Interview

Lichtenhagen: Die Roma, ein blinder Fleck

August 27th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

"Lichtenhagen im Gedächtnis"Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finan­zier­tes Archiv- und Ver­mitt­lungs­projekt zu den ras­sis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen vor dem „Sonnen­blumen­haus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neu­es Deutschland) sprach mit ihm über die Schwie­rig­keiten, die Gewalt­aus­brüche des Som­mers 1992 zu re­konstru­ie­ren. Wir bringen im Fol­gen­den einen Aus­zug; das un­ge­kürzte Inter­view fin­den Sie hier.

„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bür­gerin­nen und Bürgern, die damals ge­sam­melt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natür­lich zu­nächst oft Medien­dokumente, schwer­punkt­mäßig aus den loka­len Zeitungen. Die Flugblätter, die da­mals von den Rechten in Um­lauf ge­bracht wur­den und die von der Gegen­seite. Wir haben alle Unter­lagen aus dem da­mali­gen Alter­na­ti­ven Jugend­zentrum über­nom­men, darun­ter ist eine zeit­ge­nös­si­sche Chrono­lo­gie der Er­eig­nisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betrof­fe­nen re­konstru­ie­ren zu helfen. Dazu gibt es bereits An­sätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Hein­rich-Böll-Stif­tung eine Reihe von Zeitzeugen­interviews auf­ge­zeich­net, mit da­mali­gen Bewohnern des Heims für viet­name­si­sche Vertrags­arbeiter (…) und mit Gegen­aktivisten. Wäh­rend viele viet­name­sische Zeit­zeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereig­nissen ge­grün­deten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwie­rig, Stim­men der dama­ligen Roma-Flücht­linge zu fin­den, gegen die sich die rassis­tische Mobil­ma­chung zuerst ge­rich­tet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wur­den nach dem ent­spre­chen­den Ab­kom­men vom Sep­tem­ber 1992 zurück­gebracht. Ihre indi­vi­duel­len Blick­winkel sind bisher tat­säch­lich ein blinder Fleck. Immer­hin spielen Roma als Gruppe inzwi­schen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Diens­tag­abend [nahm] mit Romani Rose vom Zentral­rat der Sinti und Roma erst­mals ein Ver­tre­ter der Roma an einer Gedenk­ver­ans­tal­tung [teil].

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Kulturradio: Archiv für Roma-Kunst

Mai 3rd, 2017  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Interview, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV

RomArchive-Initiatorin Franziska Sauerbrey (Foto: Nihad Nino Pušija/RomArchive) Ein Gespräch mit Franziska Sauerbrey, Initiatorin und Projekt­leiterin von RomArchive

rbb/Kulturradio, Sendung vom 28.4.2017
>>Anhören / mp3 (6 Min., 3,5 MB)

Rund 12 Millionen Sinti und Roma gibt es in Europa. Ihre Jahr­hun­derte alte Kultur ist aber kaum sicht­bar. Das soll sich mit dem Auf­bau des RomArchive, eines digitalen Archivs für Kunst der Sinti und Roma, än­dern. Das Ar­chiv, das von der Kultur­stiftung des Bundes mit 3,75 Mil­lio­nen Euro ge­för­dert wird, soll ein in­ter­na­tio­nal zu­gäng­li­cher Ort wer­den, an dem Sinti und Roma ihre Kultur sicht­bar ma­chen und damit den bestän­di­gen Stereo­typen und Fremd­beschrei­bun­gen be­geg­nen.

Kulturradio spricht mit Franziska Sauerbrey vom RomArchive.

(Text: Kulturradio)

Link: blog.romarchive.eu

Siehe auch:
RomArchive: Ein Projekt sucht sein Logo, 28.1.2016
RomArchive: Startschuss für digitales Archiv, 2.7.2015

Es brauchte zwei Generationen

April 21st, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Romani Rose - Buchcover (Danube Books)„Es brauchte zwei Generationen für den Kampf um Anerken­nung“ – Romani Rose und sein Ein­satz für Men­schen­rechte der Sinti und Roma

RDL/orgenrad, 7. April 2017, 13.35 min
>>Anhören (mp3)

„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“. Der Unter­titel dieses Buches sei ganz wört­lich ge­meint, so die Auto­rin Behar Heine­mann. Denn Romani Rose, Mit­grün­der und Vor­sitzen­der des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, habe sein Leben ganz in den Dienst des Kampfes um die An­er­ken­nung der Ver­fol­gung dieser Minder­heit im National­sozia­lis­mus und um ihre Rechte ge­stellt. Dabei trat er in die Fuß­stapfen seines Vaters und seines Onkels, die – anders als 13 er­mor­dete Fa­milien­mit­glie­der – den Porajmos über­lebt und sich fort­an für die Bürger­rechte der Sinti und Roma en­gagiert hat­ten. Wäh­rend sie noch jahr­zehnte­lang nach dem Krieg auf taube Ohren stießen, ge­lang es später, die An­er­ken­nung der Sinti und Roma bis auf die Agen­da der Bundes­regie­rung zu brin­gen. Romani Rose ging da­für einen Weg vom Hunger­streik bis zur Ehrung durch Angela Merkel.

Die Autorin, Künsterlin und Fotografin Behar Heinemann, ge­bo­ren im Ko­so­vo und seit den 90er Jah­ren in Deutschland le­bend, ist selbst Romni und kennt Ro­mani Rose seit rund 20 Jah­ren. Das Buch sei eine Hom­mage an ihn, ein Ver­such, ihn als Bürger­recht­ler und als Men­schen zu ver­ste­hen und kri­tisch zu wür­digen.

„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“ wurde am 4. April im Do­ku­men­ta­tions­zentrum deut­scher Sinti und Roma vor­ge­stellt und ist seit dem 5. April im Buch­handel er­hält­lich. Radio Drey­eck­land hat – im Vor­feld des Inter­natio­na­len Roma­tags am 8. April – mit der Au­torin Behar Hei­ne­mann darüber ge­spro­chen. Zuerst fragten wir, was die Familie Rose im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­lit­ten hat.

Behar Heinemann: Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte. Danube Books, Ulm 2017, 224 Seiten

(Text: rdl.de)

Erzählcafé „Lebenswelten der Roma“

April 8th, 2017  |  Published in Interview, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, dROMa TV

Das Erzählcafé des Roma-Projektes ZORROM im Grazer VinziNest gibt Ein­blicke in die Le­bens­wel­ten der Roma – Ein­blicke in einen All­tag ab­seits von Kli­schees.

Bettler, Musiker, „fahrendes Volk“: Die Vorurteile und Klischees über An­ge­hö­rige aus der Volks­gruppe der Roma halten sich hart­näckig. Doch wie lebt es sich hier­zu­lande tat­säch­lich als Romni oder Rom? Im Rahmen des 2. Erzähl­cafés im Vor­feld des Inter­na­tio­na­len Roma-Tages berich­ten Emmerich Gärtner-Horvath, ein Bur­genland-Rom, Zsolt Berki, ein Rom aus der Slowakei, und Tina Friedreich, eine jun­ge Romni aus Slowenien, aus ihrem All­tag und geben Ein­blicke in ein Roma-Sein ab­seits von Zu­schrei­bun­gen und me­dia­len Kli­schees.

O phukajipeskero kafe ando VinziNest and dikip­tscha ando dschi­vi­pes­kere the­ma le Ro­men­dar del – and di­kip­tscha an­de jek sa­ko di­ve­ses­ke­ro dschi­vipe pa­sche o kli­scheji.

Kuduschtscha, muschikaschtscha, „o flogo, savo ladel“: O tel di­ki­pes­kere koji taj kli­scheji pedar o dsche­ne andar i flo­gos­kero grupn le Ro­men­dar so­rale like­ren pu­men. Ham sar dschin o Roma taj Romna tscha­tschi­kan adaj use amen­de? Read the rest of this entry »

Zeitzeugin: Auch in Podgoria lebten Roma

März 10th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, dROMa TV

Cajtakeri ceugin Kautz pedar o Roma ande Podgoria

Podgoria (Ober- und Unterpodgoria) ist ein Ort der süd­bur­gen­län­di­schen Ge­mein­de Weiden bei Rechnitz (Bez. Oberwart). Nach den bis­he­ri­gen An­nah­men leb­ten in Pod­goria keine Roma. Doch Angela Kautz, eine kroa­ti­sche Zeit­zeugin, ge­bo­ren in Podgoria, er­zählt von den Roma­familien in ihrem Ort. Sie ka­men, wie ihr Mann, aus Slowenien, ha­ben sich in Pod­go­ria nieder­ge­las­sen, sagt sie im Interview mit Em­me­rich Gärtner-Horvath. Um sich über Was­ser hal­ten zu kön­nen, wa­ren eini­ge we­nige Roma­familien als Hilfs­kräfte in der Land­wirt­schaft tätig, bis zur De­por­tation.

Podgoria, Ober- vaj Unterpodgoria, jek bur­genlandi­tiko gav andi gemajn­di Weiden bei Rechnitz hi. Dschi­dokle niko na dschan­lahi, hot ande Podgoria Roma dschiv­nahi. Ham i Angela Kautz, jek hor­vacki cajta­keri ceu­gin, upro them ali ande Pod­goria, phu­kal pedar Roma fami­liji andar lakero gav. Read the rest of this entry »

Radio LORA: Sinti und Roma in München

Januar 13th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Freies Radio LORA 92,4LORA München 92,4 | Auf Kante genäht
Gestaltung: mike_gh| 28.11.2016 | 58:25 min
>>Streaming | >>Download (mp3, 53 MB)

Aus Anlass der Ausstellung „Die Verfolgung der Sinti und Roma in München“ , noch zu sehen bis 29.1.2017 (mehr hier), gestaltete das freie Radio „LORA 92,4“ eine einstündige Sendung seiner Programm­reihe „Auf Kante ge­näht“ über Sinti und Roma in München, Bayern und Europa. Die The­men der Sendung:

  • Interviews mit Kurli, einem jungen Sinto, über seine Er­fah­run­gen im Um­gang mit Kun­den und in der Grund­schule
  • Überblick: Seit wann Sinti und Roma in Deutschland le­ben und wie sind be­han­delt wurden
  • Gespräch mit H. Burger, Sozialarbeiter bei DROM, einer Be­ra­tungs­stel­le im Hasenbergl
  • Was ist der Unterschied zwischen Integration und Teilhabe
  • Ausschnitte aus dem Vortrag „Sicht auf Europa und Deutsch­land“ von Herbert Heuss
  • Vertrauen – wen wundert es eigentlich, wenn sich Sinti und Roma auf die eige­ne Fa­mi­lie als Rück­zugs­ort ver­lassen?
  • Vorstellung zweier Studien zum Thema Antiziganismus
  • Dazu ein Interview mit Aloe Yalpi – er hat als heilpäda­go­gi­sche Unter­richts­hil­fe Er­fah­run­gen mit Sinti in Mün­chen ge­sam­melt

(Text: freie-radios.net)

SRF: Die Sprache der Roma

November 11th, 2016  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Romani

C. Kruck und St. Laederich (Foto: M. Lehmann/SRF)Interview mit Cristina Kruck und Stéphane Laederich über die Sprache der Roma

Radio SRF 4 News, Sendung vom 4.11.2016
Moderation: Marc Lehmann
>>Anhören (mp3)

In der Schweiz spricht man neben Romanisch auch Romani. Ro­ma­ni ist aber die Spra­che der Roma, der «Zi­geu­ner». Die 80-jäh­rige Cristina Kruck spricht sie und ihr Sohn Stéphane Laederich (Anm.: ein In­ter­view mit ihm fin­den Sie in dROMa 45/2015), der ein Buch darüber ge­schrie­ben hat. Beide sind Gast im «Tages­gespräch» bei Marc Leh­mann.

Die Unesco hat extra einen «Tag des Romani» ins Le­ben ge­ru­fen. Er findet am 5.11. statt. Roma­ni – oder Romanes, wie man im deutsch­spra­chi­gen Raum auch sagt – wird noch von Mil­lio­nen Men­schen in Europa ge­spro­chen. Nur weiss man das kaum. Über die Spra­che ist we­nig be­kannt – wie über­haupt von der Lebens­weise der Roma. (…) Der pro­mo­vierte Mathe­ma­tiker und Banker Stéphane Laederich ist Direk­tor der Rroma Foundation, einer von mehre­ren Schweizer Roma-Ver­bänden, und er hat ein Standard­werk über die Roma ge­schrie­ben. Seine Mutter Cristina Kruck war auf der ganzen Welt als IKRK-De­le­gierte tätig, spricht sie­ben Spra­chen fliessend und ist auch mit 80 noch im­mer Ak­ti­vistin.

(Text: SRF.ch. Wir danken Marc Lehmann für die freundliche Erlaubnis.)

„Eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit“

Oktober 15th, 2016  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung

Regisseur Stefan Ludwig (Foto: budapester.hu)Interview der Budapester Zeitung mit Stefan Ludwig, Regisseur des Dokumentarfilms „Der zornige Buddha“ (mehr hier und hier)

Herr Ludwig, wie kommt ein Dokumentarfilm­macher aus Deutsch­land, der in Öster­reich lebt, dazu, einen Film über eine buddhis­tische Schule für Roma in Ost­ungarn zu dre­hen? Wie sind Sie zu dem exo­ti­schen Thema ge­kommen?
St. L.: Ich finde es gar nicht exotisch. Ich denke, es ist ein uni­ver­sel­les Thema und die Situa­tion in Sajókaza steht bei­spiel­haft für jede Situa­tion, in der Men­schen von Bildung aus­ge­schlos­sen sind. Al­ler­dings hat­te ich mich zuvor nur wenig mit Ungarn be­schäf­tigt. 2011 wurde ich durch die Er­eig­nis­se in Gyöngyöspata auf die Si­tua­tion der un­ga­ri­schen Roma auf­merk­sam. Dort mar­schier­ten para­militä­rische Trup­pen in Roma­siedlun­gen auf und sorg­ten tage­lang für Angst. Ich habe mich damals ge­fragt: ‚Was ist da eigent­lich los?‘ und habe be­gon­nen, mich mit dem Thema aus­einan­der­zu­setzen. Ich bin dann auf einen Arti­kel von János Orsós ge­stoßen. Er be­schreibt darin, wie er als Rom seinen Weg zu Bildung ge­fun­den hat und dass er selbst nach dem Diplom noch das Gefühl hatte, sich be­wei­sen zu müs­sen. Er ist sein Leben lang auf der Suche und findet erst in Indien das Positiv­bei­spiel, das ihm die Hoff­nung gibt, dass auch seine eige­nen Leute ihre Lage ver­bes­sern können. Das fand ich eine große, span­nen­de Ge­schich­te. Ich habe mit ihm Kontakt auf­ge­nom­men und bin dann bald das erste Mal hin­ge­fah­ren, um zu re­cher­chieren.

Wie ging es dann weiter?
Ich durfte wochenlang bei ihnen Gast sein und hatte meine eige­ne Matratze im buddhisti­schen Gemeinde­zentrum, wo sie auch schla­fen. Man gab mir über­ra­schend viel Zu­gang zur Schule, ich konnte so­gar im Unterricht ein- und aus­gehen. Die Schüler sind nicht schüch­tern, wenn es darum geht, ins Gespräch zu kom­men – im Gegen­teil, sie fan­gen sogar schnell an, einen aufs Korn zu nehmen, sagen einem zum Bei­spiel un­anstän­dige Wörter und freuen sich, wenn man sie nach­spricht. Doch sie sind auch un­glaub­lich kamera­scheu und gerade, wenn es darum geht, ernst­haft zu werden und darüber zu reden, wer sie sind, was für Träu­me sie haben und was sie sich vom Leben er­war­ten, sind sie sehr zurück­hal­tend. Read the rest of this entry »

Warum die Wunde offen bleibt

Oktober 10th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview

Marika Schmiedt: Warum die Wunde offen bleibtDokumentarfilm von Marika Schmiedt, AT 2016, 80 min.

Premiere in Anwesenheit der Regisseurin
Sa., 22. Oktober 2016, 17.30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

Marika Schmiedt untersucht und benennt die Wunde, ver­sucht sie zu begrei­fen, greift hinein, zerrt und wei­tet sie. Das ist ein inten­si­ver und schmerz­haf­ter Pro­zess und der dabei ent­stan­dene Doku­men­tar­film ist kein ein­fach zu kon­sumie­ren­der. Im Film wird viel gespro­chen, nach 78 Minu­ten wird klar, dass auch über das „Un­aus­sprech­li­che“ gespro­chen werden kann und muss. Über Struk­tu­ren der Diskri­mi­nie­rung, der Gewalt und über Kon­ti­nui­tä­ten. Marika Schmiedt und ihr Film spre­chen sich al­ler­dings gegen eine ver­harm­lo­sen­de, ober­fläch­li­che Heilung aus, viel­mehr wer­den Wege der Ver­tie­fung und des Wider­stands ge­zeigt.

„Warum die Wunde offen bleibt“ beschäftigt sich mit der Auf­arbei­tung des Holocausts an Roma und Sinti durch die so­ge­nannte „2.“ und „3. Gene­ra­tion“. Die histo­ri­schen Ver­trei­bun­gen, Ver­fol­gun­gen und Mas­sen­morde werden the­ma­ti­siert, auch per­sön­lich durch das bio­gra­fi­sche Erzählen der Pro­ta­gonistin­nen. Dabei ver­deut­licht gerade die Rela­tion zu aktu­el­len Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ver­bre­chen gegen Roma und Sinti die Not­wen­dig­keit um­fas­sen­der Aus­einan­der­setzun­gen: ge­schicht­licher, fa­miliä­rer, psycho­ana­ly­ti­scher und nicht zu­letzt die Dring­lich­keit der poli­tischen.

Im Mittelpunkt des Films stehen lange Interviews bzw. Gesprä­che mit drei be­ein­drucken­den Frauen: Read the rest of this entry »

„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012)

Oktober 9th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Martina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Le­bens­ge­schich­ten bur­gen­län­di­scher Roma

Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Phi­lo­sophie und Bil­dungs­wis­sen­schaft), 127 S.

→Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugen­dokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein „Roma-Service“, aus an­er­ken­nungs­theo­re­tisch fun­dier­ter Per­spek­tive be­trach­tet. Dabei bil­det das An­er­ken­nungs­mo­dell des deut­schen Sozial­philo­sophen Axel Hon­neth das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Un­ter­suchung. Honneth dif­fe­ren­ziert zwi­schen drei An­erken­nungs­mus­tern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Miss­ach­tungs­for­men – Miss­handlung, Ent­rechtung, Ent­würdigung – ent­ge­gen­stellt. Diese Unter­schei­dung trifft er auf­grund ihrer je­wei­li­gen Be­deu­tung für For­men des Selbst­be­zugs – Selbst­vertrauen, Selbst­achtung und Selbst­schätzung. Mit Hilfe einer qua­li­ta­ti­ven Inhalts­analyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Be­deu­tung von Anerkennungs- bzw. Miss­ach­tungs­­er­fah­­run­­gen für Handl­ungs­freiheit und Selbst­wert der 15 er­zäh­len­den Burgenland-Roma be­trach­tet.

„Mri Histo­rija“ ist nicht nur als Bei­trag zur öster­rei­chi­schen Erin­nerungs­kultur zu se­hen, son­dern gleich­zeitig als kri­tische Thema­ti­sie­rung von sozialen Aus­schließungs­pro­zes­sen, die eine selbst­bestimm­te Lebens­praxis be­hin­dern und sich nega­tiv auf den Selbst­wert der Indi­vi­duen aus­wirken kön­nen. In „Mri Historija“ wer­den je­doch Ent­wick­lun­gen sicht­bar, die auf ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Burgenland-Roma ver­weisen. (M. Schedl, S. 120)

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Interview zu The Érpatak Model

April 30th, 2016  |  Published in Film & Theater, Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio FROInterview mit Regisseur Benny Brenner (engl.)

Kino für die Ohren – Crossing Europe 2016 | Radio FRO 105,0
Sendung vom 22. April 2016 | Redaktion: Julia Krikler

Ungarn: Der Regisseur Benny Brunner hat einen Film über ein unga­ri­sches Dorf ge­dreht, des­sen Bürgermeister vor Ort ein fa­schis­ti­sches Re­gime etabliert hat. Die Men­schen in Érpatak müs­sen sich seiner dik­ta­to­ri­schen Ord­nung beu­gen, wenn sie nicht Gefahr lau­fen wol­len, empfind­lich sanktio­niert zu wer­den. Der Bür­ger­meis­ter und seine An­hän­ger feiern die Waf­fen-SS, ver­brei­ten Un­wahr­hei­ten über den 2. Welt­krieg, unter­drücken die eige­ne Be­völ­ke­rung und viel mehr noch die an­säs­si­gen Roma-Fa­mi­lien, de­nen schon mal ein­fach die Kinder weg­ge­nom­men wer­den. Das al­les pas­siert vor den Augen des un­ga­ri­schen Staates, der die­ses Vor­ge­hen gut­zu­heißen scheint. Ein Doku­men­tar­film, der Angst vor dem zu­künf­ti­gen Euro­pa macht!

(Text: cba.fro.at)

Nedjo: „Schule ist ein Stück Normalität“

November 18th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil V)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men:

Nedjo*: „Schule ist ein Stück Normalität“


Ich bin vor 16 Jahren im Kosovo geboren. Zu­sam­men mit mei­nen Eltern bin ich 1999 von dort aus nach Göttingen ge­flo­hen. Daran kann ich mich aber nicht mehr erin­nern, ich war ja noch ein Baby. Manch­mal er­zäh­len mir meine Eltern von die­ser Flucht, aber nie sehr viel. Es war sehr schreck­lich und trau­ma­tisch für sie.

Ich gehe in die 10. Klasse einer Sonder­schule und wer­de in einem Jahr mei­ne Schule be­en­den. Ich habe ein we­nig Prob­le­me mit dem Deut­schen, weil meine Eltern mir nicht so gut beim Lernen hel­fen können. Aber eigent­lich schickt man jedes Kind, des­sen Eltern nicht Deutsche sind, auf diese Sonder­schule. Ich meine, ich bin doch genau so klug wie ein Kind deut­scher Eltern! Am besten bin ich in Mathe. Vor allem Geo­metrie mag ich richtig gern. Nach meiner Schule möchte ich gern eine Aus­bil­dung zum KFZ-Mecha­ni­ker machen. Ich stelle es mir schön vor, diesen Beruf aus­zu­üben, mein eigenes Geld zu ver­die­nen und eine Be­schäf­ti­gung zu haben, die mir Spaß ma­chen wird.

Manchmal fragen mich die Men­schen, ob ich mich gut in Deutschland ein­ge­lebt habe. Das finde ich merk­wür­dig. Schließ­lich bin ich ja hier auf­ge­wach­sen. In was sollte ich mich da ein­leben?

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Rahim: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“

November 14th, 2015  |  Published in Allgemeines, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil IV)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men. Rahim, heute 22, erinnert sich:

Rahim*: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“


Ich bin vor 22 Jahren im Kosovo geboren. Zusam­men mit meinen Eltern bin ich von dort aus nach Deutschland geflo­hen. Damals war ich noch ein Klein­kind, wes­halb ich mich nicht an die Flucht erin­nere. Aber meine Eltern haben mir er­zählt, dass wir mit dem Auto zuerst über die deut­sche Gren­ze bis nach Olden­burg ge­kom­men sind. Dort wurden wir zu unserer Flucht und un­se­ren Grün­den, warum wir nun in Deutschland sind, be­fragt. Danach ging es für uns nach Nord­horn in Nieder­sachsen. Hier lebe ich nun schon sehr lange mit meiner Fa­milie. Mein Vater ist mittler­weile lei­der gestor­ben, wes­halb meine Mutter für uns Kin­der allein auf­kom­men muss. Ich wür­de mir wün­schen, dass ich end­lich einen Job fin­de, um meine Mutter fi­nan­ziell zu unter­stützen. Die Arbeits­suche wäre leich­ter mit einem Auf­ent­halts­titel. Denn seit unse­rer An­kunft in Deutsch­land haben wir alle nur eine Dul­dung.

Ich habe mir seit unserer Flucht natür­lich ein Leben in Deutsch­land auf­ge­baut. Das Koso­vo fühlt sich nicht wie meine Hei­mat an, nur weil ich dort ge­boren wurde. Ich bin in Deutsch­land zu Hau­se. Read the rest of this entry »

Jelena: „An einem seidenen Faden“

November 11th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil III)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men:

Jelena*: „Unsere Zukunft hängt an einem seidenen Faden“


Unsere Großfamilie, unsere Groß­eltern, Eltern und Geschwis­ter so­wie unsere zwei Onkel mit deren Ehe­frauen ka­men 1999 aus dem Koso­vo nach Deutschland. Wir leben nun schon seit 15 Jah­ren in Göttingen. Un­ser Groß­vater erzählte oft, dass wir in Lipljan ein schö­nes Haus hatten. Nie­mand hätte geahnt, dass es zum Krieg kom­men würde. Doch der Krieg brach aus und unsere Groß­fami­lie kam nach Deutsch­land. Inzwi­schen sind wir drei Ehe­paare und 19 Kin­der. Unsere Oma wohnt bei uns. Der Groß­vater ist letz­tes Jahr gestor­ben. Meine Schwes­ter war noch Baby, als unsere Familie flüch­tete. Wir ande­ren Kinder sind in Deutsch­land gebo­ren. Auf­ge­wach­sen sind wir alle hier. Deutsch ist unsere Mutter­sprache. Wir spre­chen zu Hau­se auch Romanes, aber unter­einan­der und mit un­se­ren Freun­den re­den wir auf Deutsch.

Wir sind dankbar, dass wir hier leben dürfen. Wir sind in Verei­nen und machen bei Theater­pro­jek­ten mit. Unsere Eltern haben es leider schwer, eine Arbeit zu fin­den. Ihnen fehlt die richtige Qua­li­fi­zie­rung. Nach vie­len Ableh­nun­gen sind sie depri­miert und unglück­lich. Unser seit Jah­ren ungelös­ter recht­licher Status macht un­se­re Eltern und uns auch kaputt. Read the rest of this entry »

Zeko: „Deutschland ist unsere Heimat“

November 9th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil II)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men. Auf Šaban folgt Zeko:

Zeko*: „Deutschland ist unsere Heimat“


Ich bin 8 Jahre alt und komme aus Göttingen. Hier bin ich auch geboren. Meine Eltern stam­men aus dem Kosovo, wo auch mein ältes­ter Bruder ge­bo­ren wurde. Sie leben nun schon seit 15 Jah­ren in Deutsch­land. Ich selbst war noch nie im Koso­vo und meine Eltern re­den auch nicht so viel darü­ber, wie es im Ko­sovo ist. Ich weiß nur, dass es schlimm für sie war, dass sie flie­hen muss­ten. Und ich weiß auch, dass man im Kosovo Alba­nisch und Ser­bisch redet. Aber das kann ich nicht spre­chen. Ich spreche zu Hause mit mei­nen Eltern Romanes und mit allen an­de­ren, also mit meinen Geschwis­tern und mit meinen Freun­den, Deutsch. In Deutschland habe ich al­le mei­ne Freun­de. Ein paar an der Schule und ganz viele auch in unserer Nach­bar­schaft. Mit den Nach­bars­kin­dern spie­le ich nach der Schule oft draußen oder wir gehen Fuß­ball spielen.

Ich denke, es wäre schlimm für mich und meine Fa­mi­lie, wenn wir in das Ko­so­vo gehen müss­ten. Wir ken­nen dort ja nie­man­den. Und wie soll ich dort reden und mich ver­stän­di­gen? Read the rest of this entry »

Šaban: „Menschen zweiter Klasse“

November 7th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil I)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men:

Šaban*: „Die Duldung macht uns zu Menschen zweiter Klasse“


Ich bin 15 Jahre alt und habe drei ältere Geschwister, zwei Brüder und eine Schwes­ter. Mein ältes­ter Bruder war bei der Flucht mei­ner Eltern zwei Jahre alt. Wir ande­ren sind alle in Deutsch­land gebo­ren. Meine Eltern ent­schlos­sen sich 1988 für die Flucht aus dem Kosovo, als mei­nem Vater an­ge­droht wurde, dass er von der ser­bi­schen Armee zwangs­mobi­li­siert wer­den könn­te. Nur in der Flucht aus dem Ko­sovo sa­hen sie eine Ret­tung.

Seit 26 Jahren leben meine Eltern nun in Duldung. Ich bin so­zu­sa­gen in den Status hinein­ge­boren. Alle 2 bis 6 Monate wird er ver­län­gert. Die kurze Gül­tig­keit einer Duldung und die Auf­lagen, die damit ver­bun­den sind, haben das nor­ma­le Leben un­se­rer Familie un­mög­lich gemacht. Die seit Jahr­zehn­ten gel­tende Residenz­pflicht[1] machte es prak­tisch un­mög­lich, dass sich meine Eltern rich­tig be­tä­ti­gen. Read the rest of this entry »

„Erzählungen vom Unrecht“

August 22nd, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Zeitzeuge Cvetko Mirković, Überlebender des KZ Sajmiste (Filmstill aus Video 1)Max Mannheimer Studienzentrum Dachau: Kurzfilme der Jugendbegegnung „Erzählungen vom Unrecht/Stories of Injustice“ online

→Video 1 | →Video 2 | →Video 3 | →Video 4

Unter dem Projekttitel „Erzählungen vom Unrecht / Stories of Injustice“ haben sich 20 Jugend­li­che aus dem Raum Dachau / München und aus Serbien 2012/2013 über neun Mona­te hin­weg inten­siv mit der Ge­schichte und Gegen­wart von Sinti und Roma in Deutschland und Serbien auseinan­der­ge­setzt. Es wur­de dabei die national­sozia­lis­ti­sche Ver­fol­gung von Sinti und Roma ebenso thema­ti­siert wie die bis heute anhal­ten­de Diskri­mi­nie­rung. Die Gruppe beschäf­tigte sich bei­spiels­weise mit dem Kampf der Sinti und Roma um Anerkennung als Opfer des Natio­nal­sozia­lis­mus und mit der Bürger­rechts­bewe­gung ab den 1980er Jahren. Auch die aktuel­le Situa­tion in Deutsch­land und in Ser­bien war Thema.

Im Rahmen des Projektes wurden von den Jugendlichen neun Inter­views mit Über­lebenden der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­fol­gung und de­ren Angehö­ri­gen geführt. Diese Inter­views bilde­ten die Grund­lage für vier jetzt auch online ver­füg­bare kurze Filme, in denen die Erfah­run­gen aus beiden Län­dern zu­sam­men­geführt wurden und in denen Sinti und Roma aus Deutsch­land und Ser­bien ein­drucks­voll Zeugnis von der Geschichte seit 1933 ab­legen.

(Text: mmsz-dachau.de)

„Es geht um Self-Empowerment“

August 4th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung

Silas Kropf (Foto: inforadio.de)Am Wochenende wurde – zum Jahrestag der Auf­lösung des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau – euro­pa­weit des Völ­ker­mords an Sinti und Roma ge­dacht. Am 2. August 1944 wur­den die letzten In­sassen des „Zigeuner­lagers“, fast 3.000 Per­sonen, ermor­det. Silas Kropf, 20, ist deut­scher Sinto, lebt im Saar­land und absol­viert ein duales Stu­dium, Fach­richtung Wirt­schafts­infor­matik. Seit einem Jahr ist er im Vor­stand der deutschen Jugend­orga­ni­sa­tion Amaro Drom. Für die taz führte Hilke Rusch mit ihm ein Ge­spräch über Stereo­type, Auf­ar­bei­tung und Präsenz:

Herr Kropf, was wissen Sie über den Porrajmos, den NS-Völ­ker­mord an Sinti und Roma?
Eine Menge, in meiner Familie war der Holocaust all­ge­gen­wär­tig. Teile meiner Fa­milie wurden in Konzentra­tions­lager depor­tiert, andere lebten ver­gleichs­weise ge­schützt in einem Dorf. Dort ließ der Orts­vor­ste­her Steri­li­sa­tions­befehle ver­schwin­den, weil meine Ur­groß­mutter eine an­ge­se­he­ne Frau war. In der Fami­lie ha­ben wir viel darüber gespro­chen, und bis heute gibt es Angst vor Ver­fol­gung. Darum bin ich mit einem Tabu auf­ge­wach­sen: Ich durfte nicht zei­gen, wer ich bin.

Sie mussten verstecken, dass Sie Sinto sind?
Ja, es musste geheim bleiben. Durch meinen Groß­vater ist die Fa­milie nach außen sehr auf Ab­stand zu unserer Kultur ge­gan­gen. Das geht so weit, dass in mei­nem Teil der Fami­lie zum Schutz leider kein Romanes mehr gespro­chen wird.

Lesen Sie bitten weiter auf taz.de.

Notreisende auf Augenhöhe

Mai 2nd, 2015  |  Published in Interview, Rassismus & Menschenrechte

Videoportraits in Salzburg: IoanelaVideoporträts Notreisender in Salzburg

Ein Projekt von Runder Tisch für Menschenrechte und helix – forschung & beratung

>> zu den Videoporträts

Wer sind die Menschen, die von der Politik und den Medien oft pau­schal als Ange­hö­rige einer „Bettelmafia“ stig­ma­ti­siert wer­den, welche Ge­schich­ten haben sie zu erzählen, woher kom­men sie und warum haben sie ihre Heimat ver­lassen, mit welchen Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen kamen sie nach Salzburg und wie wurde die Reise konkret rea­li­siert, welche Schul- und Berufs­bildung haben sie, hatten sie einmal eine Arbeits­stelle, wie sehen die Sozial­leis­tun­gen und Lebens­bedin­gun­gen in der Her­kunfts­region aus, wo ist die Fami­lie und wie (über)lebt sie, wie schla­gen sie sich in Salz­burg durch und wie erle­ben sie ihren Alltag hier, wie reagieren die Pas­santIn­nen und An­woh­nerInnen auf sie, wie helfen sie einan­der und welche exter­nen Hilfs­angebote ken­nen und nutzen sie?

Fragen wie diesen gingen wir in unseren Video­portraits nach, um damit not­reisen­den BettlerInnen, die sich in Salz­burg auf­hal­ten, ei­ne Stimme und ein Gesicht geben.

(Projektvorstellung: notreisendesalzburg.wordpress.com)

Radio Freirad über Jovan Nikolić

April 30th, 2015  |  Published in Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Freies Radio Freirad InnsbruckRadio Freirad | KulturTon, 20.4.2015

>> zum Beitrag (7:51 Min)

Im einem Beitrag von Michael Haupt geht es um Romani-Literatur, und zwar konkret um Jovan Nikolić, der im Mai auf Ein­la­dung der Uni Innsbruck als Writer in Resi­dence nach Innsbruck kommt. Michael Haupt hat mit Beate Eder-Jordan von der Philo­lo­gisch-Kultur­wissen­schaft­li­chen Fakul­tät gesprochen.

(Programminfo: Freirad)