Rassismus & Menschenrechte

Zentralrat erneuert Kritik an Kinderfilm

Oktober 27th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Screenshot aus Nellys AbenteuerZentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert Vorwurf des Antiziganismus gegen den Film „Nellys Abenteuer“. SWR zeigt sich uneinsichtig gegen berechtigte Kritik

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert seine Kritik ge­gen den Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ (wir be­rich­te­ten), den der SWR jetzt vor­ge­zo­gen aus­strahlen will. Der Zentral­rat hatte am 14. Sep­tem­ber 2017 ein Fach­gespräch in Berlin ver­anstaltet, an dem Ver­treter der Film­industrie, der Film­förde­rung sowie Wis­sen­schaft­ler und Jour­na­lis­ten teil­ge­nom­men hatten. Ver­tre­ter des SWR so­wie die Autoren und Be­tei­lig­ten der Film­pro­duk­tion wa­ren der Ein­ladung nicht ge­folgt. Auf der Grundlage des vom Zentralrat in Auftrag ge­ge­be­nen Gut­achtens von Pavel Brunßen, Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Berlin, teil­ten die Teil­nehmer der Gesprächs­runde im Wesent­li­chen die Vor­würfe des Zentral­rates. Der Film gebe An­lass, so­wohl in den Gre­mien der staat­li­chen Film­för­de­rung als auch bei­den Film­schaf­fen­den selbst über die Ethik des Filme­machens über Sinti und Roma nach­zu­denken. Dass die Re­pro­duk­tion von anti­ziga­nis­ti­schen Stereo­typen, wie sie in Nellys Abenteuer er­folgt, auch noch mit nahe­zu einer Mil­lion Euro Steuer­gelder fi­nan­ziert wurde und jetzt auch noch im öffent­lich-recht­li­chen Fernsehen, wie­derum fi­nan­ziert aus öf­fent­li­chen Geldern, ge­sen­det werden soll, sei kaum nach­voll­zieh­bar, re­sümier­te Romani Rose für den Zentralrat.

Während dieses Fachgesprächs wurde von den Teilneh­mern bis in die Details der Kamera­füh­rung hinein auf­ge­zeigt, wie die anti­ziga­nis­ti­schen Bilder um­ge­setzt wur­den: z.B. dokumen­ta­ri­sche Kamera / Hand­kamera, wenn Roma ge­zeigt werden, ver­sus Spielfilm­kamera / Stativ­kamera, wenn Nelly oder ihre Fa­milie auf­treten. Gera­de die Be­haup­tung der Filme­macher, es sei doch ein Spielfilm, der künst­le­ri­sche Frei­heit rekla­mie­ren könne, wird durch den gleich­zei­ti­gen An­spruch auf doku­men­ta­ri­sche Authen­ti­zität kon­ter­ka­riert. Wäh­rend die Figur der Nelly durchaus eine Ent­wick­lung durch­läuft, blei­ben die Roma-Fi­gu­ren sta­tisch, auch am Ende des Films blei­ben sie als Kri­mi­nel­le stehen.

Nellys Abenteuer stigmatisiert Roma als Kriminelle und Diebe. Im „Päda­go­gi­schen Begleit­mate­rial“ für Schulen wer­den die beiden wich­tigsten Roma-Fi­gu­ren, Roxana und Tibi, je­weils als kri­mi­nell vor­ge­stellt : „Roxana ist 15 Jahre alt … Sie verdient ihr Geld mit ihrem Bru­der durch Taschen­dieb­stahl. … In einem Jahr soll sie ver­hei­ra­tet wer­den – mit dem Sohn von Hokus.“ Read the rest of this entry »

RomaRespekt #15: De La Negra

Oktober 25th, 2017  |  Published in Jugend & Bildung, Musik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #15: De La Negra – Romano-Hip-Hop in Tschechien

Sendung vom 4.3.2017: Die tschechische Romano-Hip-Hop-Band De La Negra war im April 2016 zu Gast im Fest­spiel­haus Hellerau in Dresden. Neben einem Kon­zert war die Band zu einem Interview durch Dresd­ner Jugend­liche ein­ge­la­den. Sie stell­ten ihnen Fragen, hinter­fragten ihr Bild von den Roma, be­schäf­tig­ten sich inten­siv mit Anti­romais­mus. Dazu gibt es Hin­ter­grund­infor­ma­tio­nen zur Band. Außer­dem hört Ihr eini­ge Tracks von dem Konzert, das De la Negra dort ge­ge­ben haben. (Bandfoto: ecoleusti.wordpress.com)

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Antiziganismus und Polizei

Oktober 24th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Antiziganismus und PolizeiarbeitMarkus End: Antiziganistische Ermittlungsansätze in Polizei- und Sicher­heits­behörden

Kurzexpertise im Auftrag des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Hei­del­berg, Okto­ber 2017 (48 S.)

Download: “Antiziganismus und Polizei” (PDF, 725 KB)

Antiziganismus gehört zu den am weites­ten ver­brei­te­ten und gesell­schaft­lich am tiefsten ver­anker­ten For­men rassisti­scher Vorurteile in Deutschland. Sinti und Roma sind in be­son­de­rem Maße dem Risiko von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt. Be­son­dere Proble­me be­ste­hen im Be­reich der Polizei­ar­beit. „Racial Profiling“ durch Po­li­zei­beamte/in­nen ge­hört zu den am häu­figsten wie­der­keh­ren­den Dis­krimi­nie­rungs­er­fah­run­gen für An­ge­höri­ge der Minder­heit. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma hat zu diesem Thema eine Studie mit dem Titel „Anti­ziganis­mus in der Polizei –Formen eth­ni­scher Kate­go­ri­sie­rung von Sinti und Roma durch Polizei und an­de­re Exe­kutiv­be­hör­den des Bun­des und der Länder“ in Auf­trag ge­ge­ben. Gemein­sam mit der Anti­diskri­mi­nie­rungs­stelle des Bundes hat der Zentral­rat am 17. Ok­to­ber 2017 in Berlin die Er­geb­nis­se der von Dr. Markus End er­stell­ten Expertise der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt und über Lö­sungs­stra­te­gien dis­ku­tiert.

(Text: Zentralrat)

RomaRespekt #13: Roma in Tschechien

Oktober 20th, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomaRespekt: TschechienRadio RomaRespekt #13: zur Situation der Roma und Romnja in Tschechien

Sendung vom 3.12.2016: In dieser Sendung hört Ihr meh­re­re Bei­träge, die im April und Mai 2014 ent­stan­den sind. Sie beschrei­ben die Situa­tion der Roma und Romnja in Tsche­chien in­ner­halb etwa der letz­ten 15 Jahre. Diese Situa­tion hat sich seit 2014 leider nicht we­sent­lich ge­än­dert. Ihr hört einiges zur Dis­kri­minie­rung der Roma in Tsche­chien: Alltags­diskrimi­nierung, struk­turel­le Dis­kri­mi­nie­rung und institu­tio­nel­len Ras­sis­mus, zur Dis­kriminie­rung spe­ziell im Bildungs­system, zur me­dia­len Bericht­erstat­tung über Roma und Romnja in Tschechien, zu den Aktivi­tä­ten rechts­radi­kaler Mobs und wie sie den Rassismus der Mehr­heits­tsche­chen/in­nen gegen­über Roma be­feuern, zur schwie­ri­gen Wohn­situation und zur Dis­krimi­nie­rung auf dem Arbeits­markt. Aber es gibt auch ein Inter­view zum Roma-Ak­tivis­mus und zur Eman­zi­pa­tion der tschechi­schen Roma und Romnja.

Playlist #13:
Syndrom Snopp: Klasik, Apokalypsa

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Ausstellungskatalog „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit“

Oktober 8th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Cover des AusstellungskatalogsZentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma/45 years of civil rights work of German Sinti and Roma, Katalog zur Ausstellung, Heidelberg 2017, 92 S.

Der Katalog kann online heruntergeladen oder aber über das Büro des Zentralrats bestellt werden.

Bereits in den 1950er Jahren versuchte eine Gruppe deutscher Sinti, die Haupt­ver­ant­wort­li­chen des Völker­mor­des an Sinti und Roma in Euro­pa vor Gericht zu brin­gen – lei­der erfolg­los. Es gab im Nach­kriegs­deutschland kei­ne ein­zige ge­sell­schaft­li­che oder poli­tische Insti­tu­tion, die Sinti und Roma nach dem Holocaust unter­stützt hätte. Heute, im Jahr 2017, ist der Völkermord an­er­kannt. In Berlin steht das Denkmal für die im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas di­rekt neben Reichstag und Bran­den­bur­ger Tor. Sinti und Roma sind als natio­na­le Minderheit an­er­kannt.

Jeder einzelne Erfolg der Bürgerrechtsarbeit musste ge­gen mas­sive Wider­stände in Politik, Ver­waltung und Gesell­schaft in zum Teil jahr­zehnte­langer Aus­einan­der­setzung durch­ge­setzt wer­den. Ohne die Unter­stützung vieler ein­zel­ner Per­sön­lich­kei­ten, ohne die Unter­stützung von zivil­gesell­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen und ins­beson­dere der Medien wäre der Erfolg der Bür­ger­rechts­arbeit nicht mög­lich ge­wesen.

Unsere Ausstellung ist deshalb all den Sinti und Roma ge­widmet, die sich nach dem Ende des NS-Re­gi­mes in Deutschland und in Europa für die Rechte un­se­rer Minder­heit ein­ge­setzt haben und eben­so all den Freunden und Un­ter­stüt­zern, ohne die unse­re Bür­ger­rechts­arbeit nicht die An­erken­nung ge­fun­den hätte, die heute er­reicht wor­den ist. Diese Aus­stel­lung ist ebenso den jungen Menschen ge­widmet, die diesen Weg, der noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen ist, wei­ter ge­hen wer­den.

(Aus dem Vorwort von Romani Rose)

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„Protestantismus und Antiziganismus“

September 27th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft

Gutachten "Protestantismus und Antiziganismus" in Deutschland (2017)Verena Meier: Gutachten zum Forschungsstand zum Thema „Protes­tan­tis­mus und Anti­ziga­nis­mus“. Gutachten im Auf­trag des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma, Hei­del­berg 2017.

>>Download (pdf)

Die Rolle von Kirchen – insbesondere der evangelischen Kirchen und ihrer Ver­tre­ter und Ver­tre­terin­nen – stellt ein gro­ßes Desiderat in der Anti­ziganis­mus­forschung und den Romani Studies dar. Dies­es wis­sen­schaft­liche Gut­achten gibt einen Über­blick über be­reits vor­liegende Zu­gän­ge und Studien. Er­geb­nisse und weite­re Forschungs­lücken wer­den dabei in Be­zug auf „Protes­tan­tis­mus und Anti­ziganis­mus“ in Deutschland auf­ge­zeigt. Der Über­blick er­folgt in chrono­lo­gi­scher Abfolge, be­ginnend mit der Re­for­ma­tion bis hin zur Zeit nach dem Zwei­ten Weltkrieg und dem er­in­ne­rungs­kultu­rel­len Um­gang mit der Ver­gangen­heit. Der­zeit fehlt es an über­grei­fen­den und syste­ma­ti­schen Studien. Den­noch geben die bereits vor­lie­genden Unter­suchun­gen zu bestimm­ten geo­grafi­schen und zeit­lichen Kon­texten be­reits einen Ein­druck von den über­grei­fen­den Ver­flech­tun­gen zwi­schen Ver­tre­tern der evangeli­schen Kirche und anti­ziganis­ti­schen Ten­denzen.

Abstract: Research Report on the State of Research on the Topic of “Protestantism and Antigypsyism”

The role of churches – Protestant churches and their repre­sen­tati­ves in par­ticular – in antigypsyist ten­dencies is a major desidera­tum in research on anti­gypsyism and Romani studies. The fol­lowing re­search report gives an over­view of existing research approa­ches and studies. Their fin­dings and further research gaps are high­lighted in relation to “Protestan­tism and Antigypsyism” in Germany. Read the rest of this entry »

Rassismus im Kinderkanal

September 24th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Screenshot aus Nellys AbenteuerZentralrat Deutscher Sinti und Roma appelliert an KIKA und SWR: anti­ziga­nis­ti­schen Kinder­film „Nellys Abenteuer“ nicht senden

Der Film enthält nach Auffassung des Zentralrats mas­si­ve anti­ziga­nis­ti­sche Kli­schees und Stereo­type, die ihn völ­lig un­ge­eig­net für die Ziel­gruppe von Kindern machen. Die päda­go­gi­sche Alters­empfeh­lung empfiehlt den Film für Kin­der von neun Jahren an und für die drit­ten Schul­klassen. Bei der Fach­ta­gung „Antiziganismus und staat­liche Film­förde­rung“ in Berlin am 14. Sep­tem­ber stellte der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma das Gut­achten von Pavel Brunßen, Tech­nische Uni­ver­sität Berlin, vor. Im Er­gebnis der detail­lier­ten Film­analy­se heißt es:

In Nellys Abenteuer werden Roma durch­ge­hend als fremd und anders dar­gestellt. Dies ist kon­zep­tio­nelle Grund­lage des Films: Es soll ein schar­fer Kontrast zwi­schen den ‚eckig‘ den­kenden Deutschen und den ‚frei­heits­lie­ben­den‘ Roma her­gestellt werden. Die Hand­lungen und Eigen­schaften der Roma im Film er­folgen ent­lang ein­schlä­gi­ger anti­ziganis­ti­scher Topoi: Roma er­scheinen dem­nach als Klein­kriminelle, Trick­betrüger, Bettler, beim Auf­führen ‚tra­ditio­nel­ler‘ Tänze, als Kindes­ent­führer usw. Roma in anderen Lebens­situa­tio­nen, wie etwa in ‚regu­lä­ren‘ Be­rufen oder als Stu­die­rende, werden im Film nicht ge­zeigt. […] Hän­gen bleibt jedoch das Bild von den krimi­nel­len, un­zivili­sier­ten, dis­ziplin­losen und trieb­gesteu­erten Roma, die keine Moral ken­nen. Vor diesem Hinter­grund ist es als be­son­ders kri­tisch zu be­werten, dass der Film im Fernseh- oder Kino­programm auf­ge­nom­men wird und als Bil­dungs­material für Kinder und Jugend­liche ver­wendet wervden soll. Die stereo­typen Dar­stel­lun­gen des Films setzen sich im be­glei­ten­den Bildungs­mate­rial fort und pro­vo­zie­ren pau­scha­li­sie­rende und essentia­lisie­rende Aus­sagen über Roma. (S. 19)

Prof. Urs Heftrich von der Universität Heidelberg konsta­tierte in sei­nen An­mer­kun­gen zum Film, dass antiziganistische Kli­schees nicht auf­gelöst, son­dern im Ge­gen­teil ze­men­tiert würden:

Nellys Abenteuer präsentieren die Roma, über ihre Charak­te­ri­sie­rung als noto­ri­sche Taschen­diebe hinaus, als Hand­langer zu einem Ver­brechen, das nach § 239a StGB mit ‚Freiheits­strafe nicht unter fünf Jah­ren be­straft‘ wird: ‚Erpres­se­ri­scher Menschen­raub‘. Dass der Master­mind hinter diesem Plot kein Rom ist, dass dieser Master­mind (so Prof. Becker in seinem State­ment) die Er­wartung, Roma neig­ten zur Kindes­ent­führung, in seinen Plot ein­kal­ku­liert und dass Nelly zu­letzt mit Hilfe eines jungen Rom ge­rettet wird – all dies ändert nichts an der Tat­sache, dass Roma (spe­ziell Romamänner) im Film die­jenigen sind, die das Ver­brechen real durch­führen. Read the rest of this entry »

„Wenn nicht sogar sehr“

September 22nd, 2017  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

cover idicVor zehn Jahren 2.000 Mal (aus)verkauft. Jetzt online:

Semra Idic: Wenn nicht sogar sehr
Meine Geschichte unserer verhinderten Abschiebung

Vor zehn Jahren kam Semra Idic zu einem Praktikum in die Redak­tion der Düsseldorfer Stra­ßen­zei­tung fiftyfifty. Die jun­ge Romni und ihre Familie soll­ten in ein Elends­dorf nach Südserbien ab­ge­scho­ben wer­den. Dabei haben die 17-jäh­rige Semra und ihre drei Ge­schwis­ter dieses Dorf nie ge­sehen. Sie waren vor­bild­lich in­tegrier­te Kinder vor­bild­li­cher Eltern. fiftyfifty hat zu­sam­men mit einem breiten Bünd­nis die Ab­schie­bung ver­hin­dert sowie die Flücht­lings­hilfe „STAY!“ mit­gegrün­det. Und Semra hat ein Buch geschrie­ben, das schnell ver­griffen war und nun online zu lesen ist.

Günter Grass, der sich mit einer eigenen Stiftung und einem Buch („Ohne Stimme – Reden zu­guns­ten des Volkes des Roma“) zeit­lebens sehr für Roma ein­gesetzt hat, steuer­te das Vor­wort zu Semras Buch bei – eine kleine Sen­sa­tion, die half, den Titel 2.000-mal zu ver­kaufen.

Das komplette Buch inkl. eines ausführlichen Anhanges fin­den Sie hier als PDF.


Neu in der Hamburger Schule

September 16th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte


Trailer: Alles gut – Ankommen in Deutschland
Dokumentarfilm von Pia-Luisa Lenz
95 Min., Deutschland 2017

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RomaRespekt #7: Abschiebung

September 15th, 2017  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #7: Abschiebung

Sendung vom 4.6.2016: Radio RomaRespekt #7 berich­tet über eine Ab­schie­bung von Men­schen aus Riesa (Sachsen), danach gibt es ein Interview von Ju­gend­li­chen des säch­si­schen Roma-Vereins ‚Romano Sumnal‘ mit dem Leipziger Ver­wal­tungs­bür­ger­meis­ter Ulrich Hörning. Er wur­de gefragt, wie die Stadt Leipzig Roma und Romnja unter­stützten könn­te, die von Ab­schie­bung in „siche­re Her­kunfts­länder“ be­droht sind.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Rassistische Wahlplakate in Deutschland

September 13th, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

NPD-PlakatStellungnahme des Deutschen Instituts für Men­schen­rechte:

Ras­sis­ti­sche Wahl­pla­kate müs­sen ab­ge­hängt wer­den, NPD-Pa­role ist nicht von der Mei­nungs­frei­heit ge­deckt.

Nach aktuellen Medienberichten hat die NPD in Ingolstadt – wie auch in an­de­ren Städten – Wahl­plakate mit der Parole „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ auf­ge­hängt. In den Kom­mu­nen wird nun dis­ku­tiert, ob die Plakate ent­fernt werden müs­sen. Das Institut hat in einer (…) Stellung­nahme dar­gelegt, dass die ört­lich zu­stän­di­gen Behör­en die Wahlplakate un­ver­züg­lich ab­hängen müs­sen. Grund ist die grund- und men­schen­recht­liche Schutz­pflicht des Staates vor rassis­ti­schen An­grif­fen; die NPD-Parole ist nicht durch die Mei­nungs­frei­heit ge­deckt. Zum gleichen Schluss kommt auch ein Rechts­gutachten zum Um­gang mit rassisti­schen Wahl­kampf­plakaten vom Ok­to­ber 2015, dass das deutsche Bundes­minis­te­rium der Justiz und für Verbraucher­schutz in Auf­trag ge­ge­ben hat.

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NPD-Plakate: Zentralrat kritisiert Untätigkeit

September 13th, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

NPD-PlakatAussendung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:

Zentralrat kritisiert Untätigkeit der Stadt Ingolstadt gegenüber rassistischer NPD-Wahlwerbung

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, wirft der Stadt Ingolstadt vor, mit ihrer Rechts­auf­fas­sung die An­ge­hö­ri­gen der natio­nalen Minder­heit von Sinti und Roma pauschal aus der deut­schen Rechts­gemein­schaft aus­zu­gren­zen. Die Stadt Ingol­stadt lässt ak­tuell NPD-Plakate mit der Parole „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ ent­ge­gen den ge­setz­li­chen Vor­gaben hän­gen. In einem Artikel im Blick­punkt Ingol­stadt in der Aus­gabe vom 1./2. Sep­tem­ber 2017 begründen der Rechts- und Bau­refe­rent der Stadt dies damit, dass keine Mög­lich­keit zur Ent­fernung der Plakate be­stün­de, da dieses Wahlplakat bereits ge­richt­lich über­prüft worden sei. Mit einer der­arti­gen Argu­men­ta­tion und der zugrun­de­liegen­den Logik wäre auch der Slogan „Kauft nicht bei Juden!“ wieder zu­lässig, so Rose, beide Slogans würden Per­sonen­gruppen pau­schal und mit der gleichen zu­grunde­liegen­den Logik aus der Rechts­gemein­schaft aus­grenzen.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wirft der Stadt Ingolstadt vor, mit ihrer Un­tätig­keit gegen be­ste­hen­des Recht und Gesetz zu ver­stoßen, ins­beson­dere gegen das Rahmen­über­ein­kom­men zum Schutz natio­na­ler Minder­heiten des Europa­rates und der Anti­rassis­mus-Kon­vention der Ver­ein­ten Nationen.

Wegen der damaligen Entscheidungen der Verwaltungsgerichte hatte das Bun­des­minis­terium der Justiz und für Ver­braucher­schutz ein 2015 Rechts­gutachten über den ‚Um­gang mit rassis­ti­schen Wahl­kampf­pla­ka­ten der NPD‘ in Auf­trag ge­geben, das von Prof. Dr. Stefanie Schmahl, LL.M. (E) an der Uni­versi­tät Würzburg er­stellt wurde.  Das Gut­achten führt aus, dass für die Bundes­re­publik Deutschland neben dem Grund­gesetz und den ein­schlä­gi­gen Straf­ge­setzen vor al­len Dingen die inter­natio­na­len Vor­schriften aus men­schen­recht­lichen Über­ein­kommen gel­ten und dass an diese Vor­schriften die Staats­anwalt­schaften und die Gerichte ge­bun­den sind.

Im Gutachten wird der antiziganistische und rassistische Gehalt der NPD-Wahl­plakate ein­deutig fest­gestellt. Read the rest of this entry »

Brüssel hält Roma-Bericht unter Verschluss

September 12th, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Roma-Camp in Rom (Foto: Ö1)

Financial Times: EU-Kommission hält brisanten Bericht über Italiens Roma-Politik seit über ein­einhalb Jah­ren unter Ver­schluss

Laut einem Bericht der Financial Times emp­fiehlt das nicht ver­öf­fent­lich­te EU-Papier, Straf­maß­nah­men gegen Italien zu er­grei­fen, um gegen die anhaltende sys­te­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung der Roma-Min­der­heit vor­zu­gehen. Die EU-Kom­mis­sion habe auf­grund der an­ge­spann­ten Be­zie­hun­gen zur italie­ni­schen Regie­rung jedoch die Ver­öffent­li­chung des Berich­tes wieder­holt ver­hin­dert, um einen „schä­di­gen­den öffent­li­chen Streit“ mit dem Mitglieds­staat zu ver­meiden. Schon 2014 hatte die EU-Kom­mis­sion Italien in einem Schreiben ein Vertrags­ver­letzungs­ver­fahren we­gen der (über Jahre auf Grund­lage des so­genannten „Noma­den-Plans“ be­trie­be­nen) Poli­tik der Segregation der Roma-Be­völ­ke­rung angedroht.

Der bereits seit Jahres­beginn 2016 zurück­be­hal­tene Bericht befasst sich mit der Dis­krimi­nie­rung von Roma in der Woh­nungs­politik. Tau­­sen­de Roma leben in Italien in Con­tai­ner-Sied­lun­gen und Behelfs­unter­künf­ten; im­mer wieder kommt es zu Zwangs­räu­mun­gen, viel­fach ohne die Be­trof­fe­nen zu kon­sul­tie­ren und ihnen Ersatz­unter­künfte an­zu­bieten. Schon seit Langem fordert Amnesty International daher die Einleitung eines EU-Verfahrens gegen Italien wegen des Verstoßes gegen die Gleich­behand­lungs­richt­linien. Read the rest of this entry »

Kulturfremde Völker, Schweine, Marionetten

September 10th, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

AfD-Frontfrau Weidel beim AfD-Bundesparteitag 2017 (Foto: Olaf Kosinsky)Angebliches rassistisches E-Mail von AfD-Frontfrau Weidel aufgetaucht

Der deutsche Bundestagswahlkampf hat seinen Rassismus­skandal. Die Spitzen­kan­di­da­tin der natio­na­lis­ti­schen Partei „Alter­na­tive für Deutschland“, Alice Weidel (38), soll in einem pri­va­ten E-Mail Araber und Sinti und Roma als „kultur­fremde Völker“, von denen „wir“ „übersch­wemmt“ wür­den, be­zeich­net haben. Zu­dem habe die AfD-Po­li­ti­ke­rin in dem Schrei­ben Angela Merkels Re­gie­rung als „Schweine“ und „Mario­net­ten der Sieger­mächte“ des Zwei­ten Welt­kriegs ver­un­glimpft. Diese hät­ten „die Auf­gabe, das dt Volk klein zu halten indem mole­ku­lare Buerger­kriege in den Bal­lungs­zentren durch Ueber­frem­dung in­du­ziert wer­den sollen“, heißt es im Ori­gi­nal­wort­laut.

Publik gemacht hat das brisan­te E-Mail die Zei­tung „Welt am Sonn­tag“, weil es „rassis­ti­sche Be­mer­kun­gen und die De­mokra­tie ver­ach­tende Thesen“ ent­halte. Laut An­gaben der Zei­tung sei das Schrei­ben mit 24. Febru­ar 2013 da­tiert und stam­me dem ehe­ma­li­gen Be­kann­ten­kreis der nun­meh­ri­gen AfD-Po­liti­ke­rin in Frank­furt am Main. Das E-Mail sei somit zu einer Zeit ver­fasst wor­den, als sich Weidel für den AfD-Vor­läu­fer „Wahl­al­ter­na­tive 2013“ zu en­ga­gie­ren be­gann.

Die AfD bestreitet die Vor­würfe und bezeich­net das Schrei­ben als „Fälschung“. Laut „Welt am Sonntag“ ver­such­te Weidel, die Ver­öf­fent­li­chung des ras­sisti­schen E-Mails zu stop­pen, und schal­tete ihre An­wälte ein.

Umfragen zufolge wird die rechts­popu­lis­ti­sche Partei bei den Wahlen am 24. Sep­tem­ber 2017 als dritt­stärkste Kraft in den Bundes­tag ein­zie­hen.

(dROMa)

Bettellobby jetzt auch in Dresden

September 6th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Betteln ist kein Verbrechen (Foto: G. Kraftschik CC-BY)Österreichs Bettellobbys machen Schu­le: Ak­ti­vis­ten grün­den Bettellobby in Dresden.

In Dresden hat sich eine Bettellobby gegründet. Das Netz­werk be­steht aus ver­schie­de­nen Ini­tia­ti­ven, u.a. der Gruppe gegen Anti­romaismus, dem Flücht­lings­rat Sachsen, der gruppe polar, RomaRes­pekt, Romano Sumnal – Verein für Roma in Sachsen sowie der FAU Dresden, und möch­te nach dem Vor­bild der Bettellobby Wien eine Gegen­stimme in der gegen­wär­ti­gen Dis­kus­sion um das ge­plante Bettel­verbot sein.

Die Bettellobby Dresden kritisiert die Debatte als auto­ri­tär und dis­kri­mi­nie­rend gegen­über Armen und ins­beson­dere Roma. Der­zeit steht das Verbot von Betteln mit und durch Kinder zur De­batte. Offen­bar ist aber den Akteuren, die sich für ein Verbot aus­spre­chen, wie etwa Ord­nungs­bür­ger­meis­ter Sittel, nicht vorder­gründig am Kindeswohl ge­legen, son­dern viel­mehr werden bettelnde Men­schen als stö­rend empfun­den. Nicht anders lässt sich das Interview inter­pre­tie­ren, das Sittel der Säch­si­schen Zeitung gab, in dem er ganz offen seine Hoff­nung for­mu­lierte, mit dem Ver­bot eine „ört­liche Ver­drän­gung in ande­re Städte“ zu er­reichen.

Die Bettellobby hingegen hat sich zum Ziel gesetzt, Bettelverbote in Dres­den zu ver­hin­dern. Das Netz­werk solida­ri­siert sich mit Men­schen, die betteln müs­sen, und be­tont, dass Betteln zu können, die eigene Not zu äußern, ein Menschen­recht dar­stellt. Um das Men­schen­recht den­noch ein­schrän­ken zu können, greifen Stadt­ver­wal­tun­gen zum Instru­ment der Polizei­ver­ord­nung. In der neu­en Verordnung, die dem Dresd­ner Stadtrat am 19. Sep­tem­ber zur Dis­kus­sion vor­ge­legt wer­den soll, heißt es: „Wer in Beglei­tung eines Kindes bet­telt oder Kinder betteln lässt“, be­geht eine Or­dnungs­widrig­keit. Dafür dro­hen bis zu 1.000 Euro Bußgeld.“

Die gruppe polar weist in ihrem State­ment auf die Zwän­ge hin, denen zu­ge­wan­derte Roma und Romnja, ande­re Süd­ost­euro­päer/innen und deren Kinder unter­lie­gen. „Sie haben ohne Melde­adresse keinen An­spruch auf Schule und Kita. Ohne Arbeits­ver­trag können sie keine Woh­nung mieten – und haben folg­lich keine Melde­adresse. Auf­grund der Dis­kri­mi­nie­rung er­hal­ten Roma und Romnja keine Arbeit mit Sozial­ver­si­che­rung, mit Arbeits­rechten und Arbeits­schutz. Nun ste­hen Bettler/innen da und haben ihre Kinder dabei. Aber wo sol­len die Kinder denn sonst bleiben?“

Die grüne Stadträtin Tina Siebeneicher, Sprecherin für Asyl, Migration und Jugend­poli­tik, fordert, dass bei der Debatte um ein mög­li­ches Bettel-Ver­bot im Mittel­punkt stehen sollte, ob damit den be­trof­fe­nen Kindern tat­säch­lich ge­hol­fen wird. Read the rest of this entry »

RomaRespect #4: „Meine 7.000 Nachbarn“

September 5th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #4: Literatur mit Haltung – „Meine 7.000 Nachbarn“

Eva Ruth Wemme (Bild: RomaRespect)Sendung vom 4.2.2016: Eva Ruth Wemme ist Lektorin, preis­ge­krönte Auto­rin und Über­setzerin aus dem Ru­mä­ni­schen. Sie arbei­tet außer­dem seit meh­re­ren Jahren als Sprach- und Kultur­mitt­le­rin in Berlin. In dieser Funk­tion dol­metscht und be­rät sie Migrant/in­nen aus Rumänien, die sehr oft Roma und Rom­nja sind. So ist sie sehr nah an ihren Sor­gen und Nöten dran, be­kommt die gan­ze Band­breite ihrer Dis­kri­mi­nie­rung mit. Sie schrieb ihre Er­leb­nisse in kur­zen Ge­schich­ten auf, die im Buch „Meine 7.000 Nach­barn“ zu­sam­men­gestellt sind. Er­klärt ihr Buch, wer oder wie die Roma und Rom­nja sind? Eva Ruth Wemme sagt dazu in der Ein­lei­tung: „Ich frag­te mich also: Wer sind die Roma? Bis sich kurz darauf heraus­stell­te, dass die Ant­wort auf diese Frage so­wohl un­auf­find­bar als auch so gut wie ir­re­le­vant für das Zu­sam­men­leben ist.“

Ihr hört in der Sendung die Lesung von Eva Ruth Wemme zu ihrem Buch „Meine 7.000 Nachbarn“ (Weblog). Sie liest meh­rere ihrer kur­zen Ge­schich­ten, in denen sie ihre Zu­sam­men­arbeit mit Berli­ner Ro­ma und Rom­nja be­schreibt. Da­nach sind eini­ge Bei­träge aus der Dis­kus­sion zu hören. Die Le­sung fand am 23. Sep­tem­ber 2015 im Fest­spiel­haus Hellerau in Dresden wäh­rend der Herbst­schule gegen Anti­romais­mus statt.

Musik: „Chaven Romane“ von Lavinia Raducanu

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

RomaRespekt #2: Antiromaismus

September 1st, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #2: Wissenschaft gegen Antiromaismus

Sendung vom 2.12.2015: Die Wissenschaftler Hristo Kyuchukov (Psycholinguist, be­son­ders für Ro­ma­nes, Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler) und Jan Selling (His­to­ri­ker und Autor des For­schungs­netz­werks Antiziganism, Schweden) spre­chen über Anti­roma­is­mus und Selbst­er­mäch­ti­gung von Roma und Romnja in der Bildung.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Rassistischer Polizeivortrag in Berlin

August 31st, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Koschyk und Rose in Berlin (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma er­hebt schwe­re Vor­wür­fe: Polizei schürt am ‚Tag der of­fe­nen Tür‘ im deut­schen Bun­des­mi­nis­te­rium des In­nern Vor­ur­teile ge­gen Sinti und Roma

Als unerträglich und gleichzeitig als einen Spie­gel des noch im­mer tief ver­wur­zel­ten anti­ziga­nis­ti­schen Denkens in eini­gen deut­schen Polizei­be­hör­den be­zeich­net es der Vor­sitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, dass im Bun­des­minis­te­rium des Innern wäh­rend des ‚Tags der of­fenen Tür‘ am 26. und 27. Au­gust dieses Jahres ein mas­siv anti­ziganis­ti­scher Vortrag di­rekt neben dem ge­mein­sa­men Stand des Min­der­heiten­rates statt­fand. Auf Ein­ladung des Be­auftrag­ten für die natio­na­len Min­der­heiten, Hartmut Koschyk, und des Bundes­innen­minis­te­riums hatte zu­vor Romani Rose ein zentra­les State­ment auf dem ‚Tag der of­fenen Tür‘ ab­ge­ge­ben. Dabei hatte Romani Rose aus­drück­lich auf die posi­tive Ent­wick­lung der Min­der­heiten­rechte in Deutschland hin­ge­wiesen.

Unter dem Titel „Vorsicht Langfinger! Wie Taschendiebe trick­sen und Sie Ihnen die kri­mi­nel­le Tour erfolg­reich ver­miesen kön­nen!“ wurde von der Berliner Di­rek­tion der Bundes­polizei durch Sven Lichtenberg vor­ge­tra­gen, dass Roma als „Ver­br­echer-Clans or­ga­ni­siert“ seien und als „kri­mi­nelle Groß­familien durch Europa zie­hen“. Der Ver­tre­ter der Bundes­polizei führte in seinen Aus­füh­run­gen außer­dem aus, dass jede Ethnie, Nord­afri­ka­ner oder Polen, „ihre eige­ne kri­mi­nelle Me­tho­de“ habe.

Ein derart rassistischer Vortrag im Bundesministerium des In­nern be­schä­di­ge nicht nur die Polizei in Deutsch­land, son­dern auch das An­sehen des Bun­des­minis­te­riums des In­nern als demo­kra­ti­scher Be­hör­de, die den Prin­zi­pien unseres Rechts­staats ver­pflich­tet sind, er­klär­te dazu heute Romani Rose.

„Es ist ein wirklich unglaublicher Vorgang, dass am Tag der of­fe­nen Tür im Bun­des­minis­te­rium des Innern, an dem viele Ini­tia­ti­ven gegen Extre­mis­mus und Rassismus auf­tre­ten und ins­beson­dere die natio­nalen Minder­heiten an einem ge­mein­sa­men Stand über die An­liegen und die Bei­träge der Minder­heiten zur deutschen und euro­päi­schen Werte­gemein­schaft infor­mie­ren, gleich­zeitig die Bundes­polizei im Stil längst ver­gangen ge­glaub­ter Zei­ten Kli­schees und Vorurteile pau­schal ge­gen Minder­heiten er­heben“, so Rose.

Dieser Vorgang stellt den Dialog zwischen den nationa­len Minder­heiten und der Mehrheits­gesell­schaft in Frage und unter­gräbt das Ver­trauen in den demo­kra­ti­schen Rechts­saat, so Rose. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma wen­det sich wegen dieser An­ge­le­gen­heit des­halb auch mit einem direk­ten Schrei­ben an Bundes­innen­minis­ter Thomas de Maizière.

(Text: Pressemitteilung des Zentralrats)

RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung

August 29th, 2017  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung – Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni

Sendung vom 7.11.2015: In der ersten Aus­ga­be von Radio RomaRespekt hört Ihr ein Inter­view und Musik von den drei Brüdern Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni. Die drei sind Hip-Hop-Artists und rap­pen gegen Rassis­mus. Sie sind in Deutschland auf­ge­wach­sen. Zwei von ihnen sind in den Kosovo ab­ge­scho­ben wor­den und nach vier Jahren zurück nach Deutsch­land ge­flüch­tet. Dem drit­ten, Hikmet, steht dieses Schick­sal ver­mut­lich bald bevor (wir berichteten). Ihr musi­ka­li­sches Schaf­fen stel­len sie im­mer wieder in den Zu­sam­men­hang zu Kämpfen von Roma und Romnja für Bleiberecht und ge­gen Ab­schie­bun­gen. Wei­tere In­for­ma­tio­nen: Free Hikmet (Anm.: Stand Dez. 2015)

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Update, dROMa-Red.:
Selami Prizreni wurde am 16. Mai 2017 neuer­lich in den Kosovo ab­ge­scho­ben. Nur wenige Tage später hätte der Roma-Ak­ti­vist (Selami hat die Initia­tive „Roma Art Action“ mit­be­gründet) beim NSU-Tribunal in Köln dabei sein sol­len. Read the rest of this entry »

Fünf Jahre Denkmal in Berlin

August 28th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)

»Every Day is Romaday!«
Konferenz zur Teilhabe von Roma und Sinti in Deutsch­land (Berlin, 22. No­vem­ber 2017)

Im Herbst 2017 jährt sich die Einweihung des Denkmals für die im National­sozia­lis­mus er­mor­­de­­ten Sinti und Roma Europas zum fünf­ten Mal. Die deutsche Bun­des­­kanz­lerin unter­­strich da­mals in ihrer Rede: »Sinti und Roma müs­sen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Des­halb ist es eine deutsche und eine euro­­päi­­sche Auf­gabe, sie dabei zu unter­­stützen, wo auch immer und inner­­halb wel­cher Staats­gren­zen auch immer sie leben.«

Antiziganistische Vorurteile sind in der deutschen Gesell­schaft nach wie vor tief ver­ankert: Zuletzt zeigte 2016 die Studie »Die ent­hemmte Mitte« der Uni­ver­si­tät Leipzig, dass 57,8% der Be­frag­ten ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen wür­den. Knapp 50% wol­len Sinti und Roma aus den Innen­städten ver­bannen. Zur Über­windung dieser Dis­krimi­nie­rung wurde das Bündnis für Soli­darität mit den Sinti und Roma Europas ge­grün­det, das mit der Unter­stützung des deut­schen Bun­des­pro­gramms »Demokratie leben!« des Bun­desministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Mitt­woch, den 22. No­vem­ber 2017, in Berlin eine Konferenz ver­an­staltet, um die in Deutschland bis­her um­ge­setz­ten Anti­dis­krimi­nie­rungs­maß­nahmen auf­zu­zeigen.

Unter dem Titel »Every Day is Romaday! Dialog mit Politik, Be­hör­den und Bildungs­ein­rich­tun­gen in Deutsch­land« wer­den Arbeits­ergeb­nisse prä­sen­tiert und Hand­lungs­empfeh­lun­gen für wei­ter­hin not­wen­dige Ver­än­de­run­gen ent­wickelt. Landes­fachtage und Schul­work­shops fin­den hierzu bereits ab Juli in den Bundes­ländern statt. Die Akteure und Akteu­rin­nen in den Kom­mu­nen und Vereinen wol­len eine Ab­schluss­er­klä­rung mit kon­kre­ten Forde­run­gen zur Bekämp­fung des Antiziganismus ent­wickeln und an die neue Bun­des­regie­rung über­geben.

Erwartet werden 300 Gäste aus dem gesamten Bundes­gebiet. Ta­gungs­orte sind von 12.30 bis 20.00 Uhr die Parochial­kirche und das Palais Podewil in Berlin-Mitte.

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