Slowenien: Recht auf Wasser – auch für Roma?

November 20th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ein Roma-Mädchen schöpft dreckiges Wasser bei Dobruška vas. Im Südosten Sloweniens haben 20 bis 30 Prozent der Roma keinen direkten Zugang zu Trinkwasser (Foto: A. Hodalič/Amnesty International)Slowenisches Parlament schreibt das Recht auf Was­ser in die Ver­fas­sung. Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal for­dert Ver­bes­se­rung für Roma-Ge­mein­schaf­ten:

Radio Dreyeckland: Das slowenische Parlament hat am Don­ners­tag ein­stim­mig dafür ge­stimmt, das Recht auf Trink­wasser in die Ver­fas­sung ein­zus­chreiben. Jeder habe das Recht darauf. Mit der Ver­fas­sungs­ände­rung lehnen die slo­we­ni­schen Ab­geord­ne­ten eine Privati­sie­rung der Trink­wasser­ver­sor­gung ein­deu­tig ab. Trinkwasser sei kei­ne Ware, die Ver­sor­gung müsse direkt und nicht-kom­mer­ziell vom Staat über die Ge­mein­den ge­währ­leis­tet wer­den. Die Idee dieser Ver­fas­sungs­ände­rung kam ur­sprüng­lich von einer Initia­tive von zivil­gesell­schaft­li­chen Or­gani­sa­tio­nen. Die slowe­ni­sche Mitte-Links-Re­gie­rung unter­stützte an­schlie­ßend diesen Vor­schlag. Slowenien ist damit das ers­te Land in der Euro­päi­schen Union, die dem Recht auf Trink­wasser Ver­fas­sungs­rang gibt. Amnesty International wies auf einen gro­ßen Nachhol­bedarf bei der Trink­wasser­ver­sor­gung in Slo­we­nien hin: Dort müss­ten manche Roma-Gemein­schaften immer noch Wasser von ver­schmutz­ten Flüs­sen oder öffent­lichen Wasser­hähnen holen und hätten noch keinen Zu­gang zu an­stän­di­gen Toi­letten. Am­nes­ty Inter­na­tio­nal nannte diesen Zu­stand schockie­rend für ein hoch ent­wickel­tes Land wie Slo­wenien. An­sons­ten habe fast die ge­samte Be­völ­ke­rung Zu­gang zu Trink­wasser. Eine Regie­rungs­kom­mis­sion habe bereits 2011 darauf hin­ge­wiesen, dass Slo­wenien auch allen Roma drin­gend Zu­gang zu Trink­wasser er­mög­li­chen sollte. Seit­dem sei aber nichts ge­sche­hen. Mit diesem neuen Ver­fas­sungs­recht werde es aber ein­facher sein, das Recht auf Trink­wasser­ver­sor­gung not­falls gericht­lich ein­zu­for­dern.  (Text: rdl.de)

Amnesty publizierte bereits 2011 einen Bericht über den feh­len­den Wasser­zu­gang vie­ler slo­we­ni­scher Roma-Ge­mein­schaf­ten:

Amnesty International: Viele Roma in Slowenien müssen um jeden Trop­fen Wasser, den sie zum Trinken, Wa­schen oder Kochen be­nö­ti­gen, kämp­fen. Dies ist kein Zu­fall, sondern Fol­ge der weit­ver­brei­te­ten Dis­kri­mi­nie­rung. In Slo­we­nien gibt es ge­nü­gend sau­be­res Trink­wasser. „Ich gehe nicht zur Schule, weil ich schmut­zig bin und nicht gut rieche. An­de­re Kinder ma­chen sich über mich lustig und be­schimpfen mich“, er­zähl­te Ruza B., ein zwölf­jäh­ri­ges Mäd­chen. Sie lebt mit ihrer Familie in einer Roma-Sied­lung in Zabjak, wo es weder Wasser noch Strom noch sanitäre Ein­rich­tun­gen gibt. Der Bericht von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal «Parallel lives: Roma denied rights to housing and water in Slovenia» (2011)  zeigt auf, dass ei­ni­gen Roma-Fa­mi­lien in Slo­wenien we­niger Wasser zur Ver­fü­gung steht, als in hu­ma­ni­tä­ren Ka­tastrophen als ab­solu­tes Mini­mum vor­ge­se­hen ist. Die Men­schen­rechts­orga­ni­sa­tion hat mit Fa­mi­lien gespro­chen, die le­dig­lich 10 bis 20 Liter pro Tag und Fa­mi­lien­mit­glied als Trink­wasser, zum Baden und zum Ko­chen zur Ver­fü­gung haben. Wasser, das sie aus ent­lege­nen und oft ver­schmutz­ten Quellen ho­len müs­sen, weil ihnen der An­schluss an die Wasser­ver­sor­gung ver­wei­gert wird. „Slo­we­nien ist ein ent­wickel­tes Land. Der fehlen­de Zu­gang zu Wasser und sani­tären Ein­rich­tun­gen ver­letzt nicht nur das Recht auf Was­ser, son­dern zieht wei­tere Ver­letzun­gen grund­legen­der Rechte nach sich“, er­klärte Silvie Lang, Kam­pagnen­koor­di­na­torin von Amnesty Inter­na­tio­nal. „Der Mangel an Wasser hat einen direk­ten Ein­fluss auf die Bildung der Kin­der. Diese ge­hen oft nicht mehr zur Schule, da sie sich nicht waschen kön­nen und des­we­gen von anderen Schul­kindern gehän­selt und ver­spottet wer­den.“

(Text: www.amnesty.ch)

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