Was die Suche nach einem Schiffswrack über Roma erzählt
In einem Dokumentarfilm und einem Buch berichtet der Engländer John Henry Phillips von einer ungewöhnlichen Freundschaft und dem letzten Wunsch eines Seemanns. Aber eigentlich erzählt er viel mehr.
Nichts lässt hier an Roma denken: Ein junger Mann hilft einem englischen Marineveteranen (94), mit seinem Kriegstrauma ins Reine zu kommen. Bei der Landung in der Normandie 1944 war dessen Boot auf eine Mine aufgelaufen und mitsamt seinen Kameraden in den Fluten versunken. Ein Trauma, das den pfiffigen Alten, der zwar kaum noch alleine gehen kann, doch für die Damen stets einen charmanten Scherz parat hat, ein Leben lang begleitet.
Sein Freund John Henry Phillips will den verschollenen Seemännern einen Gedenkstein errichten und macht sich auf, das Schiffswrack im Ärmelkanal zu suchen. Er mobilisiert Historiker und Meeresarchäologen, fährt in die Normandie und lernt sogar tauchen – stets begleitet von einer Kamera.
Der Dokumentarfilm No Roses on a Sailor’s Grave (Regie: Daniel Oron), der daraus entstanden ist, wird derzeit erfolgreich auf Festivals gezeigt, zuletzt bei der Roma-Filmwoche „Ake dikhea?“ in Berlin. Doch inzwischen hat John den Stoff auch für eine Buchveröffentlichung adaptiert: The Search erscheint demnächst bei Robinson in London.
Unter der Oberfläche
Auf den ersten Blick verrät nichts an dieser Geschichte – nicht das Sujet, nicht der Ort, nicht die Protagonisten –, dass hier zugleich auch die Geschichte einer Minderheit verhandelt wird. Mit keinem Wort erfährt man, dass der junge Mann der englischen Roma-Minderheit angehört.
Unter der Oberfläche enthält die Erzählung aber Motive, die seltsam bekannt anmuten. Denn alles hier kreist um das Trauma der Weltkriegsjahre und um den Versuch, einem vergessenen Schicksal Gehör zu verschaffen. Es geht um Anerkennung und ein würdiges Gedenken: Wenn John beim Bürgermeister eines französischen Küstenstädtchens vorstellig wird, um eine Gedenkfeier für die britischen Soldaten vorzuschlagen, erinnert das frappierend an Szenen im slowakischen Film Wie ich Partisanin wurde (siehe dROMa 62) – mit dem Unterschied, dass John bei dem Franzosen offene Türen einrennt.
Auch das titelgebende Seemannsgrab hat seine Entsprechung in den Erfahrungen der Roma: Read the rest of this entry »
2. bis 6.12.2021: 16 Filmbeiträge, Podiumsdiskussionen und Events im Berliner Kino Moviemento und online via Stream
Vom 2. bis 6. Dezember 2021 feiert das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? sein 5-jähriges Jubiläum in Berlin und weltweit. Das diesjährige Thema des Festivals ist Widerstand – gegen die Fremdbestimmung, gegen das Vergessen, gegen intersektionale Unterdrückung.
Roma und Sinti sind im Kino seit seiner Entstehung präsent. Doch allzu oft wurde ihr Bild von anderen definiert, ihre vielfältigen Identitäten wurden unsichtbar gemacht, dafür gefährliche Stereotypen immer wieder aufs Neue reproduziert. AKE DIKHEA? schafft seit 2017 einen Ort, an dem andere, authentische und selbstbestimmte Narrative Raum bekommen. Und auch dieses Jahr nutzen Filmemacher/innen auf der ganzen Welt die Selbstdarstellung als Mittel des Widerstands, um Gegenerzählungen zu den vorherrschenden Mediendiskursen über Sinti und Roma zu schaffen.
16 Filmbeiträge insgesamt, Fokus auf feministische Perspektiven
Insgesamt 16 Dokumentar-, Spiel und Kurzfilme bilden dieses Jahr das Hauptprogramm, darunter der Dokumentarfilm WIE ICH PARTISANIN WURDE (3.12., 19:30) von Vera Lacková. Darin recherchiert Lacková die Geschichte ihres Urgroßvaters und die anderer Roma-Partisanen, die Widerstand gegen die Nazis leisteten (hier unsere Filmbesprechung). Oder OUR VOICES OUR FREEDOM (4.12., 17:30) von Laurence Doumic und Jo Béranger, die den Kampf von zwei Geschwistern gegen die Zerstörung ihrer Heimat und ihres Lebensstils im Norden von Paris portraitiert. Das Filmportrait TAIKON (2.12., 21:00) von Lawen Mohtadi und Gellert Tamas erzählt vom Leben der gleichnamigen Aktivistin. Taikon gilt als eine der meistgelesenen Autor/innen Schwedens und wird als „weiblicher Martin Luther King Schwedens“ bezeichnet. Der Spielfilm GIPSY QUEEN (3.12., 22:00) von Hüseyin Tabak, mit Alina Șerban in der Hauptrolle als Boxerin Ali (Deutscher Schauspielpreis 2020), ergänzt das Programm.
Ein starker Fokus liegt auf feministischen Perspektiven: Zehn der sechzehn Filme wurden von Regisseurinnen gedreht. Der Spielfilm BIBI SARA KALI (4.12., 20:00) von Simonida Selimović und Nina Kusturica umwebt die gleichnamige, mystische Figur der Patronin der Roma (wir berichteten). Read the rest of this entry »
La Vera Lackovákero jomakero rodipe „Sar me partisankija ujom“
Ande lakero erschti dugo film i slovakitiki Romni Vera Lacková jeka kora flatsckake ando nacijonali historijakero kipo use pe irinel: uso viderschtaund le Romendar ando dujto themeskero haburi.
Ando kisetinipe le augustistar 1944 slovakitike partisantscha gejng o NS-beschaschtscha taj o faschistischi marijonetengero reschim pumen terdscharde. O slovakitiko nacijonakero upre terdschojipe paloda uso keripeskero mitos le khetanipestar palo hauburi ulo – o falato, savo te Roma khelnahi, ham pedar deschberschengere na phukade: Le viderschtaundiskere dschenenge andar o tschulipe ando nacijonali historijakero kipo nana than. Kolektivi palgondolipe butschol mindig te jek selektivi pobisteripe. Mindig te na akarde del, savengero gondolipe asaj dur andar o pradipe ari dschumim ol, dschimeg o lejcti palgondolipe tschak pal use tschapinde vudara, andi briga lengere familijendar, bajder dschil.
O papuskero dad
Adale historischi koripeha na kamla pe i slovakitiki filmiskeri keraschkija Vera Lacková tel te lakel taj probalinel, i historija le Romengere-partisanendar, sar oj le phenel: „pal ando khetanipe“ te hulinel. Ande lakero dokumentacijakero film „Sar me partisankija ujom“/„Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) phukal oj pedar o terdschijipe lakere ajgeni papuskere dadestar, Ján Lacko, savo pe 1944 ojs Rom le upre terdschojipeske aun phandla taj pra cila familija use jek hosinipeskeri akcijona le nimtschke beschaschendar naschatscha. Read the rest of this entry »
Vera Lackovás Spurensuche „Wie ich Partisanin wurde“
In ihrem Langfilmdebüt wendet sich die slowakische Romni Vera Lacková einem blinden Fleck im nationalen Geschichtsbild zu: dem Widerstand der Roma im Zweiten Weltkrieg.
Ende August 1944 erhoben sich slowakische Partisanen gegen die NS-Besatzer und das faschistische Marionettenregime. Der Slowakische Nationalaufstand wurde später zum Gründungsmythos der Nachkriegsgesellschaft – den Anteil, den auch Roma dabei spielten, hat man jedoch über Jahrzehnte totgeschwiegen: Für Widerstandshelden aus der Minderheit war im nationalen Geschichtsbild kein Platz. Kollektives Erinnern bedeutet schließlich immer auch selektives Vergessen. Denn immer gibt es auch Verschwiegene, deren Andenken so lange aus der Öffentlichkeit gedrängt wird, bis die letzte Erinnerung an sie nur noch hinter verschlossenen Türen, in der Trauer ihrer Familien, weiterlebt.
Urgroßvater
Mit diesen historischen Blindstellen will sich die slowakische Filmemacherin Vera Lacková nicht abfinden und versucht, die Geschichte der Roma-Partisanen, wie sie es formuliert: „zurück in die Gesellschaft“ zu holen. In ihrem Dokumentarfilm „Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) erzählt sie in erster Linie vom Schicksal ihres eigenen Urgroßvaters, Ján Lacko, der sich 1944 als Rom dem bewaffneten Aufstand anschloss und seine gesamte Familie bei einer Vergeltungsaktion der deutschen Besatzer verlor. Read the rest of this entry »
How I Became a Partisan / Ako som sa stala partizánkou Dokumentarfilm von Vera Lacková, SK/CZ 2020, 85 Min.
Eine ausführliche Besprechung des sehenswerten Films (und was er mit aktuellen Entwicklungen innerhalb der internationalen Bürgerrechtsbewegung der Roma zu tun hat) finden Sie in der neuen Ausgabe unseres Magazins dROMa.
Sandra liebt Fußball und und verehrt Ronaldinho, Marian spielt Filmszenen von Jean-Claude Van Damme nach und will Zugbegleiter werden. Alena und René hoffen, dass ihr Baby gesund geboren wird und die Geschwister Roman, Kristián und Karmen träumen von einer richtigen Toilette mit Spülung. Die jungen Protagonist*innen des Films leben mit ihren Träumen und Hoffnungen in Roma-Siedlungen am Rande der Gesellschaft, und sie haben eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind gehörlos. Der warmherzige Film kombiniert dokumentarische und inszenierte Szenen aus ihrem Alltag, in denen unschuldige Kinderspiele einen scharfen Kontrast zu einer trostlosen Umgebung bilden.
(Neiße Filmfestival)
»Pavol Pekarčík has made what is so far the warmest Slovak docu-fiction drama about the Roma population, one of the staples of the country’s modern cinema.«
(Vladan Petković in Cineuropa)
Pavol Pekarčík in einem Interview mit Cineuropa, 2019:
Cineuropa: Your protagonists come from a marginalised group of an already marginalised group. Why did you decide to portray them, specifically? Read the rest of this entry »
Theaterworkshop, Podiumsdiskussion und Fotoausstellung in Heidelberg
Ausstellung: ganztägig, 7.9. bis 10.10.2021
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Bremeneckgasse 2, Heidelberg
Ähnlichkeiten, Unterschiede und Erfahrungen der Ausgrenzung. Wie blicken Sintizze aus Montpellier und Heidelberg auf den Begriff „Zuhause“?
Dieser Frage möchten Linda Alaume, Soraya Chikhaoui, Ornella Dussol, Linda Ferret, Béatrice Piquemal, Ilona Lagrene und Lore Georg, Sintizze aus Montpellier und Heidelberg, nachgehen. Sie werden versuchen, im Rahmen von Gesprächen und eines Theaterworkshops hierauf Antworten zu finden. Der theaterpädagogische Workshop findet in Heidelberg statt und wird von der Theaterkompanie La Chouette Blanche aus Montpellier geleitet. Nach einer Vorstellung der Ergebnisse des Workshops im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird die dazugehörige Fotoausstellung von Marielle Rossignol vom 7. September bis 10. Oktober 2021 im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma zu sehen sein.
Fremdbilder, Selbstbilder, Gegenbilder – die Macht der Bilder konfiguriert unser Denken. Die Beiträge dieses Heftes setzen sich diesmal daher mit unterschiedlichen Kategorien von Bildern auseinander. Den Anfang macht das Kino: Roman Urbaner stellt den Dokumentarfilm „Wie ich Partisanin wurde“ der in Wien lebenden slowakischen Romni Vera Lacková vor, der soeben beim goEast-Festival seine Weltpremiere feierte – eine familienbiografische Recherche, die versucht, Geschichtsbilder zurechtzurücken. Aus Budapest berichtet János Róbert Orsós von der Odyssee der Kunstsammlung des Roma-Parlaments, die nach Jahren in Kellerdepots nun wieder zugänglich ist. Das Digitalisierungsprojekt DigiRom und die heißen Eisen im Umgang mit rassistischen Bildbeständen behandeln zwei Artikel von Vera Tönsfeldt vom Rom e. V. in Köln. Valentine Auer skizziert die Ausstellung „Manuš heißt Mensch“, die derzeit in der Kunsthalle Wien zu sehen ist und die sich mit der tschechischen Siedlung Chanov und dem Ringen um neue Roma-Bilder befasst. Und zum Abschluss haben wir für Sie ein Prosagedicht des spanischen Autors Helios F. Garcés übersetzt.
Avre kipi, ajgeni kipi, gejng kipi – i sor le kipendar amaro gondolipe khetan phandel. O pisiniptscha adala heftlinatar akan vaschoda le mindenfelitike kategorijenca le kipendar donde pe bescharel. O kesdipe kerel o kino: O Roman Urbaner o dokumentacijakero film „Sar me partisankija ujom“ la slovakitika Romnjatar Vera Lacková, savi Betschiste dschil, angle terdscharel taj savo akan uso goEast-festivalo pri themeskeri premijera mulatinel – jek famijakeri bijografischi rescherscha, savi probalinel, historijakere kipi ando tschatscho udud te terdscharel. Andar Budapest phukal o János Róbert Orsós la odisejatar le kunstakere khetan kedipestar le Romengere-parlamentostar, savo pal berscha ande komorakere depotscha akan papal aun dikle schaj on. Read the rest of this entry »
Der Verein Romano Svato zeigt sein Stück „Bibi Sara Kali“, entstanden in Kooperation mit Werk-X-Petersplatz, bis 20. Juli 2021 online als Theaterfilm. Konzept & künstlerische Leitung: Simonida Selimović; Regie: Nina Kusturica
Romano Svato über das Stück:
„Bibi Sara Kali“ entstand nach einer Idee von Simonida Selimović. Aus persönlichen Erfahrungen, dem Gedächtnis der jahrhundertelangen Geschichte der Rom*nja und aktuellen Vorfällen haben der Wiener Autor Ibrahim Amir und das Ensemble eine Tragikomödie entwickelt, die in der Bibi Sara Kali eine Göttin des Widerstands und Überlebens findet.
Bibi Sara Kali ist die mächtige Patronin der Roma, Beschützerin, Wegbegleiterin, Rom*nja Wonderwoman. Ihr Kult wird von Roma weltweit in regionalen Abwandlungen zelebriert. Auf dem Balkan ist ihr der Bibijako Djive, der „Tag der Tante“, gewidmet. Ein letztes Mal wollte Jelena den Bibijako Djive begehen und stieg deshalb in den Bus von Wien-Erdberg nach Boljevac, ihre Heimatstadt in Serbien. Dort feierte sie – und dort starb sie tags darauf.
Ihr Tod gibt den Töchtern Snežana, Melisa und Tanja viele Fragezeichen auf: Seit der Migration nach Wien vor dreißig Jahren, welche die beiden älteren Schwestern als kleine Kinder miterlebt haben, gab es kaum noch Kontakt zur Familie in Serbien; und auch, dass die Mutter aufgebrochen war, um den Bibijako Djive zu feiern, ist verwunderlich, schließlich hatte sie in Wien ihre Identität als Romni geheim gehalten und ihre Töchter ohne Traditionen erzogen. Die drei Schwestern, einander seit Jahren entfremdet, und Snežanas Ehemann Taiye machen sich auf den Weg nach Boljevac, um die Mutter zu beerdigen.
Die deutsche Dokumentarfilmerin und Autorin Nina Gladitz ist tot. Sie verstarb am 26. April im Alter von 75 Jahren in ihrem Geburtsort Schwäbisch Gmünd. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung. Gladitz ist es zu verdanken, dass 1982 einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, dass Leni Riefenstahl internierte Sinti und Roma aus dem NS-Zwangslager Maxglan als Komparsen benutzte (mehr hier).
Später wurden die zum Filmeinsatz gezwungenen Sinti und Roma nach Auschwitz deportiert, nur wenige überlebten. Gladitz hatte in der für den WDR produzierten TV-Dokumentation „Zeit des Schweigens und der Dunkelheit“ über die Umstände der Entstehung des Riefenstahl-Films „Tiefland“ berichtet. Leni Riefenstahl wollte daraufhin die Streichung mehrerer Passagen gerichtlich erzwingen. Gladitz bekam jedoch in fast allen Punkten Recht. Dennoch nahm ihre weitere Karriere durch den Gerichtsstreit erheblichen Schaden, nach eigenen Angaben erhielt die Dokumentarfilmerin vom WDR keine weiteren Aufträge mehr. Zudem darf der Film nach Angaben von Gladitz’ damaligem Anwalt nicht mehr gezeigt werden. Read the rest of this entry »
Die Filmemacherinnen Mona Nicoară und Miruna Coca-Cozma protokollierten in „Our School“ den Aufbruch einer rumänischen Gemeinde aus der Sackgasse der Segregation.Aus Anlass des Internationalen Roma-Tags haben sie das Video für einige Tage freigeschaltet. Empfehlung!
Etwa zur selben Zeit, als in Rumänien die ersten Dreharbeiten zu diesem Film anliefen, ging die Unicef 2007 mit alarmierenden Zahlen an die Öffentlichkeit: Nur zwei von drei Roma-Kindern in Rumänien werden überhaupt eingeschult; und von jenen, die eine Schule besuchen können, landet ein großer Teil in separaten Klassen oder eigenen Schulen. Vor fast fünfzehn Jahren erhielten deshalb dreißig rumänische Gemeinden EU-Mittel, um diesem Missstand zumindest lokal abzuhelfen. Die aus Rumänien stammende und in New York lebende Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Mona Nicoară, die einige Jahre für das European Roma Rights Centre in Budapest gearbeitet hat, nahm den Start eines dieser Reformprojekte zum Anlass, sich dem Thema aus der Perspektive der betroffenen Kinder zu nähern: Für ihr Dokumentarfilmdebüt „Şcoala Noastră“/„Our School“ begleitete sie mit der Koregisseurin Miruna Coca-Cozma und dem Kameramann Ovidiu Marginean drei Roma-Schüler, Ali (8), Beni (12) und Dana (16), vier Jahre lang mit der Kamera und protokollierte den Prozess der „Desegration“ ihrer Schule in Târgu Lăpuş, einem kleinen siebenbürgischen Städtchen.
Dieses charmante Filmdokument einer Zufallsbegegnung während Bob Dylans Englandtour 1965 ist als Extra auf der DVD von „Dont Look Back“ von D. A. Pennebaker (1967) enthalten, als Blu-ray und DVD erschienen in der Criterion Collection.
Wenn man den vielen User-Kommentaren von angeblich Beteiligten und ihren Verwandten und Nachfahren Glauben schenkt, hat die Familie dieses Fundstück im Internet entdeckt – und sich scharenweise auf der Youtube-Seite eingefunden. Dass dieser denkwürdige kleine Moment mit Bob Dylan und Joan Baez als besondere Anekdote in die Familiengeschichte eingegangen ist, wollen wir jedenfalls gerne glauben.
Heute macht sich das „TV Erba“-Team wieder einmal auf den Weg, um einen Beitrag über das Leben von Volksgruppenangehörigen zu gestalten. Halt war diesmal in Oberwart beim „Nostalgiekasperl“. Das Puppenspiel ist eine Kunstform, die von den Schaustellern in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Unser Redakteur Adolf Gussak sprach mit der Person hinter den Puppen. Wir hoffen auf baldige Besserung der aktuellen Situation, sodass Herr Schweizer sein fahrendes Puppentheater bald wieder betreiben kann und sich noch viele Kinder an dieser traditionellen Unterhaltungsform begeistern können.
Adi o dschene andar TV Erba papal upro drom pumen keren, jek film pedar o dschivipe flogoskere grupnakere dschenendar te kerel. Kherodim ulo o “nostalgijakero pojaceri” Erbate. O babukakero khelipe jek kunstakeri forma hi, savi le familijakere dschenendar, usar jek generacija usi kija generacija, prik dim ol. Amaro reporteri Adolf Gussak le dschenoha palo babuki, vakertscha. Read the rest of this entry »
Eine Bozner Sinti-Familie lebt hauptsächlich von der Musik, aber seit Laki, der einzige Geiger, zu einer christlichen Sekte übergetreten ist, kann die Band nicht mehr auftreten. Familienoberhaupt Radames versucht die Gruppe wieder zusammenzuführen und sieht sich dabei mit großen Veränderuvgen der eigenen Traditionen konfrontiert. Der Dokumentarfilm „Das Leben und andere Baustellen“ erzählt von Generationen-Konflikten in der Kultur eines bedrohten Volkes.
Der Filmclub in Südtirol zeigt zusammen mit der Filmschule ZeLIG und dem Filmfestival Bozen kostenlos ein Online-Filmpaket: Im Wochenrhythmus werden Filme von Absolvent/innen der Filmschule ZeLIG gezeigt, dazu jeweils ein Hintergrundgespräch (Anm.: das Gespräch mit Giuseppe Schettino wurde auf Italienisch geführt).
Radmila Mladenova et al. (Hrsg.): Antigypsyism and Film / Antiziganismus und Film, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2020.
Der von Radmila Mladenova, Tobias von Borcke, Pavel Brunssen, Markus End und Anja Reuss herausgegebene Band „Antigypsyism and Film / Antiziganismus und Film“ ist im Buchhandel erschienen und auch online als pdf erhältlich und kann als html-Version gelesen werden: →zum Buch
Der Band dokumentiert die internationale Fachtagung, die der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Kooperation mit der Gesellschaft für Antiziganismusforschung vor der Berlinale im Februar 2018 in Berlin durchgeführt hatte (wir berichteten). Unmittelbarer Anlass war die Ausstrahlung des Films „Nellys Abenteuer“, den der Zentralrat als massiv antiziganistisch kritisiert hatte, der aber gleichwohl von KIKA und SWR gesendet wurde (mehr hier und hier).
Zum Tagungsband: Antiziganismus ist für das europäische Auge so normal, dass kaum jemand auf die Idee gekommen ist zu fragen, warum ‚Zigeuner‘ im Film immer, metaphorisch oder nicht so metaphorisch, als ,schwarz‘ dargestellt werden sollten. Zigeunerfeindlichkeit ist für die Leinwand so selbstverständlich, dass Filmemacher nicht zögern, ihre Wahl mit dramaturgischen Argumenten zu rechtfertigen. Read the rest of this entry »
Dokumentarfilm, AT 2016, 88 min Buch & Regie: Patric Chiha
In der 3sat-Mediathek verfügbar bis 10.12.2020
Abrufbar ab 22 Uhr: →www.3sat.de
Die Roma-Männer sind aus Bulgarien nach Wien gekommen, um dort die Freiheit zu suchen. Letztendlich aber verkaufen sie ihre Körper, weil sie ihr Geld nicht durch Betteln oder kaum rentable Jobs wie das Austragen von Zeitungen verdienen wollen. In der bulgarischen Heimat heiraten Männer wie sie schon mit 16 Jahren und werden Familienväter. Doch die Armut der Verwandtschaft treibt sie ins Ausland, wo sie ihre finanzielle Situation verbessern wollen. In Wien gehen sie zwischenzeitlichen der Prostitution nach, lassen sich von ihren Kunden für ihre Dienste bezahlen und trennen strickt das Berufliche vom Privaten.
Der Film zeigt, wie sich die jungen Männer dem fragilen Rollenspiel des Nachtlebens hingeben und in einem zärtlichen, eitlen, manchmal aggressiven Zusammenhalt arrangieren. „Der Film sollte eine Hommage an diese jungen Burschen sein. Ich wollte, dass sie Helden sind. Ich wollte einen Film, der glänzt. Read the rest of this entry »
Gestern ist das – erstmals online ausgetragene – Roma-Filmfestival „Ake Dikhea?“ (wir berichteten) mit einer live gestreamten Abschlussgala zu Ende gegangen, bei der die diesjährigen Preisträgerfilme bekannt gegeben wurden.
Sar sakova bersh, akale bersheski komisia – Katalin Barsony, Paul Dandos, Rebecca Heiler thay Lisa Smith – ka alosaren Mayshukar Filmi thay Maysuhkar Harno Filmi e festivalesko. Artistikuno thay teknikuno kualiteti khelela rola abokar kobar o socialuno thay politikuno impakti e filmengo. Vash maybut, e publika puqlola vash o gndipe: E Publikaki Poqin popale ka ajukarel vash olake vijayutne pe festivaleski shtarto edicia! Festivalesko Artistikuno Direktori Hamze Bytyçi ka phiravel poqinyengi ceremonia, koya ka sikavgyol live kotar Berlin club SO36. Gilavni, hramarni thay aktora Riah Knight, gilavno, performer thay aktori Lindy Larsson thay muzikantya Janko Lauenberger, Daniel Weltlinger thay Daniel Khan ka amalinen o ovipe e muzika.
Wie jedes Jahr bestimmt auch die diesjährige Festivaljury – Katalin Barsony, Paul Dandos, Rebecca Heiler und Lisa Smith – den „Besten Film“ sowie „Besten Kurzfilm“ des Festivals. Künstlerische und handwerkliche Qualität spielen dabei ebenso eine Rolle wie die gesellschaftliche und politische Wirkung der Filme. Read the rest of this entry »
Dokumentarfilm von Ida Persson Lännerberg, SWE 2019 Eröffnungsfilm des Roma-Filmfestivals „Ake Dikhea?“
Am 19.11.2020, 18 Uhr, online zu sehen (→zum Stream)
Lindy Larsson wuchs in einer kleinen Papiermühlen-Stadt in Südschweden auf. Er wurde nie als der akzeptiert, der er ist. Er war immer anders. Als kleiner Junge war er dünn, mädchenhaft und ohne Freunde. Er floh in eine Fantasiewelt und wurde zu der von ihm geschaffenen Superheldenfigur – Little Light –, einem Jungen, der Licht ausstrahlen konnte. Lindy und seine Familie sind Roma-Travellers, eine Minderheit, die seit dem 16. Jahrhundert in Schweden lebt. Noch heute werden Roma-Travellers von der schwedischen Gesellschaft diskriminiert und erleben Missbrauch und strukturellen Rassismus.