Literatur & Bücher
Mai 1st, 2023 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Stephan Steiner: Combating the Hydra. Violence and Resistance in the Habsburg Empire, 1500–1900 (= Central European Studies, 3), Purdue University Press: West Lafayette 2023.
→zum Download, Open Access (CC-BY-NC)
„Combating the Hydra“ untersucht sowohl die strukturelle als auch die anlassbezogene staatliche Gewalt des frühneuzeitlichen Habsburgerreiches. Das Buch schildert und analysiert Angriffe auf marginalisierte, „unangepasste“ Menschen aller Art, Frauen „von schlechtem Rufs“, „ketzerische“ Protestanten und „Zigeuner“. Bislang nicht erfasste Archivquellen enthüllen den Einsatz von willkürlicher Inhaftierung, Zwangsarbeit und Deportation. Die vorgestellten Fallstudien geben Einblicke in die Ursprünge moderner staatlicher Macht aus vielfältigen Techniken der Bevölkerungskontrolle, sind aber auch eine Untersuchung des Widerstands gegen Unterdrückung, Verfolgung und lebensbedrohliche Übergriffe. Das Spektrum der Kämpfe gegen die Entwürdigung ist ein berührendes Zeugnis der Menschlichkeit der Ausgestoßenen; es reicht von geistiger und emotionaler Ausdauer bis hin zur Gegengewalt. Ein Gespräch mit dem bedeutenden Historiker Carlo Ginzburg schließt diese Sammlung mit der Frage nach der Bedeutung des Erinnerns an die Schrecken der Vergangenheit ab.
“Combating the Hydra” explores structural as well as occasion-specific state violence committed by the early modern Habsburg Empire. The book depicts and analyzes attacks on marginalized people “maladjusted” of all sorts, women “of ill repute,” “heretic” Protestants, and “Gypsies.” Previously uncharted archival records reveal the use of arbitrary imprisonment, coerced labor, and deportation. The case studies presented provide insights into the origins of modern state power from varied techniques of population control, but are also an investigation of resistance against oppression, persecution, and life-threatening assaults. Read the rest of this entry »
April 22nd, 2023 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Marius Weigl: Internierung und Militärdienst. Die ‚Lösung der Zigeunerfrage‘ in Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg (=Sozial- und wirtschaftshistorische Studien, Bd. 40), Böhlau: Wien u.a. 2022 (Dez.), 560 S.
→Zum Download (CC-BY-4.0 Int.)
Das Wiener Innenministerium der Republik Österreich ging 1918 davon aus, dass die ‚Zigeunerfrage‘ im Zuge des Ersten Weltkriegs gelöst worden sei. Die Kriminalisierung von Armut und die Annahme, dass Mittellose eine Gefährdung für die öffentliche Ordnung und Sicherheit darstellen würden, nahmen im Ersten Weltkrieg eine neue Dimension an, als über eine Million Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in den Westen Österreich-Ungarns kamen oder von den Militärbehörden evakuiert wurden. Infolge der Internierung von Flüchtlingen sowie von ‚politisch verdächtigen‘ Zivilisten und Zivilistinnen wurde das ‚Zigeunerlager‘ in Hainburg an der Donau errichtet.
In 1918 according to the interior ministry in Vienna of the Republic of Austria there was no ‘Gypsy mischief’ anymore. The criminalization of poverty and the assumption about destitute persons would endanger the public order and security climaxed a new dimension in World War One, when more than one million refugees from the war zones arrived in the western regions of Austria-Hungary or were evacuated by the military forces. Following the internment camps for refugees and ‘political suspicious’ civilians, a ‘Gypsies camp’ was built in Hainburg an der Donau.
(Text: Verlagsinfo)
Siehe auch:
E-Theses: „Für die öffentliche Sicherheit“ (2012)
März 14th, 2023 |
Published in
Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Eleonora Roldán Mendívil & Bafta Sarbo (Hrsg.): Die Diversität der Ausbeutung. Zur Kritik des herrschenden Antirassismus, 3. Aufl., Berlin 2023, 200 S. [→Karl Dietz Verlag Berlin]
In Deutschland wird von Antidiskriminierungsstellen bis zur radikalen Linken ein liberaler Rassismusbegriff vertreten, der vor allem auf Repräsentation, Inklusion und Diversität setzt. Wie Klasse und Rasse zusammenhängen, wird aktuell so gut wie nicht diskutiert. Dabei gibt es durchaus eine kritisch-marxistische Tradition der Rassismusforschung. Der Band will diesen Fundus heben. Hierzu werden historische und aktuelle Diskussionen aus dem englischsprachigen Raum rezipiert sowie aus deutschsprachigen marxistischen Wissensarchiven aktualisiert. Gleichzeitig bietet das Buch eine politische Intervention in die aktuelle Debatte um strukturellen und institutionellen Rassismus – ob auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Polizei – und präsentiert Alternativen zum liberalen Antirassismus, indem ein marxistischer Rassismusbegriff in Theorie und Praxis vorgestellt wird.
Mit Beiträgen von: Celia Bouali, Sebastian Friedrich, Fabian Georgi, Eleonora Roldán Mendívil, Lea Pilone, Bafta Sarbo, Hannah Vögele und einem Vorwort von Christian Frings
Zu den Herausgeberinnen:
Read the rest of this entry »
Februar 21st, 2023 |
Published in
Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Radmila Mladenova: The ‘White’ Mask and the ‘Gypsy’ Mask in Film (=Antiziganismusforschung interdisziplinär – Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus, Band 3), Heidelberg University Publishing, Heidelberg 2022. [CC BY-SA 4.0]
→Download (pdf)
Die Studie widmet sich einem in der Filmwissenschaft bislang vernachlässigten Thema: dem ‚Zigeuner‘-Phantasma auf der Kinoleinwand. Sie verbindet die Rekonstruktion der Geschichte der ‚Zigeuner‘-Darstellungen im Film seit den Anfängen des Mediums mit einer systematischen filmtheoretischen Verortung ihrer ästhetischen und gesellschaftlichen Funktion. Auf der Grundlage von über 150 Werken aus dem europäischen und US-amerikanischen Kino wird aufgezeigt, dass den ,Zigeuner‘-Spielfilmproduktionen unabhängig von Ort und Zeit ihrer Entstehung das Grundgerüst einer ,ethno-rassischen‘ Maskerade gemeinsam ist. Read the rest of this entry »
Februar 9th, 2023 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Andreas Pavlic und Eva Schörkhuber (Hg.): Vagabondage. Historische und zeitgenössische Facetten des Vagabundierens in Wien, Sonderzahl: Wien 2022.
[Inhaltsverzeichnis (PDF)]
Va · ga · bon · da · ge: Der – laut Duden – spezifisch österreichische Ausdruck benennt die Lebensform einer Gruppe sozial bestimmter Figuren, oder kurz: Landstreicherei, Herumtreiberei. Im vorliegenden Band fokussiert der Begriff vor allem die künstlerischen und politischen Aspekte jener Bewegungen, die sich in den 1920er Jahren mit großem Selbstbewusstsein formierten und sogar »Vagabundenkongresse« abhielten. Ein solcher war, nach einer ersten Veranstaltung in Stuttgart 1929, für das Jahr 1930 auch in Wien geplant, wurde allerdings nicht realisiert. Wien, als eines der Gravitationszentren der Landstreichenden, bildet den Ausgangspunkt und den Schauplatz einer eingehenden Untersuchung von Vagabund*innenbewegungen. Dabei werden historische und kulturwissenschaftliche Perspektiven mit zeitgenössischen Analysen, Stellungnahmen und Berichten verschränkt: Auf diese Weise werden Brüche und Kontinuitäten hinsichtlich sozialer Mechanismen, künstlerischer Ausdrucksformen und politischer Organisationsformen ausgelotet und zur Sprache gebracht. Der Band stellt dabei sowohl einen Grundlagenbeitrag als auch eine zur weiteren Forschung anregende Anthologie dar.
Wie facettenreich und vielschichtig jene Bevölkerungsgruppen sind, die als Vagabund*innen, als ›Nicht-Sesshafte‹ und/oder Wandernde tituliert werden bzw. sich selbst als solche bezeichnen, zeigt sich in den historischen und kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen ebenso wie in dem Kaleidoskop zeitgenössischer Initiativen, Bewegungen, Forschungs- und Kunstprojekten, die sich mit Systemen sozialer Beziehungen befassen, die außerhalb einer etablierten gesellschaftlichen Ordnung angesiedelt werden.
Mit Beiträgen von: Averklub Collective, Lisa Bolyos, Ljubomir Bratić, Natalie Deewan, Enesi M., Georg Fingerlos, Peter Haumer, Anna Leder, Alexander Machatschke, Elena Messner, Andreas Pavlic, Maren Rahmann, Georg Rosenitsch, Eva Schörkhuber und Christa Stippinger.
(Text: Verlagsinfo Sonderzahl)
November 22nd, 2022 |
Published in
Brauchtum & Tradition, Literatur & Bücher, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Roma-Advent in Oberwart: Lesung & Konzert
Samstag, 3. Dezember 2022, um 19.00 Uhr im Offenen Haus Oberwart (OHO). Eintritt frei!
Der traditionelle Roma-Advent wird schon seit vielen Jahren veranstaltet, um den Stellenwert der Kultur der Volksgruppe der Roma zu stärken und in der Öffentlichkeit erlebbar zu machen.
Lesung der Roma-Autorin Sladjana Mirkovic und des Roma-Autors Samuel Mago.
Im Rahmen der Veranstaltung werden auch die jüngsten Vertreter der Volksgruppe der Roma vom Musikprojekt „Terne Roma – Junge Roma“ ihr Können dem Publikum preisgeben. Anschließend findet ein Konzert mit den burgenländischen Roma-Musikgruppen Romano Rath und der Leon Berger Band statt. Weiters laden wir die Gäste auf eine kulinarische Reise durch die „Roma-Küche 2.0 – Romano Habe“ ein.
Read the rest of this entry »
November 10th, 2022 |
Published in
Dokumente & Berichte, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Neue Leipziger Autoritarismus-Studie in Berlin präsentiert: Deutsche sind zufriedener mit der Staatsform Demokratie. Hass auf ‚Andere‘ tritt in den Vordergrund. Massive Ablehnung von Sinti und Roma sowie Muslimen vor allem in Ostdeutschland.
Die Zufriedenheit der Bürger:innen mit der Demokratie in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, die rechtsextremen Einstellungen sind zum Teil deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig angestiegen und weit verbreitet ist der Hass auf Migrant:innen, Frauen, Muslim:innen und andere Gruppen in Deutschland. Zudem lassen sich in Folge der Pandemie verstärkte Wünsche nach Autorität feststellen. Das sind zentrale Ergebnisse der repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“.
Prof. Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig präsentierten die Studienergebnisse am 9. November in der Bundespressekonferenz in Berlin. Die Studie, in der auch Einstellungen zu politischen Entscheidungen im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie und den Krieg gegen die Ukraine thematisiert werden, entstand in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Otto-Brenner-Stiftung.
Laut Studie zeigen nur noch 2 Prozent der Ostdeutschen ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. 2020 waren es noch rund 10 Prozent. „Die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen nimmt nicht nur im gesamten Bundesgebiet ab, sondern insbesondere in Ostdeutschland. Das ist eine gute Nachricht, aber nur das halbe Bild“, sagt Studienleiter Professor Oliver Decker. „Während Elemente einer Neo-NS-Ideologie seltener sind, haben die Ressentiments gegen jene, die als ‚anders‘ empfunden werden, sogar zugenommen“, ergänzt der zweite Studienleiter Professor Elmar Brähler. Der Prozentsatz der laut Studie „manifest ausländerfeindlich Eingestellten“ ist im Vergleich zu 2020 in Ostdeutschland von 27,8 Prozent auf 31 Prozent gestiegen, während sie in Westdeutschland von 13,7 Prozent auf 12,6 Prozent gesunken ist. 40 Prozent der Ostdeutschen geben an, Deutschland sei aus ihrer Sicht „durch die vielen Ausländer überfremdet“, auch 23 Prozent der Westdeutschen stimmen dieser Aussage zu.
Read the rest of this entry »
November 1st, 2022 |
Published in
Film & Theater, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher
Überlegungen zum Themenfeld Antiziganismus und Film. Eine Handreichung für Multiplikator*innen aus Film und Bildungsarbeit
→Hier bestellen (E-Mail) | →Download (pdf)
Welche Filme fallen Ihnen ein, in denen es um Sinti und Roma geht? In welchen dieser Filme sind die Roma-Figuren Anwält*innen, Lehrer*innen oder Buchhändler*innen? Und in wie vielen der Filme spielt der Holocaust an Sinti und Roma eine Rolle?
Im europäischen wie im deutschen (Spiel-)Film gibt es wenig Raum für Geschichten, die einen differenzierten und innovativen Blick auf das Leben der größten Minderheit Europas werfen. Allzu oft werden stattdessen Klischees reproduziert, häufig durch eine Fokussierung auf Armut, Kriminalität, vermeintlich Exotisches oder ‚Außenseitertum‘. Das ist wenig überraschend, denn in Deutschland wie in Europa gehört Antiziganismus zur gesellschaftlichen und damit auch zur filmisch wiedergegebenen Normalität. Die Reproduktion von ausgrenzenden und diskriminierenden Stereotypen in Film und Fernsehen verstärkt und legitimiert den gesellschaftlichen Ausschluss einmal mehr. Eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Diskriminierung von Sinti und Roma und den zugrundeliegenden Ideologien und Strukturen findet kaum statt. Dieses mangelnde Bewusstsein über Ausprägungen und Reichweite von Antiziganismus erschwert, dass sich die Gesellschaft, und eben auch Filmschaffende, mit dem Thema (selbst-)kritisch auseinandersetzen können.
Hier setzt diese Broschüre an: In drei Abschnitten werden antiziganistische Bilder im (Spiel-)Film, gängige Erzählmuster und die strukturellen Hindernisse für eine kritische Beschäftigung mit diesen Themen in der Filmlandschaft beleuchtet. Read the rest of this entry »
Oktober 13th, 2022 |
Published in
Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
Bayern 2/RadioWissen: Sinti und Roma – Literatur in Deutschland
Jahrhundertelang wurden die Erzählungen der Sinti und Roma mündlich überliefert, doch seit dem 20. Jahrhundert blüht überall in Europa auch eine schriftliche literarische Tradition auf: in Deutschland vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Überlebenden der Konzentravtionslager zur Feder greifen, um sich Gehör zu verschaffen in einer Gesellschaft, die sie bis heute an den Rand drängt.
Von Brigitte Kohn | 23 Min. | 27.9.2022
(Sendung und Text: BR/RadioWissen)
September 17th, 2022 |
Published in
Interview, Literatur & Bücher
„Das Exil hat mich auf jeden Fall geprägt“ – Das Roma Antidiscrimination Network (RAN) sprach mit dem Autor Jovan Nikolić
Jovan Nikolić ist ein in Köln lebender Roma-Schriftsteller. Er stammt aus einer Musiker:innen-Familie und hat eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker absolviert. Jedoch ist es die Literatur, die ihn ein Leben lang begleitet. Schon in seiner Jugend begann er, Gedichte und Prosa zu verfassen. Seither hat er sein Repertoire um Kolumnen, Kabarett und Theater sowie um Musiktexte erweitert. Bereits in seiner Heimat Jugoslawien wurde er mehrfach für seine Literatur ausgezeichnet, was sich auch nach seiner Niederlassung in Deutschland fortsetzte. Ende 2021 erschien der Sammelband „Der Gast nirgendwoher“ im Drava-Verlag.
Lieber Herr Nikolić, erst einmal vielen Dank für das Interview. Sie sind 1955 in Jugoslawien geboren. Als Rom und Serbe haben Sie gemischte Wurzeln – wie erleben Sie das?
Ich betrachte mich selbst als „Hybrid-Rom“, also das, was gemeinhin als „Meles“ bezeichnet wird. Meine Mutter war Serbin aus Belgrad, mein Vater war Rom und Direktor der alten Post in Belgrad. Meine Mutter hat als Amateurin in Musikclubs gesungen, wo sie auch meinen Vater getroffen hat. Ihre Heirat war ein Skandal auf beiden Seiten der Familie, doch sie bekamen Unterstützung von den beiden Schwestern und der Mutter, die sie in Schutz nahmen. Ich selbst bin dann auch in Belgrad geboren. Bis zu meinem 11. Lebensjahr haben meine Schwester und ich mit unseren Eltern in Hotels gewohnt, weil wir mit der Musik in ganz Jugoslawien umhergezogen sind. Erst als ich elf Jahre alt war, ist meine Familie in eine Roma-Siedlung umgezogen, in einem Ort namens Čačak, 160 km von Belgrad entfernt. In der Schule war es deshalb sehr schwierig, sozial anzukommen, auch mit anderen Kindern aus Roma-Familien gab es Probleme. Zwischen den Stühlen aufzuwachsen, sozusagen „ohne Flagge“, hat sich angefühlt wie keine richtige Identität zu haben. Ich hatte nicht wirklich die Möglichkeit, Freundschaften zu formen, und Privatsphäre hatte ich auch lange keine, weil wir nur ein Zimmer für die ganze Familie hatten.
Manchmal sind wir aber zusammen mit anderen Familien aus dem gleichen großen Orchester in dasselbe Hotel gezogen, die waren dann für mich die guten Freunde. In Deutschland habe ich keine solchen Probleme erfahren. Ich fühlte mich aufgehoben zwischen den anderen Künstler:innen. Es war ein multikulturelles Umfeld, in dem ich keinen Antiziganismus am eigenen Leib erfahren habe. Damit will ich nicht sagen, dass es diesen als gesellschaftliches Problem in Deutschland nicht gäbe, sondern lediglich, dass ich davon verschont geblieben bin. Read the rest of this entry »
September 7th, 2022 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Literatur & Bücher
Mariella Mehr ist tot. Sie gilt als die Stimme der Fahrenden und der Sprachlosen. Nun ist die Schweizer Autorin Mariella Mehr mit 74 Jahren gestorben. Hier ein →Nachruf auf ref.ch.
RomArchive über Mariella Mehr:
In ihrem Selbstverständnis sah sich Mariella Mehr klar als Roma-Schriftstellerin, obwohl sie der Volksgruppe der Jenischen angehörte. Auf ihre maßgebliche Initiative hin wurde 2002 die International Romani Writers Association in Helsinki gegründet, der sie zeitweise als Vizepräsidentin vorstand und die bis 2008 existierte. [...]
Mariella Mehr wurde am 27. Dezember 1947 in Zürich (Schweiz) geboren. Als Angehörige der Jenischen war sie seit ihrer frühesten Kindheit von der Aktion »Kinder der Landstrasse« betroffen. Dieses von der Schweizerischen Eidgenossenschaft mitfinanzierte und von der Stiftung Pro Juventute geleitete »Hilfswerk« nahm zwischen 1926 und 1973 rund 600 jenische Kinder ihren Eltern systematisch weg, stellte sie unter Vormundschaft und platzierte sie in Pflegefamilien, Heimen und Anstalten. Das Ziel der Aktion war es, die »Kinder der Landstrasse« zu »brauchbaren Gliedern der Gesellschaft« zu erziehen, wie es Pro Juventute formulierte, und so die nicht-sesshafte Lebensweise zu beseitigen. Nach Einstellung des Projektes 1973 setzte ein zäher Kampf um die Rehabilitierung ein.
Mariella Mehr wurde früh von ihrer Mutter getrennt und unter Vormundschaft gestellt. Sie wuchs als Zögling der Pro Juventute in verschiedenen Heimen, bei Pflegeeltern und in psychiatrischen Anstalten auf. Als sie im Alter von 18 Jahren schwanger wurde, wurde sie für 19 Monate im Frauengefängnis Hindelbank sogenannt »administrativ versorgt«. Sie gehört zur mittleren von drei Generationen ihrer Familie, die Opfer des »Hilfswerks« wurden. Bereits ihre Mutter sowie ihr 1967 geborener Sohn wurden zwangsweise fremdplatziert.
Nach einigen Jahren Fabrikarbeit begann die Autodidaktin Mariella Mehr 1975 ihre journalistische, gesellschaftspolitische und schriftstellerische Tätigkeit. Read the rest of this entry »
August 8th, 2022 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Arnold Weiß/Jakob Michelsen/Moritz Terfloth/Boris Weinrich: Zwei Welten. Sinti und Roma – Schritte zur Anerkennung als NS-Verfolgte und antiziganistische Kontinuität, hrsg. vom Landesverein der Sinti in Hamburg e. V., Metropol Verlag: Berlin 2022, 280 S.
Zur Arbeit des Landesvereins der Sinti in Hamburg als Interessenvertretung und Anlaufstelle für die Sorgen und Nöte der Menschen gehört es auch, Ursachen und Grundlagen der fortwährenden Diskriminierung und Ausgrenzung unserer Minderheit zu erforschen. „Zwei Welten“ ist der Versuch einer Gegenüberstellung. Einerseits sollen die wahrnehmbaren Fortschritte in der gesellschaftlichen Anerkennung der Sinti als im Nationalsozialismus verfolgte Minderheit in den letzten 70 Jahren gezeigt werden. Dem gegenüber steht die andauernde und systematische Aus- und Beforschung über 1945 hinaus. Für diese Kontinuität steht beispielhaft der Arzt und Professor Hermann Arnold (1912–2005). Er trat das geistige Erbe von Robert Ritters Rassenhygienischer Forschungsstelle an, deren Mitarbeiter:innen während der NS-Zeit, unter anderem in Hamburg, Sinti und Roma beforscht und gequält haben und deren Forschungen die Grundlage für die anschließend erfolgten Deportationen bildeten. Als Wissenschaftler, Amts- und Gefängnisarzt führte Arnold die systematische Erfassung und rassistische Kategorisierung der Sinti und Roma weiter. Anhand ausgewählter Dokumente aus seinem Nachlass im Bundesarchiv werden Arnolds Netzwerke und die Kontinuität der NS-„Zigeunerforschung“ in der Bundesrepublik aufgezeigt.
(Text: metropol-verlag.de)
Die Prüfung der Wiedergutmachungsberechtigung der Zigeuner und Zigeuner-Mischlinge […] hat zu dem Ergebnis geführt, daß der genannte Personenkreis überwiegend nicht aus rassischen Gründen, sondern wegen seiner asozialen und kriminellen Haltung verfolgt und inhaftiert worden ist.“
Das Wiedergutmachungsamt von Württemberg-Baden, 1950; siehe S. 145.
„1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten!“
Vermerk einer norddeutschen Wohnungsgenossenschaft, 2019; siehe S. 197.
(Zit. in: zentralrat.sintiundroma.de)
Juli 21st, 2022 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher
Die große Sinti-Autorin und -Zeitzeugin Philomena Franz feiert heute ihren 100. Geburtstag in Bergisch-Gladbach
Aus RomArchive: Philomena Franz, geboren 1922 in Biberach, Deutschland, war die erste Frau unter Roma und Sinti, die ihre Erfahrungen in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs zu Papier brachte. Als Kind einer Sinti-Familie von Musiker_innen und Schauspieler_innen mit langjährigen Wurzeln in Deutschland, sang und tanzte Franz bereits als junges Mädchen in ihrer Familientruppe. Sie erinnert sich gerne an Höhepunkte dieser Zeit, zum Beispiel die Auftritte im Lido in Paris und im Wintergarten in Berlin.

Dieses Leben der Kreativität und Freiheit endete in den späten 1930er Jahren, als ihrer Familie zuerst die Pässe entzogen und dann ihre Instrumente konfisziert wurden. 1943 wurde Franz nach Auschwitz deportiert. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus Ravensbrück floh Franz 1945 erfolgreich aus einem Lager bei Wittenberge und rettete ihr Leben mithilfe eines deutschen Bauern, der sie versteckte. Nach Kriegsende stellte sie fest, dass ein Großteil ihrer Familie in den Lagern ermordet worden war. Für die überlebenden Sinti und Roma war Hilfe nicht ohne weiteres verfügbar, sodass Philomena Franz zusammen mit anderen Sinti-Musiker_innen eine Band gründete, die durch das Land tourte, um für die alliierten Truppen zu spielen.
Während dieser Zeit lernte sie Oskar Franz kennen, sie heirateten und hatten fünf Kinder. In den folgenden Jahren litt sie unter schweren Depressionen, ständigen Albträumen und einem unerbittlich wiederkehrenden Gefühl der Gefangenschaft. Sie kämpfte auch mit der mangelnden offiziellen Anerkennung der Viktimisierung von Sinti und Roma im Holocaust und der fehlenden Restitution. Als in den 1970er Jahren einer ihrer Söhne in der Schule als »Zigeuner« verspottet wurde, sah sich Philomena Franz gezwungen, mit den dortigen Schüler_innen und Lehrer_innen über den Holocaust zu sprechen. So begann sie, ihre Erinnerungen an die Konzentrationslager dem Publikum mitzuteilen und in Erzählungen zu fassen.
Philomena Franz veröffentlichte ihre Märchen für Kinder 1982 in der Sammlung »Zigeunermärchen«, und 1985 hielt sie ihre Erinnerungen an das Leben und die Familie, die sie im Holocaust verloren hatte, sowie ihre Erfahrungen mit der Gefangenschaft in Auschwitz in ihrer Autobiografie »Zwischen Liebe und Hass: Ein Zigeunerleben« fest. Read the rest of this entry »
Juni 1st, 2022 |
Published in
Literatur & Bücher
Jovan Nikolić: Der Gast nirgendwoher
Gesammelte Lyrik
Drava: Klagenfurt/Celovec 2021 | Aus dem Serbischen übers. von Cornelia Marks | →Bestellen
Jovan Nikolić (1955), Autor von 20 Gedicht- und Prosabänden, Librettos und Theaterstücken – veröffentlicht seit 1977 Lyrik. Und lebt seit 1999 lebt in Köln. Die Lyriksammlung Der Gast nirgendwoher stellt eine Auswahl seines 40-jährigen dichterischen Schaffens dar. Die getroffene Auswahl wird die LeserInnen an seinen frühen Band Zimmer mit Rad erinnern, und zahlreiche Verse wurden bereits in Literaturzeitschriften und Anthologien Europas abgedruckt, aber es sind auch neue, unveröffentlichte Gedichte enthalten. Nikolić neigt zu Oneirismus und surrealen Bildern in seinen Gedichten, welche durch sprachliche Subtilität und semantische Tiefe bezaubern. Erschaffen auf der Basis Liebe–Träume–Tod – Realitätsübertreibung, Selbstironie, ist diese Lyrik ein spannendes Zeugnis der Zeit, der kulturellen und soziologischen Veränderungen, der Zwiesprache mit dem Alter und sich selbst, aber auch der ungezügelten dichterischen Existenz auf der Suche nach einem verborgenen Sinn.
Read the rest of this entry »
Mai 3rd, 2022 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Katrin Kühnert (2020): „Holocaust-Autobiografien von Roma. Darstellungsformen der Verfolgung und Vernichtung während des Nationalsozialismus“
Masterarbeit, Universität Wien (Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät), 108 S.
→Download der UB Wien (pdf)
Abstract:
Der Holocaust spielt als geteilte Leidenserfahrung nicht nur für die kollektive Gruppenidentität der Roma eine bedeutende Rolle, sondern ist auch bis heute das dominierende Thema ihres Schreibens. Die Literatur dieser größten ethnischen Minderheit Europas ist dabei häufig autobiografisch beeinflusst, im deutschsprachigen Raum stellt die Autobiografie gar die dominierende Äußerungsform dar. Während Juden und Jüdinnen bereits während des NS-Massenmordes beginnen, ihre Verfolgungserfahrungen aufzuzeichnen, und somit beim späteren Schreibbeginn der Roma schon etablierte Standards bestehen, folgt ihr Erzählen diesen nicht durchgängig, sondern es entsteht ein eigenes Narrativ, über den NS-Genozid zu berichten. Die vorliegende Arbeit identifiziert mittels qualitativer Textanalyse typologische Analogien auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene in fünf Autobiografien von Holocaust-Überlebenden. Der Textkorpus setzt sich aus Ilona Lackovás A false dawn (1997, Slowakei/Tschechien), Otto Rosenbergs Das Brennglas (1998, Deutschland), Mongo Stojkas Papierene Kinder (2000, Österreich), Edward Dębickis Totenvogel (2004, Polen) und Zoni Weisz’ Der vergessene Holocaust (2016, Niederlande) zusammen. Read the rest of this entry »
April 17th, 2022 |
Published in
Literatur & Bücher
Ausgewählte Gedichte (1994–2016)
Aus dem Ungarischen von Anne-Marie Kenessey, KLAK-Verlag: Berlin 2021
„Ich begann zu schreiben, weil ich nicht verstand, was ich tat.“
Wie niemandem im Ungarn seiner Generation gelingt es Tamás Jónás, mit großer Tiefe und Liebe zur vielfältigen Form, Licht auf soziale Verhältnisse und das Schicksal der Menschen am Rande zu werfen. Seine Erfahrungen haben sein Bewusstsein geformt und ihn nie losgelassen. Tamás Jónás steht unter den Einflüssen und in der Tradition der ungarischen und europäischen Literatur. Als Rom wegen seiner Herkunft als Minderheitenschriftsteller gelesen zu werden, wird ihm nicht gerecht und lehnt er ab. Dieser Gedichtband illustriert dies auf eindrückliche Weise. Er vereint, ausgewählt von Anne-Marie Kenessey, erstmalig Gedichte aus allen acht bislang in Ungarn veröffentlichten Bänden aus den Jahren 1994–2016.
Tamás Jónás ist voller Geschichten über die Armut, das Ausgeliefertsein, über Schmerz, Liebe, über den Körper, über Reichtum, Glück und da capo: über die Armut, er ist voller Geschichten und voller Talent.
Péter Esterházy, ungarischer Schriftsteller und Essayist (1950–2016)
Tamás Jónás schont sich nicht, schont niemanden. Er schöpft aus dem nackten, prallen, schmerzvollen Leben.
Anne-Marie Kenessey, Übersetzerin
Tamás Jónás, wurde 1973 im nordungarischen Ózd geboren und lebt heute in Szombathely. Er arbeitet als Programmierer und Journalist. Bisher veröffentlichte er acht Gedichtbände in ungarischer Sprache. Read the rest of this entry »
Januar 8th, 2022 |
Published in
Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
So o rodipe pal jek phagerdo hajo pedar o Roma phukal
Ande jek dokumentacijakero film taj ande jek kenva phukal o britanitiko John Henry Phillips jeke barikane pajtaschtschagostar taj le lejcti kivanipestar jeke hajaschistar. Tschatschikan, ov ham buteder phukal.
Nisaj koja, adaj upro Roma te gondolinel mukel: Jek terno mursch pomoschinel jeke britanitike marinejakere veteraniske (94) leskere haburiskere traumaha ando tschatschipe te al. Uso aunavipe andi Normandija 1944 leskero hajo upre jek mina upre naschtscha taj le pajtaschenca tel gelo. Jek trauma, savo le phure, savo bojd korkore buter te dschal na dschanel, ham le dschuvlenge mindig jek vodschikano probo hi, leskero cilo dschivipe vodinel.
Leskero pajtaschi John Henry Phillips kamla le na lakle hajaschtschenge jek gondolipeskero bar te kerel taj vaschoda upro drom pe kerel, o phagerdo hajo ando Ärmelkanal te rodel. Ov historikertschen taj bare pajiskere archejologtschen mobilisirinel, andi Normandija ladel taj muguli te tauchinel siklol – mindig vodim jeka kameratar.
O dokumentacijakero film No Roses on a Sailor’s Grave (reschi: Daniel Oron), savo andral kerdo ulo, akan jerim upro festivaltscha sikado ol, lejctivar uso filmiskero kurko „Ake dikhea?“ ande Berlin. Ham andi maschkarutni cajt o John o materijal te jeka kenvake prik butschalintscha: The Search akan bojd use Robinson ande London ari al. Read the rest of this entry »
Januar 6th, 2022 |
Published in
Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
Was die Suche nach einem Schiffswrack über Roma erzählt
In einem Dokumentarfilm und einem Buch berichtet der Engländer John Henry Phillips von einer ungewöhnlichen Freundschaft und dem letzten Wunsch eines Seemanns. Aber eigentlich erzählt er viel mehr.
Nichts lässt hier an Roma denken: Ein junger Mann hilft einem englischen Marineveteranen (94), mit seinem Kriegstrauma ins Reine zu kommen. Bei der Landung in der Normandie 1944 war dessen Boot auf eine Mine aufgelaufen und mitsamt seinen Kameraden in den Fluten versunken. Ein Trauma, das den pfiffigen Alten, der zwar kaum noch alleine gehen kann, doch für die Damen stets einen charmanten Scherz parat hat, ein Leben lang begleitet.
Sein Freund John Henry Phillips will den verschollenen Seemännern einen Gedenkstein errichten und macht sich auf, das Schiffswrack im Ärmelkanal zu suchen. Er mobilisiert Historiker und Meeresarchäologen, fährt in die Normandie und lernt sogar tauchen – stets begleitet von einer Kamera.
Der Dokumentarfilm No Roses on a Sailor’s Grave (Regie: Daniel Oron), der daraus entstanden ist, wird derzeit erfolgreich auf Festivals gezeigt, zuletzt bei der Roma-Filmwoche „Ake dikhea?“ in Berlin. Doch inzwischen hat John den Stoff auch für eine Buchveröffentlichung adaptiert: The Search erscheint demnächst bei Robinson in London.
Unter der Oberfläche
Auf den ersten Blick verrät nichts an dieser Geschichte – nicht das Sujet, nicht der Ort, nicht die Protagonisten –, dass hier zugleich auch die Geschichte einer Minderheit verhandelt wird. Mit keinem Wort erfährt man, dass der junge Mann der englischen Roma-Minderheit angehört.
Unter der Oberfläche enthält die Erzählung aber Motive, die seltsam bekannt anmuten. Denn alles hier kreist um das Trauma der Weltkriegsjahre und um den Versuch, einem vergessenen Schicksal Gehör zu verschaffen. Es geht um Anerkennung und ein würdiges Gedenken: Wenn John beim Bürgermeister eines französischen Küstenstädtchens vorstellig wird, um eine Gedenkfeier für die britischen Soldaten vorzuschlagen, erinnert das frappierend an Szenen im slowakischen Film Wie ich Partisanin wurde (siehe dROMa 62) – mit dem Unterschied, dass John bei dem Franzosen offene Türen einrennt.
Auch das titelgebende Seemannsgrab hat seine Entsprechung in den Erfahrungen der Roma: Read the rest of this entry »
Dezember 30th, 2021 |
Published in
Einrichtungen, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Romani, dROMa (Magazin)
Romengere-biblijotektscha ande Malmö taj Bukarest
Ande Malmö jek nevi Romengeri-biblijoteka kerdi ol. Ando foro akor mindschart duj Romengere-biblijotektscha pasche terdschona. Taj te jek Romengeri-tschavengeri biblijoteka, savi sajt pantsch berscha ande Bukarest del, pro kesdipe andi Schvedija lija.
Schvedija jek pradimi Romengeri-biblijoteka uschtidel. I nevi biblijoteka ojs integrali falato la foroskera biblijotekatar andar Malmö, o triti bareder foro le thanestar, kerdi ol. Imar ando arto terno dschend i biblijoteka pradi te ol. „Ada jek vusko cajtakero plan hi“, phenel o foroskero biblijotekari Torbjörn Nilsson, mind pharo ovla, Romengeri-literatura te lakel. Kaj ada schofim te ol, iste amen dur pedar i thaneskeri granica ari dschas taj avre biblijotekenca taj Romenca ande but gava khetan iste butschalinas.“
Andi biblijoteka publikaciji ande mindenfelitike Romengere-dijalekti, pisimi literatura Romendar taj kenvi pedar i Romengeri-kultura dela. I literatura ando telvakeripe fatreterenca le Romengere-khetanipestar khetan terdschardi ol. Adaj o organisatortscha butvar le gaveskere Romengere-birovtschagoha (Romskt informations- och kunskapscenter, RIKC) khetan butschalinen, savo – sar i foroskeri biblijoteka – uso foroskero kulturakero favojtinipe use tschito hi.
Favurclim taj fanecim
Barikano vert upre fochiskere butschaschtscha paschlardo ol: „Barikano hi, i tschib taj o mindenfelitike dijalekti te prindscharel. O butschaschtscha iste dschene on, save i Romengeri-kultura prindscharen vaj save ande late favurclim hi. On iste le Romenca fanecim on“, phenel o Torbjörn Nilsson.
„Me patijardo som, hot amen o pradipe la erschti Romengera-biblijotekatar le thanestar planinas“, phenel i kulturakeri foroskeri rotkija andar Malmö, Frida Trollmyr. „Ada jek jekoschno koja hi, le tschatschiptschenge le Romendar te pomoschinel taj use jek feder dschanipe pedar i kultura taj i historija le Romendar use te ledschel.“
Hot vasch i erschti Romengeri-biblijoteka andi Schvedija pe handlinel, tschak eknaj tschatscho hi. Ande buteder fori imar schpecijeli biblijotekakere falati Romengera-literaturake del. Taj ande Malmö jeke Romengere-khetanipe, o Romska Kulturcentret (RKC), jek ajgeni, eknaj phuri falatoskeri biblijoteka hi. Read the rest of this entry »
Dezember 28th, 2021 |
Published in
Einrichtungen, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Romani, dROMa (Magazin)
Roma-Bibliotheken in Malmö und Bukarest
In Malmö entsteht eine neue Roma-Bibliothek. In der Stadt werden dann gleich zwei Roma-Büchereien nebeneinander bestehen. Und auch eine Roma-Kinderbibliothek, die seit fünf Jahren in Bukarest existiert, nahm ihren Anfang in Schweden.
Schweden bekommt eine öffentliche Roma-Bibliothek. Die neue Einrichtung entsteht als integraler Bestandteil der Stadtbibliothek von Malmö, der drittgrößten Stadt des Landes. Schon im kommenden Herbst soll die Bibliothek eröffnet werden. „Das ist ein enger Zeitplan“, sagt Stadtbibliothekar Torbjörn Nilsson, „denn es wird schwierig sein, Roma-Literatur zu finden. Um dies zu erreichen, müssen wir weit über die Landesgrenzen hinausgehen und mit anderen Bibliotheken und der Roma-Bevölkerung an vielen Orten zusammenarbeiten.“
Die Bücherei wird Publikationen in verschiedenen Roma-Dialekten, von Roma verfasste Literatur und Bücher über Roma-Kultur enthalten. Die Literatur wird in Absprache mit Vertretern der Roma-Gemeinschaft zusammengestellt. Dabei arbeiten die Organisatoren insbesondere mit dem örtlichen Roma-Büro (Romskt informations- och kunskapscenter, RIKC) zusammen, das – wie die Stadtbibliothek – der städtischen Kulturverwaltung angegliedert ist.
Verwurzelt und vernetzt
Besonderen Wert lege man auf fachkundige Mitarbeiter: „Es ist wichtig, die Sprache und die verschiedenen Dialekte zu kennen. Das Personal muss auch aus Personen bestehen, die die Roma-Kultur kennen oder in ihr verwurzelt sind. Sie müssen mit der Roma-Bevölkerung vernetzt sein“, erklärt Torbjörn Nilsson.
„Ich bin stolz darauf, dass wir die Eröffnung der ersten Roma-Bibliothek des Landes planen“, sagt Malmös Kulturstadträtin Frida Trollmyr. „Das ist eine einzigartige Gelegenheit, die Rechte der Roma zu fördern und zu einem besseren Wissen über Kultur und Geschichte der Roma beizutragen.“
Dass es sich um „Schwedens erste Roma-Bibliothek“ handle, stimmt allerdings nur bedingt. In mehreren Städten existieren bereits spezielle Bibliotheksabteilungen für Roma-Literatur. Und in Malmö selbst unterhält ein Roma-Verband, das Romska Kulturcentret (RKC), eine eigene, etwas veraltete Bestandsbibliothek. Read the rest of this entry »