Die Stimmen der Verfolgten

Januar 27th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Interview, Jugend & Bildung, Wissenschaft

Kernbestandteil der neuen Zeitzeugensammlung: Roma-Interviews aus Mri Historija und Amari Historija (hier: Peter Horvath, 2010) (Bild: Roma-Service)Für Bildung und Forschung: Interviewsammlung „weiter_erzählen“ ist online

„_erinnern.at_“ präsentiert zum Holo­caust-Ge­denk­tag am 27. Jän­ner eine neue Web­platt­form mit einer Oral-His­to­ry-Samm­lung  zur NS-Ver­fol­gung in Österreich. Die Video-In­ter­views mit Ver­folg­ten fin­den Sie auf www.wei­terer­zaeh­len.at. 11 der derzeit 64 Videos be­fas­sen sich mit der Ver­folg­ten­gruppe der Roma und Sinti. Der Groß­teil dieser Inter­views sind unseren Roma-Zeit­zeu­gen-Edi­tio­nen „Mri historija“ und „Amari historija“ ent­nom­men. 

74 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz stellt _erinnern.at_ zum Inter­na­tio­na­len Holo­caust-Ge­denk­tag am 27. Jän­ner ein digita­les Erin­ne­rungs­pro­jekt vor, das die auf Video auf­ge­zeich­ne­ten Erin­nerun­gen von im National­sozialis­mus ver­folg­ten Men­schen be­wahrt und für Bil­dung sowie For­schung er­schließt.

64 Video-Interviews

weiter_erzählen präsentiert auf einer Website sonst schwer zu­gäng­li­che, nach kura­to­ri­schen Ge­sichts­punkten aus­ge­wählte Video-In­terviews mit Ver­folg­ten des National­sozialis­mus, die einen Be­zug zu Österreich ha­ben. Die Interviews sind ver­schlag­wor­tet und leicht durch­such­bar. Die Stim­men der Zeit­zeugIn­nen wur­den über Jahr­zehnte zu­meist in den Län­dern des Exils in Video­inter­views fest­ge­hal­ten und in ver­schie­de­nen Sammlungen auf­be­wahrt. weiter_erzählen würdigt die Verfolgten, die es auf sich nah­men, ihre Geschich­ten und die ihrer oft ermor­de­ten Familien in Video-In­ter­views zu er­zählen und die uns damit mit unse­rer histori­schen Ver­ant­wor­tung kon­fron­tie­ren. wei­ter_er­zählen stellt die Stim­men der Ver­folgten, fest­gehalten in video­graphier­ten Zeit­zeugIn­nen­gesprä­chen, in den Vorder­grund; wur­den diese Stim­men in Österreich doch all­zu lan­ge nicht gehört.

Zahlreiche Institutionen und Privatpersonen stell­ten Video-In­ter­views für dieses Pro­jekt zur Ver­fü­gung. Die Video­samm­lung wird lau­fend erwei­tert, der­zeit fin­den sich 64 Video-Inter­views mit Ver­folgten des National­sozialis­mus aus elf Samm­lun­gen bzw. Archiven frei zu­gäng­lich auf wei­ter_er­zäh­len.

Wissenschaft und Schule

Die Webplattform weiter_erzählen ver­bin­det exempla­risch Wissen­schaft und Schule und ist so­wohl für Schü­lerIn­nen als auch für Wissen­schaf­tlerIn­nen eine interes­sante Quelle. Eine Ko­opera­tion mit der Yale University er­laubt wei­ter_er­zählen, einige Video-In­ter­views aus dem Fortunoff Video Archiv for Holocaust Tes­timo­nies erst­mals offen im Internet zu­gäng­lich ma­chen zu können. Die Vi­deo-Samm­lung bietet einen Quellen­schatz für aka­demische Arbeiten aber auch zahl­rei­che Anwen­dungs­möglich­kei­ten in der Gedenk­stätten­päda­gogik und ins­beson­dere in der Schule.

Regionales Lernen – regionales Erinnern – päda­go­gi­sche Perspek­tiven

Für Schulen ist insbesondere interes­sant, dass wei­ter_er­zählen regio­nales Lernen er­möglicht; etwa mit Video-In­ter­views aus dem Pro­jekt „Herklotz­gasse 21“ pro­duziert von W24, das sich mit dem jüdischen Leben eines Wiener Grätzels be­fasste. Päda­gogIn­nen kön­nen, dank der aus­führ­li­chen Ver­schlag­wortung der Videos, leicht Video-In­ter­views aus ihrer Region oder Zeit­zeugInnen­gesprä­che mit regiona­lem Be­zug fin­den und im Unterricht ein­setzen. Über den regional­geschicht­li­chen Bezug kann Geschichte bes­ser ver­stan­den werden. SchülerIn­nen die die Orte, von de­nen die ZeitzeugIn­nen berich­ten, kennen, kön­nen so eine Rele­vanz zur eige­nen Erfahrungs­welt her­stellen.

Die Videos sind auch thematisch verschlagwortet: Zeit­zeu­gIn­nen­berichte über das November­pogrom, Zwangs­arbeit, „Eutha­nasie“ oder Anti­semitis­mus vor dem Holocaust wer­den so nie­der­schwel­lig für Schü­lerInnen zu­gäng­lich. wei­ter_er­zählen bietet Interviews mit Ver­folg­ten des Natio­nal­sozialis­mus, die sich zum päda­gogi­schen Ein­stieg in das The­ma Holo­caust und NS, aber auch für eine Ver­tiefungs­ein­heit, etwa über das Schick­sal der Roma und Sinti, oder eine Pro­jekt­wo­che eig­nen.

Das Projekt weiter_erzählen wurde durch „_erinnnern.at_“ ent­wickelt. Das Pro­jekt ent­stand im Rah­men des Gedenk­jah­res 1918/1938/2018 und wur­de aus Mit­teln des Bun­des­kanzler­amts ge­fördert. Eine Fort­führung wird durch den Natio­nal­fonds der Re­publik Öster­reich für die Opfer des Na­tio­nal­sozia­lis­mus ge­sichert. „_erin­nern.at_“ be­dankt sich bei allen Part­nervinsti­tu­tio­nen für die Ko­opera­tion. Im Laufe des Jahres werden kon­ti­nuier­lich weite­re Video-In­terviews für „wei­ter_ervzählen“ er­schlos­sen und zu­gäng­lich ge­macht. „weiter_er­zählen“ wur­de an­lässlich des Inter­natio­na­len Holo­caust-Ge­denk­tages am 25.1. im Bundes­minis­te­rium für Bildung, Wissen­schaft und For­schung durch Bun­des­minis­ter Heinz Faßmann vor­ge­stellt. Zur Prä­sen­tation spra­chen auch Katja Sturm-Schnabl, Zeit­zeugin, und Werner Dreier, Ge­schäfts­füh­rer von „_erin­nern.at_“.

(Text: erinnern.at)

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