Archive for August 6th, 2009

Ungarn: Nach Romamord von Kisléta

August 6th, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Justizminister trifft Roma-Vertreter

Im Budapester Landespolizeipräsidium sind zwanzig Leiter von Roma-Organisationen mit Justizminister Tibor Draskovics und Landespolizeichef Jozsef Bencze zusammengetroffen. Dabei wurden Informationen über die Attentatsserie gegen Angehörige der Minderheit übergeben. Die ungarische Polizei sieht den jüngsten Mord an einer 45-jährigen alleinerziehenden Mutter als Teil einer andauernden Angriffswelle auf Roma. Allein innerhalb eines Jahres gab es 55 Angriffe gegen Roma, acht Menschen starben, weitere wurden verletzt. Draskovics erklärte im ungarischen Fernsehen, die Methode der Morde an den Roma, die verwendeten Mittel, die Auswahl der Opfer sprächen dafür, dass es sich um den- oder dieselben Täter handeln könnte. Laut Polizeiangaben ist die Mordwaffe identisch mit jener, die bei mindestens zwei weiteren Fällen verwendet wurde. Die Frankfurter Rundschau schreibt dazu:

Die Täter schlagen stets in der Nacht zu, immer in kleinen Ortschaften in der ungarischen Provinz. Mal legen sie Feuer oder werfen Handgranaten. Immer aber erschießen sie ihre Opfer, allesamt unbescholtene, friedliche Bürger, in oder vor deren Häusern. Sie verschonen auch Kinder nicht. Doch die Unbekannten töten nicht wahllos: Alle Ermordeten sind Angehörige der Roma-Minderheit in Ungarn. (…) Übereinstimmende Spuren und Ähnlichkeiten beim Tathergang lassen für die Ermittler keine Zweifel mehr: Bis zu acht Morde in mehr als einem Jahr könnten − so ihre Annahme − auf das Konto der kaltblütigen Täter gehen.  Read the rest of this entry »

Festival in Guča: „Wilder geht nimmer“

August 6th, 2009  |  Published in Medien & Presse, Musik

Trompetenfestival in GučaSeit gestern platzt Guča wieder einmal aus allen Nähten: Vom 5. bis zum 9. August liefert das beschauliche serbische Städtchen die Kulisse für die bereits 49. Auflage des größten serbischen Musikfestivals, das seit 1961 (und nicht, wie im unten zitierten Artikel behauptet, erst seit den späten 60ern) alljährlich in Guča stattfindet. Das legendäre Festival, dem vor allem die zahlreichen Roma-Blaskapellen ihren Stempel aufdrücken, lockt längst auch tausende internationale Besucher in die westserbische Provinz und hat auch schon den Stoff für einen Dokumentarfilm und ein dokumentarisch unterfüttertes Kinomärchen abgegeben. Eine Reise zum Balkan-Blasmusik-Festival, fasst der Popjournalist und Buchautor Garth Cartwright im kürzlich generalüberholten „Freitag“ (und im britischen „Guardian“) seine Guča-Eindrücke aus vergangenen Jahren zusammen, „knallt stärker rein als jede Droge“:

(…) Ich steige aus dem Bus, hinein in eine schwüle, von Trompetentönen durchschnittene Luft, die Straßen sind voll mit tanzenden Menschen. (…) Mit nur 2.500 Einwohnern scheint Guča nicht gerade ein geeigneter Ort, ein Musikfestival zu beherbergen, das in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Europas geworden ist. Einheimische beschreiben Guča als „Serbiens Woodstock“ – das Spektakel kostet keinen Eintritt und zieht jedes Jahr mehr als 300.000 Leute an, sowohl Serben als auch eine zunehmende Zahl internationaler Gäste, die den wilden Blaskapellen bei ihrem musikalischen Wettstreit zuhören wollen. (…) Das Guča-Festival kennt keine Sperrstunde und nur sehr wenige Regeln. Es ist eine Orgie im besten Sinne, bei der hunderte von Musikern eine Art östlichen Funk zum Besten geben, zu dem alle tanzen, bis sie umfallen. Ich habe in den Neunzigern illegale Techno-Veranstaltungen auf offenen Feldern oder in alten Fabriken mitgemacht, aber all das war nichts im Vergleich zu Guča, wo die Tänzer mithilfe von festlich gekleideten Orchestern und Unmengen an Bier und Fleisch in Ekstase geraten. Read the rest of this entry »