Archive for August, 2023

„Stets korrekt und human“

August 31st, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Opfermann, Ulrich Friedrich. „Stets korrekt und human“: Der Umgang der westdeutschen Justiz mit dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma. Antiziganismusforschung interdisziplinär – Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus 4. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2023.Ulrich Friedrich Opfermann: „Stets korrekt und human“. Der Um­gang der west­deut­schen Justiz mit dem NS-Völ­ker­mord an den Sinti und Roma (=Anti­ziga­nis­mus­for­schung inter­dis­zipli­när. Schrif­ten­reihe der For­schungs­stelle Anti­ziga­nis­mus, Bd. 4), Heidel­berg Uni­ver­sity Publi­shing (heiUP): Hei­del­berg 2023, 589 S.

→zum Download (CC BY-SA 4.0)

Das Buch gibt erstmals einen systematischen Überblick zu einem bislang ver­nach­lässigten Bereich der justiziellen Auf­arbei­tung des NS-Systems: dem Umgang mit den Ver­brechen an den Sinti und Roma in west­deutschen NSG-Ver­fahren unter Ein­bezug des Tat­raums Osteuropa. Die akribisch recher­chierte Studie stellt zahl­reiche Verfahren vor. Sie informiert über die rechtlichen Voraus­setzungen des west­deutschen justiziel­len Sonderwegs, zeichnet den Verfahrens­gang nach und fragt nach den Rollen der Be­schuldig­ten und Zeugen sowie des Justiz­per­sonals. Im Mittel­punkt steht das als Groß­ver­fahren neben dem ersten Auschwitz-Prozess geplante Sammel­ver­fahren zum „Zigeunerkomplex“ (1958–1970), das ent­gegen seinem An­spruch kaum Resonanz ent­faltete und heute weit­gehend ver­gessen ist.

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Romani Ora (29.8. und 30.8.2023)

August 30th, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 29.8.2023 (mp3)

Im Tagesthema der „Romani Ora“ stellt Marcel Horvath den leiden­schaft­li­chen Motorrad­fahrer Patrick Josef vor, der seit seiner Kindheit eine Liebe zu den Bikes hat. In der Rubrik „Minden­fe­litiko“ stellt Adi Gussak ein Rezept eines tra­ditio­nellen Roma-Ge­richts vor: ,,Peke balitschane gu­schuma” (auf Deutsch: gebratene Schweinemägen). Durch die Sen­dung führt Adi Gussak.


Anhören: →Sendung vom 30.8.2023 (mp3)

Im Tagesthema behandelt die Sendung die Situa­tion am Arbeits­markt. Im Inter­view hören Sie dazu Dietmar Strobl vom AMS Oberwart. Und auch in der Jugend­sen­dung „Young, wild and free“ dreht sich heute alles um Jobsuche und Aus­bildung. Dazu die News auf Romanes und Deutsch und ein Film­tipp: „Equilizer 3 – The Final Chapter“.

Roma-Politiker Karel Holomek gestorben

August 29th, 2023  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Karel Holomek (Foto: Chad Evans Wyatt. Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0)Am Sonntag ist der tschechische Roma-Ak­ti­vist, Po­liti­ker und Be­grün­der des Mu­seums für die Roma-Kul­tur Karel Holo­mek im Alter von 86 Jah­ren ge­storben.

Radio Prag Int.: Karel Holomek wurde am 6. März 1937 in Brno/Brünn geboren. Sein Vater Tomáš war in einer Roma-Sied­lung nahe Kyjov in Süd­mähren auf­ge­wachsen, die Mutter war eine Bauern­tochter. Der Vater war vermut­lich der erste Rom in der Tschechoslowakei mit einer Hoch­schul­bildung. Er studierte in den 1930er Jahren Jura an der Karls­universität. Von den Be­wohnern der mährischen Slowakei wurde er sehr ge­schätzt.

Die Holomeks gehörten zu den größten Roma-Familien in Mähren. 1939 flüchtete Karels Vater vor den National­sozia­listen in die Slowakei. Karel war damals zwei Jahre alt. Er wuchs im Folgen­den in Milotice bei Kyjov auf, um ihn küm­merten sich ab­wech­selnd die Familien seiner Mutter und seines Vaters. Anfang 1942 wurde ein großer Teil seiner Roma-Ver­wandten ins Kon­zentrations­lager ver­schleppt. Auch dem Jungen und seiner Schwester drohte, ins KZ ge­schickt zu werden. Daran er­innerte sich Karel Holomek 2015 in einem Gespräch für das Zeit­zeugen­projekt „Paměť národa“ (Memory of Nation):

In Milotice, wo ich mit meiner Mutter und meiner Schwester lebte, war bekannt, dass wir die Zigeuner­misch­linge sind, die im KZ landen sollten. Wie ich später erfuhr, standen mein Name und der Name meiner Schwester in der SS-Zentrale in Zlín auf der Liste zu den zehn meist ge­suchten Zi­geuner­misch­lin­gen, die ins KZ geschickt werden sollten. Dies ist jedoch nicht passiert – dank der Tapfer­keit meiner Mutter und eines Gendarmen. Dieser kam immer zu uns und warnte meine Mutter: ,Frau Holom­ková, ver­schwinden Sie, morgen machen hier die SS-Leute eine Razzia.‘ Ich erinnere mich daran, wie meine Mutter mit uns in den Jahren 1942 und 1943 mit der Bahn und mit dem Fahrrad herum­reiste. Wir wurden bei Ver­wandten, aber auch bei wild­fremden Leuten unter­ge­bracht. Einfach fan­tastisch war jedoch, dass niemand im Dorf es den Deutschen oder den Gen­darmen verriet. Wir gehörten einfach zu den Bewoh­nern, und so haben auch sie es empfunden. Read the rest of this entry »

Lehrmittel: Jenische, Sinti, Roma (Schweiz)

August 29th, 2023  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Jenische Sinti Roma - LehrmittelJenische, Sinti, Roma. Zu wenig bekannte Minderheiten in der Schweiz. Ein rassismuskritisches Lehrmittel

Hrsg. von der Arbeitsgruppe Jenische – Sinti – Roma, Pä­da­go­gi­sche Hochschu­le Zü­rich/Stif­tung für Erzie­hung zur To­leranz (SET), 2023

Download: →Gesamtes Lehrmittel (ZIP, 65 MB)

Lehrmittel für die Primarschule / Zyklus 2
Das Lehrmittel orientiert sich an der Mehr­per­spek­ti­vität und fördert bei den Schülerin­nen und Schülern die Fähig­keit und den Willen zum Per­spektiven­wechsel. Es stellt sich in die Tradition des gesell­schaft­lichen Lernens auf der Primar­stufe, bei dem die Be­fähi­gung zu respekt­vollem Umgang und die Sen­sibilisie­rung für die kulturelle und gesell­schaft­liche Vielfalt in der Schweiz im Zentrum stehen. Die von der Pädagogischen Hochschule Zürich entwickelten und in der Primar­schule ge­testeten Lern­aufgaben fördern die schritt­weise Erarbei­tung der NMG- und BNE-Kom­petenzen. Das Gewicht liegt auf den Lebens­erfahrun­gen von An­gehöri­gen der drei Minder­heiten. Fokus­siert wird die gelebte Gegen­wart, zu der aller­dings auch die Gewalterfahrung der Ver­gangen­heit gehört. Somit kommt auch die histori­sche Dimen­sion des Umgangs mit den Minder­heiten auf dem Gebiet der heuti­gen Schweiz zur Sprache. Read the rest of this entry »

Romani Ora (28.8.2023)

August 28th, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 28.8.2023 (mp3)

Am heutigen Musikmontag erwartet Sie ein Musik­tipp: Ramon Roselly, Sinto aus Deutschland und Ge­winner der Casting­show DSDS. Und in der Rubrik „Kultura het­vi­nate“ stellen wir Ihnen den tsche­chi­schen Spielfilm „Cigán“ von 2011 vor (Regie: Martin Šulík): Nach­dem sein Vater stirbt, ist der junge Rom Adam (Ján Mizigár) ge­zwungen, früh Ver­antwortung zu über­nehmen und er­wachsen zu werden. Für ihn be­deutet dies vor allem, dass er alles stehlen muss, was irgend­wie von Wert ist. Denn einen Job zu be­kommen, erscheint aus­sichts­los, und so flüchten sich viele von ihnen mit Drogen oder durch das Schnüffeln von Kleber aus dieser grauen Re­alität. Für den gerade ein­mal 14-Jäh­rigen eröffnet sich diese grauen­hafte Welt jetzt erst richtig.

„ROMA: Der Kampf um Anerkennung“

August 26th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Radio, Podcast & TV

Screenshot aus der Reportage in Österreich-Bild (ORF)ORF2: Österreich-Bild (27 Min.)
So., 27.8.2023, 18.25 Uhr

In der ORF-Dokumentation zeichnet Ge­stal­te­rin Katha­rina Graf-Ja­nos­ka in ORF 2, den Weg der Roma zur An­er­ken­nung als Volksgruppe nach. Eine Produktion aus dem Landesstudio Bur­genland.

Am 16. Dezember 1993 werden die Roma offiziell als Volksgruppe an­erkannt. Die Be­strebun­gen, die zur An­erken­nung als sechste Volks­gruppe in Österreich führen, be­ginnen aller­dings schon einige Jahre zuvor sowohl im Burgenland als auch in Wien. Junge Roma und Romnja, die Söhne und Töchter der Holo­caust­über­leben­den, begin­nen sich all­mählich gegen die an­haltende Dis­kriminie­rung und Aus­grenzung zu wehren: Denn bis Ende der 1980er-Jahre werden Roma-Kinder auto­ma­tisch in die Sonderschule ab­geschoben, jungen Erwachsenen wird der Zugang zum Arbeits­markt erschwert und es wird ein Lokalverbot verhängt.

1989 wird der erste Romaverein gegründet, der „Verein Roma Oberwart“ – ein erster Schritt in Richtung An­erken­nung. Und es ist ein langer und schmerz­hafter Weg, der hinter der noch jungen Volks­gruppe liegt. Es ist diese tragische und teil­weise unfass­bare Geschichte, die bis heute nachhallt: geprägt von Vor­urteilen, Dis­krimi­nierung, bis hin zur Ermordung von 90 Pro­zent der in Österreich le­benden Roma und Romnja im National­sozialis­mus.

Die Anerkennung der Roma als Volksgruppe ist ein Wendepunkt, der vieles, aber nicht alles ver­ändert. Zu spüren bekommt dies die noch junge Volks­gruppe in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995, als eine Rohrbombe nahe der Roma-Siedlung in Oberwart vier junge Roma tötet. Das Attentat erregt nicht nur natio­nale, sondern auch inter­natio­nale Auf­merk­sam­keit, durch die sich die Volks­gruppen­arbeit inten­siviert. Wenige Monate später kon­stituiert sich der Volks­gruppen­beirat der Roma. Read the rest of this entry »

Romani Ora (24.8. und 25.8.)

August 25th, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 25.8.2023 (mp3)

Im Tagesthema berichtet die „Romani Ora“ von der Foto­aus­stel­lung des Land­tags­ab­geord­neten Wolfgang Spitzmüller „Fas­zina­tion Natur­raum vor der Haustür“ im Haus der Volks­kultur Oberschützen. Und in dieser Aus­gabe von „Mri His­to­ri­ja“ hören Sie die Schil­derun­gen des Zeit­zeugen Franz Schmaldienst, der als Kind den Todesmarsch un­gari­scher Juden 1945 mit­an­sehen musste.


Anhören: →Sendung vom 25.8.2023 (mp3)

Neben dem Veranstaltungskalender, der die besten Ausgehtipps präsen­tiert, berich­ten Tina Nardai und Emmerich Gärt­ner-Hor­vath von den inter­nationa­len Volks­gruppen­nach­rich­ten. In der Jugend­sen­dung „Young Wild and Free – le ter­nen­ge“ wird der Basketball­verein ,,Getsgo“ in Stadtschlaining vor­ge­stellt. Außer­dem gibt es passend zum Wochenend­start stim­mungs­volle und ab­wechs­lungs­reiche Musik. Mo­deriert von Adi Gussak.

Der Porajmos in der Nachkriegsjustiz (2022)

August 24th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Wissenschaft

Universität WienAnna Cseri (2022): Kritische Betrachtung der Darstellung des Porajmos in der österreichischen Nachkriegsjustiz am Beispiel der Volksgerichtsverfahren gegen Franz Langmüller und Friedrich Messer

Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 91 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Nur ein Bruchteil der begangenen NS-Verbrechen an Rom:nja und Sin­ti:zze wurde in den öster­reichi­schen Volksgerichten im Zuge der Nach­kriegs­justiz be­handelt. Als Sonder­gerichte trugen sie die Ver­ant­wortung für die justizielle „Entnazifizierung“, welche in Österreich eng ver­zahnt war mit einer büro­kra­ti­schen „Säuberung”, bei der im Wesent­lichen eine Registrie­rung sog. „Ehemaliger“ sowie Sühne­leistungen zu Tragen kamen. Bis dato ließen sich ledig­lich 23 von über 136.000 Verfahren eruie­ren, die mit dem Porajmos im Zu­sammen­hang stehen. Eine Vielzahl der NS-Ver­brechen an Rom:nja und Sinti:zze blieb ungesühnt. Dieser Um­stand lässt sich in den Dis­kriminie­rungs­prozess dieser Opfer­gruppen in der un­mittel­baren Nach­kriegszeit (jedoch auch darüber hinaus) ein­ordnen. Knapp die Hälfte der Verfahren vor dem Volks­gericht betref­fend des Porajmos wurden ab­gebrochen oder ein­gestellt, die Täter:innen in einem Großteil der Fälle zu niedrigen Strafen verurteilt oder gar frei­gesprochen. In der vor­liegenden Master­arbeit wurden zwei öster­reichi­sche Volks­gerichts­verfahren analy­siert, die mit dem sog. „Zigeunerlager” Lackenbach in Zu­sammen­hang stehen. Die Haupt­quellen umfassen die Prozess­unter­lagen der beiden Verfahren, einer­seits gegen den Lager­leiter des so­ge­nannten „Zigeuner­lagers” Lacken­bach, Franz Langmüller, sowie anderer­seits gegen Friedrich Messer, der unter an­derem wegen der Denun­ziation einer Romni und der Betei­li­gung an Depor­tationen vor Gericht stand. Hierbei wurden erst­mals Prozess­akten auf die Re­produk­tion anti­ziganisti­scher Stereotype unter­sucht. Read the rest of this entry »

Romani Ora (22.8. und 23.8.2023)

August 23rd, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 22.8.2023 (mp3)

Adi Gussak hat die Lernhilfe in Oberwart be­sucht und ge­fragt, was an­geboten wird und wie Schüler mit Stress bzw. vor dem Schulstart klar­kommen. Die Schülerhilfe hilft bei den Vor­be­rei­tungen für Nach­prü­fungen bzw. beim Lernen. Und in „ Min­den­fe­litiko“ geht es um den „Tag der Tomate“. Das Lieblings­gemüse der Öster­reicher wird auch im Burgen­land eifrig an­gebaut und ge­erntet. Adi Gussak hat zwei Hobby­gärtner be­sucht und be­fragt.


Anhören: →Sendung vom 23.8.2023 (mp3)

In der Mittwochssendung, moderiert von Adi Gussak, ist das Tages­thema die „StrickMadame“ in Oberwart, welche Marcel Horvath vor­stellt. Die inter­natio­na­len Volks­gruppen­news prä­sen­tieren Tina Nardai auf Deutsch und Emmerich Gärt­ner-Hor­vath auf Burgen­land-Ro­mani. Und wie jeden Mitt­woch und Freitag gibt es auch die Jugend­sendung „Young, wild and free – le ter­nen­ge“ zu hören: Heute wird Ihnen von Adi Gussak das ProjektJugendtaxi Burgen­land“ näher­ge­bracht.

Facts & Figures (479)

August 22nd, 2023  |  Published in Facts & Figures

Malta ist das einzige EU-Land, in dem laut of­fi­zi­el­len An­ga­ben kei­ne Ro­ma-Be­völ­ke­rung lebt.

(Quelle)

Romani Ora (21.8.2023)

August 21st, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 21.8.2023 (mp3)

In der „Roma­ni Ora“, moderiert von Adi Gussak, gibt es die beste und ab­wechs­lungs­reichs­te Musik zu hören. Von tra­ditio­neller Romamusik bis zu moder­ner Popmusik ist alles dabei. Im Montags­spezial „Kultura het­vinate“, auf Deutsch: „Kultur am Montag“, werden Hans Samer (1948–2012) und die Hans Samer Band vor­gestellt. Außer­dem über­mitteln Tina Nardai auf Deutsch und Emmerich Gärt­ner-Hor­vath auf Burgen­land-Romani die inter­natio­na­len Roma-News.

Fußball-WM: Gitanos feiern Titel für Spanien

August 20th, 2023  |  Published in Sport

Olga im Siegerinterview nach dem Match (Screenshot: ORF)Das Finale ist geschlagen. Spanien ist Fuß­ball-Welt­meister – und hat das gleich zwei­fach seiner Kapi­tänin zu verdanken: Olga Carmona, einer Gitana (spani­sche Romni) aus Sevilla.

[aktualisiert am 22.8.2023, siehe unten]

Olga Carmona, Star des spanischen Na­tionalteams und nach Angaben spani­scher Roma-NGOs und Medien Gitana aus Sevilla (siehe hier, hier, hier, hier oder hier; auch skepti­sche Stimmen gibt es), war es, die Spanien im Semi­finale gegen Schweden als Team­kapi­tänin kurz vor dem Schluss­pfiff in der 89. Minute doch noch ins WM-Finale schoss. Und Car­mona war es auch, die im heu­tigen Endspiel in Sydney in der 29. Minute das einzige und alles ent­schei­dende Tor er­zielte. Dank der 23-Jäh­rigen siegte Spanien 1:0 gegen England. Und ist Welt­meister.

„Spanien ist vielfältig, und jeden Tag gleicht sein Bild auch mehr und mehr den unter­schied­li­chen Men­schen, die wir hier leben“, freut sich die feminis­tische Gitana-Or­ga­ni­sa­tion „Fakali“ auf Twitter über den Erfolg Carmonas und setzt dem das Motto „gitanas visibles“ (sicht­bare Gitanas) hinzu.

Olgas Karriere auf dem Fußballrasen begann schon als Kind in Sevilla, als Mädchen in der Buben­mann­schaft. Mit dem FC Sevilla, der sie schon mit 15 aus dem Jugend­kader ins A-Team holte, stieg sie in die erste Liga auf. Seit drei Jahren ist die Anda­lu­sierin nun bei Real Madrid unter Ver­trag. Nach Erfolgen im spa­nischen U19-Ju­gend­team, mit dem sie 2018 den Europa­meis­ter-Titel er­kämpfte, wurde sie vor zwei Jahren schließ­lich in die reguläre National­aus­wahl berufen.

„Früher habe ich Flamenco gemacht. Und Schwimmen. Aber meine Brüder waren von ganz klein auf beim Fußball dabei. Ich habe ihnen jeden Nach­mittag zu­ge­schaut, und eines Tages habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich mit ihnen trai­nieren möchte. Da hat es mich gepackt. Sie mel­deten mich an und ich spielte ein paar Jahre lang in ihrer Mann­schaft. Einer von ihnen ist mein Zwillings­bruder (Tomás), der andere (Fran) ist ein Jahr älter, sie sind beide Fuß­baller“, erzählte sie in einem Interview. „Ich habe mich immer schon für eine Person mit starkem Charakter ge­halten, ohne Ängste“, be­schrieb sich Olga Carmona ein­mal selbst. Und ihren Uni­versitäts­abschluss als Sportwissenschaftlerin hat sie, so ganz neben­bei, auch bald in der Tasche. Read the rest of this entry »

Menschenhandel: Leihmütterskandal auf Kreta

August 18th, 2023  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Krimineller Adoptionsring in Griechenland: Ausbeutung von Roma-Frauen als einträgliches Geschäft (Foto: Eloisa/Pixabay) Menschenhandel: Auf Kreta wurde ein il­lega­ler Adop­tions­ring auf­ge­deckt – Frauen in Notlage wur­den nach Grie­chenl­and ge­lockt und als Leih­müt­ter aus­ge­beu­tet. Unter ih­nen vie­le Romnja aus Süd­ost­europa.

In Griechenland wurde vor einigen Tagen ein Leihmütter­skandal in einer Kinderwunsch­klinik auf­ge­deckt. Dies berichtet ORF.at unter Berufung auf grie­chische Medien­berichte und Zeit Online. In einer Klinik in Kreta sollen seit Jahren Frauen aus Ost­europa als Eizellen­spen­derinnen und Leih­mütter aus­ge­beutet worden seien – für Kund­schaft aus zahl­­reichen euro­­päischen Ländern, die, so ORF.at, „zumin­dest die rechtliche Grauzone auf dem Weg zum Baby­glück in Kauf“ nahm. Allein seit Dezem­ber des Vor­jahres wurden an der Kinderwunsch­klinik in der Hafen­stadt Chania 182 der­artige Fälle doku­mentiert. Bei der Razzia in der Stadt fanden die Einsatz­kräfte der Abteilung für orga­ni­sierte Kriminalität ver­gangene Woche nicht weniger als dreißig momentan schwan­gere Leihmütter vor.

„Die benötigte richterliche Erlaubnis sei in zahlreichen Fällen ge­nauso gefälscht wor­den wie Adoptions­papiere und medi­zinische Akten“, so ORF.at. Der Gründer und Leiter der Klinik und acht weitere Per­sonen wurden fest­ge­nommen. Ihnen wird vor­geworfen, „ein inter­nationales Netzwerk an Zuhältern auf­gebaut haben, um ,schutz­be­dürftige Frauen‘ aus dem Ausland nach Griechenland zu schaf­fen“. Dort seien diese dann als Leih­mütter oder Eizell­spen­derinnen herangezogen worden. ORF.at be­richtet: „Die Frauen aus Moldawien, der Ukraine, Georgien, Rumänien und Bulgarien – viele von ihnen Romnja – stam­men aus sehr armen Ver­hält­nissen und seien mit falschen Ver­sprechungen nach Kreta gelockt worden. Sie seien von der Öffent­lich­keit ab­geschirmt und in 14 Wohnungen ,unter erbärm­lichen Ver­hält­nissen‘ unter­ge­bracht und überwacht worden. Read the rest of this entry »

Romani Ora (17.8. und 18.8.2023)

August 18th, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 17.8.2023 (mp3)

Adi Gussak hat das „Picture On Festival“ in Bildein, dem Dorf ohne Grenzen, be­sucht. Einen Bei­trag darüber hören Sie in der „Roma­ni Ora“. Und Kittsee im Nord­burgenland ist die Ort­schaft, in die sie Alex Gussak auf Spuren­suche in „Mri his­to­rija“ mit­nimmt. Dazu die ab­wechs­lungs­reichs­te Roma-Musik, prä­sen­tiert von Tina Nardai.


Anhören: →Sendung vom 18.8.2023 (mp3)

Die „Romani Ora“ am Freitag mit dem Veranstal­tungs­kalen­der und den zwei­sprachi­gen Volks­gruppen­nach­rich­ten. In der Jugend­sendung haben wir uns um­gehört, was junge Men­schen über ihre Netflix- und Serien-High­lights zu erzäh­len haben.

Razzia: „435 Roma und Ukrainer entdeckt“?

August 17th, 2023  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Exxpress-Screenshot des Facebook-Posts zum ArtikelExxpress.at im Faktencheck


Das österreichische Online-Me­di­um „Exx­press.at“ be­rich­te­te am Diens­tag (hier ar­chi­viert) über eine Groß­ak­tion von Po­li­zei und Be­hör­den in Deutschland. An­geb­lich 130 Po­lizis­ten kon­trol­lier­ten eine Wohn­sied­lung in Duis­burg-Frie­mers­heim. „Alle Bewohner kassieren Sozialleistungen vom Staat – alle stehen unter Betrugs­verdacht“, liest man im „Exxpress“. Und das ist gleich dop­pelt falsch. Ein Lehr­buch­bei­spiel ras­sis­ti­scher Be­richt­er­stat­tung.

Laut dem Bericht „entdeckte“ man bei der Razzia in den sechs großen Miets­häusern nicht weni­ger als „435 Roma und Ukrai­ner“. Eine ver­meint­lich schockie­rend hohe Anzahl, wie das hinzu­ge­fügte Ruf­zeichen im Vor­spann des Artikels wohl ver­deut­li­chen soll.

Großaufgebot (wegen Meldezetteln)

Nun wurden die „435(!) Südosteuropäer“ (mit der geografischen Lage der Ukraine nimmt man es nicht so genau) jedoch keines­wegs zur Über­raschung der Polizei­beamten in den Miets­häusern „ent­deckt“ (selbst diese Zahlen­angabe war falsch – es waren 430). Es handelt sich bei ihnen vielmehr um jene Personen, die laut Register­auszug in den ins­gesamt 140 Wohn­einheiten amtlich gemeldet waren. Im Durch­schnitt also rund drei gemel­dete Per­sonen pro Haushalt. Nichts daran ist un­ge­wöhnlich.

Auch für das behauptete Großaufgebot von 130 Polizeibeamten scheint keine seriöse Quelle zu exis­tieren. In Wirklich­keit leistete „die Polizei […] bei dem Einsatz ledig­lich Amtshilfe“ (siehe auch hier); die Rede ist von „Dutzenden Ein­satz­kräften der Polizei Duisburg und der Stadt“ (also nicht nur der Polizei alleine). „Es war den ganzen Morgen sehr ruhig“, kom­mentiert der Polizei­sprecher den Hilfs­einsatz.

„Alle Bewohner kassieren Sozialleistungen vom Staat – alle stehen unter Betrugs­verdacht“, liest man im „Exxpress“. Und das ist gleich dop­pelt falsch. Read the rest of this entry »

Schubert, Brahms, Liszt …

August 17th, 2023  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV

Arte FilmstillWie die Roma die Klassik beeinflussten


→Zum Streaming auf ARTE.tv (Geoblocking)
TV-Doku von János Darvas, 53 Min., MDR, 2020

Die Geiger Barnabás Kelemen und Lajos Sárközi jun. stam­men aus ungari­schen Musiker­fami­lien. Der eine ist mit der euro­päi­schen Klassik auf­ge­wach­sen, der an­dere in der Tra­dition der unga­ri­schen Roma­kapellen. An­hand ihrer Bio­gra­fien zeigt die Doku­men­tation, wie die Musik der ungari­schen Roma­kapel­len die euro­päi­sche Kunst­musik von Haydn bis zu Liszt be­reichert hat.

Im Café Vian in Budapest treffen sich Teilnehmer und Veranstalter des von Barnabás Kelemen ins Leben geru­fenen Violin­wett­bewerbs. Wett­bewerb und an­geschlos­senes Festival fanden im Juli 2019 zum vierten Mal statt. Der Höhe­punkt für die Jury-Mit­glieder, für Gäste, Musiker, Freunde, Kollegen und Kinder sind am Ende eines langen Tages Lajos Sárközi jun. und sein Ensemble.

Die Geiger Barnabás Kelemen und Lajos Sárközi Jr. stammen aus ungarischen Musiker­familien mit langer Tradition. Der Film begleitet Barnabás und Lajos bei Proben und Konzerten mit Freun­den, zeigt sie im Kreis der Familie, mit Kol­legen, Eltern und Kindern beim Musi­zieren. Die Ge­schichte der ungari­schen Romakapellen reicht weit in die Ver­gangen­heit der Musiker­familien. In Fotoalben und Privat­archiven werden ihre musikali­schen Vor­fahren lebendig. Für Barnabás war der Großvater, der Primás Pali Pertis, die größte Inspi­ration in seinem Leben. Stolz erzählt er, dass Pertis mög­licher­weise für Maurice Ravels berühmte, von Romamusik inspi­rierte Rhapsodie „Tzigane“ Pate ge­standen hat. Über­haupt hat die Musik der ungarischen Roma­kapellen die euro­päische Kunstmusik seit dem 18. Jahr­hundert enorm bereichert. Schon Joseph Haydn kom­po­nierte „all’ongarese“. Zeug­nisse sind das Rondo seines Klavier­trios G-Dur bzw. der Finalsatz seines D-Dur-Kla­vier­konzerts. Einflüsse des ungarischen, von den Roma be­ein­flussten Stils finden sich im 19. und 20. Jahr­hundert bei vielen europäi­schen Komponisten von Schubert und Brahms über Liszt bis zu Sarasate.

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Romani Ora (16.8.2023)

August 16th, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 16.8.2023 (mp3)

Bereits zum 27. Mal fand heuer die Roma-Wallfahrt nach Mariazell statt (o ladipe pal Cejiste) – Radio MORA war dabei. Neben den Volks­grup­pen­nach­rich­ten hören Sie auch unsere Jugend­sen­dung „Young, wild and free – le ter­nenge“. Das „Young Gunners“-Bas­ket­ball­camp ist heu­tiges Thema. Durch die Sen­dung führt Tina Nardai.

Facts & Figures (478)

August 15th, 2023  |  Published in Facts & Figures

Von Ende 1989 bis Mai 1995 wur­den in Tsche­chi­en [ca.] 27 Roma bei ras­sis­ti­schen An­grif­fen er­mor­det.

(Quelle)

Romani Ora (14.8.2023)

August 14th, 2023  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORAAnhören: →Sendung vom 14.8.2023 (mp3)

Im „Roma­ni Ora“-Musik­mon­tag hören Sie heute in der Rubrik Kultura het­vinate / Kultur am Mon­tag einen Bei­trag von Adi Gussak, in dem er den Film „Korkoro“ (2009) des französischen Regisseurs Tony Gatlif vor­stellt. Mo­de­riert wird die Sen­dung von Tina Nardai.

Saving the authentic “gypsy” (2018)

August 12th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität WienSandra Antonia Klos (2018): Saving the authentic “gypsy”. Paul Bataillard and the begin­nings of French Gypsyology

Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 103 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Paul Bataillard (1816–1894) war ein Pariser Journa­list, Redak­teur, Republi­kaner, Historiker, Anthro­pologe und Archivar. Seine zahl­reichen Ver­öffent­lichun­gen zur Ethnographie, Geschichte und Herkunft der­jenigen Per­sonen, die er als Bohémiens oder Tsiganes de­fi­nierte, bildeten das Fun­dament fran­zösi­scher Tsiganologie, der wissen­schaft­li­chen Ent­deckung und Be­schreibung der Zigeuner-Identität. Als Beitrag zu einer kriti­schen Prosopo­graphie der Forschung im neun­zehnten Jahr­hundert rund um die vor­ge­stellte ‚Rasse‘ der Zigeuner, unter­sucht diese Studie den wissen­schaft­lichen Blick, seine Kon­texte, Wahrheits­ansprüche, Wissen­schaft­lich­keits­stan­dards, Wirkung sowie Macht­ver­hält­nisse. Der erste Teil analy­siert die sozialen, insti­tu­tio­nellen und bio­graphischen Kontexte von Batail­lards For­schung. Der zweite Teil fokus­siert auf den Inhalt seiner Theorien und analysiert im­plizite Kon­zep­tionen von ‚Rasse‘ und Geschlecht, seinen Um­gang mit po­pulären Zigeuner-Dar­stellungen und seine eigene Hypo­these zur Her­kunft der Zigeuner. Der letzte Teil unter­sucht Bataillards wissen­schaftli­che Standards und wie exakt er sie selbst befolgte. Außer­dem werden seine Ab­sichten und Hinter­gründe, sich der Tsiga­nologie dauer­haft zu widmen, inter­pretiert. Read the rest of this entry »