Januar 2nd, 2017 |
Published in
Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus-Vorwürfe gegen die Krimiserie „Tatort“ (mehr hier) sind nicht neu: Schon 1989 und 2008 führten zwei „Tatort“-Folgen zum Eklat.
Aus: dROMa 35 (2012), S. 12
Auch in TV-Krimis müssen Roma und Sinti gelegentlich für „exotisches“ Kolorit herhalten. „Armer Nanosh“ (1989, mit Manfred Krug) und „Brandmal“ (2008) lauten die Titel zweier deutscher „Tatort“-Folgen, die bereits vor ihrer Erstausstrahlung für heftige Rassismusvorwürfe sorgten. Ersterer stammt (gemeinsam verfasst mit Asta Scheib) aus der Feder des Schriftstellers Martin Walser. Vergeblich lief der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Sturm gegen die Anhäufung antiziganistischer Klischees, deren scheinbar politisch korrekte Pointe darin besteht, dass sich diese Fährten am Ende als falsch erweisen. Den Mord hat nämlich der Sohn eines NS-Verbrechers als Eifersuchtstat eines Sinto inszeniert, um die Opfer des Genozids zu Mördern zu stempeln. In „Brandmal“ wird ein Roma-Mädchen aus einem Asylheim verdächtigt, ein tödliches Feuer gelegt zu haben. Die Gratwanderung, negative Klischees aufzugreifen, um sie thematisieren zu können, löste einen neuerlichen Eklat aus. Der Zentralrat sah die Volksgruppe verunglimpft und verlangte die Absetzung.
Read the rest of this entry »
Januar 2nd, 2017 |
Published in
Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Nach „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008) (mehr hier) hat die „Tatort“-Serie nun einen neuen Antiziganismusskandal. Offener Brief der österreichischen Bettellobbies an die Redaktion des BR zum Tatort „Klingelingeling“ vom 26. 12. 2016 (ARD):
Wir verurteilen die Diffamierung von bettelnden Menschen!
Sehr geehrte Frau Heckner, sehr geehrte Frau Golch, sehr geehrter Herr Mühlfellner,
AktivistInnen der Bettellobbies Österreich haben am 26.12.2016 wie fast sieben Millionen weitere Zuschauer den Tatort „Klingelingeling“ gesehen. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema Betteln in Österreich und stehen in direktem Kontakt zu vielen BettlerInnen. Wir unterstützen bettelnde Menschen in rechtlichen Belangen, konkret beeinspruchen wir diverse Strafverfügungen (Allgemeinverfügungen) mit sehr guten Erfolgen, schreiben zum Teil die sogenannten Bettelschilder, begleiten die Menschen als Vertrauenspersonen zur Polizei oder zum Gericht und decken Behördenwillkür auf. Außerdem sammeln wir Informationen über die Situation der BettlerInnen, bereiten diese auf und geben sie in Workshops und Vorträgen wieter. UND wir kämpfen gegen Vorurteile, falsche Medienberichte und rassistische Hetze. Letzteres veranlasst uns dazu, uns in einem offenen Brief an Sie zu wenden.
Im Tatort vom 26.12.2016 wird geschätzt 20 mal das Wort „Bettelmafia“ verwendet. Auch die gesamte Darstellung lässt keinen Zweifel daran, dass eine solche existiert bzw. legt nahe, dass zumindest ein Großteil der Personen, die dem Betteln nachgehen, dies nicht aus freien Stücken tun und über Erbetteltes auch nicht persönlich verfügen dürfen.
Diese Darstellung entspricht jedoch nicht der Realität. Es existiert kein einziger Fall mit gerichtlichem Urteil, in dem mafiöse Strukturen durch sogenannte Hintermänner nachgewiesen wurden. Dem entgegen gibt es bereits in drei österreichischen Bundesländern wissenschaftliche Publikationen (mehr hier, hier, hier und hier), in denen die Situation dieser Menschen beschrieben und dargestellt wird. Die Bettellobbies haben in den letzten Jahren zahlreiche BettlerInnen in ihren Unterkünften besucht und festgestellt, dass die Wohnsituation durchaus prekär ist, jedoch keinerlei Ähnlichkeit zu den ,Käfigen‘ im Film besteht. Read the rest of this entry »
Dezember 31st, 2016 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
18. Roma-Dialogplattform des Bundeskanzleramts zum Thema „Notreisende EU-BürgerInnen in Österreich“
>>Protokoll der 18. Roma-Dialogplattform, 25.11.2016 (PDF)
Unter sogenannten „notreisenden EU-Bürgern“ sind Personen und Familien aus Osteuropa zu verstehen, die von ausgeprägter Armut betroffen sind und von ihrem Recht als EU-Bürger auf Personenfreizügigkeit Gebrauch machen. Die Thematik wirft vorwiegend Fragen der Armutsbekämpfung und des menschenwürdigen Umgangs mit Armut auf. In der Öffentlichkeit wird die Frage jedoch vorwiegend als „Roma-Thema“ diskutiert bzw. als „Roma-Problem“ wahrgenommen. Ziel der 18. Roma-Dialogplattform ist es daher, die Grundlagen für eine sachliche Gesprächsbasis aller handelnden Akteure zu schaffen und über die bestehende Faktenlage, die Hintergründe und mögliche Handlungsansätze zu informieren. Die Veranstaltung dient der Vernetzung der handelnden Akteure und dem gegenseitigen Austausch.
Präsentationen zum Thema:
Sechs Fachleute (Wolfgang Meier, Erika Geser-Engleitner, Norbert Mappes-Niediek, Thomas Schobesberger, Kurt Gutlederer und Liudmila Hahn) waren eingeladen, im Rahmen der Veranstaltung Vorträge zu halten. Im Folgenden geben wir die von der Dialogplattform veröffentlichten Zusammenfassungen wieder:
Read the rest of this entry »
Dezember 14th, 2016 |
Published in
Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Von wegen sicher. Das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten in der Kritik
Publikation der Rosa-Luxemburg-Stiftung Southeast Europe (Website), Nov. 2016
Autor/innen: Tamara Baković Jadžić, Dzafer Buzoli, Jasna Čaušević, Wenke Christoph, Vladan Jeremić, Norman Paech, Anna Striethorst, Jovana Vuković
>>Download (PDF, 2 MB)
Der Beschluss der deutschen Bundesregierung im Sommer 2015, die Grenze für syrische Flüchtlinge zu öffnen, wurde von vielen als humanitäre Antwort auf den Zustrom von Flüchtlingen über die „Balkanroute“ gewertet. Verglichen mit den Reaktionen vieler anderer Staaten entlang der Route, die zum Beispiel im Schnellverfahren ihre Außengrenzen mit Zäunen befestigten, kann diese Entscheidung tatsächlich als humanitärer Akt betrachtet werden. Diese zeitweilige Aussetzung der Dublin-Verordnung sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass MigrantInnen und Geflüchtete diese Grenzen schon seit mehreren Jahren passieren und in immer größerer Zahl „irregulär“ in Westeuropa leben.
Gleichzeitig haben die Bundesregierung und die EU eine Vielzahl neuer, restriktiver Migrations- und Grenzpolitiken eingeführt. Der Bundestag verabschiedete in kurzen Abständen zwei „Asylpakete“, durch die unter anderem die Rückführung abgelehnter Asylsuchender erleichtert und die Regelungen zum Familiennachzug für anerkannte Flüchtlinge aufgehoben wurden. Weiterhin wurden immer mehr Länder als sogenannte „sichere Herkunftsstaaten“ eingestuft, insbesondere die Balkanstaaten Serbien, Kosovo, Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Mazedonien. Infolgedessen gelten Asylanträge aus diesen Ländern für deutsche Behörden als „offensichtlich unbegründet“ und werden in der Regel abgelehnt. Die Aussichten für Hilfesuchende auf Asyl sind sehr gering, bereits vor dieser Entscheidung lag der Anteil der abgelehnten Asylanträge aus Serbien in Deutschland bei 99 Prozent (bzw. 97 Prozent für Asylsuchende aus dem Kosovo).
Allerdings hat diese Einstufung der Balkanländer als „sicher“ bedeutende und weitreichende Konsequenzen, und zwar nicht nur für derzeitige Asylsuchende, sondern auch für Menschen, die schon seit Jahren, teils sogar seit Jahrzehnten, in Deutschland leben. Die Mehrheit der Asylsuchenden aus Serbien, dem Kosovo und Mazedonien sind Roma, die in ganz Europa Verfolgung, Marginalisierung und sozialen Ausschluss erfahren. Read the rest of this entry »
Dezember 13th, 2016 |
Published in
Facts & Figures, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte
80% der Beiträge in tschechischen Online-Foren, die sich mit Roma befassen, sind negativ. 2014 waren es nur 65%.
(Quelle)
Dezember 11th, 2016 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Neue Studie der Europäischen Grundrechteagentur (FRA)
European Union Agency for Fundamental Rights: EU-MIDIS II. Second European Union Minorities and Discrimination Survey: Roma – Selected findings, Luxembourg 2016, 52 S. (Download: PDF / 1,13 MB)
Weitverbreitete Deprivation zerstört das Leben von Roma. Familien leben von der Gesellschaft ausgeschlossen in schockierenden Verhältnissen, und Kinder mit niedrigem Bildungsstand haben kaum Zukunftsaussichten – zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Der Bericht analysiert die Lücken bei der Inklusion von Roma in der gesamten EU, um den Mitgliedstaaten bei der Verbesserung ihrer Integrationspolitik Orientierungshilfe zu bieten.
„Unsere offenkundige Unfähigkeit in Europa, die Menschenrechte unserer Roma-Gemeinschaften zu achten, ist inakzeptabel. Das Ausmaß an Deprivation, Ausgrenzung und Diskriminierung der größten Minderheit in Europa stellt rechtlich wie politisch ein schweres Versagen in der EU und ihren Mitgliedstaaten dar”, so der Direktor der FRA, Michael O’Flaherty. „Die Veröffentlichung dieser Erkenntnisse bietet die Gelegenheit, politische Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen und Ressourcen gezielt zur Beendigung dieser unhaltbaren Situation einzusetzen.“
Der Bericht über die Zweite Erhebung der Europäischen Union zu Minderheiten und Diskriminierung (EU-MIDIS II): Roma – ausgewählte Ergebnisse zeigt:
- 80 % der befragten Roma sind armutsgefährdet; der EU-Durchschnitt liegt bei 17 %. 30 % leben in Haushalten ohne fließendes Wasser und 46 % haben weder Innentoilette, -dusche noch -bad;
- 30 % der befragten Roma-Kinder leben in Haushalten, in denen jemand im vorigen Monat mindestens einmal hungrig schlafen ging; Read the rest of this entry »
Dezember 9th, 2016 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte
Wiener Neustadt plant Bettelverbot
„Stille Bettler“ vertreiben und einsperren?! Mit dem Bettelverbot überschreitet die Politik in Niederösterreich eine „rote Linie“. Christliche Politik geht anders.
Von Christoph Watz, Generalsekretär der Katholischen Aktion:
Ein Landtagsbeschluss vom September 2016 ermöglicht Gemeinden in NÖ mittlerweile sogar „stilles Betteln“ zu verbieten! Der couragierte Wiener Neustädter Propst Karl Pichelbauer hat sich in der NÖN Ende November klar gegen ein geplantes „Bettelverbot“ ausgesprochen, welches ÖVP und FPÖ im Frühjahr in Wr. Neustadt beschließen wollen. In den vielen Diskussion, die ich seit diesem NÖN-Artikel geführt habe, wusste kaum jemand, dass es in NÖ schon jetzt verboten ist, „aufdringlich, aggressiv, gewerbsmäßig, organisiert oder mit Kindern zu betteln“. (Nähere Info dazu von der Armutskonferenz hier.)
Dass nun auch das „stille Betteln“ in der größten Stadt im Industrieviertel verboten werden soll, finde ich unmenschlich, insbesondere unchristlich: Die Schwächsten, die stillen Bettler, dürfen dann festgenommen und mit Geldstrafen eingedeckt werden. In den vielen Diskussionen wusste jeder eine Geschichte von einer unangenehmen Begegnung mit einem Bettler. Ich wüsste auch eine. Aber so wie Propst Pichelbauer kenne ich viel mehr andere: z.B. von Vätern, die in Osteuropa jegliche Hoffnung auf einen Job verloren haben und die daheim erzählen, dass sie in Österreich „arbeiten“, weil es ihnen peinlich ist, hier betteln zu müssen.
Read the rest of this entry »
Dezember 8th, 2016 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte
Pressemitteilung des Fördervereins Roma e.V., Frankfurt/M., 7.12.2016:
Am 2.12.2016 wurde in Frankfurt/M. unter Brücke der Rosa-Luxemburg-Straße eine Schlafstätte von Obdachlosen aus Rumänien angezündet. Zum Zeitpunkt des Brandanschlags befanden sich sechs Personen in der Hütte. Ein junger Mann erlitt Brandverletzungen, als er das Feuer löschte. Die Betroffenen berichten von drei geflüchteten Personen, die an dem Anschlag beteiligt waren.
Der Förderverein Roma geht davon aus, dass es sich bei den obdachlosen Menschen aus Rumänien auch um Roma handelt, da in der Vergangenheit seitens der Sozialberatung bereits Kontakt zu Personen bestand, die unter der Brücke schliefen.
Es geht offensichtlich um einen Brandanschlag, der die Verletzung oder den Tod der Obdachlosen in Kauf nahm. Zudem sind rassistische Motive nahe liegend. Der Träger erinnert in dem Zusammenhang an einen Brand Anfang September des Jahres in Frankfurt/Fechenheim in einem Haus, das von Roma bewohnt wurde (wir berichteten). Auch hier wird wegen Brandstiftung ermittelt.
Read the rest of this entry »
Dezember 7th, 2016 |
Published in
Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
WELTjournal+: „Der Dorf-Diktator: Zucht & Ordnung in Ungarn“
ORF2, HEUTE, 7.12.2016, 23:05 Uhr
Das Dörfchen Érpatak im äußersten Nordosten Ungarns war lange ziemlich bedeutungslos – bis vor einigen Jahren Mihály Zoltán Orosz zum Bürgermeister gewählt wurde, ein bekennender Rechtsextremer und Roma-Hasser. Das „WELTjournal +“ erzählt, wie der Bürgermeister das strenge „Modell von Érpatak“ einführte, in dem Ordnung, Arbeitssinn und nationale Brauchtumspflege zur Pflicht gehören. Wer sich nicht daran hält, dem droht Ausgrenzung, sogar Vertreibung aus dem Dorf. Mittlerweile haben auch andere ungarische Gemeinden das Disziplinierungsmodell Érpatak übernommen und nutzen es, um gegen die Minderheit der Roma und politische Kritiker vorzugehen. (Text: ORF)
Die Sendung ist auf der Video-Plattform ORF-TVthek als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.
Siehe auch:
Crossing Europe: The Érpatak Model, dROMa-Blog, 29.4.2016
Interview zu The Érpatak Model, dROMa-Blog, 30.4.2016
Dezember 6th, 2016 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Verhetzungsprozess: Ein 73-jähriger mehrfach Vorbestrafter hat per Mail gegen Roma gehetzt. Der Mann bereut das nur aus Angst vor einer neuerlichen Haft
Michael Möseneder/Der Standard: Wien – Ferdinand P. hat eine ziemlich klare Meinung zur ethnischen Minderheit der Roma. Die seien „der Abschaum der Menschheit“, „asiatische Parasiten“ und überhaupt alles Diebe. Blöd nur, dass der 73-Jährige selbst elf Vorstrafen hat – wegen Eigentumsdelikten. Vor Richter Gerald Wagner sitzt er allerdings wegen Verhetzung, hat der Mindestpensionist doch seine Meinung per Mail an diverse Empfänger verschickt. Es zeigt sich, dass bei der ersten Verhandlung sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft und Richter ziemlich schleißig agiert haben. Damals fragte niemand nach, an wie viele Personen die Nachricht überhaupt verschickt wurde. Da im Akt nur von einer Adresse die Rede gewesen ist, wurde P. freigesprochen, das Oberlandesgericht hob das Urteil auf.
Emotionen nach abgebrannten Zelten
Wagner geht nun also gründlicher vor. „Warum haben Sie das gemacht?“, will er wissen. Der Angeklagte erzählt, er habe in einem Artikel gelesen, dass Zelte von Roma bei Linz abgebrannt sind. „Das hat Emotionen hervorgebracht!“, sagt er. „Ich bin bei einem rumänischen Eisenbahnklub. Und dieses Volk hat einmal 700 Meter Schienen gestohlen“, empört P. sich. „Jetzt sind Sie selbst mehrfach vorbestraft. Sind Sie Wiener?“, fragt der Richter. „Ja“, hört er. „Wenn ich jetzt sage, alle Wiener sind Diebe – stimmen Sie mir dann zu?“ – „Nein.“ – „Aber die Roma schon?“ – „Nicht alle.“
Wie Wagner herausarbeitet, hat der Angeklagte seine kruden Ansichten an das Land Oberösterreich, den Bürgermeister von Linz und zwei weitere Stellen der Landeshauptstadt verschickt. Zusätzlich bekamen 13 Tageszeitungen den Erguss. Read the rest of this entry »
November 28th, 2016 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte
Im Folgenden eine Petition des Bundes-Roma-Verband e.V. an die deutsche Bundesregierung und die Innenminister der Länder. Rund 50 Organisationen haben den Aufruf mitunterzeichnet. >>Zur Petition
Endlich eine Lösung für Generationen finden: Bleiberecht für Roma in Deutschland
Das Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti Europas in Berlin erinnert an Verfolgung und Vernichtung, an Überleben und Deportation. Dort versammelten sich im Mai 2016 etwa 50 Romnja und Roma, um gegen die ihnen drohenden Abschiebungen und die strukturelle Diskriminierung, soziale und politische Ausgrenzung zu protestieren.
Nachts wurde die Versammlung am Mahnmal gewaltsam von der Polizei geräumt. Weder in den als sicher eingestuften Herkunftsstaaten noch in Deutschland finden Roma einen Ort, an dem ihnen ein Leben in Würde möglich ist. Das Wort Deportation ist heute mit der Praxis der nächtlichen unangekündigten Abschiebungen in existentielle Unsicherheit und Verfolgung in den Sprachgebrauch der Roma zurückgelangt. Alle zuletzt beschlossenen Verschärfungen des Asyl- und Aufenthaltsrechts wirken sich auf die Situation von Roma in Deutschland als dramatische Verschlechterung aus.
„Viele von uns, auch kleine Kinder und Jugendliche, leben in ständiger Angst vor staatlichen Organen und müssen sich, wenn die Abschiebung droht, auch in Deutschland im Untergrund aufhalten. Das bedeutet kein Zugang zu ärztlicher Versorgung, zu Bildung, Arbeit, Wohnraum und öffentlichem Leben. Grund- und Menschenrechte bleiben uns verwehrt, unsere Würde wird uns entrissen. Diese permanente Entrechtung zementiert sowohl gesellschaftlich wie auch staatlicherseits einen Zustand, aus dem wir alleine nicht herausfinden sollen“, so das Fazit der seit den Kriegen in Jugoslawien in Unsicherheit und Angst lebenden Romnja und Roma.
Roma sind nirgendwo sicher. In den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens haben sie keine Rechte, selbst wenn von der Bundesrepublik und den jeweiligen Regierungen entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien sind, auch nach ihrer Einstufung im deutschen Recht als „sichere Herkunftsstaaten“, für Roma nicht sicher. Damit wird ihnen jegliche Chance auf eine Anerkennung als Flüchtling genommen. Die Regelung der „sicheren Herkunftsstaaten“ kommt für Roma einer Abschaffung des Asylrechts gleich.
Read the rest of this entry »
November 20th, 2016 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte
Slowenisches Parlament schreibt das Recht auf Wasser in die Verfassung. Amnesty International fordert Verbesserung für Roma-Gemeinschaften:
Radio Dreyeckland: Das slowenische Parlament hat am Donnerstag einstimmig dafür gestimmt, das Recht auf Trinkwasser in die Verfassung einzuschreiben. Jeder habe das Recht darauf. Mit der Verfassungsänderung lehnen die slowenischen Abgeordneten eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung eindeutig ab. Trinkwasser sei keine Ware, die Versorgung müsse direkt und nicht-kommerziell vom Staat über die Gemeinden gewährleistet werden. Die Idee dieser Verfassungsänderung kam ursprünglich von einer Initiative von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die slowenische Mitte-Links-Regierung unterstützte anschließend diesen Vorschlag. Slowenien ist damit das erste Land in der Europäischen Union, die dem Recht auf Trinkwasser Verfassungsrang gibt. Amnesty International wies auf einen großen Nachholbedarf bei der Trinkwasserversorgung in Slowenien hin: Dort müssten manche Roma-Gemeinschaften immer noch Wasser von verschmutzten Flüssen oder öffentlichen Wasserhähnen holen und hätten noch keinen Zugang zu anständigen Toiletten. Amnesty International nannte diesen Zustand schockierend für ein hoch entwickeltes Land wie Slowenien. Ansonsten habe fast die gesamte Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser. Eine Regierungskommission habe bereits 2011 darauf hingewiesen, dass Slowenien auch allen Roma dringend Zugang zu Trinkwasser ermöglichen sollte. Seitdem sei aber nichts geschehen. Mit diesem neuen Verfassungsrecht werde es aber einfacher sein, das Recht auf Trinkwasserversorgung notfalls gerichtlich einzufordern. (Text: rdl.de)
Amnesty publizierte bereits 2011 einen Bericht über den fehlenden Wasserzugang vieler slowenischer Roma-Gemeinschaften:
Amnesty International: Viele Roma in Slowenien müssen um jeden Tropfen Wasser, den sie zum Trinken, Waschen oder Kochen benötigen, kämpfen. Dies ist kein Zufall, sondern Folge der weitverbreiteten Diskriminierung. Read the rest of this entry »
November 6th, 2016 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Noch bis zum 14. November: „Ausstellung 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma“ im DokuZ Sinti und Roma (Berlin)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die NS-Verbrechen an Roma und Sinti über Jahrzehnte hinweg beschwiegen und die Überlebenden erneut ausgegrenzt und ins Abseits gedrängt. Die Verantwortlichen des Völkermordes hingegen konnten in vielen Fällen als respektierte Mitglieder der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft weiterleben und ohne Angst vor Bestrafung ihre Karrieren fortsetzen. Dem Engagement der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma ist es zu verdanken, dass sich daran etwas geändert hat. Mit aufsehenerregenden Aktionen wie etwa dem Hungerstreik im ehemaligen Konzentrationslager Dachau 1980 verschaffte sie sich Gehör. 1982 erkannte Helmut Schmidt als erster deutscher Spitzenpolitiker den rassistisch motivierten Völkermord an Sinti und Roma als solchen an. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des in Heidelberg ansässigen Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Der Bürgerrechtsbewegung ist es gelungen, die NS-Vergangenheit zum gesellschaftlichen Thema zu machen und immer wieder erfolgreich für die Belange der Minderheit einzutreten.
Nun ist die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung zum ersten Mal Thema einer eigenen Ausstellung: Fotografien aus fünf Jahrzehnten lenken den Blick auf bekannte und weniger bekannte Ereignisse. Read the rest of this entry »
November 5th, 2016 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte
Radio Praha, 4.11.2016:
Der Europarat in Straßburg hat scharfe Kritik an der Menschenrechtslage der Roma in Tschechien geübt. Menschenrechtskommissar Nils Muižnieks kritisierte in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben an Premier Bohuslav Sobotka die anhaltende Ausgrenzung der Minderheit. Kinder würden noch immer in eigene „Roma-Klassen“ oder Schulen für Behinderte abgeschoben, ganze Familien in prekäre Wohnsiedlungen am Stadtrand gedrängt. Der Sozialdemokrat Sobotka verwies auf Verbesserungen unter seiner seit knapp drei Jahren bestehenden Regierung. Muižnieks zeigte sich bestürzt darüber, dass die Regierung bis heute keine außergerichtlichen Entschädigungszahlungen für frühere Zwangssterilisationen an Roma-Frauen auf den Weg gebracht habe. Sobotka verwies in seiner Antwort auf die Gerichte.
Aussendung des Menschenrechtskommisars des Europarats, 4.11.2016:
In seinem Schreiben bekräftigt der Kommissar insbesondere seine Empfehlung, einen außergerichtlichen Mechanismus für die Entschädigung von Roma-Frauen zu etablieren, die Opfer von Zwangssterilisierungen geworden sind. Er betont die Notwendigkeit, den Zugang von Roma zu inklusiver Bildung und zu angemessenem Wohnraum zu verbessern. Er appelliert an die Regierung, ihre Bemühungen zur Bekämpfung und Auslöschung von Antiziganismus zu verdoppeln. In diesem Zusammenhang fordert er die Behörden auf, die Schweinefarm vom Gelände des ehemaligen Nazi-Konzentrationslagers in Lety zu entfernen, um eine würdige Gedenkstätte für die dort ermordeten Roma zu schaffen. (Übersetzung: dROMa)
Siehe auch:
CoE: The Commissioner’s letter to the Prime Minister of the Czech Republic
CoE: The reply by Mr Bohuslav Sobotka, Prime Minister of the Czech Republic (in English and Czech)
November 2nd, 2016 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege. Texte über Antiromaismus und historische Lokalrecherchen zu und von Roma, Romnja, Sinti und Sintezze in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Tschechien, hrsg. von Kathrin Krahl und Antje Meichsner, Weiterdenken / Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: Dresden 2016, 254 S.
Die Publikation kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden.
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: Der Sammelband „Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege“ versammelt Aufsätze von Autor/innen aus Aktivismus und Selbstorganisierung, Wissenschaftler/innen, politische Bildner/innen, Künstler/innen, Community-Arbeiter/innen und politische Kämpfer/innen. Es ist ein Kompendium, das ausgehend vom so gut wie nicht beschriebenen weißen Papier der Geschichte der Roma und Romnja und deren Verfolgung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Tschechien (in deutscher Sprache) einen Ausgangspunkt setzen möchte. Wir haben uns auf die Suche begeben und Autor/innen gewinnen können, die uns in ihre wissenschaftliche Arbeit, ihren Aktivismus oder ihre Lebensrealitäten Einblick geben. Die lokalen Beiträge haben wir mit Stimmen überregionaler Autor/innen erweitert, um ein breiteres Bild von Roma-Aktivismus aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis: Read the rest of this entry »
Oktober 24th, 2016 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte
Rassistische Proteste gegen Roma in der polnischen Provinz
Gemeinden in der Woiwodschaft Kleinpolen versuchen Roma umzusiedeln oder wollen deren Zuzug verhindern. Bürgermeister sehen in Roma eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Einwohner/innen protestieren und sammeln Unterschriften gegen Roma. Der derzeit allgemein stark anwachsende Rassismus in Polen trifft auch gerade die dort lebende Roma-Minderheit.
EcoleUsti: Schon seit längerem sind Roma in Limanowa, einer polnischen Kleinstadt nahe der slowakischen Grenze, Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt. Ende vergangenen Jahres fanden sich rassistische Schmierereien an den Wänden von Häusern, die von Roma bewohnt werden. Darunter die Formulierungen: „Macht euch für die Vernichtung bereit“, „Raus aus Polen, ihr Lumpen“, „Polen den Polen“, „Tod den Feinden des Vaterlandes“ sowie weitere sehr explizite Vulgarismen. Scheiben und Scheinwerfer von Autos, die Roma gehören, wurden eingeschlagen. Auch ein Wahlplakat der rechtsextremen Korwin-Partei mit der Parole „Nein zu einem islamischen Viertel in unserer Stadt“ fand sich wohl nicht zufällig in dem von Roma bewohnten Areal. Der ohnehin grassierende Hass auf Flüchtlinge und Muslim/innen scheint direkt auf die Roma übertragen zu werden.
Die Roma in Limanowa leben teilweise in miserablen Verhältnissen, auf engstem Raum ohne Heizung in durchfeuchteten, teils abrisswürdigen Häusern. Stadt und Gemeinde dienen diese Zustände nun als Anlass, um die Roma auszusiedeln. Seit bald einem Jahr wird versucht, mehrere Familien in anderen Gemeinden unterzubringen, da dort angeblich günstigere und geeignetere Immobilien vorzufinden seien. Limanowa nutzt dafür Gelder aus einem Regierungsprogramm zur Integration von Roma.
Die Roma selbst wollen den Ort eigentlich nicht verlassen. Trotz der problematischen Wohnsituation, den Feindseligkeiten und Angriffen fühlen sie sich in Limavnowa zuhause, haben hier ihr bekanntes Umfeld. Außerdem wissen sie, dass sie in anderen Gemeinden ebenfalls unerwünscht sind. Mitglieder der Roma-Community behaupten nun, dass sie von den städtischen Behörden unter Druck gesetzt wurden, einem Auszug zuzustimmen. Man drohe mit Abriss. Strom und Wasser werden bereits abgedreht. Der Bürgermeister verweigert den Roma das Recht auf kommunale Dienstleistungen wie den Abtransport von Müll, was zu einer Ansammlung von Abfallbergen vor deren Wohnhaus führt.
Read the rest of this entry »
Oktober 21st, 2016 |
Published in
Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Raffaela Gmeiner (2015): Essentialistische Gegenöffentlichkeit der Roma in Österreich. Minderheitenmedien als Strategie zur Ausbalancierung antiziganistischer Medienberichterstattungen seitens bürgerlicher Medien
Magisterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozialwissenschaften), 144 S.
→Download der UB Wien (pdf)
Abstract: (…) Vor allem Volksgruppenangehörige der Roma werden von der „bürgerlichen“ Öffentlichkeit oft ausgeschlossen und von den Massenmedien meist stereotypisiert repräsentiert. Um dem antiziganistischen Diskurs in den Medien entgegenzuwirken, muss es zur Etablierung einer Gegenöffentlichkeit der Roma kommen: Minderheitenmedien und Gegenberichterstattungen in Mainstreammedien können zur medialen Ausbalancierung beitragen. Die vorliegende Arbeit verknüpft aktuelle Öffentlichkeitstheorien mit dem Problem des medial verbreiteten Antiziganismus und fokussiert auf das Potential alternativer Medien. (…) Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive haben Medien wichtige soziale Funktionen und sollen zur interkulturellen medialen Integration beitragen. Im Falle der Roma wirken Medien jedoch eher desintegrativ, es kommt zur Konstruktion problematischer Fremdbilder, die aus medienethischer Perspektive höchst diskussionsbedürftig erscheinen. Die Arbeit geht der Frage nach, wie antiziganistische Medienberichterstattung ausbalanciert werden kann und welche gegenöffentlichen Strategien dabei Anwendung finden. Dabei wird das Verhältnis zwischen Minderheiten- und Massenmedien untersucht. Die empirische Studie geht induktiv vor und erforscht idiographisch am „Fall Maria“, wie Mehrheits- und Minderheitenmedien das Ereignis darstellten. Mittels qualitativer Inhaltsanalyse wurden Zeitungsberichte in einem Zeitraum von drei Monaten untersucht. Im Fall Maria kam es zur Veröffentlichung falscher Informationen und zur Konstruktion prekärer Diskursfragmente. (…) Die große Anzahl negativer Zeitungsberichte konnte von den Romamagazinen nicht ausbalanciert werden. Jedoch kam es innerhalb der Mainstreammedien zu gegenöffentlichen Meinungsäußerungen: V.a. nichtredaktionelle Beiträge, wie etwa Kommentare, Kolumnen und ein Leserbrief kritisierten die antiziganistischen Darstellungsweisen. (…) Die Stärkung einer essentialistischen Gegenöffentlichkeit der Roma in Österreich erweist sich in Anbetracht der Studie als dringlich.
Die Berichterstattungen der Mainstreamzeitungen zum Fall Maria waren von stereotypen Bildern und antiziganistischen Mutmaßungen geprägt. Der mediale Diskurs über den Fall Maria setzte sich aus mehreren problematischen Diskursfragmenten zusammen: Genetik, Rassifizierung, Kindesentführung, Kinderhandel, Sozialbetrug, Kleinkriminalität, Betteln, Armut, aber auch Selbstreflexion der Medien. Es kam zur Verbreitung falscher und schlecht recherchierter Information sowie zu prekären Darstellungsweisen der Volksgruppenangehörigen. Die wenigen Romazeitschriften hatten aufgrund ihrer geringen Anzahl und der langen Publikationsperioden kaum eine Chance, dem massenmedial verbreiteten Antiziganismus entgegenzuwirken. Nur zwei Romazeitschriften (Romano Centro und dROMa) setzten sich mit dem Fall Maria auseinander, wohingegen die Mehrheitszeitungen insgesamt 67 Berichterstattungen dazu veröffentlichten. Read the rest of this entry »
Oktober 16th, 2016 |
Published in
Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Premiere (in englischer Sprache):
Do., 27. Oktober 2016 | 20:00 Uhr,
ehem. Stummfilmkino Delphi
Weitere Vorstellungen:
Fr., 28.10. | 20:30 Uhr, Gorki Theater Studio Я
Sa., 29.10. | 20:00 Uhr, ehem. Stummfilmkino Delphi
Anschließend Gastspiele in Budapest und Novi Sad
THE JOURNEY / DROM ist ein kollaboratives Theaterprojekt von Roma- und Nicht-Roma-Künstlern und -Organisationen, welches eine künstlerische Plattform bietet, um die Geschichten von Roma, welche aus dem Norden Serbiens über Ungarn nach Deutschland gekommen sind, zu erzählen. Vor welchen Umständen sind sie geflohen? Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie auf ihrer Reise zu kämpfen? Was waren ihre Träume – und was ist daraus geworden? Für Roma aus dem Westbalkan ist die Strecke zwischen Novi Sad, Budapest und Berlin oft der einzige Weg, um nach Deutschland zu gelangen und Asyl zu beantragen. Hoffend auf ein besseres Leben, nehmen viele die über 1.050 km in überfüllten und unsicheren Fahrzeugen – oder sogar zu Fuß – auf sich, um einen Neuanfang im Unbekannten zu wagen, während sie ihre Heimat und familiären Wurzeln hinter sich lassen.
Der Prozess
Durch Aufenthalte der Künstler in den drei Städten werden wahre Geschichten von Roma gesammelt, welche diese Reise unternommen haben. Sie dienen als Grundlage für die Entwicklung einer Bühnenproduktion sowie der Publikation einer Fotonovelle. Das multikulturelle Ensemble von Künstlern aus Deutschland, Serbien und Ungarn widmet sich der Poetik und Politik des „Unterwegsseins“ („ando drom“). Es beleuchtet, was Roma-Identität und -Kultur heute ausmacht Read the rest of this entry »
Oktober 13th, 2016 |
Published in
Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft
Genau vor zwanzig Jahren veröffentlichte das European Roma Rights Centre (ERRC) die allererste Ausgabe seines „Roma Rights Journal“, eines Magazins, das sich – über lange Zeit als eines von nur sehr wenigen akademischen Publikationsmedien – mit der Minderheit der Roma befasste. Im Rückblick auf die Anfänge ihres Mediums lässt die in Budapest ansässige internationale Menschenrechts-NGO heute durchaus Optimismus erkennen: „Es ist ermutigend zu sehen, wie weit wir in den letzten zwanzig Jahren gekommen sind.“ So mancher Missstand, der das Leben der Roma-Gemeinschaft vor zwanzig Jahren geprägt hatte, hätte heute, 54 Ausgaben später (sieben davon waren Doppelnummern), einiges an Brisanz verloren:
In 1996, the state of Roma rights in Europe was very different to the situation we see today. Looking back at the issues that are mentioned in this first edition, it is encouraging to note that many of these atrocities are no longer a constant presence in the lives of Roma in Europe. No matter how disheartening the fight for Roma Rights can be, it is emboldening to see how far we have come in the last twenty years. Read the rest of this entry »
Oktober 8th, 2016 |
Published in
Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Absolut illegal: Bürgermeister von Saint-Ouen verweigert fünf Roma-Kindern aus Barackensiedlung die Einschulung
>>Anhören/Download (mp3), 11:25 min
In Frankreich verweigert der Bürgermeister (UDI) der Pariser Vorstadt Saint-Ouen Roma-Kindern, die in einer informellen Barackensiedlung im Ort wohnen, die Einschulung, und das obwohl alle Kinder in Frankreich zwischen 6 und 16 Jahren der Schulpflicht unterliegen. Er möchte die Siedlung räumen lassen und die Kinder nicht in den Schulen sehen. Radio Dreyeckland sprach mit seinem Frankreichkorrespondenten, dem freien Journalisten und Juristen Bernard Schmid.
(Text und Interview: www.rdl.de)
Anm. d. dROMa-Red.: Die Präfektur von Seine-Saint-Denis hat den Bürgermeister von Saint-Ouen daraufhin angewiesen, die Einschulung ordnungsgemäß durchzuführen. Im September berichteten französische Medien zudem von einem weiteren, sehr ähnlichen Fall. In Maubeuge in Nordfrankreich ließ der Bürgermeister (ebenfalls von der bürgerlichen UDI) Romakinder unter dem Vorwand, diese hätten keine korrekten dauerhaften Wohnadressen vorweisen gönnen, nicht zum Schulbesuch zu.