Wissenschaft
April 19th, 2019 |
Published in
Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Strahinja Dobrivojević (2017): Das Bild der Zigeunerin in ausgewählten Werken von Adalbert Stifter, Karl Emil Franzos und Hermann Hesse
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Germanistik), 66 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
Die Einstellung verschiedener Bevölkerungen der Welt gegenüber dem Fremden ist seit langem ein wichtiger Forschungspunkt, sowohl in der Politik und Geschichte als auch in der Sprache und der Literaturwissenschaft. Die Bilder des Fremden reihen sich aneinander und sind ein unerlässlicher Bestandteil der Anerkennung jeder Minderheitsgruppe geworden. In einigen Fällen sind diese Bilder eine positive Annahme des Fremden, aber im größten Teil umfassen sie an breites Spektrum an Urteilen, Vorüberzeugungen und Verachtung.
Diese Arbeit, Das Bild der Zigeunerin in ausgewählten Werken von Stifter, Franzos und Hesse, hat das Anliegen, die eher negativen Bilder des Fremden aufgrund konkreter literarischer Beispiele aus den vorhandenen Werken darzustellen. Darunter befinden sich zwei Werke von Adalbert Stifter (Katzensilber und Der Waldbrunnen), ein Werk von Karl Emil Franzos (Die Hexe) und ein Werk von Hermann Hesse (Narziß und Goldmund). Alle Werke außer Die Hexe stellen ein Bild des Fremden dar, das obwohl es negativ am Anfang perzipiert werden könnte, am Ende eher affirmativ ist. Die Hexe hingegen ist eine Erzählung, an deren Beispiel sich das negative Bild des Fremden am besten verstehen lässt. Die Arbeit ist so eingegliedert, dass jeder Teil eine ausführliche Darstellung der wichtigsten Motive und Topoi umfasst. Read the rest of this entry »
April 17th, 2019 |
Published in
Interview, Musik, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft
Aus dem Radioarchiv (Sendung vom 12. Mai 2010)
ECO Promi Time – Ursula Hemetek: Musik von Minderheiten
Radio FREEQUENNS, Liezen
101.72 MB, 74:04 min
Ursula Hemetek ist Institutsleiterin des Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, wo sie die Musik von Minderheiten in Österreich, insbesondere der Roma, der Burgenländischen Kroaten und der Bosnier in Wien erforscht, die vielleicht die Grundlage von Austropop sein könnten … Marlene Kindler befragt sie auf ECO Promi Time.
(Text: cba.fro.at)
Siehe auch:
Radio: Das „Fremde“ vor der Haustür, 8.1.2018
Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek, 20.6.2018
Forschung zur Musik von Minderheiten, 25.1.2016
März 20th, 2019 |
Published in
Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Anna-Kathrin Bartl (2018): Die politischen Dimensionen von Antiziganismus: eine kulturanalytische Perspektive auf Figurierungsprozesse und Ausschließungsmechanismen
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie), 117 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Zusammenfassung (Link):
Menschliches Zusammenleben trägt politische Dimensionen in sich. Unterteilungen in „Wir und Sie“, „Minderheit und Mehrheitsbevölkerung“, „Eigenes und Fremdes“ enthalten Hegemonie und Macht. Um das Eigene abzugrenzen, wird ein konstruiertes „Anderes“ benötigt. Antiziganismus ist ein soziales Phänomen, durch das Menschen als Zigeuner stigmatisiert werden; der Begriff Zigeuner ist eine diskriminierende Fremdzuschreibung, die historisch gesehen als Rassennomenklatur und polizeilicher Ordnungsbegriff zur Verfolgung genutzt wurde. Menschen werden durch die Zuschreibung als Zigeuner zum „Anderen“ und „Fremden“ gemacht.
Die Annahme dieser Arbeit ist, dass mit der Zigeuner-Konstruktion eine Figur der Ausgrenzung geschaffen wurde. Figuren dienen den Menschen als Orientierungshilfe im politischen und gesellschaftlichen Wandel. Einer kulturanalytischen Perspektive entsprechend bietet das Figurativ als hermeneutischer Forschungsbegriff die Möglichkeit, Bedeutungen von Figuren für eine Gesellschaft zu beobachten und sie in ihrer Wechselwirkung zu betrachten. Figuren sind dabei als diskursive Produkte zu verstehen, die keiner realen Person entsprechen. Die enthaltene Sinnstruktur der Figur des Zigeuners legitimiert Ausgrenzung und Verfolgung jenen Menschen gegenüber, auf die jene Figurierung übertragen wird. Während die Zigeuner-Figur Bestandteil eines kollektiven Gedächtnisses ist, ist es die dem Zigeuner-Begriff inhärente Diskriminierung kaum oder gar nicht. Read the rest of this entry »
März 19th, 2019 |
Published in
Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Radio Dreyeckland, 19.3.2019 (6:26 min)
→Anhören (mp3)
Präsentation der Studie „Diskriminierung von Sinti und Roma in und um Freiburg 2018“
„Ein Jahr lang haben wir – eine Gruppe von Sinti und Roma – Vorfälle und Erfahrungen von Diskriminierung und Rassismus gesammelt, besprochen und versucht zu verarbeiten. Abstrakte körperlose und weiße Begriffsakrobatik interessiert uns allerdings nicht, für uns ist das Entscheidende: wie wir trotz erheblichen Drucks den eigenen Weg finden und gehen können. Auf dieser Veranstaltung (Anm.: im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2019 in Freiburg, hier der Programmflyer/pdf) stellen wir unsere erste Studie dazu vor.“ (aus der Ankündigung)
Tomas Wald vom Roma-Büro in Freiburg spricht zuerst über die bereits genannte „Begriffsakrobatik“, um die es heute Abend (19.3.2019, 19 Uhr im Roma-Büro, Ensisheimer Str. 20) eben nicht gehen soll …
(Text: rdl.de/freie-radios.net)
März 4th, 2019 |
Published in
Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Astrid Hanisch (2017): „Ich nenne es banken“. Betteln und Schnorren im Kontext rassistischer und nationalistischer Konstruktionen. Eine kritische Diskursanalyse
Masterarbeit an der Fachhochschule FH Campus Wien (Masterstudiengang: Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit), 116 S.
→Download der FH Campus Wien (pdf)
Abstract (S. II):
Im vorherrschenden Diskurs um das Straßenbetteln in Österreich hat die räumliche Herkunft und Staatsbürger_innenschaft der bettelnden Menschen eine maßgebliche Bedeutung. In der Unterscheidung zwischen den „eigenen“ (österreichischen) und den „fremden Bettler_innen“ (vor allem denen, aus dem ost- und südosteuropäischen EU-Ausland) werden Subjekt- und Objekt-Konstruktionen vollzogen. Die „fremden Anderen“ werden entindividualisiert und als kollektive, massenhafte Bedrohung für den Sozialstaat und die öffentliche Sicherheit behandelt. Gleichzeitig werden bettelnde Menschen immer wieder als „Roma“ identifiziert, wobei diese Ethnisierung als Projektionsleistung der Mehrheitsgesellschaft zu verstehen ist, die Betroffenen selbst werden meist nicht befragt. Der Untersuchungszeitraum der vorliegenden Masterarbeit beginnt 2012, also unmittelbar vor oder nach dem Verfassungsgerichtsurteil, das das allgemeine Bettelverbot aufgehoben hatte. Es wurden acht Broschüren aus den Bereichen Soziale Arbeit, Menschenrechtsorganisationen, Polizei und Gemeinden auf ihre Verhandlung der Thematik hin untersucht. Dabei wurde sowohl die Verwendung von Text als auch von Bildern berücksichtigt. Als Analysewerkzeug wurde die Rahmenanalyse nach Erving Goffman angewendet. So sollte es möglich werden, die sprachliche und soziale Bedeutung von räumlicher Herkunft und Staatsbürger_innenschaft und die daraus abgeleitete Ethnisierung mittels einer Kritischen Diskursanalyse aufzuzeigen. Als wesentliches Ergebnis gilt, dass sich die Soziale Arbeit ihrer antirassistischen Verantwortung im Spannungsfeld zwischen Polizei, den Gemeinden, dem politischen Willen und der medialen Berichterstattung bewusst sein muss.
Read the rest of this entry »
Februar 26th, 2019 |
Published in
Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Johanna Raphaela Blamberger (2018): „Alle sitzen wie Pilze nebeneinander und machen: Bitte, Madame, bitte, Herr!“ – Betteln als Performance und Humor als Strategie: kulturanthropologische RomNija-Begegnungen auf den Straßen von Graz
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie), 120 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
Die Arbeit beschäftigt sich mit Begegnungen mit jenen RomNija, die als BettlerInnen oder ZeitungsverkäuferInnen auf den Straßen von Graz anzutreffen sind. RomNija erscheinen durch stereotype Zuschreibungen und Verurteilungen hinsichtlich ihrer Identität im Zusammenspiel mit Narrativen, die in Bezug auf BettlerInnen existieren, als eine homogene Personengruppe mit spezifischen Eigenschaften wie Disziplinlosigkeit oder Arbeitsscheue. Die kulturanthropologische Forschungsarbeit will ebendieses Bild aufbrechen: Eine differenzierte, kontextualisierte Betrachtung von RomNija als Individuen mit spezifischen Lebensgeschichten, Intentionen und Gedanken sowie von der Tätigkeit des Bettelns und die Rolle der Mehrheitsgesellschaft werden hierbei thematisiert. Den theoretischen Hintergrund bildet dabei das Konzept des Antiziganismus, welches die Entstehung und Reproduktion rassistischer Strukturen in unserer Gesellschaft analysiert. Kulturwissenschaftlich wird die Ansicht verfolgt, dass Kultur als Ordnungsprinzip in unserer Gesellschaft an hoher Bedeutung gewonnen hat und dabei soziale, ökonomische und politische Aspekte, die zur Erklärung von Lebenssituationen dienen, in den Hintergrund gedrängt oder aber als kulturell bedingt dargestellt werden. Interviews und Begegnungen mit RomNija, Reflexionen über Begegnungen, historische Betrachtungen sowie die Einbeziehung von künstlerischen Auseinandersetzungen eröffnen einen Raum für ein differenziertes Verständnis: Read the rest of this entry »
Februar 7th, 2019 |
Published in
Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Neues Buch des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft beleuchtet Hasskriminalität aus unterschiedlichen Perspektiven
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit (Hrsg): Wissen schafft Demokratie. Gewalt gegen Minderheiten (=Schriftenreihe des Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft, Bd. 4), Amadeu Antonio Stiftung: Berlin 2018
→Download (pdf) | →zum Inhaltsverzeichnis
Wie kann vorurteilsgeleitete Gewalt erkannt und verhindert werden? Was berichten Betroffene? Welche internationalen Befunde zu Hasskriminalität gibt es? Wie können gesellschaftlich stigmatisierte und dadurch besonders gefährdete Gruppen gestärkt werden? Diskutiert wurden diese und weitere Fragen im September 2018 in Jena im Rahmen der Fachkonferenz „Gewalt gegen Minderheiten: Internationale Perspektiven und Strategien zum Umgang mit Hasskriminalität“. Um die Inhalte einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen, sind im vorliegenden Konferenzband die Vorträge und Diskussionen dokumentiert und um weiterführende Informationen ergänzt.
„Gewalt gegen Minderheiten“ ist der Schwerpunkt dieses neuen Buches, welches das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) im Januar veröffentlicht hat. Der Band versammelt 13 Artikel von deutschen, britischen und kanadischen Autorinnen und Autoren. Neben wissenschaftlichen Studienergebnissen werden auch der polizeiliche und zivilgesellschaftliche Umgang mit rechter Gewalt und Hasskriminalität diskutiert.
Unter anderem zeigt die Auswertung einer umfassenden Befragung von Kriminalitätsopfern durch die Kriminolog_innen Eva Gross, Arne Dreissigacker und Lars Riesner, dass Opfer von Vorurteilskriminalität ein deutlich minderes Sicherheitsgefühl, höhere Kriminalitätsfurcht und geringeres Vertrauen in die Polizei aufweisen als Personen, die ebenfalls zum Opfer von Kriminalität wurden, bei denen allerdings Vorurteile keine Rolle spielten.
Read the rest of this entry »
Januar 30th, 2019 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Fortbildungsveranstaltung für Bildungsarbeit in Berlin: „Voices of the Victims“
1.2.2019, 10:00 – 15:00 Uhr
Landeszentrale für politische Bildung Berlin
Hardenbergstr. 22-24, 10623 Berlin
Unter dem Titel „Voices of the Victims“ hat die Historikerin Karola Fings mit einem Team internationaler Expert_innen Quellen zusammengetragen, die den NS-Völkermord an Sinti und Roma zum ersten Mal ausschließlich aus der Sicht der Verfolgten darstellen. Es handelt sich um frühe schriftliche Quellen von Verfolgten aus der NS-Zeit und den Jahren unmittelbar nach 1945 aus 20 verschiedenen Ländern. Im Rahmen des digitalen Archivs der Sinti und Roma, RomArchive, wurden diese Quellen Ende Januar online zulgänglich gelmacht. Im Rahmen unserer Fortbildung stellen wir diese Quellensammlung vor und wollen darüber ins Gespräch kommen, wie der Bestand in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt werden kann. Im Anschluss an die Fortbildung wird eine didaktische Handreichung zu den Materialien entstehen.
Die Fortbildung ist kostenfrei und richtet sich an Multiplikator_innen der Bildungsarbeit. In Kooperation mit dem RomArchive und der Berliner Landeszentrale für politische Bildung.
Anmeldung unter: www.berlin.de
(Text: Zentralrat)
Januar 27th, 2019 |
Published in
Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Interview, Jugend & Bildung, Wissenschaft
Für Bildung und Forschung: Interviewsammlung „weiter_erzählen“ ist online
„_erinnern.at_“ präsentiert zum Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner eine neue Webplattform mit einer Oral-History-Sammlung zur NS-Verfolgung in Österreich. Die Video-Interviews mit Verfolgten finden Sie auf www.weitererzaehlen.at. 11 der derzeit 64 Videos befassen sich mit der Verfolgtengruppe der Roma und Sinti. Der Großteil dieser Interviews sind unseren Roma-Zeitzeugen-Editionen „Mri historija“ und „Amari historija“ entnommen.
74 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz stellt _erinnern.at_ zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner ein digitales Erinnerungsprojekt vor, das die auf Video aufgezeichneten Erinnerungen von im Nationalsozialismus verfolgten Menschen bewahrt und für Bildung sowie Forschung erschließt.
64 Video-Interviews
weiter_erzählen präsentiert auf einer Website sonst schwer zugängliche, nach kuratorischen Gesichtspunkten ausgewählte Video-Interviews mit Verfolgten des Nationalsozialismus, die einen Bezug zu Österreich haben. Die Interviews sind verschlagwortet und leicht durchsuchbar. Die Stimmen der ZeitzeugInnen wurden über Jahrzehnte zumeist in den Ländern des Exils in Videointerviews festgehalten und in verschiedenen Sammlungen aufbewahrt. weiter_erzählen würdigt die Verfolgten, die es auf sich nahmen, ihre Geschichten und die ihrer oft ermordeten Familien in Video-Interviews zu erzählen und die uns damit mit unserer historischen Verantwortung konfrontieren. weiter_erzählen stellt die Stimmen der Verfolgten, festgehalten in videographierten ZeitzeugInnengesprächen, in den Vordergrund; wurden diese Stimmen in Österreich doch allzu lange nicht gehört.
Read the rest of this entry »
Januar 8th, 2019 |
Published in
Interview, Musik, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft
Ursula Hemetek und die Ethnomusikologie von Minderheiten
Radio Stimme auf Orange 94.0
Sendung vom 1.1.2019 (CC BY-NC)
In dieser Sendung beschäftigt sich Radio Stimme mit der Ethnomusikologin Ursula Hemetek und ihren Forschungsthemen. Als langjährige Aktivistin für die Rechte von Minderheiten hat Ursula Hemetek nicht nur die Initiative Minderheiten mitbegründet, sondern auch die ethnomusikologische Erforschung der Musik von Minderheiten in Österreich. Im Interview gibt sie Auskunft über den Zugang von ethnomusikologischer Forschung als Applied Science und die unterschiedlichen Lebensrealitäten verschiedener minorisierter Gruppen, deren Musik sie im Laufe der Jahre erforschen durfte. Zu hören gibt es außerdem einige ganz besondere Musikstücke aus Ursula Hemeteks Feldforschungen – vor allem zur Musik von Roma/Romnija und Burgenlandkroat_innen.
(cba.fro.at)
Siehe auch:
Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek, 20.6.2018
November 7th, 2018 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Die heute präsentierte Autoritarismus-Studie der Universität Leipzig ergab, insbesondere im Osten, eine besorgniserregende Zuspitzung rassistischer und autoritärer Einstellungen in Deutschland. Für die jüngste Erhebung der repräsentativen Langzeitstudie wurden ab Frühsommer 2018 ca. 2.500 Personen zu ihren Einstellungen befragt. „Rund 40 Prozent der Deutschen zeigten Merkmale eines autoritären Typus, nur 30 Prozent seien dagegen ausdrücklich demokratisch orientiert. Autoritäre Aggressionen seien bei 65 Prozent der Deutschen tiefgreifend ausgeprägt“, fasst der Tagesspiegel die Ergebnisse zusammen. „Immerhin etwa 40 Prozent der Befragten zeigen (…) die Bereitschaft, ein autoritäres System zu unterstützen“, schreibt die Zeit. Bei sechs Prozent der Deutschen konstatieren die Studienautoren überhaupt ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild.
Mit autoritären Einstellungen einhergeht auch die Abwertung von Minderheiten: von Muslimen, Flüchtlingen, Juden – und nicht zuletzt Roma und Sinti: 56 Prozent (im Osten: 60,3%) geben demnach an, sie hätten „Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten“. Das ist geringfügig weniger als beim letzten Vergleichswert von 2016. Etwas zugenommen hat hingegen der Anteil (60 Prozent) jener, die der Aussage, „Sinti und Roma neigen zu Kriminalität“ zustimmen. 49,2 Prozent (Ost: 56,5%, West: 47,3%) sind der Ansicht, „Sinti und Roma sollen aus Innenstädten verbannt werden“.
(dROMa)
November 3rd, 2018 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Colloquium in der Gedenkstätte Ravensbrück
Pressemitteilung, 2.11.2018: Kinder als Häftlinge in Konzentrationslagern sind das Thema eines wissenschaftlichen Colloquiums, zu dem die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück am Samstag, 10. Nov. 2018, von 11:00 bis 17:00 Uhr interessierte Besucherinnen und Besucher einlädt. Die Veranstaltung findet begleitend zur Ausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ statt, die derzeit in der Gedenkstätte Ravensbrück zu sehen ist.
Im KZ Ravensbrück waren mindestens 900 Mädchen und Jungen im Alter von zwei bis 16 Jahren aus 18 Nationen inhaftiert. Sie wurden mit ihren Familien eingewiesen oder ohne Angehörige aus anderen Lagern überstellt. Mehr als 600 Kinder kamen zwischen 1943 und 1945 im KZ Ravensbrück zur Welt. Die meisten Neugeborenen starben nach kurzer Zeit.
Jungen wurden meist ab dem zwölften Lebensjahr im Männerlager untergebracht; ab Herbst 1944 lebten sie dort in einem eigenen Block. Im Frauenlager blieben die Kinder mit den Erwachsenen zusammen. Etwa ab dem zwölften Lebensjahr wurden sie zur Arbeit eingesetzt, Jüngere blieben tagsüber in den Baracken. Mithäftlinge organisierten heimlich Spielzeug und Unterricht, „Lagermütter“ wurden zu Bezugspersonen für Kinder ohne Angehörige. In ihren Spielen wie „Appell“, „Selektion“ und „SS“ bildeten die Kinder die Lagerrealität ab.
Anfang 1945 wurden mehr als 4.300 Frauen und Kinder aus dem KZ Ravensbrück in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Dort befanden sich unter den rund 120.000 inhaftierten Menschen aus fast allen europäischen Ländern auch etwa 3.500 Kinder unter 15 Jahren. Die meisten von ihnen wurden als Juden verfolgt, andere gehörten zur Gruppe der Sinti und Roma oder waren mit ihren Müttern aus politischen Gründen inhaftiert worden. Read the rest of this entry »
Oktober 2nd, 2018 |
Published in
Literatur & Bücher, Wissenschaft
Alexandra Weiss/Karin Liebhart (Hg.): Spuren des Widerständigen. Forschung für Emanzipation und Demokratie. Eine Festschrift für Erika Thurner, Innsbruck University Press: Innsbruck 2018.
Buchpräsentation in Innsbruck: 10. Oktober 2018, 19.00 Uhr, Buchhandlung Liber Wiederin
Den Spuren des Widerständigen geht Erika Thurner in ihrer Forschung – sei es zur Arbeiterbewegung, zu Frauengeschichte und -politik oder zur Verfolgung und Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus gegenüber Roma und Sinti – nach und sie verkörpert diese Widerständigkeit als politisch positionierte und engagierte Wissenschafterin. Die Forschungsfragen, die wir stellen, sagen viel über uns aus – nicht nur als WissenschafterInnen, sondern auch über unsere Herkunft und unsere politischen Anliegen. Sie erzählen etwas darüber, ob wir Wissenschaft als Instrument der Gesellschaftsveränderung sehen oder als selbstreferentielles System, zu dem sie unter den Bedingungen neoliberaler Hochschulpolitik immer mehr wird. Erika Thurner kam zu einer Zeit in dieses System des Wissenschaftsbetriebes, in der es sich gerade öffnete oder öffnen musste für kritisches Denken – und sie nutzte diese Möglichkeit im besten Sinn einer Wissenschaft für Emanzipation und Demokratie.
Der Band versammelt Beiträge von Angelica Bäumer, Erich Hackl, Elisabeth Hussl und Beate Eder-Jordan, Heinrich Neisser, Helga Embacher, Karin Liebhart, Anton Pelinka, Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr, Reinhold Gärtner und Alexandra Weiss.
(Innsbruck University Press)
September 27th, 2018 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Wissenschaft
Tschechische Roma-Ethnografin Eva Davidová verstorben
Im Alter von 85 Jahren ist die Ethnografin und Soziologin Eva Davidová gestorben, die sich auf das Studium des Lebens und der Kultur der Roma in Tschechien und in der Slowakei konzentrierte. Über den Tod der Expertin informierte der Nachrichtenserver romea.cz am Mittwoch. Davidová studierte Ethnografie und Kunstgeschichte an der Karlsuniversität in Prag. Mitte des 20. Jahrhunderts dokumentierte sie das Leben der Oláh-Roma in der Slowakei. 1976 zog Davidová nach Český Krumlov/ Krumau um, wo sie im Museum und beim Denkmalschutzamt arbeitete. Sie hielt zudem Vorträge an der Südböhmischen Universität in České Budějovice/ Budweis. Das Hauptwerk von Eva Davidová ist das Buch „Romano drom – Wege der Roma“, in dem sie sich mit den Änderungen in der Stellung der Roma-Minderheit beschäftigt.
(Text: Radio.cz)
Siehe auch:
Eva Davidovás Roma-Fotografien (veröffentlicht 2004)
September 26th, 2018 |
Published in
Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Fachtagung in Berlin am 24.10.2018
09:00 bis 17:00 Uhr im Tagungshaus am Hauptbahnhof (Stadtmission), Lehrter Straße 68, 10557 Berlin | Anmeldung: hier
Amaro Foro führt seit 2014 ein systematisches Medienmonitoring durch, bei dem die Berichterstattung zum Thema „Roma“ in den Berliner Zeitungen berücksichtigt wird. Im Rahmen des Projektes „Dokumentation antiziganistisch motivierter Vorfälle“ wird das Monitoring jährlich auf einer Pressekonferenz veröffentlicht (wir berichteten: hier, hier und hier).
Die alljährliche Fachtagung von Amaro Foro widmet sich in diesem Jahr antiziganistischer und stereotyper Berichterstattung in den Medien. Gemeinsam mit Journalist*innen, anderen Medienschaffenden, Jurist*innen und Wissenschaftler*innen wird diskutiert, welche diskriminierenden Muster in den deutschen Medien bis heute dominant sind, welche Entwicklungen es gegeben hat und wie vor diesem Hintergrund erfolgversprechende Strategien von Roma-Selbstorganisationen aussehen können. Das Programm wird laufend aktualisiert, die Anmeldung ist bereits möglich.
Vorläufiges Programm:
Einführungsvortrag von Dr. Markus End
Workshop 1: „Die Macht der Bilder. Visuelle Repräsentationen von Rom*nja“. Mit Dr. Frank Reuter, Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg und Markus End, Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung.
Workshop 2: „Auf Augenhöhe? Antiziganistische Mediendiskurse und Gegenstrategien, mit Vertreter*innen von Selbstorganisationen“. Mit Andrea Wierich, Pressereferentin Amaro Foro e.V.
Podiumsdiskussion:
Ferda Ataman, Sprecherin der Neuen Deutschen Medienmacher und Spiegel-Online-Kolumnistin
Thomas Moritz, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Medienrecht
Vertreter*in des Presserats (angefragt)
Andrea Wierich, Pressereferentin Amaro Foro
Moderation: Neue Deutsche Medienmacher
Read the rest of this entry »
August 18th, 2018 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Konferenz des IDZ „Gewalt gegen Minderheiten: Internationale Perspektiven und Strategien zum Umgang mit Hasskriminalität“
Fachtagung am 20. & 21. Sept. 2018 in Jena
Begrenzte Plätze! Anmeldung bis 23.8.2018.
Eine wichtige Tagung zu einem wichtigen Thema. Seltsam nur, dass die europäische Minderheit, die derzeit wie keine andere mörderischer Gewalt und Pogromen ausgesetzt ist (in den letzten Wochen etwa hier, hier, hier, hier und hier), weder in der Ankündigung noch im Programm konkret genannt wird: Roma nämlich. Darauf angesprochen, schreiben die Veranstalter: „Der Schwerpunkt der Tagung liegt auf Deutschland. Es ist vorgesehen, mit Onur Özata, der als Rechtsanwalt u.a. Sinti vertritt, die zum Opfer von Gewalt wurden (bspw. beim OEZ-Anschlag in München [wir berichteten]), auch auf Antiziganismus einzugehen.“
Im Folgenden der Ankündigungstext des IDZ:
Neun Menschen aus Einwandererfamilien und eine Polizistin tötete der in Jena entstandene „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) – ohne dass Behörden und Gesellschaft die Motive des Terrors erkannten. Von 193 Todesopfern rechter Gewalt, die die Amadeu Antonio Stiftung zählt, sind nur 83 staatlich anerkannt. In Deutschland gab es im Jahr 2017 nach Erhebungen der Amadeu Antonio Stiftung und von Pro Asyl 1.713 Übergriffe gegen Geflüchtete oder ihre Unterkünfte. Im gleichen Jahr erfasste die Polizei insgesamt 1.453 antisemitische Delikte. In beiden Fällen sind das durchschnittlich täglich mehr als vier Straftaten dieser Art. Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zeigen: 2017 wurden mindestens 17 wohnungslose Menschen getötet. Deutsche Behörden registrierten 2017 300 Straftaten gegenüber LSBTTIQ* aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Read the rest of this entry »
August 15th, 2018 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Interview, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Interview zur Ausstellung in Leipzig
Felsenkeller, 16.8. bis 23.8.2018
Sendung von RadioBlau, 13.8.2018
→Anhören mp3 (34:04 min, 78MB)
Am Donnerstag wird die Ausstellung „‚…vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig…‘ – Die Verfolgung mitteldeutscher Sinti und Roma im Nationalsozialismus“ im Felsenkeller in Leipzig-Plagwitz eröffnet. RadioBlau hat mit Jana Müller vom AJZ Dessau gesprochen, die sich mit der Geschichte der Sinti und Roma in Dessau-Rosslau und der Region beschäftigt hat. Im Gespräch geht es auch um die Verknüpfung zwischen der lokalen Dessauer Geschichte und dem in der DDR ja sehr populären Roman „Ede und Unku“ von Grete Weiskopf alias Alex Wedding. Die in der Ausstellung zu sehenden Photographien von Hanns Weltzel sind zwischen 1932 und 1939 zustande gekommen. Read the rest of this entry »
Juli 4th, 2018 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Bibliografie zu Zigeunerfiguren, Sinti und Roma in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur
➜Bibliografie (pdf)
Die Projektgruppe „Zigeunerbilder“ der AG Jugendliteratur und Medien (AJuM der GEW) hat eine eine Bibliographie zu Zigeunerfiguren, Sinti und Roma in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur erarbeitet. Sie sammelt kinder- und jugendliterarische Primärliteratur, in der Figuren vorkommen, die Zigeuner, Roma oder Sinti sind. Die umfangreiche Bibliografie bietet Forschenden nun eine wichtige Rechercheanlaufstelle (zur Bibliografie gelangen Sie hier). In ihrem Artikel beschreibt Ute Wolters als Mitglied der Projektgruppe, inwiefern die Thematik ein Desiderat in der Kinder- und Jugendliteraturforschung darstellt:
Es gibt aus den letzten Jahren mehrere grundlegende Untersuchungen zum literarischen bzw. medialen Bild des Zigeuners (Solms 2008, Patrut 2007 und 2008, Bogdal 2011, Brittnacher 2012, Reuter 2014), wobei die Kinder- und Jugendliteratur eher stiefmütterlich bis gar nicht behandelt wird. Lange Zeit wurde übersehen, dass Zigeuner als Haupt- oder Nebenfiguren in sehr vielen Texten der Kinder- und Jugendliteratur vorkommen (Dahrendorf 1980, Kahlkul 1999, Weinkauff 2006, Carstiuc 2011). (Wolters 2015)
Read the rest of this entry »
Juni 29th, 2018 |
Published in
Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Neues Themenheft zu „Antiziganismus“ – Zeitschrift „Bürger & Staat“ liegt bei Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg vor
Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Bürger & Staat“ (PDF), die bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) jetzt vorliegt, behandelt das Thema Antiziganismus aus vielfältiger Perspektive. Was darunter genau zu verstehen ist, erläutert eine erste Abhandlung zu Begriff, Erscheinungsformen und Funktionen dieser Form des Rassismus. Erinnert wird an die Verfolgung von Sinti und Roma in der NS-Zeit am Beispiel Mannheims. Zwei Beiträge gehen dann auf die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma nach 1945 ein: sowohl in Baden-Württemberg als auch in Deutschland. Die Bildungssituation dieser Bevölkerungsgruppe kommt zur Sprache; ein historischer Überblick zum „Antiziganismus in der Fotografie“ lässt sich als Versuch begreifen, die Tiefenschichten des Sehens auf „Zigeuner“ freizulegen, die seit Jahrhunderten von Stereotypen überlagert sind und sich eingeprägt haben. Schließlich wird beispielhaft berichtet: ein kritischer Blick richtet sich dabei auf arbeitsmarktpolitische Roma-Projekte aus EU-Förderprogrammen. Demgegenüber steht ein „Mut machendes Beispiel aus Dörfern im Osten der Slowakei, wo Roma-Gruppen in der Mehrheit sind“. Ein Autor fragt: „’Sichere Herkunftsländer’ – auch für Roma?“. Weitere Abhandlungen setzen sich mit antiziganistischen Ermittlungsansätzen bei Polizei- und Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg und der politischen Bildungsarbeit zum Themenbereich auseinander, so über den Umgang mit dem „Bild des Fremden“. Read the rest of this entry »
Juni 21st, 2018 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
ausgegrenzt – verfolgt – ermordet
Sinti und Roma in Lichtenberg 1933-1945
Eröffnung am 22. Juni 2018, 19 Uhr
Dem Völkermord der Nationalsozialisten fielen viele der in Lichtenberg lebende Sinti und Roma zum Opfer. Das Zwangslager in Marzahn – damals Ortsteil von Lichtenberg – war der Internierungsort hunderter in Berlin verhafteter Menschen. Unzählige von ihnen wurden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Einige wenige überlebten. Stellvertretend für viele Ungenannte werden einige Schicksale vorgestellt, die mit den historischen Vorgängen im ehemaligen Bezirk Lichtenberg verbunden sind.
Zur Eröffnung sprechen:
Begrüßung: Michael Grunst, Bezirksbürgermeister
Grußwort: Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.
Einführung: Barbara Danckwortt, Kuratorin
Musik: Martin Weiss, Janko Lauenberger
Diese Ausstellung stellt die Ergebnisse einer mehrjährigen Recherche nach Zeugnissen des Umgangs mit der Minderheit der Sinti und Roma in Lichtenberg vor, die seit Jahrhunderten in Deutschland leben. Hierzu hatten die Verordneten des Bezirkes dem Museum 2014 den Auftrag erteilt.
Neue Erkenntnisse zu Schicksalen internierter und polizeilichen Maßnahmen ausgesetzter Menschen in Verfolgungseinrichtungen auf dem ehemaligen Lichtenberger Bezirksgebiet, wie dem Arbeitshaus Rummelsburg und dem Zwangslager Marzahn, konnten in historischen Quellen erschlossen werden. Mit diesen Orten verbunden sind die vorgestellten Biografien von Sinti und Roma, die Opfer rassistisch begründeter Verfolgung wurden. Sie waren von Zwangsarbeit, Eingriffen in die persönliche und körperliche Unversehrtheit durch rassenbiologische Untersuchungen und Sterilisation sowie von der Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten betroffen. In den erschlossenen Dokumenten finden sich auch Hinweise auf das aktive Handeln von Verantwortlichen der Lichtenberger Verwaltung. Sie waren Erfüllungsgehilfen von zentralen Institutionen, wie der Berliner Polizei und der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“, von denen die systematische Ausgrenzung und Verfolgung ausging.
Read the rest of this entry »