„Beispielgebend in Europa“
Dezember 17th, 2018 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Volksgruppenanerkennung der Roma vor 25 Jahren: ein Meilenstein österreichischer Rechtsgeschichte, Rudolf Sarközi als Motor der Anerkennung hervorgehoben, österreichische Roma-Politik beispielgebend
Bei der gestrigen Matinee aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Anerkennung der Roma als Volksgruppe im Plenarsaal des Parlaments zog der wissenschaftliche Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands, Gerhard Baumgartner, in seinem Festvortrag Bilanz über die jüngere Geschichte der Volksgruppe. Nach einer Einleitung durch Bundesratspräsidentin Inge Posch-Gruska und Ansprachen von Emmerich Gärtner-Horvath, dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirats der Roma, und von Christian Klippl, Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma, hielt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka die Schlussworte.
Die österreichischen Roma- und Sinti-Gruppen wurden am 16. Dezember 1993 durch einstimmigen Beschluss im Hauptausschuss des Nationalrates anerkannt. Die Bezeichnung „Volksgruppe der Roma“ gilt als Oberbegriff für die verschiedenen in Österreich lebenden autochthonen Untergruppen. Gerhard Baumgartner erinnerte daran, dass am 16. Dezember 2018 nicht nur der 25. Jahrestag der Anerkennung der Volksgruppe der Roma als sechste österreichische Minderheit gefeiert werde, sondern am 10. Dezember der 70. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte begangen worden ist.
Endpunkt einer mehrere hundert Jahre dauernden Verfolgungsgeschichte
Baumgartner bezeichnete die Anerkennung der Roma als „Meilenstein in der österreichischen Rechtsgeschichte“, als Endpunkt einer mehrere hundert Jahre dauernden Verfolgungsgeschichte, als Höhepunkt österreichischer Minderheitenpolitik und als Beginn einer „europäischen Erfolgsgeschichte österreichischer Roma-Politik“. Bis dahin hatten Verfassungsjuristen den Roma und Sinti die Anerkennung als Volksgruppe verweigert, weil es ihnen an einer „dauerhaften Bindung an ein Territorium der Republik Österreich mangle“ und weil sie „keinerlei Selbstorganisation“ besäßen. Das Blatt wendete sich, als Siedlungsurkunden der burgenländischen Roma aus dem Jahr 1674 beigebracht wurden und als am 15. Juli 1989 der „Verein Roma“ in Oberwart gegründet wurde. Read the rest of this entry »