März 11th, 2022 |
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Einrichtungen, Politik
Deutsche Bundesregierung beruft erstmals Antiziganismus-Beauftragten: Mehmet Daimagüler übernimmt neues Amt im Bundesfamilienministerium
Der Rechtsanwalt Dr. Mehmet Daimagüler wird der erste Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Sintizze sowie Roma und Romnja in Deutschland. Das hat das Bundeskabinett in seiner Sitzung am 9. März beschlossen. Der Beauftragte ist im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend angesiedelt und wird die Maßnahmen der Bundesregierung gegen Antiziganismus koordinieren.
Bundesfamilienministerin Anne Spiegel:
„Sinti*ze und Rom*nja kämpfen in Deutschland mit Jahrhunderte alten, tiefsitzenden Vorurteilen in weiten Teilen der Mehrheitsgesellschaft und zunehmender Anfeindung und sehen sich einer wachsenden Radikalisierung in der rechtsextremen Szene ausgesetzt. Mit der Berufung eines Antiziganismus-Beauftragten setzt die Bundesregierung heute ein klares Signal, dass wir der Diskriminierung, Ausgrenzung und Anfeindung von Sinti*ze und Rom*nja nicht tatenlos zusehen. Für das Amt konnten wir mit Mehmet Daimagüler einen engagierten Anwalt für die Betroffenen von Menschenfeindlichkeit, Hass und Gewalt gewinnen. Er wird sich mit aller Kraft für die Belange der Sinti*ze und Rom*nja in unserem Land einsetzen und für die Rechte der Opfer von Antiziganismus eintreten.“
Zu seiner Ernennung erklärt Mehmet Daimagüler:
„Die Bekämpfung des Antiziganismus muss ressortübergreifend und auf allen Ebenen angegangen werden, im Bund wie in den Ländern. Da viele Maßnahmen in der Zuständigkeit der Länder liegen, werde ich mich für die Einrichtung einer ständigen Bund-Länder-Kommission einsetzen. Die Herausforderungen sind nur gemeinsam mit den Communities der Sinti und Roma zu bewältigen. Den Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus verstehe ich als eine wichtige Ressource für meine Arbeit. Besonders am Herzen liegt mir die Einrichtung einer Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts nach 1945. Read the rest of this entry »
März 2nd, 2022 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verurteilt scharf den Angriff auf die Ukraine
Große Bestürzung hat die Nachricht vom russischen Angriff auf die Ukraine beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ausgelöst. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit verschiedenen Partnern in der Ukraine eng zusammen. Wir sind zutiefst um das Leben der Menschen in der Ukraine und insbesondere um das Wohlergehen unserer Freunde und Partner besorgt“, erklärt Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats. „Dieser Angriff ist durch nichts gerechtfertigt, er verstößt gegen das Völkerrecht. Die Menschen, die vor dem Krieg fliehen, müssen auch in Deutschland Schutz finden. Wir appellieren an die Kriegsparteien, die Kampfhandlungen einzustellen und Verhandlungen zu beginnen“, so Rose weiter.
„Roma kämpfen als ukrainische Patrioten an der Seite ihrer Landsleute gegen die russischen Invasoren. Dies zeigt, dass Roma sich gemeinsam mit den demokratischen Kräften in der Ukraine kämpfend gegen die russische Aggression stellen“, sagte Rose, und weiter: „gleichzeitig sind Romafamilien, meist Frauen und Kinder auf der Flucht aus dem östlichen Landesteilen.“ „Es gibt viele Roma, die gegen die Okkupanten kämpfen, weil wir in der Ukraine geboren wurden und weil wir unsere Heimat verteidigen“, erklärte Viktor Chovka, der direkt aus Uzhhorod, Ukraine, berichtet. Andere ukrainische Medien berichten, dass Roma einen russischen Panzer erbeutet haben. In den Sozialen Medien finden sich Berichte von Roma, die als Soldaten der ukrainischen Armee an der Front kämpfen.
Eine Roma-Aktivistin der ukrainischen Jugendorganisation ARCA (Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture) berichtet von ihrer Flucht aus dem Osten ihrer Heimat. Nach einer 23-stündigen Fahrt sei sie am Donnerstag endlich im Westen des Landes angekommen. Read the rest of this entry »
Februar 23rd, 2022 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutsche Bundesregierung beschließt nationale Strategie „Antiziganismus bekämpfen, Teilhabe sichern!“. Maßnahmen setzen die „EU-Roma-Strategie 2030“ in Deutschland um.
Die Bundesregierung hat heute die von der Bundesministerin des Innern und für Heimat vorgelegte nationale Strategie „Antiziganismus bekämpfen, Teilhabe sichern!“ beschlossen. Damit soll die Integration und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland gefördert und Antiziganismus bekämpft werden. Unter anderem soll eine Nationale Roma-Kontaktstelle aufgebaut werden, um den Dialog mit der Community institutionalisiert zu fördern. Zudem soll eine zivilgesellschaftliche Monitoringstelle zur Erfassung antiziganistischer Übergriffe eingerichtet werden.
Bundesministerin des Innern und für Heimat, Nancy Faeser: „Anstatt über Politik für Sinti und Roma zu sprechen, werden wir gemeinsam mit Sinti und Roma Wege der politischen Teilhabe gestalten. Hierzu werden wir durch den Aufbau der Nationalen Roma-Kontaktstelle den Dialog mit der Community fördern und institutionalisieren. Wir treten Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma entschieden entgegen.“
Diese Nationale Strategie wird mit zielgerichteten Maßnahmen auf Ebene des Bundes, der Länder und der Kommunen die allgemeine Integrationspolitik Deutschlands ergänzen. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist ein klares Einschreiten gegen Ausgrenzung und Diskriminierung wichtig. Der künftige Antiziganismusbeauftragte, dessen Einrichtung die Bundesregierung bereits beschlossen hat, wird dabei zum politischen Sprachrohr.
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Februar 6th, 2022 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
1901 verabschiedete das bulgarische Parlament mit nur 6 Gegenstimmen ein Zusatzgesetz, das dem Großteil der Roma das Wahlrecht aberkannte.
(Quelle)
Januar 30th, 2022 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Im Februar und März 2022 veranstaltet das Institut für Didaktik der Demokratie der Leibniz-Universität in Kooperation mit dem Bildungsforum gegen Antiziganismus, der Hochschule Hannover und der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen die Online-Vortragsreihe „Freizügigkeit für alle? Institutioneller Rassismus und EU-Migration“.
Freizügigkeit für alle? Diese Frage bewegt seit der sogenannten EU-Osterweiterung nicht nur die mediale Öffentlichkeit, sondern sie beunruhigt darüber hinaus auch Politik und Behörden. Als Gegenbewegung zum Abbau der Grenzen innerhalb der EU hat sich europaweit ein neuer Rassismus herausgebildet, der sich in Deutschland in erster Linie gegen eine als „Armutszuwanderung“ stigmatisierte EU-Migration aus Rumänien und Bulgarien richtet. Rassismus besteht nicht nur darin, unerwünschte Andere als minderwertig zu stigmatisieren. Er begründet weitergehend auch institutionelle Strategien ihres gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses und dient in letzter Konsequenz somit dazu, sie als rechtlos zu definieren.
In der Vortragsreihe „Freizügigkeit für alle?“ beleuchten wir im Austausch von Wissenschaft und Praxis die Mechanismen und Wirkungsweisen des Rassismus im EU-Binnengrenzregime: Warum werden die Kommunen zu entscheidenden migrationspolitischen Akteuren in der erweiterten Union? Weshalb entwickelt sich in diesem Kontext das Sozialrecht zu einem Instrument des Ausschlusses und der Migrationskontrolle? Und inwiefern strukturieren rassistische Deutungsmuster institutionelle Praktiken des Ein- und Ausschlusses von Unionsbürger*innen?
Die Vortragsreihe im Überblick:
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Januar 29th, 2022 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik
Bei einer Großaktion zur zwangsweisen Sesshaftmachung der Roma wurden 1964 in Polen 1.146 fahrende Familien behördlich registriert.
(Quelle)
Januar 28th, 2022 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Gemeinsame Erklärung von Staats- und Regierungsspitze, Opposition, IKG und Vertretern der Roma und Sinti
Am Gedenktag anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz lud die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) Vertreter der Republik, die Staats- und Regierungsspitze, Parlamentsparteien und Volksgruppenverteter der Sinti und Roma am 27.1.2022 zu einer Gedenkzeremonie in der Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte im Wiener Ostarrichipark. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verabschiedeten untenstehende Erklärung unisono. Als Ehrengast war der israelische Außenminister Yair Lapid als Zeichen der Verbundenheit zwischen Österreich und Israel anwesend.
Gemeinsame Erklärung, am 27. Jänner 2022
„Heute vor 77 Jahren befreiten Soldaten der sowjetischen Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Mehr als eine Million Menschen hatten die Nationalsozialisten dort ermordet. Doch der Holocaust, die Shoah, der Porajmos, waren damit noch nicht beendet. Das Morden ging weiter. Auch auf österreichischem Boden, etwa im Konzentrationslager Mauthausen.
Im Rahmen der Initiative #WeRemember gedenken wir aller Opfer, die aus antisemitischen, rassistischen, homophoben, politischen und anderen Gründen verfolgt, gequält und ermordet wurden. Aus der Erinnerung erwächst die Verantwortung, uns immerwährend und aktiv gegen Antisemitismus, Romafeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und jegliche Form der Diskriminierung zu stellen. Dies ist ein Auftrag an die gesamte Republik Österreich; an alle Menschen, die hier leben.
Wir alle sind gefordert, Zivilcourage zu zeigen, zu widersprechen, wenn antisemitische, romafeindliche oder fremdenfeindliche Worte fallen. So nehmen wir die Verantwortung, die sich aus dem Gedenken ableitet, tatsächlich wahr; im Interesse einer lebendigen und vielfältigen Demokratie und aller nachkommenden Generationen.“
Unterzeichnet von:
Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka
Bundeskanzler Karl Nehammer
Vizekanzler Werner Kogler
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Januar 23rd, 2022 |
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Einrichtungen, Politik
Jahrhundertprojekt zu 100 Jahre Burgenland: Land und Volksgruppen stellen Weichen für „Haus der Volksgruppen“ in Oberwart. Landeshauptmann Doskozil, burgenländische Volksgruppenvertreter und Bürgermeister Georg Rosner unterzeichneten „Letter of Intent“
Ein Meilenstein in der Volksgruppenpolitik des Burgenlandes wurde am Freitag mit der gemeinsamen Unterzeichnung eines Letter of Intent besiegelt: Das Land Burgenland wird gemeinsam mit Vertretern aller Volksgruppenorganisationen ein „Haus der Volksgruppen“ im früheren Städtischen Internat von Oberwart errichten. Damit soll der Beitrag der Volksgruppen zur Identität, Geschichte und Gegenwart des Burgenlands gewürdigt und ein neues Kapitel in der Volksgruppenpolitik aufgeschlagen werden, betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. „Wir realisieren gemeinsam ein Jahrhundert-Projekt zum 100-jährigen Jubiläum des Burgenlands. Im Jubiläumsjahr haben wir das Miteinander in das Zentrum unserer Feierlichkeiten gestellt. Gleichzeitig haben wir in konstruktiven Gesprächen dieses wichtige Vorhaben vorbereitet, das jetzt in die Umsetzung gehen kann. Das ‚Haus der Volksgruppen‘ wird ein einzigartiger Ort der kulturellen Vielfalt und Begegnung sein.“
Neben der Ausrichtung von Veranstaltungen und Festen innerhalb und mit den Volksgruppen soll im neuen Zentrum verstärkt auf intensive Jugendarbeit und Integration gesetzt werden. „Dieses Haus wird einerseits koordinierende Stelle innerhalb der Volksgruppen sein, andererseits ist es nach außen ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung und des Miteinanders. Daher wird es auch öffentlich zugänglich sein und Platz für Information, Schulungen, Workshops und Feste bieten“, so der Landeshauptmann.
Das Haus der Volksgruppen wird den Burgenländisch-Ungarischen Kulturverein, den Kroatischen Kulturverein im Burgenland, das Roma-Service, das hkdc – Kroatisches Kultur- und Dokumentationszentrum sowie die VHS der Roma und die VHS der Ungarn beheimaten. Durch die gemeinsame Örtlichkeit wird die Entstehung neuer Projekte erleichtert. Read the rest of this entry »
Dezember 26th, 2021 |
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Facts & Figures, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Beim Zensus in den „campi nomadi“ in Rom wurden 2008 nur Roma polizeilich mit Fingerabdrücken registriert, andere Bewohner aber nicht.
(Quelle)
November 28th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt, dass der nun vorgelegte Entwurf eines Koalitionsvertrags zwischen SPD, Grünen und FDP den Antiziganismus als ein Problem von gesamtgesellschaftlicher Relevanz in den Fokus nimmt. Um einen echten Paradigmenwechsel in der Bekämpfung des Antiziganismus zu bewirken, muss eine neue Bundesregierung die Forderungen und Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) umfassend umsetzen.
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, lobt den in den Koalitionsverhandlungen ausgearbeiteten Entwurf, der den Antiziganismus stärker als bisher in den Blick nimmt. Er fordert aber auch konkrete Umsetzungsvorschläge:
„Der Entwurf des Koalitionsvertrags der Ampelparteien zeigt, dass auf politisch höchster Ebene der Antiziganismus verstärkt als eine Bedrohung unserer gesamten demokratischen Verfasstheit wahrgenommen wird. Es ist gut, dass sich einige zentrale Forderungen des Zentralrats wiederfinden. Wir nehmen die kommende Regierung jedoch nun in die Pflicht, ihren in dem vorgelegten Vertragsentwurf insgesamt noch sehr vage formulierten Worten, Taten folgen zu lassen und schnell eine umfassende Strategie zur Bekämpfung des Antiziganismus auszuarbeiten. Die Handlungsempfehlungen und Forderungen des Abschlussberichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) sollen hierbei die Grundlage sein. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird mit seiner Expertise auch die neue Bundesregierung unterstützen.“
Eine wichtige Forderung, die der Zentralrat an die Parteien vor und nach der Wahl gestellt hat und die auch eine zentrale Forderung der UKA war, hat in dem Papier der potenziellen Koalitionspartner Niederschlag gefunden: die Einsetzung einer oder eines Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung. Read the rest of this entry »
Oktober 17th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Europarat fordert Tschechien zur Bekämpfung von Stereotypen auf
Tschechien muss bei der Bekämpfung von Stereotypen, Vorurteilen und feindseligen Äußerungen gegenüber Minderheiten seine Anstrengungen verstärken. Dies steht in dem Bericht des Beratungsausschusses zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Die Regierung in Prag wird zudem aufgefordert, Frauen der Roma-Minderheit zu entschädigen, die in den Jahren zwischen 1966 und 2012 Opfer von Zwangssterilisierungen wurden.
Der Beratungsausschuss würdigte gleichzeitig Fortschritte bei der Bekämpfung der Diskriminierung in Tschechien, vor allem im Bildungs- und Medienbereich. Der bereits fünfte Bericht dieser Art erwähnt außerdem positiv den Abriss des Schweinezuchtbetriebes auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers für Sinti und Roma in Lety.
In Tschechien käme es dennoch immer wieder zu Anfeindungen von Roma, muslimischen Einwanderern oder auch Deutschen, und dies vor allem in den sozialen Netzwerken, heißt es im Bericht weiter. Read the rest of this entry »
September 22nd, 2021 |
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Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“
Eröffnung am 23.9.2021, 19 Uhr, Stadtbibliothek
Ausstellung: 24.9. bis 16.12.2021 in der Stadtbibliothek Innsbruck, Amraser Straße 2 [→zum Rahmenprogramm]
Im Mittelpunkt der Wanderausstellung „Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“ stehen Geschichte und zentrale Forderungen unterschiedlicher Minderheiten in Österreich. Autor*innen aus den verschiedenen minoritären Gruppen – zumeist Aktivist*innen – werfen einen fokussierten Blick auf ihre Geschichte und präsentieren ihre wesentlichen minderheitenpolitischen Forderungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Unterschiedliche aktivistische wie auch juristische oder parlamentarische Formen des Protests erweisen sich als untrennbar mit der Geschichte minderheitenpolitischer Forderungen verbunden. Die Ausstellung macht sichtbar, welche Anstrengungen, welche Ausdauer und welche Allianzen notwendig waren, um gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte einzutreten.
Die historischen Kämpfe für zweisprachige Ortstafeln und Schulen in Kärnten und im Burgenland, die Anerkennung von Roma und Sinti als österreichische Volksgruppe sind ebenso Beispiele für Strategien und politische Kämpfe wie die Abschaffung des § 209 StGB (der Homosexualität kriminalisierte) oder die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Die Initiative Minderheiten initiiert diese Ausstellung, um die Vielfalt minoritärer Bewegungen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung ihrer Forderungen sichtbar zu machen.
Die Ausstellung ist von 24. September – 16. Dezember 2021 zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek im Raum für Stadtentwicklung im 1. Stock zu sehen. Informationen zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm sind auf der Webseite der Initiative Minderheiten zu finden. Read the rest of this entry »
August 29th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Unmenschlichkeit beenden – keine Abschiebung von geflüchteten Roma in ihre Herkunftsstaaten!
„Um Exempel zu statuieren, werden Menschenleben riskiert bzw. sogar der Verlust von Menschenleben in Kauf genommen.“
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte den Innenminister Niedersachsens, Boris Pistorius, in einem Brief dazu auf, ein in Celle geborenes, schwerbehindertes sechsjähriges Kind, das im Juli 2021 mit seiner alleinstehenden Mutter nach Serbien abgeschoben worden ist, nach Deutschland zurückzuholen. In Serbien wird das Kind kaum die benötigte Betreuung und Behandlung erhalten können. Generell fordert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma einen Abschiebestopp für Roma aus den Westbalkanstaaten. Gleichzeitig muss es ein verstärktes Engagement Deutschlands bei der Bekämpfung des Antiziganismus in den Staaten des Westbalkans geben.
Das 2015 in Celle geborene Mädchen leidet unter einer schweren Hörminderung mit verbundener Spracherwerbsstörung, einer Mikrozephalie und einer Hüftdysplasie. Das Landessozialamt hatte deswegen bei ihm einen Grad der Behinderung von 90 Prozent festgestellt. Darüber hinaus war das Celler Jugendamt für das Mädchen seit mehreren Jahren zur Unterstützung der Mutter als Ergänzungspflegerin für den Bereich der Gesundheitsfürsorge eingesetzt. Die Mutter war in psychiatrischer Behandlung und ist Analphabetin und war daher auf Unterstützung angewiesen. Nach ihrer Abschiebung nach Serbien ist es mehr als unwahrscheinlich, dass das Kind in Serbien die benötigte Betreuung und Behandlung erhalten wird, die es in Deutschland bekommen hat.
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August 15th, 2021 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
„Diskriminierendes Handeln der Verwaltung wird den Leidtragenden angelastet“
Am 4.8.2021 wurde in der RBB-Abendschau ein Beitrag ausgestrahlt, der die gesamte Bandbreite antiziganistischer Stereotype reproduziert und als gezielte Diffamierung schutzsuchender Menschen mit dem Ziel der Abschreckung zu werten ist.
Stellungnahme von Amaro Foro, Berlin:
Es geht in diesem Beitrag um Asylsuchende aus der Republik Moldau, die angeblich in großer Zahl nach Berlin einreisen, um hier jeweils Tausende von Euro zu bekommen; es wird deutlich suggeriert, dass dieses Geld dann für Drogen und Partys ausgegeben würde, die Menschen also nicht wirklich schutzbedürftig seien. Dahinter würden angeblich „kriminelle organisierte Schleuser“ stecken.
Dazu nehmen wir wie folgt Stellung:
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August 1st, 2021 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Internationaler Tag des Gedenkens an den Genozid an den Roma und Sinti am 2. August: Voglauer und Blimlinger (Grüne) fordern zentrales Mahnmal für die ermordeten Roma und Sinti in Wien
Während des Holocaust wurden rund 500.000 Roma und Sinti [...] ermordet, darunter rund 10.000 aus Österreich. Roma und Sinti wurden in der Zeit des Nationalsozialismus als „Zigeuner“ bzw. als „Asoziale“ verfolgt und systematisch ermordet. Vor 1938 lebten rund 11.000 bis 12.000 Roma und Sinti in Österreich, die meisten davon im Burgenland. „Bis heute gibt es in Österreich kein zentrales Mahnmal für Roma und Sinti, wie es das für andere Opfergruppen bereits gibt. Es ist dringend notwendig, hier endlich tätig zu werden und in Wien ein Mahnmal zu errichten, um ein gesamtösterreichisches Gedenken zu ermöglichen. Gemeinsam mit Vertreter*innen der Volksgruppe werden wir hier in den nächsten Monaten auf die Suche nach einem geeigneten und vor allem auch würdigen Platz gehen“, sagt die Volksgruppensprecherin der Grünen, Olga Voglauer.
Roma und Sinti, aber auch Jenische, waren in Österreich bereits vor 1938 massiver Diskriminierung ausgesetzt. Die österreichischen Behörden erfassten auf rassistischer Basis Roma und Sinti in einer Kartei, der so genannten „Zigeunerkartei“, die dann die Grundlage der Verfolgung und der Vernichtung der Roma und Sinti war. Um den „Porajmos“, was „Verschlingung“ oder „Zerstörung“ auf Romani bedeutet, stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, sind Aufklärung, aber auch Zeichen im öffentlichen Raum notwendig. Read the rest of this entry »
Juli 31st, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Slowakei: Roma-Siedlung „Luník IX“ soll für Papstbesuch im September verschönert werden
RTVS, 30.7.2021: Der angekündigte Papstbesuch vom 12. bis 15. September in der Slowakei sorgt derzeit für zahlreiche Meldungen in kirchlichen, privaten wie auch öffentlich-rechtlichen Medien. [...] Zu den aktuellen Vorbereitungen auf den Besuch von Papst Franziskus in der Slowakei gehören derzeit Maßnahmen für eine visuelle Verschönerung im Bereich der Wohnsiedlung „Luník IX“ in Košice, die vorrangig von Roma bewohnt wird und die der Papst Agenturmeldungen zufolge besuchen will. Hierfür sollen nunmehr an der geplanten protokollarischen Wegstrecke kurzfristig Grünanlagen bereinigt, Müllansammlungen beseitigt, Straßen erneuert und künstlerisch anmutende Wandbilder angebracht werden.
(Text: RTVS)
Juli 5th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Diskriminierung von Wohnungssuchenden bei der städtischen Bremer Baugesellschaft Brebau: Stadt setzte Sonderermittler ein und Controlling-Ausschuss arbeitet die Vorwürfe auf
Heute legt der externe Ermittler seine Untersuchungsergebnisse dem Aufsichtsrat vor (mehr hier).
In einem Schreiben informierte der Finanzsenator der Freien Hansestadt Bremen und Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft Brebau, Dietmar Strehl, den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma darüber, dass der Brebau-Aufsichtsrat die auch gegen Sinti und Roma gerichteten rassistischen Praktiken bei der Bremer Wohnungsbaugesellschaft Brebau schnell und lückenlos aufklären will. Dafür wurde auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssichtung am 21. Mai 2021 einen Sonderermittler eingesetzt. Auch der Controlling Ausschuss der Bremischen Bürgerschaft hat sich der Aufarbeitung der Vorwürfe angenommen. Die diskriminierende Kennzeichnung von Wohnungssuchenden sei sofort gestoppt worden und die beiden Geschäftsführer der Brebau wurden bis zum Abschluss der Untersuchungen von ihrer Tätigkeit freigestellt.
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Juni 16th, 2021 |
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Einrichtungen, Politik, Wissenschaft
SENSIRO – Studie zur Evaluierung der nationalen Strategie zur Inklusion der Rom*nja in Österreich
Sensiro ist ein Projekt, das die nationale Strategie zur Erhöhung der sozialen Inklusion der Rom*nja, die 2011 verabschiedet wurde, und deren Fortsetzung vor kurzem beschlossen wurde, unabhängig evaluiert. Ziel der Evaluierung ist es, herauszufinden, ob und inwiefern die vom Bundeskanzleramt definierten Wirkungsziele erreicht wurden.
Österreich hat sich zur Umsetzung der Strategie verpflichtet. Die Strategie zur Erhöhung der Inklusion besteht aus verschiedenartigen Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Bekämpfung von Antiziganismus, Empowerment von Romnja sowie der Rom*nja-Jugend, Stärkung der zivilgesellschaftlichen Strukturen der Rom*nja und Partizipation.
Ziel der Studie ist es, herauszufinden, welche Folgen die Maßnahmen, die seit 2011 zur Stärkung und Ermächtigung der Roma und Romnja in Österreich gesetzt wurden, hatten. Die Studie wird vom Institut für Soziologie der Universität Wien in Zusammenarbeit mit den Zielgruppen durchgeführt. Ihre Erfahrungen und Sichtweisen, die im Rahmen der Studie erhoben werden, bilden die Grundlage für eine Bewertung und Weiterentwicklung der Strategie.
Das Projekt besteht unter anderem aus einer umfassenden Befragung wesentlicher Akteur*innen (aus der Zivilgesellschaft) und Verantwortlicher und mit der Umsetzung der Strategie Betrauter. Außerdem ist eine großflächige Fragebogenerhebung mit Angehörigen der Zielgruppen in ganz Österreich geplant. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, beim Projekt mitzuwirken: einerseits durch das Führen oder Geben von Interviews für die Fragebogenerhebung, andererseits durch das Besuchen von Workshops und Veranstaltungen und in Verbindung damit das Einbringen von Anregungen und Feedback, damit eine kontinuierliche Diskussion und Weiterentwicklung des Projektes gewährleistet werden kann.
Bei Interesse an einer Mitwirkung können Sie hier klicken!
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Mai 28th, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Politik
Ein neuer Bericht der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende zeigt, wie viele Halteplätze für die fahrenden Jenischen, Sinti und Roma in der Schweiz fehlen. Insgesamt gibt es heute 47 Plätze. Benötigt werden 80 bis 90 zusätzliche Plätze. Für die rechtlich geschützte fahrende Lebensweise sind Halteplätze unabdingbare Voraussetzung. Bund, Kantone und Gemeinden bleiben in der Pflicht.
Die als nationale Minderheiten anerkannten Jenischen und Sinti, aber auch die fahrenden Roma, sind von der fortdauernden Corona-Krise gebeutelt. Das Fahren ist für sie mit Corona noch schwieriger geworden, weil die Verdienstmöglichkeiten zeitweise eingebrochen sind. Seit Jahrzehnten fehlt es aber auch an Halteplätzen, um von Ort zu Ort in die Nähe ihrer Kundinnen und Kunden ziehen zu können.
In der Schweiz existieren 16 Standplätze für den Winteraufenthalt der Jenischen und Sinti. Für die Aufenthalte während der Reisezeit stehen 24 Durchgangsplätze zur Verfügung, acht davon allerdings nur provisorisch. Das ist bei weitem ungenügend: Wie der neue Bericht aufzeigt, fehlen für Schweizer Jenische und Sinti 20 bis 30 Stand- und 50 Durchgangsplätze. Ausländische fahrende Roma, hauptsächlich aus unseren Nachbarländern, bereisen die Schweiz in der Regel zwischen Februar und Ende Oktober. Heute gibt es für sie lediglich sieben Transitplätze, einige davon nur provisorisch. Zehn zusätzliche Plätze müssen gemäss dem neuen Bericht erstellt werden.
Aufgrund des bezifferten Platzmangels können die fahrenden Jenischen, Sinti und Roma ihre Lebensweise nur unter erschwerten Bedingungen ausüben. Die Platzsuche ist für sie aufwendig und teilweise gar unlösbar.
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Mai 20th, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Die deutsche Bundesregierung hat gestern den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus zur Kenntnis genommen. Der Bericht wird nun dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat zur weiteren Behandlung und Beratung übermittelt.
Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die aktuelle 19. Legislaturperiode wurde vereinbart, ein Expertengremium zum Thema „Antiziganismus“ einzusetzen. Die Bundesregierung hat in ihrer Kabinettssitzung am Mittwoch den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus im Kabinett zur Kenntnis genommen. Dieses Gremium, die Unabhängige Kommission Antiziganismus (mehr hier), hatte sich nach vorangegangenen fachlichen Konsultationen mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 27. März 2019 im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zusammengeschlossen. Die Expertinnen und Experten haben nach zweijähriger Arbeit ihren Bericht mit zahlreichen Forderungen und Empfehlungen abgeschlossen. Dabei hat der Expertenkreis unabhängig und selbständig seine Arbeitsagenda festgelegt und abgearbeitet.
Grundlage für weitere gesellschaftspolitische Diskussionen
Der Bericht beinhaltet Ausführungen zu antiziganistischen Erscheinungsformen und qualitativen sowie quantitativen empirischen Gegebenheiten in Deutschland, auch und gerade aus Perspektive der Sinti und Roma. Read the rest of this entry »