Film & Theater

Das Seemannsgrab

Januar 6th, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Der alte Seemann und der junge Archäologe: Patrick Thomas und John Henry Phillips (Foto: Go Button Media)Was die Suche nach einem Schiffswrack über Roma erzählt


In einem Dokumentarfilm und einem Buch be­rich­tet der Eng­län­der John Henry Phillips von einer un­gewöhn­li­chen Freund­schaft und dem letz­ten Wunsch eines See­manns. Aber eigent­lich er­zählt er viel mehr.

Nichts lässt hier an Roma denken: Ein junger Mann hilft einem engli­schen Marine­vete­ra­nen (94), mit seinem Kriegs­trauma ins Reine zu kom­men. Bei der Lan­dung in der Normandie 1944 war des­sen Boot auf eine Mine auf­ge­laufen und mit­samt seinen Kamera­den in den Fluten ver­sunken. Ein Trauma, das den pfif­fi­gen Alten, der zwar kaum noch alleine gehen kann, doch für die Damen stets einen char­man­ten Scherz parat hat, ein Leben lang be­gleitet.

Sein Freund John Henry Phillips will den verscholle­nen See­männern einen Gedenk­stein errich­ten und macht sich auf, das Schiffs­wrack im Ärmel­kanal zu suchen. Er mobi­lisiert Historiker und Meeres­archäolo­gen, fährt in die Nor­man­die und lernt sogar tauchen – stets be­gleitet von einer Kamera.

Der Dokumentarfilm No Roses on a Sailor’s Grave (Regie: Daniel Oron), der daraus ent­standen ist, wird der­zeit erfol­greich auf Festivals gezeigt, zu­letzt bei der Roma-Film­woche „Ake dikhea?“ in Berlin. Doch in­zwi­schen hat John den Stoff auch für eine Buch­ver­öffentli­chung adaptiert: The Search er­scheint dem­nächst bei Robinson in London.

Unter der Oberfläche
Auf den ersten Blick verrät nichts an dieser Geschichte – nicht das Sujet, nicht der Ort, nicht die Prota­go­nisten –, dass hier zu­gleich auch die Ge­schichte einer Min­der­heit ver­handelt wird. Mit keinem Wort er­fährt man, dass der junge Mann der englischen Roma-Min­der­heit an­ge­hört.

Unter der Oberfläche enthält die Erzählung aber Motive, die selt­sam be­kannt an­muten. Denn alles hier kreist um das Trauma der Welt­kriegs­jahre und um den Versuch, einem ver­ges­senen Schicksal Gehör zu ver­schaffen. Es geht um An­erken­nung und ein würdi­ges Gedenken: Wenn John beim Bürger­meister eines fran­zö­si­schen Küsten­städt­chens vor­stellig wird, um eine Gedenk­feier für die britischen Soldaten vor­zu­schlagen, erinnert das frap­pierend an Szenen im slowa­ki­schen Film Wie ich Partisanin wurde (siehe dROMa 62) – mit dem Unter­schied, dass John bei dem Franzo­sen offene Türen ein­rennt.

Auch das titelgebende Seemannsgrab hat seine Entspre­chung in den Er­fahrun­gen der Roma: Read the rest of this entry »

„Selbstrepräsentation ist mein Widerstand“

Dezember 2nd, 2021  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

5. Ausgabe des Roma-Filmfestivals "Ake Dikhea?" in Deutschland 5. Roma-Filmfestival AKE DIKHEA?

2. bis 6.12.2021: 16 Filmbeiträge, Podiumsdiskussionen und Events im Ber­li­ner Kino Movie­mento und on­line via Stream

Vom 2. bis 6. Dezember 2021 feiert das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? sein 5-jäh­riges Jubi­läum in Berlin und welt­weit. Das dies­jährige Thema des Fes­tivals ist Widerstand – ge­gen die Fremd­be­stim­mung, ge­gen das Ver­gessen, gegen inter­sektio­nale Unter­drückung.

Roma und Sinti sind im Kino seit seiner Entstehung präsent. Doch allzu oft wurde ihr Bild von ande­ren definiert, ihre viel­fäl­tigen Iden­titäten wurden un­sichtbar ge­macht, dafür gefähr­liche Stereo­typen immer wieder aufs Neue re­produ­ziert. AKE DIKHEA? schafft seit 2017 einen Ort, an dem andere, authen­tische und selbst­bestimmte Narrative Raum be­kommen. Und auch dieses Jahr nutzen Filme­macher/in­nen auf der ganzen Welt die Selbst­darstel­lung als Mittel des Wider­stands, um Gegen­erzählungen zu den vor­herr­schenden Medien­diskursen über Sinti und Roma zu schaffen.

16 Filmbeiträge insgesamt, Fokus auf femi­nis­ti­sche Per­spek­tiven

Insgesamt 16 Dokumentar-, Spiel und Kurzfilme bilden dieses Jahr das Haupt­programm, darun­ter der Dokumentar­film WIE ICH PARTISANIN WURDE (3.12., 19:30) von Vera Lacková. Darin recher­chiert Lacková die Geschichte ihres Ur­groß­vaters und die anderer Roma-Partisanen, die Wider­stand gegen die Nazis leisteten (hier unsere Film­bespre­chung). Oder OUR VOICES OUR FREEDOM (4.12., 17:30) von Laurence Doumic und Jo Béranger, die den Kampf von zwei Geschwis­tern gegen die Zer­störung ihrer Heimat und ihres Lebens­stils im Norden von Paris portrai­tiert. Das Film­portrait TAIKON (2.12., 21:00) von Lawen Mohtadi und Gellert Tamas erzählt vom Leben der gleich­nami­gen Aktivis­tin. Taikon gilt als eine der meist­gelese­nen Autor/in­nen Schwedens und wird als „weib­licher Martin Luther King Schwedens“ be­zeich­net. Der Spielfilm GIPSY QUEEN (3.12., 22:00) von Hüseyin Tabak, mit Alina Șerban in der Haupt­rolle als Boxerin Ali (Deut­scher Schauspiel­preis 2020), er­gänzt das Programm.

Ein starker Fokus liegt auf feministischen Perspektiven: Zehn der sech­zehn Filme wurden von Regisseurin­nen gedreht. Der Spiel­film BIBI SARA KALI (4.12., 20:00) von Simonida Selimović und Nina Kusturica um­webt die gleich­namige, mystische Figur der Patro­nin der Roma (wir berich­te­ten). Read the rest of this entry »

LACKA – Ladislava Gažiová

Oktober 10th, 2021  |  Published in Film & Theater, Interview, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte

Dokumentarfilm von Jakub Jurásek
CZ 2019 | 20:32 Min. | artycok.tv/CC

Porträt der aus der Slowakei stammen­den Prager Künst­le­rin, Kura­torin und Akti­vis­tin mit Roma-Hin­ter­grund Ladislava Gažiová.

Recensijona: Bar oni anav

September 13th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

How I Became a Partisan: Die slowakische Regisseurin Vera Lacková auf Spurensuche im Wald, wo die Familie ihrers Urgroßvaters von deutschen Soldaten ermordet wurde (Foto: Media Voice)  La Vera Lackovákero jomakero rodipe „Sar me par­ti­san­kija ujom“


Ande lakero erschti dugo film i slova­kitiki Romni Vera Lacková jeka kora flatscka­ke ando nacijo­nali histo­ri­ja­kero kipo use pe iri­nel: uso vi­der­schtaund le Romen­dar ando dujto themes­kero haburi.

Ando kisetinipe le augustistar 1944 slovakitike partisantscha gejng o NS-be­schasch­tscha taj o faschis­tischi mari­jo­ne­ten­gero reschim pumen terdschar­de. O slova­kitiko nacijo­nakero upre terdscho­­jipe paloda uso keripes­kero mitos le khetani­pestar palo hauburi ulo – o falato, savo te Roma khelnahi, ham pedar desch­ber­­schen­gere na phukade: Le vider­schtaun­dis­kere dsche­nenge andar o tschu­lipe ando nacijonali histori­jakero kipo nana than. Kolektivi palgon­dolipe butschol mindig te jek selek­tivi pobiste­ripe. Mindig te na akarde del, saven­gero gondolipe asaj dur andar o pradipe ari dschumim ol, dschimeg o lejcti palgon­dolipe tschak pal use tscha­pinde vudara, andi briga lengere famili­jendar, bajder dschil.

O papuskero dad
Adale historischi koripeha na kamla pe i slovakitiki filmiskeri kerasch­kija Vera Lacková tel te lakel taj pro­balinel, i his­torija le Romen­ge­re-par­tisa­nendar, sar oj le phenel: „pal ando khe­tanipe“ te hulinel. Ande lakero doku­men­taci­jakero film „Sar me partisankija ujom“/„Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) phukal oj pedar o terdschi­jipe lakere ajgeni papus­kere dadestar, Ján Lacko, savo pe 1944 ojs Rom le upre terdscho­ji­peske aun phandla taj pra cila familija use jek hosini­pes­keri akcijona le nimtschke bescha­schen­dar na­schatscha. Read the rest of this entry »

Rezension: Stein ohne Namen

September 6th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

How I Became a Partisan: Die slowakische Regisseurin Vera Lacková auf Spurensuche im Wald, wo die Familie ihrers Urgroßvaters von deutschen Soldaten ermordet wurde (Foto: Media Voice)  Vera Lackovás Spurensuche „Wie ich Partisanin wurde“


In ihrem Langfilmdebüt wendet sich die slo­wa­ki­sche Rom­ni Vera Lacková einem blin­den Fleck im na­tio­na­len Ge­schichts­bild zu: dem Wi­der­stand der Ro­ma im Zwei­ten Welt­krieg.

Ende August 1944 erhoben sich slowa­kische Par­ti­sanen gegen die NS-Be­satzer und das faschis­tische Mario­net­ten­re­gime. Der Slowa­ki­sche National­aufstand wurde später zum Gründungs­mythos der Nach­kriegs­gesell­schaft – den Anteil, den auch Roma dabei spiel­ten, hat man jedoch über Jahr­zehnte tot­ge­schwie­gen: Für Widerstands­helden aus der Min­der­­heit war im nationa­len Geschichts­bild kein Platz. Kollekti­ves Erinnern bedeu­tet schließ­lich immer auch selekti­ves Ver­gessen. Denn immer gibt es auch Ver­schwie­gene, deren An­denken so lange aus der Öffent­lich­keit gedrängt wird, bis die letzte Erinnerung an sie nur noch hinter ver­schlos­senen Türen, in der Trauer ihrer Familien, wei­ter­lebt.

Urgroßvater
Mit diesen historischen Blindstellen will sich die slowakische Filmemacherin Vera Lacková nicht ab­finden und versucht, die Ge­schichte der Roma-Par­ti­sanen, wie sie es for­muliert: „zurück in die Gesell­schaft“ zu holen. In ihrem Doku­mentar­­film „Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) erzählt sie in erster Linie vom Schicksal ihres eige­nen Urgroß­vaters, Ján Lacko, der sich 1944 als Rom dem bewaff­neten Aufstand an­schloss und seine gesam­te Familie bei einer Vergeltungs­aktion der deutschen Besatzer verlor. Read the rest of this entry »

How I Became a Partisan (Trailer)

September 4th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

How I Became a Partisan / Ako som sa stala partizánkou
Dokumentarfilm von Vera Lacková, SK/CZ 2020, 85 Min.

Eine ausführliche Besprechung des sehenswer­ten Films (und was er mit ak­tuel­len Ent­wick­lun­gen in­ner­halb der inter­na­tio­na­len Bür­ger­rechts­bewe­gung der Roma zu tun hat) fin­den Sie in der neuen Aus­gabe unse­res Ma­ga­zins dROMa.

Hluché dni / Silent Days (Trailer)

September 2nd, 2021  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Hluché dni / Silent Days
Ein Film von Pavol Pekarčík. SK/CZ 2019, 81 Min.; Slo­wa­kisch/Romanes

Demnächst beim trinationalen Neiße-Film­fes­ti­val 2021 (17./19.9.2021)

Sandra liebt Fußball und und verehrt Ronaldinho, Marian spielt Film­szenen von Jean-Claude Van Damme nach und will Zug­begleiter wer­den. Alena und René hoffen, dass ihr Baby gesund ge­boren wird und die Geschwis­ter Roman, Kristián und Karmen träumen von einer richtigen Toilette mit Spülung. Die jungen Protagonist*innen des Films leben mit ihren Träumen und Hoff­nun­gen in Roma-Siedlungen am Rande der Gesell­schaft, und sie haben eine weitere Ge­mein­sam­keit: Sie sind gehörlos. Der warm­herzige Film kom­biniert dokumenta­ri­sche und insze­nierte Szenen aus ihrem Alltag, in denen un­schul­dige Kinder­spiele einen scharfen Kontrast zu einer trost­losen Um­gebung bilden.
(Neiße Filmfestival)

»Pavol Pekarčík has made what is so far the warmest Slovak docu-fiction drama about the Roma po­pu­lation, one of the staples of the country’s mo­dern cinema.«
(Vladan Petković in Cineuropa)

Pavol Pekarčík in einem Interview mit Cineuropa, 2019:
Cineuropa:
Your protagonists come from a margina­lised group of an already mar­gi­na­lised group. Why did you decide to por­tray them, spe­ci­fi­cally? Read the rest of this entry »

„Zuhause – Chez moi“ von Marielle Rossignol

September 1st, 2021  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

"La Vista" (Foto: M. Rossignol via Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma))Theaterworkshop, Podiumsdiskussion und Fotoausstellung in Heidelberg

Ausstellung: ganztägig, 7.9. bis 10.10.2021
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Bre­meneck­gas­se 2, Heidelberg

Ähnlichkeiten, Unterschiede und Erfahrungen der Ausgrenzung. Wie blicken Sintizze aus Montpellier und Heidelberg auf den Begriff „Zuhause“?

Dieser Frage möchten Linda Alaume, Soraya Chikhaoui, Ornella Dussol, Linda Ferret, Béatrice Piquemal, Ilona Lagrene und Lore Georg, Sin­tizze aus Montpellier und Hei­del­berg, nach­gehen. Sie wer­den ver­suchen, im Rahmen von Ge­sprächen und eines Theater­work­shops hierauf Ant­worten zu finden. Der the­ater­päda­go­gische Workshop findet in Heidel­berg statt und wird von der Theater­kom­panie La Chouette Blanche aus Mont­pellier ge­leitet. Nach einer Vor­stellung der Er­geb­nisse des Workshops im Rah­men einer Podiums­dis­kussion wird die dazu­ge­hörige Foto­aus­stel­lung von Marielle Rossignol vom 7. Sep­tember bis 10. Oktober 2021 im Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma zu sehen sein.

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dROMa 62: „Bilder | Kipi“

August 3rd, 2021  |  Published in Film & Theater, Kunst & Fotografie, dROMa (Magazin)

droma_62 Themenheft „Bilder“ | Temakeri heftlina „Kipi“

→Download (PDF) | Inhalt

Fremdbilder, Selbstbilder, Gegenbilder – die Macht der Bilder kon­figu­riert unser Denken. Die Bei­träge dieses Heftes setzen sich dies­mal daher mit unter­schied­li­chen Kate­gorien von Bildern aus­einan­der. Den Anfang macht das Kino: Roman Urbaner stellt den Dokumentar­film „Wie ich Partisanin wurde“ der in Wien le­ben­den slowaki­schen Romni Vera Lacková vor, der so­eben beim goEast-Festival seine Welt­premiere fei­erte – eine familien­bio­gra­fi­sche Recherche, die ver­sucht, Ge­schichts­bilder zurecht­zu­rücken. Aus Budapest be­richtet János Róbert Orsós von der Odys­see der Kunst­sammlung des Roma-Par­la­ments, die nach Jahren in Keller­depots nun wieder zu­gäng­lich ist. Das Di­gita­li­sie­rungs­pro­jekt DigiRom und die heißen Eisen im Umgang mit rassisti­schen Bild­beständen be­han­deln zwei Artikel von Vera Tönsfeldt vom Rom e. V. in Köln. Valentine Auer skiz­ziert die Ausstellung „Manuš heißt Mensch“, die der­zeit in der Kunsthalle Wien zu sehen ist und die sich mit der tsche­chi­schen Siedlung Chanov und dem Ringen um neue Roma-Bilder be­fasst. Und zum Ab­schluss haben wir für Sie ein Prosa­gedicht des spa­ni­schen Autors Helios F. Garcés übersetzt.

Avre kipi, ajgeni kipi, gejng kipi – i sor le kipen­dar amaro gon­dolipe khetan phandel. O pisi­niptscha adala heft­linatar akan vaschoda le mindenfelitike kategorijenca le kipendar donde pe be­scharel. O kesdipe kerel o kino: O Roman Urbaner o doku­men­ta­cija­kero film „Sar me partisankija ujom“ la slova­kitika Romnjatar Vera Lacková, savi Betschiste dschil, angle terdscha­rel taj savo akan uso goEast-fes­tivalo pri themes­keri pre­mijera mulatinel – jek fami­jakeri bijo­grafischi rescher­scha, savi pro­balinel, histori­jakere kipi ando tschatscho udud te terdscharel. Andar Budapest phu­kal o János Róbert Orsós la odi­sejatar le kunstakere khetan kedipestar le Romen­ge­re-par­la­men­tostar, savo pal berscha ande komo­rakere depotscha akan papal aun dikle schaj on. Read the rest of this entry »

„Bibi Sara Kali“ im Stream

Juni 21st, 2021  |  Published in Film & Theater

Bibi Sara KaliDer Verein Romano Svato zeigt sein Stück „Bibi Sara Kali“, entstan­den in Ko­ope­ra­tion mit Werk-X-Pe­ters­platz, bis 20. Juli 2021 on­line als Thea­ter­film. Kon­zept & künst­le­ri­sche Lei­tung: Simonida Seli­mo­vić; Regie: Nina Kusturica

Romano Svato über das Stück:

„Bibi Sara Kali“ entstand nach einer Idee von Simonida Selimović. Aus per­sön­lichen Erfah­run­gen, dem Ge­dächtnis der jahr­hun­derte­langen Geschichte der Rom*nja und ak­tuel­len Vor­fällen haben der Wiener Autor Ibrahim Amir und das Ensemble eine Tragi­komödie ent­wickelt, die in der Bibi Sara Kali eine Göttin des Wider­stands und Über­lebens findet.

Bibi Sara Kali ist die mächtige Patronin der Roma, Be­schüt­zerin, Weg­begleite­rin, Rom*nja Wonderwoman. Ihr Kult wird von Roma welt­weit in regiona­len Abwand­lungen ze­lebriert. Auf dem Balkan ist ihr der Bibijako Djive, der „Tag der Tante“, ge­widmet. Ein letztes Mal wollte Jelena den Bibijako Djive be­gehen und stieg deshalb in den Bus von Wien-Erd­berg nach Boljevac, ihre Heimat­stadt in Serbien. Dort feierte sie – und dort starb sie tags darauf.

Ihr Tod gibt den Töchtern Snežana, Melisa und Tanja viele Fragezeichen auf: Seit der Migration nach Wien vor dreißig Jahren, welche die beiden älte­ren Schwes­tern als kleine Kinder mit­erlebt haben, gab es kaum noch Kontakt zur Familie in Serbien; und auch, dass die Mutter auf­ge­brochen war, um den Bibijako Djive zu feiern, ist ver­wunder­lich, schließ­lich hatte sie in Wien ihre Identität als Romni geheim ge­halten und ihre Töchter ohne Tra­ditio­nen er­zogen. Die drei Schwestern, einan­der seit Jahren ent­fremdet, und Snežanas Ehe­mann Taiye machen sich auf den Weg nach Boljevac, um die Mutter zu be­erdigen.

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Nina Gladitz (1946–2021)

Mai 3rd, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Nina Gladitz (1946-2021) (Foto: Cicero)Die deutsche Dokumentar­filmerin und Auto­rin Nina Gladitz ist tot. Sie ver­starb am 26. April im Alter von 75 Jah­ren in ihrem Geburts­ort Schwäbisch Gmünd. Dies be­rich­tet die Süd­deut­sche Zeitung. Gladitz ist es zu verdanken, dass 1982 einer breiten Öffentlichkeit be­kannt wurde, dass Leni Riefenstahl in­ter­nierte Sinti und Roma aus dem NS-Zwangs­lager Maxglan als Komparsen be­nutzte (mehr hier).

Später wur­den die zum Filmeinsatz gezwun­ge­nen Sinti und Roma nach Auschwitz de­portiert, nur wenige über­lebten. Gladitz hatte in der für den WDR pro­du­zierten TV-Doku­mentation „Zeit des Schweigens und der Dunkel­heit“ über die Um­stände der Ent­stehung des Riefen­stahl-Films „Tiefland“ be­richtet. Leni Riefenstahl wollte daraufhin die Streichung meh­re­rer Passagen ge­richtlich er­zwingen. Gladitz bekam jedoch in fast allen Punkten Recht. Den­noch nahm ihre weitere Karriere durch den Gerichts­streit erheb­li­chen Schaden, nach eige­nen Angaben erhielt die Doku­mentar­filmerin vom WDR keine weite­ren Aufträge mehr. Zu­dem darf der Film nach An­gaben von Gladitz’ damali­gem Anwalt nicht mehr ge­zeigt werden. Read the rest of this entry »

Filmtipp: „Our School“ (2011) online

April 13th, 2021  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

Our School (DVD front cover)Die Filmemacherinnen Mona Nicoară und Miruna Coca-Cozma pro­to­kol­lier­ten in „Our School“ den Auf­bruch einer ru­mä­ni­schen Ge­mein­de aus der Sack­gasse der Segre­ga­tion. Aus An­lass des In­ter­na­tio­na­len Roma-Tags ha­ben sie das Video für ei­nige Tage frei­ge­schal­tet. Empfehlung!

Kostenlos online zu sehen nur noch bis 14. April.

→zum Video-Stream

Etwa zur selben Zeit, als in Rumänien die ersten Dreharbeiten zu diesem Film anliefen, ging die Unicef 2007 mit alarmierenden Zahlen an die Öffentlichkeit: Nur zwei von drei Roma-Kindern in Rumänien werden überhaupt eingeschult; und von jenen, die eine Schule besuchen können, landet ein großer Teil in separaten Klassen oder eigenen Schulen. Vor fast fünfzehn Jahren erhielten deshalb dreißig rumänische Gemeinden EU-Mittel, um diesem Missstand zumindest lokal abzuhelfen. Die aus Rumänien stammende und in New York lebende Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Mona Nicoară, die einige Jahre für das European Roma Rights Centre in Budapest gearbeitet hat, nahm den Start eines dieser Reformprojekte zum Anlass, sich dem Thema aus der Perspektive der betroffenen Kinder zu nähern: Für ihr Dokumentarfilmdebüt „Şcoala Noastră“/„Our School“ begleitete sie mit der Koregisseurin Miruna Coca-Cozma und dem Kameramann Ovidiu Marginean drei Roma-Schüler, Ali (8), Beni (12) und Dana (16), vier Jahre lang mit der Kamera und protokollierte den Prozess der „Desegration“ ihrer Schule in Târgu Lăpuş, einem kleinen siebenbürgischen Städtchen.

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“Bob Dylan meets some Gypsy fans”

März 21st, 2021  |  Published in Film & Theater, Fundstücke, Musik

Dieses charmante Filmdokument einer Zufalls­begeg­nung wäh­rend Bob Dylans England­tour 1965 ist als Extra auf der DVD von „Dont Look Back“ von D. A. Pennebaker (1967) ent­hal­ten, als Blu-ray und DVD er­schie­nen in der Criterion Collection.

Wenn man den vielen User-Kom­men­taren von an­geb­lich Be­teilig­ten und ihren Ver­wandten und Nach­fahren Glauben schenkt, hat die Fa­milie dieses Fund­stück im Internet ent­deckt – und sich scharen­weise auf der You­tube-Sei­te ein­ge­fun­den. Dass die­ser denk­würdige kleine Moment mit Bob Dylan und Joan Baez als be­son­dere Anek­dote in die Familien­geschich­te ein­ge­gan­gen ist, wol­len wir jeden­falls ger­ne glau­ben.

Siehe auch:
So long, Leonard! Leonard Cohen und die Gitanos
, 13.11.2016

Robert Schweizer ando vakeripe

März 11th, 2021  |  Published in Brauchtum & Tradition, Film & Theater, Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Robert Schweizer im Gespräch

Heute macht sich das „TV Erba“-Team wieder einmal auf den Weg, um einen Beitrag über das Leben von Volks­gruppen­an­ge­hö­ri­gen zu ge­stalten. Halt war dies­mal in Oberwart beim „Nostalgiekasperl“. Das Puppen­spiel ist eine Kunst­form, die von den Schau­stellern in der Fa­milie von Ge­nera­tion zu Ge­ne­ration weiter­ge­geben wurde. Unser Redak­teur Adolf Gussak sprach mit der Person hin­ter den Puppen. Wir hoffen auf bal­dige Bes­serung der ak­tuel­len Situation, so­dass Herr Schweizer sein fahren­des Puppen­theater bald wieder be­treiben kann und sich noch viele Kinder an dieser tra­ditio­nel­len Unter­hal­tungs­form be­geis­tern können.

Adi o dschene andar TV Erba papal upro drom pumen keren, jek film pedar o dschivipe flo­goskere grupna­ke­re dsche­nendar te kerel. Khero­dim ulo o “nostal­gi­ja­kero pojaceri” Erbate. O babu­ka­kero khelipe jek kunsta­keri forma hi, savi le famili­jakere dsche­nendar, usar jek generacija usi kija genera­cija, prik dim ol. Amaro re­porteri Adolf Gussak le dsche­noha palo babuki, va­kertscha. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (352)

März 8th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Film & Theater, Frauenrechte

Für ihre filmwissenschaftliche Stu­die über „Ro­ma­ni Wo­men’s Ci­ne­ma“ (2020) er­fasste Émelie Her­bert-Pon­ton­nier 23 Roma-Re­gis­seurin­nen.

(Quelle)

Das Leben und andere Baustellen

Februar 20th, 2021  |  Published in Film & Theater

La vita e altri cantieri (Filmclub)La vita e altri cantieri (2007)
Das Leben und andere Baustellen

Dokumentarfilm von Giuseppe Schettino (Regie) und Jona Zara Klein. Italien. mit dt. UT, 37 Min.
→ Online verfügbar bis 24.2.21 (Seitenende)

Eine Bozner Sinti-Familie lebt haupt­säch­lich von der Musik, aber seit Laki, der einzige Geiger, zu einer christlichen Sekte über­getre­ten ist, kann die Band nicht mehr auf­treten. Fa­milien­oberhaupt Radames ver­sucht die Gruppe wieder zu­sam­men­zu­führen und sieht sich dabei mit großen Ver­änderu­vgen der eige­nen Traditio­nen kon­fron­tiert. Der Doku­mentar­film „Das Leben und andere Bau­stellen“ erzählt von Ge­ne­ra­tio­nen-Kon­flikten in der Kultur eines be­drohten Volkes.

Der Filmclub in Südtirol zeigt zusammen mit der Film­schule ZeLIG und dem Film­festi­val Bozen kos­ten­los ein On­line-Film­paket: Im Wochen­rhythmus wer­den Filme von Ab­sol­vent/in­nen der Film­schule ZeLIG ge­zeigt, dazu je­weils ein Hinter­grund­gespräch (Anm.: das Ge­spräch mit Giu­seppe Schettino wur­de auf Italie­nisch ge­führt).

(Text: Filmclub)

Tagungsband „Antiziganismus und Film“

Dezember 8th, 2020  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Antigypsyism and FilmRadmila Mladenova et al. (Hrsg.): Antigypsyism and Film / Antiziganismus und Film, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2020.

Der von Radmila Mladenova, Tobias von Borcke, Pavel Brunssen, Markus End und Anja Reuss heraus­ge­ge­be­ne Band „Antigypsyism and Film / Anti­ziga­nis­mus und Film“ ist im Buch­handel er­schie­nen und auch on­line als pdf er­hältlich und kann als html-Ver­si­on ge­lesen wer­den: →zum Buch

Der Band dokumentiert die internationale Fachtagung, die der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma in Ko­opera­tion mit der Gesell­schaft für Anti­ziga­nis­mus­forschung vor der Berlinale im Febru­ar 2018 in Berlin durch­ge­führt hatte (wir berichteten). Un­mittel­barer Anlass war die Aus­strah­lung des Films „Nellys Abenteuer“, den der Zentral­rat als mas­siv anti­ziga­nis­tisch kriti­siert hatte, der aber gleich­wohl von KIKA und SWR ge­sendet wurde (mehr hier und hier).

Zum Tagungsband: Antiziganismus ist für das europäische Auge so nor­mal, dass kaum jemand auf die Idee ge­kom­men ist zu fragen, warum ‚Zigeu­ner‘ im Film immer, meta­pho­risch oder nicht so me­ta­pho­risch, als ,schwarz‘ dar­gestellt wer­den sollten. Zigeuner­feind­lich­keit ist für die Leinwand so selbst­ver­ständ­lich, dass Filme­macher nicht zögern, ihre Wahl mit drama­tur­gischen Ar­gu­men­ten zu recht­fer­tigen. Read the rest of this entry »

3sat-Mediathek: Brüder der Nacht

Dezember 1st, 2020  |  Published in Film & Theater

Brüder der Nacht (Filmstill)Dokumentarfilm, AT 2016, 88 min
Buch & Regie: Patric Chiha

In der 3sat-Mediathek verfügbar bis 10.12.2020
Abrufbar ab 22 Uhr: →www.3sat.de

Die Roma-Männer sind aus Bulgarien nach Wien ge­kom­men, um dort die Frei­heit zu suchen. Letzt­endlich aber ver­kaufen sie ihre Körper, weil sie ihr Geld nicht durch Betteln oder kaum rentable Jobs wie das Aus­tragen von Zeitungen ver­dienen wollen. In der bul­gari­schen Heimat heiraten Männer wie sie schon mit 16 Jahren und werden Familien­väter. Doch die Armut der Ver­wandt­schaft treibt sie ins Ausland, wo sie ihre finan­zielle Situation ver­bessern wollen. In Wien gehen sie zwi­schen­zeit­lichen der Prostitution nach, lassen sich von ihren Kunden für ihre Dienste be­zahlen und tren­nen strickt das Beruf­li­che vom Privaten.

Der Film zeigt, wie sich die jungen Männer dem fragilen Rollenspiel des Nachtlebens hin­geben und in einem zärt­lichen, eitlen, manch­mal aggres­siven Zusammen­halt arran­gieren. „Der Film sollte eine Hommage an diese jungen Burschen sein. Ich wollte, dass sie Helden sind. Ich wollte einen Film, der glänzt. Read the rest of this entry »

Abschlussgala des Festivals „Ake Dikhea?“

November 24th, 2020  |  Published in Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gestern ist das – erstmals online ausge­tra­gene – Roma-Film­festival „Ake Dikhea?“ (wir berichteten) mit einer live ge­stream­ten Ab­schluss­gala zu Ende ge­gangen, bei der die dies­jäh­ri­gen Preis­träger­filme be­kannt ge­ge­ben wur­den.

Sar sakova bersh, akale bersheski komisia – Katalin Barsony, Paul Dandos, Rebecca Heiler thay Lisa Smith – ka alosaren Mayshukar Filmi thay Maysuhkar Harno Filmi e festi­va­lesko. Artis­ti­kuno thay tekni­kuno kuali­teti khel­ela rola abokar kobar o socia­luno thay poli­tikuno im­pakti e filmen­go. Vash maybut, e publika puqlola vash o gndipe: E Publikaki Poqin popale ka aju­karel vash olake vija­yutne pe festi­valeski shtarto edicia! Festiva­lesko Artis­ti­kuno Direk­to­ri Hamze Bytyçi ka phiravel poqin­yengi cere­monia, koya ka sikavgyol live kotar Berlin club SO36. Gilavni, hra­marni thay aktora Riah Knight, gilavno, per­former thay aktori Lindy Larsson thay muzi­kantya Janko Lauenberger, Daniel Weltlinger thay Daniel Khan ka ama­li­nen o ovipe e muzika.

Wie jedes Jahr bestimmt auch die diesjährige Festivaljury – Katalin Barsony, Paul Dandos, Rebecca Heiler und Lisa Smith – den „Besten Film“ sowie „Besten Kurzfilm“ des Fes­ti­vals. Künst­lerische und hand­werk­liche Qualität spie­len dabei eben­so eine Rolle wie die gesell­schaft­li­che und politi­sche Wir­kung der Filme. Read the rest of this entry »

Lindy. The Return of Little Light (Trailer)

November 12th, 2020  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Dokumentarfilm von Ida Persson Lännerberg, SWE 2019
Eröffnungsfilm des Roma-Filmfestivals „Ake Dikhea?“

Am 19.11.2020, 18 Uhr, online zu sehen
(→zum Stream)

Lindy Larsson wuchs in einer klei­nen Papier­müh­len-Stadt in Süd­schweden auf. Er wurde nie als der akzep­tiert, der er ist. Er war im­mer anders. Als kleiner Junge war er dünn, mädchen­haft und ohne Freunde. Er floh in eine Fan­tasie­welt und wurde zu der von ihm ge­schaf­fe­nen Superhelden­figur – Little Light –, einem Jun­gen, der Licht aus­strah­len konn­te. Lindy und seine Familie sind Roma-Tra­vel­lers, eine Min­der­heit, die seit dem 16. Jahr­hun­dert in Schweden lebt. Noch heute wer­den Roma-Tra­vellers von der schwe­dischen Gesell­schaft diskri­mi­niert und erleben Miss­brauch und struk­tu­rel­len Rassismus.

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