Facts & Figures (451)
November 28th, 2022 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
November 28th, 2022 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
November 26th, 2022 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Geschichte & Gedenken
Polen beruft Zentralratsvorsitzenden Romani Rose in den Internationalen Auschwitz-Rat
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, wurde vom polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki in den Internationalen Auschwitz-Rat berufen, der am 23. und 24. November 2022 erstmalig in der neuen Amtszeit in der Gedenkstätte im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zusammentrat.
Der Zentralratsvorsitzende Romani Rose unterstreicht die Bedeutung, die dem Internationalen Auschwitz-Rat in der aktuellen Zeit zukommt:
„Wir erleben heute wieder wie Nationalisten und Rechtsextremisten in vielen Ländern Europas versuchen die Verbrechen des Holocaust an 6 Millionen Juden und 500.000 Sinti und Roma zu leugnen und zu relativieren. Der Internationale Auschwitz-Rat sieht es als seine Aufgabe jeder Form der Holocaust-Leugnung und Geschichtsverfälschung entgegenzutreten.“
Dem Internationalen Auschwitz-Rat gehören unter anderem Ronald Lauder (Jüdischer Weltkongress, New York), Dani Dayan (Yad Vashem, Jerusalem) und Sara Bloomfield (Holocaust-Gedenkmuseum der Vereinigten Staaten, Washington D.C.) an. Der Rat berät die polnische Regierung in historischen Fragen, auch hinsichtlich der Ausrichtung der Erinnerungsarbeit und der politischen Bildung.
November 24th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
In der Hoffnung auf ein besseres Leben kam Gordana, eine junge serbische Romni, mit ihren beiden Kindern 1987 nach Klagenfurt. Wenig später ermordete ihr Kärntner Ehemann Wilhelm P. die Frau und die Kinder. Er zerstückelte und verscharrte die Leichen. Von den Behörden ernstlich gesucht wurden die verschwundene Mutter und ihre Kinder aber offenbar nie; weitergehende polizeiliche Ermittlungen gab es nicht. Der Gedanke liegt zumindest nahe, dass dies vielleicht auch damit zu tun haben könnte, dass die betroffenen Personen Roma waren. Allzu rasch und bereitwillig hatte die Polizei sich nämlich mit den Erklärungen des Ehemanns (der das plötzliche Verschwinden auf die vermeintlichen Eigenschaften der Roma geschoben haben soll) zufrieden gegeben. Der Mann lebte unbehelligt, bis das Verbrechen 17 Jahre später durch Zufall, bei Bauarbeiten in Klagenfurt, ans Tageslicht kam. Der Delikt-Podcast der Kleinen Zeitung erinnert an das Verbrechen:
Stets hatte [der Ehemann] behauptet, Gordana hätte ihn einfach verlassen, er soll sich herabwürdigend über die Familie und ihre Herkunft geäußert haben, Roma würden das halt so machen, „die sind halt so“. Wilhelm P. spielte den verlassenen Ehemann. Richtig gesucht wurde nach Gordana offenbar nie, die Behörden gaben sich mit der Erklärung P.s 17 Jahre lang zufrieden. Einzig die Mutter Gordanas ließ nicht locker. Sie reiste sogar nach Klagenfurt und nach Wien, um selbst nach Gordana zu suchen – ohne Erfolg. Die Frau sagte später einmal, sie sei nirgends ernst genommen worden.
(dROMa)
November 15th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 14.11.2022 | 9:29 min
Gedenken an die Roma und Sinti in Lackenbach
Uso gondolipeskero than ande Lackenbach suboton le Romenge taj Sintijenge, save le nacijonalsocijalistendar murdarde ule gondolim ulo. Ando bersch 1938 dschivnahi ando Burgenland valami ofto eseri Roma, tschak poar schel Roma ada brigaschno keripe le nacijonalsocijalistendar prik dschivde. But lendar ando bersch 1938 sar agun phenahi ando „Zigeunerlager“ Lackenbach ledschim ule taj mujsinipeskeri buti iste kernahi. Odotar esertscha Roma ando mindenfelitike logertscha ledschim taj murdarde ule. Sajt o bersch deschuenja oftarvar desch taj schtar del le opferenge la flogoskera grupnatar jek gondolipeskero than ando gav Lackenbach.
Bei dem Mahnmal in Lackenbach (Bezirk Oberpullendorf) ist am Samstag der von den Nationalsozialisten ermordeten Roma und Sinti gedacht worden. 1938 lebten im Burgenland rund 8.000 Roma, nur ein paar Hundert überlebten den Rassenwahn der Nationalsozialisten. Read the rest of this entry »
November 8th, 2022 | Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier zu zehn Jahren Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma am 24. Oktober 2022 in Berlin
„Jemand muss sagen, was sie mit den Sinti gemacht haben, damals, die Nazis. Das wissen viele heute immer noch nicht. Aber unsere Menschen sollen nicht vergessen werden! […] Ich will, dass die Welt erfährt, was mit den Sinti passiert ist. […] Ich will, dass sie wissen, wie das ist, weiterzumachen, wenn man alles verloren hat, was einem lieb war.“ In diesen Worten steckt eigentlich schon alles. Sie stammen von Zilli Schmidt, die uns ihre Geschichte erzählt hat, die Geschichte einer deutschen Sintezza.
Zilli Schmidt wurde 1924 als Cäcilie Reichmann geboren, in einem Dorf in Thüringen. Ihre Familie – eine „glückliche Familie“, wie sie immer betont hat – betrieb in der Weimarer Republik ein Wanderkino und handelte mit Geigen. Zilli Schmidt war noch ein Kind, als die Nationalsozialisten an die Macht gelangten. Sie erlebte, wie ihre Familie auf der Straße beschimpft und in Geschäften nicht mehr bedient wurde, wie Verwandte plötzlich verschwanden und nicht mehr wiederkamen. Read the rest of this entry »
Oktober 25th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV
prima! Podcast (Ausgabe März 2022)
Inhaltsangabe auf Spotify: „Kemeten ist eine der wenigen Gemeinden, in denen eine Gedenkstätte an die in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten Romnija und Roma erinnert. Das lange diskutierte Gedenkzeichen wurde am 3. April eingeweiht. Warum gibt es noch immer so wenige Gedenkstätten, die an einstige Romasiedlungen und an ihre vertriebenen und ermordeten Bewohner*innen erinnern? Walter Reiss stellt diese Frage an Gerhard Baumgartner, den wissenschaftlichen Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW). Der bekannte Historiker ist gebürtiger Südburgenländer und gilt als Experte für Geschichte und Erforschung des Schicksals der Volksgruppe der Roma.“
(Text: prima! Podcast)
Oktober 16th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Bayern 2/RadioWissen: Die deutschen Sinti und Roma – Die Geschichte einer Minderheit
Ursprünglich stammen Sinti und Roma aus Indien, von dort aus wanderten sie über viele Jahrhunderte nach Westen. Auf deutschem Boden zunächst geduldet, erklärte man die „Fremden“ bald zu Vogelfreien. Danach kam es immer wieder zu Tötungen und Vertreibungen. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden Sinti und Roma offiziell registriert. Auf diese Akten griffen später die Nationalsozialisten. 1936 gab es den Erlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“. Die massenhafte Ermordung von Sinti und Roma war die Folge.
Das Manuskript zur Folge gibt es hier hier.
Von Maike Brzoska | 22 Min. | 27.9.2022
(Sendung und Text: BR/RadioWissen)
Oktober 11th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 10.10.2022 | 6:06 min
Videjoakero redo usi historija le burgenlanditike Romendar: Anglevakeripe le Walter Reissistar taj Gerhard Baumgartner
Jek serija neve videjo-lecturesendar le ischkolakere sikadipeske, le barengere sikadipeske taj le cile intersirti dschenenge o erschtivar le pradipeske presentirim ol: O erschti Roma ando Burgenland (16. dschi 18. schelberschengero) / hajmatakero tschatschipe taj mirgracija (19. schelberschengero) / tschib taj kultura le Romendar, Sinti taj Lovara / Roma ando historischi filmiskere kveltscha / Roma ojs objektscha obrigkajtschtotlichi taj harengere keriptscha / Roma ando nacijonalsocijalismus (1938 dschi 1945) / O prik dschivde le logerendar (1945 dschi 1965) / kesdipe le internacijonali taj la austrijakera Romengere micinipestar (1968 dschi 1995) / Austijakere Roma adi.
Eine Serie von neun Video-Lectures für den Schulunterricht, die Erwachsenenbildung und alle Interessierte wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Vortrag von Walter Reiss und Gerhard Baumgartner.
→Link/Video-Lectures für den Schulunterricht
(Beitrag und Text: TV Erba)
Siehe auch:
Videoreihe zur Geschichte der Burgenland-Roma, 7.10.2022
Oktober 7th, 2022 | Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen
Videoproduktionen – Geschichte der burgenländischen Roma
Vortrag von Walter Reiss und Gerhard Baumgartner
Veranstaltung der Roma Volkshochschule Burgenland
7.10.2022, 19:00 bis 21:30 in Oberwart
Zentralmusikschule/Ambrosig. 13
Anmeldung: 0664/35 81 489, office@vhs-roma.eu
Eine Serie von neun Video-Lectures für den Schulunterricht, die Erwachsenenbildung und alle Interessierte wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Die ersten Roma im Burgenland (16. bis 18. Jhdt.)/ Heimatrecht und Migration (19. Jhdt.)/ Sprache und Kultur der Roma, Sinti und Lovara/ Roma in historischen Filmquellen/ Roma als Objekte obrigkeitsstaatlicher und polizeilicher Maßnahmen/ Roma im Nationalsozialismus (1938 bis 1945)/ Die Überlebenden der Konzentrationslager (1945 bis 1965)/ Beginn der internationalen und der österreichischen Romabewegung (1968 bis 1995)/ Österreichische Roma heute.
(Ankündigung: erinnern.at)
Oktober 5th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Widerstand – Erinnerung – Versöhnung: Drei Bereiche im Leben des Auschwitz-Überlebenden und ehemaligen polnischen Außenministers Władysław Bartoszewski. Die Ausstellung widmet sich seiner Biografie, indem sie auf diese drei Aspekte aufmerksam macht, die für ihn selbst am wichtigsten waren und den besten Einblick in seine facettenreiche Persönlichkeit geben.
Vom 6.10. bis 14.11. macht die Ausstellung im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg Station. Die Schau wird am 5. Oktober um 19 Uhr in der Bremeneckgasse 2 eröffnet.
Es ist nicht nur erstaunlich, sondern grenzt geradezu an ein Wunder. Denn ausgerechnet die deutsch-polnische Versöhnung wurde für Władysław Bartoszewski (1922–2015) zum Lebensthema. Obwohl er die Gräuel der Nationalsozialisten miterlebte, in KZ Auschwitz verschleppt wurde und sich nach seiner Entlassung am Warschauer Aufstand beteiligte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Intellektuelle und Politiker dann erneut zum Opfer eines totalitären Systems. Vor dem Hintergrund dieser persönlichen Erfahrungen hat er sich bis zu seinem Tode obendrein dem Schutz der Menschenrechte und dem Kampf gegen Rassismus verschrieben. Dabei engagierte sich der ehemalige polnische Außenminister und langjährige politischer Berater auch nachdrücklich für die Rechte der Sinti und Roma.
Gezeigt wird ein Überblick über das Leben und Wirken des international geachteten Brückenbauers, der nicht der nicht dem traditionellen chronologischen Lebenslauf darstellt, sondern jene Themen in den Fokus rückt, die Bartoszewski am wichtigsten waren und die einen spannenden Einblick in seine facettenreichte Persönlichkeit geben. Read the rest of this entry »
Oktober 4th, 2022 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
Oktober 1st, 2022 | Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat einen Zuschlag von 200.000 Euro für die Förderung für den Umbau des Lern- und Begegnungsorts RomnoKher in Mannheim bewilligt. Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg (VDSR-BW) hatte dem Bundestag ein umfangreiches Lern- und Raumkonzept vorgelegt.
Mitten in der Pandemie ist im Mannheimer Sitz des VDSR-BW ein bundesweit einzigartiges Lernzentrum zur Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma entstanden – der außerschulische Lernort RomnoKher. Dieser lässt die kreative Auseinandersetzung mit neuen Sichtweisen auf Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma zum außerschulischen Bildungserlebnis werden. Dabei werden junge Sinti und Roma sowohl als Teilnehmende wie auch als Anleitende maßgeblich einbezogen. Die enge Verbindung von Engagierten aus der Minderheit und etablierten Institutionen ist ein entscheidendes Merkmal dieses Lernorts.
Die innovativen pädagogischen Ansätze des VDSR-BW zum Lernen über Sinti und Roma wurden im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend erinnert“ seit 2020 entwickelt und in der Praxis erprobt. Um angesichts der großen Nachfrage von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen nach diesen Bildungsangeboten gegen Antiziganismus dem wachsenden Raumbedarf gerecht zu werten, hat der VDSR-BW gemeinsam mit Professor Jens Betha von der Hochschule für Technik in Stuttgart und seinen Studierenden ein Konzept für eine kreative Lernumgebung erarbeitet. Die Umsetzung kann nun in Angriff genommen werden.
Am 29. September wurden im Haushaltsausschuss des Bundestages die notwendigen Mittel entsperrt, um das 40 Millionen Euro schwere Förderprogramm KulturInvestBau aufzusetzen. Im Rahmen dessen werden dem VDSR-BW 200.000 Euro für die Neugestaltung des rund 500 Quadratmeter großen Kellergeschosses im Kulturhaus RomnoKher zur Verfügung gestellt. Schülerinnen und Schüler, Jugendgruppen und Erwachsene können dort lernen, Begegnungen erleben und kreativ mitwirken. Auch eine neue Dauerausstellung zur Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland wird mit interaktiven Ansätzen entstehen. Read the rest of this entry »
September 27th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV
In #23 des Podcasts treffen wir Francesco Arman, er ist der neue Sozialdezernent für die Linke in Gießen und Sinto – und zwar der erste in seiner Stadt in diesem Amt. Wir sprechen mit ihm darüber, warum sich die Stereotype gegen Sinti*zze und Rom*nja so hartnäckig halten, über die Verfolgung seiner Familie durch die Nationalsozialisten – und warum es wichtig ist, dass nicht mehr länger die Mehrheitsgesellschaft die Deutungshoheit über Vergangenheit und Gegenwart besitzt. Die Historikerin Karola Fings von der Forschungsstelle Antiziganismus der Uni Heidelberg, Mitglied der Unabhängigen Kommission Antiziganismus des Bundestages, ordnet Francescos Geschichte ein, gibt Recherchetipps und erklärt, warum es so wichtig ist, dass die Gesellschaft endlich mal genau zuhört, wenn es um Verfolgungs- und Diskriminierungsgeschichten geht.
Über diesen Podcast:
Seit 75 Jahren ist der Nationalsozialismus Geschichte – und doch wirkt er bis heute weiter – im eigenen Leben, in den Familien. Der Podcast „gestern ist jetzt“ erzählt von der Suche nach Antworten darauf, wie sich unsere eigenen Großväter im Nationalsozialismus verhalten haben. Und soll auch Dich bei Deiner Suche weiterbringen – dank der Unterstützung vieler Historiker, Sozialwissenschaftlerinnen, Psychologinnen und Archivare – aber und anderer recherchierender Enkel*innen, die schon viel weiter sind als wir. Wir, das sind Melanie Longerich und Brigitte Baetz – zwei Journalistinnen aus Köln.
(Sendung und Text: gesternistjetzt.podigee.io)
September 15th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV
LORA München 92,4 | Auf Kante genäht
Gestaltung: Mike Grosse-Hering | 4.9.2022 | 50:48 min
→Anhören (mp3, 61 MB)
Stell dir vor du, überlebst Auschwitz und keinen interessiert es
Gäste im Studio sind Radoslav Ganev und Rainer Burger. Mt ihnen spricht Radio LORA über:
(Text: freie-radios.net)
Siehe auch:
„Ich habe meine Herkunft verschwiegen“, 24.5.2021
Positive Bilder schaffen: RomAnity.de, 5.8.2020
Radio LORA: Sinti und Roma in München, 13.1.2017
August 30th, 2022 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
August 26th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Gedenken 30 Jahre Rostock-Lichtenhagen
Rede des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Rostock, 25. August 2022
Ganz besonders dankbar bin ich, dass heute Menschen wie Sie, Herr Thinh, und Sie, Herr Richter, hier mit uns zu diesem Gedenken zusammengekommen sind – Menschen, die in jener Nacht vom 24. auf den 25. August 1992 im Sonnenblumenhaus eingeschlossen waren. Wir alle erinnern uns an die Bilder der Flammen, die aus den Fenstern des Hauses schlugen, auf grausame Art bejubelt von tausenden johlenden Menschen davor. Aber Ihre Todesangst, Ihr Gefühl des Verlassenseins in jenen Stunden können wir nur erahnen.
Hinter Ihnen lagen zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Nächte der Furcht. Nächte, in denen Steine in die Wohnungen geflogen waren. Geworfen von jungen Männern aus der hasserfüllten Menge vor dem Haus. Polizisten, viel zu wenige, viel zu schlecht ausgerüstet, hatten die Menschen im Haus, hatten Sie nicht beschützen können. Dutzende Beamte wurden im Einsatz selbst verletzt.
Ich versuche mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss. Jahrelang hatten die ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiter hier in Lichtenhagen friedlich mit ihren Nachbarn gewohnt. Und wie alle Lichtenhäger konnten auch Sie seit Monaten die Menschen sehen, die auf der Suche nach Asyl zur völlig überfüllten Zentralen Aufnahmestelle nebenan kamen. Im selben Haus, einen Aufgang weiter. Sie sahen die Menschen vor dem Haus campieren, viele von ihnen Sinti und Roma. Menschen, die nichts hatten und hier auf alles hofften. Die Lage war desolat. Viel zu wenig geschah, um sie zu verbessern. Und wie jeder in Lichtenhagen, so spürten auch Sie die Spannung, die dann in jenen Nächten in rohe Gewalt und Hass mündete. Am 24. August brachten Busse die Asylbewerber aus dem Wohngebiet.
Dann, am Nachmittag, sammelten sich die Menschen vor dem Sonnenblumenhaus – junge Leute, Schüler, Nachbarn, dazu Rechtsextremisten, die die Situation für sich nutzten. Fernsehteams waren da. Wie auf einem Sportfest habe es ausgesehen, so beschrieben Sie es, Herr Thinh, als die Scheinwerfer sich auf das Haus richteten. Die Ausschreitungen gingen weiter. „Und wir waren drinnen in der Falle“ – so haben Sie es später erzählt.
August 24th, 2022 | Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Zwischen dem 22. Und dem 26. August attackierte ein deutscher Mob ein mehrheitlich von Vietnamesen bewohntes Haus in Rostock-Lichtenhagen. Dieses tagelange Pogrom [das sich zunächst an der rassistischen Hetze gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien entzündete (mehr hier), Anm. dROMa] wurde von einer applaudierenden Menge begleitet, die sich in einer volksfestähnlichen Stimmung befand. Dies waren die heftigsten rassistischen Ausschreitungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte und zugleich ein Ausdruck der Stimmung in Deutschland nach der Wiedervereinigung.
Die Videoproduktion „The Truth lies in Rostock” entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Read the rest of this entry »
August 22nd, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken
Tschechischer Premier Fiala erinnert an Schicksal der Roma aus Böhmen und Mähren
Das traurige Schicksal der aus Böhmen und Mähren stammenden Roma bleibt nicht nur ein tragisches, sondern auch ein weniger bekanntes Kapitel unserer Geschichte. Das sagte der tschechische Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten) am Donnerstag in der Gedenkstätte für die Roma und Sinti in Hodonín bei Kunštát in Mähren (Informationen finden Sie hier). Am Ort wurde des 79. Jahrestags des Transports von 749 Roma ins KZ Auschwitz gedacht. Auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik gab es zwei Konzentrationslager für die Roma – in Hodonín bei Kunštát und in Lety bei Písek (mehr hier). Fiala betonte: „Wenn wir aus der Geschichte eine Lehre ziehen wollen, ist es notwendig, tragische Ereignisse nicht nur als Sätze in den Lehrbüchern zu kennen, sondern sie auch mit konkreten Orten und dem Schicksal von Menschen verbinden zu können.“
Die Leiterin des Museums, Jana Horváthová, erinnerte daran, dass auch Mitglieder ihrer Familie damals nach Auschwitz verschleppt worden sind. Keiner von ihnen sei zurückgekehrt, merkte sie an. Sie erinnerte daran, dass ihr Großvater, der Jurist Tomáš Holomek, schon in den 1970er Jahren eine Kommission gründete, die sich für eine Entschädigung für die Opfer des Roma-Holocausts einsetzte.
(Text: Radio Prague Int.)
August 18th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 entzündete sich zunächst an der rassistischen Hetze gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien. Aus Anlass des 30. Jahrestags veranstaltet das Bündnis „Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992“ am 27. August, 14 Uhr, unter dem Motto „Damals wie heute: Erinnern heißt verändern!“ eine Kundgebung. Im Vorfeld der Demo finden zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema statt. Im Folgenden der Aufruf des Bündnisses:
30 Jahre nach dem rassistischen Pogrom werden wir am 27. August 2022 gemeinsam in Rostock-Lichtenhagen auf die Straße gehen. Denn rassistische Gewalt und institutioneller Rassismus gehen bis heute Hand in Hand. Dem Erinnern muss ein Handeln folgen.
Wir fordern: Den Angriff in Lichtenhagen 1992 als rassistisches Pogrom benennen!
Rostock im August 1992. Im Stadtteil Lichtenhagen werden über drei Tage hinweg Geflüchtete und ehemalige Vertragsarbeiter:innen aus Vietnam angegriffen. Die Polizei schreitet gegen den zeitweise aus mehreren tausend Menschen bestehenden Mob kaum ein und zieht sich schließlich ganz zurück. Die Angreifer:innen werfen daraufhin Brandsätze in das Haus. Mehr als 120 Menschen retten sich über das Dach des Gesbäudes. Bis heute scheut sich die Hansestadt Rostock dieses Pogrom klar als solches zu benennen.
Wir fordern: Rassistische Gewalt benennen und bekämpfen!
Das brennende Sonnenblumenhaus ist bis heute ein Symbol rechter Gewalt. Aber nicht nur hier und nicht nur 1992 werden unzählige Menschen durch rechte und rassistische Gewalt verletzt, getötet und traumatisiert – Lichtenhagen war und ist kein Einzelfall.
Wir fordern: Abschiebestopp und Bleiberecht für Rom:nja und alle Betroffenen rassistischer Gewalt!
Dem Pogrom in Lichtenhagen vorausgegangen ist eine jahrelange Kampagne zur Verschärfung des Asylrechts durch konservative Parteien. Im Nachgang des Ereignisses gab es für Asylsuchende keinen besseren Schutz, sondern Abschiebungen und Lagerunterbringung. Die Asylgesetzverschärfungen trafen wie die rassistische Debatte im Vorfeld besonders Rom:nja. Read the rest of this entry »
August 8th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Arnold Weiß/Jakob Michelsen/Moritz Terfloth/Boris Weinrich: Zwei Welten. Sinti und Roma – Schritte zur Anerkennung als NS-Verfolgte und antiziganistische Kontinuität, hrsg. vom Landesverein der Sinti in Hamburg e. V., Metropol Verlag: Berlin 2022, 280 S.
Zur Arbeit des Landesvereins der Sinti in Hamburg als Interessenvertretung und Anlaufstelle für die Sorgen und Nöte der Menschen gehört es auch, Ursachen und Grundlagen der fortwährenden Diskriminierung und Ausgrenzung unserer Minderheit zu erforschen. „Zwei Welten“ ist der Versuch einer Gegenüberstellung. Einerseits sollen die wahrnehmbaren Fortschritte in der gesellschaftlichen Anerkennung der Sinti als im Nationalsozialismus verfolgte Minderheit in den letzten 70 Jahren gezeigt werden. Dem gegenüber steht die andauernde und systematische Aus- und Beforschung über 1945 hinaus. Für diese Kontinuität steht beispielhaft der Arzt und Professor Hermann Arnold (1912–2005). Er trat das geistige Erbe von Robert Ritters Rassenhygienischer Forschungsstelle an, deren Mitarbeiter:innen während der NS-Zeit, unter anderem in Hamburg, Sinti und Roma beforscht und gequält haben und deren Forschungen die Grundlage für die anschließend erfolgten Deportationen bildeten. Als Wissenschaftler, Amts- und Gefängnisarzt führte Arnold die systematische Erfassung und rassistische Kategorisierung der Sinti und Roma weiter. Anhand ausgewählter Dokumente aus seinem Nachlass im Bundesarchiv werden Arnolds Netzwerke und die Kontinuität der NS-„Zigeunerforschung“ in der Bundesrepublik aufgezeigt.
(Text: metropol-verlag.de)
Die Prüfung der Wiedergutmachungsberechtigung der Zigeuner und Zigeuner-Mischlinge […] hat zu dem Ergebnis geführt, daß der genannte Personenkreis überwiegend nicht aus rassischen Gründen, sondern wegen seiner asozialen und kriminellen Haltung verfolgt und inhaftiert worden ist.“
Das Wiedergutmachungsamt von Württemberg-Baden, 1950; siehe S. 145.
„1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten!“
Vermerk einer norddeutschen Wohnungsgenossenschaft, 2019; siehe S. 197.
(Zit. in: zentralrat.sintiundroma.de)