Rassismus & Menschenrechte
Dezember 8th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Ein Gericht in Mazedonien hat die Behörden wegen Racial Profilings bei den Grenzkontrollen verurteilt. Angehörige der Roma-Minderheit werden in Mazedonien systematisch an der Ausreise gehindert. Durch diese diskriminierende Praxis, die Staatsbürger je nach Ethnie unterschiedlich behandelt und das Grundrecht auf Bewegungsfreiheit verletzt, wollen die Behörden verhindern, dass Roma aus Mazedonien in EU-Staaten um Asyl ansuchen. Das Urteil des Gerichts in Bitola, das Ende November veröffentlicht wurde, betrifft den zwei Jahre zurückliegenden Fall eines Roma-Ehepaars, das – gemeinsam mit seinen Enkelkindern – Familienangehörige in der Schweiz besuchen wollte und dem der Grenzübertritt aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit verweigert wurde. Das European Roma Rights Centre (ERRC) berichtet:
Sie waren die einzigen Reisenden im Bus, bei denen mehr als nur der Reisepass überprüft wurde. Das Ehepaar konnte alle erforderlichen Papiere, Rückreisetickets, 2.000 Euro Bargeld und eine schriftliche Einladungsbestätigung vorweisen. Dennoch wurde ihnen verboten, das Land zu verlassen, und der Bus fuhr ohne sie weiter.
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Dezember 7th, 2015 |
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Dokumente & Berichte, Hochschulschriften, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Birgit Fuchs: Bettelverbote in Österreich, Eine Betrachtung von geschichtlichen, juristischen und sozialen Aspekten am Beispiel von Oberösterreich, Bachelorarbeit, FH Oberösterreich, Linz 2015.
Die Linzerin Birgit Fuchs, Studentin an der FH Oberösterreich, Fakultät für Gesundheit und Soziales Linz, hat ihre Bachelorarbeit zum Thema der Bettelverbote verfasst. Ihre Arbeit ist in voller Länge auf der Website der Bettellobby OÖ verfügbar (hier geht es zum Download). Das Fazit der Arbeit ist eindeutig: Das Bettelverbot löst keine Probleme. Im Abstract der Arbeit heißt es:
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Bettelverboten in Österreich auseinander. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit Begrifflichkeiten, Statistiken und dem geschichtlichen und juristischen Aspekt der Bettelei. Dabei stehen die Entwicklung im Laufe der Geschichte sowie die heutige gesetzliche Situation im Vordergrund. Nach der theoretischen Auseinandersetzung folgt der empirische Teil mit der Auswertung der Interviews mit den ExpertInnen aus dem sozialen Bereich und des Ordnungsdienstes Linz. Das Augenmerk liegt dabei auf der Bedeutung der Bettelverbote für die Betroffenen, die soziale Arbeit und die Kontrollorgane. Von Relevanz sind auch die Sinnhaftigkeit des Verbotes und die Alternativvorschläge der Befragten. Im Anschluss kommt es zur Interpretation und Gegenüberstellung der Ergebnisse der Interviews und der behandelten Fachliteratur. Das Ergebnis zeigt, dass das Bettelverbot keine Lösung für die Bettelproblematik ist.
Dezember 1st, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Papuşa Ciuraru, 81, überlebte als Kind in Rumänien den Roma-Holocaust. Jetzt bettelt sie auf den Straßen Stockholms. „Es it eiskalt. Aber ich tue das für meine Enkelkinder“, sagt sie.
Die schwedische Tageszeitung „Aftonbladet“ erzählt ihre Geschichte.
Mehr hier (Englisch)
November 29th, 2015 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Romano Centro (Hg.):
Antiziganismus in Österreich
Falldokumentation 2013–2015
Informationen für Betroffene und ZeugInnen
Wien, Nov. 2015, 36 S.
Der Verein Romano Centro hat vergangene Woche seinen 2. Bericht (Download, PDF/5 MB) über antiziganistische Vorfälle in Österreich präsentiert. Von Antiziganismus betroffen sind in erster Linie Roma und Sinti, aber z. B. auch BettlerInnen. Der Bericht enthält 61 Fälle aus den Bereichen Medien, Politik, Internet, Arbeit, Bildung, Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, Polizei und öffentlichem Raum. Zusätzlich enthält der Bericht Informationen für Betroffene sowie Empfehlungen zur Bekämpfung von Antiziganismus.
Der Verein Romano Centro gibt seit 2013 alle zwei Jahre einen Bericht zu Antiziganismus heraus, um auf diese Form des Rassismus aufmerksam zu machen.
November 24th, 2015 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Dokumentarfilm, AT 2015, OmU, 21 Min., Regie: Monika K. Zanolin
Betteln ist in Österreich grundsätzlich erlaubt. Wenn jemand in der Öffentlichkeit auf die eigene Not hinweist und um Unterstützung bittet, fällt dies unter das Recht auf freie Meinungsäußerung. Trotzdem werden Bettelverbote gefordert, in der politisch-medialen Öffentlichkeit ist immer wieder von „Bettlerbanden“, „Bettelmafia“ oder Belästigung zu hören. Doch was wissen wir über bettelnde Menschen und ihre Lebenssituation? Der Film „Betteln. Menschen. Rechte“ der Initiative Minderheiten Tirol gibt einen Einblick in Lebensbedingungen, Sichtweisen und Perspektiven bettelnder Menschen.
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November 18th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil V)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen:
Nedjo*: „Schule ist ein Stück Normalität“
Ich bin vor 16 Jahren im Kosovo geboren. Zusammen mit meinen Eltern bin ich 1999 von dort aus nach Göttingen geflohen. Daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern, ich war ja noch ein Baby. Manchmal erzählen mir meine Eltern von dieser Flucht, aber nie sehr viel. Es war sehr schrecklich und traumatisch für sie.
Ich gehe in die 10. Klasse einer Sonderschule und werde in einem Jahr meine Schule beenden. Ich habe ein wenig Probleme mit dem Deutschen, weil meine Eltern mir nicht so gut beim Lernen helfen können. Aber eigentlich schickt man jedes Kind, dessen Eltern nicht Deutsche sind, auf diese Sonderschule. Ich meine, ich bin doch genau so klug wie ein Kind deutscher Eltern! Am besten bin ich in Mathe. Vor allem Geometrie mag ich richtig gern. Nach meiner Schule möchte ich gern eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker machen. Ich stelle es mir schön vor, diesen Beruf auszuüben, mein eigenes Geld zu verdienen und eine Beschäftigung zu haben, die mir Spaß machen wird.
Manchmal fragen mich die Menschen, ob ich mich gut in Deutschland eingelebt habe. Das finde ich merkwürdig. Schließlich bin ich ja hier aufgewachsen. In was sollte ich mich da einleben?
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November 14th, 2015 |
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Allgemeines, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil IV)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen. Rahim, heute 22, erinnert sich:
Rahim*: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“
Ich bin vor 22 Jahren im Kosovo geboren. Zusammen mit meinen Eltern bin ich von dort aus nach Deutschland geflohen. Damals war ich noch ein Kleinkind, weshalb ich mich nicht an die Flucht erinnere. Aber meine Eltern haben mir erzählt, dass wir mit dem Auto zuerst über die deutsche Grenze bis nach Oldenburg gekommen sind. Dort wurden wir zu unserer Flucht und unseren Gründen, warum wir nun in Deutschland sind, befragt. Danach ging es für uns nach Nordhorn in Niedersachsen. Hier lebe ich nun schon sehr lange mit meiner Familie. Mein Vater ist mittlerweile leider gestorben, weshalb meine Mutter für uns Kinder allein aufkommen muss. Ich würde mir wünschen, dass ich endlich einen Job finde, um meine Mutter finanziell zu unterstützen. Die Arbeitssuche wäre leichter mit einem Aufenthaltstitel. Denn seit unserer Ankunft in Deutschland haben wir alle nur eine Duldung.
Ich habe mir seit unserer Flucht natürlich ein Leben in Deutschland aufgebaut. Das Kosovo fühlt sich nicht wie meine Heimat an, nur weil ich dort geboren wurde. Ich bin in Deutschland zu Hause. Read the rest of this entry »
November 12th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Zwei Männer im Alter von 36 bzw. 38 Jahren betraten Mittwochnacht in Dornbirn ein Zeltlager rumänischer Bettler und gaben sich als Polizeibeamte aus, um von den Roma Geld für die Flächennutzung zu fordern. Als sich die Notreisenden weigerten, traten die falschen Polizisten gegen die Zelte und rüttelten an ihnen. Mit einem Feuerzeug sengten sie zwei der Kunststoffzelte an; in einem der Zelte entstand ein größeres Brandloch. ORF.at meldet:
Es folgte eine körperliche Auseinandersetzung zwischen den Angreifern und den Rumänen, die sich zu verteidigen versuchten. Um Anschluss meldeten sich die falschen Polizisten bei der echten Polizei und gaben zu Protokoll, Opfer einer Körperverletzung geworden zu sein. Bei den Nachforschungen stellte sich der wahre Sachverhalt heraus.
Der Angriff ereignete sich vor dem Hintergrund heftiger Debatten über Notreisende in Vorarlberg. Erst vor wenigen Tagen wurde ein nicht genehmigtes Bettler-Zeltlager in Dornbirn polizeilich geräumt.
(dROMa)
November 11th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil III)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen:
Jelena*: „Unsere Zukunft hängt an einem seidenen Faden“
Unsere Großfamilie, unsere Großeltern, Eltern und Geschwister sowie unsere zwei Onkel mit deren Ehefrauen kamen 1999 aus dem Kosovo nach Deutschland. Wir leben nun schon seit 15 Jahren in Göttingen. Unser Großvater erzählte oft, dass wir in Lipljan ein schönes Haus hatten. Niemand hätte geahnt, dass es zum Krieg kommen würde. Doch der Krieg brach aus und unsere Großfamilie kam nach Deutschland. Inzwischen sind wir drei Ehepaare und 19 Kinder. Unsere Oma wohnt bei uns. Der Großvater ist letztes Jahr gestorben. Meine Schwester war noch Baby, als unsere Familie flüchtete. Wir anderen Kinder sind in Deutschland geboren. Aufgewachsen sind wir alle hier. Deutsch ist unsere Muttersprache. Wir sprechen zu Hause auch Romanes, aber untereinander und mit unseren Freunden reden wir auf Deutsch.
Wir sind dankbar, dass wir hier leben dürfen. Wir sind in Vereinen und machen bei Theaterprojekten mit. Unsere Eltern haben es leider schwer, eine Arbeit zu finden. Ihnen fehlt die richtige Qualifizierung. Nach vielen Ablehnungen sind sie deprimiert und unglücklich. Unser seit Jahren ungelöster rechtlicher Status macht unsere Eltern und uns auch kaputt. Read the rest of this entry »
November 9th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil II)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen. Auf Šaban folgt Zeko:
Zeko*: „Deutschland ist unsere Heimat“
Ich bin 8 Jahre alt und komme aus Göttingen. Hier bin ich auch geboren. Meine Eltern stammen aus dem Kosovo, wo auch mein ältester Bruder geboren wurde. Sie leben nun schon seit 15 Jahren in Deutschland. Ich selbst war noch nie im Kosovo und meine Eltern reden auch nicht so viel darüber, wie es im Kosovo ist. Ich weiß nur, dass es schlimm für sie war, dass sie fliehen mussten. Und ich weiß auch, dass man im Kosovo Albanisch und Serbisch redet. Aber das kann ich nicht sprechen. Ich spreche zu Hause mit meinen Eltern Romanes und mit allen anderen, also mit meinen Geschwistern und mit meinen Freunden, Deutsch. In Deutschland habe ich alle meine Freunde. Ein paar an der Schule und ganz viele auch in unserer Nachbarschaft. Mit den Nachbarskindern spiele ich nach der Schule oft draußen oder wir gehen Fußball spielen.
Ich denke, es wäre schlimm für mich und meine Familie, wenn wir in das Kosovo gehen müssten. Wir kennen dort ja niemanden. Und wie soll ich dort reden und mich verständigen? Read the rest of this entry »
November 8th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Roma sam
Radijo Burgenland: 2.11.2015 | (on demand)
Anticiganismus o lek bibastaleder adiveseskero problemo hi. Ande but europitike vilagi, aja aversijona ande bibastale prik astripeskere koji sikal pe. I definacijona jek sajt but schelberscha tradirimo diskriminacijakero komplekso, gejng o ojs „Zigeuner“ akarde, stigmatisirime taj tradime manuscha, akarel.
O historikeri Marius Weigl, savo pra diplomakera butjake „Für die öffentliche Sicherheit. Zur Genese der antiziganistischen Norm in Österreich zwischen 1918 und 1938“ o patijaripe le bundakere ministerijumistar la visenschoftake taj le forschinipestar uschtidija, and dikipe ande pri buti del: 1918 ando Nimtschko-austritiko Schtotiskero Birovtschago le andrutneske butscholahi, hot o „Zigeuner phutschajipe“ putrim hi. Usar o bersch 1938 austritike birovtschage sorale ande pumen bescharnahi, kaj o „putripe le Zigeuner-phutschajipestar“ ando tschatschipe prik beschardo te ol. Pal 1945 taj te ando avre bersche meg, o flogoskere grupnakere dschene le „Zigeuner-akaripeha“ kategorisirim ule. Buteder pedar, schunen tumen andi sendung „Roma sam“ upro Radijo Burgenland.
(volksgruppen.orf.at)
November 8th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Roma sam
Radio Burgenland: 2.11.2015 | (on demand)
Antiziganismus ist eines der drängendsten gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme. In vielen europäischen Ländern artet dieses Ressentiment in gewaltvollen Ausbrüchen aus. Der Begriff bezeichnet einen seit Jahrhunderten tradierten Vorurteilskomplex gegenüber als „Zigeuner“ etikettierten, stigmatisierten und verfolgten Individuen.
Der Historiker Marius Weigl, der für seine Diplomarbeit „Für die öffentliche Sicherheit. Zur Genese der antiziganistischen Norm in Österreich zwischen 1918 und 1938“ (hier) mit dem Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet wurde, gab bei den Schlaininger Gesprächen Einblick in seine Arbeit: 1918 hieß es im Deutsch-österreichischen Staatsamt des Inneren, dass die „Zigeunerfrage“ gelöst sei. Ab 1938 intervenierten die hiesigen Behörden massivst, um die „Lösung der Zigeunerfrage“ zu vollenden. Und nach der Befreiung 1945 und in den Folgejahren wurden Volksgruppenangehörige mittels des „Zigeuner-Begriffs“ kategorisiert. Mehr darüber erfahren Sie in der Sendung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.
(volksgruppen.orf.at)
November 7th, 2015 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil I)
GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 geschätzt. Um Platz für sie zu schaffen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo abgeschoben werden. Darunter Hunderte Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Doch was bedeutet das für die Flüchtlingskinder? Wir lassen fünf von ihnen zu Wort kommen:
Šaban*: „Die Duldung macht uns zu Menschen zweiter Klasse“
Ich bin 15 Jahre alt und habe drei ältere Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester. Mein ältester Bruder war bei der Flucht meiner Eltern zwei Jahre alt. Wir anderen sind alle in Deutschland geboren. Meine Eltern entschlossen sich 1988 für die Flucht aus dem Kosovo, als meinem Vater angedroht wurde, dass er von der serbischen Armee zwangsmobilisiert werden könnte. Nur in der Flucht aus dem Kosovo sahen sie eine Rettung.
Seit 26 Jahren leben meine Eltern nun in Duldung. Ich bin sozusagen in den Status hineingeboren. Alle 2 bis 6 Monate wird er verlängert. Die kurze Gültigkeit einer Duldung und die Auflagen, die damit verbunden sind, haben das normale Leben unserer Familie unmöglich gemacht. Die seit Jahrzehnten geltende Residenzpflicht[1] machte es praktisch unmöglich, dass sich meine Eltern richtig betätigen. Read the rest of this entry »
November 3rd, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Berlin — O pasche le bundakere dijestar paschlimo gondolinipeskero than le ando holocaust murdarde Sintijendar taj Romendar, jeke „Hakenkreuz-iha“ taj le alaveha „Vergasen“ aun pisim ulo. Sar i schtiftung gondolinipeskero than le murdarde dschidivtschenge la Europatar tschetertekon phentscha, odola pisiniptscha imar bejg khosle ule. O schtiftungakero direkteri Uwe Neumärker ada prik astaripe ojs „agresivi anticiganismus“ akartscha. O schtotiskero arakipeskero birovtschago ande anda peripe gejng naprindscharde panasi tschil. I schtiftung, savi upro gondolinipeskero than dikel phentscha, hot i sicherhajt pasche o gondolinipeskero than le 500.000 Sintijenge taj Romenge, save maschkar 1939 taj 1945 le nacijonalsocijalistendar murdarde ule, soraleder kerdi ol. „Te andi Germanija amare manuscha 70 berscha pal o flogoskero murdaripe meg mindig o sako diveseskero argranicalipe taj i diskriminacija esbe iste len“, phentscha o Romeo Franz, komponisto jeke cidime muschikakere falatostar anglo gondolinipeskero than. Read the rest of this entry »
Oktober 29th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas geschändet
Unbekannte haben im Eingangsbereich des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas im Berliner Simsonweg großformatig ein Hakenkreuz und den Schriftzug „Vergasen“ angebracht. Beide Schmierereien wurden entfernt. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die das Denkmal betreut, hat die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und Anzeige erstattet. Der Staatsschutz ermittelt.
Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal, verurteilt den Anschlag als „aggressiven Antiziganismus“ aufs Schärfste. Romeo Franz, Direktor der „Hildegard Lagrenne Stiftung“ und Komponist des Musikstückes am Denkmal, zeigt sich bestürzt: „Dies ist ein Angriff auf den Prozess der Versöhnung. Er trifft viele Sinti und Roma mit ihrer leidvollen Familiengeschichte sehr persönlich. Read the rest of this entry »
Oktober 21st, 2015 |
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Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Es gibt ein einziges, ausschlaggebendes Kriterium für Kindeswegnahmen durch den Staat: das Kindeswohl, sofern es durch keine anderen Maßnahmen mehr geschützt werden kann. Was aber, wenn die nackte Not Eltern und Kinder zwingt, in der Obdachlosigkeit zu leben? Welche Antwort verlangt das Kindeswohl? Die Kinder gegen ihren Willen von ihren Eltern zu trennen, sie mit Zwang und Gewalt aus dem Familienverband zu reißen und in ein fremdes Umfeld (mit fremder Sprache) zu verfrachten? Oder bedeutet Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse und Rechte von Minderjährigen, dafür zu sorgen, dass Eltern und Kinder eine dem Kindeswohl angemessene Übernachtungsmöglichkeit bekommen: mit Dach, Bett und sanitären Anlagen?
Die richtige Antwort sollte eigentlich für jeden, der sich auf das Kriterium des Kindeswohls beruft, feststehen. Nicht so in Vorarlberg, wo Landeshauptmann Wallner obdachlosen Roma-Familien aus Rumänien, die er aus dem Land haben will, mit der Wegnahme ihrer Kinder droht: „Wenn Kindeswohl im Lande gefährdet ist, dann ist einzugreifen, unter Umständen sogar behördlich einzugreifen. Möglicherweise auch sagen (zu) müssen: Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, (beim) Kleinkind, dann müssen wir das Kind auch entziehen.“
Plätze in Notschlafstellen gibt es für Frauen mit Kindern in Vorarlberg übrigens keine.
Mehr dazu hier.
(RU/dROMa)
Oktober 14th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Trotz „sicheren Herkunftsstaats“: Das Verwaltungsgericht Oldenburg hat einer Romni aus Mazedonien den Flüchtlingsstatus zuerkannt. Sie wurde als Aktivistin politisch verfolgt.
Jean-Philipp Baeck/taz: Die Klage, über die Ende September das Verwaltungsgericht Oldenburg entschied, hätte zu einem weiteren der vielen tausend Fälle werden können, bei denen der Asylantrag eines Rom oder einer Romni aus dem Westbalkan abgelehnt wird. Zu einem Antrag, der als „offensichtlich unbegründet“ zu gelten hat und dann zu den anderen 99 Prozent abgelehnter Fälle in die Statistik eingeht, mit der politisch begründet wird, dass etwa Mazedonien auch für Roma „sicher“ sei. Doch diesmal kam es anders.
Das Verwaltungsgericht Oldenburg hat einer Romni aus Mazedonien den Flüchtlingsstatus zuerkannt. In Mazedonien drohe ihr aufgrund ihrer Tätigkeit für eine Roma-Organisation „politische Verfolgung“, heißt es in dem Urteil (AZ: 6 A 32/15). Und: „Die Verfolgungshandlungen gehen von der Polizei aus.“ Entsprechend sei die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge aufzuheben, das 2013 den Asylantrag der Frau ablehnte und ihr die Abschiebung androhte.
Mazedonien steht mit Serbien und Bosnien-Herzegowina seit Ende 2014 auf jener Liste „sicherer Herkunftsstaaten“, die Ende dieser Woche durch Bundestag und Bundesrat um Albanien, Kosovo und Montenegro erweitert werden soll. Read the rest of this entry »
Oktober 9th, 2015 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Dieses Posting, veröffentlicht am 23.10.2013 auf der Facebook-Seite des FPÖ-Politikers Markus Gudenus, hat nun – zwei Jahre später – möglicherweise ein schwerwiegendes gerichtliches Nachspiel: Der ehemalige grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger hat bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeige nach § 283 StGB (Verhetzung) eingebracht.
Markus Gudenus (41) ist freiheitlicher Bezirksrat in Wien-Wieden. Sein prominenterer Bruder, der Wiener FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus, hat den Kommentar mit einem „Gefällt mir“ markiert. Der Vater, John Gudenus, war Bundesrat der FPÖ. John Gudenus wurde vor neun Jahren nach dem NS-Verbotsgesetz wegen Verharmlosung bzw. Leugnung des Holocaust nach dem NS-Verbotsgesetz zu einem Jahr Haft bedingt verurteilt.
Markus Gudenus bezieht sich in seinem Facebook-Kommentar auf einen Artikel in „Österreich“. Darin berichtete die Zeitung von einer unbekannten Frau, die einen Mann betäubt und ausgeraubt haben soll. Die Website stopptdierechten.at schreibt dazu: Read the rest of this entry »
September 29th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Zentralrat erstattet Strafanzeige gegen den Hersteller der T-Shirts mit dem rassistischen Aufdruck „We kill the Gypsies“ und den Vertreiber www.zazzle.de.
Wegen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und Volksverhetzung (§§ 111, 130 ff. StGB) erstattete der Zentralrat Deutscher Sinti und Romabei der Staatsanwaltschaft Heidelberg Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Seite www.zazzle.de und den User mit dem Benutzernamen „yoda2088“. Unter diesem Link war ein Verkaufsangebot für T-Shirts mit den Aufdrucken „Gypsy Hunter Badge“ und „We Kill the Gypsies“ – eingestellt von „yoda88“ – zu erwerben. Die Verkaufsseite, die auf den massiven Druck von Internetaktivisten hin gelöscht wurde (wir berichteten), war in deutscher Sprache abgefasst („Sinti- und Roma-Jäger-Shirt“).
In einem Brief wendet sich der Zentralratsvorsitzende Romani Rose an Bundesjustizminister Heiko Maaß und bringt seine Fassungslosigkeit über dieses Angebot zum Ausdruck. „Hier wird die Hemmungslosigkeit und der brutale Hass in aller Deutlichkeit propagiert und sogar noch ein Geschäft damit gemacht. Vor dem Hintergrund der Geschichte ist das in Deutschland ein ungeheuerlicher Vorgang“, schreibt Rose. Dem müsse unbedingt mit geeigneten Maßnahmen ein Riegel vorgeschoben werden, wozu die vom Bundesjustizminister geplante Arbeitsgruppe einen Beitrag leisten könne. „Wir wollen uns gern daran beteiligen“, so Rose.
In der Begründung der Strafanzeige wird ausgeführt, dass die rassistischen und zu Gewalt aufrufenden T-Shirts dazu geeignet seien, gegen die Minderheit der Sinti und Roma zum Hass aufzustacheln und zu Gewaltmaßnahmen („jagen“ und „killen“) aufzufordern. Die Menschenwürde der gesamten Minderheit wird massiv angegriffen, wobei die gesamte Machart und die Art der Verbreitung dazu geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören. Read the rest of this entry »
September 24th, 2015 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Religion
All My Children [theatrical trailer] from MEDIA FILM on Vimeo.
Alle meine Kinder | Všetky moje deti (SK/CZ 2013)
Dokumentarfilm von Ladislav Kaboš, 90 min. (Website)
Die Langzeitdokumentation „Alle meine Kinder“ zeigt den Mikrokosmos eines Roma-Dorfes in der Ostslowakei. Rund zehn Jahre lang begleitete der Filmemacher Ladislav Kaboš den charismatischen Priester Marián Kuffa bei seinen Bemühungen, den Bewohnern eines Roma-Slums zu Bildung und neuem Selbstbewusstsein zu verhelfen.