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„Unser Denkmal ist unantastbar!“

Juni 28th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Pressemitteilung des Aktions­bünd­nis­ses „Unser Denk­mal ist un­an­tast­bar!“, 26. Juni 2020:

Unser Denkmal darf nicht angefasst werden. Es ist das ein­zige, was wir ha­ben. Wer das Denk­mal an­fasst, tötet un­sere Men­schen ein zwei­tes Mal. Das ist eine gro­ße Schan­de, dass die Deutsche Bahn ver­ges­sen hat, dass die Reichs­bahn un­se­re Men­schen in die Gas­kam­mern ge­fahren hat. Eine gro­ße Schande wäre das, wenn un­ser Denk­mal an­ge­fasst wird.

Zilli Schmidt, geb. 1924, Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

Mit Bestürzung und Entsetzen haben wir erfah­ren, dass das natio­nale Denkmal für die im Natio­nal­sozialis­mus er­mor­deten Sinti und Roma Europas in Berlin durch den ge­plan­ten Bau der S21 massiv be­ein­träch­tigt und be­schädigt wer­den könnte. Für uns als Nach­fahren der Opfer des deutschen Völker­mordes an den Ange­hö­rigen unserer Minder­heiten ist dieses Denkmal ein un­ersetz­li­cher Ort, um den wir lan­ge kämpfen mussten.

Das Denkmal nahe dem Reichstagsgebäude ist ein sehr spätes Be­kennt­nis der Bun­des­republik Deutschland zur Ver­ant­wor­tung für den Massen­mord an bis zu 500.000 Sinti und Roma in Europa, ein Aus­druck der An­erkennung des zu­gefüg­ten Unrechts. Für die deutschen und für die euro­päi­schen Sinti und Roma ist dieser Ort der Trauer und des Gedenkens un­antast­bar, umso mehr, als unsere wäh­rend des Zweiten Welt­krieges von Deutschen und ihren Helfern ermor­deten Men­schen kein Grab haben: Frauen, Männer und Kinder wur­den, weil sie Sinti oder Roma waren, in Gruben er­schossen und ver­scharrt oder in den Gas­kammern erstickt und an­schlie­ßend in Krematorien ver­brannt. Ihre Asche wurde in der Um­ge­bung verstreut. Für viele deut­sche Sinti ist das Denkmal ein symboli­sches Grabmal: mulno – ein un­ver­letz­licher Ort, der dem An­denken und der Ehre unserer Toten ge­widmet ist.

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