Rassismus & Menschenrechte

The Truth lies in Rostock (D/GB 1993)

August 24th, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Zwischen dem 22. Und dem 26. August attackierte ein deutscher Mob ein mehr­heit­lich von Vietnamesen be­wohn­tes Haus in Rostock-Lichtenhagen. Dieses tage­lange Pogrom [das sich zu­nächst an der rassisti­schen Hetze ge­gen Roma-Flücht­lin­ge aus Rumänien ent­zün­dete (mehr hier), Anm. dROMa] wurde von einer applau­die­ren­den Menge be­gleitet, die sich in einer volks­fest­ähnli­chen Stimmung be­fand. Dies waren die hef­tigsten ras­sisti­schen Aus­schreitungen in der deut­schen Nach­kriegs­geschichte und zu­gleich ein Aus­druck der Stim­mung in Deutschland nach der Wieder­vereinigung.

Die Videoproduktion „The Truth lies in Rostock” ent­stand 1993 unter maß­gebli­cher Be­teili­gung von Men­schen, die sich zum Zeit­punkt der Gescheh­nisse im attackier­ten Wohnheim befanden. Read the rest of this entry »

30 Jahre Rostock-Lichtenhagen

August 18th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Rostock-Lichtenhagen im August 1992 (Foto: Umbruch Bildarchiv, Deutschland)Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im Au­gust 1992 ent­zün­de­te sich zu­nächst an der ras­sis­ti­schen Hetze ge­gen Ro­ma-Flücht­lin­ge aus Ru­mä­nien. Aus An­lass des 30. Jah­res­tags ver­an­stal­tet das Bünd­nis „Ge­den­ken an das Pogrom. Lich­ten­ha­gen 1992“  am 27. August, 14 Uhr, un­ter dem Motto „Da­mals wie heu­te: Erin­nern heißt ver­än­dern!“ eine Kund­ge­bung. Im Vor­feld der Demo fin­den zahl­rei­che Ver­anstal­tun­gen rund um das The­ma statt. Im Fol­gen­den der Auf­ruf des Bünd­nis­ses:

30 Jahre nach dem rassistischen Pogrom werden wir am 27. August 2022 gemein­sam in Rostock-Lich­ten­hagen auf die Straße gehen. Denn ras­sis­ti­sche Gewalt und in­stitu­tio­nel­ler Rassis­mus gehen bis heute Hand in Hand. Dem Er­in­nern muss ein Han­deln folgen.

Wir fordern: Den Angriff in Lichtenhagen 1992 als ras­sis­ti­sches Pogrom be­nen­nen!

Rostock im August 1992. Im Stadtteil Lichtenhagen werden über drei Tage hinweg Ge­flüchtete und ehe­­malige Ver­­trags­­ar­beiter:in­nen aus Vietnam an­ge­griffen. Die Polizei schreitet gegen den zeit­­weise aus meh­reren tausend Menschen be­ste­henden Mob kaum ein und zieht sich schließ­lich ganz zurück. Die Angreifer:innen werfen darauf­hin Brand­sätze in das Haus. Mehr als 120 Men­schen retten sich über das Dach des Gesbäudes. Bis heute scheut sich die Hanse­stadt Rostock dieses Pogrom klar als solches zu be­nennen.

Wir fordern: Rassistische Gewalt benennen und be­kämpfen!

Das brennende Sonnenblumenhaus ist bis heute ein Symbol rechter Gewalt. Aber nicht nur hier und nicht nur 1992 werden un­zählige Men­schen durch rechte und rassis­ti­sche Gewalt verletzt, getötet und trau­matisiert – Lich­ten­hagen war und ist kein Einze­lfall.

Wir fordern: Abschiebestopp und Bleiberecht für Rom:nja und alle Be­trof­fe­nen rassis­ti­scher Gewalt!

Dem Pogrom in Lichtenhagen voraus­gegangen ist eine jahrelange Kam­pagne zur Ver­schär­fung des Asylrechts durch kon­servative Parteien. Im Nach­gang des Er­eignis­ses gab es für Asyl­suchende keinen bes­seren Schutz, sondern Ab­schie­bungen und Lager­unter­bringung. Die Asyl­gesetz­ver­schär­fungen trafen wie die rassisti­sche Debatte im Vorfeld beso­nders Rom:nja. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (438)

August 17th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Ethnophaulismen (ethnische Schimpf­namen) sind ab­wer­ten­de, herab­set­zen­de, ver­un­glimp­fen­de Be­zeich­nun­gen für eine eth­­ni­sche Grup­pe.

(Quelle)

Begriffsdebatte: Anti-Was bitte?

August 1st, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ein facettenreicher, kriti­scher, in der Vielzahl der Varianten viel­leicht auch ein wenig ver­wir­render Videobei­trag zur Begriffs­debatte rund um das Wort „Antiziganismus“, in dem Romani Phen einige be­griff­liche Alter­nati­ven vorschlägt. Eine weite­re möch­ten wir an dieser Stelle auch noch in die Runde wer­fen: „Romafeindlichkeit“.

Romani Phen: Anti-Was bitte? Wie sollen wir Rassismus gegen Sin­ti:zze und Rom:nja be­zeichnen? Viel­leicht ein­fach Romaphobie? Oder Gadje-Rassismus? Was mei­nen wir eigent­lich, wenn wir diese Be­griffe nutzen? Wo­her kom­men sie, welche Kritik gibt es und was sol­len wir tun an­hand der Vielfalt von Per­spek­tiven. Romani Phen hat einige Leute aus den Roma- und Sinti-Selbst­organi­sa­tio­nen be­fragt. Damit be­schäftigt sich dieser Film der On­line-Lern­platt­form NeviPhen. (Quelle: Romani Phen)

„Netzwerk Roma-Rechte“ gegründet

Juli 25th, 2022  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

European Roma Rights NetworkIm April, am internationalen Roma-Tag, wurde das „Netz­werk Ro­ma-Rech­te“ des Euro­pean Roma Rights Centre (ERRC) ins Leben ge­rufen, nachdem ein ers­tes Hybrid-Tref­fen von Budapest aus ab­ge­halten worden war. Das Netzwerk be­steht aus 18 Men­schen­rechts­organi­sa­tio­nen aus 15 ver­schie­de­nen Ländern und will Akti­visten, Roma und Nicht-Roma, die sich für die Men­schen­rechte in ganz Europa ein­setzen, ver­einen.

Das Netzwerk für die Rechte der Roma hat zur Aufgabe, das Engage­ment der Roma in Sachen Menschen­rechte zu för­dern. Es be­steht so­wohl aus Roma-Or­ga­ni­satio­nen als auch aus Men­schen­rechts­gruppen, die sich zum Ziel ge­setzt haben, die fun­damen­talen Rechte für Roma-Com­mu­nities zu ver­bessern. Das Netzwerk strebt an, verstärkt Men­schen­rechts­prozesse zu führen, die die Menschen­rechts­agenda für die Roma im euro­päi­schen Raum zu be­ein­flus­sen und die Debatte um die Be­lange der Roma-Rechte zu fördern.

Ermöglicht wird dieses Netzwerk durch das Roma Rights Centre (ERRC); es agiert als gleich­berech­tig­ter Partner mit an­deren Mit­gliedern. Geplant ist, dass weite­re Mit­glieder hinzu­kom­men kön­nen und die Mitglieder offen sind für neue Part­ner­schaften mit anderen gemein­nützigen Men­schen­rechts-Or­gani­sa­tio­nen, die sich mit der Ver­folgung von Men­schen­rechts­ver­letzungen gegen­über Roma-Com­mu­ni­ties be­schäftigen.

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Podcast: Rassismus in den Schulen

Juli 16th, 2022  |  Published in Frauenrechte, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Podcast „Romani Chaji“ (Mai 2021): Roma-Jugendliche in Deutschland erzählen von ihren Rassismus-Er­fah­run­gen in der Schule

Im Projekt „Romani Chaji“ des „RomaniPhen Archivs“ finden Mädchen der Sinti- und Roma-Com­mu­nity einen Raum, in dem sie über ihre Dis­kri­minie­rungs­erfah­run­gen sprechen und Stra­tegien da­gegen ent­wickeln kön­nen. Zudem werden indivi­duelle Lern­angebote ge­schaffen, um die Mädchen bei ihrer Aus­bildung zu unter­stützen. Zu­gleich werden kreative Kom­petenzen ge­för­dert: Es gibt Workshops und die Mädchen erstellen selbst Video-Blogs, Podcasts und animierte Filme. Mehr hier: www.romnja-power.de

Sämtliche Folgen des „Romani Chaji“-Podcasts (2021) finden Sie auf Spotify.

Ukrajnija: Romengere farajntscha pomoschinen

Juli 7th, 2022  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
13.6.2022 |
(on demand)

Nadine Papai use jek pomoschagoskero ledschipe upri polnitiki-ukrajinitiki granica (kipo: Nadine Papai)Imar sajt feberi adale berschestar andi Ukraj­nija haburi hi. Sako di ando mediji pujste tschite fori taj manu­schen dikas, save bi­bas­tale tiri­ni­peske ar be­scharde hi. Ande jek bibas­tali situ­aci­ja adaj o Roma andi Ukraj­nija hi. But austri­tike pomo­scha­goskere organisaciji taj te Ro­menge­re-fa­rajn­tscha adala probele­moske aun pumen len taj po­mo­schi­nen, kaj dscha­nen.

I Nadine Papai, schero le farajnistar Lebenszeichen, imar sajt o kesdipe le ha­buristar, le manu­schen­ge andar i Ukraj­nija pomo­schinel. Igen bari­kano paschlol adaj lake­ro di­kipe upri flogos­keri grupn le Romendar.

Le flogoskere grupnakere dschenenge le Romendar, o ar roasinipe andar i Ukrajnija butvar pharo kerdo ol. Odolen­ge, save le schofinen ando ara­kardo vest naschi te dschal, i diskri­mi­na­cija vasch lengeri entija te ande but EU-ja­kere vilagi, bajder dschal. Andi Austrija o Roma upre tschu­leder diskri­minacija resen. Adaj butvar upre na ha­jojipe vasch lengere fami­lijakere situaciji taj lengeri kultura resen, phukal i Nadine Papai.

I Nadine Papai jek falato lakera butjatar afka kerla, hot oj upro ukraj­nitike Roma dikel, save imar andi Austrija hi. Le Romen­gere-fa­raj­nenca mindig ando arpa­rujpe hi li taj ando april use jek famili­jakero khetan ledschipe ando Burgenland, schaj pomo­schintscha. Ada la Nadine Papaijake igen tecintscha.

Roma-Service le Romengere familijenge po­mo­schinel
O Emmerich Gärtner-Horvath taj o farajn Roma-Service akan adala Romengera-fami­lijake pomos­chinen, savi ando becirk Erba jek upre like­ripes­kero than lakla. Le tschaven jek than ando sikli­peskero pomo­schago le farajnistar hi taj on adaj te andi ischkola dschan. I baba la fami­lijatar ande jek naschike­ra­schen­gero logeri ande Bajern muguli tscha­lajiptscha usch­tidija, ang­loda oj andi Austrija schaj ali, afka o Emme­rich Gärt­ner-Horvath. Read the rest of this entry »

Meldestelle Antiziganismus in Berlin eröffnet

Juli 6th, 2022  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

MIA LogoDeutschland: Die bundesweite Melde- und In­for­ma­tions­stelle Anti­ziga­nis­mus (MIA) startet in Berlin. Die Auf­takt­ver­anstal­tung fand am 5. Juli im Bil­dungs­forum gegen Anti­zi­ga­nis­mus statt. Schon am 14. Juni 2022 er­öff­ne­te der Sinti-und-Ro­ma-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz die regio­na­le Mo­ni­to­ring­stelle für Anti­ziga­nis­mus in Landau. Auch in Sachsen wur­de be­reits bei Romano Sumnal eine re­gio­nale Mel­de­stel­le in­stal­liert.

Auf der Webseite können antiziganistische Vorfälle sicher und vertraulich gemeldet werden! MIA registriert u.a. kör­per­liche Angriffe, Bedro­hungen, Sach­beschädigungen, Schmierereien, Beleidigun­gen, Hass­kommentare sowie Propaganda­material wie Hetz­schriften, Plakate oder Aufkleber.

Zu den Aufgaben und Zielen von MIA sagt der Anti­ziganis­mus­be­auf­tragte der Bundes­regie­rung, Mehmet Daimagüler: „Eine sys­tema­tische Er­fassung anti­ziga­nisti­scher Vorfälle fehlt bislang und das Dunkel­feld ist hier be­sonders groß. Mit der neuen bunde­sweiten Melde­stelle ist eine Struktur ge­schaffen, die uns wich­tige Er­kennt­nisse über die Aus­prägung von Anti­ziganis­mus liefert. Damit kön­nen Bedarfe an recht­liche Be­gleitung, Beratung und Un­ter­stüt­zung auf­ge­zeigt werden. Aber auch die Prä­ven­tions­arbeit kann ge­zielter an­setzen etwa bei Dis­kriminie­rung durch Ver­waltung und Be­hörden.“

Und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose: „Im Kampf gegen diesen immer wieder­keh­renden Anti­ziganismus, gegen Rechts­extre­mis­mus und gegen natio­nalis­ti­sche Spaltungs­ten­denzen, sind es gera­de solche Strukturen wie die Melde­stelle und Infor­ma­tions­stelle Anti­ziganismus, die einen wich­ti­gen Beitrag dazu leisten, unsere Demokratie und unse­ren Rechtstaat zu ver­teidigen.“

2020 nahm der Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechts­extremis­mus und Rassismus die Forderung des Zentral­rates Deutscher Sinti und Roma nach der Ein­richtung einer solchen Struktur in seinen Maß­nahmen­katalog auf. Unter Bundes­minister Horst Seehofer wurde die Ent­scheidung zur Ein­richtung von MIA getroffen und seit 2021 vom Innen­minis­terium als un­abhän­giges zivil­gesell­schaftli­ches Projekt gefördert. Damit folgte die Bundes­regierung einer der zentralen Empfeh­lungen der Un­abhän­gigen Kommission Anti­ziganis­mus, deren Ab­schluss­bericht im Juli 2020 vor­gestellt wurde. MIA wird anti­ziganis­tische Vorfälle bundes­weit ein­heitlich erfassen, doku­men­tieren und aus­werten.

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Roma aus der Ukraine: Roma-Vereine helfen

Juli 4th, 2022  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
13.6.2022 |
(on demand)

Nadine Papai bei einer Hilfslieferung an der polnisch-ukrainischen Grenze (Foto: Nadine Papai)Bereits seit Februar dieses Jahres herrscht Krieg in der Ukraine. Täg­lich sehen wir Be­rich­te in den Medien von zer­bomb­ten Städten und Men­schen, die einem furcht­ba­ren Leid aus­ge­setzt sind. In einer be­son­ders pre­kären Si­tua­tion sind dabei die Roma in der Ukraine. Viele öster­reichi­sche Hilfs­organi­sa­tio­nen und auch Ro­ma-Verei­ne neh­men sich die­ses Problems an und helfen, wo es ihnen nur mög­lich ist.

Den Volksgruppenangehörigen der Roma wird die Ausreise aus der Ukraine oft erschwert. Für die­jenigen, die es trotz­dem schaffen, in den sicheren Westen zu fliehen, geht die Dis­krimi­nie­rung auf­grund ihrer Ethnie auch in vielen EU-Ländern weiter. In Österreich treffen die Roma weniger auf Stigmatisierung. Hier­zu­lande stoßen sie meist auf Unverständnis aufgrund ihrer fami­liären Situa­tionen und ihrer Kultur, erzählt Nadine Papai vom Verein Lebens­zeichen. Sie wird einen Teil ihrer Arbeit darauf richten, dass sie sich um die ukrai­nischen Roma küm­mert, die bereits in Österreich an­ge­kommen sind. Mit den Ro­ma-Vereinen ist sie im stän­digen Austausch und konnte im April bei einer Familien­zusam­men­führung im Burgenland mit­helfen. Das hat Nadine Papai beson­ders gefreut.

Roma-Service hilft bei der Betreuung
Emmerich Gärtner Horvath und der Verein Roma-Service betreuen nun diese Roma-Fa­milie, die im Bezirk Oberwart Zuflucht ge­funden hat. Die Kinder haben Platz in der Lern­betreuung des Vereins und gehen auch hier zur Schule. Die Oma der Familie musste in einem Flücht­lings­heim in Bayern sogar Schläge ertragen, bevor sie nach Öster­reich kom­men konn­te, so Gärtner-Hor­vath. Die fünf Kinder und zwei Frauen sind teil­weise schwer trau­matisiert von den grau­samen Er­lebnissen und Eindrücken des Krieges. Man kann sich nur schwer vor­stellen, wie es diesen Men­schen nach solchen Er­leb­nissen geht, so Em­merich Gärt­ner-Horvath.

Personalmangel in der Lernbetreuung
Erst vor einigen Tagen hat wieder eine Roma-Familie aus der Ukraine mit acht Kindern und drei Frauen einen Zu­fluchts­ort im Süd­burgenland ge­funden. Die Lern­betreuung des Vereins Roma-Service platzt bereits aus allen Nähten. Read the rest of this entry »

Karlsruhe: Familie auf Parkplatz beschimpft

Juni 30th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rassistischer Vorfall auf einem Camping-Parkplatz in Deutschland (Bild: Pixabay)Deutschland: Antiziganistischer Vorfall auf einem Camping-Park­­platz in Karlsruhe

VDSR-BW: Am zurückliegenden Wochenende wurde am 25. Juni 2022 eine cam­pende Fa­milie in Karlsruhe u.a. mit dem „Z.“-Wort be­schimpft. Das Wort „Zigeuner“ ist eine mit dem NS-Völ­kermord ver­bundene rassistische Fremd­bezeichnung, die von den An­gehörigen der Minder­heit der Sinti und Roma [i.d.R] als Beleidigung er­lebt wird. Die be­trof­fene Familie alarmierte darauf­hin die Polizei, die die mut­maß­li­che Täterin weg­schickte und eine Anzeige der Fa­milie auf­nahm.

Das Opfer war im Zugauto des Wohnmobils mit seinem Handy beschäftigt, als eine Frau des be­nach­bar­ten Autos in ihr Fenster schaute und sich über „Ausländer“ und „Kriminelle“ be­schwerte. Kurz darauf fühlte sich die Frau des be­nach­barten Autos verbal an­gegriffen und schrie u.a. „Z.-Schlampe“. Es sollen wei­tere rassistische Beleidi­gungen ge­folgt sein wie: „Ihr wart früher Sklaven“, „das ist mein Land“ und „wir krie­gen euch hier raus“. Zu der Szene kamen die Mutter, spä­ter auch der Vater und der Bruder des Opfers hinzu. Der Bruder deu­tete die Äußerungen als national­sozialis­tisch bzw. als „braune Ge­sinnung“. Die mut­maßli­che Angreiferin er­widerte darauf­hin: „Ja, haben wir. 80 Pro­zent sind der­selben Meinung“.

Ein Versuch zu schlichten scheiterte, sodass der Vater schließlich die Polizei rief und den Verband Deutscher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg (VDSR-BW) um Unter­stützung bat. Daniel Strauß, der Vor­sitzende des VDSR-BW, hat sofort mit der be­troffenen Familie Kontakt aufgenommen. Read the rest of this entry »

RAN: Polizei misshandelt Rom in Rumänien

Juni 29th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeigewalt in Rumänien (Videostill via RAN)RAN: Polizeigewalt in Rumänien: Rom (37) wird von Polizei miss­han­delt und zu Geld­strafe verurteilt

Der Aktivist Ciprian Necula hat in den sozialen Medien ein Video geteilt, das zeigt, wie ein Mann blut­verschmiert und mit zu­ge­schwol­le­nem Auge eine Polizei­station verlässt. Er bewegt sich sicht­lich mühsam, seine Kinder fangen an zu weinen, als sie ihn sehen. Wie die rumäni­sche Zeitung Libertatea am 19. Juni 2022 be­richtet, handelt es sich um einen 37-jäh­rigen Rom aus Piatra Neamț im nord­öst­li­chen Rumänien. Die Polizei­gewalt soll sich am Tag davor er­eignet haben. Später ruft der Mann den Notruf an und sagt, er sei von der Polizei at­tackiert worden. Ein weite­res Video zeigt, wie er in einem Kranken­wagen ab­trans­portiert wird.

Nach Angaben der Polizei, so das European Roma Rights Centre (ERRC), be­leidigte der Mann am Sams­tag, den 18. Juni, gegen 20.30 Uhr, wäh­rend der Fahrt in einem Taxi die Polizei und einen Gendarmen. Die Polizei hielt das Taxi an, und als der Fahr­gast sich an­geb­lich weigerte, sich aus­zu­weisen, „wurde er an­gehalten und zum Polizei­präsidium von Piatra Neamț ge­bracht, um seine Identität fest­zu­stellen und die not­wen­digen rechtlichen Maß­nahmen zu er­greifen“. Read the rest of this entry »

Aktionswoche für NS-Überlebende in der Ukraine

Juni 17th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Aktionswoche des HilfnetzwerksIn Deutschland beginnt die Aktions­woche des Hilfs­netz­werk für Über­le­bende der NS-Ver­fol­gung in der Ukraine. Etwa 42.000 NS-Über­le­ben­de, darun­ter Roma, le­ben noch in der Ukraine.

Mit einer Aktionswoche möchte das Hilfsnetzwerk für Über­lebende der NS-Ver­folgung in der Ukraine deren Unter­stützung in den Fokus rücken. Die Ver­anstal­tun­gen be­ginnen rund um den 19. Juni und enden am 29. Juni. Viele der mittler­weile 48 im Netzwerk en­gagier­ten Gedenk­stätten, Museen, Vereine und Initia­ti­ven bieten Führun­gen, Filme, Fort­bildungen sowie eine Fach­tagung.

Die Gedenkstätte Poppenbüttel in Hamburg blickt am 22. Juni mit einem Rund­gang und einem Ge­spräch zu­sammen mit der Autorin Margot Löhr zum Bei­spiel auf „Die ver­gessenen Kinder der Zwangs­arbeiterin­nen“. Das Doku­men­tations­zentrum NS-Zwangs­arbeit zeigt am gleichen Tag im Berliner Kino Delphi Lux in An­wesen­heit der Re­gisseu­rin Lana Delaroche den Film „The Sunday in Strasbourg“ über ukraini­sche Zwangs­arbei­terinnen.

In der Aktionswoche soll es auch um die Dimensionen des Zweiten Weltkriegs und des russi­schen Angriffs­kriegs sowie um Kontinui­täten gehen. Die Gedenk­stätte Bergen-Belsen bietet am 23. Juni eine Fort­bildung zu Sinti:ze und Rom:nja im KZ und das Fort­wirken von Anti­ziganismus bis in die Gegen­wart. Das Kreis­museum Wewelsburg lädt am 26. Juni zur Themen­führung „Der deutsche Überfall auf die Sowjet­union im Juni 1941“. Das Bil­dungs­forum Antiziganismus und der Zentralrat der Sinti und Roma sind am 28. Juni mit der Online-Ver­anstal­tung „Zur Situa­tion der Rom:nja in und aus der Ukraine“ Teil der Aktions­woche. Alle Ver­anstaltun­gen sind im Kalender auf der Website des Hilfs­netz­werks zu finden.

Spendenbereitschaft hochhalten

Bei einer zentralen Online-Veranstaltung zu Beginn der Aktionswoche am 20. Juni will das Netzwerk, das auf Initia­tive des Berli­ner Vereins KON­TAKTE-KOH­TAKTbI ge­gründet wurde, mit inter­nationa­ler Per­spek­tive auf die humanitäre Unter­stützung in der Ukraine schauen: Read the rest of this entry »

Internationale Roma-Konferenz in Slowenien

Juni 14th, 2022  |  Published in Einrichtungen, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 13.6.2022 | 8:25 min

Konferenz der European Roma Union in Murska Sobota

Adi TV-Erba andi Murska Sobota, Slovenija hi pedar i konfe­renca la Euro­pitika Romani Uni­jonatar te phukal. Tema hi o mediji andi Europa, sar on pedar i flogos­keri grupn le Romen­dar phukan. Taj saj kipo on le khe­tani­peske le Romen­dar prik den. O haburi andi Ukrajine jek donde be­scharipe le cile euro­pitike Romane orga­ni­saci­jendar kertscha. Afka te use aja kon­ferenca tema sina o tel dschumipe taj i dis­krimi­nacija le Romendar andar i Ukrajine. Minden­felitike dschene andar minden­felitike vilagi use aja kon­ferenca ande Murska Sobota, Slovenija ale pumaro alav te asdel. I situacija le Romen­dar ande poar schtotscha la Europatar eklik pe irintscha ham o angle vakerasch­tscha phenen hot meg but iste kerdo ol. Mediji schaj but use ledschen, kaj o dis­krimi­na­cija­kero kipo le Romendar savo ande o gadschen­gere schere meg mindig hi, pe te irinel.

Am 10. Juni fand in Murska Sobota eine internatio­na­le Roma-Kon­ferenz statt, um die Situa­tion der Roma in Europa zu er­örtern, ein­schließ­lich der Schwie­rig­kei­ten, mit denen die Roma-Ge­mein­schaft in der Ukraine kon­fron­tiert ist.

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Ver­anstal­tung dem An­stieg der Roma-Armut, dem Antiromaismus, den Hassreden, die auch in Slowenien wahr­genom­men werden. Die Situation der Roma in Europa ver­schlech­tert sich, da sich in einigen Ländern Hass­reden und Anti-Ro­ma-Ak­tivitä­ten aus­breiten. Aus diesem Grund wird die Kon­ferenz eine Botschaft an die euro­päi­schen Institu­tionen senden, was die Roma wollen oder vor­schlagen, um die Situa­tion zu ver­bessern. Der Präsi­dent der Roma-Union Slo­we­niens und der Europäi­schen Roma-Union, Jožek Horvat Muc, be­tonte, dass die EU über viele Er­klärun­gen und Hebel verfügt, um gefähr­deten Gruppen zu helfen, aber in der Praxis muss noch viel mehr getan werden. Read the rest of this entry »

13. Juni 1999: Vertreibung der Kosovo-Roma

Juni 13th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

RAN: Am 13. Juni 1999 begann die syste­ma­ti­sche ethni­sche Säu­be­rung ge­gen Roma im Koso­vo unter den Augen der inter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen im Land. Der 13. Juni soll zum in­ter­na­tio­na­len Ge­denk­tag für die ver­trie­be­nen Roma aus dem Kosovo werden.

Im 14. Jahrhundert ließen sich Roma-Gruppen nachweislich auf dem Balkan nieder. Urkun­den des Zaren Dušan IV. er­wähnen erst­mals 1348 die An­kunft von Roma in Prizren. In osma­ni­scher Zeit, die bis 1912 dauerte, waren Roma ein wichtiger kultu­reller und wirt­schaft­licher Faktor der kosova­rischen Gesell­schaft. Ge­schätzt wurden ihre hand­werk­lichen Fertig­keiten, vor allem die Schmiede­kunst. Viele waren zu dieser Zeit Leib­eigene osma­nischer Grund­herren. Mit dem Aufstieg eth­nisch-na­tio­na­lis­ti­scher Bewe­gungen gerieten Roma zu­neh­mend zwi­schen die Fronten von Albanern und Serben, die je­weils abso­lute Loyalität for­der­ten. In den Balkan­kriegen 1912/1913 wurden musli­mische Albaner von serbischen Pro­pagan­disten als Unter­menschen dar­gestellt. Ziel der alba­nischen Nationa­listen war ein „ethnisch reines“ groß­albani­sches Reich. Seitdem wurden Serben, Juden und Roma sys­tema­tisch im Kosovo ver­folgt, zu­nächst durch albanische Banden, „Balli Kombetar“, und im Ver­lauf des Zweiten Weltkriegs durch die SS-Di­vi­sion „Skanderberg“, die von Himmler aus albani­schen Frei­willigen zusammen­gestellt wurde. Roma muss­ten Zwangsarbeit leis­ten und wurden in Konzentra­tions- und Todes­lager deportiert.

Viele Kosovo-Roma unterstützten die Partisanen Titos im Kampf gegen die deutschen Be­satzer. Den Familien ge­töteter Parti­sanen wurde eine Hinter­blie­benen­rente gezahlt. Sie er­hielten ein Bleibe­recht und der Staat be­zu­schusste ihren Hausbau.

Seit Anfang der 80er Jahre gibt es Berichte über die Bestrebungen kosovo-al­ba­nischer Nationalisten für die „ethni­sche Reinigung“ des Kosovo von allen nicht-al­banischen Minder­heiten. Nach 1989 spitzten sich die Konflikte zwischen Serben und Albanern weiter zu. In den 1990er Jahren ent­stand die UÇK, eine para­militärische Or­ganisa­tion, die für die Ab­spaltung des Kosovo von Jugoslawien kämpfte. Die Koso­vo-Al­baner, ebenso wie Politiker der NATO-Länder, be­haup­teten damals, die Serben plan­ten einen Genozid an den Albanern. Bis heute gibt es dafür keine B­eweise [Anm.: siehe auch hier]. Mit der Be­hauptung wurde jedoch die NATO-Bom­bar­dierung des sou­veränen Staates Jugo­slawien 1999 be­gründet, die am 24. März 1999 be­gann und 78 Tage andauerte.

Die Akademie der Wissenschaften Tirana forderte im Mai 1999: „Die Albaner brauchen ihren ethnisch-reinen Staat“. Nach dem Sieg der NATO konnte die UÇK ihr Ziel der „ethni­schen Säuberung“ des Kosovo un­gehindert um­setzen. Die UÇK be­setzte parallel zum NATO-Ein­marsch alle Orte des Kosovo, zer­störte Siedlungen von Roma und anderen Min­der­heiten und vertrieb die Men­schen. Vor allem seit dem 13. Juni 1999 wurden Roma in einem Aus­maß verfolgt, wie es Ver­gleich­bares seit der Besetzung des Balkans durch die Deut­sche Wehrmacht nicht mehr ge­geben hatte. Roma wurden Opfer zahl­loser Kriegs­verbrechen. Read the rest of this entry »

Diskriminierung von Roma-Kriegsflüchtlingen

Juni 12th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ukrainische Roma am Mannheimer Bahnhof (Foto: Bahnhofshelfer Mannheim/Facebook)Die in Deutschland neu geschaffene „Melde- und Infor­ma­tions­stelle Anti­ziganis­mus“ (MIA) ver­ur­teilt die Dis­kri­mi­nie­rung ge­flüch­te­ter ukrai­ni­scher Roma: Ro­ma aus der Ukraine müs­sen als uk­ra­i­ni­sche Staats­bür­ger/in­nen be­han­delt wer­den!

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine fliehen immer mehr Men­schen Rich­tung Westen. Die europa­weite Bereit­schaft zur Auf­nahme Kriegs­ge­flüch­teter und die Bereit­stel­lung von Ressour­cen ist be­ein­dru­ckend und zeugt von großer Solida­rität. Je­doch sieht die Lage von ukrai­nischen Ge­flüch­teten, die der Roma-Min­der­heit an­ge­hören, anders aus. Roma waren oft­mals bereits im Heimat­land und auf der Flucht Dis­kriminie­rung und Benach­tei­li­gungen aus­gesetzt. In Deut­schland setzt sich dieser Anti­ziganis­mus fort.

Die institutionelle Diskriminierung zeigt sich vor allem darin, dass Roma segre­giert in pro­visori­schen Unter­künften und Hallen unter­gebracht werden – unter an­derem unter dem Vorwand, dass sie ande­re Ge­flüch­tete be­lästigen würden. In der Münchner Not­unter­kunft in den Messe­hallen waren zeit­weise bis zu 2.000 aus der Ukraine ge­flüchtete Roma über mehrere Wochen hin­weg in einer Massen­unter­kunft unter­gebracht. Geflüch­tete, die der ukraini­schen Mehrheits­gesell­schaft an­gehören, wurden hin­gegen oft inner­halb weniger Tage in de­zentrale Quartiere weiter­ver­mittelt.

In zahlreichen Landeskreisen fehlt es an politischem Willen, für geflüchtete Roma adäquate Unter­brin­gungs­bedin­gun­gen zu schaffen, oder die Auf­nahme geflüch­teter Roma wird sogar aus­drück­lich ab­gelehnt. Seitens einiger Ver­waltungs­behörden wird ukrai­nischen Roma vor­ge­worfen, keine „echten“ Kriegs­flücht­linge zu sein und nur Leis­tungen bevziehen zu wollen. Der insti­tutio­nelle Anti­ziganis­mus drückt sich ebenfalls in öffent­lichen Äußerun­gen von Polizei­behörden aus, denen zufolge Roma für Probleme und Miss­stände ver­antwortlich ge­macht werden.

Diskriminierung manifestiert sich auch auf individueller Ebene, durch Sicher­heits­perso­nal und Dienst­leister. Exempla­risch hierfür waren die Vor­fälle bei der Deutschen Bahn am Haupt­bahn­hof Mannheim und in Kassel. Weite­re Vorfälle wurden u.a. in Unter­künften in Berlin und München ge­meldet, immer mit dem Vorwurf gegen­über Roma, Leis­tungen in Anspruch ge­nommen zu haben, die nur „echten“ Kriegs­flücht­lingen zu­stünden. Zudem wei­gerten sich viele Dol­met­scher_in­nen, für Roma zu über­setzten. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (431)

Juni 11th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

62% der ak­tu­ell beim Europ. Menschen­rechts­ge­richts­hof an­hän­gi­gen Ver­fahren be­tref­fen 3 Staa­ten: Russ­land, Tür­kei, Ukra­ine.

(Quelle/pdf)

Podcast: Aus dem Netz ins Klassenzimmer

Juni 7th, 2022  |  Published in Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Podcast: Aus dem Netz ins Klassenzimmer – Wie umgehen mit Cyber Mobbing und Hate Speech? (27.10.2021)

In dieser Podcast Folge von „Richtig & Falsch“ ist neben Cyber­mobbing auch Hate­speech – online wie off­line – ein Thema. Also Hassrede, die sich gegen Per­so­nen oder Gruppen rich­tet und sie be­droht oder ab­wertet. Hetze und Hate­speech kommen nicht nur im Klassen­zimmer vor. Ganz viel davon pas­siert online. Jede*r zweite Inter­net­nutzer*in ist schon ein­mal mit Hass im Netz in Kon­takt ge­kommen.

Was tun, wenn ein Schüler oder eine Schülerin Hass im Klassen­zimmer ver­breitet? Wo sind die Grenzen der Meinungs­freiheit? Read the rest of this entry »

RAN: Ukrainische Roma in Prag

Juni 5th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Roma-Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine (Foto: RAN)Obdachlos und unerwünscht

Roma Antidiscrimination Network, 30.5.2022: Nach wie vor sind viele Roma, die aus der Ukraine in die ost­euro­päi­schen Staaten flie­hen, ob­dach­los. Be­son­ders dras­tisch ist die Situa­tion in Tschechien. Dort schlafen Hun­derte Roma im oder vor dem Prager Bahnhof, da sie keine Unter­kunft be­kom­men und nicht re­gistriert werden. Die meis­ten von ihnen sind Frauen, Kinder, alte oder be­hin­derte Men­schen. Anders als weiße Ukrai­ner:in­nen be­kommen sie keine Visa für Ge­flüchtete.

Im Prager Bahnhof steht zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens ein Schlafwagen für sie bereit. In ihm über­nachten 500 Men­schen, ob­wohl er nur für die Hälfte angelegt ist. Die hygieni­schen Be­dingungen sind für sie ge­sund­heits­gefähr­dend. Frei­willige Hel­fer:innen wollen ihre Unter­stützung für diese Men­schen Ende Mai ein­stellen, um die Regierung zu zwin­gen, an­gemes­sene Unter­künfte zu orga­nisieren. Eine Helferin be­zeichnet die Situa­tion als humani­täre Krise, die nicht mehr trag­bar sei. (Mehr hier:  Zeltstadt in Prag für Roma aus der Ukraine)

Viele Roma warten darauf, dass die tschechischen Behörden über ihren Status ent­scheiden und sie unter­gebracht werden können. Viele haben ver­sucht, sich zu registrieren, wur­den aber ab­gewiesen, ohne ihnen den Grund zu nennen.

Die Weiterflucht in andere Länder bringt auch ihre Schwierig­keiten mit sich. Bereits am 8. April, dem Welt-Ro­ma-Tag, hatten die Unter­stüt­zer:in­nen von der „Gruppe gegen Anti­romaismus“ auf dem Dresdener Bahnhof erlebt, wie eine Gruppe ukrai­ni­sche Romnja, die aus Prag nach Deutschland kam, von der Polizei nicht aus dem Zug ge­lassen wurde. Da die Gruppe zu­fällig an­wesend war, konnte sie schnell Unter­stützung für die Romnja or­ganisieren. Es scheint je­doch, wie aus dem Guardian-Ar­ti­kel zu er­fahren ist, kein Einzelfall ge­wesen zu sein: Viele Roma, die nach Deutschland fliehen wollten, wurden in Dresden von der Polizei nicht aus dem Zug ge­lassen. (Mehr hier und hier.) Read the rest of this entry »

Facts & Figures (430)

Juni 4th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

2021 hat der Europ. Court of Human Rights 222 neue Men­schen­rechts­be­schwer­den aus Öster­reich zu­ge­las­sen (Deutsch­land: 574).

(Quelle/pdf)

Tief verwurzelt auch in der Forschung

Mai 30th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Deutschlandfunk Kultur: Rassismus gegen Sinti und Roma

Zeitfragen. Feature, 5.5.2022 (35 min)
Sendung von Christian Bernd

Rassismus gegen Sinti und Roma hat Tradition in Deutschland – auch in der Wissen­schaft. Sie zeich­nete bisher ein stereo­types Bild. Jetzt wollen Forschende, die der Min­der­heit an­ge­hören, ihre eige­ne Perspektive ein­bringen.

(Text und Beitrag: Deutschlandfunk Kultur)