Oktober 6th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Still und heimlich: Niederösterreich führt gesetzliche Basis für sektorale Bettelverbote und eine „Bettlerdatei“ ein. „Aufsichtsorgane“ sollen Einhaltung überwachen.
Armutskonferenz, 3.10.2016: Schon bislang war es in Niederösterreich verboten, aufdringlich, aggressiv, gewerbsmäßig, organisiert oder mit Kindern zu betteln. Zusätzlich können niederösterreichische Städte und Gemeinden nun durch eine Ende September im Landtag beschlossene Änderung des niederösterreichischen Sicherheitspolizeigesetzes auch sektorale Bettelverbote erlassen. Damit wird es Städten und Gemeinden ermöglicht, in bestimmten Zonen bzw. zu bestimmten Zeiten (z.B. an Markttagen) auch das stille Betteln zu verbieten. Überwacht werden soll die Einhaltung des sektoralen Bettelverbots nicht durch die Polizei, sondern durch „Aufsichtsorgane“ der jeweiligen Stadt bzw. der Gemeinde, die mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet wervden – bis hin zur Festnahme, dem Erheben von Geldstrafen und dem Beschlagnahmen von Gegenständen. Assoziationen an die „Asozialen“- und „Vagabunden“-Erfassung autoritärer Regime in Vergangenheit und Gegenwart weckt ein nach oberösterreichischem Vorbild konzipiertes „Informationsverbundsystem“, im dem künftig u.a. Identitäts-, Adress- und Kontaktdaten sowie Fotos bettelnder Personen erfasst werden sollen.
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September 28th, 2016 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
1995 wurden in Pisa drei Romakinder durch 2 Sprengfallen, versteckt in einem Märchenbuch und einer Puppe, schwer verletzt.
(Quelle)
September 26th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Hinz&Kunzt, 21.9.2016: Am hellichten Tag hat ein noch unbekannter Mann den 19-jährigen obdachlosen Niculaie L. überfallen und schwer misshandelt. Das Opfer liegt mit doppeltem Schienbeinbruch und Prellungen im Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter ist flüchtig.
Mittwoch (14.9.2016), 13.21 Uhr: Der junge Obdachlose Niculaie L. sitzt auf dem Parkplatz vor dem Penny-Markt am Hegeneck in Rahlstedt. Seit einem halben Jahr erbettelt sich der 19-jährige Rom hier ein bisschen Geld zum Überleben. Vor ihm auf dem Boden steht ein Pappbecher für Spenden, auf ein altes Kartonstück hat er geschrieben, dass er als Diabetiker auf Insulin angewiesen ist.
„Ein Wagen fuhr auf den Parkplatz, darin saßen zwei Männer und eine Frau“, sagt er. Aus dem Wagen habe laut Musik gedröhnt. Während die Frau und einer der Männer in den Supermarkt gegangen seien, habe sich der Dritte vor ihm aufgebaut. „Er hat mit der Hand gezeigt, dass ich weiter soll, weg, weg!“, sagt Niculaie. Er beschreibt den Mann als circa 1,85 Meter groß, höchstens 30 Jahre alt, kräftig und muskulös, Glatze. Der Unbekannte habe den Pappbecher und sein Kartonschild gepackt sowie eine weiße Plastiktüte. Diese ist für Niculaie besonders wichtig, denn darin bewahrt der Diabetiker seine Insulinampullen und sein Diabetikerbesteck auf. „Der Mann hat alles genommen und in einen Mülleimer geschmissen“, so Niculaie.
Der 19-Jährige ist schmächtig für sein Alter. Er wiegt nur 50 Kilo. Er habe die Situation noch entschärfen wollen, sagt er: „Ich habe gesagt: ‚Entschuldigung, Entschuldigung, Chef, kein Problem!’“, habe aber seine Medikamente zurückhaben wollen. Das habe den Mann aber nicht interessiert. Als er gesehen habe, wie Niculaie kurze Zeit später im Müll nach seinen Sachen gesucht habe, sei er zurückgekommen. Plötzlich sei alles ganz schnell gegangen, sagt Niculaie: „Er hat mir voll ins Gesicht geschlagen.“ Als der junge Rom versucht zu fliehen, habe der Unbekannte ihn verfolgt und ihn fünf bis sechs Mal von hinten mit voller Wucht in den Rücken und die Beine getreten. Der letzte Tritt habe ihn zwischen den Beinen getroffen. „Ich bin auf dem Asphalt gelandet. Ich hatte unglaubliche Schmerzen“, sagt er. Die Ärzte im Krankenhaus werden später bei einer Notoperation einen doppelte Fraktur des rechten Schienbeins und diverse Prellungen feststellen. Read the rest of this entry »
September 23rd, 2016 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Das European Roma Rights Centre (ERRC) hat den Fall einer segregierten Roma-Kindergarten-Gruppe in Serbien aufgegriffen. Das ERRC hat die Behörden kontaktiert und aufgefordert, die Praxis im Ljuba-Stanković-Kindergarten in Beočin zu untersuchen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Laut dem ERRC vorliegenden Informationen werden Roma-Kinder dort systematisch von den anderen, serbischen Kindern getrennt. Die Direktion rechtfertigt die segregierten Klassen mit dem Hinweis, dass die Roma-Kinder nur den kostengünstigeren Halbtagskindergarten besuchten und diese Gruppe am Nachmittag an der Reihe sei. Die räumlichen Kapazitäten der Einrichtung seien derzeit so begrenzt, dass keine gemeinsame Gruppeneinteilung möglich sei.
Für die Eltern der Roma-Kinder stellt sich dies jedoch anders dar: Die Stellungnahme der Direktion könne nicht erklären, warum ausschließlich Roma in der getrennten Kindergruppe landen; außerdem sei die Betreuungsqualität in den Gruppen nicht die gleiche. Die rund 25 Roma-Kinder, welche die Nachmittagsgruppe besuchen, haben dort keinerlei Kontakt mit Nicht-Roma und sprechen dort durchgehend Romani. Dass Ziel, die Bildungsintegration voranzutreiben, indem Roma-Kinder dank gemischter Klassen bereits im Vorschulalter Serbisch erlernen, werde auf diese Weise zunichtegemacht: „Die Kinder müssen Serbisch beherrschen, sodass sie die Grundschule besuchen können“, zitiert das ERRC die Eltern. „Aber genau das passiert dort nicht. Read the rest of this entry »
September 19th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
#UNJustToRoma – Petition: Justice for the Kosovo Victims of Lead Poisoning!
ERRC: Das European Roma Rights Centre fordert den Generalsekretär der Vereinten Nationen auf, die Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter, die in Mitrovica (Kosovo) einer Vergiftung durch Blei ausgesetzt waren, zu entschädigen – in Übereinstimmung mit dem Ergebnis des UN Human Rights Advisory Panel (26.2.2016), wonach die Vereinten Nationen für das Geschehene rechtlich verantwortlich waren. Der Kontakt mit Blei in jedweder Menge ist gefährlich. Doch das Ausmaß in den Blut- und Haarproben von Romakindern, die in den IDP-Lagern in Mitrovica lebten, sprengte die Skala – die europäischen und amerikanischen Wissenschaftler hatten noch nie Vergleichbares gesehen. Read the rest of this entry »
September 18th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Schwerer Sachschaden bei Brand in Frankfurt-Fechenheim. Im Haus leben vorwiegend Roma-Familien. Bewohner äußern „nachdrücklich den Verdacht“, dass Feuer gelegt wurde.
Förderverein Roma, Presseerklärung 15.9.2016: In der Nacht vom 8. auf den 9.9.2016 brannte in der Pfortenstraße 19 in Frankfurt am Main-Fechenheim ein Haus, in dem drei Roma-Familien wohnten. Über 30 Personen, darunter 13 Kinder, wurden gegen 3.00 Uhr von dem Feuer überrascht. Glücklicherweise konnten sich alle rechtzeitig in Sicherheit bringen und niemand wurde verletzt. Die Parterre-Wohnung ist zerstört. Deren Bewohner leben in einer Notunterkunft. Zwei Familien sind nur vorübergehend zurückgekehrt. Einzelne Familienmitglieder äußerten gegenüber dem Förderverein Roma nachdrücklich den Verdacht, dass die Ursache des Feuers darauf zurückzuführen ist, dass der vor dem Anwesen bereitgestellte Sperrmüll angezündet wurde. In der Straße und im Stadtteil war bekannt, dass das Haus mehrheitlich von Roma bewohnt wurde. Die Betroffenen berichteten wiederholt von Konflikten. Als sicher gilt, dass sich die Gegenstände nicht selbst entzünden konnten. Angesichts der näheren Umstände des Brandes sowie der Tatsache, dass seit Jahresbeginn allein 45 Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte zu verzeichnen sind und auch der Hass, die Ablehnung und Bedrohung gegenüber Roma enorm zunimmt, ist eine Brandstiftung aus rassistischen Motiven nicht auszuschließen. Aufgrund der Sachlage fordert der Förderverein Roma eine rückhaltlose Untersuchung des Brandes.
Pressemeldung Feuerwehr Frankfurt, 9.9.2016: Sachschaden in Höhe von 100.000 Euro entstand bei einem Feuer am 9.9.2016 um kurz vor drei Uhr in der Pfortenstraße im Stadtteil Fechenheim. Ausgegangen war das Feuer von einem brennenden Sperrmüllhaufen, der sich vor dem Gebäude befand. Über ein Fenster gelangte das Feuer schließlich in die Wohnung im Erdgeschoss des viergeschossigen Wohnhauses. Read the rest of this entry »
September 9th, 2016 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Von 1990 bis 1997 wurden in Tschechien über 1.200 gewaltsame Angriffe von Skinheads auf Roma registriert.
(Quelle)
September 3rd, 2016 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Warnschüsse und rassistische Beschimpfungen, Polizei blieb untätig
In einem Interview mit dem tschechischen Roma-Nachrichtenportal Romea.cz berichtet die Sängerin und Chorleiterin Ida Kelarová von einem Angriff auf ein Musiksommercamp für Roma-Kinder in Jiřetín pod Jedlovou (Děčín). Demnach bedrohte ein Mann aus der Ortschaft eine Gruppe von rund sechzig Roma-Kindern, die mit dem Jugendchor „Čhavorenge“ an einem Sommerlager teilnahmen, Anfang August mit einem Gewehr . Er gab mehrere Warnschüsse ab und beschimpfte die Kinder mit rassistischen Ausdrücken, als diese an seinem Haus vorbeikamen, das neben den Unterkünften des Sommerlagers liegt. Als die Kinder zwei Tage später ihre morgendliche Musikstunde absolvierten, erschien der Nachbar auf dem Gelände des Jugendlagers und attackierte die anwesenden erwachsenen Camp-Mitarbeiter. Er feuerte abermals einige Schüsse in die Luft und versuchte die Mitarbeiter mit Beschimpfungen und Beleidigungen zu provozieren. Zu direkter physischer Gewalt kam es jedoch nicht.
Die Regionalpolizei will nun, mit einiger Verspätung, den Vorfall untersuchen. Die Ermittlungen werden sich auch damit befassen, warum die lokale Polizeistelle in Varnsdorf nicht auf den Notruf des Sommerlagers reagierte, sondern, wie Ida Kelarová berichtet, einfach den Hörer auflegte. Die Organisatoren des Musikcamps haben inzwischen, mit Unterstützung durch die Anwälte der Tschechischen Philharmonie, Beschwerde gegen die Polizei eingebracht. Read the rest of this entry »
August 30th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Eine private Videoaufnahme (auf Youtube hochgeladen von User 10 cent) zeigt die Vorgänge im Dorf Loshchynivka (Izmail/Odessa): den Angriff auf die Roma-Siedlung, die aufgeheizte Stimmung im Ort – samt „Zigeuner raus“-Rufen (цыгане вон!) – und die Evakuierung einiger verängstigter Roma-Frauen durch die Polizei. Leider ohne Untertitel .
August 29th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
300 Dorfbewohner stürmten Roma-Siedlung bei Odessa. Die Roma waren zuvor aus ihren Häusern geflüchtet. →Video
Im Dorf Loshchynivka im Raion Izmail der Oblast Odessa ist es Samstag am Abend zu einem Pogrom gekommen. Etwa 300 Einwohner des Dorfes hatten die Häuser der ortsansässigen Roma gestürmt und verwüstet . Den Unruhen war die Verhaftung eines jungen Rom vorausgegangen, dem von der Polizei die Vergewaltigung und Tötung eines achtjährigen Mädchens aus dem Ort vorgeworfen wird. (Anm., 1.9.2016: nach neueren Informationen handelt es sich bei dem Verdächtigen gar nicht um einen Rom). Die örtliche Polizei war mit der an die Verhaftung anschließenden Situation heillos überfordert, sodass Ermittler und Sondereinheiten aus Izmail angefordert wurden.
Laut Medienberichten wurde bei dem Pogrom niemand verletzt, da die Roma ihre Häuser noch vor dem Überfall verlassen hatten. Das Mädchen , dass am Abend zuvor von ihren Eltern als vermisst gemeldet wurde, war am Samstag in einem verlassenen Gebäude unweit der Romaiedlung leblos aufgefunden worden. Ersten Berichten der Polizei zufolge war ihr Körper mit zahlreichen Schnittwunden und Hämatomen übersäht. Von einem Sexualdelikt könne mit höchster Wahrscheinlichkeit ausgegangen werden. Wie und ob der verhaftete Mann mit dem Verbrechen in Verbindung steht, ist derzeit noch völlig unklar.
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August 28th, 2016 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Dänemarks Regierungspartei Venstre hat angekündigt, gegen obdachlose Ausländer (gemeint sind Notreisende, also insbesondere osteuropäische Roma) vorzugehen. Derzeit ist es Obdachlosen in Dänemark erlaubt, im öffentlichen Raum, etwa in Parks oder auf Bänken, zu übernachten – sofern sie mit ihrem Verhalten gegen keine sonstigen Gesetze verstoßen. Eine Gesetzesnovelle soll der Exekutive nun die rechtliche Handhabe verschaffen, hart gegen improvisierte Nachtlager und Behelfsunterkünfte einzuschreiten. Das Justizministerium soll hierfür einen Gesetzesentwurf ausarbeiten, der solche informellen Lagerplätze verbietet.
Dem Vorhaben der Regierungspartei gingen Medienberichte über angebliche Missstände im städtischen Køge Bugt Strandpark am Westrand Kopenhagens voraus, in dem Roma kampieren. Anrainer klagten über die zunehmende Verunreinigung des Parks – vor allem durch Fäkalien. Zuvor waren die öffentlichen Toiletten versperrt worden, um die obdachlosen Familien daran zu hindern, sie weiterhin zu benützen.
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August 25th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Angriff auf Protestcamp zwangsgeräumter Roma-Familien in Montreuil
Laut Angaben des European Roma Rights Centre (ERRC) wurden mehrere Roma-Familien in der Nacht zum 22. August in Montreuil (Paris) von sechs Männern attackiert. Die Angreifer waren mit Messern bewaffnet und überfielen und bedrohten Erwachsene und Kinder. Das ERRC berichtet zudem von Aussagen, wonach in der Gegend anwesende Polizisten den Angriff beobachtet hätten, ohne einzugreifen. Details sind bisher noch nicht bekannt.
Bei den überfallenen Personen handelt es sich um einige Roma-Familien, die von den Behörden am 28. Juli aus ihrem Camp in La Boissiere vertrieben worden waren. Ihre Behelfsunterkünfte wurden zerstört, ohne dass sie zuvor informiert oder ihnen alternative Unterkünfte zur Verfügung gestellt worden waren. Seither leben die Familien auf der Straße. Seit einigen Tagen kampieren die Roma nun mit lokalen Aktivisten vor dem Rathaus, um gegen die Zwangsräumungspolitik zu protestieren und die Folgen der Vertreibungen sichtbar zu machen. Die Roma fanden breite Unterstützung von Menschenrechtsaktivisten und von Prominenten (hier eine Petition).
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August 22nd, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Schöne Grüße von der BH Bludenz?
Presseaussendung RA Schäfer (OTS) – Im Zeitraum 5.7.2016 bis 3.8.2016 wurde eine in Vorarlberg lebende Frau, obdachlos, mit Euro 16.780,00 bzw. 322 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe von der BH Bludenz bestraft. Gemäß einer unbestätigten Mitteilung über die Polizeiinspektion Feldkirch soll diese Frau über Euro 38.000,00 an Verwaltungsstrafen offen haben.
Überwiegend für das Betteln unter Mitführung eines Kindes bzw. wegen Verstoß gegen die eindeutig verfassungswidrige Bettlerverordnung von Bludenz (Bettelverbot auf 400.000 m²/ 24 Stunden/ 365 Tage im Jahr).
Am Samstag, 19.7.2016 wurde sie nur deswegen nicht in den Verwaltungsarrest eingeliefert, weil sie ihr Kind noch stillt. Verwaltungsstrafen müssen nach § 19 Verwaltungsstrafgesetz der Tat, der Schuld und dem Einkommen angemessen sein. Die BH Bludenz hat alleine im Zeitraum 5.7.2016 bis 3.8.2016 diese Frau 36-mal mit je Euro 450,– bestraft. Eine Frau, die mit dem Verkauf von Straßenzeitungen und Betteln gerade mal etwa 200,– pro Monat zum Leben hat. Bestraft wurde die Frau z.B. am 22.7.2016 sechsmal und zwar ca. im 7-Minuten-Takt. Inwieweit wurde hier eine Bestrafung der Tat, der Schuld und dem Einkommen angemessen festgesetzt?
Bludenz ist übrigens die einzige Gemeinde in Vorarlberg, in der seit Neuestem für den Verkauf von Straßenzeitungen eine „behördliche Bewilligung“ erforderlich ist – unter Missachtung von § 47 Mediengesetz, Art 13 Abs 2 Staatsgrundgesetz 1867, dem Beschluss der Provisorischen Nationalversammlung vom 30. Oktober 1918 iVm dem Artikel 66 des Staatsvertrags von St. Germain, Artikel 6 des Staatsvertrags zu Wien sowie Artikel 10 Abs 1 EMRK. 22-mal wurde diese Frau auch deswegen bereits bestraft, obwohl auch nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ausdrücklich keine „behördliche“ Bewilligung für den Vertrieb von Zeitungen auf Straßen erforderlich ist.
Die Meinung hier gibt die Rechtsmeinung des Autors wieder. Der Autor ist in mehreren Verfahren Rechtsvertreter dieser Frau.
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August 22nd, 2016 |
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Film & Theater, Musik, Rassismus & Menschenrechte
Sido singt erstmals über seine Sinti-Herkunft. – Schade, eine vertane Chance.
„Ich bin ein Sinti (sic) von Kopf bis Fuß/ Immer wenn ich diese Trommeln höre, kocht mein Blut/ Ich bin ein Zigeuner, Zi-Zi-Zigeuner“, singt Sido in seinem brandneuen Song. „Geuner“ lautet der Titel der neuen Single aus dem für Herbst angekündigten Album. Das zugehörige Video veröffentlichte der 35-Jährige am Donnerstag auf Youtube. Und es sorgt gleich für Aufsehen: Binnen eines Tages wurde es mehr als 200.000 mal aufgerufen, inzwischen sind es schon weit über 500.000 Klicks.
Bislang hat sich der Berliner nur sehr selten über seinen Hintergrund – seine Mutter ist Sintiza – geäußert (etwa hier oder hier). Dass er das Thema jetzt derart prominent aufgreift, ist bemerkenswert und verdient Respekt. Dieses „Coming out“ eines der wichtigsten deutschen Rapper hätte auch durchaus das Zeug zu einem bedeutenden Moment gehabt. Sido hätte Sinti und Roma einmal ins rechte Licht rücken können – anders als dies ein ressentimentgeladener BILD-Redakteur auch machen würde. Und er hätte den Rassisten und ihren Klischees bei dieser Gelegenheit einmal in Rapper-Manier so richtig in den Arsch treten können. – Hat er aber nicht. Denn Sido war es anscheinend lieber, sich deren Vorurteile zu eigen zu machen, um seine eingerostete „Street Credibility“ mit Geuner-Gangsta-Ghetto-Attitüde aufzufrischen. Und in Songtext und Video wimmelt es denn auch geradezu von altbekannten „Zigeuner“-Klischees: Read the rest of this entry »
August 19th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Zeugen berichten von Molotowcocktails und Schusswaffen. Sieben Roma verletzt.
Am Dienstag wurde ein Roma-Camp in Marseille in den Nachtstunden von einer Gruppe unbekannter Täter angegriffen. Die Männer schleuderten Molotowcocktails und selbstfabrizierte Sprengkörper in das leerstehende Industriegebäude am Boulevard Magallon, in dem sich obdachlose Roma-Familien einquartiert hatten. Zeugen berichten zudem von Gewehren und Schrotmunition.
Am Vorabend waren einige Männer auf dem Areal erschienen und hatten die Roma aufgefordert zu verschwinden. Dem nächtlichen Angriff war, berichtet auch „L’Obs“ unter Berufung auf den Oberstaatsanwalt, eine Auseinandersetzung zwischen Campbewohnern und einer Gruppe junger Männer aus der Nachbarschaft vorausgegangen. Dabei sei ein 40-jähriger Rom – anscheinend mit einem japanischen Schwert – am Arm verletzt worden.
Sieben Roma wurden bei dem nächtlichen Überfall verletzt, darunter ein 14-Jähriger. Sie wurden im Krankenhaus versorgt; zwei junge Roma mussten operiert werden. Read the rest of this entry »
August 18th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
In der Slowakei patrouilliert die neonazistische Partei „Unsere Slowakei“ (ĽSNS) in Zügen. Die Trupps der „Bürgerwehr“ haben es dabei insbesondere auf Roma abgesehen. Bahn und Polizei sehen dem Vorgehen der Rechtsextremisten seit Monaten tatenlos zu. Jetzt will die slowakische Regierung aber die sogenannten „Eisenbahnwachen“ verbieten. Justizministerin Lucia Žitňanská kündigte einen entsprechenden Gesetzesentwurf an. Das Gewaltmonopol des Staates müsse wiederhergestellt werden.
Im Folgenden ein Auszug aus einem Beitrag der ARD-Tagesschau vom 17.8.2016:
Die jungen Männer im Zug (…) fallen sofort auf: Alle tragen grüne T-Shirts mit dem Logo einer Partei: dem der rechtsextremen „Volkspartei – Unsere Slowakei“. Sie sind auf Streife und haben es vor allem auf Roma abgesehen. Das kündigt ein Vertreter der Gruppe auch in einem Internet-Video an. (…) Und dann ist auf dem Video der Rechtsextremisten zu verfolgen, wie sie einen offensichtlich angetrunkenen Rom angehen. Der Mann weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Es folgt ein hitziger Wortwechsel, der mit der Drohung der Bürgerwehr endet, ihn aus dem Zug zu werfen.
Seit April sind die selbsternannten Zug-Sheriffs unterwegs. Anlass war die Attacke auf eine junge Studentin, angeblich von einem Rom. Parteichef Marian Kotleba, mit seinen Rechtsextremisten seit März erstmals im Parlament vertreten, sah sofort die Chance, daraus Kapital zu schlagen. (…) Die Bahn ließ die Bürgerwehr gewähren und auch die Polizei sah keine rechtliche Handhabe zum Einschreiten. Read the rest of this entry »
August 15th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Elisabeth Hussl ist Aktivistin der Bettellobby Tirol und setzt sich für die Rechte von Notreisenden ein. Die BettelLobby OÖ hat sie im April 2016 zur aktuellen Lage in Tirol befragt.
Im November 2013 hat die Tiroler Landesregierung das generelle Bettelverbot abgeschafft. Wie ist die gesetzliche Lage in Tirol heute?
Das sogenannte stille Betteln ist nun grundsätzlich erlaubt, praktisch aber nur schwer möglich, denn die Verbote gehen sehr weit. Verboten sind sogenanntes aufdringliches und aggressives Betteln sowie gewerbsmäßiges und organisiertes Betteln. Auch Betteln unter aktiver Mitwirkung von Kindern bis zum 14. Geburtstag ist strafbar. Der Strafrahmen beläuft sich auf bis zu 5.000 Euro oder zwei Wochen Ersatzfreiheitsstrafe.
Wo halten sich Notreisende in Tirol vor allem auf?
Die Debatte konzentriert sich vor allem auf Innsbruck. Notreisende werden jedoch auch in anderen Bezirken zunehmend zum Thema, vor allem in den Städten. Darüber hinaus gibt es es immer wieder Diskussionen über das Betteln von Haus zu Haus und die Schlafplätze von Notreisenden. Denn die große Mehrheit übernachtet im Freien – auf der Straße, in Zelten, im Wald, weil es an Unterkünften mangelt.
Die Gemeinden haben jetzt auch die Möglichkeit ein sektorales Bettelverbot zu erlassen. Wurde das schon einmal angewendet?
Eine derartige Verordnung wurde vor einem Jahr im März 2015 in Innsbruck beschlossen und war erstmals beim Ostermarkt im Frühjahr des letzten Jahres in Kraft sowie beim Christkindlmarkt. Während dieser sogenannten Gelegenheitsmärkte ist Betteln in der gesamten Maria-Theresien-Straße und Herzog-Friedrich-Straße verboten. Auch andere Städte beabsichtigen nun Verbote bei Märkten aufgrund der Anwesenheit von ein paar wenigen Personen, die betteln. Das ist komplett unverhältnismäßig. (Anm. d. Red.: Inzwischen wurde in Seefeld ein zeitlich und örtlich begrenztes Bettelverbot bei Veranstaltungen und Märkten beschlossen. Und auch in Innsbruck selbst bahnt sich eine neuerliche Verschärfung an.)
Gibt es sozialpolitische Hilfsangebote seitens der öffentlichen Hand? Von Privaten?
Es gibt Hilfsangebote von kirchlich-karitativen Einrichtungen und NGOs: Beratung, Streetwork, medizinische Basisversorgung, Kleiderausgabe, Essens- und Waschmöglichkeiten sowie im Winter eine Notschlafstelle für nun 34 Personen, die keinen EWR-Schein haben, und davon sind die meisten der Notreisenden betroffen. Zudem gibt es das Waldhüttl – eine Herberge der Vinzenzgemeinschaft, durch die eine Gruppe von Menschen, die Straßenzeitung verkaufen und Straßenmusik machen, eine Bleibe haben (wir berichteten). Read the rest of this entry »
August 12th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Nach Klage von Mauthausen-Überlebenden: „Aula“ darf ehemalige Häftlinge des KZ Mauthausen nicht mehr als „Massenmörder“ oder „Landplage“ bezeichnen.
Harald Walser: Ist es ein juristischer Befreiungsschlag? Das Landesgericht für Zivilrechtssachen in Graz hat eine „Einstweilige Verfügung“ erlassen: Die Zeitschrift „Aula“ und ihr Autor Manfred Duswald dürfen nicht mehr schreiben, im Jahre 1945 befreite ehemalige KZ-Häftlinge seien „Massenmörder“ und von der Bevölkerung als „Landplage“ empfunden worden. Auch ähnliche Aussagen sind verboten. (Zur Vorgeschichte: Mauthausen-Überlebende klagen „Aula“)
Es ist eine bemerkenswerte Begründung der Richterin. „Zur Sicherung des mit Klage vom 30.6.2016 zu 39 Cg 79/16s beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz erhobenen Unterlassungsanspruches wird den beklagten Parteien bis zur rechtskräftigen Entscheidung im Hauptverfahren verboten, die wörtliche und/oder sinngleiche Behauptung aufzustellen und/oder zu verbreiten, die ehemaligen Häftlinge/Befreiten des KZ Mauthausen, dessen Neben-/ Außenlagern oder anderer Konzentrationslager seien Massenmörder und/oder für die Bevölkerung eine Landplage gewesen und/oder haben das Land raubend und plündernd, mordend und schändend geplagt und schwerste Verbrechen begangen.“
Einige bedeutsame Sätze aus der Begründung durch das Gericht:
- „Der Aufbau und die Formulierung dieses Absatzes lassen keinen Zweifel daran offen, dass die im dritten Satz aufgelisteten Straftaten allen befreiten Mauthausen-Häftlingen zugerechnet werden.“
- „Das kann nur so gelesen und vom durchschnittlichen Leser verstanden werden, dass er [Duswald] die Straftaten, die Kriminalität und das Plagen den im Mai 1945 befreiten KZ-Häftlingen im Allgemeinen zuschreibt.“
- „Verstärkt wird die Unterstellung, die Mauthausen-Häftlinge seien sozusagen aus gutem Grund wegen Straftaten inhaftiert gewesen, noch dadurch, dass der Zweitbeklagte ‚Befreiung‘ und ‚Befreiern‘ unter Anführungszeichen setzt.“
- „Damit lässt er keinen Zweifel daran, dass die Freilassung der in Mauthausen gefangen Gehaltenen für die Bevölkerung negativ gewesen sei, was, wie sich aus dem Gesamtzusammenhang wiederum ergibt, darauf zurückzuführen sei, dass es sich bei den Mauthausen-Häftlingen um Kriminelle gehandelt habe, die das Land mit Straftaten heimgesucht hätten.“ Read the rest of this entry »
August 10th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte, Religion
Pressemitteilung der GfbV:
Schutzsuchende Roma-Flüchtlinge verhaftet: Kirchliche Obhut war „böse Falle“
Im Pfarrhaus St. Emmeran in Regensburg hatten zwoschenzeitlich bis zu 45 Roma Schutz vor drohender Abschiebung Zuflucht gesucht, zuletzt waren es noch 16 gewesen. Nahrungsmittelspenden an sie wurden verhindert. Am Montag wurde das Pfarrhaus polizeilich geräumt.
Als eine „Schande für beide Kirchen“ hat Tilman Zülch, Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker – International (GfbV), die polizeiliche Räumung des katholischen Regensburger Pfarrhauses St. Emmeram am gestrigen Montagabend bezeichnet. Die „kirchliche Obhut“, die den schutzsuchenden und um Kirchenasyl bittenden Roma dort angeboten wurde, habe sich als „böse Falle“ erwiesen, kritisierte der Menschenrechtler. Im Pfarrhaus St. Emmeran hatten zwischenzeitlich bis zu 45 Roma Schutz vor drohender Abschiebung Zuflucht gesucht.
Schon vor der Räumung hatte die Kirche nach Angaben des bayerischen Flüchtlingsrates versucht, die letzten 16 noch im Pfarrhaus verbliebenen Flüchtlinge „auszuhungern“, indem sie Nahrungsmittelspenden an sie verhinderte. Das Bistum Regensburg hatte auf diesen Vorwurf unmittelbar vor der Räumung mit einem halben Dementi reagiert. „Die Flüchtlinge bekommen Nahrung, aber nicht im Pfarrheim. Jeder kann heraustreten und sich versorgen“, wurde ein Domsprecher in den Medien zitiert.
„Diese Verlautbarung war zynisch“, kritisierte Zülch. Denn nach Informationen der GfbV wären die fünf von Abschiebung bedrohten Flüchtlinge beim Verlassen des Pfarrhauses sofort verhaftet worden. Die Polizei wartete vor dem Gebäude auf sie, weil gegen sie ein Haftbefehl vorlag und ihre Daten an die Sicherheitskräfte weitergegeben worden waren.
Bei einer mazedonischen Familie, die am Dienstagmorgen um 10 Uhr dem Haftrichter vorgeführt wurde, wollte eine evangelische Kirchengemeinde nach sicherer Kenntnis der GfbV prüfen, ob nicht Kirchenasyl gewährt werden könne. Die Familie hatte es versäumt, Rechtsmittel gegen die Ablehnung ihres Asylantrags einzulegen. Die für eine Prüfung durch die Kirche notwendige Akte des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) traf jedoch wochenlang nicht ein und schließlich war die Familie aus der Obhut der evangelischen Kirchengemeinde weiter in die der katholischen geflüchtet, weil sie sich dort schnellere Hilfe erhofft hatte. Zusätzlich hatte die Familie schriftlich erklärt, freiwillig ausreisen zu wollen. Jetzt befindet sie sich in Abschiebehaft.
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Juli 29th, 2016 |
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Rassismus & Menschenrechte
Wie der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gestern bekannt gab, waren drei der Opfer des Münchner Anschlags Roma bzw. Sinti. Es habe sich bestätigt, dass dem Blutbad am vergangenen Freitag „Angehörige zweier Familien deutscher Sinti und einer Familie aus dem Kosovo zum Opfer gefallen sind“.
Während lang und breit über die Herkunft des Mörders diskutiert wurde, hielt sich die Öffentlichkeit mit den Opfern nicht lange auf. Dass sich gleich drei Roma und Sinti unter den neun Ermordeten befanden, war jedenfalls (soweit uns bekannt ist) bislang keiner einzigen Zeitung eine Erwähnung wert. Und das bei einer Tat, die (auch) rassistisch motiviert gewesen sein könnte. Der 18-jährige Täter war nämlich, wie die FAZ am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, „ein Rassist mit rechtsextremistischem Weltbild“, und es spreche einiges dafür, dass er gezielt Menschen „ausländischen“ Aussehens ermordet habe. In der Aussendung des Zentralrats heißt es:
„Zuallererst gilt unser Mitgefühl den Opfern und ihren Angehörigen“, sagte gestern Romani Rose (…). Das Leben so vieler Menschen, die meisten von ihnen sehr jung, sei zerstört worden von einem Hass, der aus einer rechtsradikalen Gesinnung komme. Read the rest of this entry »