Festival in Guča: „Wilder geht nimmer“
August 6th, 2009 | Published in Medien & Presse, Musik | 1 Comment
Seit gestern platzt Guča wieder einmal aus allen Nähten: Vom 5. bis zum 9. August liefert das beschauliche serbische Städtchen die Kulisse für die bereits 49. Auflage des größten serbischen Musikfestivals, das seit 1961 (und nicht, wie im unten zitierten Artikel behauptet, erst seit den späten 60ern) alljährlich in Guča stattfindet. Das legendäre Festival, dem vor allem die zahlreichen Roma-Blaskapellen ihren Stempel aufdrücken, lockt längst auch tausende internationale Besucher in die westserbische Provinz und hat auch schon den Stoff für einen Dokumentarfilm und ein dokumentarisch unterfüttertes Kinomärchen abgegeben. Eine Reise zum Balkan-Blasmusik-Festival, fasst der Popjournalist und Buchautor Garth Cartwright im kürzlich generalüberholten „Freitag“ (und im britischen „Guardian“) seine Guča-Eindrücke aus vergangenen Jahren zusammen, „knallt stärker rein als jede Droge“:
(…) Ich steige aus dem Bus, hinein in eine schwüle, von Trompetentönen durchschnittene Luft, die Straßen sind voll mit tanzenden Menschen. (…) Mit nur 2.500 Einwohnern scheint Guča nicht gerade ein geeigneter Ort, ein Musikfestival zu beherbergen, das in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Europas geworden ist. Einheimische beschreiben Guča als „Serbiens Woodstock“ – das Spektakel kostet keinen Eintritt und zieht jedes Jahr mehr als 300.000 Leute an, sowohl Serben als auch eine zunehmende Zahl internationaler Gäste, die den wilden Blaskapellen bei ihrem musikalischen Wettstreit zuhören wollen. (…) Das Guča-Festival kennt keine Sperrstunde und nur sehr wenige Regeln. Es ist eine Orgie im besten Sinne, bei der hunderte von Musikern eine Art östlichen Funk zum Besten geben, zu dem alle tanzen, bis sie umfallen. Ich habe in den Neunzigern illegale Techno-Veranstaltungen auf offenen Feldern oder in alten Fabriken mitgemacht, aber all das war nichts im Vergleich zu Guča, wo die Tänzer mithilfe von festlich gekleideten Orchestern und Unmengen an Bier und Fleisch in Ekstase geraten.
(…) Gegründet wurde das Festival in den späten Sechzigern. In Titos Jugoslawien wurde Folklore groß geschrieben und einige Parteisekretäre mit gutem Gehör bemerkten, dass die Landflucht der Blasmusiktradition Schaden zufügte. Um dem zu begegnen beschlossen sie, ein einen alljährlichen Wettbewerb auszurichten, bei dem das beste Orchester mit einer Goldenen Trompete ausgezeichnet werden sollte. (…) Das offizielle Festival teilt sich in drei Teile: Das Eröffnungskonzert am Freitag, die offiziellen Feiern am Samstag und das sonntägliche Finale um die Verleihung der Goldenen Trompete.
Den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel von Garth Cartwright, erschienen im „Freitag“ (Nr. 29/2009), finden Sie hier.
August 9th, 2009 at 13:42 (#)
[...] und Guča-Mehrfachsiegers Boban Marković. Und als kleinen Nachtrag zu Garth Cartwrights Text im „Freitag“ möchten wir Sie noch auf einen zweiten Artikel aufmerksam machen. Darin berichtet [...]