Film & Theater

„Antiziganismus und Film“

Januar 10th, 2018  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Die "Zigeunerhexe" Ganush, antiziganistischer Tiefpunkt im Kino der letzten Jahre: der US-Horrorfilm "Drag me to hell" von Sam Raimi (Filmstill, Ghost House Pictures/ Universal Pic.)Fachgespräch (21.2.) und Konferenz (22./23.2.) zu „Antiziganismus und Film“ in Berlin

Das Thema „Antiziganismus und Film“ ist hochaktuell und eine tiefer­ge­hen­de Aus­einan­der­setzung und Debatte dazu steht bis­lang aus. In den letz­ten Mona­ten gab es größere öffent­liche Auf­merk­sam­keit und kritische De­batten zu gleich drei aktuel­len Kino­pro­duk­tio­nen. Zum einen die inhalt­liche Aus­rich­tung des Kinder- und Jugend­films „Nellys Abenteuer“ (hier und hier) wie auch seine Pro­duk­tions­bedin­gun­gen, die auf Ein­ladung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fach­gespräch in Berlin kontro­vers dis­ku­tiert wur­den. Zum an­de­ren der fran­zö­si­sche Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“), der be­reits An­fang des Jahres in Frankreich eine De­batte über Rassismus im Kino aus­löste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kri­ti­siert wird. Auch die Be­setzung einer männ­li­chen Haupt­rolle in der geplan­ten Ver­fil­mung von Mikey Walshs Me­moiren „Gypsy Boy“ mit Benedict Cumberbatch hat in Groß­britannien eine Dis­kus­sion über „White­washing“ im Kino an­ge­facht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus“ in der Film­branche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrott­sammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“ erlang­ten Preise auf den großen Film­fest­spie­len. Auf­wen­dige Kino­pro­duk­tio­nen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sher­lock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“) be­mü­hen anti­ziganis­tische Stereo­type und ver­schie­denste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontro­versen Dis­kus­sio­nen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die ex­pli­zit aus einer Roma­ni-Perspek­tive produziert und er­zählt werden, schaf­fen es hin­ge­gen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

Vorläufiges Programm Read the rest of this entry »

„Romano Sumnal“: Junge Roma in Leipzig

Januar 2nd, 2018  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Ein Film von Didi, Jashko, Rikardo, Ferida, Elita, Melissa, Julia, Stefan, Nicola

Regie/Kamera/Schnitt: Leonore Kasper
Deutsch/Romanes/Serbisch, 11:14 Min.

ROMANO SUMNAL ist ein Portrait Leipziger Jugendlicher aus der Roma-Com­munity. Sie spre­chen über ihr Leben und ihre Zu­kunft. Aber auch über das „Wie Weiter?“ und die eige­ne Sicher­heit in Zeiten von Ab­schie­bun­gen. Alle sind sie bei Roma­no Sum­nal – Verein für Roma in Sachsen ak­tiv.

Der Film ist Teil von RomaRespekt un­ter dem Dach von Weiterdenken und wird ge­för­dert im Rah­men des Bundes­programms „Demo­kra­tie leben!“ des Bundes­minis­teriums für Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend. Leo­nore Kasper stu­dier­te bis 2013 Medien­kunst an der Hoch­schule für Grafik und Buch­kunst in Leipzig und lebt in Leipzig. Sie ist als Men­to­rin und künst­le­ri­sche Lei­tung für sozio­­kul­tu­relle Film­pro­jekte tätig und ent­wickelt eige­ne Film­arbeiten.

(RomaRespekt)

Preisverdächtig: „Schluchten – Neue Nachbarn“

November 22nd, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Schluchten: Ein theatraler Spaziergang (Foto: Christian Menkel/Nyx e.V.)Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Deutschland der Amadeu-Antonio-Preis für krea­ti­ves Engage­ment für Men­schen­rechte – ge­gen Rassis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung ver­liehen. Von der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung und der Stadt Eberswalde ver­geben, wür­digt der Preis kreati­ves künst­le­ri­sches Engage­ment für Men­schen­rechte. Zugleich erin­nern wir mit dem Preis an den gewalt­sa­men Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jah­ren und an die vielen weivteren Opfer rassis­ti­scher Gewalt seit­her. Ins­gesamt drei Preise wer­den am 28. No­vem­ber 2017 ver­geben. Aus 60 Ein­rei­chun­gen der ver­schie­dens­ten Genres wähl­te die un­abhän­gi­ge Jury nun die sie­ben Nomi­nier­ten. Unter diesen das Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ (ent­stan­den in Ko­opera­tion von Nyx e.V. und dem Regional­verband deutscher Sinti und Roma Augsburg). Das Web­magazin Belltower.News stellt das no­mi­nierte Projekt vor:

„Es gehört bestimmt mehr Mut dazu, einem Frem­den zu ver­trauen, als seine Anders­artig­keit abzulehnen.“ In Dorothea Schroeders Thea­ter­pro­jekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ geht es um Vor­urteile und Vor­behalte gegen Sinti und Roma. In den Jahren 2015 und 2016 wurde es von Nyx e.V. in Zusam­men­arbeit mit dem Regional­ver­band deutscher Sinti und Roma Augsburg um­gesetzt. Schau­spieler, Sinti und Roma er­zählten authen­tische Ge­schich­ten bei ihren Füh­run­gen durch das Augs­bur­ger Fischerholz. Alexander Adler, selbst Sinto, war einer von ihnen. Mit ihm sprach Fiona Katharina Flieder.

Wie ist das Projekt entstanden?

Alexander Adler: Ich vermute, dass anfangs das Ziel von Dorothea Schroeder war, einen Einblick in die ver­meint­lich ab­geschot­tete Welt der Sinti und Roma zu gewäh­ren. Ehe­ma­lige Wohn­orte, Camping­plätze soll­ten gezeigt, auf Miss­stände hin­ge­wie­sen werden. Es sollte beleuch­tet werden, woher das Miss­trauen auf bei­den Seiten kommt und wo die größ­ten Defizite sind. Eine Tra­gödie, für die beide Sei­ten nichts können. Nach und nach zeigte sich je­doch an­schei­nend, dass es so ein­fach nicht ist. Das Projekt ent­wickelte sich weiter. Read the rest of this entry »

Zentralrat erneuert Kritik an Kinderfilm

Oktober 27th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Screenshot aus Nellys AbenteuerZentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert Vorwurf des Antiziganismus gegen den Film „Nellys Abenteuer“. SWR zeigt sich uneinsichtig gegen berechtigte Kritik

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert seine Kritik ge­gen den Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ (wir be­rich­te­ten), den der SWR jetzt vor­ge­zo­gen aus­strahlen will. Der Zentral­rat hatte am 14. Sep­tem­ber 2017 ein Fach­gespräch in Berlin ver­anstaltet, an dem Ver­treter der Film­industrie, der Film­förde­rung sowie Wis­sen­schaft­ler und Jour­na­lis­ten teil­ge­nom­men hatten. Ver­tre­ter des SWR so­wie die Autoren und Be­tei­lig­ten der Film­pro­duk­tion wa­ren der Ein­ladung nicht ge­folgt. Auf der Grundlage des vom Zentralrat in Auftrag ge­ge­be­nen Gut­achtens von Pavel Brunßen, Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Berlin, teil­ten die Teil­nehmer der Gesprächs­runde im Wesent­li­chen die Vor­würfe des Zentral­rates. Der Film gebe An­lass, so­wohl in den Gre­mien der staat­li­chen Film­för­de­rung als auch bei­den Film­schaf­fen­den selbst über die Ethik des Filme­machens über Sinti und Roma nach­zu­denken. Dass die Re­pro­duk­tion von anti­ziga­nis­ti­schen Stereo­typen, wie sie in Nellys Abenteuer er­folgt, auch noch mit nahe­zu einer Mil­lion Euro Steuer­gelder fi­nan­ziert wurde und jetzt auch noch im öffent­lich-recht­li­chen Fernsehen, wie­derum fi­nan­ziert aus öf­fent­li­chen Geldern, ge­sen­det werden soll, sei kaum nach­voll­zieh­bar, re­sümier­te Romani Rose für den Zentralrat.

Während dieses Fachgesprächs wurde von den Teilneh­mern bis in die Details der Kamera­füh­rung hinein auf­ge­zeigt, wie die anti­ziga­nis­ti­schen Bilder um­ge­setzt wur­den: z.B. dokumen­ta­ri­sche Kamera / Hand­kamera, wenn Roma ge­zeigt werden, ver­sus Spielfilm­kamera / Stativ­kamera, wenn Nelly oder ihre Fa­milie auf­treten. Gera­de die Be­haup­tung der Filme­macher, es sei doch ein Spielfilm, der künst­le­ri­sche Frei­heit rekla­mie­ren könne, wird durch den gleich­zei­ti­gen An­spruch auf doku­men­ta­ri­sche Authen­ti­zität kon­ter­ka­riert. Wäh­rend die Figur der Nelly durchaus eine Ent­wick­lung durch­läuft, blei­ben die Roma-Fi­gu­ren sta­tisch, auch am Ende des Films blei­ben sie als Kri­mi­nel­le stehen.

Nellys Abenteuer stigmatisiert Roma als Kriminelle und Diebe. Im „Päda­go­gi­schen Begleit­mate­rial“ für Schulen wer­den die beiden wich­tigsten Roma-Fi­gu­ren, Roxana und Tibi, je­weils als kri­mi­nell vor­ge­stellt : „Roxana ist 15 Jahre alt … Sie verdient ihr Geld mit ihrem Bru­der durch Taschen­dieb­stahl. … In einem Jahr soll sie ver­hei­ra­tet wer­den – mit dem Sohn von Hokus.“ Read the rest of this entry »

RomaRespekt #14: Journey/Drom

Oktober 22nd, 2017  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #14: Journey/Drom – Das Theater ist der Raum, den man sich nimmt

Sendung vom 7.1.2017: Das Stück „Journey/Drom“ (wir berichteten) funk­tio­niert wie eine Fern­seh­show, die unter An­we­sen­heit des Pub­li­kums auf­ge­zeich­net wird. Es ent­hält Mixed-media-Elemente und ist in Eng­lisch. Es wurde kol­labo­rativ von allen Be­teilig­ten pro­du­ziert, die aus unter­schied­li­chen Län­dern kom­men.
Wie in jeder Fern­seh­show gibt es auch in Journey/Drom eine Show­masterin. Auf die­ser Ebene führt die Show­mas­terin Brina Stinehelfer in­sze­nier­te Inter­views mit den Schau­spie­ler/innen, die den Um­gang von Jour­nalis­ten/innen mit Roma und Romnja in den Medien ka­ri­kie­ren.
Wei­tere Ele­mente der Show sind die True Stories – Schau­spiel­szenen, in denen die Schau­spie­ler/in­nen Akte einer fort­lau­fen­den Ge­schich­te spie­len. Es geht um die Flucht einer Roma-Fa­mi­lie aus Serbien nach Deutsch­land, um die Abschiebung des Vaters, um seine An­kunft in Ser­bi­en, um Über­lebens­stra­te­gien von Mut­ter und Kind in Deutschland und um die Rück­kehr des Vaters nach Deutsch­land. Es han­delt sich dabei um Ge­schich­ten, die unter­schied­li­chen realen Per­so­nen tat­säch­lich so pas­siert sind. Diese wer­den im Stück zu einer strin­gen­ten Ge­schichte ver­knüpft.
 Die Musik in der Sen­dung stammt von der ungaris­chen Band M&M, die auch in Jour­ney/Drom live spielt, mit Aus­nah­me des „Pregnancy Rap“, der ist von Kristof Horvat und Mihaela Dragan.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Siehe auch:
Berlin: The Journey / Drom, 16.10.2016

RomaRespekt #12: Giuvlipen

Oktober 18th, 2017  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Radio, Podcast & TV

Radio Romarespekt: Giuvlipen – feministisches Roma-Theater aus RumänienRadio RomaRespekt #12: Giuvlipen – fe­mi­nis­ti­sches Ro­ma-Thea­ter aus Bu­ka­rest

Sendung vom 4.11.2016: Die feministische Theatergruppe Giuvlipen aus Bukarest hin­ter­fragt ras­sis­ti­sche, anti­roma­is­ti­sche Stereo­type. Ihre Stücke er­zäh­len aber be­son­ders von Er­fah­run­gen mit Sexismus – egal, ob diese von Roma kom­men oder aus der Mehr­heits­ge­sell­schaft. Mit ihren Stücken ge­hen sie in die Roma-Com­mu­ni­ties und regen Dis­kus­sio­nen an. Gleich­zeitig rich­ten sich ihre Stücke an Nicht-Roma/-Romnja, die mehr über Roma und Romnja wis­sen wol­len. Giuv­li­pen pro­du­zie­ren Roma-Kultur ohne Kultu­ra­lis­mus.

Playlist:
Ion din Dorobanți: Bambina / Fata de pe plaia / Regina tristetii
Bogdan Artistu: Sunt femeie libere




(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Roma-Fimfestival „Ake dikhea?“

Oktober 16th, 2017  |  Published in Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen

"Ake dikhea?" Filmfestival in BerlinVom 19. bis zum 22. Oktober 2017 findet das erste Roma-Film­festi­val AKE DIKHEA? in Berlin statt. Die Festi­val­filme fokus­sieren sich auf das Leben von Roma in Europa – und setzen sich dabei kri­tisch mit der euro­päi­schen Gesell­schaft aus­einan­der.

Der Name ist Programm: Das Festival stellt die Frage „Ake dikhea?“ – über­setzt: „Na, siehst Du?“ Dabei wird gegen die Blind­heit gegen­über der viel­fälti­gen, komple­xen Rea­lität an­ge­kämpft, die den weit ver­breite­ten, stereo­typen Vor­stel­lun­gen über Roma und Sinti nicht ent­spricht. Die Schirm­herr­schaft der ers­ten Edition über­nimmt Dr. Klaus Lederer, Senator für Europa und Kultur des Landes Berlin.

AKE DIKHEA? hebt Filme hervor, die antiziganistische Klischees kri­tisch reflek­tie­ren und be­wusst de­konstru­ie­ren. Die in ers­ter Reihe von Men­schen handeln, und erst in zwei­ter Reihe von Roma. Damit setzt das Festival Maß­stä­be. (Dr. Klaus Lederer)

Das Filmfestival, welches anlässlich des fünften Jahrestages der Ein­wei­hung des Denk­mals für die im National­sozia­lis­mus ermor­de­ten Sinti und Ro­ma Deutschlands statt­findet, stellt an die aus­gewähl­ten Filme drei An­spr­üche: Authen­ti­zität, Indivi­dua­lität und gesell­schaft­li­che Re­le­vanz. Hamze Bytyci, künst­leri­scher Leiter des Festivals, be­tont, dass sich in der Film­land­schaft endlich eine neue, authen­tische Bilder­sprache durch­setzen müsse. Aus diesem Grund wurden Vor­schläge für Festival­filme von Roma aus ganz Europa an­ge­nom­men, auch die Festival­jury wurde mehr­heit­lich mit Roma-Filme­ma­cher/in­nen be­setzt.

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La Chana (Trailer)

Oktober 13th, 2017  |  Published in Film & Theater, Musik

Mein Leben: ein Tanz (La Chana)
Dokumentarfilm von Lucija Stojevic, Spanien 2016, 83 Min.
Österreichischer Kinostart: 6. Okt. 2017

Musik, Leidenschaft, Tanz – das ist Flamenco. Die Kastagnetten, der un­ver­wech­sel­bare Beat, der Hüft­schwung: „La Chana“ alias Antonia Santiago Amador in­kor­po­riert all das, sie IST Flamenco. In den 1960er- und 1970er-Jah­ren war La Chana der Star des Flamenco, der Ruf eilte ihr bis nach Holly­wood voraus. Doch dann, auf dem Höhe­punkt ihrer Karriere, ver­schwand sie plötz­lich von der Bühne. Was war ge­sche­hen? Über Archiv­material und die mit­rei­ßen­den Er­zäh­lun­gen der Tänzerin, die zum Dreh­zeit­punkt Ende 60 war, re­konstru­iert LA CHANA ein Leben mit Höhen und Tie­fen – und gibt, zu­aller­erst, einer un­glaub­lich charis­ma­ti­schen Frau die Bühne, die sie ver­dient. Ihre Füße sind heute noch die schnell­sten auf dem Pa­kett – „La Chana“ lässt die Lein­wand vibrier­ren. (Julia Teichmann)

(Text: Dokfest München)

Ein Interview mit ihrer Tochter, der Romanautorin Núria L. de Santiago, finden Sie in der Herbstausgabe 2016 unseres Magazins dROMa.

Radijo Erba: Tanzen verbindet

Oktober 12th, 2017  |  Published in Film & Theater, Interview, Musik, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Jennifer Papai

Khelipe khetan phandel

Erika Horvath, 61-jährige Romni aus Unterwart, er­zählt im Inter­view, wie sie zum Tanzen und Schau­spie­lern ge­kom­men ist. An­gefan­gen hat alles im Offenen Haus Oberwart (OHO). Schon immer be­wun­derte sie die all­jähr­lich statt­fin­den­den Tanz­tage, die von der be­kann­ten Choreo­grafin Liz King ver­anstal­tet werden. Eines Tages nahm Erika ihren gan­zen Mut zusam­men und mel­dete sich für die Tanztage an. Dort prä­sen­tier­te sie, ge­mein­sam mit anderen Roma-Tän­zer/innen, in einer eigens dafür zu­sam­men­gestell­ten Show die Kultur der Roma.

Erika Horvath, 61 berschengeri Romni Tenuerbatar, phu­kal ando vake­ripe, sar oj uso khe­lipe taj uso schau­schpil ali. Sa ando Pradimo Kher Erba (OHO) kes­dintscha. Lake imar min­dig o sako ber­sches­kere kheli­pes­kere divesa teci­nahai, save la prin­dscharda ko­re­jograf­ki­jatar Liz King, kerde on. Read the rest of this entry »

Rassismus im Kinderkanal

September 24th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Screenshot aus Nellys AbenteuerZentralrat Deutscher Sinti und Roma appelliert an KIKA und SWR: anti­ziga­nis­ti­schen Kinder­film „Nellys Abenteuer“ nicht senden

Der Film enthält nach Auffassung des Zentralrats mas­si­ve anti­ziga­nis­ti­sche Kli­schees und Stereo­type, die ihn völ­lig un­ge­eig­net für die Ziel­gruppe von Kindern machen. Die päda­go­gi­sche Alters­empfeh­lung empfiehlt den Film für Kin­der von neun Jahren an und für die drit­ten Schul­klassen. Bei der Fach­ta­gung „Antiziganismus und staat­liche Film­förde­rung“ in Berlin am 14. Sep­tem­ber stellte der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma das Gut­achten von Pavel Brunßen, Tech­nische Uni­ver­sität Berlin, vor. Im Er­gebnis der detail­lier­ten Film­analy­se heißt es:

In Nellys Abenteuer werden Roma durch­ge­hend als fremd und anders dar­gestellt. Dies ist kon­zep­tio­nelle Grund­lage des Films: Es soll ein schar­fer Kontrast zwi­schen den ‚eckig‘ den­kenden Deutschen und den ‚frei­heits­lie­ben­den‘ Roma her­gestellt werden. Die Hand­lungen und Eigen­schaften der Roma im Film er­folgen ent­lang ein­schlä­gi­ger anti­ziganis­ti­scher Topoi: Roma er­scheinen dem­nach als Klein­kriminelle, Trick­betrüger, Bettler, beim Auf­führen ‚tra­ditio­nel­ler‘ Tänze, als Kindes­ent­führer usw. Roma in anderen Lebens­situa­tio­nen, wie etwa in ‚regu­lä­ren‘ Be­rufen oder als Stu­die­rende, werden im Film nicht ge­zeigt. […] Hän­gen bleibt jedoch das Bild von den krimi­nel­len, un­zivili­sier­ten, dis­ziplin­losen und trieb­gesteu­erten Roma, die keine Moral ken­nen. Vor diesem Hinter­grund ist es als be­son­ders kri­tisch zu be­werten, dass der Film im Fernseh- oder Kino­programm auf­ge­nom­men wird und als Bil­dungs­material für Kinder und Jugend­liche ver­wendet wervden soll. Die stereo­typen Dar­stel­lun­gen des Films setzen sich im be­glei­ten­den Bildungs­mate­rial fort und pro­vo­zie­ren pau­scha­li­sie­rende und essentia­lisie­rende Aus­sagen über Roma. (S. 19)

Prof. Urs Heftrich von der Universität Heidelberg konsta­tierte in sei­nen An­mer­kun­gen zum Film, dass antiziganistische Kli­schees nicht auf­gelöst, son­dern im Ge­gen­teil ze­men­tiert würden:

Nellys Abenteuer präsentieren die Roma, über ihre Charak­te­ri­sie­rung als noto­ri­sche Taschen­diebe hinaus, als Hand­langer zu einem Ver­brechen, das nach § 239a StGB mit ‚Freiheits­strafe nicht unter fünf Jah­ren be­straft‘ wird: ‚Erpres­se­ri­scher Menschen­raub‘. Dass der Master­mind hinter diesem Plot kein Rom ist, dass dieser Master­mind (so Prof. Becker in seinem State­ment) die Er­wartung, Roma neig­ten zur Kindes­ent­führung, in seinen Plot ein­kal­ku­liert und dass Nelly zu­letzt mit Hilfe eines jungen Rom ge­rettet wird – all dies ändert nichts an der Tat­sache, dass Roma (spe­ziell Romamänner) im Film die­jenigen sind, die das Ver­brechen real durch­führen. Read the rest of this entry »

Neu in der Hamburger Schule

September 16th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte


Trailer: Alles gut – Ankommen in Deutschland
Dokumentarfilm von Pia-Luisa Lenz
95 Min., Deutschland 2017

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Alles gut – Ankommen in Deutschland

August 30th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Neu in der Hamburger Schule: Djaner aus Mazedonien (Foto: ARD)Dokumentarfilm von Pia-Luisa Lenz
95 Min., Deutschland 2017
HEUTE: Das Erste, 30.8.2017, 23:15 Uhr

Im Spätsommer 2015 spalten drei Worte ein ganzes Land: Wir schaf­fen das. Mil­lio­nen Bun­des­bürger en­ga­gie­ren sich für Asyl­be­werber. Anders­wo brennen die Flücht­lings­heime, die Frem­den­feind­lich­keit nimmt zu und die Regie­rung strei­tet über Ober­grenzen und Sprach­kurse für Ge­flüch­tete. Will­kom­mens­kultur stand ges­tern im Mittel­punkt, nun geht es um Integration und die Fra­ge, wie sie ge­lin­gen kann. Der 95-minütige Dokumentarfilm „Alles gut – Ankommen in Deutschland“ er­zählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Fa­mi­lien nach Deutsch­land ka­men: Djaner, 7, aus Mazedonien und Ghofran, 11, aus Syrien. Ihre Flucht endete in Hamburg, im gut­bür­ger­li­chen Stadt­teil Othmarschen. Aber wie fin­den sich die bei­den in ih­rem neu­en Leben zu­recht?

Zwischen Hoffnung und Unsicherheit

Djaner ist mit seinem Bruder Mahmud und seiner depres­si­ven Mutter vor Armut und Dis­kri­mi­nie­rung davon­ge­lau­fen. An seinem ers­ten Tag an einer deut­schen Grund­schule geht für den Roma-Jungen ein Traum in Er­füllung. In seiner Heimat be­deu­tete Schule für ihn Angst vor Schlä­gen. Hier will Djaner dazu­ge­hören, wie Hun­dert­tau­sende an­de­re Flücht­lings­kinder, die in Deutsch­land plötz­lich be­schult wer­den.

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„Broken Silence“ (2013)

August 23rd, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Teil 2: https://vimeo.com/63692450

Dokumentarfilm von Bob Entrop und Orhan Galjus, 85 Min.

Der Radioreporter Orhan Galjus, geboren im Kosovo, reist durch Deutsch­land, Polen und das Kosovo. Er will wis­sen, warum die Sinti und Roma so lange über den Holocaust ge­schwie­gen haben. Orhan spricht mit deut­schen Sinti, die Auschwitz über­lebt haben, und reist zu wenig be­kannten pol­ni­schen Gedenk­stätten. Mit dem Fort­gang der Ge­schichte ent­faltet sich das innere Drama des Prota­gonis­ten: Er be­fürch­tet, dass künf­tige Ge­ne­ra­tio­nen von ihren Wurzeln ent­frem­det werden. Was müs­sen sie tun, um Gehör zu finden? Warum ver­leug­nen viele ihre Herkunft? Sieht ins­be­son­dere die junge Generation die Paral­le­len zwi­schen der histo­ri­schen Ver­folgung und Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung in der Gegen­wart?

„Roma Armee“ im Gorki-Theater

August 14th, 2017  |  Published in Film & Theater

GorkiMaxim Gorki Theater, Berlin:
Uraufführung am 14.9.2017
Weitere Termine: 15., 16., 17.9.2017 (Vorverkauf)

Die Geschichte der Roma ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Dis­kri­mi­nie­rung. Die An­er­ken­nung des Völkermords wäh­rend des National­sozia­lis­mus er­folgte spät. Auch heute werden Roma Opfer von Hass­ver­bre­chen in Ungarn, Tschechien oder Deutschland. Anti­ziga­nis­ti­sche Bilder werden in den Medien re­pro­du­ziert und ein Diskurs über ver­meint­liche Armuts­migrant/in­nen schürt Ressen­ti­ments. Das Maxim Gorki Theater Berlin will in diese rassistischen Pro­jek­tio­nen der Mehr­heits­gesell­schaft inter­venie­ren und Roma in künst­le­ri­schen Werken sicht­barer ma­chen. „Roma Armee“ ist Manifest, Theaterstück, Selbst­ermäch­ti­gung und An­griff. Die Idee des Stücks geht auf die Schwestern Simonida und Sandra Selimović zu­rück. Die bei­den Romnija aus Serbien leben in Österreich und orien­tie­ren sich in ihren Aktio­nen an der Wiener Gruppe, sie arbei­ten situa­tio­nis­tisch und aktio­nis­tisch. Gemein­sam mit der israeli­schen Regis­seurin Yael Ronen sowie weite­ren Roma-Schau­spieler/in­nen ent­wickeln sie das Stück. Nach Recher­chen wie dem Besuch histori­scher Orte oder von Gerichts­sälen, in denen über die Abschiebung von Roma-Fa­milien be­funden wird, ent­steht im kollek­tiven Arbeits­prozess nach und nach die „Roma Armee“.

Künstlerische Leitung und Regie: Yael Ronen (IL)
Malerei / Artwork: Damian Le Bas, Delaine Le Bas
Mit Mehmet Ateşçi, Hamze Bytyci, Mihaela Drăgan, Riah May Knight, Lindy Larsson, Orit Nahmias, Sandra Selimović, Simonida Selimović

(Text: Kulturstiftung des Bundes)

In einer Gegenwart, in der Europa droht in Neofaschismen abzudriften, be­ansprucht eine Grup­pe von Schau­spieler*innen eine Roma-Armee zu Selbst­ver­tei­di­gungs­zwecken. Eine schnelle Eingreif­truppe zum Kampf gegen struk­turelle Dis­krimi­nie­rung, Ras­sis­mus und Antiziganismus, aber auch als Eman­zi­pa­tion aus einer inter­na­li­sier­ten Opfer­rolle. Read the rest of this entry »

„Großstadt-Zigeuner“ (1932)

Juli 28th, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Großstadt-Zigeuner, Stummfilm, D 1932
Regie/Kamera/Schnitt: László Moholy-Nagy (1895-1946)

„Als László Moholy-Nagy 1932 seinen knapp zwölf­minü­ti­gen Experi­mental­film in Berlin drehte, bestä­tig­te er zwar das ver­brei­tete Bild der Sinti und Roma, die sich als Wahr­sagerin­nen, Musiker und Bären­vor­führende be­tätig­ten; doch zeigte er sie gleich­zeitig als fröhliche und selbst­bewusste Gemein­schaft. Moholy-Nagy konnte nicht ahnen, dass Sinti und Roma schon weni­ge Jahre spä­ter eben­so wie die europäi­schen Juden im Faden­kreuz der NS-Ver­nich­tungs­politik stehen sollten.“ (Goethe-Institut)

„In seinem Film ,Großstadtzigeuner‘ aus dem Jahr 1932 porträ­tiert der ungarische Künstler, Medien­theo­re­ti­ker und Filme­macher László Moholy-Nagy die Mit­glie­der einer Roma-Ge­mein­schaft in Berlin. Er zeigt Männer beim Karten­spiel, Mädchen, die einander die Haare käm­men, strei­tende Frauen, eksta­ti­sche Musiker, aus­gelassen tan­zende Zuhörer. Im­mer näher lässt der Filmemacher seine Kamera an diese Men­schen heran­gleiten, mehr und mehr bleibt sie dabei an Details hän­gen: an Händen, Füßen oder Ge­sich­tern. Sie greift den Rhyth­mus der Be­we­gun­gen auf, wird so zum Teil des Ge­sche­hens. Aus den selt­sams­ten Blick­winkeln hat Moho­ly-Nagy seine Pro­ta­gonis­ten ge­filmt, oft von unten oder von schräg oben. Mal be­wegen sie sich aus der Un­schärfe in die Schärfe, mal aus dem Licht in den Schat­ten und um­ge­kehrt. Read the rest of this entry »

Olympiamuseum Köln: „Zigeuner-Boxer“

Juli 21st, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Sport

Rukeli TrollmannRike Reinigers „Zigeuner-Boxer“ basiert auf der Lebens­ge­schich­te des sinto-deut­schen Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann und zeigt auf ein­drucks­volle Weise, wie in Zeiten von Unter­drückung und Terror per­sön­li­cher Mut und ver­läss­li­che Freund­schaft zum Tra­gen kom­men kön­nen. Er­zählt wird das Schick­sal des Boxers aus Sicht seines Freun­des Hans, der vom Kölner Schau­spieler Andreas Kunz ge­spielt wird. Er er­in­nert sich an Ru­ke­lis spek­ta­ku­läre Auf­tritte und seine gro­ßen Er­folge. 1933 war er Deutscher Meister ge­wor­den, doch der Titel wurde ihm we­nige Tage später mit der Be­grün­dung ab­er­kannt, sein tän­zeln­der und aus­wei­chen­der Box­stil sei „un­deutsch“. Aus Protest färb­te sich Ru­keli vor seinem nächs­ten Kampf die Haare blond und kalk­te sich die Haut weiß. So stieg er als Kari­katur eines Ariers in den Ring, um die Schläge seines Geg­ners deckungs­los hin­zu­ne­hmen, bis er zu Boden ging. In Rück­blicken er­zählt Hans den letzt­lich aus­sichts­lo­sen Kampf seines Freun­des um seine Karriere und sein Leben (Anm. d. Red.: Troll­mann wurde 1944 in einem Außen­lager des KZ Neuengamme er­mordet),

Das speziell für ein jugendliches Publikum kon­zi­pier­te Theater­stück er­mög­licht einen sehr emotio­nal an­geleg­ten Zu­gang in die Zeit des Nationalsozialismus und zeigt an­hand einer historisch ver­brief­ten Lebens­geschichte, wie staat­li­cher Will­kür und Gewalt jedes Recht auf ein men­schen­wür­di­ges Da­sein zum Opfer fällt.

Das „Deutsche Sport- & Olympia-Museum“ bietet speziel­le Auf­füh­run­gen für Schul­klassen in gleich­sam authen­ti­schem Am­biente, näm­lich in seinem Box-Ring, an. Hier be­leuch­ten auch eini­ge aus­gewählte Ex­ponate die Ge­schich­te von Johann „Rukeli“ Trollmann.

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Roma: Bürger zweiter Klasse?

Juli 15th, 2017  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

"Roma: Büger zweiter Klasse?" ARTEARTE: Di., 18. Juli 2017, 21.45 Uhr
Online: 18. Juli bis 25. Juli 2017

Reportage von Samuel Lajus, 91 Min., F/2017

Das schlechte Image von Roma ist dominant in ganz Europa und exis­tiert seit Jahr­hun­der­ten. Warum be­geg­net die Mehr­heits­bevöl­ke­rung ge­ra­de die­ser Minderheit mit so viel Hass und Miss­trau­en? Die Filme­ma­cher ge­hen in ganz Europa der Fra­ge nach, wes­halb sich Kli­schees und Vor­ur­teile ge­gen Roma bis heute hart­näckig halten.

„Die Lage der Roma in den EU-Staaten ist heute schlim­mer als im Kom­munis­mus“, er­klärt Georges Soros, US-ame­ri­ka­ni­scher Mil­liar­där un­ga­ri­scher Her­kunft. Trotz der Mil­liar­den­inves­ti­tio­nen der EU in Ein­glie­de­rungs­maß­nah­men hat sich also nichts ge­än­dert. Im Gegen­teil: Seit dem Mauer­fall scheint sich die Situa­tion ste­tig zu ver­schärfen. Wie konn­ten die euro­päi­schen Ins­ti­tu­tio­nen so kläg­lich schei­tern? Warum ver­ließen nach dem Sturz von Nicolae Ceausescu über 15 Pro­zent aller Ru­mä­nen ihre Heimat? 2014 streng­te die EU-Kom­mis­sion ein Ver­fahren gegen die Tsche­chi­sche Re­publik an, um Roma-Kin­dern bes­se­ren Zu­gang zu Bildung zu ver­schaf­fen. Warum be­sucht dort ein Vier­tel aller Roma-Kinder Schulen für Men­schen mit geis­ti­gen Be­hin­de­run­gen, was zu ihrer sozia­len Aus­gren­zung führt? Im un­gari­schen Miskolc ge­wann die Par­tei Fidesz – Unga­ri­scher Bür­ger­bund, der Pre­mier­minis­ter Viktor Orbán vor­steht, die Wähler mit dem klaren Ver­spre­chen, „das Roma-Ghetto auf­zu­lösen, um die Stadt lebens­werter zu ma­chen“. Doch die Roma wur­den nicht um­ge­sie­delt, son­dern ein­fach ver­jagt. Der zweifel­hafte Um­gang mit der Roma-Min­der­heit ist kein ost­europäi­sches Phä­no­men. Auch in Italien, Frankreich und Schweden sind Räu­mun­gen von Roma-Lagern, Dis­krimi­nie­rung und Aus­grenzung an der Tages­ordnung. Nur in Berlin, wo die Roma so zahl­reich sind wie in ganz Frank­reich, scheinen sie ihren gesell­schaft­li­chen Platz ge­fun­den zu ha­ben. Was lief hier anders als bei den euro­päi­schen Nach­barn?

(Programmankündigung ARTE)

Mit dem Mop ins Rampenlicht

Juni 26th, 2017  |  Published in Film & Theater

Seit 17 Jahren arbeitet Rabie Peric-Jasar im echten Leben als Muttersprachenlehrerin. (© Solmaz Khorsand)In der Komödie „Die Migrantigen“ setzt Rabie Peric-Jasar den Putz­frau­en ein Denk­mal. Eine Wür­digung.

Wiener Zeitung, 25.6.2017. Von Solmaz Khorsand

Wien. Der Besen. Damit hat Rabie Peric-Jasars Mutter immer ge­droht. Er ge­hörte zum Horror­szena­rio, das sie be­schwo­ren hat, wenn ihre Kin­der nicht ge­horcht haben: „Wenn du nicht lernst, wirst du Putzfrau. So wie ich.“ Bis zu ihrer Pen­sion hat sie Büros in Skopje ge­putzt. Sie, die An­alpha­be­tin, deren Vater sie nicht zur Schule schicken woll­te. Sie, die Roma-Frau, die prompt zur Di­rek­to­rin mar­schier­te, wenn eines ihrer fünf Kin­der von der Lehre­rin dis­kri­mi­niert wurde. Sie, die Mutter, die ihre Toch­ter durch das Sport­gymna­sium drillte, damit sie sich nicht eines Ta­ges durch das Le­ben ande­rer keh­ren muss.

Rabie Peric-Jasar lächelt. Ausgerechnet als Putzfrau macht die 58-Jährige nun Kar­riere. Und zwar auf der großen Lein­wand. In Arman T. Riahis Spielfilm­debüt „Die Migran­ti­gen“ rund um zwei Wiener, die für eine TV-Serie „echte Aus­länder“ mimen sol­len, spielt sie das Migran­ten­kli­schee schlecht­hin.

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Sido spielt Hauptrolle in Roma-Film

April 25th, 2017  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV

Sido dreht Fernsehfilm, hier mit seinen Schauspielerkollegen (Foto: RBB)rbb/Presseaussendung – In Berlin haben die Dreharbeiten zu „Eine Braut kommt selten allein“ unter der Regie von Buket Alakus („Ein­mal Hans mit scharfer Soße“) nach einem Drehbuch von Laila Steiler („Die Opfer – Ver­gesst mich nicht“, 2. Teil der NSU-Tri­logie im Ersten) be­gon­nen. Es ist der erste deutsche Fern­seh­film, in dem die Lebens­wirk­lich­keit der Roma im Mittel­punkt steht. Un­ver­stellt, wert­frei und ohne Scheu vor un­an­geneh­men Wahr­heiten erzählt der Film, wie die Romni Sophia (Michelle Barthel) dem vom Leben ent­täusch­ten Johnny (Paul „Sido“ Würdig) zuerst den Kopf ver­dreht und dann ihre 16-köpfi­ge Groß­familie bei ihm ein­quartiert.

Zum Inhalt:
Eines Tages sitzt sie vor seiner Tür. In ihrem roten Hochzeitskleid und den ab­ge­latsch­ten Turn­schuhen. Sie spricht nicht seine Sprache, sie ist ihm eigent­lich zu jung, sie ent­stammt einer voll­kommen ande­ren Welt, sie liebt auch anders als er – und doch wer­den die beiden ein Paar. Johnny, ge­scheiter­ter Club­be­sitzer, und Sophia, die Romni. Ob sie wirk­lich von ihrer Hochzeit ab­ge­hauen ist, tat­säch­lich direkt aus Belgrad kommt, ihn wahr­haftig so liebt, wie sie be­haup­tet? Johnny weiß es nicht. Und ir­gend­wann ist es ihm auch egal. Er ist sogar bereit, ihre Eltern ein­zuladen, als Sophia Heim­weh hat. Aber damit gerät sein ohne­hin kompli­zier­tes Leben völlig aus den Fugen, denn es kom­men nicht nur Mama und Papa zu Besuch … In einer Mischung aus Märchen und Reportage nimmt die Ko­mödie Klischees und Vorurteile aufs Korn, er­zählt von Lüge, Wahrheit, Über­for­de­rung und der Kraft der Liebe.

Über die Produktion:
„Eine Braut kommt selten allein“ ist eine Produktion von Bavaria Fernseh­pro­duk­tion Berlin im Auf­trag des Rund­funk Berlin-Branden­burg für Das Erste. Das Dreh­buch stammt von Laila Stieler. Die Bild­gestal­tung über­nimmt Andreas Höfer. Die Re­daktion ver­ant­wor­tet Cooky Ziesche. Für Hauptdarsteller Paul „Sido“ Würdig ist es auf­grund seiner Sinti-Wurzeln (mehr hier und hier) eine Herzens­ange­legen­heit, bei diesem Film mit­zu­wirken. Read the rest of this entry »

„Valentina“ (Trailer)

April 3rd, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Valentina (D 2016, 51 min.)
Dokumentarfilm von Maximilian Feldmann & Luise Schröder

(mehr hier)