Interview
August 27th, 2017 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finanziertes Archiv- und Vermittlungsprojekt zu den rassistischen Ausschreitungen vor dem „Sonnenblumenhaus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neues Deutschland) sprach mit ihm über die Schwierigkeiten, die Gewaltausbrüche des Sommers 1992 zu rekonstruieren. Wir bringen im Folgenden einen Auszug; das ungekürzte Interview finden Sie hier.
„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bürgerinnen und Bürgern, die damals gesammelt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natürlich zunächst oft Mediendokumente, schwerpunktmäßig aus den lokalen Zeitungen. Die Flugblätter, die damals von den Rechten in Umlauf gebracht wurden und die von der Gegenseite. Wir haben alle Unterlagen aus dem damaligen Alternativen Jugendzentrum übernommen, darunter ist eine zeitgenössische Chronologie der Ereignisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betroffenen rekonstruieren zu helfen. Dazu gibt es bereits Ansätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Heinrich-Böll-Stiftung eine Reihe von Zeitzeugeninterviews aufgezeichnet, mit damaligen Bewohnern des Heims für vietnamesische Vertragsarbeiter (…) und mit Gegenaktivisten. Während viele vietnamesische Zeitzeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereignissen gegründeten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwierig, Stimmen der damaligen Roma-Flüchtlinge zu finden, gegen die sich die rassistische Mobilmachung zuerst gerichtet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wurden nach dem entsprechenden Abkommen vom September 1992 zurückgebracht. Ihre individuellen Blickwinkel sind bisher tatsächlich ein blinder Fleck. Immerhin spielen Roma als Gruppe inzwischen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Dienstagabend [nahm] mit Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma erstmals ein Vertreter der Roma an einer Gedenkveranstaltung [teil].
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Mai 3rd, 2017 |
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Einrichtungen, Internet & Blogothek, Interview, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV
Ein Gespräch mit Franziska Sauerbrey, Initiatorin und Projektleiterin von RomArchive
rbb/Kulturradio, Sendung vom 28.4.2017
>>Anhören / mp3 (6 Min., 3,5 MB)
Rund 12 Millionen Sinti und Roma gibt es in Europa. Ihre Jahrhunderte alte Kultur ist aber kaum sichtbar. Das soll sich mit dem Aufbau des RomArchive, eines digitalen Archivs für Kunst der Sinti und Roma, ändern. Das Archiv, das von der Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert wird, soll ein international zugänglicher Ort werden, an dem Sinti und Roma ihre Kultur sichtbar machen und damit den beständigen Stereotypen und Fremdbeschreibungen begegnen.
Kulturradio spricht mit Franziska Sauerbrey vom RomArchive.
(Text: Kulturradio)
Link: blog.romarchive.eu
Siehe auch:
RomArchive: Ein Projekt sucht sein Logo, 28.1.2016
RomArchive: Startschuss für digitales Archiv, 2.7.2015
April 21st, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
„Es brauchte zwei Generationen für den Kampf um Anerkennung“ – Romani Rose und sein Einsatz für Menschenrechte der Sinti und Roma
RDL/orgenrad, 7. April 2017, 13.35 min
>>Anhören (mp3)
„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“. Der Untertitel dieses Buches sei ganz wörtlich gemeint, so die Autorin Behar Heinemann. Denn Romani Rose, Mitgründer und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, habe sein Leben ganz in den Dienst des Kampfes um die Anerkennung der Verfolgung dieser Minderheit im Nationalsozialismus und um ihre Rechte gestellt. Dabei trat er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Onkels, die – anders als 13 ermordete Familienmitglieder – den Porajmos überlebt und sich fortan für die Bürgerrechte der Sinti und Roma engagiert hatten. Während sie noch jahrzehntelang nach dem Krieg auf taube Ohren stießen, gelang es später, die Anerkennung der Sinti und Roma bis auf die Agenda der Bundesregierung zu bringen. Romani Rose ging dafür einen Weg vom Hungerstreik bis zur Ehrung durch Angela Merkel.
Die Autorin, Künsterlin und Fotografin Behar Heinemann, geboren im Kosovo und seit den 90er Jahren in Deutschland lebend, ist selbst Romni und kennt Romani Rose seit rund 20 Jahren. Das Buch sei eine Hommage an ihn, ein Versuch, ihn als Bürgerrechtler und als Menschen zu verstehen und kritisch zu würdigen.
„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“ wurde am 4. April im Dokumentationszentrum deutscher Sinti und Roma vorgestellt und ist seit dem 5. April im Buchhandel erhältlich. Radio Dreyeckland hat – im Vorfeld des Internationalen Romatags am 8. April – mit der Autorin Behar Heinemann darüber gesprochen. Zuerst fragten wir, was die Familie Rose im Nationalsozialismus erlitten hat.
Behar Heinemann: Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte. Danube Books, Ulm 2017, 224 Seiten
(Text: rdl.de)
April 8th, 2017 |
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Interview, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, dROMa TV
Das Erzählcafé des Roma-Projektes ZORROM im Grazer VinziNest gibt Einblicke in die Lebenswelten der Roma – Einblicke in einen Alltag abseits von Klischees.
Bettler, Musiker, „fahrendes Volk“: Die Vorurteile und Klischees über Angehörige aus der Volksgruppe der Roma halten sich hartnäckig. Doch wie lebt es sich hierzulande tatsächlich als Romni oder Rom? Im Rahmen des 2. Erzählcafés im Vorfeld des Internationalen Roma-Tages berichten Emmerich Gärtner-Horvath, ein Burgenland-Rom, Zsolt Berki, ein Rom aus der Slowakei, und Tina Friedreich, eine junge Romni aus Slowenien, aus ihrem Alltag und geben Einblicke in ein Roma-Sein abseits von Zuschreibungen und medialen Klischees.
O phukajipeskero kafe ando VinziNest and dikiptscha ando dschivipeskere thema le Romendar del – and dikiptscha ande jek sako diveseskero dschivipe pasche o klischeji.
Kuduschtscha, muschikaschtscha, „o flogo, savo ladel“: O tel dikipeskere koji taj klischeji pedar o dschene andar i flogoskero grupn le Romendar sorale likeren pumen. Ham sar dschin o Roma taj Romna tschatschikan adaj use amende? Read the rest of this entry »
März 10th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, dROMa TV
Cajtakeri ceugin Kautz pedar o Roma ande Podgoria
Podgoria (Ober- und Unterpodgoria) ist ein Ort der südburgenländischen Gemeinde Weiden bei Rechnitz (Bez. Oberwart). Nach den bisherigen Annahmen lebten in Podgoria keine Roma. Doch Angela Kautz, eine kroatische Zeitzeugin, geboren in Podgoria, erzählt von den Romafamilien in ihrem Ort. Sie kamen, wie ihr Mann, aus Slowenien, haben sich in Podgoria niedergelassen, sagt sie im Interview mit Emmerich Gärtner-Horvath. Um sich über Wasser halten zu können, waren einige wenige Romafamilien als Hilfskräfte in der Landwirtschaft tätig, bis zur Deportation.
Podgoria, Ober- vaj Unterpodgoria, jek burgenlanditiko gav andi gemajndi Weiden bei Rechnitz hi. Dschidokle niko na dschanlahi, hot ande Podgoria Roma dschivnahi. Ham i Angela Kautz, jek horvacki cajtakeri ceugin, upro them ali ande Podgoria, phukal pedar Roma familiji andar lakero gav. Read the rest of this entry »
Januar 13th, 2017 |
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Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
LORA München 92,4 | Auf Kante genäht
Gestaltung: mike_gh| 28.11.2016 | 58:25 min
>>Streaming | >>Download (mp3, 53 MB)
Aus Anlass der Ausstellung „Die Verfolgung der Sinti und Roma in München“ , noch zu sehen bis 29.1.2017 (mehr hier), gestaltete das freie Radio „LORA 92,4“ eine einstündige Sendung seiner Programmreihe „Auf Kante genäht“ über Sinti und Roma in München, Bayern und Europa. Die Themen der Sendung:
- Interviews mit Kurli, einem jungen Sinto, über seine Erfahrungen im Umgang mit Kunden und in der Grundschule
- Überblick: Seit wann Sinti und Roma in Deutschland leben und wie sind behandelt wurden
- Gespräch mit H. Burger, Sozialarbeiter bei DROM, einer Beratungsstelle im Hasenbergl
- Was ist der Unterschied zwischen Integration und Teilhabe
- Ausschnitte aus dem Vortrag „Sicht auf Europa und Deutschland“ von Herbert Heuss
- Vertrauen – wen wundert es eigentlich, wenn sich Sinti und Roma auf die eigene Familie als Rückzugsort verlassen?
- Vorstellung zweier Studien zum Thema Antiziganismus
- Dazu ein Interview mit Aloe Yalpi – er hat als heilpädagogische Unterrichtshilfe Erfahrungen mit Sinti in München gesammelt
(Text: freie-radios.net)
November 11th, 2016 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Romani
Interview mit Cristina Kruck und Stéphane Laederich über die Sprache der Roma
Radio SRF 4 News, Sendung vom 4.11.2016
Moderation: Marc Lehmann
>>Anhören (mp3)
In der Schweiz spricht man neben Romanisch auch Romani. Romani ist aber die Sprache der Roma, der «Zigeuner». Die 80-jährige Cristina Kruck spricht sie und ihr Sohn Stéphane Laederich (Anm.: ein Interview mit ihm finden Sie in dROMa 45/2015), der ein Buch darüber geschrieben hat. Beide sind Gast im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann.
Die Unesco hat extra einen «Tag des Romani» ins Leben gerufen. Er findet am 5.11. statt. Romani – oder Romanes, wie man im deutschsprachigen Raum auch sagt – wird noch von Millionen Menschen in Europa gesprochen. Nur weiss man das kaum. Über die Sprache ist wenig bekannt – wie überhaupt von der Lebensweise der Roma. (…) Der promovierte Mathematiker und Banker Stéphane Laederich ist Direktor der Rroma Foundation, einer von mehreren Schweizer Roma-Verbänden, und er hat ein Standardwerk über die Roma geschrieben. Seine Mutter Cristina Kruck war auf der ganzen Welt als IKRK-Delegierte tätig, spricht sieben Sprachen fliessend und ist auch mit 80 noch immer Aktivistin.
(Text: SRF.ch. Wir danken Marc Lehmann für die freundliche Erlaubnis.)
Oktober 15th, 2016 |
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Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung
Interview der Budapester Zeitung mit Stefan Ludwig, Regisseur des Dokumentarfilms „Der zornige Buddha“ (mehr hier und hier)
Herr Ludwig, wie kommt ein Dokumentarfilmmacher aus Deutschland, der in Österreich lebt, dazu, einen Film über eine buddhistische Schule für Roma in Ostungarn zu drehen? Wie sind Sie zu dem exotischen Thema gekommen?
St. L.: Ich finde es gar nicht exotisch. Ich denke, es ist ein universelles Thema und die Situation in Sajókaza steht beispielhaft für jede Situation, in der Menschen von Bildung ausgeschlossen sind. Allerdings hatte ich mich zuvor nur wenig mit Ungarn beschäftigt. 2011 wurde ich durch die Ereignisse in Gyöngyöspata auf die Situation der ungarischen Roma aufmerksam. Dort marschierten paramilitärische Truppen in Romasiedlungen auf und sorgten tagelang für Angst. Ich habe mich damals gefragt: ‚Was ist da eigentlich los?‘ und habe begonnen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich bin dann auf einen Artikel von János Orsós gestoßen. Er beschreibt darin, wie er als Rom seinen Weg zu Bildung gefunden hat und dass er selbst nach dem Diplom noch das Gefühl hatte, sich beweisen zu müssen. Er ist sein Leben lang auf der Suche und findet erst in Indien das Positivbeispiel, das ihm die Hoffnung gibt, dass auch seine eigenen Leute ihre Lage verbessern können. Das fand ich eine große, spannende Geschichte. Ich habe mit ihm Kontakt aufgenommen und bin dann bald das erste Mal hingefahren, um zu recherchieren.
Wie ging es dann weiter?
Ich durfte wochenlang bei ihnen Gast sein und hatte meine eigene Matratze im buddhistischen Gemeindezentrum, wo sie auch schlafen. Man gab mir überraschend viel Zugang zur Schule, ich konnte sogar im Unterricht ein- und ausgehen. Die Schüler sind nicht schüchtern, wenn es darum geht, ins Gespräch zu kommen – im Gegenteil, sie fangen sogar schnell an, einen aufs Korn zu nehmen, sagen einem zum Beispiel unanständige Wörter und freuen sich, wenn man sie nachspricht. Doch sie sind auch unglaublich kamerascheu und gerade, wenn es darum geht, ernsthaft zu werden und darüber zu reden, wer sie sind, was für Träume sie haben und was sie sich vom Leben erwarten, sind sie sehr zurückhaltend. Read the rest of this entry »
Oktober 10th, 2016 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview
Dokumentarfilm von Marika Schmiedt, AT 2016, 80 min.
Premiere in Anwesenheit der Regisseurin
Sa., 22. Oktober 2016, 17.30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien
Marika Schmiedt untersucht und benennt die Wunde, versucht sie zu begreifen, greift hinein, zerrt und weitet sie. Das ist ein intensiver und schmerzhafter Prozess und der dabei entstandene Dokumentarfilm ist kein einfach zu konsumierender. Im Film wird viel gesprochen, nach 78 Minuten wird klar, dass auch über das „Unaussprechliche“ gesprochen werden kann und muss. Über Strukturen der Diskriminierung, der Gewalt und über Kontinuitäten. Marika Schmiedt und ihr Film sprechen sich allerdings gegen eine verharmlosende, oberflächliche Heilung aus, vielmehr werden Wege der Vertiefung und des Widerstands gezeigt.
„Warum die Wunde offen bleibt“ beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Holocausts an Roma und Sinti durch die sogenannte „2.“ und „3. Generation“. Die historischen Vertreibungen, Verfolgungen und Massenmorde werden thematisiert, auch persönlich durch das biografische Erzählen der Protagonistinnen. Dabei verdeutlicht gerade die Relation zu aktuellen Diskriminierungen und Verbrechen gegen Roma und Sinti die Notwendigkeit umfassender Auseinandersetzungen: geschichtlicher, familiärer, psychoanalytischer und nicht zuletzt die Dringlichkeit der politischen.
Im Mittelpunkt des Films stehen lange Interviews bzw. Gespräche mit drei beeindruckenden Frauen: Read the rest of this entry »
Oktober 9th, 2016 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Martina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Lebensgeschichten burgenländischer Roma
Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft), 127 S.
→Download der UB Wien (pdf)
Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugendokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein „Roma-Service“, aus anerkennungstheoretisch fundierter Perspektive betrachtet. Dabei bildet das Anerkennungsmodell des deutschen Sozialphilosophen Axel Honneth das theoretische Fundament der Untersuchung. Honneth differenziert zwischen drei Anerkennungsmustern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Missachtungsformen – Misshandlung, Entrechtung, Entwürdigung – entgegenstellt. Diese Unterscheidung trifft er aufgrund ihrer jeweiligen Bedeutung für Formen des Selbstbezugs – Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstschätzung. Mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Bedeutung von Anerkennungs- bzw. Missachtungserfahrungen für Handlungsfreiheit und Selbstwert der 15 erzählenden Burgenland-Roma betrachtet.
„Mri Historija“ ist nicht nur als Beitrag zur österreichischen Erinnerungskultur zu sehen, sondern gleichzeitig als kritische Thematisierung von sozialen Ausschließungsprozessen, die eine selbstbestimmte Lebenspraxis behindern und sich negativ auf den Selbstwert der Individuen auswirken können. In „Mri Historija“ werden jedoch Entwicklungen sichtbar, die auf ein wachsendes Selbstbewusstsein der Burgenland-Roma verweisen. (M. Schedl, S. 120)
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April 30th, 2016 |
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Film & Theater, Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Interview mit Regisseur Benny Brenner (engl.)
Kino für die Ohren – Crossing Europe 2016 | Radio FRO 105,0
Sendung vom 22. April 2016 | Redaktion: Julia Krikler
Ungarn: Der Regisseur Benny Brunner hat einen Film über ein ungarisches Dorf gedreht, dessen Bürgermeister vor Ort ein faschistisches Regime etabliert hat. Die Menschen in Érpatak müssen sich seiner diktatorischen Ordnung beugen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, empfindlich sanktioniert zu werden. Der Bürgermeister und seine Anhänger feiern die Waffen-SS, verbreiten Unwahrheiten über den 2. Weltkrieg, unterdrücken die eigene Bevölkerung und viel mehr noch die ansässigen Roma-Familien, denen schon mal einfach die Kinder weggenommen werden. Das alles passiert vor den Augen des ungarischen Staates, der dieses Vorgehen gutzuheißen scheint. Ein Dokumentarfilm, der Angst vor dem zukünftigen Europa macht!
(Text: cba.fro.at)
November 18th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil V)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen:
Nedjo*: „Schule ist ein Stück Normalität“
Ich bin vor 16 Jahren im Kosovo geboren. Zusammen mit meinen Eltern bin ich 1999 von dort aus nach Göttingen geflohen. Daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern, ich war ja noch ein Baby. Manchmal erzählen mir meine Eltern von dieser Flucht, aber nie sehr viel. Es war sehr schrecklich und traumatisch für sie.
Ich gehe in die 10. Klasse einer Sonderschule und werde in einem Jahr meine Schule beenden. Ich habe ein wenig Probleme mit dem Deutschen, weil meine Eltern mir nicht so gut beim Lernen helfen können. Aber eigentlich schickt man jedes Kind, dessen Eltern nicht Deutsche sind, auf diese Sonderschule. Ich meine, ich bin doch genau so klug wie ein Kind deutscher Eltern! Am besten bin ich in Mathe. Vor allem Geometrie mag ich richtig gern. Nach meiner Schule möchte ich gern eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker machen. Ich stelle es mir schön vor, diesen Beruf auszuüben, mein eigenes Geld zu verdienen und eine Beschäftigung zu haben, die mir Spaß machen wird.
Manchmal fragen mich die Menschen, ob ich mich gut in Deutschland eingelebt habe. Das finde ich merkwürdig. Schließlich bin ich ja hier aufgewachsen. In was sollte ich mich da einleben?
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November 14th, 2015 |
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Allgemeines, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil IV)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen. Rahim, heute 22, erinnert sich:
Rahim*: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“
Ich bin vor 22 Jahren im Kosovo geboren. Zusammen mit meinen Eltern bin ich von dort aus nach Deutschland geflohen. Damals war ich noch ein Kleinkind, weshalb ich mich nicht an die Flucht erinnere. Aber meine Eltern haben mir erzählt, dass wir mit dem Auto zuerst über die deutsche Grenze bis nach Oldenburg gekommen sind. Dort wurden wir zu unserer Flucht und unseren Gründen, warum wir nun in Deutschland sind, befragt. Danach ging es für uns nach Nordhorn in Niedersachsen. Hier lebe ich nun schon sehr lange mit meiner Familie. Mein Vater ist mittlerweile leider gestorben, weshalb meine Mutter für uns Kinder allein aufkommen muss. Ich würde mir wünschen, dass ich endlich einen Job finde, um meine Mutter finanziell zu unterstützen. Die Arbeitssuche wäre leichter mit einem Aufenthaltstitel. Denn seit unserer Ankunft in Deutschland haben wir alle nur eine Duldung.
Ich habe mir seit unserer Flucht natürlich ein Leben in Deutschland aufgebaut. Das Kosovo fühlt sich nicht wie meine Heimat an, nur weil ich dort geboren wurde. Ich bin in Deutschland zu Hause. Read the rest of this entry »
November 11th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil III)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen:
Jelena*: „Unsere Zukunft hängt an einem seidenen Faden“
Unsere Großfamilie, unsere Großeltern, Eltern und Geschwister sowie unsere zwei Onkel mit deren Ehefrauen kamen 1999 aus dem Kosovo nach Deutschland. Wir leben nun schon seit 15 Jahren in Göttingen. Unser Großvater erzählte oft, dass wir in Lipljan ein schönes Haus hatten. Niemand hätte geahnt, dass es zum Krieg kommen würde. Doch der Krieg brach aus und unsere Großfamilie kam nach Deutschland. Inzwischen sind wir drei Ehepaare und 19 Kinder. Unsere Oma wohnt bei uns. Der Großvater ist letztes Jahr gestorben. Meine Schwester war noch Baby, als unsere Familie flüchtete. Wir anderen Kinder sind in Deutschland geboren. Aufgewachsen sind wir alle hier. Deutsch ist unsere Muttersprache. Wir sprechen zu Hause auch Romanes, aber untereinander und mit unseren Freunden reden wir auf Deutsch.
Wir sind dankbar, dass wir hier leben dürfen. Wir sind in Vereinen und machen bei Theaterprojekten mit. Unsere Eltern haben es leider schwer, eine Arbeit zu finden. Ihnen fehlt die richtige Qualifizierung. Nach vielen Ablehnungen sind sie deprimiert und unglücklich. Unser seit Jahren ungelöster rechtlicher Status macht unsere Eltern und uns auch kaputt. Read the rest of this entry »
November 9th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil II)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen. Auf Šaban folgt Zeko:
Zeko*: „Deutschland ist unsere Heimat“
Ich bin 8 Jahre alt und komme aus Göttingen. Hier bin ich auch geboren. Meine Eltern stammen aus dem Kosovo, wo auch mein ältester Bruder geboren wurde. Sie leben nun schon seit 15 Jahren in Deutschland. Ich selbst war noch nie im Kosovo und meine Eltern reden auch nicht so viel darüber, wie es im Kosovo ist. Ich weiß nur, dass es schlimm für sie war, dass sie fliehen mussten. Und ich weiß auch, dass man im Kosovo Albanisch und Serbisch redet. Aber das kann ich nicht sprechen. Ich spreche zu Hause mit meinen Eltern Romanes und mit allen anderen, also mit meinen Geschwistern und mit meinen Freunden, Deutsch. In Deutschland habe ich alle meine Freunde. Ein paar an der Schule und ganz viele auch in unserer Nachbarschaft. Mit den Nachbarskindern spiele ich nach der Schule oft draußen oder wir gehen Fußball spielen.
Ich denke, es wäre schlimm für mich und meine Familie, wenn wir in das Kosovo gehen müssten. Wir kennen dort ja niemanden. Und wie soll ich dort reden und mich verständigen? Read the rest of this entry »
November 7th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil I)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen:
Šaban*: „Die Duldung macht uns zu Menschen zweiter Klasse“
Ich bin 15 Jahre alt und habe drei ältere Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester. Mein ältester Bruder war bei der Flucht meiner Eltern zwei Jahre alt. Wir anderen sind alle in Deutschland geboren. Meine Eltern entschlossen sich 1988 für die Flucht aus dem Kosovo, als meinem Vater angedroht wurde, dass er von der serbischen Armee zwangsmobilisiert werden könnte. Nur in der Flucht aus dem Kosovo sahen sie eine Rettung.
Seit 26 Jahren leben meine Eltern nun in Duldung. Ich bin sozusagen in den Status hineingeboren. Alle 2 bis 6 Monate wird er verlängert. Die kurze Gültigkeit einer Duldung und die Auflagen, die damit verbunden sind, haben das normale Leben unserer Familie unmöglich gemacht. Die seit Jahrzehnten geltende Residenzpflicht[1] machte es praktisch unmöglich, dass sich meine Eltern richtig betätigen. Read the rest of this entry »
August 22nd, 2015 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Max Mannheimer Studienzentrum Dachau: Kurzfilme der Jugendbegegnung „Erzählungen vom Unrecht/Stories of Injustice“ online
→Video 1 | →Video 2 | →Video 3 | →Video 4
Unter dem Projekttitel „Erzählungen vom Unrecht / Stories of Injustice“ haben sich 20 Jugendliche aus dem Raum Dachau / München und aus Serbien 2012/2013 über neun Monate hinweg intensiv mit der Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma in Deutschland und Serbien auseinandergesetzt. Es wurde dabei die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti und Roma ebenso thematisiert wie die bis heute anhaltende Diskriminierung. Die Gruppe beschäftigte sich beispielsweise mit dem Kampf der Sinti und Roma um Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus und mit der Bürgerrechtsbewegung ab den 1980er Jahren. Auch die aktuelle Situation in Deutschland und in Serbien war Thema.
Im Rahmen des Projektes wurden von den Jugendlichen neun Interviews mit Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung und deren Angehörigen geführt. Diese Interviews bildeten die Grundlage für vier jetzt auch online verfügbare kurze Filme, in denen die Erfahrungen aus beiden Ländern zusammengeführt wurden und in denen Sinti und Roma aus Deutschland und Serbien eindrucksvoll Zeugnis von der Geschichte seit 1933 ablegen.
(Text: mmsz-dachau.de)
August 4th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung
Am Wochenende wurde – zum Jahrestag der Auflösung des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau – europaweit des Völkermords an Sinti und Roma gedacht. Am 2. August 1944 wurden die letzten Insassen des „Zigeunerlagers“, fast 3.000 Personen, ermordet. Silas Kropf, 20, ist deutscher Sinto, lebt im Saarland und absolviert ein duales Studium, Fachrichtung Wirtschaftsinformatik. Seit einem Jahr ist er im Vorstand der deutschen Jugendorganisation Amaro Drom. Für die taz führte Hilke Rusch mit ihm ein Gespräch über Stereotype, Aufarbeitung und Präsenz:
Herr Kropf, was wissen Sie über den Porrajmos, den NS-Völkermord an Sinti und Roma?
Eine Menge, in meiner Familie war der Holocaust allgegenwärtig. Teile meiner Familie wurden in Konzentrationslager deportiert, andere lebten vergleichsweise geschützt in einem Dorf. Dort ließ der Ortsvorsteher Sterilisationsbefehle verschwinden, weil meine Urgroßmutter eine angesehene Frau war. In der Familie haben wir viel darüber gesprochen, und bis heute gibt es Angst vor Verfolgung. Darum bin ich mit einem Tabu aufgewachsen: Ich durfte nicht zeigen, wer ich bin.
Sie mussten verstecken, dass Sie Sinto sind?
Ja, es musste geheim bleiben. Durch meinen Großvater ist die Familie nach außen sehr auf Abstand zu unserer Kultur gegangen. Das geht so weit, dass in meinem Teil der Familie zum Schutz leider kein Romanes mehr gesprochen wird.
Lesen Sie bitten weiter auf taz.de.
Mai 2nd, 2015 |
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Interview, Rassismus & Menschenrechte
Videoporträts Notreisender in Salzburg
Ein Projekt von Runder Tisch für Menschenrechte und helix – forschung & beratung
>> zu den Videoporträts
Wer sind die Menschen, die von der Politik und den Medien oft pauschal als Angehörige einer „Bettelmafia“ stigmatisiert werden, welche Geschichten haben sie zu erzählen, woher kommen sie und warum haben sie ihre Heimat verlassen, mit welchen Vorstellungen und Erwartungen kamen sie nach Salzburg und wie wurde die Reise konkret realisiert, welche Schul- und Berufsbildung haben sie, hatten sie einmal eine Arbeitsstelle, wie sehen die Sozialleistungen und Lebensbedingungen in der Herkunftsregion aus, wo ist die Familie und wie (über)lebt sie, wie schlagen sie sich in Salzburg durch und wie erleben sie ihren Alltag hier, wie reagieren die PassantInnen und AnwohnerInnen auf sie, wie helfen sie einander und welche externen Hilfsangebote kennen und nutzen sie?
Fragen wie diesen gingen wir in unseren Videoportraits nach, um damit notreisenden BettlerInnen, die sich in Salzburg aufhalten, eine Stimme und ein Gesicht geben.
(Projektvorstellung: notreisendesalzburg.wordpress.com)
April 30th, 2015 |
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Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
Radio Freirad | KulturTon, 20.4.2015
>> zum Beitrag (7:51 Min)
Im einem Beitrag von Michael Haupt geht es um Romani-Literatur, und zwar konkret um Jovan Nikolić, der im Mai auf Einladung der Uni Innsbruck als Writer in Residence nach Innsbruck kommt. Michael Haupt hat mit Beate Eder-Jordan von der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät gesprochen.
(Programminfo: Freirad)