Zeko: „Deutschland ist unsere Heimat“
November 9th, 2015 | Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil II)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen. Auf Šaban folgt Zeko:
Zeko*: „Deutschland ist unsere Heimat“
Ich bin 8 Jahre alt und komme aus Göttingen. Hier bin ich auch geboren. Meine Eltern stammen aus dem Kosovo, wo auch mein ältester Bruder geboren wurde. Sie leben nun schon seit 15 Jahren in Deutschland. Ich selbst war noch nie im Kosovo und meine Eltern reden auch nicht so viel darüber, wie es im Kosovo ist. Ich weiß nur, dass es schlimm für sie war, dass sie fliehen mussten. Und ich weiß auch, dass man im Kosovo Albanisch und Serbisch redet. Aber das kann ich nicht sprechen. Ich spreche zu Hause mit meinen Eltern Romanes und mit allen anderen, also mit meinen Geschwistern und mit meinen Freunden, Deutsch. In Deutschland habe ich alle meine Freunde. Ein paar an der Schule und ganz viele auch in unserer Nachbarschaft. Mit den Nachbarskindern spiele ich nach der Schule oft draußen oder wir gehen Fußball spielen.
Ich denke, es wäre schlimm für mich und meine Familie, wenn wir in das Kosovo gehen müssten. Wir kennen dort ja niemanden. Und wie soll ich dort reden und mich verständigen? Ich glaube nicht, dass dort jemand Deutsch sprechen kann. Ich verstehe auch nicht, warum wir zurück müssen. Deutschland ist doch unsere Heimat!
*Name von der Redaktion geändert. Die richtigen Namen und vollständigen Aussagen der Flüchtlingskinder liegen uns vor.
(Text: gfbvberlin.wordpress.com)