Pippi als Roma-Mädchen
November 22nd, 2018 | Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
Neues Hörspiel in Schweden: Pippi Langstrumpf als Roma-Mädchen
Radio F.R.E.I: →Beitrag anhören (ab 11:20)
Ende September 2018 sorgte eine neue Version der Abenteuer von Pippi Langtrumpf für Schlagzeilen in Schweden. Eine Autorin namens Gunilla Lundgren hat sich der Geschichte angenommen. In Abstimmung mit Kindern mit Migrationshintergrund entwickelte sie die populäre Figur zu einem Romamädchen aus Rumänien. Pippi lebt in Schweden in einem sozialen Brennpunkt, einem kleinen Vorort von Stockholm, in einem Bauwagen, und hat dort weder Pferd noch Affe, sondern lediglich ein paar Kuscheltiere. Nichtsdestotrotz ist sie frech und mutig und stark und kämpft sich überall durch. Ein Kampf war es wohl auch, diese Geschichte zu erzählen und dabei den Namen von Pippi zu verwenden. Die Erben von Astrid Lindgren, der Schöpferin der populären Figur, waren wohl zuerst nicht sehr angetan, ließen sich aber schließlich mit dem Argument überreden, dass die Einnahmen aus dem Projekt einer Kinderbibliothek für Romakinder in Bukarest zugute kommen würden. Außerdem erklärte die Autorin gegenüber „Deutschlandfunk Kultur“: „Sie fanden, dass wir die Geschichte durchaus so verwenden dürfen. Wir haben uns ja lediglich von Pippi Langstrumpf inspirieren lassen. Das ist nicht die Pippi, sondern ein Mädchen, das Pippi heißt.“
Die Idee zu der Geschichte entstand in einem Schreibworkshop in einer Schule in Rinkeby, einer Kleinstadt nahe Stockholm, die oft als „kleines Mogadishu“ bezeichnet wird. Über 90% der Leute, die dort wohnen, haben Migrationserfahrungen, knapp 50% sind afrikanischer Abstammung. Als der Sender Sveriges Radio von der neuen Version erfuhr, nahm er sich der Sache an und produzierte die Höspielserie „Pippi in Rinkeby“. Diese soll es nun in schwedischer Spacrhe, aber auch in verschiedenen sogenannten Minderheitensprachen geben, als da wären: Romani, Finnisch, Meänkieli, Sami und Jiddisch. Und ins Rumänische selbst soll es dann wohl auch noch übertragen werden.
(Text: Radio F.R.E.I., 20.11.2018 | CC BY-NC-SA 2.0 DE)