April 30th, 2018 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
EU-Grundrechteagentur FRA stellt ersten Bericht zu Antiziganismus vor
European Union Agency for Fundamental Rights (FRA): A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion, Publications Office of the European Union: Luxembourg 2018
➜Download (pdf)
Schlechte sanitäre Bedingungen, Hunger, Jugendarbeitslosigkeit – nach neuestem Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte müssen sich Roma in der EU jeden Tag diesen grundliegenden Herausforderungen stellen. Der Bericht zeigt auf, dass die Ungleichheiten fortbestehen, unter denen Roma in Europa – einer der reichsten Regionen der Welt – in vielen Ländern nach wie vor zu leiden haben.
„Romafeindlichkeit von Diskriminierung bis zu Hasskriminalität sind der Treibstoff für den Teufelskreis der Ausgrenzung der Roma. Sie bleiben gesellschaftlich ausgegrenzt und werden auf eine inakzeptable stereotype Weise behandelt,” erklärt FRA-Direktor Michael O’Flaherty: „Wir müssen diesen Teufelskreis aufbrechen. Warum tun wir also nicht das Naheliegendste und stellen sicher, dass jeder und jede Roma dieselben Rechte wie die anderen EU-Bürgerinnen und -Bürger wahrnehmen können?“
Der FRA-Bericht „A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion“ untersucht die andauernde Sorge, dass Romafeindlichkeit die Barriere für Romaintegration ist. Er macht deutlich, wie die Mitgliedstaaten trotz bisheriger Bemühungen ihre Integrationsziele nicht erreichen. Read the rest of this entry »
April 29th, 2018 |
Published in
Film & Theater, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Stefan Lenglinger präsentiert im ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ in ORF 2 (online ansehen) u.a. folgende Beiträge:
Roma und Europa – Die unendliche Geschichte der Diskriminierung
Es ist die Zeit der Utopien, auch für die europäischen Roma: Die jenische Schriftstellerin Simone Schönett thematisiert in ihrem Roman die Idee eines eigenen europäischen Roma-Staates, jedoch ohne Land. Das Berliner Maxim-Gorki-Theater provoziert dieser Tage mit dem Stück „Roma-Armee“, das nach einer Idee der beiden Wiener Romnija Sandra und Simonida Selimović entstanden ist. Nicht mit Waffen, aber mit Kunst wolle man gegen die nicht enden wollende Diskriminierung ankämpfen, so die Hauptdarstellerin Sandra Selimović. Die österreichischen Volksgruppenvertreter fordern einen europäischen gesetzlichen Rahmen, der Antiziganismus unter Strafe stellt und einen europäischen Kommissar, der sich für die Belange der größten europäischen Volksgruppe einsetzt. Sabina Zwitter berichtet.
Roma-Literatur – Was ist das eigentlich?
Immer wieder werden Roma als ungebildetes, nicht literarisches Volk stigmatisiert. Vielmehr wurden aber die Weisheiten, Erinnerungen und Erzählungen bei den Roma mündlich überliefert. Dabei diente ihnen ihre Sprache in Zeiten der Verfolgung als Schutz, den sie logischerweise nicht aufgeben wollten. Mit der Kodifizierung des Romani in Österreich setzte die österreichische Volksgruppe ein Signal der Öffnung, aber auch literarische Zeichen. „Was ist Roma-Literatur? Ist es Literatur, die in Romani geschrieben wurde, oder Literatur, die von Roma geschrieben wurde? Oder vielleicht Literatur, die sich mit Roma-Themen auseinandersetzt? Diese Fragen beantworten die Schriftsteller und Brüder Samuel und Károly Mágó sowie die Literaturwissenschafterin Katharina Janoska. Ein Beitrag von Sabina Zwitter.
(Text: ORF, Programmankündigung)
April 27th, 2018 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte
Geduldeter Pogrom: Am Hitler-Geburtstag schlug die ukrainische Organisation C14 zu. Auch Journalisten gehören zu den Opfern dieser faschistischen Organisation
Ulrich Heyden: Wie ukrainische Medien berichten, überfielen Mitglieder der faschistischen Organisation C14 in der Nacht vom 20. auf den 21. April eine zeitweise Roma-Siedlung mit 15 Zelten im Park Lysaja Gora in Kiew. Mehrere Zelte wurden abgebrannt. In einem Video, welches jetzt im ukrainischen Internet auftauchte, ist zu sehen, wie maskierte junge Männer die Roma – unter ihnen viele Kinder – mit Steinen und Reizgas jagen und die Verfolgten nach der Polizei rufen.
Der Führer der Organisation C14, Sergej Masur, erklärte gegenüber Journalisten, dass die Roma den Park Lysaja Gora nach „überzeugenden gesetzlichen Argumenten“ verlassen hätten. Der Leiter der Kiewer Polizei, Andrej Krischenko, erklärte, dass im Bezirk Lysaja Gora bei Reinigungsarbeiten Müll verbrannt worden sei. Eine Roma-Siedlung sei nicht angesteckt worden. Amnesty International fordert die Aufklärung des Verbrechens.
C14-Mitglieder werden auch an dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten Oles Busina am 16. April 2015 verdächtigt. Am 1. Juli 2017 griffen Mitglieder von C14 den regierungskritischen Journalisten Ruslan Kotsaba an. Bisher wurde kein einziger Überfall der C 14-Faschisten von den ukrainischen Behörden aufgeklärt und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt. Read the rest of this entry »
April 25th, 2018 |
Published in
Frauenrechte, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV
Das Erste, Europamagazin
verfügbar bis 8.4.2019
➜Beitrag ansehen (05:11 Min.)
In Spanien nennen sie sich „Gitanos“, „Zigeuner“, – und für sie ist das kein Schimpfwort. Sicher, auch hier haben Roma mit Vorurteilen zu kämpfen. Auch hier ist ihr allgemeiner Gesundheitszustand schlechter, ihr Bildungsstand niedriger, sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt geringer als im Landesdurchschnitt. Und doch schaffen es immer mehr Gitanos, sich ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft zu erkämpfen. Besonders gut gelingt dabei den Frauen der Spagat zwischen Herkunft und Zukunft: Vor ein paar Jahren noch wäre eine Roma-Anwältin, -Ärztin oder -Ingenieurin ein exotisches Randphänomen gewesen. Heute sind die starken Gitanas selbstverständlicher Teil des spanischen Alltags.
Autorin: Natalia Bachmayer
(Video und Text: www.daserste.de)
April 22nd, 2018 |
Published in
Film & Theater
Soldiers. A Story from Ferentari
Spielfilm von Ivana Mladenović
119 min., Rumänien / Serbien / Belgien 2017
Crossing Europe: 25.4. & 26.4.2018
Der 40-jährige Anthropologe Adi wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Nun zieht er nach Ferentari, berüchtigt als desolatestes Viertel Bukarests, um an einer Studie über Manelemusik zu schreiben. Diese Popmusik dient in der Roma-Community manchen als Ausweg, vor allem aber ist es ein weiterer Trick für Mafiosi, um ihre Musiker auszunehmen und sie in sklavenartigen Umständen zu halten. Der Rom Alberto, ein Ex-Häftling und Bär von einem Mann, verspricht Adi bei seiner Recherche zu helfen. Aus der Arbeitsfreundschaft entwickelt sich eine Romanze, die allmählich zu echter Liebe wird: eine moderne Romeo-und-Julia-Geschichte vom Rande Bukarests.
Ivana Mladenović:
Read the rest of this entry »
April 20th, 2018 |
Published in
Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Am 25. April 2018 präsentiert das Romano Centro in Wien die neue Beratungsstelle #GegenHassimNetz: 18:00 Uhr, Hofmannsthalgasse 2/2, 1030 Wien
Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz des Vereins „ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“ hat im September 2017 ihre operative Arbeit aufgenommen. Seit diesem Zeitpunkt wurden über 700 Fälle von Hass im Netz dokumentiert und bearbeitet. Die juristisch und psychosozial geschulten Mitarbeiter/innen geben eine rechtliche Erstauskunft und besprechen mit Klienten/innen weitere Handlungsoptionen. Maßnahmen inkludieren die Entfernung von Inhalten, Versuche außergerichtlicher Einigungen, Anzeigenerhebung von strafrechtlich relevanten Inhalten etc.
An diesem Abend werden die Beratungsstelle #GegenHassimNetz, ihr spezifischer Tätigkeitsbereich sowie Erfahrungen aus dem ersten halben Jahr vorgestellt.
(Romano Centro)
April 19th, 2018 |
Published in
Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Sendung von Radio LORA München
Gestaltung: Andrasch Neunert, 15:36 min, 11 MB
➜Anhören (mp3)
Am 8. April wurde der Internationale Roma-Tag begangen. Nun zählten die Sinti und Roma mit den Schwulen zu den letzten ehemaligen Häftlingen, die nach dem Krieg entschädigt wurden, ihre Qual blieb lange Zeit ein Tabu. Radio LORA München fragte Herbert Heuß, den wissenschaftlichen Leiter beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, nach dem, was Sinti und Roma an diesem Tag durch den Kopf geht … sicher nicht nur, aber doch auch die Opfer ihrer Vorfahren in den Nazi-KZs. Herbert Heuß über die Notwendigkeit, ebenso wie Homophobie und Antisemitismus auch den Antiziganismus konsequent zu bekämpfen.
(Sendung und Text: Radio LORA/Freie-Radios.net)
April 17th, 2018 |
Published in
Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Identitätssuche: Am Berliner Maxim-Gorki-Theater fand die weltweit erste Roma-Biennale statt
Freitag (15/2018): Eine Biennale nur für Roma, das war der Traum des Künstlers Damian Le Bas, seit er und seine Frau Delaine 2007 im ersten Roma-Pavillon auf der renommierten Biennale in Venedig ausstellten. Damian Le Bas ist vergangenen Dezember gestorben, Delaine hat den Traum nun alleine umgesetzt. Obwohl die Frau mit den langen roten Haaren das niemals so sagen würde, denn das Festival war eine Teamarbeit und sie „nur“ die Kuratorin. Gemeinsam mit dem Autor und Schauspieler Hamze Bytyçi hat sie dazu verschiedene Roma-Künstler ins Maxim-Gorki-Theater geholt, die mit Schauspielern des Ensembles Performances erarbeitet haben, in denen sie von ihrem Coming-out erzählen, als Roma. Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen zeigt ihr Theaterstück Roma Armee, die Utopie einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie. Die Demonstration Romaday Parade führt vom Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma zum Brandenburger Tor und schließlich zum Maxim-Gorki-Theater. Dort ist auch unter dem Titel Gypsyland eine Retrospektive der Werke von Damian Le Bas zu sehen. Seine Ideen für eine Welt, in der sich nationale Grenzen zu einem Land der Roma verschieben lassen, hat er in Plakaten und Installationen umgesetzt. Er will ihnen einen Raum schaffen, eine Regierung, eine eigene Armee. Eröffnet wird das Festival mit der Langen Nacht des Coming-Outs, einer Performance, in deren Verlauf sich zwölf Künstlerinnen und Künstler auf unterschiedliche Weise mit ihrer Identität auseinandersetzen. (…)
Lesen Sie bitte den hier nur in einem einleitenden Auszug wiedergegebenen umfangreichen Artikel von Milena Fee Hassenkamp in voller Länge auf Freitag.de.
April 14th, 2018 |
Published in
Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Sensibilisierung gegen antiziganistische Vorurteile
Eintägige Veranstaltung der Verwaltungsakademie des Bundes (VAB) am 7. Mai 2018 in Schloss Laudon (Seminarnr: BS 207)
Inhalt und Ziele: Oft werden Vorurteile und Klischees von der Mehrheitsgesellschaft kritiklos übernommen und an Minderheiten ausgelebt. Am Beispiel des Antiziganismus erfahren Sie, wie Stereotype wirken und in welcher Weise sie dekonstruiert werden können. Sie können nachvollziehen, dass die Diskriminierung einer Volksgruppe deren Lebensqualität erheblich beeinträchtigt und dass ein Umdenken der Zivilgesellschaft auch von den öffentlich Bediensteten mitzugestalten ist.
- Relevante Begrifflichkeiten (z. B. Eigen- und Fremdbezeichnungen)
- Geschichte und Verfolgung der Roma und Sinti
- Fragen zur gegenwärtigen Diskriminierungssituation von Sinti und Roma unter Berücksichtigung des Antiziganismusberichtes – Stand der Forschung
- Individuelle und kollektive Selbstbehauptungspraktiken
- Österreichische Beispiele für Best Practice: Präsentation von Projekten aus dem öffentlichen Sektor, die zu einer besseren Inklusion von Roma und Sinti beitragen.
Lernmethode: Erfahrungsorientiertes und interaktives Lernen, Übungen, Theorie-Input, Diskussion, Bearbeitung konkreter Beispiele aus der Praxis
Read the rest of this entry »
April 13th, 2018 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Eva Horvath (Redaktion), Kamera: Julius Horvath, Ton: Kerstin Horvath, Schnitt: Marcel Horvath, Fotos: Jennifer Papai
80 Jahre „Anschluss“ – Gedenken in Oberwart
Suboton, ando 24to feberi 2018, vasch o „80 berscha aunphandlipe“ le opferenge le nacijonalsocijalismusistar jek mulatintschago Erbate tel likerdo ulo. O gondolipeskero drom ando bersch 2015 Erbate kerdo ulo.
Am Samstag, den 24. Feber 2018, fand anlässlich „80 Jahre ,Anschluss‘“ für die Opfer des Nationalsozialismus eine Veranstaltung in Oberwart statt. Der Gedenkweg in Oberwart wurde 2015 errichtet.
(Redakcijona: Eva Horvath. Kamera: Julius Horvath, hango: Kerstin Horvath, tschinaschi: Marcel Horvath, kipi: Jennifer Papai)
April 12th, 2018 |
Published in
Facts & Figures, Romani
15 der 25 Länder, die die Eur. Charta der Regional- od. Minderheitensprachen ratifizierten, haben Romanes als Minderheitensprache anerkannt.
(Quelle)
April 11th, 2018 |
Published in
Einrichtungen, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Jennifer Papai (Redaktion). Schnitt: Marcel Horvath
Alt sein heißt nicht stumm sein! Omas gegen Rechts
Babi gejng „Rechts“: O babi i lek hipsti grupn ando protestakero micinipe hi. Feschtime gutschmenca o babi gejng „Rechts“ upro poschtito dschan, pe le manuschengere tschatschipenge ande te bescharel. Angle trin kurke i seletoskeri forma „Omas gegen Rechts Südburgenland“ kerdi uli. Suboton, ando 17to feberi 2018 Erbate ando foroskero park i erschti demonstracija gejng o telispidipe naschigejaschendar sina.
Die Omas sind wohl die hippste Gruppe in der Protestbewegung. Mit knalligen Strickmützen gehen die „Omas gegen Rechts“ auf die Straße, um sich für die Menschenrechte einzusetzen. Vor einigen Wochen wurde die Plattform „Omas gegen Rechts Südburgenland“ gegründet. Read the rest of this entry »
April 8th, 2018 |
Published in
Musik
„Djelem, Djelem“ („Gelem, gelem“) ist die Hymne der Roma-Bewegung, die – wie die blau-grüne Flagge und die Dachbezeichnung Roma – beim ersten Roma-Weltkongress am 8. April 1971 in London festgelegt wurde. Der Liedtext, verfasst von Jarko Jovanović nach einer traditionellen Melodie, erzählt von der Verfolgung der europäischen Roma während des Zweiten Weltkriegs. (Mehr dazu auf: Rombase)
Zum heutigen Internationalen Roma-Tag hier eine Flamenco-Version der Hymne, vorgetragen von Pedro El Granaíno und El Perla bei einem Festakt zum Roma-Tag 2015 im katalanischen Parlament in Barcelona. Opre Roma!
April 6th, 2018 |
Published in
Jugend & Bildung, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Symposium zum Internationalen Romatag in Oberwart: „Eine neue Generation von EuropäerInnen? Junge Roma und Romnija und deren Selbstverständnis“
Sa., 7. April 2018, 14:00 Uhr im OHO, Lisztg. 12
ab 19:30 Uhr – Diskussion, Ausstellung und Konzert (siehe unten), Eintritt frei
Eine Tagung der Volkshochschule der Burgenländischen Roma in Kooperation mit dem Offenen Haus Oberwart, unterstützt von der Stadtgemeinde Oberwart, gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung
Oft passiert es, wenn sich junge Menschen engagieren, dass die älteren eher abwartend, skeptisch, manchmal mit Unverständnis und gar nicht selten mit offener Ablehnung diesen Aktivitäten gegenüberstehen. Seit einiger Zeit macht eine neue Generation Roma mit ihren Aktionen auf sich aufmerksam, die sich inhaltlich und vom Stil her von Bisherigem unterscheidet. Junge Roma werden aktiv und deuten an, dass sich die Schwerpunkte der Volksgruppenarbeit in Zukunft doch erheblich verschieben könnten. Nicht mehr ausschließlich die Frage nach Gleichberechtigung, nach gesellschaftlicher Anerkennung der Leiden im Porajmos (Völkermord an den europäischen Roma in der Zeit des Nationalsozialismus) oder nach besseren Lebensverhältnissen steht im Blickfeld, sondern verstärkt die Frage nach der Identität (oder den Identitäten) von (jungen) Romnija und Roma in einer pluralistischen und meist auch urbanen Gesellschaft.
Junge Roma haben auch historisch gesehen eine ganz zentrale Rolle für die Volksgruppe in Österreich gespielt. Und hätten sie damals auf die Alten gehört, wäre die Geschichte möglicherweise ganz anders verlaufen. Vor 35 Jahren wurde nämlich in Oberwart die Roma-Bürgerrechtsbewegung in Österreich von jugendlichen Roma beziehungsweise damals sehr jungen Personen ins Leben gerufen. Read the rest of this entry »
April 5th, 2018 |
Published in
Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
„1st Roma Biennale“ ist die erste selbstorganisierte Biennale von und mit Roma-Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Europa. Die spartenübergreifende Auseinandersetzung mit der Kunst und dem Leben von Roma und Sinti in Europa findet anlässlich des Welt-Roma-Tags vom 7. April bis zum 10. April 2018 im Berliner „Maxim Gorki Theater“ statt und soll künftig alle zwei Jahre ausgerichtet werden.
Die Biennale will der zeitgenössischen Kunst der Roma-Communities und ihrer Relevanz für aktuelle öffentliche Diskurse in Europa Sichtbarkeit verschaffen. Insbesondere die feministische und queere Roma-Bewegung macht die Wechselwirkung zwischen Rassismus, Sexismus und Homophobie deutlich und offenbart, dass die Grenzen der Feindseligkeit gegenüber „den Anderen“ leicht zu verschieben sind – und dass an einem gewissen Punkt jede und jeder von uns einer Minderheit angehört. Unter dem Titel „COME OUT NOW!“ formulieren die Künstler/innen daher eine Einladung an alle, sich zu solidarisieren. Im Mittelpunkt der Biennale stehen die „Lange Nacht des Coming-Outs“ mit kollektiv erarbeiteten Performances (Sa., 7. April, 19.30 Uhr), eine Parade mit Kundgebung und Musik vom Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas zum Maxim Gorki Theater (So., 8. April, 13 Uhr) sowie die Ausstellung „GYPSYLAND“, eine Retrospektive auf das Werk des bildenden Künstlers Damian Le Bas, auf dessen Initiative hin die erste Roma-Biennale ins Leben gerufen wurde. Read the rest of this entry »
April 4th, 2018 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Neues Onlineportal informiert über den Holocaust an den Sinti und Roma
Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma hat am Dienstag das Webportal „‘Rassendiagnose: Zigeuner‘. Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung“ gelauncht (Projektleitung: Frank Reuter, Mitarbeit: Verena Meier). Unter www.sintiundroma.org wird anhand zahlreicher Videos, Interviews, Fotos und Dokumente der Holocaust an der Minderheit thematisiert. Außerdem dokumentiert die Internetseite die Geschichte der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland, die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung sowie die Menschenrechtssituation in Europa nach 1989.
Ab März 1943 wurden annähernd 23.000 Sinti und Roma aufgrund des Deportationsbefehls Heinrich Himmlers nach Auschwitz-Birkenau deportiert, der größte Teil stammte aus dem Reichsgebiet. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen erinnern dieser Tage deutschlandweit an dieses unvorstellbare Verbrechen. Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma ist in der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte von Minderheit und Mehrheit ohne Beispiel. Dennoch war er nicht voraussetzungslos: Eine von Vorurteilen und Feindseligkeit geprägte Haltung gegenüber Sinti und Roma ist tief in der europäischen Geschichte verankert. Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma möchte mit seinem neuen Webportal www.sintiundroma.org einerseits diese Vorurteile und Feindseligkeiten widerlegen, andererseits den Völkermord an den Sinti und Roma dokumentieren: von der Ausgrenzung und Entrechtung der Minderheit im Deutschen Reich bis zu ihrer systematischen Vernichtung im besetzten Europa.
Der menschenverachtenden Perspektive der Täter werden Zeugnisse der Opfer gegenübergestellt. Historische Familienfotos von Sinti und Roma geben Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen und lassen sie als Individuen hervortreten. Read the rest of this entry »
April 3rd, 2018 |
Published in
Facts & Figures
Vor 20 Jahren, am 1.3.1998, trat die Eur. Charta der Regional- od. Minderheitensprachen in Kraft. In Österreich ist sie seit 1.10.2001 rechtswirksam.
(Quelle)
April 2nd, 2018 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bei der Räumung von Behelfsunterkünften in Düsseldorf-Oberbilk (wir berichteten) durch die Deutsche Bahn AG wurde auch das Eigentum der Bewohner vernichtet. Julia von Lindern, Sozialpädagogin bei „fiftyfifty“, berichtet im Gespräch mit der jW (31.3.2018) von der Lage der vertriebenen Roma, die von den städtischen Notunterkünften ausgesperrt werden, und rechtlichen Konsequenzen.
Als Argument mussten Beschwerden von Anwohnern herhalten – das Camp befand sich jedoch an den Bahngleisen im Industriegebiet, war von außen nicht einsehbar, und man musste schon wissen, wo es ist, damit man es findet. (…) Alles ist in Containern vermüllt worden. Ein Bewohner kam am Morgen der Räumung ins Camp, weil er sein Fahrrad holen wollte. Er bemerkte die Räumung und wollte zumindest einen Teil seiner Sachen retten. Das wurde ihm jedoch verboten. Am schlimmsten fanden es die Bewohner, dass die neu eingekauften Lebensmittel im Wert von 50 Euro sowie die Gaskocher verschrottet wurden. Ihnen wurde damit die Überlebensgrundlage genommen. Außerdem hatten sie aus dem Erlös des Fiftyfifty-Verkaufs Ostergeschenke für ihre Kinder in Rumänien erstanden, die sie verschicken wollten. Die Kinder warten jetzt vergeblich auf ihr Osterpäckchen.
Die Bewohner werden einen Strafantrag gegen die DB wegen Sachbeschädigung stellen. Nur weil jemand arm ist, ist er nicht rechtlos. Unser Anwalt Jasper Prigge wird uns dabei juristisch zur Seite stehen. Weiterhin überlegen wir, gemeinsam mit den Bewohnern den Zugang zu den Notschlafstellen zu erstreiten. Denn ab April ist die »Winterregelung« ausgesetzt, das heißt, alle EU-Wohnungslosen gelten als Touristen und können die Notschlafstellen nicht nutzen. Diese Abweisung ist jedoch rechtswidrig, jeder Wohnungslose, unabhängig von seinem Pass, hat ein Recht auf Zuweisung in eine Notunterkunft. Die derzeitige Praxis der Stadt Düsseldorf, aber auch die fast aller anderen Städte deutschlandweit, ist rechtswidrig – und zumindest in Düsseldorf gibt die Verwaltung das auch zu. Read the rest of this entry »