Literatur & Bücher

Roma-Autorenverband startet neu durch

März 5th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Literatur & Bücher

IRWA LogoIn der „International Roma Writers Association“ (IRWA) hat­ten sich Roma-Au­to­ren 2002 zu einem Inter­es­sens­ver­band zu­sam­men­ge­schlos­sen. Die Ak­ti­vi­tä­ten ver­san­de­ten je­doch schon nach we­ni­gen Jah­ren. Nun, nach über einem Jahr­zehnt des Still­stands, nimmt der Ver­band seine Tätig­keit wie­der auf. Roma-Au­torin­nen und -Au­to­ren aus al­ler Welt sind auf­gerufen, dem Ver­band bei­zu­tre­ten (sie­he un­ten).

Erfreuliche Nachrichten aus der Welt der Literatur: In Kuopio in Finn­land hat die „Inter­natio­nal Roma Writers As­so­cia­tion“ (Kansain­vä­li­nen Romani­kirjaili­jaliitto / Mas­karthe­mut­no Romane Hra­mut­nen­go Khe­dipen) nach Jahren des Still­stands wieder ihre Akti­vi­täten auf­ge­nom­men. Ur­sprüng­lich ge­gründet wor­den war der Ro­ma-Auto­ren­verband be­reits im Juli 2002 im Rah­men eines Kon­gres­ses im finni­schen Karjaa. Tat­kräftig unter­stützt wurde der neue Ver­band dabei von der Finni­schen Autoren­ver­eini­gung. Nobel­preis­träger Günter Grass schickte eine Glückwunsch­note und wurde zum ersten Ehren­mitglied der IRWA. Dem feier­li­chen Gründungs­akt voraus­ge­gan­gen war ein inter­natio­na­les Roma-Lite­raten­treffen in Köln, wo 2001 die Ein­richtung eines neuen Ver­bandes vor­berei­tet wurde. Das Treffen gip­felte in der „Kölner Erklärung“ vom 19. No­vem­ber 2001, in wel­cher die Ziel­setzungen der Ver­einigung fest­ge­legt wurden:

„Ziel des Verbandes ist es, die gemeinsa­men Interes­sen der Roma-Schrift­stel­lerin­nen und -Schrift­steller wahr­zu­nehmen und ihr viel­sprachiges und viel­fältiges literari­sches Schaffen sicht­bar zu ma­chen. Unter den Roma soll unsere Initia­tive dazu bei­tragen, das Bewusst­sein von der kultu­rel­len Gemein­sam­keit zu stärken, literari­sche Kreati­vität zu för­dern und das Romanès in seinen vielen Varian­ten als mo­derne Literatur­sprache zu etablie­ren. Um eine jun­ge Gene­ration von Ro­ma-Schrift­stel­lerin­nen und -Schriftstellern zu er­mutigen, regen wir die Ein­richtung von Stipendien und Preisen an.“

Zu den Zielen des neu geschaffenen Autoren­verbands zählte unter ande­rem die Schaf­fung einer „Romani Library“, ein um­fassendes, europa­weites Über­setzungs- und Editions­vorhaben. Read the rest of this entry »

„Ich nenne es banken“ (2017)

März 4th, 2019  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

FH Campus WienAstrid Hanisch (2017): „Ich nenne es banken“. Betteln und Schnor­ren im Kon­text ras­sis­ti­scher und natio­na­lis­ti­scher Kon­struk­tio­nen. Eine kri­ti­sche Diskurs­analyse

Masterarbeit an der Fachhochschule FH Campus Wien (Mas­ter­stu­di­en­gang: Sozial­raum­orien­tierte und Kli­ni­sche So­ziale Ar­beit), 116 S.

→Download der FH Campus Wien (pdf)

Abstract (S. II):

Im vorherrschenden Diskurs um das Straßen­betteln in Österreich hat die räum­li­che Her­kunft und Staats­bür­ger_in­nen­schaft der betteln­den Men­schen eine maß­geb­li­che Be­deu­tung. In der Unter­schei­dung zwi­schen den „eige­nen“ (öster­rei­chi­schen) und den „frem­den Bett­ler_in­nen“ (vor al­lem de­nen, aus dem ost- und süd­ost­europäi­schen EU-Aus­land) wer­den Sub­jekt- und Objekt-Kon­struk­tio­nen voll­zogen. Die „frem­den Ande­ren“ werden ent­indi­vi­duali­siert und als kol­lek­tive, massen­hafte Bedro­hung für den Sozial­staat und die öffent­li­che Sicher­heit be­han­delt. Gleich­zeitig wer­den bettelnde Men­schen im­mer wie­der als „Roma“ iden­ti­fiziert, wobei diese Ethnisierung als Pro­jek­tions­leis­tung der Mehr­heits­gesell­schaft zu ver­stehen ist, die Betrof­fenen selbst wer­den meist nicht be­fragt. Der Unter­suchungs­zeit­raum der vor­liegen­den Masterarbeit beginnt 2012, also unmittelbar vor oder nach dem Verfassungsgerichtsurteil, das das allgemeine Bettelverbot aufgehoben hatte. Es wur­den acht Broschüren aus den Bereic­hen Sozia­le Arbeit, Men­schen­rechts­orga­ni­sa­tio­nen, Polizei und Ge­meinden auf ihre Ver­hand­lung der Thema­tik hin unter­sucht. Dabei wurde so­wohl die Ver­wendung von Text als auch von Bildern berück­sich­tigt. Als Analyse­werk­zeug wur­de die Rahmen­analyse nach Erving Goffman an­ge­wen­det. So sollte es mög­lich werden, die sprach­liche und soziale Be­deutung von räum­licher Herkunft und Staats­bür­ger_in­nen­schaft und die daraus ab­gelei­tete Ethni­sie­rung mit­tels einer Kriti­schen Diskurs­analyse auf­zu­zeigen. Als we­sent­li­ches Er­geb­nis gilt, dass sich die Soziale Arbeit ihrer anti­rassistischen Ver­antwortung im Span­nungs­feld zwi­schen Polizei, den Gemein­den, dem politi­schen Willen und der medialen Bericht­erstat­tung be­wusst sein muss.

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„Betteln als Performance“ (2018)

Februar 26th, 2019  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazJohanna Raphaela Blamberger (2018): „Alle sitzen wie Pilze neben­einan­der und ma­chen: Bitte, Madame, bitte, Herr!“ – Betteln als Per­for­mance und Humor als Strategie: kultur­anthro­po­logi­sche RomNija-Be­geg­nungen auf den Straßen von Graz

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­sität Graz (Institut für Kultur­anthropo­logie und Euro­päi­sche Ethno­logie), 120 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

Die Arbeit beschäftigt sich mit Begegnungen mit jenen RomNija, die als Bett­lerInnen oder Zeitungs­ver­käu­ferIn­nen auf den Stra­ßen von Graz an­zu­tref­fen sind. RomNija er­scheinen durch stereo­type Zu­schrei­bun­gen und Ver­urteilun­gen hin­sicht­lich ihrer Identität im Zu­sam­men­spiel mit Narra­tiven, die in Bezug auf BettlerIn­nen exis­tieren, als eine homo­gene Per­sonen­gruppe mit spe­zi­fischen Eigen­schaften wie Dis­ziplin­losigkeit oder Arbeits­scheue. Die kultur­anthropo­logi­sche Forschungs­arbeit will eben­dieses Bild auf­brechen: Eine dif­feren­zierte, kon­textua­li­sierte Betrach­tung von Rom­Nija als Indivi­duen mit spezi­fischen Lebens­geschichten, Inten­tionen und Ge­danken sowie von der Tätig­keit des Bettelns und die Rolle der Mehr­heits­gesell­schaft werden hier­bei thema­ti­siert. Den theore­tischen Hinter­grund bildet dabei das Kon­zept des Antiziganismus, wel­ches die Ent­stehung und Re­produk­tion rassisti­scher Struk­turen in unserer Gesell­schaft ana­ly­siert. Kultur­wissen­schaftlich wird die Ansicht ver­folgt, dass Kultur als Ord­nungs­prin­zip in unse­rer Gesell­schaft an hoher Be­deu­tung ge­wonnen hat und dabei soziale, öko­nomi­sche und politi­sche Aspek­te, die zur Er­klärung von Lebens­situa­tio­nen dienen, in den Hinter­grund ge­drängt oder aber als kulturell be­dingt dar­gestellt wer­den. Interviews und Be­geg­nun­gen mit RomNija, Reflexio­nen über Begeg­nun­gen, histori­sche Be­trachtun­gen sowie die Ein­beziehung von künst­leri­schen Aus­einander­set­zungen er­öffnen einen Raum für ein differen­ziertes Ver­ständ­nis: Read the rest of this entry »

„Gewalt gegen Minderheiten“

Februar 7th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wissen schafft DemokratieNeues Buch des Instituts für Demokratie und Zivil­ge­sell­schaft be­leuch­tet Hass­kri­mi­na­li­tät aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven

Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – Thürin­ger Doku­men­ta­tions- und Forschungs­stelle gegen Men­schen­feind­lich­keit (Hrsg): Wissen schafft De­mokratie. Gewalt gegen Min­der­heiten (=Schrif­ten­reihe des Insti­tut für Demokratie und Zivil­gesell­schaft, Bd. 4), Amadeu Antonio Stif­tung: Berlin 2018

→Download (pdf) | →zum Inhaltsverzeichnis

Wie kann vorurteilsgeleitete Gewalt erkannt und ver­hindert wer­den? Was berich­ten Betrof­fene? Welche inter­natio­nalen Befunde zu Hass­kriminalität gibt es? Wie können gesell­schaft­lich stig­mati­sierte und dadurch beson­ders gefähr­dete Grup­pen ge­stärkt werden? Dis­kutiert wur­den diese und weite­re Fragen im Sep­tem­ber 2018 in Jena im Rahmen der Fach­kon­ferenz „Gewalt gegen Minder­heiten: Inter­natio­nale Per­spektiven und Strate­gien zum Um­gang mit Hass­krimina­lität“. Um die Inhalte einem brei­teren Pub­likum zur Ver­fügung zu stel­len, sind im vor­liegenden Konferenz­band die Vor­träge und Dis­kussio­nen doku­men­tiert und um weiter­führende Infor­ma­tio­nen er­gänzt.

„Gewalt gegen Minderheiten“ ist der Schwerpunkt dieses neuen Buches, wel­ches das Jenaer Insti­tut für Demo­kratie und Zivil­gesell­schaft (IDZ) im Januar ver­öffent­licht hat. Der Band ver­sam­melt 13 Artikel von deutschen, bri­tischen und kana­di­schen Autorin­nen und Autoren. Ne­ben wis­sen­schaft­li­chen Studien­ergeb­nissen wer­den auch der polizei­liche und zivil­gesell­schaft­liche Umgang mit rechter Gewalt und Hass­krimi­na­lität dis­kutiert.

Unter anderem zeigt die Auswertung einer um­fas­sen­den Befra­gung von Kriminali­täts­opfern durch die Krimi­no­log_in­nen Eva Gross, Arne Dreissigacker und Lars Riesner, dass Opfer von Vorurteils­krimina­li­tät ein deut­lich min­deres Sicherheits­gefühl, höhere Krimi­nalitäts­furcht und gerin­ge­res Vertrauen in die Polizei auf­weisen als Per­so­nen, die eben­falls zum Opfer von Krimina­lität wurden, bei denen aller­dings Vor­urteile keine Rolle spiel­ten.

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Poesijakero-atlas

Dezember 11th, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Poesie-Atlas CoverPoesijakero-atlas – Moderni poesijakeri kunst le Romendar

Buteder sar 250 poesiji le 100 pisi­masch­ki­jen­dar taj pisi­ma­schen­dar, tel len­dar te poar lirischi hangi andar i Austrija, o ardi­jasch­tscha Wilfried Ihrig taj Ulrich Janetzki use ada „mo­derni po­esi­jake­ro-atlas le Romen­dar taj Sinti­jen-dar“ khe­tan ledschine.

O khetan kedipe „Die Morgendämmerung der Worte“ o resul­ta­to jeke but ber­schen­gere rodi­pestar ando antik­varij­ar­tscha taj bibli­jo­tek­tscha la Euro­patar hi, o resul­tato jeke litera­tura­kere visen­schoft­lichi for­schi­ni­pestar uso kvel­tscha: Poesija le Ro­men­dar taj Sinti­jendar, le Lovar­jendar, le Kalde­ra­schen­dar, le Gitano­jendar, le Gypsie­jen­dar, le Travel­leren­dar taj le Jenischi­jen­dar. Schoha ang­loda na ulo asaj minden­felitiko, adala but sen­telima pra­dima lite­ratu­ratar, savi phare te lakel hi, asaj bulho si­kado.

O khetan kedipe na len tschak o lirischi ajgeni koji upre, save ande Roma­ni pisim hi, ham te o poesiji, save andar vala­mi bisch tschib­tscha andi nimtsch­ki tschib prik be­scharde ule, but lendar o ersch­tivar. Ardija­schi Wilfried Ihrig: „Phen­do ol, i literatu­ra themes­keri litera­tura hi, te oj vidschik gendi uli. I Ro­menge­ri-lite­ratu­ra the­mes­keri litera­tura hi, mint oj vidschik pisim ol, ande but vilagi, bojd ando cile vilagi le the­mestar.“

Taj sar pe jeke atlasiske kerinel, o cile pisimasch­kiji taj pisi­masch­tscha – andar o Rusto pedar i Rumeni­ja dschi andi Argen­ti­nija – schu­kar pal o vilagi sor­tirim. Upro bare anava peres, o bari­kane dsche­ne la Ro­menge­ra-poesi­ja­tar sar Papusza, Mattéo Maximoff vaj Alexander Germano; ham te upre but fat­reter­tscha jeka neva gene­ra­ci­jatar, save pu­maro litera­rischi than meg iste sora­lisa­rinen. Taj tel lendar o ardi­jasch­tscha mu­guli jek tekst le Charlie Chapli­nis­tar ke­verin­de, savo – sar le ov ande pri auto­bijo­grafija phe­nel – upral i dajakeri rik andar jek eng­litiki „Gipsy“-fa­milija tel schta­minel. Read the rest of this entry »

Poesie-Atlas

Dezember 8th, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Poesie-Atlas CoverPoesie-Atlas – Moderne Dichtkunst der Roma

Mehr als 250 Gedichte von 100 Autorinnen und Autoren, unter ihnen auch eini­ge lyri­sche Stim­men aus Österreich, ha­ben die Heraus­ge­ber Wil­fried Ihrig und Ulrich Ja­netzki zu die­sem „mo­der­nen Po­esie-At­las der Roma und Sinti“ zu­sam­men­ge­tra­gen.

Die Anthologie „Die Morgendämmerung der Worte“ ist der Er­trag einer jahre­langen Suche in den Anti­qua­ria­ten und Biblio­the­ken Europas, das Er­gebnis einer literatur­wissen­schaft­lichen For­schung an den Quellen: Poesie der Roma und Sinti, Lovara, Kalderasch, Gitanos, Gypsies, Tra­vel­lers oder Jenischen. Nie zuvor wurde die Viel­falt dieser weit ver­streut ver­öffent­lich­ten und nur schwer zu fas­senden Literatur so um­fassend dar­ge­stellt.

Die Anthologie nimmt nicht nur jene lyrischen Selbst­zeug­nisse auf, die in Romani ver­fasst worden sind, son­dern auch Gedichte, die aus etwa zwan­zig Sprachen ins Deutsche über­tra­gen wur­den, viele davon zum ersten Mal. Mit­heraus­ge­ber Wilfried Ihrig: „Man sagt, Litera­tur ist Welt­literatur, wenn sie überall ge­le­sen wird. Die Roma-Li­te­ratur ist Welt­literatur, weil sie überall ge­schrie­ben wird, in vie­len Ländern, fast al­len Ländern der Erde.“

Und wie es sich für einen Atlas gehört, sind die Autorin­nen und Auto­ren – von Russ­land über Rumänien bis Argen­tinien – fein säuber­lich nach Ländern grup­piert. Man stößt auf die großen Namen, die Bahn­brecher der Roma-Dich­tung wie Papusza, Mattéo Maximoff oder Alexander Germano; vor al­lem aber auch auf zahl­reiche Ver­treter einer neuen Gene­ration, die ihren litera­ri­schen Rang erst noch be­haup­ten müssen. Und mit­ten unter sie misch­ten die Heraus­geber sogar einen Text Charlie Chaplins, der – wie er selbst in seiner Auto­bio­grafie berich­tet – mütter­licher­seits von einer engli­schen „Gipsy“-Fa­milie ab­stammt. Read the rest of this entry »

Pippi als Roma-Mädchen

November 22nd, 2018  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Schwedische Originalausgabe von Pippi Langstrumpf (Foto: Wikipedia)Neues Hörspiel in Schweden: Pippi Langstrumpf als Roma-Mädchen

Radio F.R.E.I: →Beitrag anhören (ab 11:20)

Ende September 2018 sorgte eine neue Ver­sion der Aben­teuer von Pippi Langtrumpf für Schlag­zei­len in Schweden. Eine Auto­rin na­mens Gunilla Lundgren hat sich der Ge­schich­te an­ge­nom­men. In Ab­stim­mung mit Kindern mit Migra­tions­hinter­grund ent­wickelte sie die popu­läre Figur zu einem Roma­mädchen aus Rumänien. Pippi lebt in Schwe­den in einem sozia­len Brenn­punkt, einem klei­nen Vor­ort von Stockholm, in einem Bau­wagen, und hat dort we­der Pferd noch Affe, son­dern ledig­lich ein paar Kuschel­tiere. Nichts­desto­trotz ist sie frech und mutig und stark und kämpft sich über­all durch. Ein Kampf war es wohl auch, diese Ge­schichte zu er­zäh­len und dabei den Namen von Pippi zu ver­wenden. Die Erben von Astrid Lindgren, der Schöpfe­rin der po­pulä­ren Figur, waren wohl zu­erst nicht sehr an­getan, ließen sich aber schließ­lich mit dem Argu­ment über­reden, dass die Ein­nah­men aus dem Pro­jekt einer Kinder­bibliothek für Roma­kinder in Bukarest zu­gute kom­men würden. Außer­dem er­klärte die Autorin gegen­über „Deutschland­funk Kul­tur“: „Sie fan­den, dass wir die Geschichte durch­aus so ver­wen­den dür­fen. Wir haben uns ja ledig­lich von Pippi Lang­strumpf inspirieren las­sen. Das ist nicht die Pippi, son­dern ein Mädchen, das Pip­pi heißt.“

Die Idee zu der Geschichte entstand in einem Schreib­workshop in einer Schule in Rinkeby, einer Klein­stadt nahe Stoc­kholm, die oft als „klei­nes Mogadishu“ be­zeich­net wird. Über 90% der Leute, die dort woh­nen, haben Migra­tions­erfah­run­gen, knapp 50% sind afrika­ni­scher Ab­stam­mung. Als der Sender Sveriges Radio von der neu­en Version er­fuhr, nahm er sich der Sache an und pro­du­zierte die Höspiel­serie „Pippi in Rinkeby“. Read the rest of this entry »

Roma im Literaturunterricht

November 7th, 2018  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher

Komparatistik und DidaktikMarie-Luise Wünsche über den Buch­bei­trag „Ästhe­­ti­­sche Pro­duk­­tio­­nen von ‚Sinti und Roma‘ im Lite­ra­tur­unter­richt“:

[Franziska Krumwiede-Steiners Beitrag] widmet sich, wie der Unter­titel bereits an­kün­digt, den „Ästhe­ti­schen Produk­tio­nen von ‚Sinti und Roma‘ im Lite­ra­tur­unter­richt“. Eine der­artige prak­ti­sche An­re­gung für den Deutsch­un­ter­richt war über­fällig. Sie wäre wohl ohne den rich­tungs­wei­sen­den Bei­trag von Klaus-Michael Bogdal, auf den Krum­wiede-Stei­ner auch ver­weist, so immer noch nicht denk­bar ge­wesen. „Europa er­fin­det die Zigeuner“ er­schien 2011 im Suhrkamp-Verlag und wurde mit dem Grimme-Preis aus­ge­zeich­net. Dieser Bei­trag konnte al­ler­dings nicht die Men­schen mit ihren eige­nen Wer­ken in ihr Recht set­zen. Das war nicht das Thema des For­schungs­pro­jekts von Bogdal. Darin geht es um wis­sen­schaft­li­che Be­obach­tun­gen jener Konstruk­tio­nen und Stig­ma­ti­sie­run­gen, mit­tels derer eine mehr oder we­niger bunt zu­sam­men­ge­setzte Grup­pe von Men­schen (…) im­mer wieder neu und anders ent­weder roman­ti­sie­rend als „Zigeuner“ oder aber po­liti­sie­rend als „Sinti und Roma“ be­schrie­ben wurde und noch be­schrie­ben wird. Es kamen also nur die nicht ganz un­problema­ti­schen narra­tiven Struk­tu­ren des Geschich­ten­erzäh­lens über und nicht die Narrative des Ge­schichten­erzäh­lens von so­ge­nann­ten „Zigeunern“ respek­tive so­genann­ten „Sinti“ und „Roma“ zu Wort. Denen er­öff­net der Beitrag inner­halb dieses Sam­mel­bandes nun Frei­räume litera­ri­schen Ler­nens im Deutsch­unterricht hö­herer Jahr­gangs­stufen. (…)

Aus: Marie-Luise Wünsche, Unvergleichlich schöne ver­glei­chende Blicke auf den Lite­ratur­unter­richt und seine Theorien, in: literaturkritik.de, 1.11.2018 (Wir danken Marie-Luise Wünsche für die freundliche Genehmigung!)

Rezension über:
Michael Eggers / Christof Hamann (Hg.): Komparatistik und Didaktik, Aisthesis Ver­lag, Biele­feld 2018, 307 Sei­ten, ISBN-13: 9783849811648. (Inhaltsverzeichnis)

dROMa 53 (2018): „Bücherherbst“

Oktober 30th, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

dROMa53: "Bücherherbst" Terno dschend 2018
Bücherherbst | Kenvakero terno dschend

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Das mediale Interesse an Roma-Themen ist zwar merk­lich ge­schwun­den – nicht je­doch bei Büchern. Im Ge­gen­teil: Eine gan­ze Palet­te lesens­wer­ter Neu­erschei­nun­gen ge­langte in den letz­ten Mona­ten in den Buch­handel. Grund genug, uns ein­mal aus­führ­lich dem Thema „Bücher“ zu­zu­wen­den. Den An­fang macht Wolfgang Freitag, Re­dak­teur der „Pres­se“-Feuil­le­ton­bei­lage „Spectrum“. Er stellt in einem Gast­beitrag seine histori­sche Re­cher­che über einen tra­gi­schen Justizfall der Nach­kriegs­jahre vor („Der Fall Karl Horvath“). Michael Teich­mann traf sich mit dem Ethno­lo­gen Michael Archan, der im Autoren­ge­spräch von seiner Studie „Der gute und der gläu­bige Gitano“ be­rich­tet: Ein un­sicht­barer Riss zieht sich dem­nach durch die katala­ni­sche Gita­no-Ge­mein­schaft, in der Archan selbst mo­nate­lang gelebt hat. Roman Urbaner hat „An­dere Akkorde“, den jüngs­ten Roman der be­kann­ten jenischen Auto­rin Simone Schönett, ge­lesen, in dem es um die Vision einer fried­fer­ti­gen Roma-Re­volte geht, und hat dabei einige geschicht­liche und literari­sche Vor­läufer ent­deckt. Und ein Hin­weis auf eine liebe­voll ge­staltete Antholo­gie mo­der­ner Roma-Lyrik schließt diese Aus­gabe ab: „Die Morgen­dämme­rung der Worte“.

O medijali interesi upro Romengere- temtscha tschu­leder ulo – ham na uso kenvi. Avrijal hi: But neve kenvi ando lejcti ma­sek­tscha ando kenva­kere boti te lakel hi. Jek koja, amen jefkar sora­leder la tema­ke „kenvi“ use te irinel. O kes­dipe kerel o Wolfgang Freitag, pisi­­maschi le „Spectru­mistar“, le use pasch­lime pisini­pestar le dive­ses­kere papru­schane nevi­pestar „Presse“. Read the rest of this entry »

Festschrift „Spuren des Widerständigen“

Oktober 2nd, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, Wissenschaft

Festschroft für Erika ThurnerAlexandra Weiss/Karin Liebhart (Hg.): Spuren des Widerständigen. Forschung für Emanzipation und Demokratie. Eine Festschrift für Erika Thurner, Innsbruck University Press: Innsbruck 2018.

Buchpräsentation in Innsbruck: 10. Oktober 2018, 19.00 Uhr, Buchhandlung Liber Wiederin

Den Spuren des Widerständigen geht Erika Thurner in ihrer Forschung – sei es zur Arbei­ter­bewe­gung, zu Frauen­ge­schichte und -po­litik oder zur Ver­fol­gung und Ver­nich­tungs­po­li­tik des Natio­nal­sozia­lis­mus gegen­über Roma und Sinti – nach und sie ver­kör­pert diese Wider­stän­dig­keit als poli­tisch posi­tio­nierte und en­ga­gier­te Wis­sen­schaf­te­rin. Die For­schungs­fragen, die wir stel­len, sa­gen viel über uns aus – nicht nur als Wissen­schaf­terIn­nen, son­dern auch über unsere Her­kunft und un­sere politi­schen An­liegen. Sie er­zählen et­was darüber, ob wir Wis­sen­schaft als Instru­ment der Gesell­schafts­ver­änderung sehen oder als selbstre­feren­tielles System, zu dem sie unter den Be­din­gungen neo­liberaler Hoch­schul­politik im­mer mehr wird. Erika Thurner kam zu einer Zeit in dieses System des Wis­sen­schafts­betrie­bes, in der es sich ge­rade öff­nete oder öffnen muss­te für kriti­sches Den­ken – und sie nutz­te diese Mög­lich­keit im besten Sinn einer Wis­sen­schaft für Eman­zi­pa­tion und De­mokra­tie.

Der Band versammelt Beiträge von Angelica Bäumer, Erich Hackl, Elisabeth Hussl und Beate Eder-Jordan, Heinrich Neisser, Helga Embacher, Karin Liebhart, Anton Pelinka, Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr, Reinhold Gärtner und Alexandra Weiss.

(Innsbruck University Press)

„Und eisig weht der kalte Wind“

Juli 10th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher

Eine Neuerscheinung aus Deutschland: "Und eisig weht der kalte Wind"Ricardo Lenzi Laubinger: Und eisig weht der kalte Wind. Die ergreifende Geschichte einer Sintifamilie, Verlag Books on Demand: Norderstedt 2018, Paperback, 280 S., ISBN-13: 9783743189959 (dort nicht mehr er­hält­lich)

Update: Das Buch ist inzwischen beim Klak-Verlag in Berlin er­schie­nen. ISBN 978-3-948156-21-3. Das Buch ist auch im Buch­han­del be­stell­bar oder vor­rätig.

Dieses Buch, „Und eisig weht der kalte Wind“, er­zählt die wahre Lebens- und Lei­dens­ge­schichte mei­ner Familie, be­son­ders die mei­ner Mutter Bertha „Sichla“ Weiss, einer deutschen Sintiza, die im Alter von 14 Jah­ren von den Natio­nal­sozia­lis­ten, zu­sam­men mit all ihren An­ge­höri­gen von Hamburg aus nach Polen in die Kon­zentra­tions­lager ver­schleppt wurde. Es war eine der un­zäh­li­gen Sinti­familien, die im III. Reich den Groß­teil ihrer An­gehö­ri­gen durch die ge­plan­te Volks­ver­nich­tung der Nazis an den Juden sowie an den Sinti und Roma ver­lo­ren hatte.

Lesen Sie hier die Geschichte eines 14-jäh­ri­gen Mädchens, das ihre Eltern, ihre sie­ben Ge­schwis­ter, ihre Groß­eltern, Tanten und Onkel so­wie die meis­ten deren Kinder ver­lo­ren hat, weil sie alle von den Nazis in den Kon­zentra­tions­lagern er­mordet wur­den. Sie war fast 20 Jahre alt, als sie end­lich von den Alliier­ten befreit wur­de, und hat­te 59 fürch­ter­liche und grauen­volle Monate Haft in ver­schie­de­nen Kon­zentra­tions­la­gern überlebt. Aber sie hat­te ihre gesam­te Fa­milie und mehr als 60 weite­re An­gehö­rige ver­loren. Sie war die einzige Überlebende ihrer gesam­ten Ver­wandt­schaft. Doch war der Leidensweg nach ihrer Befreiung noch lan­ge nicht vorbei. Denn auch nach dem Krieg und in der Bundes­republik wur­den die Sinti weiter­hin benach­tei­ligt und dis­krimi­niert.

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Zigeu­ner­fi­gu­ren in Kinderbüchern

Juli 4th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Zigeunerfiguren in der Kinder- und Jugendliteratur: "5 Freunde und ein Zigeunermädchen"Bibliografie zu Zigeunerfiguren, Sinti und Roma in der deutschsprachigen Kinder- und Ju­gend­literatur

➜Bibliografie (pdf)

Die Projektgruppe „Zigeunerbilder“ der AG Jugend­literatur und Medien (AJuM der GEW) hat eine eine Biblio­gra­phie zu Zigeu­ner­fi­gu­ren, Sinti und Roma in der deutsch­spra­chi­gen Kinder- und Ju­gend­literatur er­arbei­tet. Sie sam­melt kinder- und jugend­litera­ri­sche Primär­lite­ra­tur, in der Figuren vor­kom­men, die Zigeuner, Roma oder Sinti sind. Die um­fang­rei­che Biblio­grafie bie­tet For­schen­den nun eine wich­ti­ge Re­cher­che­an­lauf­stelle (zur Bibliografie gelangen Sie hier). In ihrem Artikel beschreibt Ute Wolters als Mit­glied der Projekt­gruppe, in­wie­fern die The­ma­tik ein Desi­de­rat in der Kinder- und Jugend­literatur­for­schung dar­stellt:

Es gibt aus den letzten Jahren mehrere grund­le­gen­de Unter­suchun­gen zum literari­schen bzw. medialen Bild des Zi­geu­ners (Solms 2008, Patrut 2007 und 2008, Bogdal 2011, Brittnacher 2012, Reuter 2014), wobei die Kinder- und Ju­gend­literatur eher stief­mütter­lich bis gar nicht be­han­delt wird. Lange Zeit wurde über­sehen, dass Zigeu­ner als Haupt- oder Neben­figuren in sehr vie­len Texten der Kinder- und Ju­gend­literatur vor­kom­men (Dahrendorf 1980, Kahlkul 1999, Weinkauff 2006, Carstiuc 2011). (Wolters 2015)

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Wohnung, Buchklub, Wiener Kuchl

Mai 15th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher

Buchklub Palikerav (Foto: v via SozialMarie)Im ORF-RadioKulturhaus in Wien wurden die dies­jähri­gen Ge­win­ner der „Sozial­Marie“ be­kannt ge­ge­ben. 15 sozial in­no­va­tive Pro­jekte wur­den mit dem be­reits zum 14. Mal ver­gebe­nen Preis aus­ge­zeich­net. Organi­siert wird der Preis von der Unruhe Pri­vat­stif­tung.

Der mit 15.000 Euro dotierte erste Preis ging an ein Obdach­losen-Pro­jekt in Tschechien: Housing First for Families in Brno: Fünf­zig ob­dach­lo­se Fa­mi­lien wird eine Stadt­wohnung er­mög­licht. Die Fami­lien wer­den dabei be­glei­tet und be­treut, ein neues Leben zu be­gin­nen. „Die Strate­gie scheint auf­zu­gehen. Über 90 Pro­zent der Fami­lien leben nach einem Jahr weiter­hin gemein­sam in ihrer eige­nen Wohnung, Kin­der kehren aus der Fremd­unter­brin­gung in ihre Familie zu­rück, arbeits­lose Fami­lien­mit­glie­der finden einen Job, die Kinder gehen regel­mä­ßi­ger in die Schule, die finan­zielle Lage und die ge­samte fami­liäre Situa­tion stabi­li­sie­ren sich“, er­klä­ren die Organi­sa­to­ren der Sozial­Marie.

Den zweiten Preis in der Höhe von 10.000 Euro ver­gab die Jury an das slowa­ki­sche Pro­jekt Book Club PAĽIKERAV: Bei diesem „Buchklub“ er­hal­ten junge Roma in Košice Bücher, die ihnen von den Auto­rin­nen und Auto­ren über­ge­ben werden. Die Roma er­stel­len Video-Buch­rezen­sio­nen, die dann im Internet prä­sen­tiert werden. In­zwi­schen werden drei neue Video­rezen­sio­nen pro Woche ver­öffent­licht. Darüber hinaus gibt es Dis­kus­sions­runden und Buch­präsen­ta­tio­nen. Read the rest of this entry »

„Heimat Fremde Heimat“ am 29. April

April 29th, 2018  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Heimat Fremde HeimatStefan Lenglinger präsentiert im ORF-Magazin „Hei­mat Frem­de Heimat“ in ORF 2 (online ansehen) u.a. fol­gen­de Beiträge:

Roma und Europa – Die unendliche Geschichte der Dis­kri­mi­nie­rung

Es ist die Zeit der Utopien, auch für die europäi­schen Roma: Die jenische Schrift­stel­le­rin Simone Schönett the­ma­ti­siert in ihrem Roman die Idee eines ei­ge­nen eu­ro­pä­i­schen Roma-Staates, je­doch ohne Land. Das Berli­ner Maxim-Gor­ki-The­ater pro­vo­ziert die­ser Tage mit dem Stück „Roma-Armee“, das nach einer Idee der be­iden Wiener Rom­ni­ja Sandra und Simonida Selimović ent­stan­den ist. Nicht mit Waffen, aber mit Kunst wol­le man gegen die nicht enden wol­len­de Diskri­mi­nie­rung an­kämpfen, so die Haupt­dar­stel­le­rin Sandra Seli­mo­vić. Die öster­rei­chi­schen Volks­grup­pen­ver­tre­ter for­dern einen euro­päi­schen gesetz­li­chen Rahmen, der Anti­ziganis­mus unter Strafe stellt und einen euro­päi­schen Kom­mis­sar, der sich für die Be­lange der größ­ten euro­päi­schen Volks­gruppe ein­setzt. Sabina Zwitter be­rich­tet.

Roma-Literatur – Was ist das eigentlich?

Immer wieder werden Roma als ungebildetes, nicht litera­ri­sches Volk stig­ma­ti­siert. Viel­mehr wur­den aber die Weis­heiten, Erin­ne­run­gen und Er­zählun­gen bei den Roma münd­lich über­liefert. Dabei diente ihnen ihre Sprache in Zei­ten der Ver­fol­gung als Schutz, den sie logi­scher­weise nicht auf­geben woll­ten. Mit der Kodi­fi­zie­rung des Romani in Österreich setz­te die öster­rei­chi­sche Volks­gruppe ein Signal der Öff­nung, aber auch litera­ri­sche Zeichen. „Was ist Roma-Li­te­ra­tur? Ist es Literatur, die in Ro­ma­ni ge­schrie­ben wur­de, oder Litera­tur, die von Roma ge­schrie­ben wurde? Oder viel­leicht Litera­tur, die sich mit Roma-Themen aus­einan­der­setzt? Diese Fragen be­ant­worten die Schrift­steller und Brü­der Samuel und Károly Mágó sowie die Lite­ra­tur­wis­sen­schafte­rin Katharina Janoska. Ein Beitrag von Sabina Zwitter.

(Text: ORF, Programmankündigung)

kulturMontag: „Werde glücklich!“

März 26th, 2018  |  Published in Kunst & Fotografie, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

TurnauerORF2 – „kulturMontag“
Sendetermin: 26. März 2018, 22.30 Uhr

Zur Sendung: TVthek

Der von Clarissa Stadler moderierte „kul­turMontag“ prä­sen­tiert eine span­nende Themen­palette: So be­fasst sich die Sen­dung mit „Faust“ in der Kunst. Wei­ters blickt der „kulturMon­tag“ nach Ungarn und be­fragt an­läss­lich der Par­laments­wah­len am 8. April Künst­le­rin­nen und Künst­ler zur ak­tuel­len poli­ti­schen Situa­tion. Am 8. April ist auch Inter­na­tio­na­ler Tag der Roma: Aus die­sem An­lass blickt die Sen­dung an­hand zweier Kunst­pro­jekte auf die Lebens­welt und Kultur der Roma:

„Werde glücklich!“ – Samuel Mágós Kurzgeschichten über Roma in Wien und Bu­da­pest

In seinem zweisprachigen Erzählband „Der Glücksmacher“, den er ge­mein­sam mit sei­nem Bruder Károly ver­fasst hat, be­rich­tet Autor und Roma-Ak­ti­vist Samuel Mágó aus der Lebens­welt der Roma. Ihre Erzählun­gen be­ru­hen auf eige­nen Fami­lien­ge­schich­ten und ent­wickeln sich ent­lang wich­tiger zeit­geschicht­li­cher Eck­daten wie der NS-Zeit, der ungarischen Re­vo­lu­tion 1956 und dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs bis in die Ge­gen­wart. Ge­bo­ren in Budapest in eine tra­di­tions­reiche Mu­si­ker­fami­lie und auf­ge­wach­sen in Wien, führt Samuel Mágó durch seine Heimat­stadt und spricht im „kul­turMon­tag“ kurz vor dem Inter­na­tio­na­len Roma-Tag am 8. April darüber, was es heute be­deu­tet, Roma zu sein.

Christine Turnauer nähert sich den Roma auf ganz andere Weise. Für ihr neues Buch hat die Foto­gra­fin Roma von Indien über Bul­ga­rien und Rumä­nien bis zum Kosovo be­sucht und fern­ab aller kitschi­gen Kli­schees Men­schen fotogra­fiert, „bei de­ren An­blick wir nicht Mit­leid, son­dern Be­wun­de­rung ver­spü­ren“, so der Schrift­stel­ler Karl-Markus Gauß in einer Wür­di­gung.

(ORF.at)

»Mit einer Rückkehr ist nicht mehr zu rechnen …«

Januar 20th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Historische Neuerscheinung: Die Verfolgung der Sinti und Roma in MannheimUdo Engbring-Romang:
»Mit einer Rückkehr ist nicht mehr zu rechnen …«
Die Verfolgung der Sinti und Roma in Mannheim

Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadt­geschichte, Bd. 11
Jan Thorbecke Verlag: Ostfildern 2017
Hardcover, 160 S., ISBN: 978-3-7995-0960-2

Wie überall in Deutschland wurden im März 1943 Sinti und Roma aus Mannheim von den national­sozialis­ti­schen Macht­habern in das Ver­nich­tungs­lager Auschwitz de­portiert. Ziel war wie bei den Juden die Be­sei­ti­gung der als »außer­euro­päi­sche Fremd­rasse« be­zeich­ne­ten Men­schen. Die Dis­krimi­nie­rung und Verfolgung be­gann aber nicht erst in der Zeit des Nationalsozialismus; schon frü­her wur­den sie aus­gegrenzt und wa­ren bereits in der Weimarer Zeit staat­li­chen Repressionen aus­gesetzt. Read the rest of this entry »

Papst-Treffen: Bibel auf Romani überreicht

November 29th, 2017  |  Published in Interview, Literatur & Bücher, Religion, Romani

Kardinal Erdö überreicht Papst Franziskus eine Ausgabe der Heiligen Schrift in der Sprache Lovari-Romani. (Foto: CNA/Osservatore Romano)Anlässlich des Ad-limina-Besuchs der un­ga­ri­schen Bischöfe bei Papst Franziskus sprach Kardinal Peter Erdö, Erz­bischof von Ezstergom-Bu­dapest, mit der katho­li­schen Agen­tur CNA. Nicht nur das Kreuz des Inter­na­tio­na­len Eucha­ris­ti­schen Kon­gres­ses, der 2020 in Budapest statt­fin­den wird, hat Papst Fran­zis­kus von den un­gari­schen Bischö­fen er­hal­ten, son­dern auch ein Exemplar der Bibel auf Lovari-Romani, der laut Erdö von den Roma in der Region am meis­ten ge­nutz­ten Sprache. Diese Über­setzung der Bibel geht einer Über­set­zung litur­gi­scher Texte ins Ro­mani voraus.

Worüber haben Sie – die Bischöfe – beim Teffen gesprochen?
Über viele Dinge. Wir haben auch über die Roma gespro­chen, die acht Pro­zent der Bevöl­ke­rung dar­stellen. Wir haben über ihre Kultur und ihre Sprache ge­spro­chen und daraus ergab sich dann auch ein Gespräch über die Be­deut­sam­keit der klei­nen und gro­ßen Völker in Europa. Der Heilige Vater hat uns ge­ant­wor­tet, dass die Kulturen der Län­der echte Werte sind. Europa ist, in christ­li­cher Sicht, nicht ein graues oder gleich­för­mi­ges Europa, son­dern ein Europa, das aus vielen Kulturen, Er­fah­run­gen und Nati­onen zu­sam­men­gesetzt ist, die unter­einan­der ver­söhnt sind und ge­mein­same Wur­zeln haben – die zu einem sehr beträcht­li­chen Teil christ­liche Wurzeln sind.

Sie haben auch über die Möglichkeit einer Messe in der Sprache der Roma ge­spro­chen?
Der Papst hat uns ermutigt, so eine Messe vorzubereiten. Die Roma in Ungarn spre­chen ver­schie­dene Sprachen. Ob­wohl die über­wie­gende Mehr­heit Ungarisch ver­steht, haben doch viele mit unserer Sprache auch Schwie­rig­keiten. Im All­gemei­nen ist die Spra­che Lovari-Romani die in Zentral­europa am meis­ten ver­brei­tete Roma-Sprache. Sie hat viel mit Sanskrit zu tun. Wir haben die Heraus­for­de­rung an­ge­nom­men, die Über­setzung der gesamten Bibel in diese Sprache vor­zu­berei­ten – die katholi­sche Kirche zu­sammen mit Intel­lek­tuel­len der Roma. Diese Über­setzung wurde nach einer über zehn­jähri­gen Arbeit fertig­gestellt und dann von der Bischofs­kon­fe­renz ge­neh­migt. Ich habe diese Übersetzung der Bibel dem Heili­gen Vater über­reicht, der sie mit großer Freude ent­gegen­ge­nom­men hat.

Die Erstellung eines Messbuchs ist also der nächste Schritt?
Da es nun ja schon eine Terminologie für die gesamte Bibel gibt, ist die Über­setzung des Messbuches kein Ding der Un­mög­lich­keit mehr. Wir haben eine Kom­mis­sion ein­ge­rich­tet und wir arbeiten daran. Wir sind dem Heiligen Vater dank­bar für seine Er­mu­ti­gung, diese Arbeit wei­ter­zuführen.

(Quelle: CNA)

Betteldebatte: Rassismus in Salzburger Medien­

November 27th, 2017  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Danyal Maneka (2016): Die Anderen der Mozartstadt – Zur Rolle ras­sis­ti­scher Be­deu­tungs­kon­struk­tion im Salzburger Print­medien­diskurs vor dem Beschluss des sek­to­ra­len Bet­tel­ver­bots

Bachelorarbeit (Institut für Poli­tik­wis­sen­­schaft), Uni­ver­si­tät Wien, 44 S.

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[Die Berichterstattung] begann relativ abrupt Ende Februar 2015 und en­dete An­fang Juni 2015 eben­so plötz­lich wie­der, und zwar zeit­gleich mit dem Beschluss ei­nes sektoralen Bettelverbotes durch die Ge­mein­de. Die Inten­sität der Bericht­er­stat­tung (in drei Mo­na­ten ca. 180 Beiträge in den zwei größ­ten Zeitungen!), die Se­quenz von media­ler Auf­merk­sam­keit und Han­deln der Politik und der plötz­liche Abfall der Auf­merk­sam­keit nach dem Handeln lässt ver­mu­ten, dass es sich bei der Medien­kampagne um eine Offen­sive gegen Armuts­migran­tInnen aus Süd­ost­europa (…) han­delt.

(…) Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit der Praxis der Migra­tion oder des Bettelns an sich (…). Thema ist aus­schließ­lich die print­mediale Reprä­sen­ta­tion tem­po­rärer Armuts­migra­tionen (von RomNija) im Vor­feld des Beschlus­ses des sekto­ralen Bettel­verbots. Ge­nauer gesagt soll der Frage nach­gegan­gen werden, ob Rassismus in der Salz­bur­ger Print­medien­debatte über das Betteln und seine Ak­teurIn­nen in den drei Mona­ten vor dem Beschluss eine Rolle spielt, um Auf­schluss darüber zu er­hal­ten, in­wie­weit Res­sen­ti­ments im kon­kreten Fall den repres­siven Um­gang mit Armuts­migran­tInnen legi­ti­mie­ren. Anders ge­sagt: Ent­hält die Art und Weise wie AutorInnen Armuts­mig­ran­tInnen dar­stel­len rassistische Ele­mente?

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Der Kampf gegen Antiziganismus

November 23rd, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Der Kampf gegen Antiziganismus in EuropaDer Kampf gegen Antiziganismus in Europa
Eine Veröffentlichung der Grünen im Euro­päi­schen Par­la­ment
>>Download (pdf)

Antiziganismus ist eine spezifische Form des Rassismus, die sich gegen Angehörige der Roma-Min­der­heiten (und ähn­li­cher Grup­pen)  in ganz Europa rich­tet. Der Kampf gegen Armut und soziale Aus­gren­zung, denen viele Roma in ganz Euro­pa aus­gesetzt sind, kann daher nur wirk­sam ent­gegen­ge­tre­ten wer­den, wenn auch der tief ver­wur­zelte Anti­ziganis­mus be­kämpft wird. Die vor­lie­gen­de Publikation soll einen Bei­trag leisten im Kampf gegen Anti­ziganis­mus. Sie möchte infor­mieren und ein Bewusst­sein schaf­fen für die viel­schichtige Dis­krimi­nierung denen euro­päische Roma auf­grund von Anti­ziganismus aus­gesetzt sind. An­hand kurzer Aufsätze von grünen Abge­ord­neten, Roma-Ak­ti­vist/innen und Wis­sen­schaft­ler/innen wird die EU-Politik be­züglich Roma und der Anti­ziganis­mus in Österreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn und Schweden analy­siert.

(Text: Zentalrat)

Romafrauen – Kampf gegen Klischees

Oktober 23rd, 2017  |  Published in Frauenrechte, Kunst & Fotografie, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Heimat Fremde Heimat „Heimat Fremde Heimat“
ORF2, Sendung vom 22.10..2017
Ansehen: ORF-TVthek (09:50 min.)


Lakis Jordanopoulos präsentiert das ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ am Sonn­tag, dem 22. Ok­to­ber 2017, um 13.30 Uhr in ORF. Weitere Beiträge: Zertifikats­kurs für Lehr­kräfte mit Flucht­hin­ter­grund und Wiens Tibet-Res­tau­rant „Songtsen Gampo“ fei­ert 20-Jahr-Ju­bi­läum.

Romnja-Verein Vivaro in Wien (Foto: http://vivaro.at)Romafrauen – Kampf gegen Klischees

Frauen aus den Reihen der Roma und Jenischen lehnen sich ak­tuell gegen Klischees und Ste­reo­typen auf. Schon lange ent­spräche das Bild von der im Wohn­wagen herum­zie­hen­den, hausie­ren­den und wahr­sagen­den Roma­frau nicht mehr der Rea­li­tät. Dieser Wandel ihrer Lebens­situa­tion wird je­doch von der Mehr­heits­bevöl­ke­rung meis­tens nicht wahr­ge­nom­men. Des­halb ent­schlos­sen sich der Verein Vivaro und die jenische Schrift­stel­le­rin Simone Schönett, die heu­tige Realität mit ent­spre­chen­den Bildern und Er­zäh­lun­gen ab­zu­bilden.

Ein Bericht von Sabina Zwitter.

(Text: ORF Programmankündigung)