Archive for Februar 4th, 2020

Das Polizeiprotokoll zum Roma-Attentat

Februar 4th, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken

Trauer nach dem Vierfachmord in OberwartNach der Explosion der tödlichen Rohr­bombe in der Roma­siedlung Oberwart vor 25 Jahren ist erst ein­ein­halb Tage später in Rich­tung Terror­an­schlag er­mittelt wor­den. Bis dahin wur­den auch eine Fehde unter Roma, ein miss­lun­ge­ner Spreng­ver­such und eben ein Anschlag als Mög­lich­kei­ten in Be­tracht ge­zogen.

Dem ORF Burgenland liegt exklusiv das Protokoll jenes Be­amten vor, der den Einsatz in Oberwart im Febru­ar 1995 zu Beginn ge­leitet hatte. Zu­nächst wurde gegen die vier toten Männer er­mittelt. So wurde zum Beispiel auch ver­mutet, dass sie die Tafel mit der Auf­schrift „Roma zurück nach Indien“ – als das die Rohr­bombe ge­tarnt war – selbst spren­gen hatten wollen. Es gab Haus­durch­suchun­gen in der Roma-Siedlung. Erst ein­einhalb Tage später wurde eine SOKO-Ober­wart der Einsatz­gruppe zur Be­kämpfung des Terrorismus ein­gesetzt. Das brach­te den Behörden viel Kritik ein: Die Opfer seien zu Tätern ge­macht worden, lau­tete der Vor­wurf.

Lesen Sie bitte den vollständigen Artikel mit den Auszügen aus dem Polizei­pro­to­koll auf burgenland.orf.at.

Oberwart: „Mussten mit der Angst leben“

Februar 4th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Vanessa Berger, Alysea Nardai und Manuela Horvath haben gemeinsam mit der Europäischen Mittelschule einen Film für die Gedenkfeier gedreht. (© Bild: Roland Pittner, Kurier.at)Der Oberwarter Bombenanschlag jährt sich heuer zum 25. Mal. Die Volks­grup­pe hat sich seit da­mals ver­än­dert, vie­les ist bes­ser ge­wor­den.

Roland Pittner, Kurier: „Wenn ich heute dort bei der Romasiedlung runter schaue, sehe ich noch den Gatsch, das Blut und die Haut­fetzen“, sagt Tina Nardai. Sie war elf Jahre alt, als eine Rohr­bombe vier Ober­warter Roma in der Nacht auf 5. Februar 1995 in den Tod riss. Josef Simon (40), Peter Sarközi (27), Karl Horvath (22) und Erwin Horvath (18) wur­den tödlich verletzt. Die Bilder haben sich in Nardais Kopf ge­brannt.

Und dieser Tag im Februar war ein Tag, der die Volksgruppe verändert hat. „Wir waren Kinder, es hat nie­mand mit uns darüber ge­redet. Es gab kein Krisen­inter­ven­tions­team, wir haben damit leben müs­sen und mit der Angst nach dem Anschlag“, sagt Nardai. Ihre Tochter Alysea ist heute so alt wie sie damals beim Attentat. Sie und ihre Schul­kol­le­gen be­reiten ge­mein­sam mit Manuela Horvath vom Roma­pastoral der Diözese Eisenstadt die Gedenk­feier vor. „Es war to­tales Chaos in der Sied­lung“, schil­dert Horvath. Sie war zehn Jahre alt, als ihr On­kel am 5. Februar 1995 in der Früh am Rande der Siedlung die vier Leichen ent­deckte.

Angst

An die Angst können sich noch alle erinnern, keiner wusste damals, wer für die Bombe ver­ant­wortlich war und ob es weitere Anschläge ge­ben würde. „Beim Be­gräbnis waren ver­mumm­te Polizisten mit Gewehren am Dach der katho­li­schen Kirche. In der Zeit danach durf­ten wir nicht mehr ohne Er­wach­sene draußen spielen“, er­innert sich Horvath. Das Ge­schehene ganz zu ver­arbeiten, sei un­möglich. „Es gehört zur jüngs­ten Zeit­geschichte, diese rassisti­schen Anschläge kann man nicht ein­fach streichen. Es war nicht nur die Rohr­bombe in Oberwart“, sagt Hor­vath. Ge­meinsam mit den Schülern hat sie die Biografien der Opfer er­forscht. Mit einem Film haben die Jugend­li­chen das Geschehene auf­ge­arbeitet. „Wir haben bei der Gedenk­stätte gefilmt und Inter­views mit Zeitzeugen des At­ten­tats ge­führt. Der ehe­malige Bischof Paul Iby schil­derte uns, wie er diesen Tag er­lebt hat“, sagt Alysea Nardai. Die Mädchen machen bei der Volks­gruppen­arbeit gerne mit.

Veränderung

Dass sie Roma sind, ist für die Jugendlichen ganz normal. „Ich stehe dazu“, sagt Alysea. Read the rest of this entry »