Archive for Februar, 2020

Facts & Figures (273)

Februar 29th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Sport

Der deut­sche Fuß­bal­ler Walter Laubinger, der mit dem Ham­bur­ger SV 1987 DFB-Po­kal­sie­ger wur­de, ist Sin­to.

(Quelle/pdf)

Ministerin Raab trifft Volksgruppen

Februar 29th, 2020  |  Published in Politik

Volksgruppenvertreter im BKA 2020Bundesministerin Raab: Ers­ter Aus­tausch mit allen an­er­kann­ten öster­rei­chi­schen Volks­grup­pen – Kon­struk­ti­ves Ge­spräch am Frei­tag im Bun­des­kanz­ler­amt

OTS/Bundespressedienst: Kanzleramtsministerin Su­san­ne Raab, die auch für Kultus- und Volks­gruppen­ange­le­gen­heiten zu­ständig ist, hat am Frei­tag Ver­treter der sechs an­erkann­ten Volksgruppen zu einem Austausch im Kanzleramt ge­trof­fen. An dem Gespräch nah­men die Vor­sitzen­den und stell­ver­tre­ten­den Vor­sitzen­den der kroatischen, slowenischen, ungarischen, tschechi­schen und slowaki­schen Volks­gruppen so­wie die Volks­gruppe der Roma teil.

„Es war heute ein sehr konstruktiver Austausch mit allen Be­teiligten. Das ­ist eine wichtige Grund­lage, dass es in Zukunft eine posi­tive Zu­sammen­arbeit mit den Beiräten der sechs öster­reichi­schen Volksgruppen ge­ben wird“, sagte Susanne Raab. Sie be­tonte, dass die Sicherung und För­derung der Sprache und Kultur der Volks­gruppen weiterhin höchste Priori­tät haben werde. „Wie in der Verfassung vor­gege­ben, werden wir auf ­den Be­stand und die Erhaltung der an­erkann­ten Volks­gruppen achten und dies auch fördern.“

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„Wir wollen arbeiten“ – Roma-Projekt in Graz

Februar 28th, 2020  |  Published in Einrichtungen

Romacafé in Graz (Foto: Caritas)Das Projekt KAMBUKE der Caritas richtet sich an Roma in der Steiermark, vor­nehm­lich in Graz. Neben An­ge­bo­ten zur Quali­fi­zie­rung will man das Selbst­be­wusst­sein der Roma stär­ken sowie Vor­urteile und Stereo­type in der Mehr­heits­be­völ­ke­rung ab­bauen.

Martin Pfandl/Annenpost: KAMBUKE steht für „KAmaha BUti te KErel“ auf Romani. Über­setzt heißt das so viel wie „Wir wollen arbeiten” oder „Wir wollen Arbeit“. Romani, auch Romanes ge­nannt, ist die Sprache der Roma. Ziel­gruppe des Caritas-Pro­jektes sind in der Steiermark le­bende Roma, vor­nehm­lich in Graz, die Unter­stützung bei der Suche nach Arbeit brau­chen oder sich zusätz­lich quali­fi­zieren wollen. „Bis jetzt sind es circa 120 Per­sonen, die wir in intensi­ver Betreuung haben, aber es sind wesent­lich mehr Roma und Romnia, die Unter­stützung benötigen“, sagt Pro­jekt­leiter [Anm. d. Red.: und dROMa-Redakteur] Michael Teichmann im Ge­spräch mit der Annen­post. Mit unter­schied­li­chen Angeboten und Maß­nahmen wolle man mög­lichst alle, die es brauchen, auch errei­chen. Neben Deutschkursen gibt es ver­schie­denste Quali­fizie­rungs­angebote, von Erste-Hil­fe-Kur­sen über Aus­bildungen für den Stapler­schein oder im Pflege­bereich.

Empowerment und Abbau von Vorurteilen

Daneben bietet Kambuke auch Empowerment-Kurse an. Viele hätten Schwie­rig­kei­ten, ihr Roma-Sein zu zeigen oder zu betonen, weil sie mit Nachteilen – bei­spiels­weise keine Arbeit zu bekom­men – rech­neten. Hier gehe es darum, das Selbst­bewusst­sein voran­zu­bringen und zu infor­mieren, an wen man sich im Falle von Dis­kriminie­run­gen wenden kann.

Zusätzlich wolle man Stereotype und Vorurteile in der Mehrheits­bevölke­rung abbauen und das Bild der Roma zurecht­rücken. So ver­anstaltet Kambuke Podiums­diskus­sio­nen sowie Workshops für SchülerInnen. Außer­dem lud das Projekt im Vorjahr mehr­mals zum „Romacafé“ im Annen­viertler Büro zur Rettung der Welt (der Zwischen­nutzungs­vertrag lief 2019 aus – die Annenpost be­rich­tete). Hier wurden Men­schen im Alltag zu Ge­sprächen mit Kaffee und Kuchen ein­geladen. Anwesend waren Projekt­mit­arbeiter sowie Role-Models aus der Roma-Com­munity. Read the rest of this entry »

RomaCajtung 1/2020 erschienen

Februar 27th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse

RomaCajtung 1-202025 Jahre Romaattentat
75 Jahre Befreiung KZ Auschwitz
Gedenkorte für Roma unter den Opfern des NS-Regimes in Oberpullendorf und Kemeten

→Download der Ausgabe 1/2002 (pdf)

Editorial:

Diese Ausgabe der RomaCajtung befasst sich mit einer Reihe von Gedenk­ver­anstal­tun­gen und der Gedenk­arbeit, die die Roma Volks­hoch­schule Bur­gen­land in Ko­ope­ra­tion mit an­deren Roma­vereinen und Gemeinden durch­führt. Auf der Tagung zum Inter­natio­na­len Roma­tag am 4.4.2020 be­rich­ten Ex­pertIn­nen über das euro­päi­sche Phäno­men der Ge­walt ge­gen Roma und wie unsere Gesell­schaft da­gegen vor­gehen kann.

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Frühjahrspro­gram­mes wid­met sich Roman, der Sprache der Roma. Die Roma VHS er­probt einer­seits ein neues Format unter dem Titel „Kurz & Kompakt“. In ein­tägigen Schnupper­kursen in Oberwart und Eisenstadt er­halten die Teil­neh­merInnen einen ers­ten, kom­pak­ten Einblick in diese immer sel­tener ver­wen­dete Sprache. In Ko­ope­ra­tion mit dem Verein Roma-Service wird aber auch ein in­ten­si­ver Sprachkurs an 10 Aben­den an­ge­boten.

Präsentationen neuer Publikationen von Katharina Janoska „KriegsROMAn. Die Ge­schich­te einer Fami­lie“ sowie von Mag. Dr. Gerhard Baumgartner und Mag. Dr. Herbert Brettl „Einfach weg! Ver­schwun­de­ne Roma­sied­lun­gen im Burgen­land“ wer­den sowohl im Früh­jahrs­pro­gramm als auch im Herbst­programm in Ko­opera­tion mit den Au­torIn­nen durch­geführt. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (272)

Februar 24th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Bei den bulgarischen Kom­mu­nal­wah­­len 1999 tra­ten erst­mals ei­ge­ne Ro­­ma-Lis­ten an: Sie stell­ten 3 Bür­ger­meis­ter und 60 Ge­mein­de­räte.

(Quelle/pdf)

Hanau: auch Romni unter den Opfern

Februar 21st, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Gedenken nach den rechtsterroristischen Morden in Hanau (Foto: Zentralrat)Trauer um die Opfer des Mordanschlags in Hanau. Rechts­ter­ro­ris­ten ver­lie­ren je­de Hem­mung – Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus müs­sen jetzt ent­schlos­sen be­kämpft wer­den

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist tief­erschüt­tert über den rassis­ti­schen Mord an neun Men­schen in Hanau. Wie sich jetzt be­stätigt, ist unter den Opfern des Mord­anschlags in Hanau auch min­des­tens eine junge Romni, die als deutsche Staats­bür­ge­rin An­ge­hö­ri­ge der natio­na­len Min­der­heit war. Mög­li­cher­weise be­fin­det sich auch ein jun­ger Sinto unter den Opfern. Auch unter den ande­ren Opfern und den Ver­letzten des Anschlags könn­ten sich wei­tere An­ge­hö­ri­ge der Min­der­heit be­finden.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, er­klärte : „Der Zentralrat und alle Sinti und Roma in Deutschland trau­ern mit den An­ge­hö­ri­gen um die ermor­dete junge Frau, die Mutter von zwei Kindern. Wir trauern um sie und um alle Opfer dieses rechts­ter­ro­ris­ti­schen An­schlags.“

„Dieser Anschlag zeigt, daß der Haß, den Rechtsextremisten und deren politi­sche Ver­treter seit langem gegen Minder­heiten sähen und der in den rassis­ti­schen Inter­net-Foren sich immer mehr ver­stärkt, tödlich ist. Wie schon bei dem rechts­radikalen Anschlag auf das Olympia-Ein­kaufs­zentrum (OEZ) in München im Juli 2016 sind auch in Hanau An­ge­hörige unserer Minder­heit unter den Opfern. Read the rest of this entry »

Jahres­rückblick: „Newess“ 2019 online

Februar 21st, 2020  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse

Newess 2019 (Cover)Seit Dezember 2018 geben der Zentralrat und das Dokumen­ta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma das jährlich er­schei­nende Magazin Newess ge­mein­sam heraus. Der Newess (was auf Romanes „Neuig­kei­ten“ be­deutet) infor­miert in der Form eines Jahres­rückblicks über die Arbeits­schwer­punkte bei­der Insti­tutionen. Darüber hinaus wer­den Artikel mit tiefer­gehen­den Analysen aktuel­ler politischer Themen zu aus­ge­wähl­ten Themen ver­öffent­licht. Der Newess er­möglicht auch den Landes- und Mit­glieds­ver­bänden, die dem Zentralrat an­geschlos­sen sind, über die Schwer­punkte ihrer Arbeit zu be­richten.

→Download „Newess“ 2019 (pdf)

Sollten Sie die Übersendung des Magazins wünschen, dann sen­den Sie bitte eine E-Mail an: zentralrat@sintiundroma.de

Die bisherigen Ausgaben (pdf): Read the rest of this entry »

Facts & Figures (271)

Februar 20th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Politik

Bei den slowak. Parlaments­wah­len 2002 tra­ten zwei Ro­ma-Par­tei­en (ROI und ROMA) an. Mit nur 0,28 % bzw. 0,20 % blie­ben sie ohne Man­dat.

(Quelle/pdf)

Roma-Urteil: Orbán ignoriert Rechtsstaat

Februar 19th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Viktor Orbán 2018 beim Treffen der Europäischen Volkspartei (EPP) in Brüssel (Foto: EPP/CC BY 2.0)Zentralrat: Aussagen Orbáns zum Debre­ce­ner Segre­ga­tions­ur­teil ne­gie­ren den Rechts­staat und sind eine Be­dro­hung für die Demo­kra­tie in Ungarn

Anlässlich der alljährlichen Pressekonferenz von Minister­prä­si­dent Viktor Orbán am 9. Ja­nuar 2020 stellte Orbán offen ein Urteil des Debre­cener Beru­fungs­gerichts in Frage, welches den ungari­schen Staat bereits im Sep­tember 2019 zu Schaden­ersatz­zahlun­gen für die rechts­widrige segre­gierte Beschulung von Roma-Kin­dern im ost­ungari­schen Ort Gyöngyöspata ver­urteilt hatte. Gegen diese Ent­scheidung des Gerichts ist die Stadt Gyöngyös­pata vor das Oberste Bundes­gericht in Ungarn ge­zogen. Orbán will als Minis­ter­präsident jetzt direkt Einfluss auf die Ent­scheidung des Obersten Gerichts­hofes nehmen, indem er in der Frage eine „Natio­na­le Konsultation“ an­kündigte, da das Urteil „das Rechts­empfinden der Bürger“ ver­letzen würde. Dabei sug­ge­rierte er in zynischer Ver­kehrung der Tat­sachen, dass nicht die Roma-Kinder die Ge­schädigten seien, son­dern viel­mehr die Bürger von Gyönygös­pata, die nicht ver­stehen würden, „dass eine ethnische Minder­heit (…) eine statt­liche Summe be­kommt, ohne irgend­wie dafür ge­arbeitet zu haben“. Die „Nationa­len Konsultationen“ der Regierung be­stehen aus Frage­bögen, die an alle Haushalte in Ungarn ver­schickt werden und suggestiv for­mu­lierte Fragen ent­halten, die auf die Bestä­tigung der Regierungs­politik ab­zielen.

„Mit diesen Aussagen schürt Viktor Orbán nicht nur in un­verant­wort­li­cher Weise Ressen­timents gegen die Minder­heit. Der Regie­rungs­chef recht­fertigt gleich­zeitig das staatliche Ver­sagen bei der Durch­setzung einer gleich­berech­tigten Bildungs­teilhabe für Roma in Ungarn“, so der Zentral­rats­vor­sit­zen­de Romani Rose heu­te. Trotz ihres gesetz­lichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segre­gation von Roma-Kindern in Ungarn nach wie vor weit ver­breitet. Wenn­gleich diese Praxis von ungari­schen Gerichten mehr­fach als ver­fassungs­widrig verurteilt und auch von der Europäi­schen Kom­mis­sion gerügt wurde, scheitert die gemein­same Beschulung häufig am Wider­stand der lokalen und nationalen staat­lichen Behörden sowie der Lehrer und Eltern aus der Mehr­heits­gesell­schaft. „Indem Orbán sich jetzt offen gegen das Urteil des Debrece­ner Berufungs­gerichts stellt, legiti­miert er diese rechts­widrige Praxis“, so Rose weiter. „Wenn ein Regie­rungs­ober­haupt Anwei­sung gibt, rechts­kräftige Gerichts­entschei­dungen nicht zu voll­strecken und gleich­zeitig an­kündigt, das Urteil der Obersten Gerichts­hofes durch eine Volks­befra­gung er­setzen zu wollen, dann setzt er damit den Rechts­staat außer Kraft. In einem Rechts­staat fällen Gerichte ihre Urteile auf der Basis von Gesetzen und nicht auf der Grund­lage eines von Rassisten auf­ge­putsch­ten Volks­empfindens“, so der Zentral­rats­vor­sitzende. Read the rest of this entry »

„Let it grow!“

Februar 18th, 2020  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellungseröffnung in Berlin - Dan Turner, Marina Rosselle "Grow", Galerie Kai Dikhas 2020 (Foto:Kai Dikhas)Marina Rosselle & Dan Turner: GROW
Ausstellung in der Galerie Kai Dikhas in Berlin

Eröffnung: Do., 20. Februar 2020, 19–21 Uhr
Eintritt frei, die Künstler*innen sind anwesend

21. Februar bis 28. März 2020
Mi. bis Sa., 14–18 Uhr u.n.V.
Galerie Kai Dikhas und Kunstraum Dikhas Dur, Aufbau-Haus am Moritz­platz, Prin­zen­str. 84 I, Auf­gang 2,10969 Berlin

Sinti und Roma finden sich, ganz so wie Künstler*innen an sich, oft am Rand der Gesell­schaft wieder. So be­finden sich auch die Plätze für nicht sess­haft le­bende, fah­rende Manouche in Frankreich meist am Rand der Städte an oft un­wirt­li­chen Orten. Zwi­schen brechen­dem Asphalt und Schotter be­obach­tet Marina Rosselle Wild­kräuter, die für sich eine Nische ge­fun­den haben und sich oft mit grazilen Blüten ge­gen die harte Wirklich­keit durch­setzen. Die Künstlerin lässt sich von diesen Pflan­zen zu zarten Zeichnun­gen, Grafiken und Instal­la­tio­nen in­spirie­ren und so ent­steht ein per­sön­li­ches Bild der Wirk­lich­keit ihrer Com­munity.

Der britische Künstler Dan Turner arbeitet ebenfalls, aber auf ganz ande­re Weise mit dem Thema der Wildkräuter: Er beruft sich auf das tra­ditio­nel­le Kräuter-Wis­sen der britischen Traveller und spielt so auch mit dem Thema des den Roma nach­ge­sag­ten Hexenwissens. Turner, der Bildhauerei stu­dierte und des­sen Arbei­ten als Teil des 3. Pavillons der Sinti und Roma „FutuRoma“ auf der 58. Biennale in Venedig zu se­hen wa­ren, kuratiert von Dr. Daniel Baker im Auf­trag des ERIAC, sät in per­forma­tiven Aktio­nen die Kräuter selbst. Die dann wach­sen­den Pflanzen dehnen den Be­griff der Skulptur. Es zeigt sich das Wunder des Wachsens und wir wis­sen, dass selbst kleine Wurzeln gro­ße Steine bre­chen kön­nen. Read the rest of this entry »

Studie über Roma in Schulbüchern

Februar 15th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Roma in Lehrplänen und Schulbüchern (BIld: bvsg-nu.info)Neue Studie zur Darstel­lung von Roma in euro­pä­i­schen Lehr­plä­nen und Schul­bü­chern

In einer ersten Sichtung von Lehrplänen und Schul­bü­chern für die Fächer Geschichte, Poli­tik- und Sozial­kunde sowie Geo­graphie in 21 euro­päi­schen Ländern und Kosovo legen der Europa­rat, der Roma-Edu­cation Fonds und das Ge­org-Eckert-Ins­ti­tut/Leib­niz-Ins­ti­tut für inter­natio­nale Schul­buch­for­schung die Ergeb­nisse einer gemein­sa­men Studie vor. Dabei wurden 850 Bücher darauf­hin unter­sucht, wie häu­fig Roma in ihnen er­wähnt werden, in wel­chen thema­ti­schen Zu­sammen­hängen sie vor­kom­men und welche Bilder dabei ver­mit­telt werden.

Stereotype Darstellungen von Musikern, Tänzerinnen und ungewasche­nen Kindern als Roma, bilden die Nor­malität. Auch wenn Schulbücher in den meis­ten euro­päi­schen Ländern Roma wenig und in stereo­typi­sie­ren­der Form thema­ti­sie­ren, gibt es eine Reihe von An­sätzen, die sich da­von ab­hebt. „Wenn Schulbücher ein­mal mehr als ein Wort oder einen Satz über Roma be­inhal­ten, dann häufig in Passiv­kon­struk­tio­nen. Das es auch anders geht, zeigt ein ungari­sches Ge­schichts­schulbuch, das nicht nur die Ver­nich­tung von Roma im Zwei­ten Weltkrieg erwähnt, sondern dabei auch den Namen nennt, den der Völker­mord in der Zeit des Natio­nal­sozia­lis­mus in der Sprache der Roma, dem Roma­nes, hat: Porajmos“, er­klärt die Bil­dungs­for­scherin Prof. Dr. Riem Spielhaus vom Ge­org-Eckert-Ins­titut.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Roma vor allem in Über­blicks­kapiteln über die Bevöl­ke­rungs­zusam­men­setzung oder den Massen­mord im Zwei­ten Weltkrieg er­wähnt werden und dabei häufig namen­los bleiben. Nur sehr weni­ge Schulbücher gehen auf die aktuelle Lebens­situa­tion von Roma ein. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (270)

Februar 14th, 2020  |  Published in Facts & Figures

2001/02 existierten in Ungarn mehr Ro­ma-NGOs und -Stif­tun­gen (280) als in Ru­mä­ni­en und Tsche­chi­en zu­sam­men (150 bzw. 120).

(Quelle)

Gerhard Baumgartner: „Das Ende der Illusionen“

Februar 12th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Trauer nach dem Vierfachmord in OberwartDie von Gerhard Baumgartner, dem Wis­sen­schaft­li­chen Lei­ter des DÖW, im Rah­men der Ge­denk­feier für die Opfer des Bom­ben­atten­tats von Oberwart ge­hal­te­ne Rede zum Nach­lesen, ver­öf­fent­licht auf der Web­site des Do­ku­men­ta­tions­ar­chivs des ös­ter­rei­chi­schen Wi­der­stands.

Ansprache im Rahmen der Gedenkfeier für die Opfer des Bomben­attentats von Ober­wart vor 25 Jah­ren, Ober­wart, 4. Febru­ar 2020

Das Bombenattentat von Oberwart war der erste [Anm.: innen-]politische Mord der Nach­kriegs­zeit: ein Öster­reicher tötete vier seiner Landsleute aus politi­schen Motiven. Das Attentat mar­kiert das Ende von fünf Jahr­zehnten fried­fertiger und konsen­sualer Politik in Österreich und ein Wieder­erwachen eines mörde­ri­schen, rassisti­schen Rechts­extremis­mus. Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon wur­den Opfer einer rechts­extre­men Ideologie, die sich gegen Minder­heiten im eigenen Land und gegen Zu­wan­derer und Zu­wanderin­nen rich­tete und richtet.

Die Bombe von Oberwart war eine direkte Reaktion auf die Anerkennung der Roma als öster­rei­chi­sche Volks­gruppe. Mit ein­stim­migem Be­schluss des National­rates vom 16. Dezem­ber 1993 wurden die öster­reichi­schen Roma- und Sinti­gruppen unter der Bezeich­nung „Volksgruppe der Roma“ als sechs­te öster­reichi­sche Volksgruppe an­erkannt. Dem war ein langes und zähes Rin­gen voraus­gegan­gen. Schon seit den 1970er-Jah­ren hatten Ver­treter der österrei­chi­schen Volks­gruppen und inter­natio­nale Roma-Ak­tivis­ten immer wieder eine Anerken­nung im Sinne des Volks­gruppen­gesetzes 1976 ge­fordert. Am 15. Juli 1989 wurde hier in Oberwart der erste Ver­tretungs­verein der Volks­gruppe etabliert. Die Be­mühun­gen des Vereins unter der Leitung des ersten Prä­sidenten Ludwig Papai führten schon vier Jahre später zur offiziel­len An­erken­nung.

Mit dieser Anerkennung gelang es den österreichischen Roma und Sinti – wie es der erste Vor­sitzende des Volks­gruppen­beirates Prof. Rudolf Sarközi formulierte –, einen Schritt vom Rand der öster­reichi­schen Gesell­schaft in deren Mitte zu machen. Die An­erken­nung mar­kierte tatsächlich das Ende einer jahr­hunderte­langen institu­tio­na­lisier­ten Ver­folgungs­geschichte – auch durch die Re­publik Österreich.

In der Zwischenkriegszeit lebten rund 12.000 österreichische Roma und Sinti auf dem Gebiet des heuti­gen Österreich, die Mehr­zahl davon, rund 9.000, im Burgenland. Dem Rassen­wahn und der Ver­folgungs­politik der National­sozialisten fielen 90 Pro­zent der öster­rei­chi­schen Roma­bevöl­kerung zum Opfer. Read the rest of this entry »

Podijumakeri diskusijona: 25 berscha atentato

Februar 10th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
3.2.2020 | (on demand)

Le gondolipeske le atentatistar Erbate, upral i rat le 4. upro 5. fe­be­ristar 1995, mu­la­tin­tscha i Roma VHS andi ko­pera­ci­ja la „AK-Bü­che­rei“iha jek po­di­ju­ma­keri dis­ku­si­jona.

Podiumsdiskussion in Oberwart: (v.l.) Peter Sitar, Walter Reiss, Ludwig Horvath, Erich Schneller, Manuela Horvath (Foto: volksgruppen.orf.at)Angle 25 berscha ando 4to feberi 1995 o Erwin Horvath, o Karl Horvath, o Peter Sarközi taj o Josef Simon use jek poli­tischi taj rasis­tischi moti­virimo bom­bakero aunasta­ripe, kada on jek tab­lina le pisi­ni­peha „Roma pal andi Indija“ tel te lel kam­nahi, mur­darde ule. Oda atentato bar duk la flogos­kera grup­nake le Romen­dar pal mukla. Medi­ja­kere fatre­ter­tscha, save ojs erschti odoj sina, taj pedar oda keripe schaj phu­kade, sina o agune ORF-iske­re jour­nalis­tscha Walter Reiss taj Erich Schneller, sar o Peter Sitar, Erbakero re­dak­teur uso papru­schen­geri nevipe „Kurier“. On pal gon­do­linde khe­tan le Ludwig Horvathiha, savo andi Roma sid­lung dschil, usi podi­juma­keri disku­sijona, upro di le te­rorjistar, savo andi his­torija ande gelo.

Ando kesdipe o mediji jeka „Fehde“jatar phukavnahi taj na jeke rasis­tischi moti­virti aunas­tari­pestar upro Roma. Aja infor­macija upro arphenip­tscha le haren­dar anglo than odotar ar gelo. Nisaj rodipe ko taj sar oda schaj sina imar infor­macija ari dim uli, savo o rasis­mus upri flogos­keri grupn le Romen­dar papal sika­tscha. Paloda ertschi o tscha­pinipe le nevi­pen­dar ari dim ulo taj jek di paloda phendo ulo, hot jek atentato sina, taj upri flogos­keri grupn le Romen­dar gelo.

O Walter Reiss andar o ORF Burgenland ande oja cajt phukav­laihi taj pal­gon­do­linel upro erschti ori la bibas­tatar. Erich Schneller, mit­glid la Flogos­kera Utscha Isch­kolatar taj vodaschi le Romen­gere mici­ni­pestar, o erschti vakerip­tscha le reste dsche­neca la flogos­kera grup­naha kertscha. But lendar trauma­tisirim sina. O trauma, so o bibas­talipe andi NS-akeri cajt terdschiv­do ulo, igen hor beschto sina, taj i dar savi imar jefkar ter­dschivde papal dschiv­do ulo. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (269)

Februar 8th, 2020  |  Published in Facts & Figures

In Italien leben ca. 40.000 Ro­ma, et­wa 20 bis 25 Pro­zent der Min­der­heit, in segre­gier­ten Ro­ma­camps.

(Quelle)

Erinnerung, Bewältigung, Veränderung

Februar 7th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
3.2.2020 | (on demand)

Anlässlich des Gedenkens an das Attentat in Oberwart, in der Nacht vom 4. auf den 5. Febru­ar 1995, ver­an­stal­tete die Roma-VHS in Ko­ope­ra­tion mit der AK-Bü­cherei eine Podiums­dis­kus­si­on in Ober­wart.

Podiumsdiskussion in Oberwart: (v.l.) Peter Sitar, Walter Reiss, Ludwig Horvath, Erich Schneller, Manuela Horvath (Foto: volksgruppen.orf.at)Vor 25 Jahren tötete eine Rohrbombe vier Roma: Josef Simon, Erwin Horvath, Karl Horvath und Peter Sarközi. Das rassis­tisch moti­vierte Attentat hin­ter­ließ tiefe Wunden bei den Volks­gruppen­ange­höri­gen und rückte diese zugleich in den Fokus der Öffent­lich­keit. Medien­vertreter, die damals zu den Ersten ge­hörten, die über die Gescheh­nisse in Oberwart berich­teten, waren die ehe­mali­gen ORF-Jour­nalisten Walter Reiss und Erich Schneller sowie Peter Sitar, selbst Oberwarter und damals Redakteur beim Kurier. Sie er­inner­ten sich bei der Podiums­diskus­sion gemein­sam mit Ludwig Horvath, der in der Roma-Siedlung lebt, an jenen Tag, der als Tag des Terrors in die Geschichte ein­ge­gangen ist.

Noch bevor man von einem rassistisch motivierten Akt ausging, berichte­ten einige Medien von einer Fehde zwischen den Ein­wohnern der Roma­siedlung. Diese Infor­mation ging auf Aus­sagen von Ermitt­lungs­beamten vor Ort zurück. Noch bevor man Klarheit hatte, ver­breitete sich diese Infor­mation, die den Rassismus gegen Roma, drei Jahre nach­dem diese als Volks­gruppe an­erkannt worden waren, deut­lich werden ließ. Erst dann folgte eine Nach­rich­ten­sperre, bis schließ­lich klar­gestellt wurde: Es war ein Attentat, ab­gezielt auf die Volks­gruppe der Roma.

Walter Reiss berichtete damals für den ORF und erinnert sich an diese ersten Stunden nach dem Grauen. Die Dis­tanz als Journalist zu wahren, war für ihn damals die größte Heraus­forde­rung. Erich Schneller, Vor­stands­mitglied der Roma-Volks­hoch­schule und jahre­langer Weg­begleiter der Roma­bewegung, führte die ersten Interviews mit Betrof­fenen aus der Volksgruppe. Viele be­fanden sich in einer Art Schock­zustand. Read the rest of this entry »

Das Polizeiprotokoll zum Roma-Attentat

Februar 4th, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken

Trauer nach dem Vierfachmord in OberwartNach der Explosion der tödlichen Rohr­bombe in der Roma­siedlung Oberwart vor 25 Jahren ist erst ein­ein­halb Tage später in Rich­tung Terror­an­schlag er­mittelt wor­den. Bis dahin wur­den auch eine Fehde unter Roma, ein miss­lun­ge­ner Spreng­ver­such und eben ein Anschlag als Mög­lich­kei­ten in Be­tracht ge­zogen.

Dem ORF Burgenland liegt exklusiv das Protokoll jenes Be­amten vor, der den Einsatz in Oberwart im Febru­ar 1995 zu Beginn ge­leitet hatte. Zu­nächst wurde gegen die vier toten Männer er­mittelt. So wurde zum Beispiel auch ver­mutet, dass sie die Tafel mit der Auf­schrift „Roma zurück nach Indien“ – als das die Rohr­bombe ge­tarnt war – selbst spren­gen hatten wollen. Es gab Haus­durch­suchun­gen in der Roma-Siedlung. Erst ein­einhalb Tage später wurde eine SOKO-Ober­wart der Einsatz­gruppe zur Be­kämpfung des Terrorismus ein­gesetzt. Das brach­te den Behörden viel Kritik ein: Die Opfer seien zu Tätern ge­macht worden, lau­tete der Vor­wurf.

Lesen Sie bitte den vollständigen Artikel mit den Auszügen aus dem Polizei­pro­to­koll auf burgenland.orf.at.

Oberwart: „Mussten mit der Angst leben“

Februar 4th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Vanessa Berger, Alysea Nardai und Manuela Horvath haben gemeinsam mit der Europäischen Mittelschule einen Film für die Gedenkfeier gedreht. (© Bild: Roland Pittner, Kurier.at)Der Oberwarter Bombenanschlag jährt sich heuer zum 25. Mal. Die Volks­grup­pe hat sich seit da­mals ver­än­dert, vie­les ist bes­ser ge­wor­den.

Roland Pittner, Kurier: „Wenn ich heute dort bei der Romasiedlung runter schaue, sehe ich noch den Gatsch, das Blut und die Haut­fetzen“, sagt Tina Nardai. Sie war elf Jahre alt, als eine Rohr­bombe vier Ober­warter Roma in der Nacht auf 5. Februar 1995 in den Tod riss. Josef Simon (40), Peter Sarközi (27), Karl Horvath (22) und Erwin Horvath (18) wur­den tödlich verletzt. Die Bilder haben sich in Nardais Kopf ge­brannt.

Und dieser Tag im Februar war ein Tag, der die Volksgruppe verändert hat. „Wir waren Kinder, es hat nie­mand mit uns darüber ge­redet. Es gab kein Krisen­inter­ven­tions­team, wir haben damit leben müs­sen und mit der Angst nach dem Anschlag“, sagt Nardai. Ihre Tochter Alysea ist heute so alt wie sie damals beim Attentat. Sie und ihre Schul­kol­le­gen be­reiten ge­mein­sam mit Manuela Horvath vom Roma­pastoral der Diözese Eisenstadt die Gedenk­feier vor. „Es war to­tales Chaos in der Sied­lung“, schil­dert Horvath. Sie war zehn Jahre alt, als ihr On­kel am 5. Februar 1995 in der Früh am Rande der Siedlung die vier Leichen ent­deckte.

Angst

An die Angst können sich noch alle erinnern, keiner wusste damals, wer für die Bombe ver­ant­wortlich war und ob es weitere Anschläge ge­ben würde. „Beim Be­gräbnis waren ver­mumm­te Polizisten mit Gewehren am Dach der katho­li­schen Kirche. In der Zeit danach durf­ten wir nicht mehr ohne Er­wach­sene draußen spielen“, er­innert sich Horvath. Das Ge­schehene ganz zu ver­arbeiten, sei un­möglich. „Es gehört zur jüngs­ten Zeit­geschichte, diese rassisti­schen Anschläge kann man nicht ein­fach streichen. Es war nicht nur die Rohr­bombe in Oberwart“, sagt Hor­vath. Ge­meinsam mit den Schülern hat sie die Biografien der Opfer er­forscht. Mit einem Film haben die Jugend­li­chen das Geschehene auf­ge­arbeitet. „Wir haben bei der Gedenk­stätte gefilmt und Inter­views mit Zeitzeugen des At­ten­tats ge­führt. Der ehe­malige Bischof Paul Iby schil­derte uns, wie er diesen Tag er­lebt hat“, sagt Alysea Nardai. Die Mädchen machen bei der Volks­gruppen­arbeit gerne mit.

Veränderung

Dass sie Roma sind, ist für die Jugendlichen ganz normal. „Ich stehe dazu“, sagt Alysea. Read the rest of this entry »