussio­nen doku­men­tiert und um weiter­führende Infor­ma­tio­nen er­gänzt.

„Gewalt gegen Minderheiten“ ist der Schwerpunkt dieses neuen Buches, wel­ches das Jenaer Insti­tut für Demo­kratie und Zivil­gesell­schaft (IDZ) im Januar ver­öffent­licht hat. Der Band ver­sam­melt 13 Artikel von deutschen, bri­tischen und kana­di­schen Autorin­nen und Autoren. Ne­ben wis­sen­schaft­li­chen Studien­ergeb­nissen wer­den auch der polizei­liche und zivil­gesell­schaft­liche Umgang mit rechter Gewalt und Hass­krimi­na­lität dis­kutiert.

Unter anderem zeigt die Auswertung einer um­fas­sen­den Befra­gung von Kriminali­täts­opfern durch die Krimi­no­log_in­nen Eva Gross, Arne Dreissigacker und Lars Riesner, dass Opfer von Vorurteils­krimina­li­tät ein deut­lich min­deres Sicherheits­gefühl, höhere Krimi­nalitäts­furcht und gerin­ge­res Vertrauen in die Polizei auf­weisen als Per­so­nen, die eben­falls zum Opfer von Krimina­lität wurden, bei denen aller­dings Vor­urteile keine Rolle spiel­ten.

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Fortbildung „Voices of the Victims“

Januar 30th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Historikerin Karola Fings (Foto: RomArchive)Fortbildungsveranstaltung für Bildungs­arbeit in Berlin: „Voices of the Victims“

1.2.2019, 10:00 – 15:00 Uhr
Landeszentrale für politische Bildung Berlin
Hardenbergstr. 22-24, 10623 Berlin

Unter dem Titel „Voices of the Victims“ hat die Histori­ke­rin Karola Fings mit einem Team inter­natio­na­ler Ex­pert_innen Quellen zu­sam­men­ge­tragen, die den NS-Völ­kermord an Sinti und Roma zum ersten Mal aus­schließ­lich aus der Sicht der Ver­folgten dar­stellen. Es handelt sich um frühe schrift­liche Quellen von Ver­folgten aus der NS-Zeit und den Jah­ren un­mittel­bar nach 1945 aus 20 ver­schie­de­nen Ländern. Im Rah­men des digitalen Archivs der Sinti und Roma, RomArchive, wur­den diese Quellen Ende Ja­nuar online zu­lgäng­lich ge­lmacht. Im Rahmen unse­rer Fort­bildung stel­len wir diese Quellen­samm­lung vor und wol­len darüber ins Gespräch kom­men, wie der Bestand in der schuli­schen und außer­schuli­schen Bildungs­arbeit ein­ge­setzt wer­den kann. Im An­schluss an die Fort­bildung wird eine didakti­sche Hand­reichung zu den Materia­lien ent­stehen.

Die Fortbildung ist kostenfrei und richtet sich an Multipli­ka­tor_innen der Bil­dungs­arbeit. In Ko­opera­tion mit dem RomAr­chive und der Berliner Lan­des­zentrale für poli­tische Bildung.

Anmeldung unter: www.berlin.de

(Text: Zentralrat)


Die Stimmen der Verfolgten

Januar 27th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Interview, Jugend & Bildung, Wissenschaft

Kernbestandteil der neuen Zeitzeugensammlung: Roma-Interviews aus Mri Historija und Amari Historija (hier: Peter Horvath, 2010) (Bild: Roma-Service)Für Bildung und Forschung: Interviewsammlung „weiter_erzählen“ ist online

„_erinnern.at_“ präsentiert zum Holo­caust-Ge­denk­tag am 27. Jän­ner eine neue Web­platt­form mit einer Oral-His­to­ry-Samm­lung  zur NS-Ver­fol­gung in Österreich. Die Video-In­ter­views mit Ver­folg­ten fin­den Sie auf www.wei­terer­zaeh­len.at. 11 der derzeit 64 Videos be­fas­sen sich mit der Ver­folg­ten­gruppe der Roma und Sinti. Der Groß­teil dieser Inter­views sind unseren Roma-Zeit­zeu­gen-Edi­tio­nen „Mri historija“ und „Amari historija“ ent­nom­men. 

74 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz stellt _erinnern.at_ zum Inter­na­tio­na­len Holo­caust-Ge­denk­tag am 27. Jän­ner ein digita­les Erin­ne­rungs­pro­jekt vor, das die auf Video auf­ge­zeich­ne­ten Erin­nerun­gen von im National­sozialis­mus ver­folg­ten Men­schen be­wahrt und für Bil­dung sowie For­schung er­schließt.

64 Video-Interviews

weiter_erzählen präsentiert auf einer Website sonst schwer zu­gäng­li­che, nach kura­to­ri­schen Ge­sichts­punkten aus­ge­wählte Video-In­terviews mit Ver­folg­ten des National­sozialis­mus, die einen Be­zug zu Österreich ha­ben. Die Interviews sind ver­schlag­wor­tet und leicht durch­such­bar. Die Stim­men der Zeit­zeugIn­nen wur­den über Jahr­zehnte zu­meist in den Län­dern des Exils in Video­inter­views fest­ge­hal­ten und in ver­schie­de­nen Sammlungen auf­be­wahrt. weiter_erzählen würdigt die Verfolgten, die es auf sich nah­men, ihre Geschich­ten und die ihrer oft ermor­de­ten Familien in Video-In­ter­views zu er­zählen und die uns damit mit unse­rer histori­schen Ver­ant­wor­tung kon­fron­tie­ren. wei­ter_er­zählen stellt die Stim­men der Ver­folgten, fest­gehalten in video­graphier­ten Zeit­zeugIn­nen­gesprä­chen, in den Vorder­grund; wur­den diese Stim­men in Österreich doch all­zu lan­ge nicht gehört.

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Radio: Das „Fremde“ vor der Haustür

Januar 8th, 2019  |  Published in Interview, Musik, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft

Ursula Hemetek und die Ethnomusikologie von Minderheiten

Radio Stimme auf Orange 94.0
Sendung vom 1.1.2019 (CC BY-NC)

In dieser Sendung beschäftigt sich Radio Stimme mit der Ethno­musiko­lo­gin Ursula Hemetek und ihren For­schungs­themen. Als lang­jähri­ge Ak­ti­vis­tin für die Rechte von Min­der­hei­ten hat Ursula Heme­tek nicht nur die Initia­tive Min­der­heiten mit­be­grün­det, son­dern auch die ethno­musi­ko­lo­gische Erfor­schung der Musik von Min­der­heiten in Österreich. Im Inter­view gibt sie Aus­kunft über den Zu­gang von ethno­musi­ko­lo­gi­scher For­schung als Applied Science und die unter­schied­li­chen Lebens­realitäten ver­schie­de­ner mino­ri­sier­ter Grup­pen, deren Musik sie im Laufe der Jahre er­for­schen durfte. Zu hören gibt es außer­dem einige ganz beson­dere Musik­stücke aus Ursula Heme­teks Feld­forschungen – vor al­lem zur Musik von Roma/Rom­nija und Burgen­land­kro­at_innen.

(cba.fro.at)

Siehe auch:
Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek, 20.6.2018

Deutsche Au­to­ri­ta­ris­mus-Stu­die veröffentlicht

November 7th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Leizpiger Autoritarismus-Studie 2018: Antiromaismus ("Roma neigen zur Kriminalität")

Die heute präsentierte Au­to­ri­ta­ris­mus-Stu­die der Uni­ver­sität Leipzig ergab, ins­be­son­de­re im Os­ten, ei­ne be­sorg­nis­er­re­gen­de Zu­spit­zung ras­sis­ti­scher und au­to­ri­tä­rer Ein­stel­lun­gen in Deutsch­land. Für die jüngs­te Er­hebung der re­prä­sen­ta­ti­ven Lang­zeit­stu­die wur­den ab Früh­som­mer 2018 ca. 2.500 Per­so­nen zu ih­ren Ein­stel­lun­gen be­fragt. „Rund 40 Pro­zent der Deut­schen zeig­ten Merk­ma­le ei­nes au­to­ri­tä­ren Ty­pus, nur 30 Pro­zent sei­en da­ge­gen aus­drück­lich de­mo­kra­tisch ori­en­tiert. Au­to­ri­tä­re Aggres­sio­nen se­ien bei 65 Pro­zent der Deutschen tief­grei­fend aus­ge­prägt“, fasst der Tages­spiegel die Er­geb­nis­se zu­sam­men. „Im­mer­hin etwa 40 Pro­zent der Be­frag­ten zei­gen (…) die Be­reit­schaft, ein autori­täres Sys­tem zu un­ter­stüt­zen“, schreibt die Zeit. Bei sechs Pro­zent der Deutschen kon­sta­tie­ren die Stu­dien­auto­ren über­haupt ein ge­schlos­se­nes rechts­extremes Welt­bild.

Mit autoritären Ein­stel­lun­gen ein­her­geht auch die Ab­wer­tung von Min­der­hei­ten: von Musli­men, Flücht­lin­gen, Juden – und nicht zu­letzt Roma und Sinti: 56 Prozent (im Osten: 60,3%) geben dem­nach an, sie hät­ten „Probleme da­mit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend auf­halten“. Das ist gering­fügig weni­ger als beim letzten Ver­gleichs­wert von 2016. Etwas zu­ge­nom­men hat hin­ge­gen der Anteil (60 Prozent) jener, die der Aus­sage, „Sinti und Roma nei­gen zu Kriminalität“ zu­stim­men. 49,2 Prozent (Ost: 56,5%, West: 47,3%) sind der An­sicht, „Sinti und Roma sol­len aus Innen­städten ver­bannt werden“.

(dROMa)

„Kinder im Konzentrationslager“

November 3rd, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Authentische Puppe im KZ Ravensbrück, wie sie österreichische Frauen für ihre teils mitinhaftierten Kinder angefertigt hatten. (Foto: Jocian/Wikimedia, CC-BY-SA-2.0)Colloquium in der Gedenkstätte Ravensbrück

Pressemitteilung, 2.11.2018: Kinder als Häftlinge in Konzentrationslagern sind das The­ma eines wissen­schaft­li­chen Col­loqui­ums, zu dem die Mahn- und Gedenk­stätte Ravensbrück am Sams­tag, 10. No­v. 2018, von 11:00 bis 17:00 Uhr interes­sierte Be­sucherin­nen und Be­sucher ein­lädt. Die Ver­anstal­tung fin­det be­glei­tend zur Aus­stel­lung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ statt, die der­zeit in der Gedenk­stätte Ravens­brück zu sehen ist.

Im KZ Ravensbrück waren mindestens 900 Mädchen und Jun­gen im Alter von zwei bis 16 Jah­ren aus 18 Natio­nen in­haf­tiert. Sie wur­den mit ihren Familien ein­ge­wie­sen oder ohne An­gehö­rige aus ande­ren Lagern über­stellt. Mehr als 600 Kinder ka­men zwi­schen 1943 und 1945 im KZ Ravens­brück zur Welt. Die meis­ten Neu­gebore­nen star­ben nach kurzer Zeit.

Jungen wurden meist ab dem zwölften Lebensjahr im Männer­lager unter­gebracht; ab Herbst 1944 lebten sie dort in einem eige­nen Block. Im Frauen­lager blie­ben die Kinder mit den Er­wach­senen zu­sam­men. Etwa ab dem zwölf­ten Lebens­jahr wurden sie zur Arbeit ein­gesetzt, Jünge­re blie­ben tags­über in den Baracken. Mit­häft­linge organi­sier­ten heim­lich Spiel­zeug und Unter­richt, „Lager­mütter“ wur­den zu Bezugs­per­sonen für Kinder ohne An­ge­hörige. In ihren Spielen wie „Appell“, „Selektion“ und „SS“ bil­de­ten die Kinder die Lager­realität ab.

Anfang 1945 wurden mehr als 4.300 Frauen und Kinder aus dem KZ Ravens­brück in das KZ Ber­gen-Bel­sen de­port­iert. Dort befan­den sich unter den rund 120.000 in­haftier­ten Men­schen aus fast allen euro­päi­schen Ländern auch etwa 3.500 Kinder unter 15 Jah­ren. Die meis­ten von ihnen wur­den als Juden ver­folgt, andere ge­hörten zur Gruppe der Sinti und Roma oder waren mit ihren Müttern aus politi­schen Grün­den in­haf­tiert worden. Read the rest of this entry »

Festschrift „Spuren des Widerständigen“

Oktober 2nd, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, Wissenschaft

Festschroft für Erika ThurnerAlexandra Weiss/Karin Liebhart (Hg.): Spuren des Widerständigen. Forschung für Emanzipation und Demokratie. Eine Festschrift für Erika Thurner, Innsbruck University Press: Innsbruck 2018.

Buchpräsentation in Innsbruck: 10. Oktober 2018, 19.00 Uhr, Buchhandlung Liber Wiederin

Den Spuren des Widerständigen geht Erika Thurner in ihrer Forschung – sei es zur Arbei­ter­bewe­gung, zu Frauen­ge­schichte und -po­litik oder zur Ver­fol­gung und Ver­nich­tungs­po­li­tik des Natio­nal­sozia­lis­mus gegen­über Roma und Sinti – nach und sie ver­kör­pert diese Wider­stän­dig­keit als poli­tisch posi­tio­nierte und en­ga­gier­te Wis­sen­schaf­te­rin. Die For­schungs­fragen, die wir stel­len, sa­gen viel über uns aus – nicht nur als Wissen­schaf­terIn­nen, son­dern auch über unsere Her­kunft und un­sere politi­schen An­liegen. Sie er­zählen et­was darüber, ob wir Wis­sen­schaft als Instru­ment der Gesell­schafts­ver­änderung sehen oder als selbstre­feren­tielles System, zu dem sie unter den Be­din­gungen neo­liberaler Hoch­schul­politik im­mer mehr wird. Erika Thurner kam zu einer Zeit in dieses System des Wis­sen­schafts­betrie­bes, in der es sich ge­rade öff­nete oder öffnen muss­te für kriti­sches Den­ken – und sie nutz­te diese Mög­lich­keit im besten Sinn einer Wis­sen­schaft für Eman­zi­pa­tion und De­mokra­tie.

Der Band versammelt Beiträge von Angelica Bäumer, Erich Hackl, Elisabeth Hussl und Beate Eder-Jordan, Heinrich Neisser, Helga Embacher, Karin Liebhart, Anton Pelinka, Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr, Reinhold Gärtner und Alexandra Weiss.

(Innsbruck University Press)

Eva Davidová (1932-2018)

September 27th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Wissenschaft

Eva Davidová (1933-2018) (Foto: Peter Axmann via Romea.cz)Tschechische Roma-Ethnogra­fin Eva Davidová ve­rstor­ben

Im Alter von 85 Jahren ist die Ethno­gra­fin und Sozio­lo­gin Eva Davidová ge­stor­ben, die sich auf das Stu­di­um des Le­bens und der Kultur der Roma in Tschechien und in der Slowakei kon­zentrier­te. Über den Tod der Ex­pertin in­for­mier­te der Nach­rich­ten­ser­ver romea.cz am Mitt­woch. Davi­dová stu­dier­te Ethnografie und Kunst­ge­schich­te an der Karls­univer­si­tät in Prag. Mit­te des 20. Jahr­hun­derts do­ku­men­tierte sie das Le­ben der Oláh-Roma in der Slowakei. 1976 zog Davidová nach Český Krumlov/ Krumau um, wo sie im Museum und beim Denk­mal­schutz­amt ar­bei­tete. Sie hielt zudem Vor­träge an der Süd­böh­mi­schen Univer­si­tät in České Budějovice/ Budweis. Das Haupt­werk von Eva Davidová ist das Buch „Romano drom – Wege der Roma“, in dem sie sich mit den Än­de­run­gen in der Stel­lung der Roma-Min­der­heit be­schäftigt.

(Text: Radio.cz)

Siehe auch:
Eva Davidovás Roma-Fotografien (veröffentlicht 2004)

Tagung: Antiziganismus in den Medien

September 26th, 2018  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Amaro Foro DeutschlandFachtagung in Berlin am 24.10.2018

09:00 bis 17:00 Uhr im Tagungshaus am Haupt­bahn­hof (Stadt­mis­sion), Lehr­ter Stra­ße 68, 10557 Berlin | An­mel­dung: hier

Amaro Foro führt seit 2014 ein systematisches Medien­moni­to­ring durch, bei dem die Bericht­erstat­tung zum The­ma „Roma“ in den Berli­ner Zeitun­gen be­rück­sich­tigt wird. Im Rah­men des Projektes „Do­ku­men­ta­tion antiziganistisch mo­tivier­ter Vor­fälle“ wird das Monitoring jähr­lich auf einer Pres­se­kon­fe­renz ver­öf­fent­licht (wir be­rich­te­ten: hier, hier und hier).

Die alljährliche Fachtagung von Amaro Foro widmet sich in diesem Jahr anti­ziganis­ti­scher und stereo­typer Bericht­erstattung in den Medien. Ge­mein­sam mit Jour­na­list*in­nen, ande­ren Medien­schaf­fen­den, Ju­rist*innen und Wis­sen­schaft­ler*in­nen wird dis­ku­tiert, wel­che dis­kri­mi­nie­ren­den Muster in den deutschen Medien bis heute do­mi­nant sind, wel­che Ent­wick­lun­gen es ge­ge­ben hat und wie vor diesem Hinter­grund erfolg­ver­spre­chen­de Stra­tegien von Roma-Selbst­orga­ni­sa­tio­nen aus­se­hen kön­nen. Das Pro­gramm wird lau­fend aktua­li­siert, die An­mel­dung ist bereits mög­lich.

Vorläufiges Programm:

Einführungsvortrag von Dr. Markus End

Workshop 1: „Die Macht der Bilder. Visuelle Repräsentationen von Rom*nja“. Mit Dr. Frank Reuter, Wis­sen­schaft­li­cher Ge­schäfts­füh­rer der For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus an der Uni­ver­si­tät Heidelberg und Markus End, Vor­sitzen­der der Gesell­schaft für Anti­ziganis­mus­for­schung.

Workshop 2: „Auf Augenhöhe? Antiziganistische Medien­diskurse und Ge­gen­strategien, mit Ver­tre­ter*in­nen von Selbst­organi­sa­tio­nen“. Mit Andrea Wierich, Pres­se­refe­ren­tin Ama­ro Foro e.V.

Podiumsdiskussion:
Ferda Ataman, Sprecherin der Neuen Deutschen Medienmacher und Spiegel-On­line-Ko­lum­nis­tin
Thomas Moritz, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Medienrecht
Vertreter*in des Presserats (angefragt)
Andrea Wierich, Pressereferentin Amaro Foro
Moderation: Neue Deutsche Medienmacher

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Tagung „Gewalt gegen Minderheiten“ in Jena

August 18th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

IDZKonferenz des IDZ „Gewalt gegen Minderheiten: Inter­na­tio­na­le Per­spek­ti­ven und Stra­te­gien zum Um­gang mit Hass­kri­mi­na­li­tät“

Fachtagung am 20. & 21. Sept. 2018 in Jena
Begrenzte Plätze! Anmeldung bis 23.8.2018.

Eine wichtige Tagung zu einem wichtigen Thema. Selt­sam nur, dass die euro­päi­sche Min­der­heit, die der­zeit wie keine ande­re mör­de­ri­scher Gewalt und Pogromen aus­ge­setzt ist (in den letz­ten Wo­chen etwa hier, hier, hier, hier und hier), we­der in der An­kündi­gung noch im Pro­gramm kon­kret ge­nannt wird: Roma näm­lich. Darauf an­ge­spro­chen, schrei­ben die Ver­anstal­ter: „Der Schwer­punkt der Tagung liegt auf Deutschland. Es ist vor­ge­sehen, mit Onur Özata, der als Rechts­anwalt u.a. Sinti ver­tritt, die zum Opfer von Gewalt wur­den (bspw. beim OEZ-An­schlag in München [wir be­rich­te­ten]), auch auf Antiziganismus ein­zu­gehen.“

Im Folgenden der An­kün­di­gungs­text des IDZ:

Neun Menschen aus Einwandererfamilien und eine Polizistin tö­tete der in Jena ent­stan­dene „Natio­nal­sozialis­tische Unter­grund“ (NSU) – ohne dass Behörden und Ge­sell­schaft die Motive des Terrors er­kann­ten. Von 193 Todes­opfern rechter Gewalt, die die Amadeu Antonio Stiftung zählt, sind nur 83 staat­lich an­er­kannt. In Deutsch­land gab es im Jahr 2017 nach Er­hebun­gen der Amadeu Antonio Stiftung und von Pro Asyl 1.713 Über­griffe gegen Ge­flüchtete oder ihre Un­ter­künfte. Im glei­chen Jahr er­fasste die Polizei ins­ge­samt 1.453 antisemitische De­likte. In bei­den Fällen sind das durch­schnitt­lich täg­lich mehr als vier Straf­taten dieser Art. Zah­len der Bundes­ar­beits­ge­mein­schaft Woh­nungs­losen­hilfe (BAGW) zei­gen: 2017 wur­den min­des­tens 17 woh­nungs­lose Men­schen ge­tötet. Deut­sche Behör­den re­gistrier­ten 2017 300 Straf­taten gegen­über LSBTTIQ* auf­grund ihrer sexuel­len Orien­tie­rung. Read the rest of this entry »

Radio: „Vergiss die Photos nicht …“

August 15th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Unku (Erna Lauenburger) wurde in Auschwitz ermordet. Ein biografischer Kinderroman aus dem Jahr 1931, der in der DDR neu aufgelegt wurde, machte sie berühmt. Hanns Weltzel hat sie als Jugendliche porträtiert. (Bild: University of Liverpool Library)Interview zur Ausstellung in Leipzig
Felsenkeller, 16.8. bis 23.8.2018

Sendung von RadioBlau, 13.8.2018
→Anhören mp3 (34:04 min, 78MB)

Am Donnerstag wird die Ausstellung „‚…vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig…‘ – Die Ver­fol­gung mit­tel­deutscher Sinti und Roma im Natio­nal­sozia­lismus“ im Fel­sen­keller in Leip­zig-Plagwitz er­öff­net. RadioBlau hat mit Jana Müller vom AJZ Dessau ge­spro­chen, die sich mit der Ge­schich­te der Sin­ti und Roma in Dessau-Rosslau und der Re­gion be­schäf­tigt hat. Im Ge­spräch geht es auch um die Ver­knüp­fung zwi­schen der lo­ka­len Des­sau­er Geschichte und dem in der DDR ja sehr po­pulä­ren Roman „Ede und Unku“ von Grete Weiskopf alias Alex Wedding. Die in der Aus­stel­lung zu sehen­den Photo­gra­phien von Hanns Weltzel sind zwi­schen 1932 und 1939 zu­stande ge­kom­men. Read the rest of this entry »

Zigeu­ner­fi­gu­ren in Kinderbüchern

Juli 4th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Zigeunerfiguren in der Kinder- und Jugendliteratur: "5 Freunde und ein Zigeunermädchen"Bibliografie zu Zigeunerfiguren, Sinti und Roma in der deutschsprachigen Kinder- und Ju­gend­literatur

➜Bibliografie (pdf)

Die Projektgruppe „Zigeunerbilder“ der AG Jugend­literatur und Medien (AJuM der GEW) hat eine eine Biblio­gra­phie zu Zigeu­ner­fi­gu­ren, Sinti und Roma in der deutsch­spra­chi­gen Kinder- und Ju­gend­literatur er­arbei­tet. Sie sam­melt kinder- und jugend­litera­ri­sche Primär­lite­ra­tur, in der Figuren vor­kom­men, die Zigeuner, Roma oder Sinti sind. Die um­fang­rei­che Biblio­grafie bie­tet For­schen­den nun eine wich­ti­ge Re­cher­che­an­lauf­stelle (zur Bibliografie gelangen Sie hier). In ihrem Artikel beschreibt Ute Wolters als Mit­glied der Projekt­gruppe, in­wie­fern die The­ma­tik ein Desi­de­rat in der Kinder- und Jugend­literatur­for­schung dar­stellt:

Es gibt aus den letzten Jahren mehrere grund­le­gen­de Unter­suchun­gen zum literari­schen bzw. medialen Bild des Zi­geu­ners (Solms 2008, Patrut 2007 und 2008, Bogdal 2011, Brittnacher 2012, Reuter 2014), wobei die Kinder- und Ju­gend­literatur eher stief­mütter­lich bis gar nicht be­han­delt wird. Lange Zeit wurde über­sehen, dass Zigeu­ner als Haupt- oder Neben­figuren in sehr vie­len Texten der Kinder- und Ju­gend­literatur vor­kom­men (Dahrendorf 1980, Kahlkul 1999, Weinkauff 2006, Carstiuc 2011). (Wolters 2015)

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Themenheft zu „Antiziganismus“

Juni 29th, 2018  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Themenheft AntiziganismusNeues Themenheft zu „Antiziganismus“ – Zeitschrift „Bürger & Staat“ liegt bei Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg vor

Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Bürger & Staat“ (PDF), die bei der Landes­zentrale für poli­ti­sche Bildung Ba­den-Württem­berg (LpB) jetzt vor­liegt, be­han­delt das Thema An­ti­ziganis­mus aus viel­fälti­ger Per­spek­tive. Was darun­ter genau zu ver­ste­hen ist, er­läu­tert eine erste Ab­hand­lung zu Begriff, Er­schei­nungs­formen und Funk­tio­nen dieser Form des Rassismus. Er­in­nert wird an die Ver­fol­gung von Sinti und Roma in der NS-Zeit am Bei­spiel Mannheims. Zwei Bei­träge ge­hen dann auf die Bürger­rechts­bewe­gung der Sinti und Roma nach 1945 ein: so­wohl in Ba­den-Württem­berg als auch in Deutschland. Die Bil­dungs­situa­tion dieser Be­völ­kerungs­grup­pe kommt zur Sprache; ein histori­scher Über­blick zum „Anti­ziganis­mus in der Foto­grafie“ lässt sich als Ver­such be­greifen, die Tiefen­schich­ten des Se­hens auf „Zigeuner“ frei­zu­le­gen, die seit Jahr­hun­der­ten von Stereo­typen über­la­gert sind und sich ein­ge­prägt haben. Schließ­lich wird bei­spiel­haft berich­tet: ein kri­ti­scher Blick rich­tet sich dabei auf arbeits­markt­poli­ti­sche Roma-Pro­jekte aus EU-För­der­program­men. Dem­gegen­über steht ein „Mut ma­chen­des Bei­spiel aus Dörfern im Osten der Slowakei, wo Roma-Grup­pen in der Mehr­heit sind“. Ein Autor fragt: „’Siche­re Her­kunfts­länder’ – auch für Roma?“. Wei­tere Ab­handlun­gen setzen sich mit anti­ziga­nis­ti­schen Er­mitt­lungs­an­sätzen bei Polizei- und Si­cher­heits­behör­den in Baden-Württemberg und der po­li­ti­schen Bil­dungs­arbeit zum The­men­bereich aus­einan­der, so über den Um­gang mit dem „Bild des Fremden“. Read the rest of this entry »

Ausstellung in Berlin-Lichtenberg

Juni 21st, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

ausgegrenztausgegrenzt – verfolgt – ermordet
Sinti und Roma in Lichtenberg 1933-1945

Eröffnung am 22. Juni 2018, 19 Uhr

Dem Völkermord der Nationalsozialisten fielen viele der in Lich­ten­berg le­ben­de Sinti und Roma zum Opfer. Das Zwangs­lager in Marzahn – da­mals Orts­teil von Lichten­berg – war der In­ter­nie­rungs­ort hun­der­ter in Berlin ver­haf­te­ter Men­schen. Un­zäh­lige von ihnen wur­den in Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lager de­por­tiert. Einige wenige über­lebten. Stell­ver­tre­tend für viele Un­genann­te wer­den eini­ge Schick­sale vor­ge­stellt, die mit den his­tori­schen Vor­gängen im ehe­mali­gen Be­zirk Lichtenberg ver­bun­den sind.

Zur Eröffnung sprechen:
Begrüßung: Michael Grunst, Bezirksbürgermeister
Grußwort: Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.
Einführung: Barbara Danckwortt, Kuratorin
Musik: Martin Weiss, Janko Lauenberger

Diese Ausstellung stellt die Ergebnisse einer mehr­jähri­gen Re­cher­che nach Zeug­nis­sen des Um­gangs mit der Minder­heit der Sinti und Roma in Lichten­berg vor, die seit Jahr­hun­der­ten in Deutschland le­ben. Hier­zu hat­ten die Ver­ordne­ten des Be­zirkes dem Museum 2014 den Auf­trag er­teilt.

Neue Erkenntnisse zu Schick­salen internier­ter und polizei­li­chen Maß­nahmen aus­gesetz­ter Men­schen in Ver­folgungs­einrich­tungen auf dem ehe­mali­gen Lichten­berger Bezirks­gebiet, wie dem Arbeits­haus Rummelsburg und dem Zwangs­lager Marzahn, konn­ten in his­tori­schen Quel­len er­schlos­sen wer­den. Mit diesen Orten ver­bunden sind die vor­ge­stell­ten Bio­gra­fien von Sinti und Roma, die Opfer ras­sis­tisch be­grün­de­ter Ver­fol­gung wurden. Sie waren von Zwangs­arbeit, Ein­griffen in die per­sönli­che und körper­liche Un­ver­sehrt­heit durch rassen­biolo­gische Unter­suchun­gen und Sterili­sation sowie von der Depor­ta­tion in Kon­zentra­tions- und Ver­nichtungs­lager der National­sozia­listen be­trof­fen. In den er­schlos­senen Dokumen­ten fin­den sich auch Hin­weise auf das aktive Handeln von Ver­antwort­li­chen der Lichten­ber­ger Verwaltung. Sie waren Er­fül­lungs­gehil­fen von zentra­len Institu­tio­nen, wie der Ber­liner Polizei und der „Ras­sen­hy­gie­ni­schen For­schungs­stelle“, von de­nen die syste­ma­tische Aus­gren­zung und Ver­fol­gung aus­ging.

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