Archive for Dezember 8th, 2018

EGMR verurteilt Ungarn

Dezember 8th, 2018  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Foto: ECHR)Der Menschenrechtsgerichtshof in Straß­burg konkreti­siert die Re­geln für Hyper­links. Anlass­fall war ein Urteil der unga­ri­schen Justiz, das die Be­richt­er­stat­tung über Rassis­mus ge­­gen Roma be­an­stan­det hatte.

Auf heise.de berich­tet Martin Holland über ein neues Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rechte in Straß­burg, das ein­mal mehr klar­stellt, dass Ver­linkun­gen in Online­medien recht­lich zu­läs­sig sind, wenn da­durch die jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht nicht – etwa durch un­be­grün­dete Affir­ma­tion der dor­tigen In­halte – ver­letzt wurde. Im Sinne der Infor­mations­frei­heit sind Jour­nalis­ten also nur ein­ge­schränkt für von ihnen ge­setzte Hyper­links haft­bar.

Mit der Entscheidung wurden mehrere unga­ri­sche Urteile kor­rigiert, weil dort das Recht auf Mei­nungs­freiheit nicht an­ge­mes­sen ge­wür­digt wor­den sei. Hinter­grund des Rechts­streits war ein Vor­fall im Sep­tem­ber 2013, als eine Gruppe von Fuß­ball­fans vor einer Schule, die haupt­säch­lich von Roma be­sucht wird, ras­sis­tisch grölte. In einem Arti­kel auf 444.hu zu den Gescheh­nis­sen war da­nach auch ein Link zu einem You­tube-Video ent­hal­ten, das ein Inter­view mit einem Ver­treter der örtli­chen Roma zeig­te. Der hatte darin er­klärt, dass die Täter Mit­glieder der rechts­extre­men Jobbik-Par­tei ge­wesen seien. Read the rest of this entry »

Poesie-Atlas

Dezember 8th, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Poesie-Atlas CoverPoesie-Atlas – Moderne Dichtkunst der Roma

Mehr als 250 Gedichte von 100 Autorinnen und Autoren, unter ihnen auch eini­ge lyri­sche Stim­men aus Österreich, ha­ben die Heraus­ge­ber Wil­fried Ihrig und Ulrich Ja­netzki zu die­sem „mo­der­nen Po­esie-At­las der Roma und Sinti“ zu­sam­men­ge­tra­gen.

Die Anthologie „Die Morgendämmerung der Worte“ ist der Er­trag einer jahre­langen Suche in den Anti­qua­ria­ten und Biblio­the­ken Europas, das Er­gebnis einer literatur­wissen­schaft­lichen For­schung an den Quellen: Poesie der Roma und Sinti, Lovara, Kalderasch, Gitanos, Gypsies, Tra­vel­lers oder Jenischen. Nie zuvor wurde die Viel­falt dieser weit ver­streut ver­öffent­lich­ten und nur schwer zu fas­senden Literatur so um­fassend dar­ge­stellt.

Die Anthologie nimmt nicht nur jene lyrischen Selbst­zeug­nisse auf, die in Romani ver­fasst worden sind, son­dern auch Gedichte, die aus etwa zwan­zig Sprachen ins Deutsche über­tra­gen wur­den, viele davon zum ersten Mal. Mit­heraus­ge­ber Wilfried Ihrig: „Man sagt, Litera­tur ist Welt­literatur, wenn sie überall ge­le­sen wird. Die Roma-Li­te­ratur ist Welt­literatur, weil sie überall ge­schrie­ben wird, in vie­len Ländern, fast al­len Ländern der Erde.“

Und wie es sich für einen Atlas gehört, sind die Autorin­nen und Auto­ren – von Russ­land über Rumänien bis Argen­tinien – fein säuber­lich nach Ländern grup­piert. Man stößt auf die großen Namen, die Bahn­brecher der Roma-Dich­tung wie Papusza, Mattéo Maximoff oder Alexander Germano; vor al­lem aber auch auf zahl­reiche Ver­treter einer neuen Gene­ration, die ihren litera­ri­schen Rang erst noch be­haup­ten müssen. Und mit­ten unter sie misch­ten die Heraus­geber sogar einen Text Charlie Chaplins, der – wie er selbst in seiner Auto­bio­grafie berich­tet – mütter­licher­seits von einer engli­schen „Gipsy“-Fa­milie ab­stammt. Read the rest of this entry »