Dänemark will Roma-Camps kriminalisieren
August 28th, 2016 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Dänemarks Regierungspartei Venstre hat angekündigt, gegen obdachlose Ausländer (gemeint sind Notreisende, also insbesondere osteuropäische Roma) vorzugehen. Derzeit ist es Obdachlosen in Dänemark erlaubt, im öffentlichen Raum, etwa in Parks oder auf Bänken, zu übernachten – sofern sie mit ihrem Verhalten gegen keine sonstigen Gesetze verstoßen. Eine Gesetzesnovelle soll der Exekutive nun die rechtliche Handhabe verschaffen, hart gegen improvisierte Nachtlager und Behelfsunterkünfte einzuschreiten. Das Justizministerium soll hierfür einen Gesetzesentwurf ausarbeiten, der solche informellen Lagerplätze verbietet.
Dem Vorhaben der Regierungspartei gingen Medienberichte über angebliche Missstände im städtischen Køge Bugt Strandpark am Westrand Kopenhagens voraus, in dem Roma kampieren. Anrainer klagten über die zunehmende Verunreinigung des Parks – vor allem durch Fäkalien. Zuvor waren die öffentlichen Toiletten versperrt worden, um die obdachlosen Familien daran zu hindern, sie weiterhin zu benützen.
Venstre zeigt sich zuversichtlich, dass ihr Gesetzesvorschlag eine parlamentarische Mehrheit finden wird. Die rechtsliberale Partei Venstre (mit nur 19,5 Prozent der Stimmen die drittstärkste Partei des Landes) stellt seit 2015 die – von Bürgerlichen und Rechtspopulisten gestützte – Minderheitsregierung.
Erst vor zwei Jahren war Dänemark von der EU-Kommission für seine unzureichende Integrationspolitik für Roma gerügt worden.
(dROMa)
Siehe auch: Roma verklagen Dänemark, 12.8.2010