Zwischen dem 22. Und dem 26. August attackierte ein deutscher Mob ein mehrheitlich von Vietnamesen bewohntes Haus in Rostock-Lichtenhagen. Dieses tagelange Pogrom [das sich zunächst an der rassistischen Hetze gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien entzündete (mehr hier), Anm. dROMa] wurde von einer applaudierenden Menge begleitet, die sich in einer volksfestähnlichen Stimmung befand. Dies waren die heftigsten rassistischen Ausschreitungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte und zugleich ein Ausdruck der Stimmung in Deutschland nach der Wiedervereinigung.
Die Videoproduktion „The Truth lies in Rostock” entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Read the rest of this entry »
Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 entzündete sich zunächst an der rassistischen Hetze gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien. Aus Anlass des 30. Jahrestags veranstaltet das Bündnis „Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992“ am 27. August, 14 Uhr, unter dem Motto „Damals wie heute: Erinnern heißt verändern!“ eine Kundgebung. Im Vorfeld der Demo finden zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema statt. Im Folgenden der Aufruf des Bündnisses:
30 Jahre nach dem rassistischen Pogrom werden wir am 27. August 2022 gemeinsam in Rostock-Lichtenhagen auf die Straße gehen. Denn rassistische Gewalt und institutioneller Rassismus gehen bis heute Hand in Hand. Dem Erinnern muss ein Handeln folgen.
Wir fordern: Den Angriff in Lichtenhagen 1992 als rassistisches Pogrom benennen!
Rostock im August 1992. Im Stadtteil Lichtenhagen werden über drei Tage hinweg Geflüchtete und ehemalige Vertragsarbeiter:innen aus Vietnam angegriffen. Die Polizei schreitet gegen den zeitweise aus mehreren tausend Menschen bestehenden Mob kaum ein und zieht sich schließlich ganz zurück. Die Angreifer:innen werfen daraufhin Brandsätze in das Haus. Mehr als 120 Menschen retten sich über das Dach des Gesbäudes. Bis heute scheut sich die Hansestadt Rostock dieses Pogrom klar als solches zu benennen.
Wir fordern: Rassistische Gewalt benennen und bekämpfen!
Das brennende Sonnenblumenhaus ist bis heute ein Symbol rechter Gewalt. Aber nicht nur hier und nicht nur 1992 werden unzählige Menschen durch rechte und rassistische Gewalt verletzt, getötet und traumatisiert – Lichtenhagen war und ist kein Einzelfall.
Wir fordern: Abschiebestopp und Bleiberecht für Rom:nja und alle Betroffenen rassistischer Gewalt!
Dem Pogrom in Lichtenhagen vorausgegangen ist eine jahrelange Kampagne zur Verschärfung des Asylrechts durch konservative Parteien. Im Nachgang des Ereignisses gab es für Asylsuchende keinen besseren Schutz, sondern Abschiebungen und Lagerunterbringung. Die Asylgesetzverschärfungen trafen wie die rassistische Debatte im Vorfeld besonders Rom:nja. Read the rest of this entry »
Ein facettenreicher, kritischer, in der Vielzahl der Varianten vielleicht auch ein wenig verwirrender Videobeitrag zur Begriffsdebatte rund um das Wort „Antiziganismus“, in demRomani Phen einige begriffliche Alternativen vorschlägt. Eine weitere möchten wir an dieser Stelle auch noch in die Runde werfen: „Romafeindlichkeit“.
Romani Phen:Anti-Was bitte? Wie sollen wir Rassismus gegen Sinti:zze und Rom:nja bezeichnen? Vielleicht einfach Romaphobie? Oder Gadje-Rassismus? Was meinen wir eigentlich, wenn wir diese Begriffe nutzen? Woher kommen sie, welche Kritik gibt es und was sollen wir tun anhand der Vielfalt von Perspektiven. Romani Phen hat einige Leute aus den Roma- und Sinti-Selbstorganisationen befragt. Damit beschäftigt sich dieser Film der Online-Lernplattform NeviPhen. (Quelle: Romani Phen)
Im April, am internationalen Roma-Tag, wurde das „Netzwerk Roma-Rechte“ des European Roma Rights Centre (ERRC) ins Leben gerufen, nachdem ein erstes Hybrid-Treffen von Budapest aus abgehalten worden war. Das Netzwerk besteht aus 18 Menschenrechtsorganisationen aus 15 verschiedenen Ländern und will Aktivisten, Roma und Nicht-Roma, die sich für die Menschenrechte in ganz Europa einsetzen, vereinen.
Das Netzwerk für die Rechte der Roma hat zur Aufgabe, das Engagement der Roma in Sachen Menschenrechte zu fördern. Es besteht sowohl aus Roma-Organisationen als auch aus Menschenrechtsgruppen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die fundamentalen Rechte für Roma-Communities zu verbessern. Das Netzwerk strebt an, verstärkt Menschenrechtsprozesse zu führen, die die Menschenrechtsagenda für die Roma im europäischen Raum zu beeinflussen und die Debatte um die Belange der Roma-Rechte zu fördern.
Ermöglicht wird dieses Netzwerk durch das Roma Rights Centre (ERRC); es agiert als gleichberechtigter Partner mit anderen Mitgliedern. Geplant ist, dass weitere Mitglieder hinzukommen können und die Mitglieder offen sind für neue Partnerschaften mit anderen gemeinnützigen Menschenrechts-Organisationen, die sich mit der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen gegenüber Roma-Communities beschäftigen.
Podcast „Romani Chaji“ (Mai 2021): Roma-Jugendliche in Deutschland erzählen von ihren Rassismus-Erfahrungen in der Schule
Im Projekt „Romani Chaji“ des „RomaniPhen Archivs“ finden Mädchen der Sinti- und Roma-Community einen Raum, in dem sie über ihre Diskriminierungserfahrungen sprechen und Strategien dagegen entwickeln können. Zudem werden individuelle Lernangebote geschaffen, um die Mädchen bei ihrer Ausbildung zu unterstützen. Zugleich werden kreative Kompetenzen gefördert: Es gibt Workshops und die Mädchen erstellen selbst Video-Blogs, Podcasts und animierte Filme. Mehr hier: www.romnja-power.de
Roma sam
Radijo Burgenland: 13.6.2022 | (on demand)
Imar sajt feberi adale berschestar andi Ukrajnija haburi hi. Sako di ando mediji pujste tschite fori taj manuschen dikas, save bibastale tirinipeske ar bescharde hi. Ande jek bibastali situacija adaj o Roma andi Ukrajnija hi. But austritike pomoschagoskere organisaciji taj te Romengere-farajntscha adala probelemoske aun pumen len taj pomoschinen, kaj dschanen.
I Nadine Papai, schero le farajnistar Lebenszeichen, imar sajt o kesdipe le haburistar, le manuschenge andar i Ukrajnija pomoschinel. Igen barikano paschlol adaj lakero dikipe upri flogoskeri grupn le Romendar.
Le flogoskere grupnakere dschenenge le Romendar, o ar roasinipe andar i Ukrajnija butvar pharo kerdo ol. Odolenge, save le schofinen ando arakardo vest naschi te dschal, i diskriminacija vasch lengeri entija te ande but EU-jakere vilagi, bajder dschal. Andi Austrija o Roma upre tschuleder diskriminacija resen. Adaj butvar upre na hajojipe vasch lengere familijakere situaciji taj lengeri kultura resen, phukal i Nadine Papai.
I Nadine Papai jek falato lakera butjatar afka kerla, hot oj upro ukrajnitike Roma dikel, save imar andi Austrija hi. Le Romengere-farajnenca mindig ando arparujpe hi li taj ando april use jek familijakero khetan ledschipe ando Burgenland, schaj pomoschintscha. Ada la Nadine Papaijake igen tecintscha.
Roma-Service le Romengere familijenge pomoschinel
O Emmerich Gärtner-Horvath taj o farajn Roma-Service akan adala Romengera-familijake pomoschinen, savi ando becirk Erba jek upre likeripeskero than lakla. Le tschaven jek than ando siklipeskero pomoschago le farajnistar hi taj on adaj te andi ischkola dschan. I baba la familijatar ande jek naschikeraschengero logeri ande Bajern muguli tschalajiptscha uschtidija, angloda oj andi Austrija schaj ali, afka o Emmerich Gärtner-Horvath. Read the rest of this entry »
Deutschland: Die bundesweite Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) startet in Berlin. Die Auftaktveranstaltung fand am 5. Juli im Bildungsforum gegen Antiziganismus statt. Schon am 14. Juni 2022 eröffnete der Sinti-und-Roma-Landesverband Rheinland-Pfalz die regionale Monitoringstelle für Antiziganismus in Landau. Auch in Sachsen wurde bereits bei Romano Sumnal eine regionale Meldestelle installiert.
Auf der Webseite können antiziganistische Vorfälle sicher und vertraulich gemeldet werden! MIA registriert u.a. körperliche Angriffe, Bedrohungen, Sachbeschädigungen, Schmierereien, Beleidigungen, Hasskommentare sowie Propagandamaterial wie Hetzschriften, Plakate oder Aufkleber.
Zu den Aufgaben und Zielen von MIA sagt der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Mehmet Daimagüler: „Eine systematische Erfassung antiziganistischer Vorfälle fehlt bislang und das Dunkelfeld ist hier besonders groß. Mit der neuen bundesweiten Meldestelle ist eine Struktur geschaffen, die uns wichtige Erkenntnisse über die Ausprägung von Antiziganismus liefert. Damit können Bedarfe an rechtliche Begleitung, Beratung und Unterstützung aufgezeigt werden. Aber auch die Präventionsarbeit kann gezielter ansetzen etwa bei Diskriminierung durch Verwaltung und Behörden.“
Und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose: „Im Kampf gegen diesen immer wiederkehrenden Antiziganismus, gegen Rechtsextremismus und gegen nationalistische Spaltungstendenzen, sind es gerade solche Strukturen wie die Meldestelle und Informationsstelle Antiziganismus, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten, unsere Demokratie und unseren Rechtstaat zu verteidigen.“
2020 nahm der Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus die Forderung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma nach der Einrichtung einer solchen Struktur in seinen Maßnahmenkatalog auf. Unter Bundesminister Horst Seehofer wurde die Entscheidung zur Einrichtung von MIA getroffen und seit 2021 vom Innenministerium als unabhängiges zivilgesellschaftliches Projekt gefördert. Damit folgte die Bundesregierung einer der zentralen Empfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, deren Abschlussbericht im Juli 2020 vorgestellt wurde. MIA wird antiziganistische Vorfälle bundesweit einheitlich erfassen, dokumentieren und auswerten.
Roma sam
Radio Burgenland: 13.6.2022 | (on demand)
Bereits seit Februar dieses Jahres herrscht Krieg in der Ukraine. Täglich sehen wir Berichte in den Medien von zerbombten Städten und Menschen, die einem furchtbaren Leid ausgesetzt sind. In einer besonders prekären Situation sind dabei die Roma in der Ukraine. Viele österreichische Hilfsorganisationen und auch Roma-Vereine nehmen sich dieses Problems an und helfen, wo es ihnen nur möglich ist.
Den Volksgruppenangehörigen der Roma wird die Ausreise aus der Ukraine oft erschwert. Für diejenigen, die es trotzdem schaffen, in den sicheren Westen zu fliehen, geht die Diskriminierung aufgrund ihrer Ethnie auch in vielen EU-Ländern weiter. In Österreich treffen die Roma weniger auf Stigmatisierung. Hierzulande stoßen sie meist auf Unverständnis aufgrund ihrer familiären Situationen und ihrer Kultur, erzählt Nadine Papai vom Verein Lebenszeichen. Sie wird einen Teil ihrer Arbeit darauf richten, dass sie sich um die ukrainischen Roma kümmert, die bereits in Österreich angekommen sind. Mit den Roma-Vereinen ist sie im ständigen Austausch und konnte im April bei einer Familienzusammenführung im Burgenland mithelfen. Das hat Nadine Papai besonders gefreut.
Roma-Service hilft bei der Betreuung Emmerich Gärtner Horvath und der Verein Roma-Service betreuen nun diese Roma-Familie, die im Bezirk Oberwart Zuflucht gefunden hat. Die Kinder haben Platz in der Lernbetreuung des Vereins und gehen auch hier zur Schule. Die Oma der Familie musste in einem Flüchtlingsheim in Bayern sogar Schläge ertragen, bevor sie nach Österreich kommen konnte, so Gärtner-Horvath. Die fünf Kinder und zwei Frauen sind teilweise schwer traumatisiert von den grausamen Erlebnissen und Eindrücken des Krieges. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie es diesen Menschen nach solchen Erlebnissen geht, so Emmerich Gärtner-Horvath.
Personalmangel in der Lernbetreuung
Erst vor einigen Tagen hat wieder eine Roma-Familie aus der Ukraine mit acht Kindern und drei Frauen einen Zufluchtsort im Südburgenland gefunden. Die Lernbetreuung des Vereins Roma-Service platzt bereits aus allen Nähten. Read the rest of this entry »
Deutschland: Antiziganistischer Vorfall auf einem Camping-Parkplatz in Karlsruhe
VDSR-BW: Am zurückliegenden Wochenende wurde am 25. Juni 2022 eine campende Familie in Karlsruhe u.a. mit dem „Z.“-Wort beschimpft. Das Wort „Zigeuner“ ist eine mit dem NS-Völkermord verbundene rassistische Fremdbezeichnung, die von den Angehörigen der Minderheit der Sinti und Roma [i.d.R] als Beleidigung erlebt wird. Die betroffene Familie alarmierte daraufhin die Polizei, die die mutmaßliche Täterin wegschickte und eine Anzeige der Familie aufnahm.
Das Opfer war im Zugauto des Wohnmobils mit seinem Handy beschäftigt, als eine Frau des benachbarten Autos in ihr Fenster schaute und sich über „Ausländer“ und „Kriminelle“ beschwerte. Kurz darauf fühlte sich die Frau des benachbarten Autos verbal angegriffen und schrie u.a. „Z.-Schlampe“. Es sollen weitere rassistische Beleidigungen gefolgt sein wie: „Ihr wart früher Sklaven“, „das ist mein Land“ und „wir kriegen euch hier raus“. Zu der Szene kamen die Mutter, später auch der Vater und der Bruder des Opfers hinzu. Der Bruder deutete die Äußerungen als nationalsozialistisch bzw. als „braune Gesinnung“. Die mutmaßliche Angreiferin erwiderte daraufhin: „Ja, haben wir. 80 Prozent sind derselben Meinung“.
Ein Versuch zu schlichten scheiterte, sodass der Vater schließlich die Polizei rief und den Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg (VDSR-BW) um Unterstützung bat. Daniel Strauß, der Vorsitzende des VDSR-BW, hat sofort mit der betroffenen Familie Kontakt aufgenommen. Read the rest of this entry »
RAN: Polizeigewalt in Rumänien: Rom (37) wird von Polizei misshandelt und zu Geldstrafe verurteilt
Der Aktivist Ciprian Necula hat in den sozialen Medien ein Videogeteilt, das zeigt, wie ein Mann blutverschmiert und mit zugeschwollenem Auge eine Polizeistation verlässt. Er bewegt sich sichtlich mühsam, seine Kinder fangen an zu weinen, als sie ihn sehen. Wie die rumänische Zeitung Libertatea am 19. Juni 2022 berichtet, handelt es sich um einen 37-jährigen Rom aus Piatra Neamț im nordöstlichen Rumänien. Die Polizeigewalt soll sich am Tag davor ereignet haben. Später ruft der Mann den Notruf an und sagt, er sei von der Polizei attackiert worden. Ein weiteres Video zeigt, wie er in einem Krankenwagen abtransportiert wird.
Nach Angaben der Polizei, so das European Roma Rights Centre(ERRC),beleidigte der Mann am Samstag, den 18. Juni, gegen 20.30 Uhr, während der Fahrt in einem Taxi die Polizei und einen Gendarmen. Die Polizei hielt das Taxi an, und als der Fahrgast sich angeblich weigerte, sich auszuweisen, „wurde er angehalten und zum Polizeipräsidium von Piatra Neamț gebracht, um seine Identität festzustellen und die notwendigen rechtlichen Maßnahmen zu ergreifen“. Read the rest of this entry »
In Deutschland beginnt die Aktionswoche des Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine. Etwa 42.000 NS-Überlebende, darunter Roma, leben noch in der Ukraine.
Mit einer Aktionswoche möchte das Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine deren Unterstützung in den Fokus rücken. Die Veranstaltungen beginnen rund um den 19. Juni und enden am 29. Juni. Viele der mittlerweile 48 im Netzwerk engagierten Gedenkstätten, Museen, Vereine und Initiativen bieten Führungen, Filme, Fortbildungen sowie eine Fachtagung.
Die Gedenkstätte Poppenbüttel in Hamburg blickt am 22. Juni mit einem Rundgang und einem Gespräch zusammen mit der Autorin Margot Löhr zum Beispiel auf „Die vergessenen Kinder der Zwangsarbeiterinnen“. Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zeigt am gleichen Tag im Berliner Kino Delphi Lux in Anwesenheit der Regisseurin Lana Delaroche den Film „The Sunday in Strasbourg“ über ukrainische Zwangsarbeiterinnen.
In der Aktionswoche soll es auch um die Dimensionen des Zweiten Weltkriegs und des russischen Angriffskriegs sowie um Kontinuitäten gehen. Die Gedenkstätte Bergen-Belsen bietet am 23. Juni eine Fortbildung zu Sinti:ze und Rom:nja im KZ und das Fortwirken von Antiziganismus bis in die Gegenwart. Das Kreismuseum Wewelsburg lädt am 26. Juni zur Themenführung „Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941“. Das Bildungsforum Antiziganismus und der Zentralrat der Sinti und Roma sind am 28. Juni mit der Online-Veranstaltung „Zur Situation der Rom:nja in und aus der Ukraine“ Teil der Aktionswoche. Alle Veranstaltungen sind im Kalender auf der Website des Hilfsnetzwerks zu finden.
Spendenbereitschaft hochhalten
Bei einer zentralen Online-Veranstaltung zu Beginn der Aktionswoche am 20. Juni will das Netzwerk, das auf Initiative des Berliner Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI gegründet wurde, mit internationaler Perspektive auf die humanitäre Unterstützung in der Ukraine schauen: Read the rest of this entry »
Konferenz der European Roma Union in Murska Sobota
Adi TV-Erba andi Murska Sobota, Slovenija hi pedar i konferenca la Europitika Romani Unijonatar te phukal. Tema hi o mediji andi Europa, sar on pedar i flogoskeri grupn le Romendar phukan. Taj saj kipo on le khetanipeske le Romendar prik den. O haburi andi Ukrajine jek donde bescharipe le cile europitike Romane organisacijendar kertscha. Afka te use aja konferenca tema sina o tel dschumipe taj i diskriminacija le Romendar andar i Ukrajine. Mindenfelitike dschene andar mindenfelitike vilagi use aja konferenca ande Murska Sobota, Slovenija ale pumaro alav te asdel. I situacija le Romendar ande poar schtotscha la Europatar eklik pe irintscha ham o angle vakeraschtscha phenen hot meg but iste kerdo ol. Mediji schaj but use ledschen, kaj o diskriminacijakero kipo le Romendar savo ande o gadschengere schere meg mindig hi, pe te irinel.
Am 10. Juni fand in Murska Sobota eine internationale Roma-Konferenz statt, um die Situation der Roma in Europa zu erörtern, einschließlich der Schwierigkeiten, mit denen die Roma-Gemeinschaft in der Ukraine konfrontiert ist.
Besondere Aufmerksamkeit widmete die Veranstaltung dem Anstieg der Roma-Armut, dem Antiromaismus, den Hassreden, die auch in Slowenien wahrgenommen werden. Die Situation der Roma in Europa verschlechtert sich, da sich in einigen Ländern Hassreden und Anti-Roma-Aktivitäten ausbreiten. Aus diesem Grund wird die Konferenz eine Botschaft an die europäischen Institutionen senden, was die Roma wollen oder vorschlagen, um die Situation zu verbessern. Der Präsident der Roma-Union Sloweniens und der Europäischen Roma-Union, Jožek Horvat Muc, betonte, dass die EU über viele Erklärungen und Hebel verfügt, um gefährdeten Gruppen zu helfen, aber in der Praxis muss noch viel mehr getan werden. Read the rest of this entry »
RAN: Am 13. Juni 1999 begann die systematische ethnische Säuberung gegen Roma im Kosovo unter den Augen der internationalen Organisationen im Land.Der 13. Juni soll zum internationalen Gedenktag für die vertriebenen Roma aus dem Kosovo werden.
Im 14. Jahrhundert ließen sich Roma-Gruppen nachweislich auf dem Balkan nieder. Urkunden des Zaren Dušan IV. erwähnen erstmals 1348 die Ankunft von Roma in Prizren. In osmanischer Zeit, die bis 1912 dauerte, waren Roma ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Faktor der kosovarischen Gesellschaft. Geschätzt wurden ihre handwerklichen Fertigkeiten, vor allem die Schmiedekunst. Viele waren zu dieser Zeit Leibeigene osmanischer Grundherren. Mit dem Aufstieg ethnisch-nationalistischer Bewegungen gerieten Roma zunehmend zwischen die Fronten von Albanern und Serben, die jeweils absolute Loyalität forderten. In den Balkankriegen 1912/1913 wurden muslimische Albaner von serbischen Propagandisten als Untermenschen dargestellt. Ziel der albanischen Nationalisten war ein „ethnisch reines“ großalbanisches Reich. Seitdem wurden Serben, Juden und Roma systematisch im Kosovo verfolgt, zunächst durch albanische Banden, „Balli Kombetar“, und im Verlauf des Zweiten Weltkriegs durch die SS-Division „Skanderberg“, die von Himmler aus albanischen Freiwilligen zusammengestellt wurde. Roma mussten Zwangsarbeit leisten und wurden in Konzentrations- und Todeslager deportiert.
Viele Kosovo-Roma unterstützten die Partisanen Titos im Kampf gegen die deutschen Besatzer. Den Familien getöteter Partisanen wurde eine Hinterbliebenenrente gezahlt. Sie erhielten ein Bleiberecht und der Staat bezuschusste ihren Hausbau.
Seit Anfang der 80er Jahre gibt es Berichte über die Bestrebungen kosovo-albanischer Nationalisten für die „ethnische Reinigung“ des Kosovo von allen nicht-albanischen Minderheiten. Nach 1989 spitzten sich die Konflikte zwischen Serben und Albanern weiter zu. In den 1990er Jahren entstand die UÇK, eine paramilitärische Organisation, die für die Abspaltung des Kosovo von Jugoslawien kämpfte. Die Kosovo-Albaner, ebenso wie Politiker der NATO-Länder, behaupteten damals, die Serben planten einen Genozid an den Albanern. Bis heute gibt es dafür keine Beweise [Anm.: siehe auch hier]. Mit der Behauptung wurde jedoch die NATO-Bombardierung des souveränen Staates Jugoslawien 1999 begründet, die am 24. März 1999 begann und 78 Tage andauerte.
Die Akademie der Wissenschaften Tirana forderte im Mai 1999: „Die Albaner brauchen ihren ethnisch-reinen Staat“. Nach dem Sieg der NATO konnte die UÇK ihr Ziel der „ethnischen Säuberung“ des Kosovo ungehindert umsetzen. Die UÇK besetzte parallel zum NATO-Einmarsch alle Orte des Kosovo, zerstörte Siedlungen von Roma und anderen Minderheiten und vertrieb die Menschen. Vor allem seit dem 13. Juni 1999 wurden Roma in einem Ausmaß verfolgt, wie es Vergleichbares seit der Besetzung des Balkans durch die Deutsche Wehrmacht nicht mehr gegeben hatte. Roma wurden Opfer zahlloser Kriegsverbrechen. Read the rest of this entry »
Die in Deutschland neu geschaffene „Melde- und Informationsstelle Antiziganismus“ (MIA) verurteilt die Diskriminierung geflüchteter ukrainischer Roma: Roma aus der Ukraine müssen als ukrainische Staatsbürger/innen behandelt werden!
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine fliehen immer mehr Menschen Richtung Westen. Die europaweite Bereitschaft zur Aufnahme Kriegsgeflüchteter und die Bereitstellung von Ressourcen ist beeindruckend und zeugt von großer Solidarität. Jedoch sieht die Lage von ukrainischen Geflüchteten, die der Roma-Minderheit angehören, anders aus. Roma waren oftmals bereits im Heimatland und auf der Flucht Diskriminierung und Benachteiligungen ausgesetzt. In Deutschland setzt sich dieser Antiziganismus fort.
Die institutionelle Diskriminierung zeigt sich vor allem darin, dass Roma segregiert in provisorischen Unterkünften und Hallen untergebracht werden – unter anderem unter dem Vorwand, dass sie andere Geflüchtete belästigen würden. In der Münchner Notunterkunft in den Messehallen waren zeitweise bis zu 2.000 aus der Ukraine geflüchtete Roma über mehrere Wochen hinweg in einer Massenunterkunft untergebracht. Geflüchtete, die der ukrainischen Mehrheitsgesellschaft angehören, wurden hingegen oft innerhalb weniger Tage in dezentrale Quartiere weitervermittelt.
In zahlreichen Landeskreisen fehlt es an politischem Willen, für geflüchtete Roma adäquate Unterbringungsbedingungen zu schaffen, oder die Aufnahme geflüchteter Roma wird sogar ausdrücklich abgelehnt. Seitens einiger Verwaltungsbehörden wird ukrainischen Roma vorgeworfen, keine „echten“ Kriegsflüchtlinge zu sein und nur Leistungen bevziehen zu wollen. Der institutionelle Antiziganismus drückt sich ebenfalls in öffentlichen Äußerungen von Polizeibehörden aus, denen zufolge Roma für Probleme und Missstände verantwortlich gemacht werden.
Diskriminierung manifestiert sich auch auf individueller Ebene, durch Sicherheitspersonal und Dienstleister. Exemplarisch hierfür waren die Vorfälle bei der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof Mannheim und in Kassel. Weitere Vorfälle wurden u.a. in Unterkünften in Berlin und München gemeldet, immer mit dem Vorwurf gegenüber Roma, Leistungen in Anspruch genommen zu haben, die nur „echten“ Kriegsflüchtlingen zustünden. Zudem weigerten sich viele Dolmetscher_innen, für Roma zu übersetzten. Read the rest of this entry »
Podcast: Aus dem Netz ins Klassenzimmer – Wie umgehen mit Cyber Mobbing und Hate Speech? (27.10.2021)
In dieser Podcast Folge von „Richtig & Falsch“ ist neben Cybermobbing auch Hatespeech – online wie offline – ein Thema. Also Hassrede, die sich gegen Personen oder Gruppen richtet und sie bedroht oder abwertet. Hetze und Hatespeech kommen nicht nur im Klassenzimmer vor. Ganz viel davon passiert online. Jede*r zweite Internetnutzer*in ist schon einmal mit Hass im Netz in Kontakt gekommen.
Was tun, wenn ein Schüler oder eine Schülerin Hass im Klassenzimmer verbreitet? Wo sind die Grenzen der Meinungsfreiheit? Read the rest of this entry »
Roma Antidiscrimination Network, 30.5.2022: Nach wie vor sind viele Roma, die aus der Ukraine in die osteuropäischen Staaten fliehen, obdachlos. Besonders drastisch ist die Situation in Tschechien. Dort schlafen Hunderte Roma im oder vor dem Prager Bahnhof, da sie keine Unterkunft bekommen und nicht registriert werden. Die meisten von ihnen sind Frauen, Kinder, alte oder behinderte Menschen. Anders als weiße Ukrainer:innen bekommen sie keine Visa für Geflüchtete.
Im Prager Bahnhof steht zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens ein Schlafwagen für sie bereit. In ihm übernachten 500 Menschen, obwohl er nur für die Hälfte angelegt ist. Die hygienischen Bedingungen sind für sie gesundheitsgefährdend. Freiwillige Helfer:innen wollen ihre Unterstützung für diese Menschen Ende Mai einstellen, um die Regierung zu zwingen, angemessene Unterkünfte zu organisieren. Eine Helferin bezeichnet die Situation als humanitäre Krise, die nicht mehr tragbar sei. (Mehr hier: Zeltstadt in Prag für Roma aus der Ukraine)
Viele Roma warten darauf, dass die tschechischen Behörden über ihren Status entscheiden und sie untergebracht werden können. Viele haben versucht, sich zu registrieren, wurden aber abgewiesen, ohne ihnen den Grund zu nennen.
Die Weiterflucht in andere Länder bringt auch ihre Schwierigkeiten mit sich. Bereits am 8. April, dem Welt-Roma-Tag, hatten die Unterstützer:innen von der „Gruppe gegen Antiromaismus“ auf dem Dresdener Bahnhof erlebt, wie eine Gruppe ukrainische Romnja, die aus Prag nach Deutschland kam, von der Polizei nicht aus dem Zug gelassen wurde. Da die Gruppe zufällig anwesend war, konnte sie schnell Unterstützung für die Romnja organisieren. Es scheint jedoch, wie aus dem Guardian-Artikel zu erfahren ist, kein Einzelfall gewesen zu sein: Viele Roma, die nach Deutschland fliehen wollten, wurden in Dresden von der Polizei nicht aus dem Zug gelassen. (Mehr hier und hier.)Read the rest of this entry »
Rassismus gegen Sinti und Roma hat Tradition in Deutschland – auch in der Wissenschaft. Sie zeichnete bisher ein stereotypes Bild. Jetzt wollen Forschende, die der Minderheit angehören, ihre eigene Perspektive einbringen.