„ROMA: Der Kampf um Anerkennung“

August 26th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Radio, Podcast & TV

Screenshot aus der Reportage in Österreich-Bild (ORF)ORF2: Österreich-Bild (27 Min.)
So., 27.8.2023, 18.25 Uhr

In der ORF-Dokumentation zeichnet Ge­stal­te­rin Katha­rina Graf-Ja­nos­ka in ORF 2, den Weg der Roma zur An­er­ken­nung als Volksgruppe nach. Eine Produktion aus dem Landesstudio Bur­genland.

Am 16. Dezember 1993 werden die Roma offiziell als Volksgruppe an­erkannt. Die Be­strebun­gen, die zur An­erken­nung als sechste Volks­gruppe in Österreich führen, be­ginnen aller­dings schon einige Jahre zuvor sowohl im Burgenland als auch in Wien. Junge Roma und Romnja, die Söhne und Töchter der Holo­caust­über­leben­den, begin­nen sich all­mählich gegen die an­haltende Dis­kriminie­rung und Aus­grenzung zu wehren: Denn bis Ende der 1980er-Jahre werden Roma-Kinder auto­ma­tisch in die Sonderschule ab­geschoben, jungen Erwachsenen wird der Zugang zum Arbeits­markt erschwert und es wird ein Lokalverbot verhängt.

1989 wird der erste Romaverein gegründet, der „Verein Roma Oberwart“ – ein erster Schritt in Richtung An­erken­nung. Und es ist ein langer und schmerz­hafter Weg, der hinter der noch jungen Volks­gruppe liegt. Es ist diese tragische und teil­weise unfass­bare Geschichte, die bis heute nachhallt: geprägt von Vor­urteilen, Dis­krimi­nierung, bis hin zur Ermordung von 90 Pro­zent der in Österreich le­benden Roma und Romnja im National­sozialis­mus.

Die Anerkennung der Roma als Volksgruppe ist ein Wendepunkt, der vieles, aber nicht alles ver­ändert. Zu spüren bekommt dies die noch junge Volks­gruppe in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995, als eine Rohrbombe nahe der Roma-Siedlung in Oberwart vier junge Roma tötet. Das Attentat erregt nicht nur natio­nale, sondern auch inter­natio­nale Auf­merk­sam­keit, durch die sich die Volks­gruppen­arbeit inten­siviert. Wenige Monate später kon­stituiert sich der Volks­gruppen­beirat der Roma.

Obwohl sich vieles in den vergangenen Jahren verändert hat, kämpft man noch immer gegen alt­be­kannte Vorurteile, die schon seit Jahr­hun­derten anhalten. Ein weit ver­brei­tetes Problem ist der noch immer beste­hende Anti­ziganismus. Und was beson­ders auffällt ist, dass immer wieder von Integration ge­sprochen wird – und das bei Men­schen, die seit Jahr­hun­derten Europäer und Euro­päerin­nen, Österreicher und Öster­rei­cherin­nen sind.

Und nun steht die nächste Generation von jungen Roma und Romnja, Sinti und Sintizze bereit, um den Kampf ihrer Ahnen weiter­zu­führen und sich für eine Gleich­stellung und ge­sell­schaft­liche An­er­kennung ein­zu­setzen.

(Text: ORF)

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