Enzyklopädie dokumentiert Roma-Genozid
Juli 30th, 2020 | Published in Geschichte & Gedenken, Wissenschaft
Deutschland: Enzyklopädie soll NS-Völkermord an den Sinti und Roma Europas dokumentieren. Auswärtiges Amt fördert großangelegtes Projekt an der Forschungsstelle Antiziganismus mit rund 1,2 Millionen Euro
Das historische Wissen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma Europas soll in einer großangelegten Enzyklopädie zusammengeführt und für die Forschung sowie die breite Öffentlichkeit bereitgestellt werden. Angesiedelt ist das internationale Projekt an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg. Die Ergebnisse werden zunächst online präsentiert. Darauf aufbauend erstellen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland ein mehrbändiges Handbuch in gedruckter Fassung. Erstmals soll dabei die europäische Dimension des Genozids in den Blick genommen werden. Die fünfjährigen Forschungsarbeiten unter Leitung der Historikerin Dr. Karola Fings, die jetzt gestartet wurden, werden vom Auswärtigen Amt mit rund 1,2 Millionen Euro gefördert.
„Als Forschungsgegenstand war der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma lange Zeit randständig. Zwar sind in den vergangenen zwanzig Jahren wichtige Spezialstudien erschienen, das Wissen zu diesem Thema ist allerdings weiterhin stark fragmentiert“, erläutert Dr. Fings, ausgewiesene Expertin in diesem Forschungsfeld, die nach langjähriger stellvertretender Leitung des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln an die Heidelberger Forschungsstelle gewechselt ist. Ziel ist es, die bisherigen Forschungsergebnisse zu Ursachen, Strukturen und Verlauf zusammenzuführen und zu vertiefen. „Wir wollen dabei die Perspektive erweitern und auch die europäischen Dimensionen des Völkermordes berücksichtigen“, betont der wissenschaftliche Geschäftsführer der Forschungsstelle, Dr. Frank Reuter.