Rahim: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“

November 14th, 2015  |  Published in Allgemeines, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

GfbV Logo

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil IV)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men. Rahim, heute 22, erinnert sich:

Rahim*: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“


Ich bin vor 22 Jahren im Kosovo geboren. Zusam­men mit meinen Eltern bin ich von dort aus nach Deutschland geflo­hen. Damals war ich noch ein Klein­kind, wes­halb ich mich nicht an die Flucht erin­nere. Aber meine Eltern haben mir er­zählt, dass wir mit dem Auto zuerst über die deut­sche Gren­ze bis nach Olden­burg ge­kom­men sind. Dort wurden wir zu unserer Flucht und un­se­ren Grün­den, warum wir nun in Deutschland sind, be­fragt. Danach ging es für uns nach Nord­horn in Nieder­sachsen. Hier lebe ich nun schon sehr lange mit meiner Fa­milie. Mein Vater ist mittler­weile lei­der gestor­ben, wes­halb meine Mutter für uns Kin­der allein auf­kom­men muss. Ich wür­de mir wün­schen, dass ich end­lich einen Job fin­de, um meine Mutter fi­nan­ziell zu unter­stützen. Die Arbeits­suche wäre leich­ter mit einem Auf­ent­halts­titel. Denn seit unse­rer An­kunft in Deutsch­land haben wir alle nur eine Dul­dung.

Ich habe mir seit unserer Flucht natür­lich ein Leben in Deutsch­land auf­ge­baut. Das Koso­vo fühlt sich nicht wie meine Hei­mat an, nur weil ich dort ge­boren wurde. Ich bin in Deutsch­land zu Hau­se. Über das Koso­vo habe ich nur aus den Erin­ne­run­gen meiner El­tern und auch aus den Nach­rich­ten er­fah­ren. Ich weiß, dass es im Ko­so­vo je­doch noch schwie­ri­ger ist, einen Job zu fin­den. Viele Men­schen dort leben auf der Straße und müs­sen bet­teln. Beson­ders für uns Roma ist die Situa­tion im Kosovo schwie­rig. Von Freun­den meiner Eltern und von Fami­li­en­ange­hö­ri­gen, die im Kosovo leben, weiß ich, dass sie vor al­lem mit viel Diskri­mi­nie­rung zu kämpfen haben. Ich habe von Men­schen gehört, dass sie auf of­fe­ner Straße ver­prü­gelt und be­schimpft wor­den sind, nur weil sie Roma sind. Das ist doch schreck­lich.

*Name von der Redaktion geändert. Die richtigen Namen und vollständigen Aussagen der Flüchtlingskinder liegen uns vor.

(Text: gfbvberlin.wordpress.com)

Comments are closed.