The Truth lies in Rostock (D/GB 1993)

August 24th, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Zwischen dem 22. Und dem 26. August attackierte ein deutscher Mob ein mehr­heit­lich von Vietnamesen be­wohn­tes Haus in Rostock-Lichtenhagen. Dieses tage­lange Pogrom [das sich zu­nächst an der rassisti­schen Hetze ge­gen Roma-Flücht­lin­ge aus Rumänien ent­zün­dete (mehr hier), Anm. dROMa] wurde von einer applau­die­ren­den Menge be­gleitet, die sich in einer volks­fest­ähnli­chen Stimmung be­fand. Dies waren die hef­tigsten ras­sisti­schen Aus­schreitungen in der deut­schen Nach­kriegs­geschichte und zu­gleich ein Aus­druck der Stim­mung in Deutschland nach der Wieder­vereinigung.

Die Videoproduktion „The Truth lies in Rostock” ent­stand 1993 unter maß­gebli­cher Be­teili­gung von Men­schen, die sich zum Zeit­punkt der Gescheh­nisse im attackier­ten Wohnheim befanden. Deshalb zeich­net sich die Produk­tion nicht nur durch einen authen­tischen Charakter aus, son­dern ver­steht sich auch Jahre danach als scho­nungs­lose Kritik an einer Grund­stimmung in der bun­des­re­publi­kani­schen Gesell­schaft, die Pogrome gegen Migranten oder ein­fach nur „anders Aus­sehende” über­haupt erst möglich macht. Eine Montage von Video­material, gedreht aus den angegrif­fenen Häusern heraus, Interviews mit Anti­faschistIn­nen, den viet­name­si­schen Vertrags­arbei­terInnen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und An­wohnern. Eine Dokumentation über das heim­liche Ein­ver­ständnis der Politik und über die ver­breitete Angst.

Originaltitel: The Truth Lies in Rostock
Produktion: Spectacle London, JAKO videocoop, Rostock
Realisation: Mark Saunders, S. Cleary

(Text: JAKOTA Design Group)

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