Holocaust-Autobiografien von Roma (2020)

Mai 3rd, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Universität Wien Katrin Kühnert (2020): „Holocaust-Auto­bio­gra­fien von Roma. Dar­stel­lungs­formen der Ver­fol­gung und Ver­nich­tung wäh­rend des Natio­nal­sozia­lis­mus“

Masterarbeit, Universität Wien (Philo­lo­gisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fa­kultät), 108 S.

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Abstract:

Der Holocaust spielt als geteilte Leidenserfahrung nicht nur für die kollektive Gruppen­identität der Roma eine bedeu­tende Rolle, son­dern ist auch bis heute das domi­nierende Thema ihres Schreibens. Die Literatur dieser größ­ten ethnischen Minder­heit Europas ist dabei häufig autobiografisch be­ein­flusst, im deutsch­sprachigen Raum stellt die Autobiografie gar die domi­nierende Äuße­rungs­form dar. Während Juden und Jüdin­nen bereits während des NS-Massen­mordes begin­nen, ihre Ver­folgungs­erfahrungen auf­zu­zeichnen, und somit beim späteren Schreib­beginn der Roma schon etablier­te Standards be­stehen, folgt ihr Erzählen diesen nicht durch­gängig, sondern es ent­steht ein eigenes Narrativ, über den NS-Genozid zu berichten. Die vor­liegende Arbeit iden­tifiziert mittels qua­litativer Text­analyse typolo­gische Analogien auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene in fünf Auto­biografien von Holo­caust-Über­lebenden. Der Text­korpus setzt sich aus Ilona Lackovás A false dawn (1997, Slowa­kei/Tschechien), Otto Rosenbergs Das Brennglas (1998, Deutschland), Mongo Stojkas Papierene Kinder (2000, Österreich), Edward Dębickis Totenvogel (2004, Polen) und Zoni Weisz’ Der vergessene Holocaust (2016, Nieder­lande) zusammen. Die oft­mals vor­ge­nommene Ein­grenzung auf einen Sprach­raum wird be­wusst unter­lassen, um Ansätze für all­gemein­gültige Gesetz­mäßig­keiten zu eruieren. Obwohl die NS-„Zigeu­ner­verfolgung“ geo­grafisch und macht­politisch ver­schieden um­gesetzt wurde und sich so Dif­ferenzen auf Hand­lungs­ebene ergeben, lassen sich domi­nierende Über­ein­stimmungen in allen drei Ab­schnitten – dem Leben vor, während und nach dem Holocaust – in den analy­sierten Texten fest­stellen.

As a shared experience of suffering, the Holocaust not only plays an im­portant role in the collective group identity of the Roma but is also the dominant subject of their writing to this day. The literature of this largest ethnic minority in Europe is often auto­biographi­cally influenced; in German-spea­king countries, autobiography is in fact the main literary form of ex­pression. While Jews already began to record their expe­riences of per­secution during the Nazi mass murder, and therefore, estab­lished standards already existed when the Roma started their writing later, their nar­rative does not follow these stan­dards con­sistently, but instead creates their own narrative about the Nazi genocide. This paper iden­tifies typological analogies on the linguistic and content level in five auto­bio­graphies of Holocaust survivors using qua­litative text analysis. The text corpus consists of Ilona Lacková’s A false dawn (1997, Slovakia/Czechia), Otto Rosenberg’s Das Brennglas (1998, Germany), Mongo Stojka’s Papierene Kinder (2000, Austria), Edward Dębicki’s Totenvogel (2004, Poland) and Zoni Weisz’s Der vergessene Holocaust (2016, the Netherlands). The fre­quent limi­tation to one language area is inten­tionally omitted in order to find approaches for generally appli­cable regu­larities. Although the Nazi “Zigeuner­verfolgung” varies both geo­graphically and power poli­tically, resulting in diffe­rences at the level of action, dominant simi­larities in all three sections – life before, during and after the Holo­caust – can be iden­tified in the analysed texts.

Hochschulschrift (Masterarbeit); Betreuer: Achim Hermann Hölter

u:theses ist das Hochschulschriften-Repositorium der Universität Wien, das seit 2008 sämt­li­che positiv be­urteilten wissen­schaftlichen Abschluss­arbeiten der Uni­versität Wien ver­zeichnet. Ein Groß­teil der Arbeiten steht als PDF der Öffent­lichkeit zur Ver­fügung.

Quelle: utheses.univie.ac.at/detail/56543/

Weitere Abschlussarbeiten:
„Das Bild der Zigeunerin“ (2017), 19.4.2019
„Ich nenne es banken“ (2017), 4.3.2019
„Betteln als Performance“ (2018)
, 25.2.2019
Betteldebatte: Rassismus in Salzburger Medien­
, 27.11.2017
„An den Grenzen der Hoffnung“ (2016)
, 18.8.2017
E-Theses: Gegenöffentlichkeit der Roma (2015)
, 21.10.2016
„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012), 9.10.2016
Birgit Fuchs: Bettelverbote in Österreich
, 17.12.2015
E-Theses: „Für die öffentliche Sicherheit“ (2012), 30.11.2013

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