Politik
März 27th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen
Racial Profiling und erweiterte DNA-Analysen in kriminalpolizeilichen Ermittlungen: Gemeinsame Fachveranstaltung von Zentralrat und Amadeu Antonio Stiftung
27.03.2018, 11:00 bis 16:30 Uhr
DokuZ Sinti und Roma Berlin
Prinzenstraße 84.2 – 10969 Berlin
Seit November 2016 haben Ermittler, Politiker und Journalisten die Forderung erhoben, die Anwendung erweiterter forensischer DNA-Analysen in Deutschland gesetzlich zuzulassen. Es geht dabei insbesondere um die Bestimmung der Haut-, Haar- und Augenfarbe (was unter dem Begriff DNA-phenotyping zusammengefasst wird) sowie der sogenannten „biogeografischen Herkunft“.
Aus Sicht von Wissenschaftler und Minderheiten-Vertretern sind erweiterte DNA-Analysen in der Forensik äußerst problematisch, da sich ein solches Verfahren vor allen Dingen gegen Minderheiten richtet. Schon 2016 formierte sich ein breites akademisches Bündnis und übte Kritik an der bevorstehenden Gesetzgebung, da zahlreiche Fragen zu den wissenschaftlichen Grundlagen, der Praxisanwendung oder den weitreichenden gesellschaftlichen Folgen nach wie vor ungeklärt waren und sind. Dennoch wurden diese Technologien in vielen Medien, in der Politik und von Seiten der Ermittlungsbehörden einseitig als positiv dargestellt.
Bislang kam es in Deutschland offiziell nur in einem Fall zu einer erweiterten biogeographischen Herkunftsanalyse mittels DNA, und zwar im Fall der von dem sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ermordeten Polizistin Michelle Kiesewetter. Diese erste Anwendung einer biogeographischen Herkunftsanalyse richtete sich ausschließlich gegen Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma. Der Fall wurde als das „Heilbronn-Phantom“ (mehr hier/pdf) bekannt und ein über Amtshilfe in Österreich erstelltes Gutachten führte dazu, dass Sinti und Roma massiv in den Fokus der Polizei gerieten. Die Ermittlungsakten dokumentieren eindeutig den antiziganistischen Charakter der polizeilichen Ermittlungen, der sich dann in der Medienberichterstattung widerspiegelte.
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Februar 27th, 2018 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Schweiz: Roma-Organisation reicht Strafanzeige wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm gegen Junge SVP des Kantons Bern ein
Der Verband Sinti und Roma Schweiz hat eine Strafanzeige wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm gegen die Junge SVP des Kantons Bern eingereicht. Grund ist ein Facebook-Post im Rahmen der JSVP-Wahlkampagne, der die Minderheiten der Sinti und Roma auf pauschalierende Weise herabsetzt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Strafanzeige.
Die Junge SVP Kanton Berns veröffentlichte am 21. Februar 2018 auf ihrer Facebook-Seite im Rahmen ihrer Wahlkampagne für den Grossrat einen Eintrag, der als rassistisch zu werten ist. Der Aufruf „JSVP-Kandidaten wählen – Transitplatz für Zigeuner verhindern!“ macht deutlich, dass ein Transitplatz für fahrende Sinti und Roma „schädlich“ sei. Gleichzeitig wird mit einer Illustration suggeriert, dass „Zigeuner“ pauschal schmutzig sind, zu Kriminalität neigen, ihre Fäkalien überall hinterlassen und die öffentliche Ordnung nachhaltig stören.
Diese Publikation verletzt aus Sicht des Verbandes Sinti und Roma Schweiz und der GfbV die Rassismus-Strafnorm Art. 261bis StGB Abs. 4, in dem eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert wird. „Die Publikation der Jungen SVP Kanton Bern gründet in der rassistischen Annahme, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Minderheit („Zigeuner“) mit Kriminalität, fehlender Hygiene, fehlendem Umweltbewusstsein und mit dem Stören der öffentlichen Ordnung verbunden ist. Auf diese Weise wird eine ganze Gruppe auf rassistische Weise herabgesetzt“, sagt Stefan Heinichen, Vorstandsmitglied des Verbandes Sinti und Roma Schweiz. „Dies ist inakzeptabel.“ Hinzu kommt, dass der besagte Begriff „Zigeuner“ für die Angehörigen der Sinti und Roma eine verletzende Fremdbezeichnung darstellt.
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Februar 16th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Addressing Discrimination and Antigypsyism in the Enlargement Region – Internationale Konferenz zu Antiziganismus in den Westbalkanstaaten in Berlin
Zentralrat: Ächtung von Antiziganismus in den Staaten des Westlichen Balkans und in der Türkei ist überfällig
Eine internationale Konferenz am 13. und 14. Februar in Berlin thematisierte erstmalig den zunehmenden Antiziganismus und die Diskriminierung von Roma in den EU-Beitrittsstaaten. Über 70 Vertreterinnen und Vertreter der Fachministerien und der Zivilgesellschaft aus den Ländern des Westlichen Balkans und aus der Türkei diskutieren auf der Konferenz, die vom „Regional Cooperation Council“ in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma organisiert wird, die strukturellen Auswirkungen von Antiziganismus sowie Gegenstrategien für die gleichberechtigte Teilhabe von Roma.
Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sieht eine historische Chance in der kürzlich von der EU-Kommission in Aussicht gestellten, schnellen EU-Beitrittsperspektive der Westbalkanländer. Rose fordert gleichzeitig, dass der Schutz der Minderheiten- und Menschenrechte als wichtige Grundlage von Rechtsstaat und Demokratie verbessert werden muss: „Gerade Roma in den Ländern des Westbalkans müssen endlich als gleichberechtigte Bürger anerkannt sein. Read the rest of this entry »
Februar 10th, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Okamura unter Druck wegen Äußerungen zu KZ Lety
Der Chef der Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ hat die menschenverachtenden Zustände im Roma-Konzentrationslager Lety während des Kriegs heruntergespielt. Nun drängen Abgeordnete darauf, Tomio Okamura als stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden abzuwählen.
➔Anhören (mp3)
Radio Praha, Till Janker: Äußerungen von Politikern der Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ (SPD) haben zu einem Aufschrei geführt. Allen voran geht es um Aussagen des Vorsitzenden Tomio Okamura. Dieser behauptete, dass das Roma-KZ im südböhmischen Lety nicht mit Stacheldraht umgeben gewesen wäre und sich die Insassen dort frei hätten bewegen können. Doch damit widersprach er eindeutig den Fakten.
In Lety bestand ab 1939 zunächst ein sogenanntes Arbeitslager, das die Regierung im Protektorat vor allem für Roma eingerichtet hatte. Dann übernahmen die Deutschen die Aufsicht und sprachen von einem „Zigeunerlager“. Mehr als 300 Menschen starben dort an den Folgen von Unterernährung, körperlicher Schwerstarbeit und Seuchen. Die anderen wurden in die Vernichtungslager deportiert und dort umgebracht. Die tschechische Regierung möchte in Lety nun eine Gedenkstätte einrichten und hat deswegen eine Schweinefarm am Ort des Lagers aufgekauft.
Ähnliche Aussagen wie Okamura hatte im vergangenen Jahr schon sein Parteikollege Miloslav Rozner getroffen. Er nannte Lety ein „nicht existentes Pseudo-Konzentrationslager“. Die Roma-Organisation Konexe hält all diese Thesen für eine Leugnung des Völkermords. Read the rest of this entry »
Januar 26th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
„Rechtsstaat ad absurdum geführt“ – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert Untätigkeit der Staatsanwaltschaft gegenüber rassistischer Wahlwerbung
Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt stellte aktuell ein Strafverfahren gegen die NPD wegen Volksverhetzung ein. Diese Einstellung begründete sie damit, dass die Person, die die NPD-Wahlplakate mit dem Text „Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma“ aufgehängt hat, nicht ermittelt werden könne. Dafür, dass diese Plakate in Ingolstadt auf Veranlassung der NPD aufgehängt wurden, gebe es keine Anhaltspunkte. Es sei festzustellen, dass aufgrund der durchgeführten Ermittlungen nicht die NPD, sondern eine Person, die diese alten Plakate noch in Besitz hatte, die Plakate in Ingolstadt aufgehängt habe und die Person nicht ermittelt werden könne.
Hierzu erklärte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose: „Angehörige unserer Minderheit werden seit 2013 in verschiedenen Wahlkämpfen mit eben diesen volksverhetzenden Plakaten aus der Rechtsgemeinschaft ausgegrenzt. Deswegen forderten wir die Stadt Ingolstadt dazu auf, die Plakate abhängen zu lassen. Die Stadt weigerte sich, da ihrer Rechtsansicht zufolge eine Volksverhetzung nicht vorliege und die rassistische Parole von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Die Stadt hatte positive Kenntnis von den Plakaten. Wären diese ordnungswidrig aufgehängt worden und nicht der NPD zuzuordnen, hätte die Stadt die Abhängung veranlasst. Durch die Form der Ermittlungsarbeit und die Begründung, wie sie von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt gewählt wurde, wird unser Rechtsstaat ad absurdum geführt. Read the rest of this entry »
Januar 25th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Amnesty International kritisiert die Aufnahme eines neuen Wegweisungsgrunds «gegen unerlaubtes Campieren» im Polizeigesetz des Kantons Bern (mehr hier). Die „Lex Fahrende“ bietet keine Lösung für das Problem der fehlenden Stand- und Durchgangsplätze und droht den Antiziganismus zu fördern.
Amnesty International Schweiz, 24.1.2018: In den letzten Jahren kam es zu Schließungen zahlreicher Stand- und Durchgangsplätze in der Schweiz. Diese wurden mehrheitlich nicht ersetzt. Mit der Besetzung der Kleinen Allmend in Bern im April 2014 (mehr hier und hier) durch VertreterInnen der Bewegung Schweizer Reisender kam dieser Problematik endlich auch die notwendige politische Bedeutung zu und es konnten zwischenzeitlich einige Provisorien geschaffen werden. Von diesen können aber vor allem Schweizer Fahrende profitieren und sie stehen ausländischen Fahrenden oft nicht zur Verfügung.
«Die Situation ist sowohl für die Schweizer Fahrenden und noch viel mehr für die ausländischen Fahrenden prekär und für die Betroffenen mehr als unbefriedigend», sagt Denise Graf, Juristin bei Amnesty International Schweiz.
Problem auf die lange Bank geschoben
Es sind zwar Bemühungen im Gang, in der kantonalen Raumplanung definitive Stand- und Durchgangsplätze zu schaffen, doch die Resultate dieser Bemühungen lassen auf sich warten. Bislang gibt es keine offiziellen Plätze im Kanton Bern für ausländische Fahrende. Sie sehen sich deshalb dazu gezwungen, sich auf privaten Grundstücken niederzulassen. Dies führt bei der Bevölkerung oft zu Ablehnung und Ressentiments gegenüber Roma, Sinti und Jenischen.
Solange die Berner Behörden ihre Aufgaben nicht gemacht haben, können sie nicht polizeilich gegen die ausländischen Fahrenden vorgehen, die sich auf privaten Grundstücken niederlassen. Bei einer polizeilichen Wegweisung muss die Polizei den Fahrenden die Adresse eines offiziellen Ortes geben können, wo sie Durchgangsplätze finden können. Read the rest of this entry »
Januar 19th, 2018 |
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Einrichtungen, Interview, Politik, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radijo Burgenland: 8.1.2018 | (on demand)
Flogoskero grupnengero bajrot: Gärtner-Horvath terdscharel pe papal uso völinipe le anglebeschtostar
Ada bersch, ando feberi vaj merc, o flogoskero grupnengero bajrot papal nevo konstiturim ol. O anglebeschto Emmerich Gärtner-Horvath papal te kanidirinel kamla. Ov adi kherodaschi use i adivesakeri sendung Roma sam hi.
Le paldikipeske o Emmerich Gärtner-Horvath la butjaha le Romane organisacijendar loschando pe sikal. Poar barikane projektscha sar ando mediji barikane prik bescharde ule taj o upre terdschavipe le gondolipeskere tablinendar latsche rejalisirim ol. Te o Emmerich Gärtner-Horvath o schajipe uschtidija i funkcijona ando bajrot papal pantsch berscha te kerel, leske i lek barikaneder buti hi, o konstruktivi dijalog la neva regirungaha te kerel, phenel lo. „Te i medijakeri buti andi flogoskeri grupn andi redakcija leske meg mindig barikano hi“, phenel o anglebeschto Emmerich Gärtner-Horvath.
Kada o Rudolf Sarközi mulo, i funkcijona jek bersch schutschi atschini. O Emmerich Gärtner-Horvath andar Roma-Service o anglebeschipe le flogoskere grupnengere bajrotistar le Romendar ando merc 2017 prik lija.
(volksgruppen.orf.at)
Januar 16th, 2018 |
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Einrichtungen, Interview, Politik, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radio Burgenland: 8.1.2018 | (on demand)
Volksgruppenbeirat: Gärtner-Horvath stellt sich nochmals zur Wahl als Vorsitzender
volksgruppen.orf.at: Heuer, im Februar oder März, wird der Volksgruppenbeirat für Roma neu konstituiert. Dessen Vorsitzender Emmerich Gärtner-Horvath will nochmals kandidieren. Er ist zu Gast in der aktuellen Ausgabe von Roma sam.
Rückblickend zeigt sich Gärtner-Horvath mit der Arbeit der Romaorganisationen zufrieden. Einige wichtige Projekte im Bereich Medien wurden erfolgreich umgesetzt und die Aufstellung der Gedenktafeln im entsprechenden aufklärerischen Rahmen realisiert. Falls Emmerich Gärtner-Horvath die Möglichkeit genießen würde, die Funktion als Vorsitzender im Beirat für weitere fünf Jahre auszuüben, sei die wichtigste Aufgabe für die nächste Legislaturperiode, einen konstruktiven Dialog mit der neuen Regierung herzustellen, meint er. Read the rest of this entry »
Dezember 18th, 2017 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus auf der Tagesordnung der EU High Level Group zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen von Intoleranz
Die EU High Level Group zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen von Intoleranz, bei der Vertreter/innen der EU-Mitgliedstaaten und Vertreter/innen der Zivilgesellschaft zusammenkommen, legte bei ihrem 4. Treffen am 5. Dezember 2017 besonderes Augenmerk auf das Phänomen Antiziganismus.
Vera Jourova, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellungsfragen, brachte in ihrer Eröffnungsrede ihre tiefe Besorgnis über die weitverbreitete soziale Akzeptanz von Antiziganismus zum Ausdruck. Als aktuelles Beispiel nannte sie einen Fall von Hassreden und Morddrohungen gegen einen tschechischen Roma-Sänger, Gypsy.cz, der vom nationalen Gericht mit nur 4 Euro Strafe geahndet wurde. Gerichtsurteile wie diese senden eine fatale Botschaft in die Gesellschaft, wenn es darum geht, Antiziganismus zu bekämpfen.
MdEP Soraya Post (S&D Fraktion) betonte die Notwendigkeit, die Hauptursache für Diskriminierung und Hass gegen Roma – den Antiziganismus – zu beseitigen, und rief alle Regierungen und Pflichtenträger/innen dazu auf, Verantwortung für ihre Bürger/innen zu übernehmen. Post warnte: „Europa steht erneut am Scheideweg. Extremistische Parteien geraten immer häufiger in Regierungsverantwortung, ausländerfeindliche Stimmen werden immer lauter und bisweilen von Regierungsmitgliedern toleriert.“
Jamen Gabriela Hrabanova, Direktorin des ERGO-Netzwerks, stellte in ihrem Beitrag das Referenzpapier Antiziganismus vor und wies darauf hin, dass es wichtig sei, sich bei der Bekämpfung von Antiziganismus auf die Mehrheitsgesellschaft zu konzentrieren: „Es muss unbedingt anerkannt werden, dass Antiziganismus keine Minderheitenangelegenheit ist.“ Read the rest of this entry »
Dezember 16th, 2017 |
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Politik
Bayrische Landesregierung billigt Vertrag mit dem Landesverband Bayern der Deutschen Sinti und Roma
Der Ministerrat hat in der Kabinettssitzung am Dienstag den Vertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Landesverband Bayern der Deutschen Sinti und Roma gebilligt. So soll die bestehende enge Zusammenarbeit zwivschen dem Freistaat und dem Landesverband im Hinblick auf Geschichtsbewusstsein sowie Aufklärung und Förderung der Toleranz gegenüber Minderheiten fortgesetzt und intensiviert werden. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle: „Neben der Schoah, dem Völkermord an den Juden, ist der Massenmord an den Sinti und Roma das zweite große genozidale Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland. Dieser Vertrag ist Ausdruck des Bewusstseins einer historisch-politischen Verantwortung, die in die Zukunft weist.“
In dem öffentlich-rechtlichen Vertrag wird außerdem die finanzielle Förderung durch den Freistaat festgeschrieben. Bislang sind die Zuweisungen haushaltsrechtlich freiwillige Leistungen. Der Vertrag wird nun dem Landtag zur Kenntnis gebracht, bevor ihn Ministerpräsident Horst Seehofer und der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands Bayern der Deutschen Sinti und Roma Erich Schneeberger unterzeichnen. Read the rest of this entry »
Dezember 10th, 2017 |
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Politik
EU-Bürgerinitiative:
Minority SafePack – eine Million Unterschriften für die Vielfalt Europas
➔ Unterschreiben
Wichtigste Ziele:
Wir fordern die EU auf, eine Reihe von Rechtsakten zu verabschieden, um den Schutz für Angehörige nationaler und sprachlicher Minderheiten zu verbessern sowie die kulturelle und sprachliche Vielfalt in der Union zu stärken. Diese umfassen politische Maßnahmen in den Bereichen Regional- und Minderheitensprachen, Bildung und Kultur, Regionalpolitik, Partizipation, Gleichheit, audiovisuelle Mediendienste und andere mediale Inhalte sowie regionale (staatliche) Förderungen.
Das Ziel der Bürgerinitiative ist also dass die Europäische Union sich in Zukunft stärker mit Minderheitenthemen befassen soll. Die Minority SafePack Initiative wurde von einem hochrangigen Bürgerausschuss im Sommer 2013 eingereicht. Nach einer ablehnenden Entscheidung seitens der Kommission und nach einem langen Rechtsstreit beim EU-Gericht in Luxemburg hat der Bürgerausschuss in Februar 2017 gewonnen. Nach einem Dialog zwischen dem Bürgerausschuss und der EU-Kommission wurde die Minority SafePack Initiative Anfang April 2017 registriert. Hierbei wurden von den elf eingereichten Vorschlägen von der Kommission neun als innerhalb ihrer Kompetenzen liegend eingestuft. Für diese Vorschläge werden nun die Unterschriften gesammelt. Bei mehr als einer Million Unterschriften ist die EU-Kommission verpflichtet, sich mit dem Thema zu befassen. Read the rest of this entry »
Dezember 4th, 2017 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Slowakei: Gelungene Integration von Roma
Das Erste: Europamagazin vom 3.12.2017
>>Zum TV-Beitrag: Das Erste (online bis 3.12.2018)
In der Slowakei leben Roma meist ohne Job am Rand der Gesellschaft. Der Bürgermeister des kleinen Dorfes Spišský Hrhov (Prešovský kraj) wollte das nicht länger hinnehmen. Die rund 350 Roma des Ortes stellen immerhin ein Fünftel der Bevölkerung. Bürgermeister Vladimír Ledecký hat einen Gemeindebetrieb nur für Roma gegründet und damit Arbeitsplätze und bescheidenen Wohlstand geschaffen. Zunächst waren die Dorfbewohner skeptisch, aber inzwischen hat der Bürgermeister den ganzen Ort hinter sich. Sein Erfolgsrezept: Ganz viel Eigeninitiative, Hartnäckigkeit und Engagement. Der Gemeindebetrieb mit den Roma finanziert sich selbst, durch gärtnerische und landschaftsgestalterische Arbeiten. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht.
(Autor: Jürgen Osterhage)
Siehe auch:
Slovak Village Prospers in Partnership With Roma Residents It Once Shunned (New York Times, 9.9.2017)
November 28th, 2017 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Aus der Praxis lernen – bundesweit gegen Antiziganismus!“ Unter diesem Motto veranstaltete das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas am Mittwoch in Berlin die Konferenz „Every day is Romaday! Dialog mit Politik, Behörden und Bildungseinrichtungen in Deutschland“. Welche Strategien zur gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und von Roma funktionieren und wo gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten? Anlässlich des fünften Jahrestags der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas wurde bei der Fachkonferenz hierzu ein Fazit gezogen.
Etwa 250 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der ganzen Bundesrepublik kamen in Berlin zusammen, um bestehende Kontroversen zu diskutieren und neue Kooperationen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung, Antidiskriminierung, Soziale Lage/Wohnsituation, Kultur, Bleiberecht, Migration und internationale Projekte zu verabreden.
Im Vorbereitungsprozess wurden zusammen mit den Kommunen und regionalen Roma- und Sinti-Organisationen vier Landesfachtage, 26 Symposien und etwa 40 Jugendworkshops im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Darüber hinaus haben die Bündnispartner und Bündnispartnerinnen gemeinsam mit den Aktiven aus den Bundesländern eine Abschlusserklärung mit Handlungsempfehlungen zur Überwindung des Antiziganismus und zur Förderung der Gleichstellung von Roma und Sinti in Deutschland entwickelt. Diese soll einer neu gebildeten Bundesregierung zum Start der Legislaturperiode mit auf den Weg gegeben werden. Das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas und die Aktiven aus den Bundesländern fordern:
- die Bildung eines Expertenkreises „Antiziganismus“, Maßnahmen zur Überwindung des institutionellen Antiziganismus und die Anerkennung von Antiziganismus als Asylgrund,
- die Bereitstellung eines Fonds für die Qualifizierung und Beschäftigung von Roma und Sinti im Bildungsbereich,
- die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Kommunen und die politische Unterstützung der Integration von Eingewanderten mit Romno-Hintergrund auf allen Ebenen.
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November 26th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Politik

Staat hat den Vertrag zum Ankauf der Schweinemast in Lety nun unterzeichnet. Jetzt liegt es an den Aktionären.
Der tschechische Staat hat den geplanten Vertrag zum Kauf der Schweinefarm am Ort des ehemaligen Roma-Konzentrationslagers Lety abgeschlossen. Für die öffentliche Hand unterzeichnete die Leiterin des Museums der Kultur der Roma, Jana Horváthová, das Dokument. Aufseiten des Betreibers der Schweinemast müssen am 4. Dezember noch die Aktionäre dem Verkauf zustimmen. In Lety soll eine Gedenkstätte für den Völkermord an den Roma entstehen. Zum Kaufpreis von 450 Millionen Kronen (17,7 Millionen Euro) wird der Staat noch weitere Mittel investieren müssen. Read the rest of this entry »
November 25th, 2017 |
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Politik
Erstmals wurde eine Romni zur Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments gewählt. Die konservative ungarische Politikerin Livia Járóka wurde in der Plenartagung am 15. November mit 290 Stimmen zur Nachfolgerin der ausgeschiedenen Abgeordneten Ildikó Gáll-Pelcz bestimmt. Die 1974 geborene und nahe der österreichischen Grenze in Sopron aufgewachsene Járóka war bereits von 2004 bis 2014 EU-Abgeordnete von Fidesz. Im September 2017 rückte sie als Ersatz für die Abgeordnete Gáll-Pelcz neuerlich ins Parlament nach.
Vor Járóka hatte es mit dem Sozialisten Juan de Dios Ramírez Heredia aus Spanien (1986–1994, 1999) nur einen einzigen Abgeordneten gegeben, der selbst der Minderheit der Roma angehört. Ihre liberale Kollegin Viktória Mohácsi, ebenfalls Romni aus Ungarn, schied nach den Wahlen 2009 aus dem EU-Parlament aus, 2012 stellte sie einen Asylantrag in Kanada. Seit 2014 sind im Europäischen Parlament zwei weitere Abgeordnete vertreten, die sich zu ihrer Roma-Herkunft bekennen: Soraya Post aus Schweden und Damian Drăghici aus Rumänien.
(dROMa)
November 20th, 2017 |
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Politik, Recht & Gericht
Albanien hat die Volksgruppe der Roma als „Nationale Minderheit“ offiziell anerkannt. Das diesbezügliche Gesetz (Nr. 96/2017, „Schutz der Nationalen Minderheiten in der Republik Albanien“) wurde bereits Mitte Oktober im albanischen Parlament verabschiedet. Damit hat die Volksgruppe in Zukunft Anspruch auf besonderen staatlichen Schutz, der deutlich über den Rechtsstatus als bloße „ethno-linguistische Minderheit“, als die Albaniens Roma bislang galten, hinausgeht. Mit dem neuen Gesetz haben Roma das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben und auf Erhaltung ihrer kulturellen Identität. Sie haben auch das Recht auf Bildung in der Minderheitensprache. Diskriminierung aus kulturellen, ethnischen oder sprachlichen Gründen ist verboten. Nach Inkrafttreten des Gesetzes werden die Roma, gemeinsam mit acht weiteren Minderheiten (Griechen, Mazedonier, Aromunen, Ägypter, Montenegriner, Serben und Bulgaren), im staatlichen Minderheitengremium, dem „Komittee für Nationale Minderheiten“, vertreten sein.
(dROMa)
November 17th, 2017 |
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Musik, Politik, Radio, Podcast & TV
Radio RomaRespekt #21: Romeo Franz und die Hildegard-Lagrenne-Stiftung
Sendung vom 6.9.2017: Romeo Franz ist Musiker und Politiker. Als Musiker hat er die Musik des Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin komponiert, als Politiker setzt er sich für die Belange der Minderheit ein. In der Sendung spricht er darüber, mit welchen politischen Instrumenten die Landesverbände der Sinti und/oder Roma Verbindlichkeit von ihren jeweiligen Landesregierungen erreichen können. Als Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung sorgt er sich um die Förderung von Bildungsverläufen von jungen Angehörigen der Minderheit. Kathrin Bastet hat während der Herbstschule gegen Antiromaismus 2015 mit Romeo Franz gesprochen.
Die Musik stammt vom Romeo Franz Ensemble: Happy Swing For You, Late Night
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)
Siehe auch:
Romeo Franz – Sinti-Aktivist und Politiker, 8.11.2014
November 12th, 2017 |
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Musik, Politik, Radio, Podcast & TV
„Heimat Fremde Heimat“
ORF2, Sendung vom 12.11.2017
Ansehen: ORF-TVthek
Lakis Jordanopoulos präsentiert das ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ am Sonntag, dem 12. November 2017, um 13.30 Uhr in ORF2. Weiterer Beitrag: Gebärdensprache hilft aus der Isolation.
Mehr Schutz für Europas autochthone Minderheiten
„Minority Safepack“ lautet der Name einer EU-weiten Initiative, die von der Föderalistischen Union der europäischen Volksgruppen (FUEN) auf die Beine gestellt wurde und mehr Schutz für die autochthonen Minderheiten in der Union bringen soll. Die EU-Kommission wollte die Initiative zunächst gar nicht anerkennen. Erst ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes verpflichtete sie dazu. Nun wirbt die Föderalistische Union der europäischen Volksgruppen aktiv um breite Unterstützung. Denn für ihr geplantes Volksbegehren (unterschreiben) müssen bis April 2018 innerhalb der EU eine Million Unterschriften gesammelt werden. Ende Oktober wurde „Minority Safepack“ in Wien vorgestellt. Ajda Sticker war dabei.
Harri Stojka wird 60
Harri Stojka gehört zu den berühmtesten Gitarristen in Österreich. Sein guter Ruf als Jazz- und Gipsy-Swing-Virtuose eilt ihm bis über die Landesgrenzen hinweg voraus. Mit seinem unnachahmlichen Gitarrenstil hat er die heimische Musikszene mitgeprägt. Das Musikergenie engagiert sich aber auch für die hiesige Roma-Community. Read the rest of this entry »
November 1st, 2017 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bulgariens Vizepremier und Integrationsbeauftragter Waleri Simeonow wegen einer Hassrede gegen Roma verurteilt.
Deutsche Welle: Es war eine doppelte Premiere für Bulgarien: Das Kreisgericht Burgas verurteilte in der ersten Instanz den Vizeregierungschef Waleri Simeonow wegen einer Hate Speech gegenüber der Roma-Minderheit im Lande. Einerseits waren bisher die bulgarischen Gerichte sehr zögerlich, wenn es um Hassreden gegen Roma ging. Gleichzeitig wurde bislang in Bulgarien noch nie ein stellvertretender Regierungschef verurteilt (…). Eine Stellungnahme der Regierung dazu blieb allerdings aus und Simeonow behielt seinen Posten. (…) Verurteilt wurde er wegen einer Rede im bulgarischen Parlament am 17. Dezember 2014. Der 62-jährige Politiker (…) sagte über die Roma unter anderem:
Es sind dreiste, wild gewordene menschenähnliche Wesen, die auf Lohn ohne Arbeit bestehen und die das Krankengeld kassieren, ohne krank zu sein. Die das Kindergeld bekommen für Kinder, die auf der Straße mit den Schweinen spielen, und für Frauen mit einem Instinkt von Straßenhündinnen.
Das Gericht stellte fest, dass diese Aussage (…) als Hetze gegen die Roma-Minderheit zu behandeln ist. Solche Aussagen, heißt es in der Urteilsbegründung, würden „eine feindliche, erniedrigende, diffamierende und beleidigende Atmosphäre schaffen, sodass sich jede Person mit einer ethnischen Roma-Zugehörigkeit davon betroffen fühlen kann.“ Geklagt haben zwei Roma-Journalisten: Kremena Budinova und Ognian Issaev. Da sie ausdrücklich kein Schmerzensgeld wollten, wurde Simeonow nur dazu verurteilt, die inkriminierte Tat einzustellen und in Zukunft davon abzusehen. In einer Erklärung nach dem Urteil erinnert die Anwältin Margarita Ilieva daran, das der Verurteilte nicht nur Vizepremier, sondern auch Leiter des Integrationsrats für ethnische Minderheiten ist.
Simeonows Partei NFSB sieht in ihrem Wahlprogramm die Auflösung der „Zigeunerghettos“ vor sowie die Isolierung der Roma in geschlossenen „Reservaten“ nach dem Vorbild der Indianer- oder Aborigine-Reservate, die zu einer „Touristen-Attraktion“ werden könnten. Im Verlauf seiner Karriere als Politiker hat er sogar über „moderne Konzentrationslager“ sinniert. Read the rest of this entry »
Oktober 31st, 2017 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (Hg): Fahrende Roma in der Schweiz. Bedürfnisse, Herausforderungen und Perspektiven, Bericht v. Okt. 2017, 88 S.
>>Download: „Fahrende Roma in der Schweiz“ (PDF)
Im Rahmen des Projektes «Fahrende Roma in der Schweiz » hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Zusammenarbeit mit dem Verband Sinti und Roma Schweiz einen Bericht erarbeitet, der Aufschluss über die Lage und Bedürfnisse der fahrenden Roma gibt sowie die Perspektive der Polizei reflektiert. Darüber hinaus will der Ende Oktober 2017 veröffentlichte Bericht einen Einblick in die Geschichte, Kultur und soziale Organisation der Roma verschaffen und setzt sich mit ihrer rechtlichen Situation in der Schweiz auseinander. Schließlich formuliert die GfbV konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation.
Rechtlicher Schutz und Platzsituation
Aus rechtlicher Perspektive haben nicht nur Schweizer, sondern auch ausländische fahrende Minderheiten Anspruch auf ein Halterecht in der Schweiz – dies unter anderem aufgrund des Diskriminierungsverbotes und des Minderheitenschutzes. Im neuen Bericht der GfbV werden daher detailliert die völker- und verfassungsrechtlichen Grundlagen beschrieben, unter deren Schutz die fahrenden Roma in der Schweiz stehen. Sind diese im Besitz einer Reisegewerbebewilligung, so ist ihnen die Erwerbstätigkeit in der Schweiz erlaubt. Die meisten Roma, welche die Schweiz durchreisen, stammen aus westeuropäischen Ländern und arbeiten jeweils mehrere Monate in der Schweiz. Gemäß Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz sollen sie bei Einreise, Ausreise und Arbeit gleichberechtigt gegenüber Schweizerinnen und Schweizern sein. Die Diskriminierung von fahrenden Roma auf Schweizer Halteplätzen zeigt jedoch auf, dass in der Realität das Gegenteil der Fall ist: In den letzten Jahren hat sich die Situation für die fahrenden Roma bezüglich Transit- und Durchgangsplätzen stark verschlechtert.
Viele Kantone haben begonnen, ihre Plätze nach «Schweizer Fahrende» und «ausländische Fahrenden» aufzuteilen. Laut Standbericht 2015 des Gutachtens «Fahrende und Raumplanung» sind mehr als die Hälfte der bestehenden Durchgangsplätze für «ausländische Fahrende» nicht mehr geöffnet. Read the rest of this entry »