Archive for Juli, 2020

GfbV: Antiziganismus konsequent bekämpfen

Juli 31st, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

GfbV: Aussendung der Gesellschaft für bedrohte Völker zum Holocaust-Gedenktag für Sinti und RomaAussendung der GfbV zum Roma-Holo­caust-Ge­denk­tag am 2. Au­gust:

Antiziganismus in weiten Teilen Europas noch im­mer ver­brei­tet – Sinti und Roma wer­den zu Sün­den­böcken in der Pan­de­mie ge­macht – Ras­sis­ti­sche Hetze in So­zia­len Me­dien führt oft zu tät­li­cher Gewalt

Zum Gedenktag für den Holocaust an Sinti und Roma am kom­men­den Sonn­tag, den 2. August, for­dert die Gesell­schaft für be­droh­te Völker (GfbV), Anti­ziga­nis­mus kon­sequen­ter zu be­kämpfen. Die Men­schen­rechts­organi­sa­tion zeigt sich besorgt über die welt­weite Zu­nahme von Hass­ver­brechen gegen Roma. Diese Form rassisti­scher Gewalt müs­se besser doku­mentiert und enga­gier­ter ver­folgt werden. „Gerade in Corona-Zei­ten hat die Aus­gren­zung von Roma wieder stark zu­ge­nom­men. Oft werden sie zu Sünden­böcken ab­ge­stem­pelt, um sie noch weiter zu margi­nali­sieren“, er­klärte GfbV-Di­rek­tor Ulrich Delius am Frei­tag in Göttingen.

Antiziganismus äußere sich nicht nur in tätlichen Übergriffen, son­dern auch in zuneh­men­der rassisti­scher Hetze in sozialen Medien. Internet­anbieter und Behör­den müss­ten das Problem ernster neh­men und der geziel­ten Stimmungs­mache gegen Sinti und Roma ent­gegen­wirken. „Denn der verbalen Ver­unglimp­fung folgt oft die tätliche Gewalt“, warnt Delius.

Die Covid-19-Krise und zunehmender Rechtsextremismus drohten die jahr­zehnte­langen Bemü­hun­gen um Anerken­nung und Respekt für Sinti und Roma wieder zurück­zuwerfen. „Es ist das Vermächtnis der rund 500.000 Opfer des Völkermordes an Sinti und Roma, dass die Über­lebenden und ihre Nach­kommen nie­mals mehr aus­gegrenzt und verfolgt wer­den dürfen. Wer über den Kampf gegen Rassismus in Europa spricht, darf die Sinti und Roma nicht ver­gessen. Denn sie waren und sind oft die ersten Opfer rassisti­scher Brand­stiftung“, er­innert Delius.

Rassismus gegenüber Sinti und Roma sei nicht nur ein Problem in Deutschland, son­dern in der ge­samten Europäi­schen Union und in den EU-Bei­tritts­ländern auf dem West-Balkan. So seien in dieser Woche er­neut Roma in Frankreich gewalt­sam von Stell­plätzen ver­trieben worden. In Bulgarien seien seit März 2020 min­destens sieben von Roma be­wohnte Stadtviertel von der rest­lichen Stadt ab­geriegelt worden, angeb­lich um die Corona-Prä­vention zu stärken. In einem Fall wurde eine Roma-Sied­lung sogar aus einem Flugzeug mit Des­infektions­mitteln besprüht. Read the rest of this entry »

Enzyklopädie dokumentiert Roma-Genozid

Juli 30th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Die Forschungsleiterin Karola Fings 2019 in Bukarest (Foto. Romarchive)Deutschland: Enzyklopädie soll NS-Völ­ker­mord an den Sinti und Roma Euro­pas do­ku­men­tie­ren. Aus­wär­ti­ges Amt fördert groß­an­ge­leg­tes Pro­jekt an der For­schungs­stelle Antizi­ga­nis­mus mit rund 1,2 Mil­li­o­nen Euro

Das historische Wissen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma Euro­pas soll in einer groß­angeleg­ten En­zyk­lo­pädie zu­sam­men­geführt und für die Forschung sowie die breite Öffent­lich­keit bereit­gestellt wer­den. An­gesiedelt ist das inter­natio­nale Projekt an der For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus der Universität Heidelberg. Die Er­geb­nisse werden zu­nächst online prä­sen­tiert. Darauf auf­bauend er­stellen die beteilig­ten Wissen­schaft­lerin­nen und Wissen­schaftler aus dem In- und Aus­land ein mehr­bändi­ges Handbuch in gedruck­ter Fassung. Erst­mals soll dabei die europäi­sche Dimension des Genozids in den Blick ge­nom­men werden. Die fünf­jähri­gen Forschungs­arbei­ten un­ter Leitung der Historikerin Dr. Karola Fings, die jetzt ge­star­tet wurden, werden vom Aus­wärtigen Amt mit rund 1,2 Millio­nen Euro gefördert.

„Als Forschungsgegenstand war der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma lan­ge Zeit rand­ständig. Zwar sind in den ver­gan­genen zwan­zig Jahren wich­tige Spezial­studien erschie­nen, das Wissen zu diesem Thema ist aller­dings weiter­hin stark fragmentiert“, er­läu­tert Dr. Fings, aus­gewie­sene Expertin in diesem Forschungs­feld, die nach lang­jähriger stell­vert­re­ten­der Leitung des NS-Do­kumen­tations­zentrums der Stadt Köln an die Heidelberger For­schungs­stelle ge­wechselt ist. Ziel ist es, die bis­heri­gen Forschungs­ergebnis­se zu Ursachen, Struktu­ren und Verlauf zu­sam­men­zu­führen und zu vertiefen. „Wir wol­len dabei die Perspektive er­wei­tern und auch die europäi­schen Di­mensio­nen des Völker­mordes be­rücksich­tigen“, betont der wissen­schaft­li­che Geschäfts­führer der For­schungs­stelle, Dr. Frank Reuter.

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„Wer hier nicht will­kommen ist“

Juli 29th, 2020  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Rassistischer TV-Beitrag über das Frankfurter Bahnhofsviertel (Screenshot: Hessenschau)Offener Brief an den Hessischen Rundfunk

Der Förderverein Roma und das Hausprojekt NiKa pro­tes­tie­ren ent­schie­den ge­gen den hessen­schau-Bei­trag „Bahn­hofs­viertel nach Lock­down“ vom 28. Ju­ni 2020 der Au­to­rin­nen Ana Radic und Katharina Schol.

Die Anmoderation zum hessenschau-Beitrag an­läss­lich der Petition der Restau­rant­be­sit­zerIn­nen stimmt die Zu­schau­erIn­nen auf „Junkies“ im „be­rühmt-be­rüch­tig­ten“ Frankfurter Bahnhofs­viertel ein, auf Zu­stände, die „Angst ma­chen“. Doch gleich in den ersten bei­den Ein­stellun­gen werden eine Grup­pe un­kenntlich ge­machter Personen und eine Frau im langen Rock ge­zeigt: Damit ist die Minder­heit der Roma bereits mar­kiert. Daran ge­schnitten der O-Ton eines Res­tau­rant­betrei­bers: „Wir haben Angst …„. Dann fol­gen vers­chiede­ne Kamera­einstellun­gen, un­deut­lich, ab­gebro­che­ne Schwenks, im­mer wieder un­kennt­lich gemachte Leute, eine Frau, die auf Taschen am Rande des Bürger­steigs sitzt und in ihrer Kleidung nicht den „Deutsch-Deut­schen“ zu­zu­ordnen ist.

Was als Personenschutz durch Unkenntlich­machung daher­kommt, dient als Kenn­zeichnung: Das sind die Men­schen, die „Probleme“ ma­chen. Das dif­fuse Szenario der Be­droh­lich­keit geht mit der Dif­fa­mierung ein­her, dass die „Probleme“ im Viertel, „Jun­kies“ und „Penner“ mit der Min­der­heit der Roma bebildert wer­den. Durch die Kamera­einstellungen auf die im­mer selbe Per­so­nen­gruppe aus un­ter­schied­li­chen Blick­winkeln wird das Gefühl einer bedroh­li­chen Anzahl sug­geriert.

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Facts & Figures (302)

Juli 27th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Gitanos (span. Roma) haben ein ca. vier­mal (Män­ner) bzw. dop­pelt (Frau­en) so ho­hes Ri­si­ko, im Al­ter an De­pres­sio­nen zu lei­den, als an­de­re Spa­ni­er.

(Quelle)

FPÖ Steiermark verbreitet Hassvideo

Juli 27th, 2020  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte

"Unfassbar": Stefan Hermann, stv. Klubobmann der FPÖ im steiermärkischen Landtag, verbreitet das rassistische Video in den sozialen Medien (Screenshot: SOS Mitmensch)SOS Mitmensch: Besorgniserregen­de Ra­di­ka­li­sie­rung der stei­ri­schen FPÖ. Par­tei­ob­mann und Stell­ver­tre­ter schü­ren Hass ge­gen Ro­ma und Sinti, Asyl­su­chen­de und Men­schen mit Migra­tions­hin­ter­grund.

Die Menschenrechts-NGO SOS Mitmensch or­tet eine be­sorg­nis­er­re­gen­de Radikali­sierung der steirischen FPÖ. In sozia­len Netz­werken würde vom Partei­obmann und seinem Stell­ver­treter immer un­ver­hohle­ner Hass gegen Minder­heiten ge­schürt. Jüngs­te Bei­spiele seien die Ver­breitung eines Videos mit Hass­tiraden gegen Roma und Sinti und der Ver­such, Asyl­suchende zu Sünden­böcken für die Aus­wei­tung der Coro­na-Schutz­mas­ken­pflicht zu machen.

„Wir beobachten seit einiger Zeit, dass die steirische FPÖ-Par­tei­spitze in sozia­len Netz­werken in der Ma­nier politi­scher Hass­prediger auf­tritt und immer radika­ler gegen Minder­heiten auf­wiegelt und hetzt“, so Alexander Pollak, Spre­cher von SOS Mit­mensch. Das be­treffe ins­beson­dere die Facebook-Auf­tritte des früheren Ver­tei­di­gungs­ministers und jetzi­gen Klub­ob­manns der FPÖ im steirischen Landtag, Mario Kunasek, und von des­sen Stell­vertre­ter Stefan Hermann, er­klärt Pollak. Laut Pollak habe Hermann am Sams­tag ein Video mit wüsten Hass­tira­den und Be­schimpfun­gen gegen Roma und Sinti, die bei Tulln campen, ver­breitet.

Stefan Hermann ist stv. Klubobmann der FPÖ im steiermärkischen Landtag. Er verbreitet diesen Video-Hasstext (via Twitter, @pollak_politics)

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Facts & Figures (301)

Juli 24th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Roma in Russ­land, die an ih­rer no­ma­di­schen Le­bens­wei­se fest­hiel­ten, konn­ten ab 1842 zur Stra­fe nach Si­bi­ri­en ver­bannt wer­den.

(Quelle)

Tschechien: Bald Trauungen auf Romanes?

Juli 21st, 2020  |  Published in Politik, Romani

Trauung (Foto: Wedding Star Shop Europe)Brautpaare in Tschechien könnten sich das Jawort dem­nächst (wie­der) in ihrer Mutter­sprache ge­ben – auch wenn diese nicht Tsche­chisch ist. Ein Ge­setzes­vorschlag zur ­No­vel­lie­rung des be­tref­fen­den Ge­setzes („Ge­setz über Geburts­register, Namen und Nach­namen“), der von der Christ­de­mokra­ti­schen Partei ein­ge­bracht wurde und im Sep­tem­ber im Unter­haus de­battiert wer­den soll, würde er­mög­li­chen, dass die standes­amtliche Trau­ung in Zu­kunft auch in Minder­heiten­sprachen vor­ge­nom­men wer­den kann. Die neue Regelung sieht für Minder­hei­ten als Be­dingung aller­dings eine kom­muna­le Zehn-Pro­zent-Hür­de vor. Zudem müs­sen die Standes­beamten, die die Ehe­schließung durch­führen und die amtliche Ein­tragung vor­neh­men, selbst die je­weili­ge Minderheiten­sprache be­herrschen. Zu­gute käme diese neue Rege­lung den Minder­hei­ten der Slowaken, Polen und Vietnamesen – und der zahlen­mäßig größ­ten Volks­gruppe des Landes, den Roma. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (300)

Juli 19th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Am 19. Juli 1942 er­mor­de­ten slo­we­ni­sche Par­ti­sa­nen in Ka­ni­ža­ri­ca ca. 60 Ro­ma. Das Mas­sen­grab wur­de nie ge­fun­den.

(Quelle)

Romani Rose über das Berliner Denkmal

Juli 18th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Deutschland: Berliner S-Bahn-Bau­plä­ne ge­fähr­den Denk­mal für er­mor­det­e Sinti und Roma – Ra­dio Corax sprach da­rü­ber mit Ro­ma­ni Rose

Radio Corax (Halle), Sendung vom 13.7.2020
16:28 min, 16 MB, →Anhören (mp3)

Im Berliner Tiergarten befindet sich das Denk­mal für die im Natio­nal­sozialis­mus er­morde­ten Sinti und Roma Euro­pas. Bis zu 500.000 Men­schen wurden im Roma-Holo­caust der Natio­nal­sozialis­ten er­mor­det. Ihrer soll durch das Denkmal des israeli­schen Künst­lers Dani Karavan ge­dacht wer­den. Zu diesem ge­hört ein schwar­zes Dreieck in­mitten einer runden Wasser­fläche; auf die­sem schwarzen Dreieck sind Blumen zu se­hen. Zudem gibt es eine Video­instal­la­tion, die auch über den Massen­mord an Sinti und Roma infor­miert. Seit 2012 be­findet sich dieses Denkmal an zentra­ler Stelle – nach langen Aus­einander­set­zun­gen. Nun ist es wieder in sei­ner Existenz bedroht. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (299)

Juli 17th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Auf Wunsch von Roma-Ver­tre­tern be­gan­nen die ru­mä­ni­schen Be­hör­den 1945, das Wort „Roma“ zu ver­wen­den. 1948 wurde die Be­zeich­nung of­fi­zi­ell.

(Quelle)

Radio Corax: Antiziganismus in Ungarn

Juli 16th, 2020  |  Published in Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Magdalena Marsovszky (Foto: Academia.edu)Antiziganismus in Ungarn: Staatliche Schikane und struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung – Radio Corax im Ge­spräch mit der Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Mag­da­le­na Marsovsky

Radio Corax (Halle), Sendung vom 10.7.2020
11:37 min, 15 MB, →Anhören (mp3)

Antiziganismus, der strukturelle Hass und die strukturelle Dis­krimi­nie­rung von Sinti und Roma, nimmt in ganz Europa zu. In Ungarn, wo Romnja und Roma seit Jahr­hun­der­ten leben, ist der Anti­ziga­nis­mus einer­seits ein kultu­rel­les Erbe, das nicht „auf­ge­arbei­tet“ wurde. Ande­rer­seits wird er seit 2010 von der Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Viktor Orbán stark be­feuert. Die struk­turel­le Dis­kriminie­rung der Romnja und Roma wird dabei ver­schärft durch die so ge­nannte „Roma-Stra­tegie“ der Re­gierung aus dem Jahr 2011. Read the rest of this entry »

Burgenland: Rudolf Siderits ando vakeripe

Juli 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Rudolf Siderits ando vakeripe le Emmerich Gärtner-Hor­vathiha
O Rudolf Siderits 1948 ande St. Michael ande Burgenland up­ro them alo. Pri isch­kola­keri cajt Schtegate ki­se­tintscha. An­de les­keri isch­kola­keri klas te Roma­ne tschave sina, save te paj­tasch­tscha lestar ule. Ando vake­ripe le Emme­rich Gärt­ner-Hor­vathi­ha phu­kal ov pedar kerip­tscha le Ro­mendar, saven­ca ov pe meg mindig igen sora­le donde be­scharel.

Rudolf Siderits im Gespräch mit Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath
Herr Rudolf Siderits ist 1948 in St. Michael im Burgenland ge­bo­ren. Seine Schulzeit ver­brach­te er in Stegersbach. In sei­ner Schul­kasse wa­ren auch Roma-Kinder, un­ter denen er auch Freun­de hatte. Im Ge­spräch mit Emmerich Gärtner-Horvath er­zählt er über Ge­scheh­nisse mit Roma, die ihn jetzt noch im­mer sehr be­schäftigen.

Facts & Figures (298)

Juli 12th, 2020  |  Published in Facts & Figures

1944 bestanden in Finnland 3 Zwangs­ar­beits­la­ger für Ro­ma: 2 für Frau­en (Kihniö; Vierema) und ei­nes für Män­ner (Lappajärvi).

(Quelle)

RTL-Team nannte Roma „Drecksviecher“

Juli 10th, 2020  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Aufnahme aus dem RTL-Wagen während des Angriffs in Köln (RTL, Videostill)Nach Berichten über einen An­griff auf das Auto eines Ka­me­ra­teams wur­de nun ein Video be­kannt, das den Vor­fall in einem neu­en Licht er­schei­nen lässt: Auf dem Mit­schnitt sind grob ras­sis­ti­sche Aus­sa­gen des RTL-Teams zu hören.

Am Dienstag wurde ein Kamerateam von RTL während der Dreh­arbeiten an­ge­griffen. Das RTL-Team filmte Per­sonen und Wohn­häuser in einer kleinen Seiten­straße in Köln, in der An­ge­hörige einer Roma-Groß­familie woh­nen. Gegen mehrere Familien­mit­glieder bzw. deren Umfeld werde der­zeit wegen mut­maß­li­cher krimi­neller Machen­schaf­ten er­mittelt. Ein quer­ste­hender Wagen soll den RTL-Van über viele Mi­nuten an der Weiter­fahrt ge­hin­dert haben. Einige der um den Van ste­hen­den Per­sonen führ­ten schließ­lich auf­ge­bracht eini­ge Schläge und Tritte gegen das Auto aus; Per­sonen wur­den aller­dings nicht at­tackiert. RTL machte den Angriff auf sein Kamera­team darauf­hin publik.

Nun zeigt jedoch ein Video: Das TV-Team im Wagen nannte die Perso­nen „Drecks­viecher“ und „Zigeuner, die wir in Deutschland mit Hartz IV unter­stützen“ und die sich „auf deut­schen Straßen“ auf­führten, als hät­ten sie „die Hoheit in diesem Land“.

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Facts & Figures (297)

Juli 9th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Um 1775 besuchte der Ge­lehr­te Au­gus­tini ab Hor­tis Ro­ma-Dör­fer in der Tat­ra. Er be­rich­te­te von häu­fi­gen Au­gen­lei­den (we­gen des Rauchs).

(Quelle)

„… und es mit meinem Körper schützen“

Juli 8th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie

Dani Karavan, 2014 (Foto: AtelierKaravan)Dani Karavan (89), Schöpfer des von einem Bau­vor­ha­ben der Deutschen Bahn be­droh­ten Denkmals für die im Natio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Ro­ma Eu­ro­pas in Berlin:

Das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas in seiner ge­samten Aus­deh­nung darf nicht an­getastet wer­den! Eine Straß­en­bahn­linie kann man ver­legen, aber kein Kunstwerk. Ins­be­son­dere im tat­säch­li­chen Kon­text ras­sis­ti­scher Ma­ni­fes­ta­tio­nen wäre jede Beschä­digung des Denkmals eine Ver­letzung der Sinti/Roma. Wenn je­mand es wagt, einen Teil des künst­le­ri­schen Ensembles des Denk­mals an­zu­rühren, werde ich per­sönlich kommen und es mit meinem Körper schüt­zen, den An­greifer ver­klagen und einen inter­natio­na­len Skandal aus­lösen. Read the rest of this entry »

Neues Minderheitennetzwerk in Deutschland

Juli 7th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Politik

Der Gründungsvorstand des Kompetenznetzwerks Schleswig-Holstein: Prof. Dr. Vello Pettai (ECMI), Anna Weiß (Verband deutscher Sinti und Roma), Dr. Christian Pletzing (Europäische Akademie Sankelmark) , Uwe Jessen (BDN), Frank Nickelsen (Friesenrat) , Eva Adel Penzes (FUEN), J. A. Christiansen (SSF), Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen. (Foto: Staatskanzlei)Wichtiges Signal für die Minderheitenpolitik: Im „Minderheiten-Kompetenz-Netz­werk Schles­wig-Hol­stein/Süd­dä­ne­mark“ ar­bei­ten Min­der­hei­ten und Volks­grup­pen ab so­fort noch en­ger zu­sam­men.

Ziel des neuen Netzwerks ist es, das Verständ­nis für natio­nale Min­der­heiten und Volks­grup­pen sowie ihre Sprache und Kultur zu för­dern. Eben­falls im Vorder­grund stehen der In­forma­tions- und Er­fahrungs­aus­tausch zwi­schen den Minder­heiten und Volks­gruppen.

Raum für Austausch und Begegnung

„Wir wollen mit diesem Schulterschluss der Min­der­heiten­ver­bände unsere min­der­heiten­politi­sche Kompe­tenz noch stärker als Best-Prac­tice-Bei­spiel in Euro­pa ein­bringen – durch Pro­jekte, Seminare und Maß­nah­men der Begeg­nung und des Aus­tau­sches“, sagte der Min­der­heiten­be­auf­tragte des Landes, Johannes Callsen. Das Netz­werk schaffe einen Rah­men für Begeg­nung und Austausch zwi­schen den Minder­heiten unter­einan­der und auch mit der Mehr­heits­bevöl­ke­rung. Dies sei ins­beson­dere im Jubiläums­jahr zu den fried­li­chen Grenz­zie­hun­gen von 1920 zwi­schen Deutschland und Dänemark ein wich­ti­ges Signal.

Vorbild für andere Regionen

Gründungsmitglieder des Netzwerkes sind der Bund Deutscher Nord­schleswi­ger (BDN), der Friesen­rat e.V. Sek­tion Nord, Sydslesvigsk Forening e.V. (SSF), der Verband Deutscher Sinti und Roma e.V. Landes­ver­band Schles­wig-Hol­stein, die Euro­päi­sche Akade­mie Schles­wig-Hol­stein, das Euro­päi­sche Zentrum für Min­der­heiten­fragen (ECMI) und die Fö­de­ralis­ti­sche Union Euro­päi­scher Natio­na­li­täten (FUEN).

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Facts & Figures (296)

Juli 4th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Radio, Podcast & TV

In den US-Se­ri­en Bonanza (1960), The Waltons (1973) und Kojak (1975/77) gibt es Fol­gen, in denen Ro­ma-Fi­gu­ren eine wich­tige Rol­le spie­len.

(Quelle)

Slowakei: Romni wird Parteichefin

Juli 3rd, 2020  |  Published in Frauenrechte, Politik

Die neue Parteichefin Irena Bihariova (Facebook via Romea.cz)Die slowakische Partei Progresívne Slovensko („Fort­schritt­li­che Slo­wa­kei“), die erst 2017 ge­grün­det wur­de und nicht im Parlament ver­treten ist, hielt im Juni ihren Partei­kongress ab. Bei dem auf­grund der Co­ro­na-Si­tua­tion online statt­fin­den­den Kon­gress wur­de Irena Bihariová (39) zur neuen Vor­sitzen­den der sozial­li­bera­len, pro­euro­päi­schen Partei gewählt.  Mit 105 Stim­men konnte die bis­herige stell­ver­tre­ten­de Vor­sitzende fünf Partei­delegierte mehr hinter sich ver­sam­meln als ihr Gegen­kandidat Michal Truban. So­mit steht erst­mals in der Ge­schichte der Slo­wakei eine Romni einer poli­ti­schen Partei vor.

„Die Mitgliederbasis hielt es für eine selbst­ver­ständ­li­che Sache – wer sonst sollte den Trend set­zen, dass eine Frau – und eine Ro­ma-Frau – an der Spitze steht, wenn nicht eine pro­gres­sive Partei? Das muss also in erster Linie als Teil unse­rer inter­nen Politik ge­sehen werden“, sag­te sie in einem Inter­view.

Menschenrechts-Anwältin

Bihariová kommt aus der Stadt Trnava und wuchs in ein­fachen Ver­hält­ni­ssen in einer voll in­tegrier­ten Roma-Fa­milie auf. Trotz zahl­reicher Dis­kri­mi­nie­rungs­erfah­run­gen, von denen sie etwa in einem Inter­view mit der Zei­tung Denník berich­tete, mach­te sie aus ihrer eth­ni­schen Zu­gehörig­keit nie ein Hehl: „Meine Eltern haben mich dazu ge­bracht, es nie zu ver­stecken, es war kein Tabu.“

Irena Bihariová absolvierte ihr Studium in Bratislava. Seit 2009 leitet sie als Men­schen­rechts-Anwältin die Or­gani­sa­tion Lidé proti rasismu („Men­schen gegen Rassismus“) und be­fasst sich dort ins­beson­dere mit Hate Speech und Ras­sis­mus im Internet. Für diese Arbeit wur­de sie 2016 mit dem „Roma Spirit Award“ ausgezeichnet. 2013 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Anti­rassis­mus-Aus­schusses im slo­waki­schen Innen­minis­terium. Read the rest of this entry »

Zentralrat führt Gespräche über Mahnmal

Juli 2nd, 2020  |  Published in Politik

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma führt Ge­sprä­che über die Pla­nung für die S21 und den Um­gang mit dem Denk­mal für die im Natio­nal­so­zialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Eu­ropas

Am 26. Juni 2020 fand auf Einladung der Berliner Senatorin Regine Günther (Um­welt, Ver­kehr und Klima­schutz) ein zwei­tes Gespräch mit allen Be­teilig­ten über das Denkmal für die im Natio­nal­sozialis­mus ermor­deten Sinti und Roma Europas und die Strecken­führung der S21 statt. Dabei er­läuterte die Bahn noch­mals die komple­xen Be­din­gun­gen für die Strecken­führung der S21 und legte außer­dem eine neue Variante 13 vor, die vor­sieht, beide Tunnel­röhren öst­lich des Reichstags­ge­bäudes ver­laufen zu lassen. Die Bau­kommis­sion des Deutschen Bun­des­tages wird sich jetzt mit dieser Va­riante be­fassen.

Die von der Bahn vorgelegte Variante 13 für eine Trassen­füh­rung östlich des Reichs­tags­gebäu­des wird vom Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma selbst­ver­ständ­lich voll und ganz unter­stützt, da hier das Denkmal nicht wei­ter tan­giert wird. Diese Va­riante war bei einem ersten Gespräch auf der Grund­lage der Vor­gaben des Deutschen Bundes­tages als nicht re­alisier­bar aus­ge­schieden. Der Zentralrat hatte daher eine alter­native Lösung an­geboten, die weiter­hin zur Dis­kussion stehen kann, wenn sich die jetzt vor­gestellte Va­rian­te 13 nicht reali­sieren ließe.

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